„O laß auf meine Stirne träufen,
du Starker, deiner Weisheit Tau!
Laß mich den rechten Stein ergreifen
Zu deines Tempels Ew'gen Bau.“
Annette von Droste-Hülshoff [1]
du Starker, deiner Weisheit Tau!
Laß mich den rechten Stein ergreifen
Zu deines Tempels Ew'gen Bau.“
Annette von Droste-Hülshoff [1]
Der heutige Sonntag ist der 13. Sonntag nach dem Trinitatis-Fest [2]. Der Wochenspruch lautet [3]: „Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Stopp! Ich bin schon wieder zu weit, denn den Gottesdienst am Samstag in Köln hätten wir auch anders feiern können. Wir sprachen zwar vom Vorabend zum 13. Sonntag nach Trinitatis 2026, aber der Tag hat sein eigenes Proprium. Das Fest am 29. August heißt „Tag der Enthauptung Johannes des Täufers“ und interessanterweise würde es auch am Samstag gefeiert, wenn der 29.08. auf einen Sonntag fallen würde [4].
Das Evangelium für den „Tag der Enthauptung Johannes des Täufers“ steht für 2026 im Markusevangelium [5]. Es erzählt die Geschichte, wie es dazu kam, daß der Kopf von Johannes dem Täufer auf einer Schale vor Herodes und seine Geburtstagsgäste gebracht worden ist. Da war der Tanz der Tochter der Herodias – der Name ist biblisch nicht überliefert, aber der jüdische Historiker Flavius Josephus hat ihn mit Salome bezeichnet. Salome erbittet auf Anraten der Mutter Herodes als Geschenk für ihren Tanz das Haupt von Johannes dem Täufer. Die ganze abgründige Tragödie fand im Schloß Machaerus statt, über das ich schon einmal berichtet habe [6].
Zurück zum 13. Sonntag nach Trinitatis 2026. Wie lautete doch gleich der Wochenspruch [3]: „Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Ein Gesetzeslehrer fragte Jesus: „Wer ist denn mein Nächster?“ Jesus antwortete mit dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter [7]. Ich bin früher einmal der Frage, ob der barmherzige Samariter Single war, so intensiv nachgegangen, daß man mich fragte, ob ich eine Obsession zum barmherzigen Samariter hätte. Nein, hatte ich nicht, aber das Problem hatte einen Freund beschäftigt und nachfolgend mich. Ziemlich sicher war der barmherzige Samariter verheiratet – das nur nebenbei. Für das Gleichnis ist es völlig unbedeutend und dieses selbst ist eines der bekanntesten überhaupt. Die Stelle im Lukasevangelium endet so: “Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste geworden dem, der unter die Räuber gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!” „Wer ist mein Nächster?“ Das ist gar nicht so einfach zu sagen und schnell sieht man ein scheinbar unlösbares Problem. Kann und muß ich mich um sämtliches Leid kümmern? Das geht überhaupt nicht, ist aber gleichzeitig im Rahmen eines Alles-oder-Nichts-Prinzips auch eine hervorragende Ausrede, überhaupt nichts zu tun. Nein, in der Regel merken wir schon, wer unser Nächster ist und wann wir uns schamvoll abwenden. Ein noch schwierigeres Problem findet sich in der Feindesliebe.
Der aktuelle alttestamentliche Text zur Lesung spricht „Von der Heiligung des Lebens“ [8]; ein längerer Text aus dem 3. Buch Mose 8 (Levitikus). Dort heißt es: „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der HERR, euer Gott.“ Der Text wirkte bei der Lesung gestückelt, aber das ist der Auswahl aus dem langen Text geschuldet. Ich halte ihn weiterhin für so grandios, daß ich es aufgreifen möchte, denn diese Stelle hat mich schon lange beschäftigt. Im Glaubensbekenntnis heißt es [9]: „Ich glaube an den Heiligen Geist, / die heilige christliche Kirche, / Gemeinschaft der Heiligen, /...“. Ich fragte mich, was denn die Gemeinschaft der Heiligen sei. Wer sind die Heiligen? Die Märtyrer? Die Heiligen, die von der römisch-katholischen Kirche bestimmt worden sind? Nein, wir alle sollen heilig sein, um Gottes Plan erfüllen zu können. Dafür stellt der weitere Text praktische Regeln auf, wie „Du sollst nicht unrecht handeln im Gericht“, „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ oder „Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken“. Kann man dem gerecht werden? Kann man in einer religiös pluralistischen Gesellschaft (Agnostiker, Muslime, Juden, Christen, Atheisten, Buddhisten etc.) heilig leben? Vielleicht unterscheiden wir uns, wenn wir das versuchen. „Dem jüdischen Religionswissenschaftler Pinchas Lapide wird die Erkenntnis zugeordnet: 'Entweder nimmt man die Bibel wörtlich - oder ernst! Beides zusammen geht nicht.'“ [10] Nehmen wir die Bibel ernst und lassen uns von der Not unseres Nächsten anrühren.
Der Text der Epistel steht im 1. Brief des Johannes und da geht es um „Die Liebe Gottes und die Liebe untereinander“ [11]. Im Prinzip ein schöner Text, der aber 15mal Liebe in sechs Versen unterbringt und somit fast zum Zungenbrecher für die vorlesenden PrebyterInnen wird, zumal einmal nicht von lieben sondern leben die Rede ist. Dem Brief fehlen die üblichen Rahmenstücke (Briefeingang – und -schluß), aber es handelt sich doch um einen Brief [12]. Der Brief leitet das Liebesgebot von der zuvorkommenden Liebe Gottes ab. Gottes Liebe gilt jedem, ob man sich nun darauf einläßt oder nicht, erfahrbar wird sie aber erst, wenn man sie zuläßt.
Das Altargesteck in Köln stand frisch und (nichtssagend) bunt auf dem Altar in der Ferne, denn der Gottesdienst wurde am Taufbecken in fast calvinistischer Kargheit gefeiert. In Hellenthal gab es Blumen auf dem Altar zu sehen; man hat aber besser zum Schutz der Augen weggesehen. Schon eine Vase oder Keramikkrug anstatt eines Glasgefäßes hätten zu einer deutlichen Verbesserung geführt.
Der Text der Epistel steht im 1. Brief des Johannes und da geht es um „Die Liebe Gottes und die Liebe untereinander“ [11]. Im Prinzip ein schöner Text, der aber 15mal Liebe in sechs Versen unterbringt und somit fast zum Zungenbrecher für die vorlesenden PrebyterInnen wird, zumal einmal nicht von lieben sondern leben die Rede ist. Dem Brief fehlen die üblichen Rahmenstücke (Briefeingang – und -schluß), aber es handelt sich doch um einen Brief [12]. Der Brief leitet das Liebesgebot von der zuvorkommenden Liebe Gottes ab. Gottes Liebe gilt jedem, ob man sich nun darauf einläßt oder nicht, erfahrbar wird sie aber erst, wenn man sie zuläßt.
Das Altargesteck in Köln stand frisch und (nichtssagend) bunt auf dem Altar in der Ferne, denn der Gottesdienst wurde am Taufbecken in fast calvinistischer Kargheit gefeiert. In Hellenthal gab es Blumen auf dem Altar zu sehen; man hat aber besser zum Schutz der Augen weggesehen. Schon eine Vase oder Keramikkrug anstatt eines Glasgefäßes hätten zu einer deutlichen Verbesserung geführt.
Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).
Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 126-127. Am XIV. Sonntage nach Pfingsten.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/13-sonntag-nach-trinitatis/
[3] Mt 25,40b
[4] https://kirchenjahr-evangelisch.de/tag-der-enthauptung-johannes-des-taeufers/
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MRK.6 Mk 6,14–29
[6] Machaerus Castle – Where Herod Antipas had John the Baptist Beheaded
https://rheumatologe.blogspot.com/2021/11/machaerus-castle-where-herod-antipas.html
[7] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.10 Lk 10,25–37
[8] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LEV.19 3. Mose 19,1–3.13–18.33–34
[9] Evangelisches Gesangbuch. Gütersloher Verlagshaus 1996. ISBN: 978-3579000435. S. 1309.
[10] Jürgen Kaiser: Pure Provokation. Zentraler Eckstein. In:
zeitzeichen 8/2024, ISSN: 1616-4164. S. 59.
[11] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/1JN.4 1. Joh 4,7–12
[12] Hans Conzelmann und Andreas Lindemann: Arbeitsbuch zum Neuen Testament. 11. Auflage. Verlag Mohr Siebeck, Tübingen 1995. ISBN: 3-8252-0052-3 (UTB). S. 377 ff.
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auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).
Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 126-127. Am XIV. Sonntage nach Pfingsten.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/13-sonntag-nach-trinitatis/
[3] Mt 25,40b
[4] https://kirchenjahr-evangelisch.de/tag-der-enthauptung-johannes-des-taeufers/
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MRK.6 Mk 6,14–29
[6] Machaerus Castle – Where Herod Antipas had John the Baptist Beheaded
https://rheumatologe.blogspot.com/2021/11/machaerus-castle-where-herod-antipas.html
[7] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LUK.10 Lk 10,25–37
[8] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/LEV.19 3. Mose 19,1–3.13–18.33–34
[9] Evangelisches Gesangbuch. Gütersloher Verlagshaus 1996. ISBN: 978-3579000435. S. 1309.
[10] Jürgen Kaiser: Pure Provokation. Zentraler Eckstein. In:
zeitzeichen 8/2024, ISSN: 1616-4164. S. 59.
[11] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/1JN.4 1. Joh 4,7–12
[12] Hans Conzelmann und Andreas Lindemann: Arbeitsbuch zum Neuen Testament. 11. Auflage. Verlag Mohr Siebeck, Tübingen 1995. ISBN: 3-8252-0052-3 (UTB). S. 377 ff.
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