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Saturday, June 27, 2026

Die Hitze und das Ankern zur Nacht bei der Ahornbrücke - With an English translation below


Es war heiß -: heiß, heiß, heiß. Und zwar ging es rauf bis 41° C, jedenfalls auf meinem Thermometer, das im Schatten platziert ist. Und ich habe einen Fächer hervorgesucht. Dann schaute ich auf den Fächer und fand darauf ein Gedicht aus der Tang-Zeit und zwar ein sehr bekanntes, das ich vor etwa fünf Jahren hier auf dem Blog in Übersetzung und im Original vorgestellt hatte [1]. Und dann schaute ich mir noch einen zweiten Fächer an und auch auf dem zweiten Fächer war dieses Gedicht von jemand anderem ebenso mit dem Pinsel geschrieben. Es handelt sich also um zwei Unikate, nicht um Drucke. Auch die Bilder sind Originale. Die Bilder davon stelle ich ebenfalls hier ins Netz. Dazu habe ich das Rollbild in meiner Kölner Wohnung extra noch einmal abfotografiert; das Original von diesem Bild kann man sich auf Wikipedia ansehen [2]. Das hat ein Gelehrter der Qing-Dynastie (
清代) mit Namen Yu Yue (俞樾) geschrieben. Die Stele steht im Han Shan Tempel (寒山寺) in Suzhou (蘇州). Dieser Tempel stammt aus der Liang Dynastie, also 502-519 n. Chr. Das wichtigste Merkmal dieses Tempels ist eigentlich das Gedicht von Zhang Ji, das ich jetzt noch einmal zeigen werde. Hanshan (寒山) heißt kalter Berg und Hanshan ist natürlich auch eine Persönlichkeit und zwar der Zenmönch Hanshan [3]. Aber ob es sich wirklich um eine historische Persönlichkeit des 7. oder 8. Jahrhunderts gehandelt hat, bleibt fraglich. Mir ist er als erstmals während meines Studiums in Taiwan begegnet, also in den 1970er Jahren, und zwar in einem Nachdruck der Übersetzung der Hanshan Gedichte von Gary Snyder. Diese Übersetzung war auch ausschlaggebend für die Beat Generation (z.B. Jack Kerouac oder Allen Ginsberg). Dieser Hanshan hat direkt mit dem Tempel nichts zu tun, es handelt sich um eine Namensgleichheit, die aber zu Assoziationen verleitet.

Aber nun zum Gedicht:
楓橋夜泊
張繼
月落烏啼霜滿天
江楓漁火對愁眠
姑蘇城外寒山寺
夜半鐘聲到客船

Ankern zur Nacht bei der Ahornbrücke
von Zhang Ji
Der Mond geht unter, Krähen krächzen und der Himmel ist voll von Frost
Dahindämmernd blicke ich auf Fluss und Ahornbäume im Schein der Angelfeuer
Aus dem Hanshan-Tempel außerhalb von Suzhou
Klingt die Mitternachtsglocke herüber zum Passagierboot 

Nur dieses Gedichte von Zhang Ji wurde in die Anthologie 300 Gedichte der Tang-Zeit (
唐詩三百首) aufgenommen. Sun Zhu (孫洙), ein Gelehrter zur Zeit der Qing-Dynastie, hatte diese im Jahr 1763 kompiliert. Insgesamt 48 Gedichte von Zhang Ji finden sich in der riesigen Kompilation Komplette Tang-Gedichte (全唐詩) aus dem Jahr 1705. Diese Kompilation geht wie das bekannte Wörterbuch (康熙字典) auf den Kaiser Kangxi (康熙帝) zurück, der von 1654 bis 1722 lebte. 

Über Zhang Ji (
張繼) ist nicht viel bekannt, sein Geburtsjahr ist unklar, vielleicht 712-715, 753 hat er die Prüfung zum Jinshi (進士) bestanden und 779 ist er verstorben [4]. Das Gedicht Ankern zur Nacht bei der Ahornbrücke (楓橋夜泊) ist sein bekanntestes Gedicht.




Links und Anmerkungen:
[1] FreitagsGedichte / #KurzLyrik 01.01.2021 
https://rheumatologe.blogspot.com/2021/01/freitagsgedichte-kurzlyrik-01012021.html 
[2] Es handelt sich um eine Stele.
寒山寺楓橋夜泊詩碑 
https://zh.wikipedia.org/zh-cn/File:%E4%BF%9E%E6%A8%BE%E6%A5%93%E6%A9%8B%E5%A4%9C%E6%B3%8A%E8%A9%A9%E7%A2%91.jpg 
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Han-Shan  
https://zh.wikipedia.org/wiki/%E5%AF%92%E5%B1%B1 
[4] https://en.wikipedia.org/wiki/Zhang_Ji_(poet_from_Hubei) 
https://zh.wikipedia.org/wiki/%E5%BC%B5%E7%B9%BC_(%E5%94%90%E6%9C%9D) 

. 

The Heat and A Night Mooring near Maple Bridge

It was hot—hot, hot, hot. Temperatures climbed as high as 41°C—at least on my thermometer, which is placed in the shade. I dug out a fan. Looking at it, I found a poem from the Tang Dynasty—a very famous one, in fact—which I had posted here on the blog about five years ago, featuring both the translation and the original text [1]. Then I examined a second fan, and found the same poem on that one too, written by someone else with a brush; these are unique pieces, not prints. The images on them are originals as well. I am posting photos of them here. For this purpose, I took a new photograph of the hanging scroll in my Cologne apartment; the original of this image can be viewed on Wikipedia [2]. The calligraphy was executed by a Qing Dynasty (
清代) scholar named Yu Yue (俞樾). The stele stands in the Hanshan Temple (寒山寺) in Suzhou (蘇州). This temple dates back to the Liang Dynasty—specifically, 502–519 AD. The temple's most significant feature is arguably the poem by Zhang Ji, which I am showing here once again. Hanshan (寒山) means "Cold Mountain," but Hanshan is also the name of a historical figure—the Zen monk Hanshan [3]. However, whether he was truly a historical figure from the 7th or 8th century remains open to discussion. I first encountered him during my studies in Taiwan in the 1970s, specifically in a reprint of Gary Snyder’s translation of the Hanshan poems. That translation was also of pivotal influence on the Beat Generation (e.g., Jack Kerouac or Allen Ginsberg). This Hanshan has no direct connection to the temple; it is merely a case of the same name, though it naturally invites associations. 

But now, to the poem:
楓橋夜泊
張繼
月落烏啼霜滿天
江楓漁火對愁眠
姑蘇城外寒山寺
夜半鐘聲到客船
A Night Mooring at Maple Bridge
Zhang Ji
The moon sets, crows cry, and the sky is filled with frost
Drowsily, I gaze at the river and maple trees in the glow of fishing fires
From the Hanshan Temple outside Suzhou
The sound of the midnight bell drifts over to the passenger boat

This is the only poem by him included in the anthology Three Hundred Tang Poems (
唐詩三百首). Sun Zhu (孫洙), a Qing Dynasty scholar, compiled this collection in 1763. A total of 48 poems by Zhang Ji appear in the massive compilation Complete Tang Poems (全唐詩) from 1705. Like the famous Kangxi Dictionary (康熙字典), this compilation was commissioned by the Kangxi Emperor (康熙帝), who lived from 1654 to 1722.

Not much is known about Zhang Ji (
張繼); his birth year is uncertain—possibly between 712 and 715. He passed the Jinshi (進士) examination in 753 and died in 779 [4]. The poem A Night Mooring at Maple Bridge (楓橋夜泊) is his most famous work.




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Friday, July 25, 2025

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 25.07.2025

 


曉耕翻露草,夜榜響谿石,
來往不逢人,長歌楚天碧。
溪居
。
柳宗元
。
Frühmorgens pflüge ich und jäte Unkraut im Tau,
Abends stake ich mein Boot und die Steine klackern.
Hin und zurück treffe ich auf niemanden,
Lange Lieder schmettere ich unter Chus blauem Himmel.
Leben am Bach
Liu Zongyuan


Im Fluge 
     die Nacht 
VerGeht 
Wie 
Im 
Fluge 
Und 
Wenn 
Morgens 
Die 
SauerStoffMaske 
Von 
Oben 
HerabFällt
Greife 
Ich 
Automatisch 
Zur SchwimmWeste 
    Unter 
Meinem Bett 

Grenzen
    wer die 
Welt 
VerMessen 
Will 
Wie 
Ein 
Feld
Oder
Einem 
BauPlatz
Der 
Wird 
Immer nur 
    An 
Grenzen stoßen 

RadFahrer 
    ich blicke 
Den 
RadFahrern 
HinterHer 
Ganz 
Schnell 
Sind 
Sie weg 
    Auf 
Ihren E-Bikes

Regen & Tee
    obwohl der 
Regen 
Fällt
Steigt 
Der 
Dampf 
Vom 
Tee 
Auf 
Und 
Ich trinke 
    Noch 
Einen Schluck

Geh'
    geh' und 
Spiel 
Mit 
Den 
Engeln 
Aber 
Zupf 
Ihnen 
Nicht 
Die Federn 
    Aus 
Den Flügeln 

Brücke 
    das ist 
Die 
Brücke 
Nur 
Für 
Dich 
GeBaut
Die 
Du 
Nie 
Zu 
Gehen 
Wagtest 
Sie 
Wird brüchig 
    Drum 
ÜberQuere sie 

Arche 
    Noahs Arche 
Landete 
Nicht 
Am 
Ararat
Sie 
Schwamm 
ÜberHaupt 
Nicht 
So 
Völlig 
ÜberLaden 
Und 
Trotzdem
Sollte 
Die Welt 
    Durch 
Sie überLeben 

Rituale 
    die rituelle 
Handlungen 
Wie 
Abends 
Die 
Jalousien 
HinunterLassen 
Und 
Zuvor 
VerGessen das 
    SchlafZimmer 
Zu lüften 

Leere Fenster
    die leeren 
Fenster 
Blicken 
Ohne 
Interesse 
Auf 
Die 
Straße
ManchMal 
Stehen 
Leere 
Augen 
DaHinter
Und 
Schauen 
Nicht 
Auf 
Die Straße
    Sondern 
Ins Leere 

Debütanten 
    wir alle 
Sind 
Debütanten
Wenn 
Wir 
Im Reigen 
Des 
Todes mitTanzen 

Schatten
    ich blicke 
Auf 
Meinen 
Schatten 
An 
Der 
Wand 
Und 
Wundere 
Mich 
Ob auch 
    Er 
Mich anSieht 

Poesie 
    zu viel 
Zucker
Marmelade
Honig
Sirup 
Alles 
klebt 
und -: 
Süßer die 
    Verse 
nie klingen

SonnenUntergänge 
    die Sonne 
VerSinkt 
Bei 
Capri 
Oder 
Castrop-Rauxel
Hinter 
Gittern 
Im 
Spiegel 
Und immer 
    Wieder 
In Erinnerungen 

Kerze
    der wächserne 
Leib 
Der 
Kerze 
Schwindet 
Ihr 
Leuchtendes 
Leben 
Endet
In Dunkelheit 
    Wie 
Unseres ebenSo 

Witwen 
    die Witwen 
In 
Ihren 
Schwarzen 
Kleidern 
VerSchmelzen 
Mit 
Der 
Nacht
Um 
Vor 
Der 
Schwarzen Madonna 
    Kerzen 
Zu entZünden 

Spiegelungen 
    tausende von 
TaschenSpiegeln 
Müssen 
Es 
Sein
Die 
Auf 
Dem 
See 
Das 
SonnenLicht 
ZurückWerfen 
Oder sonst 
Ein 
TaschenSpielerTrick
 



Liu Zongyuan (柳宗元) lebte von 773 bis 819, also der späten Tang-Dynastie. Von ihm sind einige hundert Prosatexte überliefert, denn er zählt zu den  acht großen Prosameistern der Tang- und Song-Dynastie. Man kann ihn dem Buddhismus kritischen Reformkonfuzianismus zuordnen. Fünf seiner Gedichte sind in der Anthologie 300 Gedichte der Tang-Zeit (唐詩三百首)  zu finden. Insgesamt vier Bücher seiner Gedichte habe ich in der Sammlung Komplette Gedichte der Tang-Dynastie (全唐詩) aus dem Jahr 1705 gefunden.


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Friday, July 18, 2025

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 18.07.2025

 


山寺鐘鳴晝已昏,
漁梁渡頭爭渡喧。
人隨沙路向江村,
余亦乘舟歸鹿門。
夜歸鹿門山歌
。
孟浩然
。
The bell of mountains temple announces the Setting of the sun,
At the fishing jetty people hurry to board the ferries;
Other follow the sandy path to their riverside homes,
While I take my boat on my return to Lumen Mountain. 
On Returning to Deer Gate Mountain at Night (A Folk Song)
Meng Haoran

Fenster 
    mein Schweigen 
Endet 
Am 
Fenster
Wo 
Auch 
Das 
Dunkel 
Der 
Nacht 
Endet 
Und können 
    Uns 
Nicht umArmen 

Herz
    dein Herz 
Schlägt 
Auch 
In 
Der 
Nacht 
Und 
Der 
Bach 
Rauscht
Auch wenn 
    Es 
Niemand hört

Warten 
    ich möchte 
Warten 
Auf 
Die 
WiederKehr
Aber ohne 
    Estragon 
Ganz allein 

ZuSammen
    diese Stunde 
Hört 
Alles 
GeSagte 
GeStöhnte 
VerSchwiegene 
VerGißt es 
   Aber 
Nicht wir 

Tropfen 
    der Schnee 
Fängt 
Die 
TauTropfen 
Wie 
Ein 
Netz 
Und 
VerGeht 
Mit 
Ihnen 
Oder verBindet 
    Sich 
Mit ihnen 

Regen 
    der Regen 
Perlt 
Von 
Den 
GartenMöbeln
Die 
Das 
Nicht 
Stört 
Denn 
Sie 
Werden 
Gerade nicht 
    Von 
Menschen beLästigt

SelbstHypnose 
    der Schwimmer 
Der 
Angel 
BeWegt 
Sich 
Auf 
Und ab 
Auf und 
Ab 
Auf 
Und 
Ab 
Und 
Der 
Angler 
Blickt verSonnen 
    Auf 
Den Schwimmer

FrühlingsNacht 
    in dieser 
Kalten 
FrühlingsNacht
Blieben 
Die 
Bäume 
Für 
Sich
Wiegten 
Sich 
Im 
Wind und 
    Träumten 
Vom Tanzen

Dort 
    du stürzt 
Nicht 
Nach 
Unten
Sondern 
Nach 
Oben
Durch 
Die 
Kronen 
Der 
Buchen 
Und 
Landest 
Auf 
Einem Kissen 
    Der 
Wolken dort 

Trennung 
    die zer-
Rissenen 
Bilder 
So 
Akkurat 
In 
Der 
Mitte 
GeTrennt 
Und 
Von jedem 
    Nur 
Eine Hälfte 

GrabKammern 
    wir brechen 
In 
Leere 
GrabKammern 
Ein 
Und 
Sind 
EntTäuscht
Daß 
Andere 
GrabRäuber 
Schon vor 
    Uns 
Da waren

EntSchleierung
    der Tag 
EntSchleiert 
Sich 
Stunde 
Um 
Stunde
Bevor 
Er
Aber 
Nackt 
Da steht
    BeGinnt 
Ein neuer Tag

Altern 
    es altert 
Die 
Zeit
Es 
Altert 
Der 
Tod 
Da 
Haben
Wir der 
    Ewigkeit 
Etwas voraus  




Meng Hao Ran (孟浩然) lived about 689/691-740. 15 of his poems were included in the anthology 300 Poems of the Tang Dynasty (唐詩三百首).  I found a total of two books (about 200 plus poems) in the collection Complete Poems of the Tang Dynasty (全唐詩) from 1705. His main topic in poetry and painting has been nature. In this way he has been influential to later poets and painters.


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Friday, July 11, 2025

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 11.07.2025

  


少婦城南欲斷腸,
征人薊北空回首。
燕歌行并序
。
高適
。
Die jungen Frauen in der südlichen Stadt sind untröstlich.
Die Grenzwächter im nördlichen Ji sehnen sich vergeblich nach der Heimat.
Lied von Yan, mit einem Vorwort
Gao Shi 

BusFahrt 
    in diesem 
Bus 
In 
Die 
Ewigkeit 
Treffen 
Wir 
Die 
Wieder
Die 
Wir 
VerSäumten 
Zu 
Treffen 
Und freuen 
    Uns 
Dennoch alle

Zur Seite 
    wir treten 
Lieber 
Zur 
Seite 
In 
Den 
Schatten 
Da
Wo 
Wir nur 
    Uns 
Selbst beGegnen 

Flügel 
    der Flügel 
Ist 
PechSchwarz 
Und 
Glänzend
Meist 
Spielt
Man 
Auf 
Den 
Weißen 
Tasten 
Manche 
Flügel 
Sind 
Weiß
Da 
Spielt 
Man mehr
    Auf den 
Schwarzen Tasten 

AntWort 
    zu wissen
Wann 
Die 
AntWort
Auf 
Eine 
Frage 
Nur 
Schweigen 
    Sein 
Kann 

ErTrinken
    dieses süße 
ErTrinken 
In 
Worten 
Der 
Liebe 
Und 
LiebKosungen
Das 
AufTauchen 
Und 
HineinGleiten
Unter 
Weißen 
Segeln 
In den 
    Ozean 
Der Nacht

BahnHof 
    dieser Bahn-
Hof 
Hat 
Einen 
WarteBereich
Einen 
BahnSteig
Gleise 
Und 
Alles
Was 
Dazu 
GeHört
Aber 
Er 
Wurde 
Nicht 
GeBaut
DaMit ein 
    Zug 
Dort hält 

Wespe 
    die sterbende 
Wespe 
Dachte 
Nicht
Daran 
Jemanden 
Zu 
Stechen
Aber 
Jemand 
Trat 
Auf 
Sie 
Und 
Stach 
Sich 
In den fuß 
    Ein 
Gnädiger Tod 

Mendoza
    der trübe 
Tag 
Unter 
Den 
Platanen
Deren 
Schatten 
Sonst 
So 
Wohl 
BeKommen 
Ist
Aber der 
    Wein 
Funkelte tinto

Spatzen 
    Spatzen lassen 
Sich 
In
Erratischen
FlugFiguren 
Hinab 
Zur 
GaragenEinfahrt 
Und picken 
    Ameisen 
Vom Boden

WanderWege 
    die Wander-
Wege 
Durch 
Die 
Schwärze 
Der 
Nacht 
Sind 
Frisch markiert 
    Worden 
In Schwarz

Schnee
    der Schnee 
ÜberZieht 
Die 
Landschaft 
Mit 
Einer 
Frischen 
Decke
Bleibt 
Eine 
Weile 
Dort 
Altert
Taut 
VerSchwindet 
Und 
ManchMal 
Läßt 
Er Spuren 
    Seines 
DaSeins zurück 

Wind 
    der Wind 
Läuft 
Über 
Den 
See 
LeichtFüßig 
Tritt 
Er von 
    Welle 
Zu Welle 

Stille Leere
Es ist die Stille 
Die Pause
Die der Musik 
Raum zum Schweigen gibt
Es ist die Leere 
Eines Raumes
die den Objekten 
die Freiheit gibt
Sich zu gestalten 

Liebe 
    als sie 
Ihre 
Hände 
ErGriffen 
Hatten 
Während 
Der 
Explosion 
Der 
AtomBombe 
Waren 
Ihre 
LebensLinien 
Vereint für 
    Einen 
AugenBlick 






Gao Shi (高適) lebte von etwa 704 bis 765 und war Dichter, Politiker und General der Tang-Dynastie. Er ist auch als einer der Vier Grenzdichter bekannt. Zwei seiner Gedichte erscheinen in der Anthologie Dreihundert Tang-Gedichte (唐詩三百首), aber die Sammlung Komplette Gedichte der Tang-Dynastie (全唐诗) enthält etwa 200 seiner Gedichte. 2016 erschien in Shanghai ein Buch mit 129 seiner Gedichte. Titel: 高文,王刘纯: 高适岑参选。上海古籍出版社 2016。ISBN: ‎978-7532580262。
Yan (燕) ist das Zeichen für Schwalbe, aber im Gedicht bedeutet es eine Region im alten Liaoning und Nord-Hebei. Ji (薊) ist ein Bezirk in der Provinz Hebei.

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Friday, July 4, 2025

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 04.07.2025

 



思欲委符節,引竿自剌船,
將家就魚麥,歸老江湖邊。
賊退示官吏并序
。
元結
。
Ich gedenke meine Dienstsiegel abzulegen,
Will nur Fischer sein in einem kleinen Boot.
Mit Fisch und Weizen nährte ich meine Familie, 
Und verbrächte mein Alter an See und Fluß.
An die Steuerbeamten nach dem Rückzug der Banditen mit einer Einleitung
Yuan Jie


VerWehen 
    den Staub 
Hat 
Der 
Wind 
MitGenommen 
VerWeht
VerTeilt 
    Und 
Neu verEint 

SommerNacht 
    das fahle 
Licht 
Aus 
Den 
Fenstern 
VerStummt
Die 
Kurze 
Nacht 
Wälzt 
Sich 
UnRuhig
Der 
Morgen gibt 
    Den 
Schatten Schärfe 

Stolpern 
    Schnee oder 
KirschBlüten 
Stolpern 
Nicht
Aber 
Fallen 
In 
Ihr 
VerDerben
Aber sie 
    Stolpern 
Eben nicht

Saiten 
    ich habe 
Eine 
Neue 
Saite 
Auf 
Die 
Violine 
AufGezogen
Aber
Es 
Fühlt 
Sich 
Anders 
An 
Als 
Eine neue 
    Seite 
Der violine 

Rimini 
    der Sommer 
Endet 
Wie 
Jeder 
Sommer 
Im Auto- 
    Stau 
am Brenner 

Kein 
Kein Sand in den Urnen 
Sand in die Uhren 
Keine Asche im StundenGlas 
Asche den Urnen 
Denn Asche klumpt
Und Sand rieselt gleichMäßig 
Oder doch 
Füllt Asche in Uhren 
Und denkt an den Tod 

Sturm 
    das Brausen 
Jeden 
Sturmes 
Kommt 
Zur 
Ruhe 
Und 
Auch 
Das 
Letzte Lüftlein
    ErStirbt 
Wie du

Rast 
    die letzte 
Rast 
Sei 
Ohne 
Reue
Denn 
Im 
Tod 
Liegt alle 
    Rast 
VerBorgen 

Unter
    dem Tisch-
Tuch 
Sah 
Man 
Nicht 
Die 
Obszönen 
Sprüche 
An
Die 
Generation 
Von 
Jungen 
In den 
    Tisch 
GeRitzt hatten 

Gebete 
    deine Gebete 
Werden 
Vom 
Wind 
BeAntwortet 
Oder 
Die 
Worte 
EntWeichen 
Einer 
Muschel
Die du 
    Ans 
Ohr hält 

Hunger 
    der Hunger 
In 
Seinen 
Augen
Knurrt 
Seinen 
Magen 
Hat er 
    HinGegen 
Unter Kontrolle 

Furcht 
Es ist die Furcht
Die uns Menschen antreibt
Furcht lässt uns 
Alle Erniedrigungen wählen 
Dem Faschismus gehorchen 
Und alle Geheimnisse ausplaudern
Selbst das Geheimnis der Furcht 

Leiden 
    wir sprechen 
Zu 
Gott 
Oder 
Einfach 
Zu 
Dieser 
Welt 
Laß 
Mich 
Noch ein 
    Wenig 
Länger leiden 

Hitze
    so viel 
Hitze 
Produzieren 
Die 
Gedanken  
Im 
Menschlichen 
Gehirn 
Denn 
Doch
Nicht 
Noch 
Nie 
Sah 
Ich 
Einen Menschen 
    Mit 
Einem Schornstein

Frühling 
    der Frühling 
Kleidet 
Sich 
Laufend 
In 
Neue 
Kleider
Bunt 
Und 
Manchmal 
So freizügig
    Daß 
Er bibbert 





Yuan Jie (元結) lebte in der mittleren Tang-Periode, wahrscheinlich von 723 bis 772. Nur zwei Gedichte finden sich in der Anthologie 300 Gedichte der Tang-Dynastie (唐詩三百首). Die Sammlung Vollständige Gedichte der Tang-Dynastie (全唐詩) aus dem Jahr 1706 enthält zwei Bände seiner Gedichte (卷 240/241). Der Qing-Kaiser Kang Xi (清康熙) gab sie 1705 im Auftrag und die Anthologie wurde 1706 veröffentlicht. Sie enthält 48.900 Gedichte von 2.200 Dichtern in über 900 Bänden. 
 
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Friday, June 6, 2025

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 06.06.2025

 


故人江海別,
幾度隔山川。
乍見翻疑夢,
相悲各問年。
雲陽館與韓紳宿別
。
司空曙
。
Alter Freund, Flüsse und Meere trennten uns,
Berge und Ströme lagen zwischen uns.
Es ist wie im Traum, dich wieder zu sehen,
Traurig fragen wir uns, wo die Jahre geblieben sind.
Abschied von Han Shen bei der Übernachtung in der Yunyang Schenke
Sikong Shu


Mond 
    das Licht 
Von 
Mond 
Und 
Sternen 
Taucht 
In 
    Den 
        See 
Schau 
Nur 
        Hin
Dann taucht 
Es     Auf
Wieder 

Arche & Fähre 
    für 
Die 
Arche Noah 
Gab 
Es 
Keine 
Tickets 
Und 
Die 
Fähre 
Charons 
Braucht man 
    Nicht 
Zu buchen 

HimmelsBlau 
    da hatte 
Das 
Wetter 
Dieses 
Blau 
Des 
Himmels 
Mit 
Grauer 
Farbe 
ÜberStrichen 
Und 
Vergaß auch 
    Noch 
Zu weinen 

Feuer 
    das prasselnde 
Feuer 
Einige 
Gärten 
Weit 
EntFernt 
Wo bleibt 
    Nur 
Sein Rauch? 

EntFernung 
    zwischen 
Carlos Castaneeda 
Und 
Konfuzius 
Liegen 
Welten 
Zeiten 
Ideologien
Wie eine ge-
    Teilte A-
Möbe bei=sammen 

FrühlingsWiese
    die prächtige 
FrühlingsWiese 
Mit 
Ihren 
Blumen 
Und 
Farben 
Wird 
AbGemäht 
Und 
Selbst 
Wenn 
Sie 
Stirbt 
Es bleibt
    Doch 
Der Augenblick 

KiefernWald 
    die laue 
Nacht
In 
Der 
Es 
Aus 
Dem 
Kiefernwald 
Wispert 
Und 
Wir schweigen 
    So laut 
Wir können

ErInnerungen 
    all die 
Jahre 
An 
ErInnerungen 
Die 
Im 
Nebel 
Der 
Zeit 
VerSchwinden     
schwinden
Um 
In 
Einen
Schwarzen 
Abgrund 
Zu 
Stürzen
Er heißt 
    Abgrund 
Der Gnade 

Tod 
    der Tod 
Ist 
Ein 
BahnhofsVorsteher 
Dessen 
Sprache 
Ich 
Noch 
Nicht 
VerStehe 
Und 
Darum 
Lasse 
Ich 
Zug um 
    Zug vor-
BeiFahren 

UnKlar
    es ist 
Noch 
UnKlar
Was 
Passiert 
Denn 
Wir 
Wissen 
Nicht
Was 
Die 
Ewigkeit 
Aus der 
    GeMälzten 
Zeit braut 

Sturm 
    Sturm kommt 
Auf 
Am 
Himmel 
Laufen 
ApfelSchimmel 
Um 
Die 
Wette 
Wiehern
Springen 
Hoch 
Und 
Schütteln Regen 
    Aus 
Ihren Mähnen 

Bombe 
    das Leben 
Ist 
Die 
Bombe 
Eines 
Terroristen 
Die 
Nicht 
EntSchärft 
Werden 
Kann 
Und 
Sie 
Tickt 
Immer 
Schneller 
Beim 
Versuch der 
    EntSchärfung 
Explodiert sie

Traum
    in den 
TraumWald 
Hinein -: 
Eine 
Lichtung 
Es 
Ist 
Immer 
Eine 
Lichtung 
Da
Und 
Dort fängt 
    Das 
Leben an

Schlüssel 
    spät im 
Frühling 
Wiegt 
Sich 
Eine 
SchlüsselBlume 
Im 
Wind
Der 
Schlüssel 
Zum Glück 
    Auch -: 
Ein SchlüsselErlebnis 

Schnee 
    spät im 
Frühling 
Fällt 
Noch 
Schnee 
In 
Den 
Bergen 
Hier 
Fallen 
Nur 
KirschBlüten 
Und die 
    Sterne 
vom Himmel 
 
 


Sikong Shu (司空曙) lebte von ca. 720 bis ca. 790. Er stammte aus Hebei und war einer der zehn Talente von Dali (大曆十才子). Dies bezieht sich auf die zeit von 766 bis 779, als unter Kaiser Daizong (唐代宗) zehn berühmte Dichter miteinander sangen. Die wollten ihre Dichtung frisch, elegant und traszendet gestalten. Drei Gedichte erscheinen in der Anthologie 300 Gedichte der Tang-Dynastie (唐詩三百首). Insgesamt zwei Bücher seiner Gedichte habe ich in  der Sammlung Komplette Gedichte der Tang-Dynastie (全唐詩) aus dem Jahr 1705 gefunden.

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Friday, May 30, 2025

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 30.05.2025

 


潯陽江頭夜送客,
楓葉荻花秋瑟瑟。
主人下馬客在船,
舉酒欲飲無管弦。
琵琶行并序
。
白居易
。
Ich verabschiedete meine Gäste nachts am Xunyang-Fluss,
Als Ahornblätter und hochgewachsenes Schilf im Herbst raschelten.
Ich steige vom Pferd und die Gäste sind schon auf dem Boot,
Wir erhoben unsere Becher zum Trinken, leider ohne Musik.
Ode an das Spiel einer Pipa mit einem Vorwort
Bo Juyi


Stille 
    nachdem die 
MähMaschinen 
Die 
Weiden 
AbGemäht
Haben 
Schweigt 
Das 
Tal 
In 
Der 
Sonne 
Und 
Das 
Echo 
Der Stille 
    Dringt 
In dich 

Cabrio
    einige Strähnen 
Des 
Roten 
Haares 
Der 
BeiFahrerin 
Haben 
Sich 
Aus 
Der 
Base Cap 
befreit 
Wann befreit 
    Sie 
Sich von ihm? 

Strand
    am einsamen 
Strand 
Sammelt 
Sich 
Sand
Auf 
Jacken 
Und 
Schuhen 
Denn 
Sie kommen 
    Nie 
Wieder zurück
 
Schauen 
Wir drehen uns um uns selbst
    Aber von hinten sehen wir uns nicht
Wir schauen hinter die Kulisse
    Aber da stehen nur verstaubte Requisiten
Wohin wir auch schauen
    Das Wesentliche von uns selbst 
Bekommen wir nicht zu sehen 

MondFinsternis 
    am Abend 
Der 
MondFinsternis 
Konnte 
Ich 
Dich 
Sehen
Ohne 
GeSehen 
Zu 
Werden
Daß ich 
    Deine 
Schönheit sah 

Schöne Muscheln
    wir heben 
Muscheln 
Auf
Säubern 
Sie 
Und 
Lassen 
Sie 
Auf 
Einer Bank 
    Zurück 
In Hyannis 

Samen 
    durch die 
Leere 
Des 
Himmels 
Schweben 
Die 
Samen 
Der 
Pappeln 
Ohne Gruß 
    Zurück 
Zur Mutter 

Seele 
    laß die 
Seele 
Eine 
Weile 
Nach 
RegenNassem 
Hund 
Stinken 
Solange es 
    Nicht 
DieselÖl ist

Welt 
    ohne Sprache 
Kommen 
Wir 
In 
Die 
Welt 
Und 
VerLieren
Alle Worte 
    Wenn 
Wir sie verLassen

Wandern 
    ich wandere 
Mit 
Dem 
Finger 
Auf 
Der 
Karte
Und 
Der 
Wind 
Wirbelt
Staub 
Auf
Aber ich 
    Gehe 
Weiter & weiter 

Vögel 
    nun beRappeln 
Sich 
Auch 
Wieder 
Die 
Kleinen 
Vögel
Die 
Der 
Winter 
In 
Den 
Wolken 
EinGefroren
Hatte 
Und 
Der Frühling 
    Zu Boden 
Fallen ließ
 
Schreie 
    Schreie zer-
Brechen 
Die 
Stille 
In 
ScharfKantige 
Scherben 
Und 
In 
Echos 
Fallen sie 
    Leblos 
Zu Boden



Bo Juyi (白居易) oder Bai Juyi (das u in ju wird ü ausgesprochen) lebte von 772-846. In der Kompilation 300 Gedichte der Tang-Zeit (唐詩三百首) sind sechs seiner Gedichte enthalten. Über 2800 seiner Gedichte sind erhalten. In der Sammlung Komplette Gedichte der Tang-Dynastie (全唐詩) aus dem Jahr 1705 sind die Bände 424-462 mit seinen Gedichten gefüllt.
Einige seiner Gedichte sind sehr lang – die Ode an das Spiel einer Pipa mit einem Vorwort (琵琶行并序) hat über 80 Gedichtzeilen, ich habe die vier ersten Zeilen ausgewählt.


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