Drum, wenn die Wolke wieder mich umgibt
Und fast verzweifelnd meine Arm' ermatten,
Dann will ich denken, daß er hat geliebt,
Und meine Wimper heben durch die Schatten.
Annette von Droste-Hülshoff [1]
Und fast verzweifelnd meine Arm' ermatten,
Dann will ich denken, daß er hat geliebt,
Und meine Wimper heben durch die Schatten.
Annette von Droste-Hülshoff [1]
Der heutige Sonntag ist der zehnte Sonntag nach dem Trinitatis-Fest [2]. Die Wochenspruch lautet [3]: „Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat!“ Seit den Anfängen des Alten Testaments bis in unsere Tage sind mehr als 3000 Jahre vergangen und wir können das Heilige Land nur als von Konflikten gebeutelt erleben. Der heutige Sonntag wird auch Israelsonntag genannt und wurde im 16. Jahrhundert zur Erinnerung an die Zerstörung des Jerusalemer Tempels etabliert. Heute stehen die Beziehungen zwischen Juden- und Christentum im Vordergrund. Und schon wieder einmal dürfen sich Juden in Deutschland nicht sicher fühlen. Aber vielleicht fangen wir an, uns mit den jüdischen Wurzeln des Christentums auseinanderzusetzen, bevor wir (allerdings nicht hier) in die Politik einsteigen. Trotzdem: „Denken wir insbesondere an den aktuellen Konflikt in Palästina, unter dem nach Mord und Verschleppung durch die HAMAS Isreali und Palestinenser leiden.“
Offenheit, Toleranz, Wohlwollen, Liebe sind notwendig; Hass, Egoismus oder Narzissmus sind nicht gefragt. Wenn man den Nächsten lieben will wie sich selbst, dann muß man auch sich selbst mit Liebe und Nachsicht begegnen können. Wie steht es um die Menschen, die in den sozialen Medien nur Hass-Kommentare abgeben? Die können sich selbst eben nicht mit Liebe, Nachsicht und Wohlwollen begegnen – aber wir könnten es … könnten es versuchen.
Im Evangelium geht es um die Frage nach dem höchsten Gebot [4], die Jesus mit einem Zitat aus dem 5. Buch Mose beantwortet [5]. Die ersten beiden Verse der Textpassage lauten: „Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einer. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“ Dieses Schma Jisrael (Höre Israel) kann man als jüdisches Glaubensbekenntnis auffassen. Gläubige Juden sprechen es morgens und abends, zu Neugeborenen und es sind mitunter die letzten Worte sterbender Juden. Die Textpassage steckt auch in einer Kapsel, die Mesusa [6] genannt wird, und sich am Türpfosten der Eingangstür jüdischer Häuser befindet. Man küßt diese bei Betreten oder Verlassen des Hauses als Ehrerbietung.
Ein Rabbi fragte seine Schüler, wann der Tag beginnen würde. Alle Antworten waren falsch. Der Rabbi beantwortete selbst die Frage: „Der Tag beginnt, wenn Du in das Gesicht eines Menschen blickst und darin Deine Schwester oder Deinen Bruder siehst. Bis dahin ist die Nacht noch bei uns.“ Damit aber kommen wir zu Emmanuel Levinas. Emmanuel Levinas (1905-1995) [7] entwickelte eine Ethik, die sich nicht um Erkenntnis über das Sein in erster Linie sondern um das Antlitz des Anderen kümmerte. Man kann dem Anderen nicht mit Gleichgültigkeit begegnen, obwohl er seine Anders-/Fremdheit nicht verlieren kann [6]. Der Übersetzer F. Miething zitierte aus Dostojewskis Roman „Die Brüder Karamasov“, um dies zu beschreiben [8]: „Jeder ist verantwortlich für alle anderen, jeder ist schuldig und ich mehr als alle anderen.“
Es ist Saure-Gurkenzeit, auch bei den Gestecken. In der Versöhnungskirche sah man das Skelett einer Anturie, immerhin sehr viel Grün als liturgische Farbe. Als Alternative hätten wir vertrocknete Blumen aufstellen können, die sich noch in der Sakristei fanden. In Kall war es immerhin ein frischer Strauß Sonnenblumen, ebenfalls mit sehr viel Grün. Mal so gesehen kann es in den nächsten Wochen nur besser werden.
Ein Rabbi fragte seine Schüler, wann der Tag beginnen würde. Alle Antworten waren falsch. Der Rabbi beantwortete selbst die Frage: „Der Tag beginnt, wenn Du in das Gesicht eines Menschen blickst und darin Deine Schwester oder Deinen Bruder siehst. Bis dahin ist die Nacht noch bei uns.“ Damit aber kommen wir zu Emmanuel Levinas. Emmanuel Levinas (1905-1995) [7] entwickelte eine Ethik, die sich nicht um Erkenntnis über das Sein in erster Linie sondern um das Antlitz des Anderen kümmerte. Man kann dem Anderen nicht mit Gleichgültigkeit begegnen, obwohl er seine Anders-/Fremdheit nicht verlieren kann [6]. Der Übersetzer F. Miething zitierte aus Dostojewskis Roman „Die Brüder Karamasov“, um dies zu beschreiben [8]: „Jeder ist verantwortlich für alle anderen, jeder ist schuldig und ich mehr als alle anderen.“
Es ist Saure-Gurkenzeit, auch bei den Gestecken. In der Versöhnungskirche sah man das Skelett einer Anturie, immerhin sehr viel Grün als liturgische Farbe. Als Alternative hätten wir vertrocknete Blumen aufstellen können, die sich noch in der Sakristei fanden. In Kall war es immerhin ein frischer Strauß Sonnenblumen, ebenfalls mit sehr viel Grün. Mal so gesehen kann es in den nächsten Wochen nur besser werden.
Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).
Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 120-121. Am XI. Sonntage nach Pfingsten.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/10-sonntag-nach-trinitatis-israelsonntag-kirche-und-israel/
[3] Ps 33,12
[4] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MRK.12 Mk 12,28–34
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/DEU.6 5. Mose 6,4–9
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Mesusa
[7] https://www.jesus.ch/themen/glaube/theologie_philosophie_religion/126826-emmanuel_lvinas_das_antlitz_des_anderen_nach_auschwitz.html
[8] https://www.juedische-allgemeine.de/allgemein/die-spur-des-anderen/
.



No comments:
Post a Comment