
Zingsheim ist ein Ort in der Eifel und gehört zur Gemeinde Nettersheim. Der Ort hat 871 Einwohner [1]. Der Ort bzw. seine Umgebung ist seit der Steinzeit besiedelt gewesen, wie man durch den Rummerschlegel weiß – warum dies so ist, muss man jetzt hier nachlesen [2]. Besiedlungsspuren gibt es zur älteren Eisenzeit (ca. 750–450 v. Chr.) und auch zur römischen Zeit, wie z.B. einen Matronentempel [3]. Zingsheim lag an der römischen Fernstaße Trier-Köln. Der Ort gehörte, wie schon viele hier erwähnte Ort, zur Abtei Prüm und wurde 893 als „cinesheym“ erwähnt. Da gibt es noch viele interessante Einzelheiten, aber dafür benötigen Sie , wie bereits gesagt, festes Schuhwerk, Kompaß, Karte, Zelt und Proviant.
Also Zingsheim gefällt mir. Seit ich in der Eifel wohne und regelmäßig nach Köln fahre, bin ich dort zum Einkaufen. Und hatte die Pfarrkirche St. Peter bisher nicht besucht. Sie liegt nämlich nicht an einer Durchgangsstraße und das macht die Kirche noch interessanter. Ich habe das Kleinod immer wieder aufgeschoben. Jetzt aber war ich dort! [4]
Die Pfarrkirche ist dem Apostel Petrus geweiht und heißt deshalb St. Peter. Nach Recherchen wurde ein einfacher Saalbau im 12. Jahrhundert zu einer dreischiffige romanische Basilika umgebaut [5]. Der Westturm wurde 1602 gebaut; Chor und Sakristei wurden 1717 angebaut. Um 1730 entstand die westliche Vorhalle, wobei bereits 1711 bei einem Umbau eine Vorhalle bestanden hat. Der Eingang wurde an die Westseite des Turmes gelegt und ist heute aber an der Westseite des Neubaus im Innenhof der Kirche. 1982 brannte der Schieferhelm ab und wurde 1913 ersetzt. Das ist auch weiterhin das Dach des Turmes. 1965 wurde die Kirche erweitert, so daß der Altar nun im Osten liegt [6].
Wenn man durch das Tor, das etwas schwergängig ist, aber nicht weil es klemmte oder nicht geölt wäre, sondern weil es massiv ist, in den Kircheninnenhof gekommen ist, kann man dort erst einmal verweilen und Kommt dann in das modern Kirchenschiff von der Westseite her. Man steht in einer in einer Halle mit einem Giebeldach ohne Zwischendach. Das erinnert schon etwas von der Höhe an alte Kathedralen, nicht ganz so ausgeprägt wie früher in der Gotik. Die Höhe hat etwas mit dem Menschen und Gott oder dem Numinosen zu tun. Diese Höhe wirkt trotzdem in dieser Kirche nicht deplatziert. Sie ahmt keine gotische Kathedrale nach, sie ist bescheiden geblieben. Chorraum mit Altar ist großzügig gestaltet und mit den sehr großen Glasfenstern auch hell. Die Kreuzigungsgruppe wird ins 15. Jahrhundert datiert. An der Ostseite ist eine Arkade mit einem Beichtstuhl. Darüber ist die Orgelempore. Wenn man nun nach weiter nach Norden geht, dann kommt man in die alte Kirche. Und da findet sich auch das Taufbecken aus Namurer Blaustein, das auf das 12. Jahrhundert datiert wurde. Da finden sich auch die alten Fenster (Fragmente), die auf das 14. und 15. Jahrhundert datiert wurden.
Der moderne Teil besitzt Bleiglasfenster von Rainer Fünders, Sr. M. Praxedis OCSO (1980) und Maria Katzgrau (1987) [7]. ÜberMaria Katzgrau (1912-1998) hatte ich in den letzten Wochen bereits berichtet [8].
Die Orgel wurde von von Franz Josef Schorn im Jahr 1894 gebaut [9]. Das Instrument ist im Original (11 Register, 2 Manuale) erhalten, wobei die
Firma Weimbs das Instrument 1991 restauriert hat [10].
1959 wurde die Pfarrkirche mit drei neu gegossenen Bronzeglocken ausgestattet [11], die das Te Deum Motiv mit den Schlagtönen dis-fis-gis. bilden. Mit festem Schuhwerk, Kompaß, Karte, Zelt und Proviant sind sie ja ausgestattet, denn über die Glocken, die größte wiegt 1450 kg, können sie im alten Teil von St. Peter nachlesen.
Über Petrus bzw. St. Peter lesen wir im Matthäusevangelium: „Die Namen aber der zwölf Apostel sind diese: zuerst Simon, genannt Petrus, und Andreas, sein Bruder; ...“ [12]. Jesus Christus hatte Petrus und Andreas von den Fischernetzen am See Genezareth zur Nachfolge berufen. Ob Simon Petrus in Rom gewesen ist, können in der Bibel nicht nachlesen. Möglicherweise starb er um 64–67 in Rom. Petrus die römisch-katholische, die altorientalischen, orthodoxen, altkatholischen sowie die anglikanischen Kirchen als erster Bischof von Rom und als Heiliger [13]. Während Petrus eher der katholischen Kirche zugeordnet wird, läßt sich die evangelische Kirche eher von Paulus unter die Fittiche nehmen. Einige Dinge aber machen mir Petrus sympathisch: seine Forschheit, seine Zweifel („du Kleingläubiger“), seine Verleugnung und danach sein „bitterliches“ Weinen.
St. Petrus lohnt den Stopp und vielleicht treffen wir uns dort.

Links und Anmerkungen:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Zingsheim Achtung! für diesen Wikipedia-Artikel benötigen Sie festes Schuhwerk, Kompaß, Karte, Zelt und Proviant, denn er ist sehr ausführlich, aber dafür erfährt man deutlich mehr als über andere Ortschaften. Herzlichen Dank für die Arbeit!
[2] Der Rummerschlegel von Zingsheim
https://rheumatologe.blogspot.com/2020/09/der-rummerschlegel-von-zingsheim.html
[3] Die Matronenheiligtümer um Nettersheim in der Eifel
https://rheumatologe.blogspot.com/2020/08/die-matronenheiligtumer-um-nettersheim.html
[4] Ich habe es nicht so mit Karneval oder Festzelt, aber hier gehört ein Tusch hin: https://www.youtube.com/watch?v=fsTSGMGCkH8
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/St._Peter_(Zingsheim) In der Kirche selbst sind Daten zur Kirche – dort wird 1131 genannt.
[6] Sämtliche Richtungsangaben com grano salis.
[7] Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e.V.
https://www.glasmalerei-ev-web.de/pages/b2890/b2890.shtml
[8] Die Pfarrkirche St. Martinus in Hergarten (Eifel)
https://rheumatologe.blogspot.com/2025/03/die-pfarrkirche-st-martinus-in.html
[9] Franz Joseph Schorn (1834-1905) war ein Orgelbauer aus Kuchenheim bei Euskirchen in der Eifel. https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Joseph_Schorn
[10] https://weimbs.de/orgeln/opusliste/ Opus 237
[11] Vier DIN A4 Blatt als Tafel zusammengefügt im alten Teil der Kirche mit sehr vielen Informationen zur Kirche.
[12] https://www.bibleserver.com/LUT/Matth%C3%A4us10 Mt 10,2
[13] https://de.wikipedia.org/wiki/Simon_Petrus
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