Michael Braun hat den LYRIK-Taschenkalender 2013 herausgegeben. 17 Dichterinnen und Dichter stellten jeweils zwei Lieblingsgedichte mit Kommentar vor. Von diesen AutorInnen wählte der Herausgeber je ein exemplarisches Gedicht aus und kommentierte es. In diesen Taschenkalender habe ich nun wieder Annotierungen und Assoziationen geschrieben. Vielleicht so ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne). Diese Annotationen stammen aus den Jahren 2023-2026.
43. KW
Angelus Silesius: Ohne Warumb
Erinnert mich an das Gedicht „Self-pity“ von D.H. Lawrence: „I never saw a wild thing / sorry for itself.“ [1]
Rose
Rose, du
Schöne
Rose
Du
Blühst
So
Fern
Und
Nie
Betrachtest
Du
Dich
Im
Spiegel
Ach, schon
Fallen
Deine Blätter
Die Rose als Gegenentwurf zum Selfie.
Die Rose fragt nicht, ob man ihre Schönheit sieht, aber ihre Schönheit dient, befruchtet zu werden.
Sie ist auch nicht ohne Warumb, denn das Warum liegt im Schöpfer.
So wie die Rose ist die Welt ohne Mensch.
Christiani Rosencreutz: „Auff meinen Hut steckt ich vier rohter Rosen: damit ich under dem Hauffen durch solche Zeichen könte desto eh gemerckt werden.“ [2]
43. KW
Kommentar: Volker Sielaff
Blühen -: last hundert Blumen blühen und das Ende der Kampagne, aber im Prinzip sehe ich es entgegen der Realität auch so.
Liegt schon im Blühen das VerBlühen? Nein, im Blühen gibt es nur das Jetzt und da verblüht nichts, denn das kommt im NachHer. Für die Rose gibt es nur Das Betrachten im Jetzt. VorHer und nachHer ist sie eine grüne, stachelige Pflanze.
RosenBlüte
das ver-
Trocknete
Gesicht
Der
RosenBlüte
Schwindet
Blatt für
Blatt
Im MorgenTau
43. KW
Angelus Silesius: Ohne Warumb
Erinnert mich an das Gedicht „Self-pity“ von D.H. Lawrence: „I never saw a wild thing / sorry for itself.“ [1]
Rose
Rose, du
Schöne
Rose
Du
Blühst
So
Fern
Und
Nie
Betrachtest
Du
Dich
Im
Spiegel
Ach, schon
Fallen
Deine Blätter
Die Rose als Gegenentwurf zum Selfie.
Die Rose fragt nicht, ob man ihre Schönheit sieht, aber ihre Schönheit dient, befruchtet zu werden.
Sie ist auch nicht ohne Warumb, denn das Warum liegt im Schöpfer.
So wie die Rose ist die Welt ohne Mensch.
Christiani Rosencreutz: „Auff meinen Hut steckt ich vier rohter Rosen: damit ich under dem Hauffen durch solche Zeichen könte desto eh gemerckt werden.“ [2]
43. KW
Kommentar: Volker Sielaff
Blühen -: last hundert Blumen blühen und das Ende der Kampagne, aber im Prinzip sehe ich es entgegen der Realität auch so.
Liegt schon im Blühen das VerBlühen? Nein, im Blühen gibt es nur das Jetzt und da verblüht nichts, denn das kommt im NachHer. Für die Rose gibt es nur Das Betrachten im Jetzt. VorHer und nachHer ist sie eine grüne, stachelige Pflanze.
RosenBlüte
das ver-
Trocknete
Gesicht
Der
RosenBlüte
Schwindet
Blatt für
Blatt
Im MorgenTau
Links und Anmerkungen:
[1] Das Buch [1a] und das Gedicht spielten auch eine Rolle in dem Film „G.I. Jane [1b] mit Demi Moore, die dafür die Goldene Himbeere [1c] bekam.
[1a]D. H. Lawrence: Selected Poetry. Selected and introduced by Keith Sagar.
PenguinBooks, London 1986. ISBN: 978-0140585407.
[1b] „Die Akte Jane (Originaltitel: G.I. Jane) ist ein US-amerikanischer Film des britischen Regisseurs Ridley Scott aus dem Jahr 1997. Hauptdarsteller sind Demi Moore und Viggo Mortensen.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Akte_Jane
[1c] „Die Goldene Himbeere für die schlechteste Schauspielerin wird seit 1981 jährlich vergeben.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Himbeere/Schlechteste_Schauspielerin
[2] Christiani Rosencreutz (eher: Johann Valentin Andreae [2a]): Chymische Hochzeit. Anno 1459. Lazarus Zetzner, Straßburg 1616.
[2a] Johann Valentin Andreae (1586-1654) war ein deutscher Theologe, Schriftsteller und Mathematiker.
https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Valentin_Andreae
[3] This footnote is intentionally left blank, as always.
https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk
.


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