Friday, January 27, 2017

Aufbauspritzen


Haben Sie schon einmal von Aufbauspritzen gehört? Mir wird häufiger davon berichtet. Und letztens brachte eine Patientin eine Anzeige aus der Zeitschrift Myway (Nr. 11/2016) mit. Da werden ein gesunder Lifestyle und das Präparat Medivitan (Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12 in einem Zweikammersystem) beworben. Warum Lifestyle und nicht Lebensstil? Weil es so moderner klingt, wie auch Anti-Aging. Man nennt es in der Anzeige: „Medivitan – die ärztlich verabreichte Aufbaukur“. Außerdem soll die Chronifizierung von Schmerzen verhindert werden.

Für einen gesunden Lebensstil brauchen Sie keine Injektionen. Warum also zusätzliche Injektionen?

In der Anzeige werden zwei Studien angeführt.
Die Studie von H.J. Naurath und Kollegen stammt aus dem Jahr 1995 (1). Die Autoren untersuchten: “Effects of vitamin B12, folate, and vitamin B6 supplements in elderly people with normal serum vitamin concentrations.” Es handelte sich um eine multizentrische, Placebo kontrollierte Doppel-Blind-Studie. Die Autoren diskutierten, dass die Ansprechrate auf Vitaminpräparate die Hypothese unterstützt, dass metabolische Befunde auf Vitaminmangel bei älteren Patienten, auch bei Vorhandensein normaler Serumvitaminspiegel, häufig vorkommen, und dass Teste auf diese Metabolite die Identifizierung von älteren Patienten ermöglichen, die von Vitaminpräparaten profitieren könnten. Dies wären u.a. die Methylmalonsäure und das Homocystein.
Die Studie von A. Engels und Kollegen stammt aus dem Jahr 2007 (2). Die Autoren fassten die Ergebnisse so zusammen: „… In einer Praxisstudie führte eine vierwöchige Injektionsbehandlung mit einer Kombination aus Vitamin B6, B12 und Folsäure zu einer deutlichen Besserung der Befindlichkeit.“ Da die Studie nicht gegen Placebo prüfte, ist der Wert der Ergebnisse doch zweifelhaft.

Ich habe noch eine neuere Studie einer iranischen Forschergruppe gefunden (3): „Anti-nociceptive and anti-inflammatory effects of cyanocobalamin (vitamin B12) against acute and chronic pain and inflammation in mice.“ Zusammenfassend zeigte die Arbeit einige experimentelle Nachweise, dass die Verabreichung von Cyanocobalamin bei akuten und chronischen neuropathischen Schmerzen unterstützen kann. Cyanocobalamin könnte eine entzündungshemmende Wirkung haben. Es könnte auch die Toleranz gegenüber der anti-nozizeptiven Wirkung von Morphin verringern. D.h. hier liegen erste Ergebnisse an Mäusen vor, dass z.B. die Toleranzentwicklung von Morphium verringert werden könnte; aber das ist eine aus den Experimenten herausgegangene Hypothese.

Das alles überzeugt mich nicht von der Sinnhaftigkeit von Aufbauspritzen. „Eine Aufbaukur mit Medivitan® wird Ihnen als privatärztliche Leistung angeboten, da die gesetzlichen Krankenkassen diese Kur zurzeit nicht erstatten.“ (4) Ich meine schon, dass es Indikationen für einen redlichen Gebrauch von Medivitan geben könnte, aber die Aufbaukur zähle ich nicht dazu. Die halte ich für Abzocke.


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