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Saturday, June 27, 2026

Die Hitze und das Ankern zur Nacht bei der Ahornbrücke - With an English translation below


Es war heiß -: heiß, heiß, heiß. Und zwar ging es rauf bis 41° C, jedenfalls auf meinem Thermometer, das im Schatten platziert ist. Und ich habe einen Fächer hervorgesucht. Dann schaute ich auf den Fächer und fand darauf ein Gedicht aus der Tang-Zeit und zwar ein sehr bekanntes, das ich vor etwa fünf Jahren hier auf dem Blog in Übersetzung und im Original vorgestellt hatte [1]. Und dann schaute ich mir noch einen zweiten Fächer an und auch auf dem zweiten Fächer war dieses Gedicht von jemand anderem ebenso mit dem Pinsel geschrieben. Es handelt sich also um zwei Unikate, nicht um Drucke. Auch die Bilder sind Originale. Die Bilder davon stelle ich ebenfalls hier ins Netz. Dazu habe ich das Rollbild in meiner Kölner Wohnung extra noch einmal abfotografiert; das Original von diesem Bild kann man sich auf Wikipedia ansehen [2]. Das hat ein Gelehrter der Qing-Dynastie (
清代) mit Namen Yu Yue (俞樾) geschrieben. Die Stele steht im Han Shan Tempel (寒山寺) in Suzhou (蘇州). Dieser Tempel stammt aus der Liang Dynastie, also 502-519 n. Chr. Das wichtigste Merkmal dieses Tempels ist eigentlich das Gedicht von Zhang Ji, das ich jetzt noch einmal zeigen werde. Hanshan (寒山) heißt kalter Berg und Hanshan ist natürlich auch eine Persönlichkeit und zwar der Zenmönch Hanshan [3]. Aber ob es sich wirklich um eine historische Persönlichkeit des 7. oder 8. Jahrhunderts gehandelt hat, bleibt fraglich. Mir ist er als erstmals während meines Studiums in Taiwan begegnet, also in den 1970er Jahren, und zwar in einem Nachdruck der Übersetzung der Hanshan Gedichte von Gary Snyder. Diese Übersetzung war auch ausschlaggebend für die Beat Generation (z.B. Jack Kerouac oder Allen Ginsberg). Dieser Hanshan hat direkt mit dem Tempel nichts zu tun, es handelt sich um eine Namensgleichheit, die aber zu Assoziationen verleitet.

Aber nun zum Gedicht:
楓橋夜泊
張繼
月落烏啼霜滿天
江楓漁火對愁眠
姑蘇城外寒山寺
夜半鐘聲到客船

Ankern zur Nacht bei der Ahornbrücke
von Zhang Ji
Der Mond geht unter, Krähen krächzen und der Himmel ist voll von Frost
Dahindämmernd blicke ich auf Fluss und Ahornbäume im Schein der Angelfeuer
Aus dem Hanshan-Tempel außerhalb von Suzhou
Klingt die Mitternachtsglocke herüber zum Passagierboot 

Nur dieses Gedichte von Zhang Ji wurde in die Anthologie 300 Gedichte der Tang-Zeit (
唐詩三百首) aufgenommen. Sun Zhu (孫洙), ein Gelehrter zur Zeit der Qing-Dynastie, hatte diese im Jahr 1763 kompiliert. Insgesamt 48 Gedichte von Zhang Ji finden sich in der riesigen Kompilation Komplette Tang-Gedichte (全唐詩) aus dem Jahr 1705. Diese Kompilation geht wie das bekannte Wörterbuch (康熙字典) auf den Kaiser Kangxi (康熙帝) zurück, der von 1654 bis 1722 lebte. 

Über Zhang Ji (
張繼) ist nicht viel bekannt, sein Geburtsjahr ist unklar, vielleicht 712-715, 753 hat er die Prüfung zum Jinshi (進士) bestanden und 779 ist er verstorben [4]. Das Gedicht Ankern zur Nacht bei der Ahornbrücke (楓橋夜泊) ist sein bekanntestes Gedicht.




Links und Anmerkungen:
[1] FreitagsGedichte / #KurzLyrik 01.01.2021 
https://rheumatologe.blogspot.com/2021/01/freitagsgedichte-kurzlyrik-01012021.html 
[2] Es handelt sich um eine Stele.
寒山寺楓橋夜泊詩碑 
https://zh.wikipedia.org/zh-cn/File:%E4%BF%9E%E6%A8%BE%E6%A5%93%E6%A9%8B%E5%A4%9C%E6%B3%8A%E8%A9%A9%E7%A2%91.jpg 
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Han-Shan  
https://zh.wikipedia.org/wiki/%E5%AF%92%E5%B1%B1 
[4] https://en.wikipedia.org/wiki/Zhang_Ji_(poet_from_Hubei) 
https://zh.wikipedia.org/wiki/%E5%BC%B5%E7%B9%BC_(%E5%94%90%E6%9C%9D) 

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The Heat and A Night Mooring near Maple Bridge

It was hot—hot, hot, hot. Temperatures climbed as high as 41°C—at least on my thermometer, which is placed in the shade. I dug out a fan. Looking at it, I found a poem from the Tang Dynasty—a very famous one, in fact—which I had posted here on the blog about five years ago, featuring both the translation and the original text [1]. Then I examined a second fan, and found the same poem on that one too, written by someone else with a brush; these are unique pieces, not prints. The images on them are originals as well. I am posting photos of them here. For this purpose, I took a new photograph of the hanging scroll in my Cologne apartment; the original of this image can be viewed on Wikipedia [2]. The calligraphy was executed by a Qing Dynasty (
清代) scholar named Yu Yue (俞樾). The stele stands in the Hanshan Temple (寒山寺) in Suzhou (蘇州). This temple dates back to the Liang Dynasty—specifically, 502–519 AD. The temple's most significant feature is arguably the poem by Zhang Ji, which I am showing here once again. Hanshan (寒山) means "Cold Mountain," but Hanshan is also the name of a historical figure—the Zen monk Hanshan [3]. However, whether he was truly a historical figure from the 7th or 8th century remains open to discussion. I first encountered him during my studies in Taiwan in the 1970s, specifically in a reprint of Gary Snyder’s translation of the Hanshan poems. That translation was also of pivotal influence on the Beat Generation (e.g., Jack Kerouac or Allen Ginsberg). This Hanshan has no direct connection to the temple; it is merely a case of the same name, though it naturally invites associations. 

But now, to the poem:
楓橋夜泊
張繼
月落烏啼霜滿天
江楓漁火對愁眠
姑蘇城外寒山寺
夜半鐘聲到客船
A Night Mooring at Maple Bridge
Zhang Ji
The moon sets, crows cry, and the sky is filled with frost
Drowsily, I gaze at the river and maple trees in the glow of fishing fires
From the Hanshan Temple outside Suzhou
The sound of the midnight bell drifts over to the passenger boat

This is the only poem by him included in the anthology Three Hundred Tang Poems (
唐詩三百首). Sun Zhu (孫洙), a Qing Dynasty scholar, compiled this collection in 1763. A total of 48 poems by Zhang Ji appear in the massive compilation Complete Tang Poems (全唐詩) from 1705. Like the famous Kangxi Dictionary (康熙字典), this compilation was commissioned by the Kangxi Emperor (康熙帝), who lived from 1654 to 1722.

Not much is known about Zhang Ji (
張繼); his birth year is uncertain—possibly between 712 and 715. He passed the Jinshi (進士) examination in 753 and died in 779 [4]. The poem A Night Mooring at Maple Bridge (楓橋夜泊) is his most famous work.




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Saturday, December 27, 2025

Moos, vom Felsen abgeschabt

 


Als Meister On-sen gefragt wurde, ob sich die BuddhaNatur vor oder nach dem Nirvana erkennen ließe, antwortete er: „Wenn Regen fällt, netzt er die Blätter und rinnt doch zu Boden.“
Als Meister Toda-ichi dies hörte, erwiderte er: „Man kann aus Regen keine SchneeBälle formen.“
Meister On-sen: „Zugegeben, jeder SchneeMann trägt dieBuddhaNatur nur für eine Weile.“

Einmal fragte ein älterer Schüler den Meister On-sen: „Wenn die Blüten vom Baum auf den MoosTeppich unter ihm fallen, ist das dann ein Bild der Ewigkeit oder nur die Erinnerung daran?“ Schnell fegte der Meister die Blüten zusammen, um sie zu verbrennen.
Und Meister Toda-ichi verSuchte verGeblich Veuer zu machen.

Als Meister On-sen zur Ewigkeit befragt wurde, nahm er dann doch den Müll und bracht ihn vor die Tür.
Meister Toda-ichi kam mit der Sutren Sammlung hinterHer.

Als Meister On-sen an einer Sonnenuhr vorbeiGing sagte er: 
„Tick Tack, Tick Tack. Tick Tack".
Meister Toda-ichi: „Dabei hatte ich vergessen die SandUhr aufzuziehen.“

Meister On-sen hielt einen beMoosten Stein in die Höhe und sagte: 
„Dieser Stein kam den Berg heruntergerollt und ist doch mit Moos bedeckt.“ Hatte jemand eine Frage gehört?
Meister Toda-ichi: „Ziemlich geduldig, ich meine den Stein.“

Auf die Frage: „Haben Zombies BuddhaNatur“ sog Meister On-sen hörbar den Atem ein. Er nickte kurz und nickte dann ein.
Meister Toda-ichi: „Selbst die Schlafenden werden geweckt.“

Ein Schüler fragte Meister On-sen: „Wie alt ist die Ewigkeit?“ Meister On-sen: „Einfach. Laß mich nachrechnen. Die Ewigkeit wurde zusammen mit mir geboren.“
Meister Toda-ichi: „Er ist so eitel! Er macht die Ewigkeit bestimmt wieder jünger als sie ist.“

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Monday, February 26, 2024

Das WinzHaus – Zen und Walden


Kapitel 8 – Zen und Walden

Eigentlich müßte Walden der Titel für dieses Kapitel sein, aber es ist doch mit Zen verbunden. Ich könnte jetzt auf die meditativen Vorzüge eines WinzHauses in der Natur zu sprechen kommen, aber dafür ist noch nicht der richtige Zeitpunkt.

Ich las das Buch Zen and the Art of Motorcycle Maintenance von Robert M. Pirsig [2] auf einer Reise durch Europa ca. 1976/1977. Ich hatte vorher bereits Eugen Herrigels Buch Zen in der Kunst des Bogenschießens [3] gelesen. Damals war ich übrigens noch der Überzeugung, das hätte etwas mit Zen zu tun. Es gab dann viele Bücher mit Zen in der Kunst von irgendetwas, ja ich dachte sogar daran, daß Zen in der Kunst von Jeans flicken ein guter Titel für irgendeine esoterische Absonderlichkeit wäre. Dieses Zen in der Kunst von … ist auf dem Boden eines Missverständnisses entstanden, denn Eugen Herrigel sprach kein Wort Japanisch, als er von einem japanischen Bogenmeister unterrichtet wurde. Herrigel nahm an, daß es sich um einen Zen-Meister handeln würde, was das war Awa Kenzo (1880-1939) nicht, er war Kyūdō-Meister [4]. Awa Kenzo wollte eine ganzheitliche Veränderung des Bogenschützen im Sinne einer religiösen Erleuchtung erreichen. Er nannte seine Lehre Daishadōkyō (
大射道教) – Große Lehre vom Weg des Schießens. Das erklärt das Missverständnis. In der Folge wurden im Westen alle möglichen Künste mit Zen verbunden. Die Frau von Eugen Herrigel, Gusty L. Herrigel, fand dann Zen in der Kunst des Blumenweges. Ich weiß allerdings nicht, ob es bei ihr ein „es blumt“ gibt, denn bei Herrigel gibt es ein „es schießt“. Wie verrückt dies ist, zeigt Inken Prohl in ihrem Buch Zen für Dummies [5] viel besser auf, als das an dieser Stelle erfolgen könnte. Um aus der Abschweifung zurück zu finden -: durch Pirsigs Buch habe ich damals Henry David Thoreau und Walden, or Life in the Woods entdeckt – und damit sind wir wieder in der Nähe des WinzHauses.

Thoreau baute sein WinzHaus am Walden Pond [6]. Der See ist ein Überbleibsel der Eiszeit vor 10-12.000 Jahren und heute ein Schutzgebiet. Damals (1840iger Jahre) war er noch Wildnis. Thoreau baute sich diese Hütte, von der eine Kopie aufgestellt wurde und lebte über zwei Jahre dort und beschrieb dies in dem Buch Walden, or Life in the Woods, das ich in in dem Buch The Portable Thoreau gelesen hatte [7]; es wurde in diesen Sammelband vollständig aufgenommen. Henry David Thoreau wurde 1817 in Concord, Massachusetts, geboren [8]; Walden Pond liegt etwa 3 km von der Stadtmitte entfernt. Und Thoreau starb auch in Concord mit nur 44 Jahren. Er führte ab 1837 Tagebuch und das bis zu seinem Tod. Von ihm stammt der Satz: „A man is rich in proportion to the number of things which he can afford to let alone.“ [9] Über Ralph Waldo Emerson [10] wurde Thoreau in die transzendentalistische Bewegung eingeführt, für die das Zurück zur Natur ein wichtiger Bestandteil ihrer Lebensanschauung war, um es überstürzt gekürzt auszudrücken. Das Grundstück für die Hütte von Thoreau gehörte Emerson. Thoreau lebte dort zwei Jahre und zwei Monate. Die Hütte hatte er selbst errichtet. Er lebte von landwirtschaftlichen Produkten, also einer Gartenwirtschaft. Ich dachte, ich hätte früher in Waldon gelesen: „Nine bean-rows will I have there, a hive for the honey-bee,“ [11], aber das stimmt nicht. Thoreau ließ sich von der Natur inspirieren und zog sich dorthin vor den Torheiten der Gesellschaft zurück. Kurz vor einem Ort reicht meistens aus; es war bei den Tang-Poeten ähnlich. In seinem Experiment kam Thoreau zu dem Ergebis, daß sechs Wochen Arbeit im Jahr ausreichten, um für den Lebensunterhalt zu sorgen.

Mit „Wohnst du noch oder lebst du schon?“ warb einmal IKEA. Thoreau lebte am Walden Pond und wohnte in der Hütte dort. Sie war klein, bescheiden und karg. Es hatte einen Kamin, einen Schreibtisch mit Stuhl [12] und ein Bett; so ähnlich ist auch die Hermit's Cabin augestattet, von der noch die Rede sein wird. Die ursprüngliche Hütte existiert nicht mehr, aber es wurde eine Nachbildung gebaut, die man besichtigen kann [13]. Die Hütte hatte eine Fläche von ca. 14 m². Das ist nicht viel, aber für ein WinzHaus bereits ausreichend.

Was war das faszinierende an Walden noch vor der März-Revolution von 1848? Walden lag etwas abseits von der damaligen Zivilisation, aber doch nah genug für mögliche Versorgung und Besuche. Die Faszination reicht bis in die Jetztzeit [14]. Henry David Thoreau beschreibt die Natur und die Geräusche der Natur. Ich meine, daß er Momente erlebte, den Mihály Csíkszentmihályi mit Flow beschreibt. Oder vielleicht auch das, was bei vielen Menschen eine Gänsehaut auslöst wie bestimmte Musikstücke, Literatur, ein Buchenwald im Frühjahr, der Nebel in seiner Stille über einem See [15], …

Für all dies sind weder Walden noch WinzHaus notwendig, aber sie erleichtern es doch.



Links und Anmerkungen:
[1] Hinweise auf das Projekt finden sich in der Einleitung: https://rheumatologe.blogspot.com/2024/01/das-winzhaus-einleitung.html
[2] Robert M. Pirsig: Zen and the Art of Motorcycle Maintenance: An Inquiry into Values. Corgi Books, Ealing 1976. ISBN 0-552-10166-4.
[3] Ich hatte die deutsche Ausgabe aus dem Otto Wilhelm Barth Verhag (München 1953) ca. 1975 ausgeliehen, mir aber später die englische Übersetzung in Taiwan gekauft: Eugen Herrigel: Zen in the Art of Archery. Vintage Books, New York 1971.
[4] Ich habe hier einen Textteil aus Zen in der Kunst Bäume zu köpfen abgewandelt. https://rheumatologe.blogspot.com/2020/07/zen-in-der-kunst-baume-zu-kopfen.html
[5] Inken Prohl: Zen für Dummies. Wiley-VCH, Weinheim 2010, ISBN 978-3-527-70501-6. Inken Prohl ist eine deutsche Religionswissenschaftlerin und Japanologin. Sie ist als Professorin in Heidelberg tätig. https://de.wikipedia.org/wiki/Inken_Prohl
[6] https://en.wikipedia.org/wiki/Walden_Pond
[7] Henry David Thoreau: The Portable Thoreau, edited by Carl Bode. Penguin Books, Harmondsworth 1977. ISBN-10: ‎ 0-14-015-031-5.
[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Henry_David_Thoreau
[9] Ich übersetze es mit: Jemand ist reich in Proportion zu den Dingen, auf die er verzichten kann.
[10] Ralph Waldo Emerson (1803-1882) war ein US-amerikanischer Philosoph und Schriftsteller.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ralph_Waldo_Emerson
[11] Das Zitat stammt aus dem Gedicht The Lake Isle of Innisfree von William Butler Yeats und mit den beiden Zeilen „And a small cabin build there, of clay and wattles made; / Nine bean-rows will I have there, a hive for the honey-bee,“ wäre es Programm für Thoreau. Wahrscheinlich habe ich auch nur an Thoreau gedacht, als ich das Gedicht einmal gelesen habe, denn das Gedicht wurde erst 1888, also nach dem Tode von Henry David Thoreau, geschrieben.
[12] Eigentlich drei Stühle, denn er schreibt: „I had three chairs in my house; one for solitude, two for friendship, three for society.“ S. 390, a.a.O. Ich weiß nicht, wo die beiden anderen Stühle waren.
[13] https://cozeliving.com/tiny-house-movement/ hat eine Abbildung, aber im Wikipedia-Artikel [6] ist ein ähnliches Bild in besserer Auflösung.
[14] Fringe bedeutet Randzone, Grenzbreich; die Fersehserie spielte teilweise in einem Paralleluniversum, in dem alles so ist wie hier nur mit kleinen Unterschieden. Und der erste Besuch im Paralleluniversum erfolgte auf dem vereisten Walden Pond. Fringe – Grenzfälle des FBI https://de.wikipedia.org/wiki/Fringe_%E2%80%93_Grenzf%C3%A4lle_des_FBI   
[15] Tja, gerade eben beim Schreiben, ich wünsche es jedem beim Lesen.

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Monday, May 29, 2023

Zen-Gedanken


Wer den richtigen Weg gehen will, muß erst einmal eine lange Zeit regungslos verharren.

Das Nicht-Zwei ist weder das Nicht-Eine noch das Eine. Es ist wie der Fluß Styx, der keine zwei Ufer hat.

Wenn du das Nicht-Zwei suchst, dann suchst du in deinem Innern nur was auch außen ist, das Eine und das Nicht-Eine. Du läßt das Nichts nichten und dann macht es schon etwas.

Wenn du im Jetzt bist, dann ist es richtig. Aber du teilst dein Jetzt in ein Vorher und ein Nachher; und das Jetzt wandelt sich immer zu einem Vorher.

Du bist hier und siehst ein Dort. Aber nie gelangst du zum Dort, sondern erlangst immer wieder nur ein neues Hier. Warum bleibst du nicht hier?

StehenBleiben du nicht sollst
NachJagen den Gegensätzen
Dich hüte davor

Leben ist Leiden und die Überwindung von Leiden. Vielleicht ist das letztere als Methode schon Religion.

Wie kann ein Objekt, das ich betrachte objektiv sein, da ich es subjektiv betrachte?

Wenn du im Nirvana das Paradies vermutest, dann suche doch gleich die nächste Sackgasse.

Wenn du in eine schöne Versenkung gerätst, in der du ewig verweilen willst, dann reiße dich los - frei nach Meister Eckehart. Dem ist auch Goethe im Faust nachgegangen: „Werd ich zum Augenblicke sagen: / Verweile doch! du bist so schön!“

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Monday, May 8, 2023

Die wertvolle Schale oder Wabi-Sabi

 



Manche suchen Klangschalen, um eine besondere Schale zu besitzen, aber bei aller Esoterik, das Besondere können nur wir in den Gegenständen entdecken. Die etwas unscheinbare Schale entdeckte ich in einem Geschäft für alle möglichen Waren, Hauptsache sie sind billig und nicht etwa nur preiswert. Dort kann man solche Schalen finden. Und ich fand diese schon im Originalpreis absurd preiswerte Schale nochmals um 50% reduziert, also sehr billig. Soll man so eine Schale kaufen? Nicht unbedingt, es sei denn, man schaut genau hin und entdeckt ein nicht eingeplante Schönheit.

Ich habe schon einmal das Konzept des Wabi-Sabi erwähnt [1] und zwar im Zusammenhang mit meiner bereits 30 Jahre andauernden Suche nach einem Portemonnaie, da dasjenige, das ich benutze, „abgewetzt bis zum Wabi-Sabi“ ist. Wabi-Sabi (Japanisch
侘寂) ist ein japanisches Konzept der Wahrnehmung von Schönheit, „die sich in der Hülle des Unscheinbaren verbirgt, die herbe Schlichtheit, die dem Verstehenden doch alle Reize des Schönen offenbaren (Wilhelm Gundert)“ [2]. Eng verbunden damit ist auch Kintsugi (金継ぎ), also diese mit goldhaltigem Lack geflickte Keramik. [3] Kintsugi ist eine traditionelle japanische Reparaturmethode für Keramik, bei der in der Kittmasse pulverisiertes Gold oder z.B. auch Silber und Platin eingestreut sind. Da sind wir also zurück bei der Schale.

Die Schale ist ein Industrieprodukt und sie hat die Qualitätskontrolle nicht passiert, denn sie ist zum Unikat geworden und weist nicht mehr die maschinelle Gleichheit von einem Stück zum anderen auf. Interessanterweise weist man auf die Craquelé-Glasur (die feinen Sprünge in der Glasur) hin, die von „Hand“ erfolgt sei. Wenn man in die Schale schaut, dann man Unterschiede in der Farbe der Rosette sehen, denn bei 1:00-2:00 Uhr und bei 7:00-8:00 Uhr ist sie viel dunkler als bei 3:00-4:00 Uhr. Außen wird es noch interessanter, denn da sieht man einen Schnitt in der Schale, der allerdings völlig mit Glasur überdeckt ist. Wahrscheinlich war eine scharfe Kante beim Umstellen der Schale im Weg und hat sie vor dem Brennen geritzt. Gut, daß man die Schale nicht zu den Scherben geworfen hat, sondern daß man sie verscherbeln wollte.

Was für eine Funktion wird diese Schale haben? Wahrscheinlich keine Alltagsfunktion, denn ich besitze genügend Schalen. Vielleicht stelle ich sie an einen Ort, wo ich sie ab und zu ansehen kann, um mich mehr in die Tiefe der Schlichtheit zu versenken.





Links und Anmerkungen:
[1] À la recherche du portefeuille simple https://rheumatologe.blogspot.com/2022/12/a-la-recherche-du-portefeuille-simple.html
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Wabi-Sabi Über Wilhelm Gunderts epochale Übersetzung „Bi-yän-lu: Meister Yüan-wu's Niederschrift von der Smaragdenen Felswand“ müßte ich schon längst geschrieben haben.
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Kintsugi Für etwas über etwas über 4.000 € bekommt man schon eine schöne, geflickte Schale der Momoyama-Periode (1568-1600): https://www.etsy.com/de/listing/528066411/karatsu-schale-6084k-momoyama-periode?click_key=82fa9ca0c4bb6ffe1d20ba3468b0809154b7f954%3A528066411&click_sum=5e02879c&external=1&rec_type=cs&ref=pla_similar_listing_top-6   


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Tuesday, July 28, 2020

Zen in der Kunst Bäume zu köpfen



„Mein Freund der Baum
Ist tot
Er fiel im frühen Morgenrot“
Alexandra





Ich dachte ich sehe nicht recht. Da biegt ein Trupp mit mehrere Fahrzeugen und fährt auf die Wiesen zwischen meinem Haus und dem nächsten Dorf in der Eifel. Und was taten diese Leute? Sie dekapitierten Bäume und Büsche. Ich lasse es erst einmal in der Schwebe, was das denn mit Zen zu tun hat. Und es kam nicht ganz so schlimm wie in dem Lied "Mein Freund der Baum".

Mit einem Kranwagen fuhren sie nah genug an die Bäume und schnitten bzw. sägten die Kronen in der Mitte weg. Ein Traktor war mit dabei und schredderte das Grün und die Äste zu Mulch, der seinerseite in einem Anhänger aufgefangen wurde. Innerhalb von einer Stunde war alles vorbei und die Angst ist gegangen, in Sistig oder wo auch immer könnte einmal der Strom wegbleiben, da ein Baum auf eine Überlandleitung gefallen wäre.


Nachher

  


Vorher -
die drohenden Wolken als foreshadowing


Da fiel mir Douglas Edison Harding (1909–2007) ein, dessen Buch “On Having No Head: Zen and the Re-discovery of the Obvious” ich einmal gelesen habe (nein, zweimal) [1]. “ In 1943, he looked back at himself and noticed that from his own point of view he was headless. He was looking not out of two eyes but a 'single eye', a boundless openness – an openness that was self-evidently aware, and was also full of the whole world. Here was direct experience of his central identity, his True Self.” [2] Nun immerhin lebte er danach noch kopflos für 64 Jahre.

Zen in der Kunst von irgendwas ist auf dem Boden eines Missverständnisses entstanden, denn Eugen Herrigel sprach kein Wort Japanisch, als er von einem japanischen Bogenmeister unterrichtet wurde. Herrigel nahm an, dass es sich um einen Zen-Meister handeln würde, was er aber nicht war. Awa Kenzo (1880-1939) war Kyūdō-Meister [3]. Awa Kenzo wollte eine ganzheitliche Veränderung des Bogenschützen im Sinne einer religiösen Erleuchtung erreichen. Er nannte seine Lehre Daishadōkyō (大射道教) - Große Lehre vom Weg des Schießens. Das erklärt das Missverständnis. In der Folge haben sich im Westen alle möglichen Künste mit Zen verbunden. Blödsinn!
Allerdings gibt es ein Buch, das sich zu lesen lohnt: „Zen and the Art of Motorcycle Maintenance: An Inquiry into Values“ von Robert M. Pirsig [4]. Durch dieses Buch habe ich damals Henry David Thoreau und „Walden, or Life in the Woods“ entdeckt – und damit sind wir wieder bei den Bäumen.

Einmal stritten sich die Mönche der westlichen und östlichen Hallen über eine Katze. Nansen hielt die Katze hoch und sagte: „Ihr Mönche! Wenn ihr ein Zen Wort sagen könnt, werde ich die Katze verschonen. Ansonsten töte ich sie." Niemand konnte antworten, also schnitt Nansen die Katze in zwei Teile. Als Joshu an diesem Abend zurückkam, erzählte ihm Nansen von dem Vorfall. Daraufhin zog Joshu seine Sandale aus, legte sie sich auf den Kopf und ging davon. Nansen sagte: "Wenn du dort gewesen wärst, wäre die Katze gerettet worden!"
Tot und vergehen haben auch im Zen ihren Platz. Allerdings sehe ich in dem Koan mehr ein Gedankenexperiment, so wie bei Schrödingers Katze.

Ich hoffe, dass sich Bäume und Büsche bald wieder erholen. Momentan schwingen sie ihre Äste auch ohne Kopf. Perfekte Zen Meditation.


Links and References:
[1] Douglas Edison Harding: On Having No Head: Zen and the Re-discovery of the Obvious. ShollondTrust, 1986. ISBN 978-1-908774-06-4.
[4] Robert M. Pirsig: Zen and the Art of Motorcycle Maintenance: An Inquiry into Values. William Morrow 1974. ISBN 978-0-688002-30-5

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Friday, February 15, 2019




Der Meister sagte einmal: „Wahre Leere zerstört das Sein nicht, und wahre Leere unterscheidet sich nicht von der Form.“
Dann fragte ein Mönch: "Was ist wahre Leere?"
Der Meister antwortete: „Hörst du den Ton der Glocke?"
Der Mönch antwortete: "Das ist der Klang der Glocke."
Der Meister rief: "Willst du es im Jahr des Esels in einem Traum sehen?“

 
1. Hinweis
Simon & Garfunkel: Bye bye Love
Bye bye love
Bye bye sweet caress
Hello emptiness
I feel like I could die
Bye bye my love, goodbye

2. Hinweis
Jahr des Esels
Die 12 Jahreszeichen in China sind: Ratte, Büffel, Tiger, Hase, Drache, Schlange, Pferd, Ziege, Affe, Hahn, Hund, Schwein (2019).

1. Versuch von 1:
Stille????
Antwort:
Nein! Wäre auch zu einfach, denn das Klatschen der einen Hand ist im Bereich des 1. Schwierigkeitsgrades, während das aktuelle Rätsel eher im Bereich des 30. Grades ist.

2. Versuch von 1:
Also ich meine Simon & Garfunkel: The sound of silence
Antwort:
Es gilt der 1. Hinweis - Simon & Garfunkel: Bye bye Love
Und nicht: The Sound of Silence oder The Sound of Music – oder gar: Stille ist Lärm, nur ohne Noten.

3. Hinweis:
William Shakespeare
Viel Lärm um nichts (engl. Much Ado About Nothing).
OT: "Shakespeare, wer ist Shakespeare?" – sagte wer?

4. Hinweis:
Ich habe den Text der xxx-Sutra einmal für Twitter in drei Tweets gepackt:
般若波罗蜜多经观自在菩 萨,行深般若波罗蜜多时,照见五蕴皆空,度一切苦厄。舍利子,色不异空,空不异色,色即是空,空即是色。 受想行识,亦复如是。舍利子,是诸法空相,不生不灭,不垢不净,不增不减,是故空中无色,无受想行识,#zen #buddhism
无耳鼻舌身意,无色声 味触法,无眼界,乃至无意识界,无无明,亦无无明尽,乃至无老死,亦无老死尽。无苦集灭道,无智亦无得,以无所得故。菩提萨埵,依般若波罗蜜多故,心无挂碍。无挂碍故,无有恐怖,远离颠倒梦想,究竟涅盘。#zen #buddhism
三世诸佛,依般若波罗蜜多故,得阿耨多罗三藐三菩提。故知般若波罗蜜多,是大神咒,是大明咒,是无上咒,是无等等咒。能除一切苦,真实不虚。故说般若波罗蜜多咒。即说咒曰:揭谛揭谛,波罗揭谛,波罗僧揭谛,菩提萨婆诃。#zen #buddhism
Zugegeben, das ist Chinesisch, aber sonst wäre es ja fast die Lösung und nicht ein Hinweis. Man kann es übersetzen lassen – da gefällt mir der Part besonders: „Die drei Buddhas haben laut Prajna-Polo-Honig Tante Dorothy, drei oder drei Bodhi.“
OT: Ich meine, ich könnte mich auch als Moderator im Dschungelcamp bewerben.

3. Versuch von 1.:
Die Stille bezieht sich aber nicht auf die Abwesenheit von Klang!! Die Stille ist die Potenz hinter allen Dingen, also die wahre Leere! Denn die reinste Form des Seins ist formlos und birgt in sich die Potenz, allem was war, ist und jemals sein wird, eine Form zu geben (siehe Eckart Tolle).
Antwort:
Die Ebene des Formlosen ist ein Konstrukt. „… wahre Leere unterscheidet sich nicht von der Form“ – wie z.B. die Tolle von Elvis Presley. Wahre Leere entdeckt man im Prajna-Polo-Honig-Topf, wenn man ihn lange genug öffentlich zugänglich hinstellt. Die Abwesenheit von Klang wird mit einem Balken notiert. Wie aber kann etwas das Nichts darstellen? Das Sein ist, während das Nichts nichtet (Sartre, Heidegger & KonsOrten*). Hier sein ist ein Anliegen des Zen. Und nicht, dass man die Lösung in einem Traum im Jahr des Esels verraten bekommt. Na gut, vielleicht hilft auch Tante Dorothy.
* KonsOrten - Insider joke.



4. Versuch von 1.
Die Ebene ist ein Konstrukt. Das Formlose ist die Urstruktur, die sich durch alle Ebenen der Existenz erstreckt und die Form im Wandel manifestiert. Die Tolle von Presley ist einfach nur schmalzig!Und nur Winnieh the Pooh würde lang genug in einen Prajna-Polo-Honig-Topf blicken, so dass der Prajna-Polo-Honig-Topf auch in Winnieh hinein blinzelt. Wo liegt das Hier? Ist es nicht automatisch ein Jetzt? und erstreckt sich das ewige Jetzt nicht überall hinein? Wo ist also ist das hier wenn es auch dort sein kann? Im Wald von Athen?
Antwort:
Das Formlose ist unstrukturiert, Ur hin Uhr her. Schwingt nun das Pendel oder schwingt unser Geist. Hier ist hier, und jetzt kann hier und dort sein. Wichtig ist die Erkenntnis, dass die fünf Skandhas leer sind (照见五蕴皆空). Gate gate paragate parasamgate bodhi svaha.
OT: Zeig mir dein Uran-Gesicht.
Nachtrag: 空 könnte man kennen aus 空手 – Karate.

5. Hinweis
Hätte der Mönch auf die Frage „Hörst du den Ton der Glocke?" antworten sollen: „Wenn die Glocke nicht angeschlagen wird, hört man den Klang der Glocke.“
OT: Mit jedem Hinweise ist das Weise hin.

6. Hinweis
Mit „wahre Leere unterscheidet sich nicht von der Form“ hat der Meister Perls vor die Säue geworfen.

7. Hinweis / Intermezzo
„Einsam tret ich auf den Weg, den leeren, / …“ Michail Jurjewitsch Lermontow (Михаи́л Ю́рьевич Ле́рмонтов) in der Übersetzung von Rainer Maria Rilke

8. Hinweis
„Nimmt man die Fülle aus der Fülle, / So bleibt nichts als Fülle!“ Isha Upanishad. Tja, eher das Gegenteil oder besser das Nicht-Gegenteil. Verzwickt!
Hinweis zum Hinweis: Der Bezug zu Eckart Tolle ist zufällig. (Ja, ich weiß, dass nichts zufällig ist; im Wissen (scio ...) ist keine weiß/schwarz Dichotomie).

9. Hinweis
Die Glocke ist ein Idiophon. Noch besser gesagt: ein Aufschlagidiophon. Der Mönch hätte hier schnell zum Aufschlagidiophon werden können.

5.Versuch von 1
Ich bleibe dabei, die wahre Leere ist die Fülle!
Antwort:
Ich würde sagen: voll daneben. Der interstellare Raum ist übrigens gemessen an einem schwarzen Loch leer, aber gemessen an der wahren Leere voll wie ein schwarzes Loch. Oder um einmal Heidegger zu zitieren: „Das Nichts selber nichtet.“ Aber die wahre Leere macht selbst das nicht, sie leert nicht, sie ist einfach nur leer. Das mag langweilig sein, aber die wahre Leere langweilt sich nicht. Die Leere ist auch frei von Aktivität oder Passivität.

 
 
       = :-)

10. Hinweis
Wahre Leere ist nicht leer, nur die Leere ist leer. 
Auch eine Lehre.

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