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Monday, September 14, 2026

Die Kapelle St. Antonius und St. Luzia in Oberreifferscheid (Eifel) - Revisited


Die Kapelle St. Antonius und St. Luzia befindet sich in Oberreifferscheid. Wie der Name es schon sagt, liegt Oberreifferscheid oberhalb von Reifferscheid in der Eifel. Ich hatte die Kapelle vor einigen Jahren besucht [1] und auch darüber berichtet, aber jetzt bin wieder einmal dort gewesen und ich habe auch etwas mehr über die Kapelle in Erfahrung bringen können. 

Oberreifferscheid hat etwa 150 Einwohner und liegt etwa 130 m höher als Reifferscheid. Der Ort ist als „Overryferscheit“ urkundlich für das Jahr 1397  belegt, aber man nimmt an, daß er eine längere Geschichte hat [2]. Ein Soldatenfriedhof befindet sich außerhalb des Ortes mit eigener Zufahrt; über diesen hatte ich schon einmal berichtet [3].

Die Kapelle St. Antonius und St. Luzia  im jetzigen Zustand stammt aus dem Jahr 1928, als der Westturm abgerissen wurde und durch einen zweigeschossigen Nordturm ersetzt wurde [4]. Es handelt sich um eine in Bruchstein gemauerte und glatt verputzte Saalkirche des 16. Jahrhunderts, an der auch nach dem 2. Weltkrieg Schäden beseitigt werden mußten. Dies geschah bereits 1948/49. Eine weitere Renovierung erfolgte 1974.



Die Glasfenster wurden von der Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts erfaßt [5] und stammen fast alle aus dem Jahr 1960. Es wird die Firma Hein Derix genannt. Hein Derix lebte von 1904 bis 1987 [6]; das erinnert mich an meinen Großvater Otto Koerber, der von 1904 bis 1993 lebte und damit den Halley'schen Kometen nur einmal gesehen hat. Die Anfänge der Firma Hein Derix gehen auf Wilhelm Derix zurück, „der 1866 in Goch ein Atelier ins Leben gerufen hatte“. Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts berichtet noch über ein Fenster im Chor, dessen Künstler und Entstehungszeit nicht bekannt sind. Da hätte ich vor etwa sechs Jahren genauer hinschauen sollen. Es handelt sich um eine Darstellung von St. Antonius, bei der man ganz eindeutig ein Schwein erkennen kann.

Auch die Glocken wurden erfaßt [7]. Eine Glocke aus dem Jahr 1933 hat den Krieg nicht überdauert, aber die aus dem Jahr 1891 schon. Diese wurde von August Mark (Eifeler Glockengießerei, Brockscheid/Daun) gegossen und wiegt 50 kg. Der Schlagton wird mit a“ benannt.

Wer aber sind die Heiligen, die der Kapelle den Namen gaben? Antonius fand ich vor sechs Jahren schwierig, weil davon sehr mehrere gibt; Antonius von Padua hatte ich vermutet, aber gerade der ist es nicht. Es ist Antonius der Große (um 251 bis 356) der ägyptische Mönch, Asket, Anachoret und Einsiedler [8]. Er war der erste Wüstenvater und Begründer des christlichen Mönchstums. Hand Conrad Zander widmet ihm 140 Seiten in seinem Buch „Als die Religion noch nicht langweilig war / Die Geschichte der Wüstenväter“ [9]. Kommen wir zum Schwein. Der Antoniter-Orden hatte das Recht, das  „Antoniusschwein“ zur Mast im Dorf auf Kosten der Allgemeinheit frei herumlaufen zu lassen, um es unterscheiden zu können, trug es ein Glöckchen. 




Als Luzia habe ich die heilige Luzia von Syrakus identifiziert [10], die im Jahre 304 zur Märtyrerin wurde. Die Mutter wollte Luzia verheiraten, doch diese hatte ihre Jungfräulichkeit Christi gelobt. Eine Wallfahrt zum Grab der heiligen Agatha in Catania (die mit den Minne di Sant’Agata, also den Brüsten der Hl. Agatha [11]) heilte die Mutter von einer schweren Erkrankung, so daß sie dem Gelübde ihrer Tochter zustimmte. Der zurückgewiesene Bräutigam hatte dann nichts Besseres zu tun, als sie bei der Christenverfolgung anzuschwärzen. Ein Ochsengespann sollte Luzia in ein Bordell bringen, konnte aber Luzia (wie auch 1000 Männer) nicht fortbewegen. Siedendes Öl und weitere Martern konnten ihr nichts anhaben, mit einem Schwertstich in die Kehle wurde sie dann aber doch getötet. Halt, aber sie starb erst, „nachdem ihr eine Hostie durch einen Priester gereicht“ worden war.

Ein Abstecher zur Kapelle St. Antonius und St. Luzia lohnt sich. Wenn Sie Oberreifferscheid besuchen, vergessen Sie nicht die Kriegsgräberstätte, die vor Oberreifferscheid nach rechts liegt, wenn man von Reifferscheid kommt (also nordöstlich von Oberreifferscheid).






Links und Anmerkungen:
[1] Die Kapelle St. Antonius und St. Luzia in Oberreifferscheid 
https://rheumatologe.blogspot.com/2020/12/die-kapelle-st-antonius-und-st-luzia-in.html 
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Oberreifferscheid 
[3] Kriegsgräberstätte Oberreifferscheid 
https://rheumatologe.blogspot.com/2020/05/kriegsgraberstatte-oberreifferscheid.html 
[4] https://www.katholische-kirche-hellenthal-schleiden.de/gemeinden-einrichtungen/seelsorgebereich-hellenthal/reifferscheid/glaubenszeugnisse/Kapelle-Oberreifferscheid/ 
[5] Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e.V. 
https://www.glasmalerei-ev-web.de/pages/b2830/b2830.shtml 
[6] https://blattus.de/archiv/kaz/texte/d_kaz/derix_hein.html 
[7] https://www.bistum-aachen.de/export/sites/Bistum-Aachen/portal-bistum-aachen/glaube/liturgie/kirchenmusik-bistum-aachen/.galleries/Glockenbuecher/Gelaute-in-der-Region-Eifel.pdf 
[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Antonius_der_Gro%C3%9Fe 
[9] Hans Conrad Zander: Als die Religion noch nicht langweilig war. Die Geschichte der Wüstenväter. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2002, ISBN 3-462-02982-7. 
[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Lucia_von_Syrakus 
[11] Mehr zu dieser interessanten Abschweifung hier:
https://rheumatologe.blogspot.com/2020/07/st-apollinaris-und-agatha-in-kall.html 


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Thursday, March 26, 2026

Die Wallfahrtskirche St. Maria in Auel, Eifel

 


Als ich kürzlich nach Oberbettingen fuhr, um die Orgelwerkstatt Fasen zu besuchen [1], kam ich durch Steffeln und Auel. Und in Aue?l war mir die Kirche im Vorbeifahren aufgefallen. Es handelt sich um die Wallfahrtskirche St. Maria,  zu der man erst hinfahren muß, also von der Durchfahrtsstraße in den Ort hinein muß. Aber das lohnt sich! Ich bin in die Kirche hineingegangen und mußte mich erst einmal hinsetzen, so überwältigt war ich von der Schönheit dieser kleinen Kirche. Und ich gestehe es, diese Schönheit hat mir eine Gänsehaut verschafft. Nachdem ich mir alles in Ruhe angesehen hatte, habe ich natürlich auch Fotos gemacht. Und ich wusste, daß ich diese Fotos hier auf dem Blog in einem Blogpost verwenden würde. Einigermaßen überrascht war ich, als ich begann, über die Kirche zu recherchieren, denn es gibt bislang keinen Wikipediaeintrag. Andererseits gibt es genügend anderer Quellen.

Auel liegt in der Vulkaneifel und gehört zur Ortsgemeinde Steffen [2]. Der Ort hat 166 Einwohner und ist seit mindestens 800 Jahren bekannt. Eine Erwähnung ist für das Jahr 1222 im Prümer Güterverzeichnis oder Urbar („Ovele villan I iuxta Lisendorpht que Ovele applatur.“) bekannt. Aber nach der einem Eintrag über Steffeln wäre auch 983 möglich [3]. Ich fand dann aber aus dem Prümer Urbar einen Hinweis, der beide Zahlen rechtfertigt: „Giuinesdorpht tenet comes de seyne de ecclesia et est sita satis propinqua linneche. predictus comes seynensis tenet I villam super fluvium kila que ouele appelatur“ [4]. Na gut, man hat vor einigen Jahren 800 Jahre Auel gefeiert und damit ist es wohl abschließend entschieden. Insgesamt ist die Gegend bereits seit der Römerzeit bewohnt: „In römischer Zeit (2./3. Jahrhundert) befand sich oberhalb des heutigen Ortes ein Gutshof (Villa rustica). Die Römer bauten bereits die vulkanischen Tuffe am Kirchberg ab.“ 

Die Wallfahrtskapelle stammt aus dem 15. Jahrhundert und wurde Ende der 1750er bis zum Jahr 1779 (Angabe an der Kirche „um 1760“) deutlich vergrößert und instandgesetzt. Aber bereits im Jahr 1257 war Auel als Filiale der Pfarrei Lissendorf bekannt und 1660 wurden Steffeln und Auel vom Pfarrverband Lissendorf als eigene Pfarrei abgetrennt. Der Hochaltar wurde im 17. Jahrhundert in der Werkstatt des Himmeroder Klosters erschaffen. Auel ist eigentlich kein Wallfahrtsort, denn verschiedene Bittprozessionen wurden 1832 untersagt, aber bis in die heutige Zeit führen Pilgerreisen durch Auel. Der Westturm stammt aus dem Jahr 1881 [5]. Eng mit der Geschichte der Kirche ist der Pfarrer und Kirchenstifter Michael Baur verbunden. Er war als Adjutant des Generals Graf Superi Teilnehmer des 4. österreichisch-russischen Türkenkrieges und heiratete nach dessen Tod die gräfliche Witwe, schlug die Erhebung zum Adelsstand aus, zog nach dem Tod der Ehefrau in die Heimat zurück und wurde später in Köln zum Priester geweiht. Durch den ererbten Reichtum konnte er die Kirche auf das Doppelte vergrößern und ausstatten. Interessanterweise starb er dann auch 1779 im Alter von 71 Jahren [6].






Der Hochaltar (Mitte) birgt eine Mondsichelmadonna, die wahrscheinlich im Auftrag der Gräfin von Blankenheim von einem Himmeroder Künstler  geschnitzt wurde. Zum linken Seitenaltar führte Peter May aus: „Bemerkenswert erscheinen die drei heiligen Frauen am linken Seitenaltar. Sie erinnern an den uralten keltisch-römischen Matronenkult, den wir von zahlreichen römischen Göttersteinen vor allem aus der Nordeifel kennen. Als Matronen wurden drei Frauen verehrt – eine junge zwischen zwei älteren -, die regelmäßig mit Fruchtkörben, Blumen, Ähren oder Wickelkindern dargestellt sind und denen sicherlich eine Bedeutung für die Fruchtbarkeit von Erde, Mensch und Tier zukam.“ [4] Über die Matronenheiligtümer hatte ich mehrfach berichtet [7]. Peter May vermutet, daß die Marienverehrung auf vorchristliche Muttergottheiten und Fruchtbarkeitskulte zurückgeht. Er führt eine Reihe von Prozessionen aus Esch, Hillesheim, Niederbettingen, Rockeskyll und Büdesheim an, die als Bittgänge für günstige Witterung und eine gute Ernte gedacht waren. So verwundert das Verbot im Jahr 1832 für das gesamte Bistum schon weniger.

Die jüngere Glocke (Marien-Glocke) wurde 1950 aus der ursprünglichen Glocke gegossen. Die ältere Johannes-Glocke stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 1473 vom Meister Johann bzw. Jan von Alfter, zu dem ich an anderer Stelle (Sankt Margareta Reetz / Blankenheim) bereits recherchiert hatte, aber nicht mehr als den Namen gefunden hatte [8].

Mir hatte die Pietà, Fenster im Chor, aus dem Jahr 1919 besonders gefallen. Außerdem ist die Darstellung des Erzengels Raphael von Jakob Melchior (um 1950) zu nennen; mir gefiel am unteren Teil die Darstellung des Ortes mit der Wallfahrtskirche [9].

Wie erreicht man nun dieses Kleinod sakraler Architektur? Am besten geben Sie Auel, An der Kirch, (50.28270914890528, 6.587090649109899) in Ihr NAVI ein. 
 



Links und Anmerkungen:
[1] Besuch bei Orgelbau Fasen in Oberbettingen, Eifel 
https://rheumatologe.blogspot.com/2026/03/besuch-bei-orgelbau-fasen-in.html 
[2] https://www.eifelverein-steffeln.de/index.php/bildergalerie/geschichte Als Informationsquelle wird Heinz Kilian aus Auel benannt.
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Steffeln 
[4] „Gewelsdorf hat der Graf von Sayn von der Kirche zu Lehen, es liegt ganz nahe bei Linnich. Der vorgenannte Graf von Sayn hat auch ein Dorf am Fluss Kyll, welches Auel genannt wird.“ Übersetzung von Peter May:  
https://auel-800.jimdosite.com/  
Im Prümer Urbar wurden im Jahre 893 viele der Rechte und Einkünfte Benediktinerabtei Prüm aufgezeichnet, von dem aber nur die im Jahr 1222 angefertigte Abschrift und ergänzung des Exabtes Caesarius von Milendonk überdauert hat. 
https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%BCmer_Urbar  
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Auel_(Steffeln) 
[6] https://www.heimatjahrbuch-vulkaneifel.de/VT/hjb1986/hjb1986.59.htm 
[7] Z.B. hier:
Die Matronenheiligtümer um Nettersheim in der Eifel 
https://rheumatologe.blogspot.com/2020/08/die-matronenheiligtumer-um-nettersheim.html 
[8] Die Pfarrkirche Sankt Margareta Reetz 
https://rheumatologe.blogspot.com/2024/11/die-pfarrkirche-sankt-margareta-reetz.html 
[9] https://www.glasmalerei-ev-web.de/pages/b8643/b8643.shtml 

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Saturday, October 4, 2025

Die Marienkapelle in Wintzen (Schleiden / Eifel)

 


Die Marienkapelle in Wintzen ist ähnlich groß wie die Kapelle in Diefenbach und beide Orte sind ähnlich groß [1]. Logischerweise heißt die Kapelle in Diefenbach auch Marienkapelle [2]. Diefenbach gehört zu Kall und Wintzen zu Schleiden. Normalerweise zitiere ich aus dem Wikipedia-Artikel, aber der ist kurz und, wie es im Englischen heißt, uninspired. Man erfährt z.B.: „Nördlich der Ortschaft entspringt der Selbach. Der Ort liegt zwischen dem Hövelberg und dem Wichelsberg.“ [3] Der Artikel von Eifel.de bringt zu Wintzen selbst auch nicht viel mehr [4]. Ist jetzt hier schon Schluß? Nein, denn ich habe noch eine weitere Quelle, aus der ich schöpfen kann.

Manfred Lang, der hier in der Gegend durch seine Kolumne „Manni kallt Platt“ im Wochenspiegel Schleiden bekannt [5] ist, hat für die Bürgerstiftung Schleiden nach Vorarbeit des Stadtarchivs Schleiden einen detailreichen Artikel verfaßt [6].


Ich hatte es früher bereits fotografiert, denn auch mir war die Straße aufgefallen, die in Wintzen durch den Torbogen eines Hauses führt; da kann man links an an der Kapelle vorbeigehen (und man sollte gehen und nicht fahren). Wintzen wurde erstmals 1464 erwähnt und leitet sich von Gerhard Mürkens von Windhusen her (auf Platt heißt der Ort Wentse). Lang weißt auf verschiedene Wege hin; der interessanteste ist sicherlich der „Duedewääsch“, also der Totenweg.


Die Marienkapelle wurde in Gemeinschaftsarbeit nach Plänen der Architekten  Karl Schieffer und Otto Fiebig gebaut. Die Fläche dazu stelle die Stadt Schleiden zur Verfügung. Manfred Lang weiter: „Entwurf und Ausführung der Buntglasfenster stammen von Glasermeister Manfred Thelen aus Tondorf, die Darstellungen der Erzengel Gabriel und Michael wurden von Professor Dr. med. Wolfgang Bircks gestiftet.“ Die Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e.V. führt zehn Kirchen und Kapellen für Schleiden auf, worunter auch drei Mutter-Gottes-Kapellen fallen, allerdings nicht die Marienkapelle in Wintzen [7].  Pfarrer Phillip Cuck weihte die Kapelle 1993 mit Wasser aus dem Jordan ein. Die Glocke stammt aus der Schweiz (ehemalige Pausenglocke einer Schule) – diese Einzelheiten und auch die Kosten finden Sie unter [6]!


Kommen wir einmal zum Namen. Natürlich ist die Mutter Jesu Christi, aber eigentlich könnte es auch eine andere Maria sein. Im Markusevangelium heißt es: „Es sahen aber auch Frauen von ferne zu, unter ihnen auch Maria aus Magdala und Maria, die Mutter von Jakobus dem Jüngern und von Joses, und Salome, die ihm, als in Galiläa war, folgten und dienten, und viele andere, die mit ihm nach Jerusalem hinaufgezogen waren.“ [9] In einem Anhang werden sieben Frauen mit Namen Maria angeführt. Warum nicht einmal Maria von Magdala, der Jesus Christus sieben Dämonen ausgetrieben hatte, und der er nach der Auferstehung zuerst erschienen war [10]?

Wintzen kann man über die Straße, z.B. von Broich oder Olef erreichen, oder aber auch von Schleiden aus Wandern [8], wenn Sie sich ein wenig Höhenunterschied zutrauen.





Links und Anmerkungen:
[1] Etwa 70-100 Einwohner.
[2] 20 Jahre Marien-Kapelle in Diefenbach 
https://rheumatologe.blogspot.com/2022/09/20-jahre-marien-kapelle-in-diefenbach.html 
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Wintzen 
[4] https://www.eifel.de/go/orte-detail/53937_wintzen.html Ich weise hiermit gemeinerweise auf das Wort „Detail“ hin. 
[5] Manni kallt Platt
https://epaper.wochenspiegellive.de/presenter/1c564d34-d860-4613-b54d-1dc5aa4f7839?publication=324cf45e-d34c-45d1-bd68-50a0e48355e1 
Ehrlich -: ich lese die Kolumne regelmäßig. 
[6] https://www.schleiden.de/buergerstiftung/projekte/ortsteile-auf-platt/wintzen/#accordion-1-3 Bitte unbedingt lesen!
[7] Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e.V. 
https://www.glasmalerei-ev-web.de/pages/de_nw.shtml 
[8] https://www.bergfex.de/sommer/nordrhein-westfalen/touren/wanderung/3683684,schleiden--st-trinitatis--gangfort--wintzen 
[9] Hier zitiert nach: Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments. Verlag der Zwingli-Bibel, Zürich 1970 (1942). S. 73 NT. Für die Anmerkung 79 siehe S. 28 der Anhänge.
[10] Wie [9], Mk 16,9 – S. 73 NT.

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Thursday, September 18, 2025

St. Sebastian in Wollenberg (Eifel)

 


Wollenberg ist ein kleiner Ort nahe Sistig und gehört zur Pfarre Sistig, allerdings hat der Ort eine eigene Kirche. Wollenberg wurde erstmals 1448 urkundlich als „Woldenberg“, auch „Volemberg“, nicht aber als Voldeberg, wo wir Voldemort vermutet hätten, erwähnt [1]. Für ca. 1580 wird bereits eine Kapelle erwähnt, die nach der Pest gestiftet worden war. Sie brannte ab und wurde 1722 erneut errichtet. 90 Jahre später wurde wegen Baufälligkeit der Abbruch nahegelegt (1811), aber erst 1833 wurde dies befürwortet und nach Sammlung der notwendigen Geldmittel erfolgte 1848 die Weihe. Hundert Jahre später wurde die Kapelle im 2. Weltkrieg stark beschädigt, nach dem Krieg aber wieder aufgebaut und erweitert, z.B. durch Sakristei, Heizungskeller und Leichenhalle; der Friedhof um die Kapelle besteht seit 1921. 1980/81 wurde das Dach neu gedeckt und 2012 wurde die Elektroanlage und der Innenanstrich erneuert [2]. 

Zwei Glocken stammen aus dem Jahr 1854, nämlich die Sebastianusglocke und die Marienglocke. Eine weitere Glocke (Michaelsglocke) wurde anläßlich des Patronatsfestes 2022 eingeweiht.



Die Fenster wurden 1952/53 gefertigt und hier sieht ein Fenster namens „Der freudenreiche Rosenkranz“. Auch die Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e.V. hat den Künstler nicht ermitteln können [3].

St. Sebastian dürfte vielen bekannt sein, er wird von Pfeilen durchbohrt gezeigt. Er war  Offizier der Leibwache von Kaiser Diokletian, der ihn zum Tode verurteilte, weil er sich öffentlich zum Christentum bekannt und notleidenden Christen geholfen hatte, und ihn von numidischen Bogenschützen erschießen ließ [4]. Aber so schnell sterben Heilige nicht. Die fromme Witwe Irene wollte ihn beerdigen, fand ihn aber noch lebendig vor und pflegte ihn gesund. Normale Menschen flüchten dann, nicht so Sebastian. Er kehrte zu Diokletian zurück, bekannte sich erneut zum Christentum, wurde mit Keulen erschlagen, in die Cloaca maxima geworfen und dann aber doch beerdigt. Sonst gäbe es nicht die Hirnschale des Heiligen in einem kostbaren spätmittelalterlichen Reliquiar in der Abteikirche St. Sebastian im oberbayerischen Ebersberg. Es gibt homoerotische Bezüge, was angesichts der Darstellungen in der Renaissance nachvollziehbar ist, und diese Bezüge spielen im „Tod von Venedig“ von Thomas Mann [5] sowie in „Bekenntnisse einer Maske“ von Yukio Mishima [6] eine Rolle.

Wenn man zwischen Sistig und Reifferscheid auf der L203 unterwegs ist, muß man extra in den Ort hineienfahren, kann aber auf der anderen Seite wieder hinaus und muss nicht zurückfahren. 
Die beiden Rundwanderwege [7] führen nicht an der Kapelle vorbei, ließen sich aber bequem anpassen, da sie das Ziel nur knapp verfehlen.





Links und Anmerkungen:

[1] Ich hoffe niemand hat sich in dem Satz verlaufen.
[2] Ich war überrascht über die ausführlichen Informationen der GDG Steinfeld zur Kapelle und habe mich sehr gefreut. 
https://gdg-steinfeld.de/die-gemeinden/sistig/st.-stephanus-sistig/ 
[3] https://www.glasmalerei-ev-web.de/pages/b2870/b2870.shtml 
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Sebastian_(Heiliger) 
[5] Das Buch habe ich im Regal, aber immer noch nicht gelesen. Mir besser bekannt als „Death in Venice“ (Italian: Morte a Venezia), einer Verfilmung von Luchino Visconti aus dem Jahr 1971 mit Dirk Bogarde in der Hauptrolle. https://en.wikipedia.org/wiki/Death_in_Venice_(film)    
[6] In den 1970iger Jahren habe ich sehr viel von Yukio Mishima auf Englisch gelesen und ich bin mir nicht mehr sicher, ob die Bekenntnisse dabei waren, denn die Lektüre fand teilweise in Taiwan statt. „Bekenntnisse einer Maske (japanisch 仮面の告白, Kamen no Kokuhaku) ist ein am 5. Juli 1949 veröffentlichter semi-autobiografischer Roman des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Bekenntnisse_einer_Maske   
[7] Rundwanderung Sistig-Wollenberg
https://www.outdooractive.com/de/route/wanderung/eifel/rundwanderung-sistig-wollenberg/144449259/  
Eifelspur auf den Spuren der Raubritter bei Burg Reifferscheid
https://www.ich-geh-wandern.de/eifelspur-auf-den-spuren-der-raubritter-bei-burg-reifferscheid 

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Wednesday, September 17, 2025

Kapelle und Pfarrkirche St. Eligius in Krewinkel (Eifel / Ostbelgien)

 


„Und übrig wird nur bleiben,
was wir bereit sind zu erhalten.“

Vor einigen Tagen bin ich in Ostbelgien unterwegs gewesen und mit Ostbelgien meine ich wirklich den äußersten Osten von Belgien. Dort, wo die Deutsche Gemeinschaft lebt. Und da kam ich nach Krewinkel. Krewinkel hat nichts mit Krähwinkel zu tun. Es ist ein kleiner Ort. Übrigens in der Größe vergleichbar mit Diefenbach, das ist der Ort, in dem ich lebe. Was hat mich dahin gebracht? Ein Hinweisschild, auf dem Kapelle stand. Und Kapellen sind in der Regel interessant.

Das Denkmalsverzeichnis des Kulturerbes von Ostbelgien beschreibt die Kapelle als: „Eine der schönsten Kapellen der Eifel liegt im alten Kern des kleinen Ortes und stammt spätestens aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.“ [1] Darauf werde ich zurückkommen. 

Für Krewinkel fand sich eine erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1397, aber wahrscheinlich ist der Ort bereits seit der Römerzeit besiedelt. Vielleicht können als Hinweis darauf römische Artefakte und das Toponym Römerberg dienen. Krewinkel gehört zu Büllingen und hat 84 Einwohner [2]. Neben der Kapelle gibt es noch eine Kirche, die schräg gegenüber liegt, beide haben als Schutzpatron St. Eligius. 

Für Geschichte und Architektur der Kapelle gibt es ausführlichere Quellen im Internet, als ich erwartet hatte, denn auf Wikipedia war nichts zu finden und dann findet man in der Regel auch sonst wenig, aber hierzu finden sich beim Pfarrverband von Büllingen schon einige Informationen [3].
Die aufwändige Restaurierung der Kapelle dauerte zehn Jahre (1992-2002). Dabei fanden sich im Chorraum guterhaltene Fresken. Man datiert sie auf 1480-1530 und von ihnen wird noch die Rede sein. Der Chor war früher ein eigenständiges Bethaus.
Die Kapelle wurde zweijochig mit Satteldach im gotischen Stil erbaut und besaß über die religiöse auch eine wehrhafte Funktion, die man an Schießscharten erkennen kann. Der Turm wird als deutliche älter eingeschätzt.
Es gab eine Glocke aus dem Jahr 1548, die zweimal umgegossen wurde und im 2. Weltkrieg verschwunden ist. Aktuell gibt es zwei Glocken, nämlich von 1899 und 1953, von denen mich die zweite wegen der Aufschrift: "HL. ELIGIUS UND HI. GERTRUDIS BITTET FÜR UNS" besonders interessiert hat. 



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„Heute wird die Kapelle als Kultur- und Begegnungsstätte genutzt. Die Kapelle steht seit dem 9. März 1979 unter Denkmalschutz.“ Dem ist allerlei vorausgegangen und daß die Kapelle noch so steht, wie zu alten Zeiten, ist mancher glücklichen Fügung geschuldet.
Kann man die Kapelle besuchen? Man kann. Man sucht das Haus von ... ach, das werden Sie schon herausfinden. Und da nimmt man den Schlüssel entgegen, geht zur Kapelle zurück und kann sie besichtigen. Und das sollte man auch dringend tun, denn es gibt etwas zu entdecken und sie wäre zweimal fast verschwunden.
„Ende der 1950er Jahre plante Pastor Stoffels einen Anbau an die Kapelle. Diese Pläne wurden aber verworfen und so kam es 1961 unter Pfarrer Joppen zu einem Neubau was aus kunsthistorischer Sicht eine glückliche Entscheidung war, die den Erhalt des gotischen Bauwerks sicherte“.
Anfang der 1960er Jahre sollte die alte Kapelle an ein Freilichtmuseum in der belgischen Provinz Luxemburg verkauft werden. Der Kunsthistorikers Dr. Heinrich Neu setzte sich vehement für den Erhalt des Gebäudes ein und dadurch konnte die Waage in Richtung Erhalt am Ort bewegt werden [4].  
Aber Probleme für die Kapelle bleiben bestehen, denn vor einem guten Jahr wurde die Dringlichkeit des Erhalts der Fresken und darüber hinaus natürlich des gesamten Bauwerkes öffentlich diskutiert. Durch Feuchtigkeit bilden sich hinter den Fresken Hohlräume, die eine Gefahr für sie darstellen. Bei den Fresken handelt es sich um ein 500 Jahre altes Kulturgut. Seit sechs Jahren wartet Ministerin Weykmans auf Maßnahmen zum Erhalt. Bei einem Ortstermin 2024 erläuterte der Bürgermeister von Büllingen, der Gemeinderat habe keine Priorität gesehen. Also ich meine, man müsse dringend handeln, aber wer bin denn ich? Bitte lesen sie den Bericht von Gudrun Hunold [5] dazu. 
An den Wänden sind einige interessante Informationstafeln angebracht, aber betrachten Sie die Fresken vorher! Irgendwann wird der Denkmalschutz den Besuch beschränken oder es wird aufwändig über Jahre saniert und niemand darf die Baustelle betreten.
Von den Informationstafeln hatte mich die über die Restaurierung am meisten interessiert. Man hatte z.B. über ein „fotogrammetrisches Verfahren“ [6] ein statisches Problem des Turmes entdeckt und das konnte behoben werden. Unterhalb der Fundamente konnten während der Trockenlegung menschliche Skelettteile inklusive Schädel geborgen werden. Und man weist auf die Fresken hin, die ausschlaggebend für die Restaurierung waren.



Die Kulturkapelle Krewinkel hat 61 Follower  auf Facebook, aber der letzte Eintrag liegt über ein Jahr zurück [7]. 
Eine Kapelle und eine große Kirche für 84 Einwohner? Natürlich nicht, denn zur Parochie Krewinkel gehören auch die Dörfer Afst, Allmuthen und Kehr. Nach dem zweiten Weltkrieg wuchs die Bevölkerung so schnell, daß man Anfang der 1960iger Jahre eine neue, größere Kirche benötigte, die schräg gegenüber der Kapelle entstanden ist. Die Finanzierung erfolgte durch Spenden der Bevölkerung, also ohne öffentliche Gelder [3].  
Die neue Kirche wurde 1964 geweiht. Die Buntglasfenster stammen aus dem Atelier Frans Griesenbrock [8] und gefallen mir besser als das Richter-Fenster im Kölner Dom. Mir gefallen also auch abstrakte Kirchenfenster, nebenbei bemerkt. Die Pieta ist eine Kopie der Pieta der Kathedrale zu Trier und wurde in Königswinter gefertigt. 




Kommen wir zum Schutzpatron St. Eligius. Kennen Sie den? Ich bislang nicht, obwohl ich in den letzten Jahren so manch einem Heiligen auf meinen Recherchen begegnet bin. Aber Wahl dieses Schutzheiligen ist für Krewinkel nachvollziehbar. Schauen wir genauer.
Eligius von Noyon (um 589 bis 1. Dezember 659 [oder doch 660?]), war Bischof von Noyon und wurde später vom Volk als heilig verehrt [9]. Eligius war zunächst Goldschmied und wurde dem Schatzmeister des Merowingerkönigs Chlothar II. in Paris empfohlen. 
Erlauben Sie hier eine kleine Abschweifung, denn Chlothar ist eine Form einer meiner Vornamen. Unter den Merowingern [10] war dies ein verbreiteter Herrschername. Er kommt aus „den beiden althochdeutschen Wörtern hlut 'laut, Lärm' und heri 'das Heer, der Krieger'“ [11].
Eligius soll davor ein ausgezeichneter Hufschmied gewesen sein. Wir sind bereits mitten in der Legende um Eligius. Vorsicht, es wird blutig! Nachdem Eligius ein Pferd beschlagen hatte, wurde er von einem Fremden gelobt, aber dieser schlug ihm eine anderen Methode vor, bei deri dem Pferd das Bein abgeschnitten, das Hufeisen aufgesetzt und dann das Bein wieder angebracht wurde. Dies führte der Fremde vor, aber Eligius konnte es ihm nicht nachtun. Da merkte er, daß Gott ihm eine Lehre in Demut erteilt hatte. (Tja!)
Noyon liegt etwa 250 km Luftlinie von Noyon entfernt, aber es gibt einige Kirchen in Belgien (im flämischen und deutschen Sprachgebiet), die ihn als Schutzpatron gewählt haben. In Deutschland fand ich Kirchen in Saarbrücken und Völklingen unter seinem Patronat.

Und St. Gertrudis? Sie tauchte für mich nur auf der Glocke auf. Gertrud von Nivelles (626-659) war Äbtissin des Augustinerinnen-Klosters Nivelles und das liegt in Belgien. „Die Legende erzählt, dass Schiffsreisende, die mitten auf dem Meer von einem Meeresungeheuer bedroht wurden, die hl. Gertrud im Gebet um Hilfe angefleht hätten. Daraufhin sei das Ungeheuer verschwunden.“ [12] 

Denken Sie daran, dies ist ein Geheimtipp -: „Laßt uns auf die Reise gehn“ [13] und Kapelle, Kirche und Krewinkel besuchen!



Links und Anmerkungen:
[1] https://ostbelgienkulturerbe.be/desktopdefault.aspx/tabid-3557/?mode=&linkid=30999&catalogid=42&pg= 
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Krewinkel_(B%C3%BCllingen) 
[3] https://sites.google.com/view/pfarrverbandbullingen/unsere-pfarren/krewinkel 
[4] https://www.zvs.be/shop/produkt/produkt/zf15-die-st-eligius-kapelle-und-der-roemerberg-in-krewinkel-preis-fuer-zvs-mitglieder/ 
[5] Gudrun Hunold: Kulturerbe in Gefahr? Die gotischen Wandmalereien der Kapelle in Krewinkel https://brf.be/regional/1838510/ 
[6] Dazu wußte ich spontan überhaupt nichts! Die Photogrammetrie gehört zu Vermessungstechnik. Man kann am Computer 3D-Modelle erstellen. Und wer mehr wissen will, inklusive mathematische Formeln: https://de.wikipedia.org/wiki/Photogrammetrie 
[7] https://www.facebook.com/KulturkapelleKrewinkel/ 
[8] Frans Griesenbrock (1916-2010) war ein deutscher und in den Niederlanden lebender Bildender Künstler für Christliche Kunst. Wikipedia führt aus seinem Werk eine Auswahl, die allerdings St. Eligius in Krewinkel nicht enthält.
https://de.wikipedia.org/wiki/Frans_Griesenbrock  
Die Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e.v. hat weniger Werke, denn dort sind nur die untersuchten Stätten aufgeführt:
https://www.glasmalerei-ev-web.de/pages/k9111.shtml 
[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Eligius_von_Noyon  
https://www.heiligenlexikon.de/BiographienE/Eligius.htm 
[10] Nein, ich werde nicht zu Heimito von Doderer abschweifen und schon gar nicht zum Merowinger in „Matrix Reloaded“ von 2003.
[11] https://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_(Vorname) 
[12] https://de.wikipedia.org/wiki/Gertrud_von_Nivelles 
[13] „Laßt uns auf die Reise gehen / andres Land zu suhuchen“, aus:
„Laßt uns auf die Reise gehn“ ein Lied von „Witthüser & Westrupp“ aus dem Jahr 1971.

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Sunday, September 14, 2025

Die Marienkapelle „Auf Kahlert“ in der Eifel

 


Kürzlich war ich in der belgischen Eifel [1] unterwegs und habe unter anderem eine kleine Marienkapelle entdeckt. Irgendwie ist der Begriff „belgische Eifel“ nicht so bekannt – und das ist auch gut so, Geheimtipps sind immer gut, besonders, wenn sie es bleiben. Gerade dachte ich an „In the Dutch Mountains“ [2], völlig abwegig, ich weiß! Die Marienkapelle wird natürlich kaum irgendwo erwähnt, aber man kann sie auf Google Maps entdecken. Wikipedia zum Beispiel kennt sie nicht. Wie bin ich da hingekommen? Ich habe mich bei der Rückfahrt von St. Vith dem Navi anvertraut und das geht bisweilen schief. Die Marienkapelle, die ich meine, liegt etwa 600 m von Eibertingen und etwa 1,2 km von Amel entfernt.  Ich kann hier auch noch die genauen Koordinaten durchgeben, wie ich sie auf Google Maps gefunden habe [3]. Ich entdeckte nach Eibertingen, daß ich völlig falsch war und das Navi mich auf einen Rundkurs geschickt hatte, den ich dann allerdings auch gefahren bin, einfach um zu sehen, was es da zu entdecken gibt. Das war schon interessant, denn ich stieß zum Beispiel auf Menschen, die sich gar nicht vorstellen konnten, daß auf der schmalen Straße jemand anderes als ein Anwohner fuhr [4]. Und dabei kam ich eben auch bei der Marienkapelle vorbei. 


Die Kapelle feierte kürzlich ihr 40jähriges Bestehen und zwar am 8. Juni 2025.  Innen bzw. unter der großzügigen Überdachung kann man eine Statue der Jungfrau Maria sehen. Einige Votiv-Tafeln mit z.B. „Zum Dank“ sind dort angebracht worden. Es werden häufig Kerzenopfer dargebracht. Der Rosenkranz wird gebetet. Teil eines Mariengebets liegt laminiert aus:
"Jungfrau, Mutter Gottes mein, 
lass mich ganz dein Eigen sein.
Dein im Leben, dein im Tod, 
dein in Unglück, Angst und Not.
Dein in Kreuz und bittrem Leid, 
dein für Zeit und Ewigkeit.
Amen"

Und nun Sie! Auf dem Weg von oder nach St. Vith kann man dort vorbeischauen. Der Ort ist nahe genug an der Nationalstraße No. 76 und weit genug weg, um kontemplativ zu sein.




Links und Anmerkungen:
[1] Wikipedia sagt es so: 
"Als belgische Eifel wird im deutschsprachigen Teil Belgiens zumeist der südliche Teil der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG) bezeichnet, der den Kanton Sankt Vith bildet."
https://de.wikipedia.org/wiki/Belgische_Eifel 
[2] Ich hatte das Lied der Amsterdamer Pop-Gruppe Nits früher einmal gehört:, es stammt aus dem Jahr 1987. 1984 hatte Cees Nooteboom „In Nederland“ veröffentlich, das auf englisch unter „In the Dutch Mountains“ und in Deutsch unter „In den niederländischen Bergen“ veröffentlicht worden ist. 
https://de.wikipedia.org/wiki/Cees_Nooteboom 
[3] N50.364584210809696, E6.164558007731695 (kann man bequem auf Google eingeben)
[4] Stellen Sie sich das nicht so abenteuerlich vor, als würden Sie North Sentinel Island betreten, was Sie übrigens nicht dürfen!
https://en.wikipedia.org/wiki/North_Sentinel_Island 


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Monday, September 8, 2025

Die Waldkapelle Decke Tönnes in der Eifel

 


Als ich die Karte studierte, um nicht mit Navi nach Flamersheim zu kommen, fiel mir an der Landstraße von Bad Münstereifel nach Effelsberg die Waldkapelle [1] Decke Tönnes auf; unter diesem Namen ist die Kapelle bekannter als unter dem Namen Antoniuskapelle. Es ist eine der Kapelle oder Kirchen der Umgebung, die ich noch nicht besucht hatte.

Die Kapelle ist gut zu erreichen, denn sie befindet sich in der Nähe eines WanderParkplatzes. Auf einem Bild von Wikipedia sieht man einen gefährlichen Zugangsweg [2], von dem ich abraten möchte, denn Wander-/RadWege führen dorthin; und wie gesagt gibt es dort einen ParkPlatz, der sehr vielen Autos Platz bietet, aber es standen nur wenige PKWs dort. 

Um die Kapelle [3] herum stehen Ruhebänke  und die Schutzhütte des Eifelvereins ist in Sichtweite. Wegen der wenigen PKWs dachte ich zunächst, es könne sich um einen kontemplativen Ort handeln, vielleicht hätte ich zu einem anderen Wochentag als Sonntag kommen sollen, denn es kamen laufend Wanderer, Familien und Radfahrer vorbei. Außerdem ist die Landstraße nur etwa 5 m entfernt. Kontemplation würde ich dort also eher nicht suchen. Für Gebetsanliegen und Kerzen aufstellen allerdings ist der Ort geeignet und die große Zahl der Kerzen zeigt, daß dies auch wahrgenommen wird.

Die Kapelle ist klein und zweigeteilt, in den hinteren Bereich kommt man nicht, weshalb man die Statue des Namenspatrons auch schlecht fotografieren kann. Davor stehen Gestelle für Kerzen und die bieten ein buntes Bild. Die Quellen berichten, daß die Statue im Auftrag eines jüdischen Kaufmanns in Erfüllung eines Gelübdes angefertigt worden wäre. Der Meinung kann ich mich aus sachlichen Gründen schlecht anschließen. Ein Restaurator meinte, daß sie eher aus dem Kloster Steinfeld stammen würde („Handschrift der Steinfelder Meister“). Dem kann ich mich anschließen. Der Restaurator bearbeitete die früher frei stehende Statue, als um 1900 die Kapelle errichtet worden ist.



Der decke Tönn oder decke Tönnes (im Kölschen sagt man Tünnes) aber ist der Hl. Antonius von Ägypten. Dieser hl. Antonius lebte von ca. 251 bis 356 [4]; der Zeitpunkt seines Todes war bekannt und sein Alter soll da 105 Jahre, wie bei Bob Hope, betragen haben, so daß man so sein Geburtsdatum zurückgerechnet hat. Er war in die Wüste hinausgezogen und gilt als einer der Väter des Mönchtums. Wen das Thema mehr interessiert, der kann über ihn, Pachomius, Simeon und weitere bei Hans Conrad Zander nachlesen [5]. Vielleicht so viel: Antonius hatte ein duales System für sich etabliert. Er war wg. der Einsamkeit in die Wüste gezogen, hatte dann doch zu viel geredet und fühlte sich von den Menschen belästigt, die sich das anhören wollten. Darauf hin verließ er Pispir (heute Al Mayr, bzw. östlich davon) und ging nach Kolzim (westlich vom heutigen Zafarana, an der Tankstelle „Chill out“ vorbei), denn da konnten ihn die Jünger abschirmen. Und dann ging er alle halbe Jahre zurück nach Pispir, um dort wieder über seinen Kampf mit den Dämonen zu berichten. Wäre Antonius nicht Statue sondern lebendig, würde er sicherlich ähnlich handeln.

In Flamersheim besuchte ich kurz die Kirche St. Stephanus Auffindung [6] und konnte das GemeindeBlatt mitnehmen, in dem eine Wallfahrt (Gemeinsame WallFahrt zum Michelsberg am 28.09.2025) angekündigt wird [7]. Die Wallfahrten stehen unter dem Motto „Du führst mich hinaus ins Weite...“ (Ps. 18,20). Einzelheiten kann man im Internet einsehen [8]. Wer vom Marktplatz in Flamersheim losgeht, hat eine Strecke von etwa 12 km und 330 m Anstieg vor sich, zurück geht es eher bergab. Aber man kann auch erst an der Waldkapelle Decke Tönn bzw. dem ParkPlatz aus dazustoßen. Eine Beschreibung von der Wallfahrt im Jahr 2024 ist unter [8] ebenso einsehbar. Da wird auch der Regionalkantor Manfred Sistig erwähnt, den ich nicht kenne, aber Sistig ist nächste Ort westlich von Diefenbach.

Wenn Sie von Bad Münstereifel nach Effelsberg fahren, versäumen Sie, an der Waldkapelle zu halten. Stellen Sie ruhig eine Kerze auf. Meine Mutter machte das auch, obwohl wir evangelisch sind. Und … machen diese Unterschiede eigentlich noch einen Sinn? Eine gute Frage, über die Sie vor der Kapelle oder in der Schutzhütte nachdenken können.





Links und Anmerkungen:
[1] Ich habe aus gutem Grund Waldkapelle und nicht Waldcapelle geschrieben.
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Bad_M%C3%BCnstereifel_Decke_T%C3%B6nnes_S%C3%BCdansicht.jpg  
[3] https://badmuenstereifelaktiv.de/decke-toennes/ und http://www.nordeifel.de/impressionen/decke-toenn/decke-toenn.html 
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Antonius_der_Gro%C3%9Fe 
[5] Hans Conrad Zander: Als die Religion noch nicht langweilig war. Die Geschichte der Wüstenväter. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2002. ISBN 3-462-02982-7
[6] Ich bin noch unentschieden, ob ich über diese Kirche schreibe, denn man konnte nur einen Vorraum besuchen.
[7] EINblick / Katholisch Esuskirchen / September 2025. S. 13.
[8] https://www.katholisch-eu.de/gemeindeleben/wallfahrten/index.html 


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Wednesday, June 4, 2025

Die Krotzenkapelle in Brück (Eifel)

 


Zunächst dachte ich nach meinem letzten Besuch in Dreis-Brück, ich hätte die Kapelle nicht besucht, aber ich hatte sie doch vor 5 Jahren etwa besucht und fand sie jetzt doch so interessant, daß ich darüber berichten will.

Die Kapelle wird Krotzenkapelle genannt. Krotzen ist eine lokale Bezeichnung für Lavaschlacken [1], die wegen ihrer Porosität (Entstehung aus flüssigem und mit vielen Gasen angereichertem Magma) leicht zu bearbeiten sind und zum Hausbau wie zum Bau der Kapelle verwendet wurden.

Der Bau der Kapelle geht auf die Rückkehr von Hubert Bernardy aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. Mein Vater war auch in russischer Kriegsgefangenschaft, allerdings nicht über acht Jahre wie Hubert Bernardy, sondern nur etwa drei Tage, da er durch eine Gegend in Schlesien kam, aus der meine Großmutter stammte und er diese von den Ferien her kannte. Er konnte aus dem Tross fliehen, andere kamen durch ihre Heimatdörfer und kehrten nicht zurück. Also wenn auch Hubert Bernardy nicht so viel Glück wie mein Vater hatte, so war dennoch die Rückkehr ein unvorstellbar freudiges Ereignis, daß man beschloß, diese Kapelle zu bauen. Sie wurde 1957 fertiggestellt. Das aber kann man ausführlich nachlesen [2]. In der Kapelle befindet sich eine menschengroße Fatima-Marienstatue. 




Mich hat besonders der Blick nach oben fasziniert, allerdings ist es keine offener Blick in der Himmel, aber die Illusion besteht. Ich kenne dies als offenen Blick z.B. von der Bruder-Klaus-Feldkapelle oberhalb der Ortschaft Mechernich-Wachendorf [3], die ich schon mehrfach erwähnt habe auf diesem Blog [4]. Die Bruder-Klaus-Kapelle sieht von außen kompakt aus und man sieht gar nicht, daß sie kein Dach besitzt. Man blickt von Innen in den Himmel.





Ein ähnliches Phänomen bemerkte ich bei den Nuraghen. Nuraghen nennt man die prähistorischen Turmbauten auf Sardinien [5]. Sie sind bis über 4000 Jahre alt und man schätzt, daß sich bis etwa 10.000 dieser Bauten auf Sardinien befunden haben. Ihre Funktion ist unklar, man diskutierte Kultstätten oder Grabanlagen, geht aber heute eher von Wohn- und Befestigungskomplex. 





Vielleicht denkt man auch an die Anlagen in Mesopotamien, die Zikkurat und damit auch an den Turmbau von Babel. „... fanden sie eine Ebene im Lande Schinar und wohnten daselbst. Und sie sprachen untereinander: … Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen ...“ [6]. Ich meine, daß ich gerade mein Konto der Abschweifungen gnadenlos überziehe. Ich wünsche Besuchern der Kapelle ähnlich viele und vielleicht auch ganz andere Assoziationen.
 
 



Links und Anmerkungen:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Krotzen_(Geologie) 
[2] https://dreis-brueck.de/project/die-krotzenkapelle/  
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Bruder-Klaus-Feldkapelle 
[4] Eine Auswahl:
https://rheumatologe.blogspot.com/2023/05/altargesteck-am-23052023-kafka-in-der.html  
https://rheumatologe.blogspot.com/2024/01/das-winzhaus-ruckzugsorte.html  
https://rheumatologe.blogspot.com/2012/12/auferstehungskirche-koln-buchforst.html 
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Nuraghe 
[6] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.11 1. Mose 11,1-9
 
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