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Friday, April 8, 2022

Effekte von Tee auf Kalzium und Knochengesundheit

 



Tee und besonders Koffein werden in der Laienpresse häufig angeschuldigt, den Körper anzuregen, mehr Kalzium auszuscheiden und so die Knochen zu entkalken. Ist da etwas dran? Oder ist es eine der vielen Fragen, die man nur schlecht beantworten kann, weil es die entsprechenden Studien nicht gibt?

R.P. Heaney [1] beschäftigte sich mit der Frage nach Auswirkungen von Koffein auf Knochen und die Kalziumhaushalt. Er zog physiologische Studien am Menschen, die z.B. Daten über die 24-Stunden-Kalziumausscheidung im Urin enthielten, epidemiologische und weitere Studien heran. Bei Menschen, die keine Unterschreitung der aktuell empfohlenen Tagesdosis an Kalzium aufwiesen, konnte er eine schädliche Wirkung von Koffein auf den Knochenstatus oder den Kalziumhaushalt ausschließen.

A.E. Ratajczak und Kollegen interessieren, ob Tee (und Kaffee) den Knochenstoffwechsel bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen beeinflusst [2]. Sie finden ein widersprüchliches Ergebnis: „Kaffee und Tee enthalten zahlreiche Verbindungen, die den Knochenstoffwechsel beeinflussen. Bestimmte Substanzen wie Antioxidantien können die Knochen schützen; andere Substanzen können die Knochenresorption erhöhen.“ Kein eindeutiges Ergebnis und dazu noch die Beschränkung auf chronisch-erkrankte Personen.

Obwohl Tee auch Koffein enthält, deuten Studien darauf hin, daß er, anders als unter Umständen Kaffee, die Knochendichte bei älteren Frauen nicht beeinträchtigt; und zwar unabhängig, ob Milch hinzufügt wird oder nicht [3]. Für Kaffee scheint zu gelten: „Die gute Nachricht ist, daß die Begrenzung der Koffeinaufnahme auf 300 Milligramm pro Tag bei gleichzeitiger ausreichender Kalziumzufuhr wahrscheinlich alle durch Koffein verursachten Verluste ausgleicht.“

Was gibt es sonst noch aus der Wissenschaft? Xi J, Li Q, Luo X, Li J, Guo L, Xue H, Wu G. Untersuchten die Wirkung von Epigallocatechin-3-Gallat an Mäusen und fanden einen protektiven Effekt vor sekundärer Osteoporose [4]. Für 330 mg Koffein (600 ml Kaffee) fanden H. Hallström und Kollegen ein moderat erhöhtes Risiko für osteoporotische Frakturen bei schwedischen Frauen [5].  S.S. Harris und B. Dawson-Hughes untersuchten postmenopausale Frauen anhand von Knochendichtemessungen an der Wirbelsäule und fanden ein erhöhtes Risiko bei 2-3 Tassen Kaffee und einer inadequaten Kalziumzufuhr [6]. C.H. Chen und Kollegen berichteten, daß die Knochendichte von postmenopausalen Teetrinkerinnen höher war als die von Frauen ohne gewohnheitsmäßigen Teekonsum [7]. Da es bis dahin keine Studien dazu gab, testen sie Epigallocatechin-3-Gallat (EGCG) an mesenchymalen Stammzellen. Sie fanden stimulierenden Wirkungen auf die Osteogenese durch EGCG.

Gebrühter Kaffee enthält 68,90 mg Koffein pro 100 ml, Schwarzer Tee 17,70 mg und Grüner Tee
10,60 mg [8]. Wenn wir einmal 300 mg Koffein als magische Grenze ansehen, dann ist diese für Kaffee schon bei 400 ml erreicht. Bei Schwarzem Tee liegt die Grenze bei 1700 ml und bei Grünem Tee bei 2800 ml. Bei Cola liegt die Grenze über 3000 ml … allerdings rate ich wegen des Gehalts an Ortho-Phosphorsäure (E338) ab [9].

Probleme für den Knochen, die Knochendichte, den Kalziumstoffwechsel entstehen nicht zu den Genuss von Tee. Exzesse hingegen sollte man auch bei Tee vermeiden.

 



Links und Anmerkung:
[1] Heaney RP. Effects of caffeine on bone and the calcium economy. Food Chem Toxicol. 2002 Sep;40(9):1263-70. doi: 10.1016/s0278-6915(02)00094-7. PMID: 12204390.
[2] Ratajczak AE, Szymczak-Tomczak A, Zawada A, Rychter AM, Dobrowolska A, Krela-Kaźmierczak I. Does Drinking Coffee and Tea Affect Bone Metabolism in Patients with Inflammatory Bowel Diseases? Nutrients. 2021 Jan 13;13(1):216. doi: 10.3390/nu13010216. PMID: 33451170; PMCID: PMC7828660.
[3] Elizabeth M. Ward: Osteoporosis Diet Dangers: Foods to Avoid. Salt, soda, caffeine: Could your daily diet be damaging your bones -- even leading to osteoporosis? Osteoporosis Diet Danger 3: The Cost of Caffeine. https://www.webmd.com/osteoporosis/features/diet-dangers  
[4] Xi J, Li Q, Luo X, Li J, Guo L, Xue H, Wu G. Epigallocatechin-3-gallate protects against secondary osteoporosis in a mouse model via the Wnt/β-catenin signaling pathway. Mol Med Rep. 2018 Nov;18(5):4555-4562. doi: 10.3892/mmr.2018.9437. Epub 2018 Sep 3. PMID: 30221714.
[5] Hallström H, Wolk A, Glynn A, Michaëlsson K. Coffee, tea and caffeine consumption in relation to osteoporotic fracture risk in a cohort of Swedish women. Osteoporos Int. 2006;17(7):1055-64. doi: 10.1007/s00198-006-0109-y. Epub 2006 May 4. PMID: 16758142.
[6] Harris SS, Dawson-Hughes B. Caffeine and bone loss in healthy postmenopausal women. Am J Clin Nutr. 1994 Oct;60(4):573-8. doi: 10.1093/ajcn/60.4.573. PMID: 8092093.
[7] Chen CH, Ho ML, Chang JK, Hung SH, Wang GJ. Green tea catechin enhances osteogenesis in a bone marrow mesenchymal stem cell line. Osteoporos Int. 2005 Dec;16(12):2039-45. doi: 10.1007/s00198-005-1995-0. Epub 2005 Sep 17. PMID: 16170444.
[8] https://www.teewiki.org/wiki/Koffein Der Artikel führt den Koffein-Gehalt weiterer Sorten Tees auf. Und wer es noch ausführlicher haben möchte, siehe hier: https://www.gruenertee.com/koffeingehalt-tee-kaffee/
[9] Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): „... eine Anreicherung von herkömmlichen Lebensmitteln mit Phosphor zu ernährungsphysiologischen Zwecken nicht als sinnvoll erachtet wird und nicht erfolgen sollte.“  https://www.bfr.bund.de/cm/350/verwendung_von_mineralstoffen_in_lebensmitteln_bfr_wissenschaft_4_2004.pdf


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Saturday, October 8, 2016

Vegane Kost




Ich lese gerade einen Artikel, der mir zugeschickt wurde: „Ernährungstipps: So können Ärzte Vegetarier und Veganer beraten“. Prof. Dr. Jörg-Dieter Schulzke berät in diesem Artikel. „Weitgehend sicher sei jedoch, dass es bei einer absolut pflanzlichen (veganen) Ernährung ohne Substitution bestimmter Mikronährstoffe mittel- bis langfristig zu teilweise gravierenden Mangelerscheinungen komme.“ Stimmt das wirklich so? Wahrscheinlich nur für Vitamin B12. Allerdings muss bei veganer Ernährungsform umsichtiger als bei anderen Ernährungsformen ausgewählt werden.

Vitamin B12
Vitamin B12 ist ein Vitamin, das von Mikroorganismen wie Bakterien produziert wird. Vielfach wird es im Dickdarm produziert und kann dort nicht aufgenommen werden, sondern wird ausgeschieden. In früheren Zeiten war die natürliche Verunreinigung von Wasser eine Quelle für Vitamin B12, allerdings auch eine Quelle für Cholera und andere Infektionserkrankungen. In Fleisch und tierischen Produkten ist genügend Vitamin B12 vorhanden. Nur bei der veganen Kostform muss es zugefügt werden. Es gibt angereicherte Nahrungsmittel oder aber man nimmt das Vitamin als Tablette.

Vitamin D3
Cholecalciferol oder Vitamin D3 ist nicht nur für Veganer von Bedeutung. Deutschland liegt so hoch im Norden, dass im Winter die Sonne zu tief steht und deshalb die notwendigen sehr kurzwelligen UV-Strahlen nicht durch die Atmosphäre gelangen. Paradox, aber man kann auch im Winter Farbe im Gesicht durch die UV-Strahlung bekommen, die durchkommt, aber diese führt nicht zur Produktion von Vitamin D3. In den USA werden Milch und milchartige Produkte wie Soja- oder Reismilch mit Vitamin D2 angereichert. Hier bei uns ist das nicht üblich. Deshalb gilt generell (egal ob sich omnivor, vegetarisch oder vegan ernährt wird), für eine Zufuhr von außen zu sorgen.

Eisen
Frauen haben häufiger als Männer Eisenmangel bzw. einen niedrigeren Eisenspiegel bzw. Eisenspeicher. Das ist vielleicht auch der Grund für die etwas längere Lebensspanne von Frauen gegenüber Männern. Über 90% der Veganer haben keinen Eisenmangel. Man kann als Veganer auch dafür sorgen, dass genügend Eisen aufgenommen wird, indem man keinen Kaffee oder Schwarztee zu den Mahlzeiten, dafür aber ein Vitamin C haltiges Getränk trinkt. Zum einen wird weniger Eisen gebunden und zum anderen das verfügbare Eisen aufnahmefähiger für Körper.

Zink
Zink kann problematisch sein, wenn die Umstellung von der einen zur anderen Kostform zu rasch vollzogen wird, z.B. plötzlich sehr viel mehr phytinhaltigen Speisen genossen werden. Gute Quellen für Zink sind z.B. Hefe, Linsen, Pekannüsse, Pilze, Walnüsse oder Weizenkeime. Unter Umständen ist es sinnvoll in der Umstellungsphase eine kurzfristige Substitution durchzuführen.

Selen
Es gibt Erkrankungen bei Selenmangel, die aber nicht spezifisch für Veganer wären. Gerade vegetarische Nahrungsmittel sind reich an Selen, wie Nüsse (insbesondere Paranüsse), Zerealien und Pilze. Einen Nutzen von einer Selen Substitution ohne nachgewiesenen Mangel konnte in Studien nicht nachgewiesen werden.

Kalzium
Es stimmt schon, dass Pektine, Zellulose, Oxalsäure oder Phytinsäure Kalzium binden. Aber andererseits sind Milch und Milchprodukte reich an Eiweiß. Phosphaten und Natrium, so dass viel Kalzium auch wieder ausgeschieden wird. Man kann beim Mineralwasser darauf achten, dass es viel Kalzium enthält; z.B. enthält Steinsieker 620 mg Kalzium pro Liter. Es lohnt also beim Wasserkauf auf das Etikett zu schauen. Nüssen, Samen, dunkelgrünes Gemüse und weitere mehr enthalten sehr viel verfügbares Kalzium. Man braucht sich also nicht verrückt machen zu lassen.

Eiweiß
Ein immer wiederkehrendes Thema. Wer sich ausgewogen und kaloriengerecht ernährt, hat keinen Eiweißmangel zu befürchten. Punkt.
Wenn man sich nur von geschältem Reis oder Maniok ernährt, ja dann kann man Eiweißmangel bekommen. Macht aber hierzulande kein Veganer. Und die Menschen, die so eine Ernährung durchführen, machen das nicht freiwillig, sondern die Armut oder andere Umstände zwingen sie dazu.
„Zwar sind auch in Pflanzen Eiweiße, aber dabei nicht immer alle essenziellen Aminosäuren enthalten, weshalb hier eine ausgewogene Mischung pflanzlicher Nahrungsmittel wichtig ist, die verschiedene Getreide, Soja und Mais enthält“, erzählt mir Prof. Dr. Jörg-Dieter Schulzke. Er scheint noch nicht von Frances Moore Lappé gehört zu haben. Sie hatte den Mythos, man müsse dauernd Eiweißquellen geschickt mischen, in ihrem Buch „Diet for a Small Planet“ in die Welt gesetzt. Das ist falsch. Es müssen nicht laufend alle Aminosäuren in optimaler Verteilung vorliegen, aber es sollten schon alle essentiellen Aminosäuren innerhalb einiger Tage zur Verfügung stehen. Übrigens hat das Eiweiß der Kartoffel eine biologische Wertigkeit von 96  (Vollei 100, Rindfleisch 87).   

Omega-3-Fettsäuren
Omega-3-Fettsäuren sind allerdings ein Problem bei Veganern. Durch Nüsse und Saaten werden mehr Omega-6-Fettsäuren aufgenommen, so dass sich das Verhältnis der beiden Fettsäuren zu Omega-6-Fettsäuren verschlechtert. Leinöl ist sehr reich an Omega-3-Fettsäuren. Daneben auch Chiasamen. Rotalgen haben auch einen hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren, denn irgendwoher müssen die Fische es ja bekommen.  Edamame Bohnen enthalten auch Omega-3-Fettsäuren. Auch Grünkohl, Portulak, Rosenkohl, Spinat enthalten Omega-3-Fettsäuren, wenn auch nur in geringen Mengen.  Ggf. kann man auf eine vegane Substitution  aus Algen zurückgreifen.

Zusammenfassend hat der Artikel nicht sehr zu meiner Beratung beigetragen und lässt mich vermuten, dass andere Ärzte dadurch eher zu Bedenkenträgern als zu Beratern werden. Eine vegane Ernährung ist heute möglich und auch sinnvoll.                                
                                                                                                                                                                                                                
Link:
  

Monday, December 14, 2015

Trivital arthro gegen Rheuma?


Ich habe mich wieder einmal über ein Nahrungsergänzungs-mittel geärgert und zwar über die Trivital arthro Kapseln. Diese wurden einer meiner Rheuma-Patientinnen von einer Hals-Nase-Ohren-Ärztin gegen ihr Rheuma empfohlen.
Was ist in den Kapseln? In der Tagesdosis sind enthalten: Maitake-Extrakt, Shiitake-Extrakt, Hühnereimembran-Extrakt (NEM), 135 mg Calcium, Mangan, Selen, Zink, Hagebutten-Extrakt, 160 mg Vitamin C, 5,0 µg Vitamin D und 12 mg alpha-TE Vitamin E.
135 mg Kalzium entsprechen etwa dem Kalziumgehalt eines Glases (200 ml) Steinsieker Mineralwasser. Übrigens ist Kalzium in die Schlagzeilen geraten; ich werde mich später dazu äußern. Zu Hagebuttenextrakten können Sie sich hier informieren: http://rheumatologe.blogspot.de/2013/04/rosaxan.html. Und wieso eigentlich Mangan? Die durchschnittliche Manganversorgung der Bevölkerung ist deutlich besser als der Bedarf. Der Bedarf wird mit 1 mg Mangan täglich angegeben, die Versorgung beträgt aber 2,5 mg. Vitamin C sollte kein Problem sein (frisches Obst und Gemüse das ganze Jahr). Vitamin E sollte man nicht künstlich zuführen; dazu ist lesenswert der Artikel, den man auf Spiegel-Online einsehen kann: http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/medizin-wann-vitamintabletten-schaden-a-836108.html.
Maitake und Shiitake sind hervorragende Speisepilze, denen ein gesundheitlicher Nutzen nachgesagt wird. Es liegen sogar Studien vor. Aber machen Sie es bitte wie die Ostasiaten – in Maßen essen. Nicht wenige Milligram als Extrakt einnehmen.

„Mit seinem innovativen Tag-Nacht-Prinzip sind die Inhaltsstoffe sinnvoll auf die Einnahme am Morgen und am Abend verteilt.“ Warum man den Extrakt des einen Pilzen morgens und den anderen abends einnehmen soll, verbirgt sich mir. Einen logischen Grund sehe ich nur in der besseren Vermarktungsmöglichkeit.
„Die 3fach-Kombination für den Erhalt gesunder Knochen und Gelenke.“ Welche Definition wird für gesunde Knochen und Gelenke wird verwendet? Hat man die Behauptung wissenschaftlich geprüft. Nein, hat man nicht.

Und wie sieht es mit dem Preis aus? Düster! Tageskosten von 1,10-1,57 €, d.h. Sie müssen für dieses Nahrungsergänzungsmittel mit bis ca. 570 € im Jahr rechnen. Apropos Rechnen, mir wäre das zu teuer für etwas Überflüssiges.