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Thursday, September 29, 2022

Natto – einige Fragen und auch Antworten

 



Ich bin schon seit geraumer Zeit Natto-Esser, wie ich z.B. vor zwei Jahren hier mitteilte [1]. Ich schrieb u.a.: „Was ist nun Natto? Natto [Fußnote im Original] oder besser Nattō (納豆 oder なっとう) stammt aus Japan. Würde man die Hiragana (Silbenschrift) transkribieren, hätte man na-tsu-to-u, aber das würde ziemlich sicher falsch ausgesprochen werden, denn wer weiß schon, dass tsu das t von to verdoppelt und u das o längt?! Gekochte Sojabohnen werden mit einem Bakterium beimpft. Wenn das Natto reif ist, zieht es klebrige Fäden, ja wie Spinnfäden. Natto ist das Lebensmittel mit dem höchsten Gehalt an Vitamin K2 und zwar Menachinon-7. Unsere Darmbakterien produzieren übrigens genügend Vitamin K. Mir schmeckt Natto, ...“.

Dieser Aufkleber ist sicherlich in Japan anstatt über den deutschen üeber den englischen und französischen Text geklebt worden.

Deshalb kann man sich auch den Originaltext ansehen.


Außer Vitamin K enthält Natto noch viel mehr. Es ist eine reiche Quelle an Spermidin bzw. Polyaminen, worüber man sich auch hier im Blog informieren kann [2].
Jetzt las ich: "Übrigens: Obwohl Natto als vegan-vegetarisches Gericht gilt, enthält die beigelegte Dashi-Sojasauce klassischerweise Fisch. Um es also in eine vegane Ernährung einzubinden, solltest du diese Sauce durch „normale“ Sojasauce ersetzen." [3] Und so hatte ich es auch lange Zeit gemacht, aber die Welt ändert sich. Die Dashi-Sojasauce (だし醬油) oder Bonito Sojasauce (鰹魚醬油) enthält Bonito (Katsuo ), eine Thunfischart. Man kann über die Idee streiten, eine Zutat zu kaufen, sie dann aber wegzuwerfen. Jetzt aber ist es sowieso anders geworden.
Ich hatte heute Natto der Firma 太平納豆株式会社 [4] aus Tokyo (Vorort Sumida). Und die hat einen Aufkleber, da das Produkt bzw. die Sojasauce für den europäischen Markt ohne Tierprodukte hergestellt wurde, d.h. es enthält keinen Fisch mehr, merkwürdigerweise auch keine Algen mehr. Da wir gerade dabei sind: E296 (Apfelsäure), E100 (Kurkumin), E300 (Ascorbinsäure), E412 (Guarkernmehl) und E415 (Xanthan) sind alle vegan.

Was mögen die Motive sein? Vielleicht nicht nur den veganen/vegetarischen Markt beliefern zu können, sondern, um nicht wg. möglichem Delfinschutz oder Verordnungen der EU Kommission Probleme zu bekommen.


Auf der linken Seite trägt die Sojasauce die Aufschrift Natto-Dashi (納豆のだし).


Was ist das Besondere an Natto? Wie gesagt: mir schmeckt es. Und es könnte auch gesund sein; bereits 1592 meinte man, dies festgestellt zu haben. Mehr zu Natto, wie es hergestellt wird und viele Einzelheiten im Wikipedia-Artikel [5]. Vielleicht ein paar Einzelheiten zur Herstellung:  Sojabohnen werden gekocht und dann durch das Bakterium Bacillus subtilis ssp. natto fermentiert. Es bildet sich ein fädenziehender Schleim um die Bohnen herum. Den angeblich starken Geruch habe ich bislang bei keinem Hersteller festgestellt. Und bei fädenziehend denken wir einmal kurz an italienische Pasta oder noch besser an das Käsefondue bei Asterix bei den Schweizern [12].

Ist etwas dran an den health claims? Es sind einige Studien gelistet (Liste Clinical Trials), die z.B. die Effekte von Natto bei postmenopausaler Osteoporose, auf postprandiale Glukosewerte, kognitive Funktion, Blutzufuhr zum Gehirn, Blutdruck, etc. untersuchten [6]. Und wenn man sich alle Studien in PubMed, die entfernt etwas mit Natto oder Natto-Extrakten zu haben, listen läßt, kommt man auf über 10.000 Studien.

In einer fünf Jahre dauernden Studie bei postmenopausalen Frauen (Die Yokogoshi Kohorten-Studie) fanden die Autoren: „Die Nahrungsaufnahme von Natto ist signifikant indirekt mit einem geringeren Auftreten von Zahnverlust bei postmenopausalen Frauen verbunden, und die systemische Knochendichte könnte ein Mediator dieses Zusammenhangs sein.“ [7]

Eine weitere Studie untersuchte ältere Männer – wieder eine Kohorten-Studie. Die Autoren schlußfolgerten: „Die gewohnheitsmäßige Einnahme von Natto wurde mit einer positiven Wirkung auf die Knochengesundheit bei älteren Männern in Verbindung gebracht, und diese Assoziation ist hauptsächlich auf den Vitamin-K-Gehalt von Natto zurückzuführen, wobei uns der Mangel an Informationen über die Nahrungsaufnahme von Nährstoffen, einschließlich Vitamin K1 und K2, daran hinderte, den Zusammenhang weiter zu überprüfen.“ [8]

Zu Polyaminen und Natto gibt es weniger. Eine Studie zeigt, daß bei Mäusen und Menschen nach dem Genuss von Natto auch der Polyamin-Gehalt im Blut ansteigt [9].

Nur zu, Natto kann man empfehlen. Und wo bekommt man es? Meine Quelle kann ich schlecht verraten, denn dann könnte es dazu kommen, daß ich leer ausgehe. Das ist wie in Bullerbü, wobei es dort um die besten Pätze für Walderdbeeren ging [10]. Da Lisa auch nachgegeben hat, werde ich es auch tun: man könnte es in asiatischen und insbesondere in japanisch oder koreanisch orientierten Supermärkten versuchen. Viel Erfolg, damit es heißt: Guess, who's coming to dinner, Natto- … [11]



Links und Anmerkungen:
[1] KeinKantinenTweet Nr. 08 vom 30.09.2020 https://rheumatologe.blogspot.com/2020/09/keinkantinentweet-nr-08-vom-30092020.html. Korrekte Schreibweise: Nattō, eingedeutscht Natto.
[2] https://rheumatologe.blogspot.com/2013/09/spermidin-polyamine-als-heilmittel.html und ein Blogpost auf Englisch: https://rheumatologe.blogspot.com/2017/01/spermidine-in-alzheimers.html  
[3] https://1mal1japan.de/japanische-kueche/natto/   
[4] Taihei Natto Co., Ltd. (太平納豆株式会社), Adresse: 東京都墨田区太平2丁目16(2-chōme-16 Taihei, Sumida City, Tokyo 130-0012, Japan). Auf Google Maps hier: 35°42'08.1"N 139°48'43.3"E https://www.google.de/maps/place/35%C2%B042'08.1%22N+139%C2%B048'43.3%22E/@35.7017313,139.8123828,457m/data=!3m1!1e3!4m5!3m4!1s0x0:0x1ded147b34f8f30a!8m2!3d35.70225!4d139.8120278
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Natt%C5%8D
[6] https://clinicaltrials.gov/ct2/results?cond=&term=Natto  listet 15 Sudien.
[7] Iwasaki M, Sato M, Yoshihara A, Saito T, Kitamura K, Ansai T, Nakamura K. A 5-year longitudinal association between dietary fermented soya bean (natto) intake and tooth loss through bone mineral density in postmenopausal women: The Yokogoshi cohort study. Gerodontology. 2021 Sep;38(3):267-275. doi: 10.1111/ger.12523. Epub 2021 Jan 4. PMID: 33393717. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33393717/  
[8] Fujita Y, Iki M, Tamaki J, Kouda K, Yura A, Kadowaki E, Sato Y, Moon JS, Tomioka K, Okamoto N, Kurumatani N. Association between vitamin K intake from fermented soybeans, natto, and bone mineral density in elderly Japanese men: the Fujiwara-kyo Osteoporosis Risk in Men (FORMEN) study. Osteoporos Int. 2012 Feb;23(2):705-14. doi: 10.1007/s00198-011-1594-1. Epub 2011 Mar 11. PMID: 21394493. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21394493/  
[9] Soda K, Kano Y, Sakuragi M, Takao K, Lefor A, Konishi F. Long-term oral polyamine intake increases blood polyamine concentrations. J Nutr Sci Vitaminol (Tokyo). 2009 Aug;55(4):361-6. doi: 10.3177/jnsv.55.361. PMID: 19763038. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19763038/  
[10] Das verrate ich gerne. Das kann man hier nachlesen: https://cloud7.edupage.org/cloud/Astrid_Lindgren_-_Die_Kinder_aus_Bullerbue.pdf?z%3ARuuCVURTisEVOxYoP0M4Gt1EHnNH4yL3OMTYeeDs7j24tGgBy5co%2FmWOKU0FTk2e Astrid Lindgren: Die Kinder aus Bullerbü. © Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg 1988. E-Buch als Freeware.
[11] Inspiriert von: Guess who's coming to dinner, Natty Dreadlocks von Black Uhuru https://www.youtube.com/watch?v=KWEGXb2juvM
[12] Wenn ich den Blogpost noch ein paar Mal durchlese, fällt mir bestimmt noch etwas ein. Ich finde den französischen Titel besser: Astérix chez les Helvètes!  https://www.comedix.de/lexikon/db/img/fondue.jpg
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Monday, May 15, 2017

Leben Vegetarier gesünder? fragt die AOK / Vigo.




Die AOK bzw. Vigo, das Kundenmagazin der AOK, fragt, ob Vegetarier gesünder leben. Ja, liebe AOK, das tun sie in der Regel, da sie bewusster mit ihrer Ernährung umgehen, als dass dies von der Durchschnittsbevölkerung getan wird.
„Es gibt keinen Hinweis darauf, dass eine vegane Ernährung besser für die Gesundheit ist als eine vegetarische oder ausgewogene Mischkost mit wenig Fleisch.“ Ja, na und?! Das geht doch völlig an der Motivation zu veganem und vegetarischen Lebensstil vorbei – die Schritte von einer ausgewogene Mischkost mit wenig Fleisch zu vegetarischer oder veganer Ernährung sind ethisch motivierte Schritte.
„Vegetarier leiden häufig unter Eisenmangel.“ Die größte Gruppe an Menschen mit Eisenmangel sind Frauen im gebärfähigen Alter. Mehr zum Eisenmangel steht hier: [1]. Als Vegetarier müsse man besonders auf Eisen achten. Das erledigt sich von selbst, wenn Vitamin C haltige Rohkost zu allen Mahlzeiten gegessen wird und z.B. kein Kaffee oder Schwarztee dazu getrunken wird.

Aber kommen wir auf die Ausgangsfrage zurück bzw. ändern sie ein wenig ab: wann leben Vegetarier und Veganer gesünder?
Wenn die Ernährung zur Normalisierung des Gewichts führt.
Wenn weniger Zucker und Fette (besonders Transfettsäuren) gegessen werden.
Wenn mit frischen Zutaten gekocht wird.
Wenn Wasser und ungesüßter Tee anstatt zuckerhaltiger Säfte und Limonaden getrunken wird.
Wenn auf bestimmte Vitamine und Mineralien geachtet wird.

Übrigens „ein Blutbild für alle kritischen Nährstoffe“ gibt es nicht. Denn: ein Blutbild ist ein Blutbild ist ein Blutbild – beim Blutbild werden rote und weiße Blutzellen sowie Blutplättchen, der Blutfarbstoff und weitere mehr gemessen. Die kritischen Nährstoffe müsste man mit anderen Laborwerten messen. Aber solange nicht bei der Gesamtbevölkerung auch kritische Nährstoffe gemessen werden, ist dies auch nicht zwingend notwendig. Da könnten Vitamin D und Folsäure zu niedrig sein.

Halbwegs beruhigte mich dann ein Kreis mit vegetarischen Speisen und dem Titel „Vegetarisch gut versorgt“. Geht doch!

Links:

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Friday, April 28, 2017

Stress als Auslöser von Schmerz und die Werbung für Abzocke


Ich las einen Artikel „Cave! Stress als Auslöser von Schmerz nicht unterschätzen“ (1). Und dachte: na endlich kapiert es die Öffentlichkeit. Es war schon spät und ich las sehr oberflächlich.

Eine Stressstudie der Techniker Krankenkasse wurde zitiert. Über Muskelverspannungen und Rückenschmerzen durch Stress wurde berichtet. Im weiteren lullte mich der Artikel mit Begriffen wie Aktivierung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse, Erhöhung der Transmitterspiegel von Adrenalin, Noradrenalin und Kortisol, Pathogenese verschiedener Krankheiten, schlechte Ernährung, Nikotin- und Alkoholkonsum oder Medikamenteneinnahme ein.
Bei „Die Assoziation von Dauerstress und Vitamin-B-Mangel ist gut bekannt“ wurde ich wach. Bei „Vitamin-B-Aufbaukur“ war ich alarmiert. Und bei dem kleinen Hinweis „präsentiert von Medivitan“, dem Hersteller von Vitamin B Aufbauspritzen war ich doch sehr enttäuscht.

„Die Effizienz einer parenteralen Vitamin-Kombinationstherapie bei Vitaminmangel ist gut belegt.4“ – die Quellen muss man sich erst suchen. Unter 4. ist eine sehr alte Studie gelistet. Ich hatte schon einmal darüber berichtet (2). Denken Sie dabei an den Satz: „Eine Aufbaukur mit Medivitan® wird Ihnen als privatärztliche Leistung angeboten, da die gesetzlichen Krankenkassen diese Kur zurzeit nicht erstatten.“

Ich finde es einigermaßen frech, die Stresserhebung der Techniker Krankenkasse („Für die Stressstudie befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Techniker Krankenkasse zum dritten Mal einen bevölkerungsrepräsentativen Querschnitt“) für Werbung zu missbrauchen. Der Artikel erschien auf  Coliquio. „Wie finanziert sich coliquio? Anstelle von Mitgliedsbeiträgen oder Bannerwerbung haben wir uns dafür entschieden, Kooperationen mit pharmazeutischen Unternehmen einzugehen, …“. Vielleicht doch nicht so eine brillante Idee.


Links: 

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Monday, January 16, 2017

LaVita




La Vita ist Italienisch für das Leben. LaVita ist nach FOCUS („Fakten, Fakten, Fakten“) ein „einzigartiges Vitalstoffkonzentrat“ [unter FOCUS präsentiert]. Das Bild dieser Werbung zeigt Gerd Truntschka mit Ehefrau Silke leicht bayrisch gekleidet.

Über 70 Zutaten
Toll, könnte man meinen, wenn man 70 Zutaten in seinem Saft hat. Es handelt sich dabei um Kräuter, Früchte, Gemüse, fermentiertes Gemüse, Öle sowie Grünen Tee, Mate und Stutenmilch. Außerdem werden Spurenelemente, Vitamine und weitere Stoffe beigegeben. Dann überlegen Sie einmal, wie viel Sauerkraut, Spinat, Tomate, Thymian, Apfel, Leinöl, Stutenmilch (ups, das sind erst 7 von 70 Zutaten) in 10 ml enthalten sein können. Über die überflüssige Zufuhr von Vitaminen und Spurenelementen ist bereits häufiger berichtet worden. Omega-3-Fettsäuren sind auch enthalten, gerade einmal 30 mg [nach der angegebenen Studie (1)]. Da fehlen dann ja nur noch 1970 mg, d.h. man hat 1,5 % durch LaVita zu sich genommen. Hier ist das Prinzip „orthomolekulare Medizin“ gerade nicht erfüllt. Ansonsten ist die Zufuhr von Spurenelementen und Vitaminen ohne Mangelzustand schädlich (3).

„LaVita schließt die Lücke“
„Oftmals ernähren wir uns nicht so gesund, wie wir es gerne würden.“ Also die Fortsetzung der Schlamperei soll durch den Saft kompensiert werden. Das aber geht nicht. Ich sehe darin eher ein Opfer, das man bringt. So ähnlich war es mit dem Kauf von Ablässen im Mittelalter. Das führte zur Reformation – ist aber eine andere Geschichte. „In 90 Tagen ein neuer Mensch“, verspricht ein grüner Kasten. Der Haken dabei ist, dass eine gesunde Lebensführung dazu führt und nicht die Einnahme Wundersäften. Noch ein Abstecher in die Religion: beim Propheten Daniel geht das bereits mit zehn Tagen. Lesen Sie es einmal in der Bibel nach im 1. Kapitel Buch Daniel.

„Wissenschaftlich bestätigt“
Was ist an „wissenschaftlich bestätigt“ dran? Es wird eine Studie zitiert und die ist auch in einer anerkannten Fachzeitschrift publiziert worden (1). Die Autoren schlossen, dass LaVita ausreichend sicher für den längeren Gebrauch sei. Sie testeten Vitamine und selbst Carnitin, allerdings blieben die Fette unbeachtet. Die Schlussfolgerung in der Werbung, dass diese Stoffe aus LaVita „besonders gut aufgenommen und verwertet werden“, setzt einen Vergleichspartner voraus, der nicht vorhanden war; man hätte z.B. Sanostol nehmen können. Deshalb wundert man sich auch über die Angabe einer Randomisierung in Fig. 1 der Veröffentlichung. „Nach den Vorgaben der Orthomolekularen Medizin dosiert“ heißt herzlich wenig, da es keine allgemeingültigen Vorgaben gibt. Die Orthomolekulare Medizin geht auf Linus Pauling zurück, der meinte, Erkältungen kämen bei hohen Dosen von Vitamin C nicht zum Ausbruch. Wissenschaftlich war diese Hypothese nicht haltbar. Hohe Dosen von Vitamin fördern z.B. die Aufnahme von Aluminium – möchte man nicht so gerne. Zugegeben, dass man eine wissenschaftliche Studie sponsert, ehrt das Unternehmen.

LaVita preislich gesehen
10 ml LaVita kosten 1 €, also 365 € im Jahr. Sanostol kostet auch noch etwa ein Drittel davon. Ich meine, man kann sich das sparen. Steigen Sie um auf gesunde Ernährung.

Links:

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Saturday, October 8, 2016

Vegane Kost




Ich lese gerade einen Artikel, der mir zugeschickt wurde: „Ernährungstipps: So können Ärzte Vegetarier und Veganer beraten“. Prof. Dr. Jörg-Dieter Schulzke berät in diesem Artikel. „Weitgehend sicher sei jedoch, dass es bei einer absolut pflanzlichen (veganen) Ernährung ohne Substitution bestimmter Mikronährstoffe mittel- bis langfristig zu teilweise gravierenden Mangelerscheinungen komme.“ Stimmt das wirklich so? Wahrscheinlich nur für Vitamin B12. Allerdings muss bei veganer Ernährungsform umsichtiger als bei anderen Ernährungsformen ausgewählt werden.

Vitamin B12
Vitamin B12 ist ein Vitamin, das von Mikroorganismen wie Bakterien produziert wird. Vielfach wird es im Dickdarm produziert und kann dort nicht aufgenommen werden, sondern wird ausgeschieden. In früheren Zeiten war die natürliche Verunreinigung von Wasser eine Quelle für Vitamin B12, allerdings auch eine Quelle für Cholera und andere Infektionserkrankungen. In Fleisch und tierischen Produkten ist genügend Vitamin B12 vorhanden. Nur bei der veganen Kostform muss es zugefügt werden. Es gibt angereicherte Nahrungsmittel oder aber man nimmt das Vitamin als Tablette.

Vitamin D3
Cholecalciferol oder Vitamin D3 ist nicht nur für Veganer von Bedeutung. Deutschland liegt so hoch im Norden, dass im Winter die Sonne zu tief steht und deshalb die notwendigen sehr kurzwelligen UV-Strahlen nicht durch die Atmosphäre gelangen. Paradox, aber man kann auch im Winter Farbe im Gesicht durch die UV-Strahlung bekommen, die durchkommt, aber diese führt nicht zur Produktion von Vitamin D3. In den USA werden Milch und milchartige Produkte wie Soja- oder Reismilch mit Vitamin D2 angereichert. Hier bei uns ist das nicht üblich. Deshalb gilt generell (egal ob sich omnivor, vegetarisch oder vegan ernährt wird), für eine Zufuhr von außen zu sorgen.

Eisen
Frauen haben häufiger als Männer Eisenmangel bzw. einen niedrigeren Eisenspiegel bzw. Eisenspeicher. Das ist vielleicht auch der Grund für die etwas längere Lebensspanne von Frauen gegenüber Männern. Über 90% der Veganer haben keinen Eisenmangel. Man kann als Veganer auch dafür sorgen, dass genügend Eisen aufgenommen wird, indem man keinen Kaffee oder Schwarztee zu den Mahlzeiten, dafür aber ein Vitamin C haltiges Getränk trinkt. Zum einen wird weniger Eisen gebunden und zum anderen das verfügbare Eisen aufnahmefähiger für Körper.

Zink
Zink kann problematisch sein, wenn die Umstellung von der einen zur anderen Kostform zu rasch vollzogen wird, z.B. plötzlich sehr viel mehr phytinhaltigen Speisen genossen werden. Gute Quellen für Zink sind z.B. Hefe, Linsen, Pekannüsse, Pilze, Walnüsse oder Weizenkeime. Unter Umständen ist es sinnvoll in der Umstellungsphase eine kurzfristige Substitution durchzuführen.

Selen
Es gibt Erkrankungen bei Selenmangel, die aber nicht spezifisch für Veganer wären. Gerade vegetarische Nahrungsmittel sind reich an Selen, wie Nüsse (insbesondere Paranüsse), Zerealien und Pilze. Einen Nutzen von einer Selen Substitution ohne nachgewiesenen Mangel konnte in Studien nicht nachgewiesen werden.

Kalzium
Es stimmt schon, dass Pektine, Zellulose, Oxalsäure oder Phytinsäure Kalzium binden. Aber andererseits sind Milch und Milchprodukte reich an Eiweiß. Phosphaten und Natrium, so dass viel Kalzium auch wieder ausgeschieden wird. Man kann beim Mineralwasser darauf achten, dass es viel Kalzium enthält; z.B. enthält Steinsieker 620 mg Kalzium pro Liter. Es lohnt also beim Wasserkauf auf das Etikett zu schauen. Nüssen, Samen, dunkelgrünes Gemüse und weitere mehr enthalten sehr viel verfügbares Kalzium. Man braucht sich also nicht verrückt machen zu lassen.

Eiweiß
Ein immer wiederkehrendes Thema. Wer sich ausgewogen und kaloriengerecht ernährt, hat keinen Eiweißmangel zu befürchten. Punkt.
Wenn man sich nur von geschältem Reis oder Maniok ernährt, ja dann kann man Eiweißmangel bekommen. Macht aber hierzulande kein Veganer. Und die Menschen, die so eine Ernährung durchführen, machen das nicht freiwillig, sondern die Armut oder andere Umstände zwingen sie dazu.
„Zwar sind auch in Pflanzen Eiweiße, aber dabei nicht immer alle essenziellen Aminosäuren enthalten, weshalb hier eine ausgewogene Mischung pflanzlicher Nahrungsmittel wichtig ist, die verschiedene Getreide, Soja und Mais enthält“, erzählt mir Prof. Dr. Jörg-Dieter Schulzke. Er scheint noch nicht von Frances Moore Lappé gehört zu haben. Sie hatte den Mythos, man müsse dauernd Eiweißquellen geschickt mischen, in ihrem Buch „Diet for a Small Planet“ in die Welt gesetzt. Das ist falsch. Es müssen nicht laufend alle Aminosäuren in optimaler Verteilung vorliegen, aber es sollten schon alle essentiellen Aminosäuren innerhalb einiger Tage zur Verfügung stehen. Übrigens hat das Eiweiß der Kartoffel eine biologische Wertigkeit von 96  (Vollei 100, Rindfleisch 87).   

Omega-3-Fettsäuren
Omega-3-Fettsäuren sind allerdings ein Problem bei Veganern. Durch Nüsse und Saaten werden mehr Omega-6-Fettsäuren aufgenommen, so dass sich das Verhältnis der beiden Fettsäuren zu Omega-6-Fettsäuren verschlechtert. Leinöl ist sehr reich an Omega-3-Fettsäuren. Daneben auch Chiasamen. Rotalgen haben auch einen hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren, denn irgendwoher müssen die Fische es ja bekommen.  Edamame Bohnen enthalten auch Omega-3-Fettsäuren. Auch Grünkohl, Portulak, Rosenkohl, Spinat enthalten Omega-3-Fettsäuren, wenn auch nur in geringen Mengen.  Ggf. kann man auf eine vegane Substitution  aus Algen zurückgreifen.

Zusammenfassend hat der Artikel nicht sehr zu meiner Beratung beigetragen und lässt mich vermuten, dass andere Ärzte dadurch eher zu Bedenkenträgern als zu Beratern werden. Eine vegane Ernährung ist heute möglich und auch sinnvoll.                                
                                                                                                                                                                                                                
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