Saturday, January 28, 2017

Eine Art biografische Notiz zu Professor Chang Hao 張昊


Als ich begann, über meinen Aufenthalt in Taiwan nachzudenken und zu schreiben, musste ich sofort an Professor Chang Hao (Pinyin: Zhang Hao ) 張昊 denken, der dies erst ermöglicht hatte, indem er ein Stipendium für mich nach Taiwan besorgt hatte. Ich war etwas überrascht, wie wenig im Internet über ihn zu finden ist.

Die erste Stelle, die ich fand, war eine Fußnote aus einem Buch, das in Köln erschienen war. Es handelte sich um den Band 28 der Sinologica Coloniensis, herausgegeben von H. Walraven und M Gimm, unter dem Titel: „Wie jiao zi ai“ bzw. 為教自愛. „Schone Dich für die Wissenschaft!“ Leben und Werk des Kölner Sinologen Walter Fuchs (1902-1979) in Dokumenten und Briefen; (2010) Harassowitz, Wiesbaden. In der Fußnote 165 heißt es nun: „Chang Hao [Zhang Hao] 張昊 (1912-2003) erhielt als Sohn eines hohen kaiserlichen Beamten eine traditionelle chinesische Erziehung. Nach einem Musikstudium in Paris (u.a. bei Olivier Messiaen und Ivonne Loriot) Komponisten- und Dirigententätigkeit; eine Oper wurde in Paris aufgeführt. Seit den fünfziger Jahren war er als chinesischer Lektor am Orientalischen Seminar (Prof. Alessio Bombaci) tätig und kam 1970 als Lektor an das Ostasiatische Seminar Köln. Nach seiner Pensionierung lebte er in Taipei als Professor am Yangming shan. Dort und auch auf dem chinesischen Festland führte er als Dirigent seine musikalischen Werke auf.“

Ich hatte in Köln das Studium in einem Sommersemester begonnen, so dass der Sprachkurs bereits lief. Deshalb besuchte ich in diesem Semester fast ausschließlich die Übungen bei Professor Chang. Mir hatte es besonders der Kurs der Kalligraphie angetan. Er lehrte in mehreren Sprachen gleichzeitig – vielleicht hatte das auch für mein weiteres Leben Einfluss – die Polyglottie. Das Interesse für Sprachen. Wichtig war ihm die Vermittlung einer Haltung durch die erst die chinesische Kalligraphie möglich ist.

Und ich erinnere mich, wie ich ihn in Taipei im Freedom Hotel (自由之家) getroffen hatte. Er litt an der Schultersteife, die er mit chinesischer Medizin behandeln ließ. Er hatte mit die Brandwunden der Brennkegel gezeigt. Was ich aber interessanter fand, war, wie er den Fortschritt der Bewegungstherapie dokumentierte. Er hob den ausgestreckten Arm und zeichnete mit Bleistift einen Strich auf die Tapete am Rand der Eingangstür seiner Zimmers. Später hatte er wieder dirigieren können.

Ich hatte ihn einmal in Köln-Braunsfeld besucht. Er wohnte mit seiner Familie im 4. Stock, wenn es mich recht erinnere. Jedenfalls musste sein Klavier mit einem Kran in die Wohnung transportiert werden. Er wollte aber auf dieses besondere Klavier nicht verzichten. Ich habe allerdings stäter versäumt, nachzufragen, ob er es auch mit nach Taiwan genommen hatte.

Ich konnte ihn in den 90iger Jahren besuchen, als er einmal auf Besuch in Köln war und bei der Familie seiner Schwägerin in Köln-Holweide wohnte. Das war sehr einfach, denn ich wohne auch in Holweide. Wir sprachen über gemeinsame Bekannte, auch über Kommilitonen, die ihm in Erinnerung geblieben waren. Diejenige, die das Stipendium von mir übernahm, war später Konsulin für Deutschland in Chengdu (成都).

In einer weiteren Fußnote nun aus dem Band 3 der Sinologica Coloniens von W. Fuchs, unter dem Titel: Die Bilderalben für die Südreisen des Kaisers Kienlung im 18. Jahrhundert; (1976) Franz Steiner Verlag GmbH, Wiesbaden, fand ich folgenden Text: „Er [Chang Hao]charakterisiert diese Version als minderwertiges Machwerk ohne jeden kulturhistorischen Wert, dessen Verfasser selbst über die Topographie Mittelchinas im unklaren war und wohl aus Kanton stammte. Die Fassung beschreibt fast nur die Wirtshausabenteuer des inkognito reisenden Kaisers.“ (Walter Fuchs)

Vielleicht ist noch interessant, dass Chang Hao aus Changsha (长沙) stammte. Mao Zedong (毛泽东) war als Student in Changsha (1912-1918). In diese Jahren wendete er sich zum Kommunismus. Ich glaube aber kaum, dass er als kleiner Junge den späteren Vorsitzenden Mao, „den Oberkommandierenden der großen proletarischen Kulturrevolution“, gesehen hat. Ich habe keine Daten über die Einwohnerzahl von Changsha Im Jahr 1 der bürgerlichen Revolution, aber Anfang der 50iger Jahre lebten dort bereits 3,5 Millionen Menschen und heute ist es eine Metropole von 7,5 Millionen Einwohnern, so dass ich von einer Großstadt ausgehe.

Eine chinesische Kurzbiografie zu Professor Chang Hao張昊findes sich hier: http://www.epochtimes.com/b5/3/3/16/c11444p.htm.


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