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Friday, July 25, 2025

Das WinzHaus als Ort spiritueller Einkehr

 

Andachts- und Wohnort eines Mönches auf ca. 5370 m Höhe in Ladakh



給我一個小小的家蝸牛的家
Gebt mir ein winziges Heim, ein Schneckenhaus [2]
 
Kapitel 19  –  Das WinzHaus als Ort spiritueller Einkehr

Weist die Liedzeile der taiwanesischen Pop-Sängerin Su Rui (蘇芮) in die Richtung eines Ortes spiritueller Einkehr? Ich meine -: Ja. In diesem Kapitel geht es um WinzHäuser als Ort der spirituellen Einkehr. Da dies etwas hochgeschraubt erscheinen mag, möchte ich noch einige Worte zur Erdhaftung folgen lassen. Selbst die Laube im Schrebergarten [3] oder die Jagd- oder Angelhütte können Orte spiritueller Einkehr sein. Wobei ich bei Jagd eher das Schießen von Fotos sehe und beim Angeln das vegane Angeln bevorzuge [4]. Im Zen-Buddhismus kann und soll auch die Toilette ein Ort des Nachdenkens über das Koan sein [5]. Die Toilette ist schließlich nichts anderes als ein WinzHaus mit Herzchen.

Retreat in den Anden

Wer sucht nun einen Ort spiritueller Einkehr? Vielleicht vereinfacht ausgedrückt: der/die EinsiedlerIn. Meine erste Begegnung war Alexandra David-Néel. Ich hatte in Köln vor und während des Medizinstudiums auch Ethnologie studiert. Ich erinnere mich an die Bibliothek des Instituts im Hauptgebäude der Universität zu Köln. Dort gab es einige Bücher über Tibet, für die man auf die Rollleiter steigen mußte. Ich habe nicht nur Bücher von Alexandra David-Néel sondern auch von anderen Entdeckern des abgeschlossen, ja auch verschlossenen Tibets gelesen. Ich habe das Bild von ihr, das mir von damals in Erinnerung geblieben ist, in mehreren Büchern, aber dies hier möchte ich zitieren [6]. Die Bildunterschrift auf S. 73 lautet: „Alexandra David-Néel vor ihrer selbstgezimmerten Eremitage im Gebiet von La-chen (Himalaja 1915)“. Das ist also 110 Jahre her.

Auf der gegenüberliegenden Seite (S.72) las ich: „Wir waren auf unserem Weg zum Saluën [Salwen] hinab gerade an einem der niedrigen Pässe des Kha-Karpo-Gebirges angelangt, als wir hinter uns Glöckchengebimmel hörten.“ Das verführte mich, dort näher nach dem Ort der Eremitage zu suchen, denn ich hatte 2009 auch diesen Weg genommen – und wenn ich die Reiseroute auf S. 120 vergleiche, dann ist sie über weiter Strecken deckungsgleich mit meiner Route. Vor der Kulisse des Khawa Karpo (tib.: kha ba dkar po) hatte ich mit meinen Reisebegleitern Halt gemacht. Der Gipfel ist weiterhin unbestiegen und aus kulturellen und religiösen Gründen wird dies auch noch eine Weile so bleiben [7]. Das liegt ca. 750 km östlich von Lhasa. 


Ich recherchierte weiter zu „Gebiet von La-chen“ und fand den „Nagenla (Lhachen La) Mountain Pass in Damxung“ [8]. Das liegt etwa 120 km NWN von Lhasa. Dort bin ich 1998 gewesen und die Landschaft sah überhaupt nicht so aus, wie das Bild im Buch sie nahelegt.

Ich suchte weiter und fand den Ort über die Jahreszahl. Frau David-Néel befand sich 2015 in Sikkim und die Eremitage hatte sie dort errichtet. Ich war zwar zweimal in Sikkim, aber nicht in Lachen. Das liegt übrigens etwa 320 km südwestlich von Lhasa. Mittlerweile kann man den Ort aber besichtigen [9]. Vielleicht beim nächsten Besuch?

Alexandra David-Néel schrieb wie auch Sven Hedin oder Wilhelm Filchner [11] sehr abenteuerlich über ihre Reisen. Über die Ruhephasen berichtet sie zwar auch, aber deutlich weniger. In ihrer Eremitage hatte sie tibetanische Yogaübungen durchgeführt, sich mit dem Buddhismus beschäftigt, aber ob sie auch Tibetisch konnte, weiß ich nicht. Mit ihrem Adoptivsohn, dem Lama Yongden, hatte sie einen Übersetzer. Andererseits dauerte die Reise von 1911 bis 1925, da war also auch Zeit, Sprache zu erwerben. 

Bleiben wir noch im Himalaya. Tenzin Palmo (geborene Diane Perry) [12] entschloß sich zur Meditation in größtmöglicher Abgeschiedenheit in der Kagyü-Tradition des tibetischen Buddhismus. Während und kurz nach der Kulturrevolution war Tibet selbst keine Option. Sie fand aber eine Höhle im Gebirge und zwar im Lahaul Tal, da liegt etwa 100 km Luftlinie von Dharmasala entfernt und liegt südlich von Ladakh. Im Winter können dort die Temperaturen zwischen -30-40° C liegen. Sie lebte dort in einer Höhle von 3x2 m über 12 Jahre, die letzten drei Jahre im strengen Retreat [13]. Streng heißt unter anderem, die Witterung auszuhalten und nur drei Stunden in der Nacht sitzend zu schlafen. In dem Interview beschreibt sie, daß Glück nicht von den äußeren Umständen anhängig sein sollte („Es ist unsere Aufgabe, uns selber Glück zu wünschen, selber glücklich zu sein.“). 

Kommen wir vom Himalaya einmal zurück nach Europa, bleiben aber im Gebirge. Mönchen und Nonnen in der katholischen Tradition lebten in Zellen der Klöster, aber die Zellen oder Häuschen der Kartäuser ermöglichten dann noch mehr Abgeschiedenheit. Die Kartäuser gehen auf den heiligen Bruno von Köln zurück [14]. Wahrscheinlich kennen die meisten das Getränk Chartreuse, das seinen Namen von den Kartäusern hat, denn die haben den Kräuterliqueur erfunden. Die Chartreuse aber ist eine einsame Gebirgsgegend bei Grenoble (Frankreich), in der Bruno den Orden gegründet hat. Die Kartäuser leben in kleinen Häusern, die mit dem Kreuzgang und der Kirche verbunden sind; hinter der kleinen Wohnstätte lagen Werkraum und Garten. Auf dem Athos existiert die Siedlungsform der Skiten (griechisch σκήτες), wobei in einer der Formen „Kelliá (griechisch κελλιά ‚Zellen‘), Hütten für einen Bewohner“, rund um einen klösterlichen Zentralbau angelegt sind [15]. Diese Form des Mönchstums bildete sich etwa im 9. Jahrhundert heraus. Aber das Wort Skite geht auf die Sketische Wüste Ägyptens zurück, in die im 3. Jahrhundert die Eremiten gegangen waren, zeitweise so viele, daß geregelt werden mußte, wie nah die Zellen untereinander gebaut werden durften [16]. 
Fassen wir diesen Teil zusammen. Die Eremiten wollten Ablenkungen vermeiden, um so in einfachen Lebensumständen zu beten und zu meditieren. Der Rückzug von Menschen in eine Hütte, Höhle oder Zellen (kelliá - κελλιά) kommt dem WinzHaus sehr nah.
 

Wer nicht in den Himalaya reisen möchten, dem rate ich zu einem Besuch der St. Veitskapelle oder Vituskapelle im Isteiner Klotzen [17]. Die Kapelle ist in eine Nische des Isteiner Klotzens gebaut worden. Istein gehört zur Gemeinde Efringen-Kirchen und liegt nahe der Grenze zur Schweiz, weshalb ich dort überhaupt vorbeigekommen bin. Die Kapelle wurde wahrscheinlich im 12. Jahrhundert erbaut und gehörte zur Burg Istein. Sie wurde mehrfach zerstört. Warum sie die französische Besatzungsmacht zwischen 1947–1950 zerstörte, erschließt sich mir nicht, als hätten sie nichts besseres zu tun gehabt – z.B. Nazis suchen, aber die Kapelle wurde Ende der 1980iger Jahre durch eine Bürgerinitiative wieder aufgebaut.

Hurtig zurück in den Himalaya! Und zwar nach Bhutan. Der vollständige Bericht zum Tigernest findet sich in der Reisebeschreibung aus dem Jahr 2023 [18]. Während man die St. Veitskapelle über ein paar Treppen erreichen kann, ist der Weg zum Tigernest oder Taktsang steil und anstrengend. Es geht bergauf und wieder bergab und erneut bergauf. Man muss trittsicher sein und wandert auf etwa 3.000 m Höhe. Ich bin im Jahr 2000 und noch einmal 2023 dort hinaufgestiegen. 

Paro Taktsang Dzongkha:
སྤ་གྲོ་སྟག་ཚང་) ist im Westen besser als Tigernest bekannt; weitere Namen finden Sie im Wikipedia-Artikel, aus dem ich weitere Informationen entnommen habe [19]. Padmasambhava (Guru Rinpoche) meditierte und praktizierte in einer der 13 Höhlen (Taktsang Senge Samdup-Höhle). Später (1692) wurde der Klosterkomplex um diese Höhle herum an der Felswand des oberen Paro-Tals errichtet und wurde nach und nach zu einer heiligen Stätte des Vajrayana-Buddhismus im Himalaya. Am 19. April 1998 (2 1/2 Jahre bevor ich Taktsang zum ersten Mal besucht hatte [20]) brach im Hauptgebäude des Klosterkomplexes ein Feuer aus. Die Brandursache ist unklar, aber es wurden ein elektrischer Kurzschluss oder flackernde Butterlampen diskutiert. Danach wurde jedoch alles rekonstruiert.

Wir haben uns gerade mit allen möglichen Schneckenhäusern, WinzHäusern, Hütten, Höhlen und anderen Rückzugsorten als Orte spiritueller Einkehr beschäftigt. Darum: Laßt uns zwei, drei, viele WinzHäuser [21] errichten!





Links und Anmerkungen:
[1] Hinweise auf das Projekt finden sich in der Einleitung: https://rheumatologe.blogspot.com/2024/01/das-winzhaus-einleitung.html 
[2] Die taiwanesische Pop-Sängerin Su Rui (蘇芮) hatte schon zu Beginn ihrer Karriere die Großstadt mit den bedrohlichen Hochhäusern thematisiert; beispielsweise in dem Lied 一样的月光 [2a]. Später veröffentlichte sie eine Interpretation des Liedes Schneckenhaus (蝸牛的家) von Zheng Zhihua (鄭智化). In dem Lied wünscht sie sich ein Schneckenhaus:
給我一個小小的家蝸牛的家
Gebt mir ein winziges Heim, ein Schneckenhaus [2b]
[2a] Derselbe Mond 一样的月光 / #百萬點閱金曲 #蘇芮
1983年,電影《搭錯車》主題曲 https://www.youtube.com/watch?v=ufAtOoMazjw   
[2b] Schneckenhaus  蝸牛的家 / 蘇芮《東方快車謀殺案》專輯 / 1989年 - https://www.youtube.com/watch?v=2XJuKiXqXJU   
[3] Auch das ist ein Thema, das mich schon seit langer Zeit beschäftigt.
Das Shangri-la im Schrebergarten 
https://rheumatologe.blogspot.com/2013/04/das-shangri-la-im-schrebergarten.html 
[4] Veganes Angeln ohne AngelSchein? 
https://rheumatologe.blogspot.com/2024/04/veganes-angeln-ohne-angelschein.html   
[5] Ich weiß nicht mehr, wo ich das gelesen hatte, aber immerhin kann man in der Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophie (Dr. phil.) durch die Philosophische Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf von Frau Mariko Fuchs (Die Pädagogik des Zenmeisters/ Darstellung und Analyse) die Wichtigkeit der Regelung des Geschehens um die Toilette nachlesen.  
https://docserv.uni-duesseldorf.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-5809/P%C3%A4dagogik%20des%20Zenmeisters.pdf
 

[6] Alexandra David-Néel: Mein Weg durch Himmel und Hollen. Scherz Verlag, Bern 1986. [ISBN: 3502191425].
[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Khawa_Karpo 
[8] https://mysterioustibet.com/nagenla-mountain-in-damxung-county-lhasa.html  
[9] https://www.sikkimtours.co.uk/hermitage-at-north-lachan 
[10] Sven Anders Hedin (1865-1952) war ein schwedischer Geograph, Topograph, Entdeckungsreisender, etc. pp.
Von ihm hatte ich ziemlich viel gelesen, auch „Abenteuer in Tibet“ (1904) und erst vor wenigen Jahren „Der wandernde See“ (1937).
https://de.wikipedia.org/wiki/Sven_Hedin  
[11] Wilhelm Filchner (1877-1957) war ein deutscher Geophysiker, Geodät, Forschungsreisender und Reiseschriftsteller. 
Ich hatte damals u.a. 
„Das Kloster Kumbum“ (1906) und „Om mani padme hum“ (über die Tibetexpedition 1926–1928) gelesen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Filchner 
[12] Jetsunma Tenzin Palmo (geboren 1943 als Diane Perry) ist eine britische buddhistische Nonne in der Kagyü-Tradition des tibetischen Buddhismus. 
https://de.wikipedia.org/wiki/Tenzin_Palmo 
[13] Mariette Schürholz: Interview mit Tenzin Palmo. „Wir sind von Natur aus unbefleckt! Das ist die Glücksbotschaft.“ Bhuddismus aktuell 3/2005, S. 27-31. Insbesondere der grau unterlegt Kasten „Die ehrwürdige Tenzin Palmo meditierte zwölf Jahre in einer Höhle“ auf S. 31, aber auch der 
zitierte Wikipedia-Artikel [12].
[14] https://de.wikipedia.org/wiki/Kart%C3%A4user 
[15] https://de.wikipedia.org/wiki/Athos  
[16] Hans Conrad Zander: Als die Religion noch nicht langweilig war. Die Geschichte der Wüstenväter. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2001. ISBN: 3-462-02982-7.
[17] https://de.wikipedia.org/wiki/St.-Veits-Kapelle_im_Isteiner_Klotzen 
[18] https://rheumatologe.blogspot.com/2023/05/the-tigers-nest-or-taktsang-near-paro.html 
[19] https://en.wikipedia.org/wiki/Paro_Taktsang
[20] Glimpses into Bhutan in the Year 2000 – A Travel Diary Part 7 / 15th of October [20a]:
„We were on the way to the Tiger's Nest / Thaktsang Lhakhang. The path was easy [20b], but difficult due to the altitude (3,000 m). We passed the lookout point just before the cafeteria. There I met a young Australian woman from Perth who had a permit for Tiger's Nest. We went on with two pilgrims from Thimphu. The path came close to a waterfall. Women carried stones for the new building. I stopped for a moment at the ceremony in the new walls and didn't go in straight away, listened to the drums and the music. Then I went on with the three women to whom an old monk opened the old Lhakhang, which is shown in J.C. White's book [20c]. I looked at everything in peace, while the Australian completely freaked out and threw herself down. Later she procured a white ribbon for the sanctuary and asked to be allowed to do her Tibetan prostration exercises there. Everything had been certainly very meritorious. At least it got me into the heart of the Tiger's Nest. On the way down I have been stopped by the clerk of the monastery (“I'm also a policeman”). He had previously had a dispute with C. [a friend, who did not want to hike up to Taktsang], which I didn't know at the time. Of course I didn't have a permit. I followed the Australian. I was able to reassure him because I assured him that I didn't want to cause him any trouble. I remember one argument: stones could fall down the mountain. Well, nothing can happen to you if you have a permit.“
[20a] https://rheumatologe.blogspot.com/2020/09/glimpses-into-bhutan-in-year-2000_10.html   
[20b] The new path is strenuous and not easy!
[20c] J(ohn). Claude White: Sikhim & Bhutan: Twenty-One Years On The North-East Frontier, 1887-1908. Edward Arnold (Publ.). London 1909. Reprinted New Delhi 1999. Again available as Paperback, 2012: ASIN: ‎ B00AWKMGQY. The picture of Taktsang is opposite of page 128.
[21] Frei nach Che Guevara.

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Tuesday, January 21, 2025

The Hermit's Cabin als kommerzielles WinzHaus

 

Das ForstHaus meines Bruder & Schwägerin - 12 m²

Kapitel 18 –  The Hermit's Cabin als kommerzielles WinzHaus

Bereits vor etwa 15 Jahren hatte mich mein Bruder Frank auf The Hermit's Cabin, also die EinsiedlerHütte, aufmerksam gemacht; das war also lange vor dem Projekt WinzHaus. Und als ich anfing, das Projekt WinzHaus voran zu treiben, suchte ich erneut im Internet danach, aber ich konnte es nicht finden, da ich mit Arvesund [2] nichts anfangen konnte. Also habe ich mich an meinen Bruder gewendet, der sich natürlich noch an diesen Namen erinnerte und so bin ich wieder zu dem wichtigen Link gekommen.

Bei Arvesund handelt es sich um ein schwedisches Unternehmen, das ein kommerzielles Projekt mit einem WinzHaus in die Welt gesetzt hatte. Der Architekt und Initiator dahinter heißt Mats Theselius, der bereits zweimal Preisträger des schwedischen Möbeldesign Preises war. Und der Originalname des Hermit's Cabin ist Eremitens Koja. Theselius sagte [3]: „Die meisten Menschen verknüpfen wohl das Einsiedlerleben mit Mystik und Religion. Aber das ist falsch. Es geht eher darum, das hektische Stadtleben herauszufordern und einen natürlichen Schritt zurück zu nehmen. Ich möchte die Möglichkeit zeigen, um dem urbanen Leben eine Weile zu entfliehen. Ein Bett, ein Tisch, ein Sessel, ein Kasten, ein Ofen.“ Da fällt mir jedenfalls sofort ein, daß wir das schon bei Walden und Henry David Thoreau gesehen haben [4]. Eremitens Koja wurde erstmals 1990 auf einer Möbelmesse in Stockholm gezeigt. The Hermit's Cabin wurde in neuer Gestalt im Modernen Museum in Köln im Jahr 2000 gezeigt. Arvesund baut auch alte Scheunen zu Wohnraum um. Für die Hütte wurde altes ScheunenHolz verwendet (als Recycle-Möglichkeit).

Betrachten wir einmal mit Worten die Hermit's Cabin, da ich aus urheberrechtlichen Gründen kein fremdes Bild hier einfügen kann. Die Maße sind: Länge 295 cm, Breite 265 cm, Höhe 250-305 cm, wodurch das WinzHaus ein Dachgefälle hat. Die Fläche beträgt etwa 8 m². Wie man es von einem anderen großen, schwedischen Möbelhaus gewohnt ist, gibt es The Hermit's Cabin als Bausatz in 12 Bausteinen mit Verkleidung und zurecht geschnittenem Holz sowie einer BauAnleitung. Zwei Personen schaffen es, die Hütte in 2-3 Tagen aufzustellen. Da habe ich gerade noch einmal RückSprache mit meinem Bruder genommen, denn er hatte ein WinzHaus vor dem Hausbau an einer entlegenen Ecke des Grundstücks errichtet. Da dort früher ein Wäldchen war, nannte ich es das ForstHaus. Dies hat 12 m² Fläche und die Aufbauzeit betrug ein Wochenende, wobei ein altes BetonFundament problematisch war, denn es hatte sich abgesenkt, so daß ein Ausgleich angepaßt werden mußte (Zeitfaktor). Man kann The Hermit's Cabin auch vom Hersteller aufbauen lassen. Die Einrichtung kann man selbst machen oder auch als KomplettLösung erwerben. „Die Zusätze enthalten einen handgefertigten Holzofen mit separatem Warmwasserbereiter und ein separates Innenausstattungspaket.“ Ach, und einen NistKasten im gleichen Stil gibt es auch.

The Hermit's Cabin ist eine grandiose Idee. Allerdings sind da noch einige Probleme. Man benötigt schließlich Wasser (RegenWasser, Bach, See) und Platz für ein sehr viel kleineres Häuschen mit Herz sollte auch vorhanden sein. Neben diesen profanen Dingen darf ein wenig Mystik schon dabei sein.


Links und Anmerkungen:
[1] Hinweise auf das Projekt finden sich in der Einleitung: https://rheumatologe.blogspot.com/2024/01/das-winzhaus-einleitung.html
[2] https://www.arvesund.com/eremitens-koja-info  
[3] https://www.die-klause.at/Hermits%20Cabin.html
[4] Das WinzHaus – Zen und Walden (Kapitel 8)
https://rheumatologe.blogspot.com/2024/02/das-winzhaus-zen-und-walden.html

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Wednesday, December 25, 2024

Kapitel 17 – Lofoten und das WinzHaus

 


Seit meinem letzten Kapitel habe ich zwei Reisen unternommen, die eine ging  nach Armenien und Georgien und die andere nach Lofoten beziehungsweise den arktischen Kreis und zwar auf norwegischem Gebiet. Dort hab ich überraschenderweise auch noch Entdeckungen zum WinzHaus gemacht. Obwohl eine der baulichen Sehenswürdigkeiten das LangHaus aus der Wikingerzeit beziehungsweise seine Rekonstruktion gewesen ist und zwar direkt neben der historischen Stätte, denn von dem HolzHaus hatte kaum etwas überdauert [2]. Aber ich habe darüber hinaus WinzHäuser gesehen und möchte deshalb hier wieder ein ungeplantes Kapitel einfügen, bevor ich mit meinem Plan fortfahre.


Die rot gestrichenen Häuschen sind in der Regel alte BootsHäuser oder  LagerStätten, die beim FischFang genutzt worden sind, aber heutzutage fast ausschließlich FerienHäuser sind, die entweder für den EigenBedarf bestehen oder vermietet werden. Diese Häuser werden mittlerweile auch neu aufgestellt, ohne daß sie je etwas mit der Fischerei zu tun gehabt hätten.



Und dann habe ich auch noch zwei sehr kleine Häuser entdeckt. Das eine war weiß gestrichen und hatte außen eine elektrische Beleuchtung. Es war ziemlich neu und gut gepflegt. Von dem anderen Haus war schon ein Teil vom Dach eingesackt und der Boden eingebrochen. Man konnte das Innere des Hauses einsehen, also man konnte zur Tür rein gucken. Dort waren Teile des Bodens eingebrochen, aber andererseits standen noch PlastikMöbel, Utensilien zur Zubereitung von Tee oder Kaffee herum und es lag ein ziemlich neuer FlickenTeppich am Boden, was mich verwundert hat. Vielleicht sind diese letzten zwei WinzHäuser als UnterStand für WachLeute gedacht oder Leute, die nur mal zum Angeln kommen und sich beim Regen unterstellen. Ich habe das nicht genau in der Erfahrung bringen können. Nichtsdestotrotz hatten sie genau das Format, das so ein WinzHaus haben sollte.  


Links und Anmerkungen:

[1] Hinweise auf das Projekt finden sich in der Einleitung: https://rheumatologe.blogspot.com/2024/01/das-winzhaus-einleitung.html
[2] Ist ein Extra-Thema. Es handelt sich um Borg. „Borg ist eine Ausgrabungsstätte auf der Insel Vestvågøya auf den Lofoten in Norwegen. Dort wurde in den 1980er Jahren eine Siedlung ausgegraben, die ...“. https://de.wikipedia.org/wiki/Borg_(Lofoten)


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Thursday, September 5, 2024

Das WinzHaus – Einige schräge Ideen auf dem Weg dorthin

 



Kapitel 16 –  Einige schräge Ideen auf dem Weg zum WinzHaus

Auf dem Weg zur Idee des WinzHauses gab und gibt es einige schräge Ideen, so etwas wie man es beim Brainstorming erwartet. Ich will aber auch diese näher darstellen. Die einzelnen Teile sind ohne ZeitZusammenhang, sie stehen hier so, wie sie mir in den Sinn gekommen waren, als ich die MindMap zum Thema erstellte.




Das Haus mit den 13 ParkPlätzen
Im Jahr 2017 suchte ich ein Haus, nicht unbedingt ein WinzHaus aber vielleicht auch, in der Eifel. In Niederehe hatte ich mir ein BlockHaus zusammen mit meinem jüngsten Bruder und meiner Schwägerin angesehen. Dieses Haus sollte auf einem GrundStück von 700 m² stehen, wovon allenfalls 150 m² nutzbar waren, denn der Rest war FelsAbhang, das Haus war schlecht gepflegt, Bäume drückten auf Wände und Dach und oberhalb des Hauses war ein Bereich abgesperrt, da dort der Boden eingesunken war (Bergbau-Schadensgebiet). Das war also nichts. Auf der RückFahrt wollten wir uns wenigsten noch das Haus in Tondorf anschauen, denn die Anzeige im WochenSpiegel las sich interessant: „Haus, 50 m², mit 13 Parkplätzen“. Nun ein Haus in der Mitte von Tondorf schied prinzipiell aus, aber anschauen war doch in Ordnung?! Wir fanden es zunächst nicht, parkten auf einem der 13 Parkplätze und meine Schwägerin ging in den EifelGrill. Sie war nur eine halbe Minute in dem Laden und kam mit der Nachricht zurück, daß es sich um das angebotene Haus handele. Sie roch aber auch nach FrittierFett.




Von den AutoSpringern und Dalsland
Im Sommer 2002 hatten der bereits erwähnte Bruder mit Schwägerin und meinem Neffen ein FerienHaus in Dalsland (Schweden) gemietet und ich habe sie für einige Tage besucht. Das FerienHaus stand auf dem Anwesen von Heinz Monheim, der dort in einem größeren Haus Bücher schrieb. Im Jahr zuvor hatte er das Buch „Die Autospringer oder das kurze Leben des Robert Rothmann. Eine Geschichte aus dem Nachkriegs-Köln“ [2] veröffentlicht. Das Haus und zwei FerienHäuser lagen direkt an einem See, dem Örsjön, also ideal für Urlaub, aber auch für Ruhe und Inspiration. Ich nehme an, Heinz Monheim hatte die beiden FerienHäuschen für Verwandten-/Freundes-Besuche gebaut und vermietete sie nun. Meine Schwägerin hatte herausgefunden, daß er die Strecke Köln-Örsjön in 11 Stunden schaffte. Alle Achtung! Es handelt sich um ca. 1200 km und es gibt Fähren und Geschwindigkeits-Begrenzungen. Ich habe deutlich länger gebraucht. In der Gegend waren interessante Orte wie Mellerud und das Museum eines Tuberkulose-Sanatoriums zu sehen. Mich interessierte aber schon damals eine BretterHütte. Ich weiß nicht, wozu sie diente, aber vielleicht war es die UnterKunft eines Anglers.

Schweden

Feuerland


Ein Haus in Patagonien oder auf Feuerland
Ich bin mit einem befreundeten EhePaar 2006 durch Chile und Argentinien, insbesondere durch Patagonien und Feuerland, gereist. Wir sind selbst gefahren und über diese Reise hatte ich einen ÜbersichtsArtikel geschrieben (2009) und diesen 2016 mit Bildern erweitert [3]. Die Reise war abenteuerlich und egal wo, es waren immer lange Strecken auf SchotterPisten zu bewältigen. Aber dafür war man in einer menschenArmen und naturReichen Gegend. Nachdem wir wieder in Deutschland waren und unsere Bilder ausTauschten, überlegte mein Freund kurz und sagte: „Warum kaufst Du Dir kein FerienHaus in Patagonien?“ Vielleicht, weil es 13.500 km Luftlinie entfernt liegt. Aber so schlecht war die Idee gar nicht. Ich hatte ein bis zwei Häuser in Erinnerung. Trotzdem habe ich in den letzen zwei JahrZehnten keine Anstalten gemacht, um es in die Tat umzusetzen.




In der SüdSee
Ich greife noch einmal auf, was ich schon in „Kapital 2 – RückzugsOrte“ angerissen hatte [4]: die Insel als RückzugsOrt. Ich habe die Cook Inseln im SüdPazifik zweimal besucht. Bei meinem Aufenthalt im Jahr 1995 besuchte ich das Atoll Aitutaki, auf dem ich eine Woche allein in einem Haus mit Garten und Strand wohnte und mir Kokosnüsse von den Palmen und Papaya [5] vom Baum holen konnte. Ich wohnte alleine, aber das war mehr Zufall, denn das Haus war für mehrere Gäste ausgerichtet. Täglich kam jemand zum SauberMachen, aber das dauerte unter einer Stunde. Man sagt, wer erst auf eine einsame Insel im Pazifik fahren muß, um Ruhe, Einsamkeit und Erkenntnisse zu gewinnen, der wird dies nie erreichen. Aber wenn man Ruhe und Einsamkeit auf einer Insel im Pazifik findet, dann ist dies keinesfalls dem SeelenFrieden abträglich. Aitutaki hat eine Bevölkerung und das Atoll liegt etwa 225 km nördlich von Rarotonga, der HauptInsel. Das Suwarrow Atoll liegt fast 1000 km nordwestlich von Rarotonga. Dieses Atoll hat aktuell keine Bewohner. Tom Neale hielt sich dort insgesamt 16 Jahre auf und hat darüber geschrieben bzw. man kann sich auch über Wikipedia informieren [6]. Der Garten, der zu dem Haus gehörte, in dem ich wohnte, war gepflegt. Aber auf den unbewohnten, also den einsamen Inseln ist die Flora spärlich, womit sie als RückzugsOrte wegfallen. Die Insel Anchorage des Suwarrow Atolls hat den Hauptanteil der Gesamtfläche von 400.000 m². Da läßt sich auch ein Garten anlegen. Ein britischer Hausmeister ist illegal und unverantwortlich mit der Familie auf eine der unbewohnten Inseln von Aitutaki gereist und berichtete, man habe sich von Wasserschnecken ernährt. Jedenfalls war das Buch, daß ich vor 30 Jahren gelesen habe, ziemlich schlecht und wahrscheinlich war der größte Teil ein Phantasieprodukt [7]. Und weitere Beispiele sollten uns abhalten, auf einer abgelegenen SüdseeInsel unser Glück zu suchen. Der Rest der Bounty Meuterer hatte sich auf Pitcairn niedergelassen, um dort bis auf Adams und Young gewaltsame Tode zu sterben [8]. Oder Floreana (Galapagos-Inseln), worüber ich noch mehr schreiben möchte [9].

Diese schrägen Ideen sind einerseits romantisch andererseits keine dauerhafte Lösung, wenn man als soziales Wesen existieren möchte. Auf jeden Fall sind sie aber der Stoff, aus dem sich weitere Ideen für das WinzHaus entwickeln lassen.


Links und Anmerkungen:
[1] Hinweise auf das Projekt finden sich in der Einleitung: https://rheumatologe.blogspot.com/2024/01/das-winzhaus-einleitung.html
[2] Heinz Monheim: Die Autospringer oder das kurze Leben des Robert Rothmann. Eine Geschichte aus dem Nachkriegs-Köln. Bachem, Köln 2001. ISBN: 3761614691.
[3] 2006 Patagonia (Chile/Argentina) https://rheumatologe.blogspot.com/2009/04/2006-patagonia-chileargentina.html
[4] https://rheumatologe.blogspot.com/2024/01/das-winzhaus-ruckzugsorte.html
[5] Die Papaya heißt im Chinesischen
木瓜 (mu gua), was so viel wie Baum-Melone bedeutet.
[6] Tom Neale: Südsee Trauminsel. Conrad Stein Verlag, Kiel n.d. (nach 1978). ISBN: 3-922965-26-1. https://de.wikipedia.org/wiki/Tom_Neale
[7] In irgendeiner Bücherkiste muß dieses Buch sein, denn ich werfe keine Bücher weg. Ich habe es gerade aber nicht finden können. Es ist auch keine Empfehlung wert.
[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Pitcairn#Die_Meuterer_der_Bounty
[9] https://rheumatologe.blogspot.com/2023/10/mahnwache-fur-den-frieden-und-kurs.html 


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Tuesday, September 3, 2024

Das WinzHaus – Das MoorSchlößchen

 


Kapitel 15 –  Arno Schmidt und das MoorSchlößchen

Arno Schmidt [2] hatte auch Anteil an der Entwicklung meiner Ideen zum WinzHaus. Ich lese Bücher von Arno Schmidt seit Anfang der 1970er Jahre. Für das WinzHaus sind zwei Erzählungen von Bedeutung:
    * Brand's Haide [3]
    * Schwarze Spiegel [4].

In „Brand's Haide“ erzählt Arno Schmidt die Geschichte von drei Flüchtlingen und greift auf eigene Erfahrungen zurück. Die dem Protagonisten zugewiesene Wohnung wird so beschrieben: „Das Loch : hinten, um die Ecke; am Kirchplatz. 2,50 mal 3,00 Meter; aber erst mußte das Gerümpel raus; Spaten, Hacken, Werkzeug, und ich erbot mich, das selbst zu machen (ich brauchte ohnehin  Hammer und Zange, Nägel : eigentlich alles cosa rara wie?)“ (S. 119) Arno Schmidt entwarf den SchauPlatz zeichnerisch [5]. Das ist noch kein WinzHaus, aber es beschriebt das Leben in beengten Verhältnissen. Der Raum ist etwa halb so groß wie die Hütte von Henry David Thoreau [6].

In „Schwarze Spiegel fährt der Protagonist durch eine von MassenVernichtungsWaffen veränderte Welt, Menschen trifft er zunächst nicht, die TierWelt ist dezimiert, die PflanzenWelt hat es überstanden. Er fährt mit dem Fahrrad durch die Lüneburger Heide nach Hamburg, plündert dort Museen und Bibliotheken, findet in der Heide ein britisches VerpflegungsLager und errichtet sich dort ein HolzHaus mit Ofen. Auf den Seiten 217 ff. nehmen wir teil an Plan, Bau und RichtFest des Hauses. Es hat eine GrundFläche von 2,50 mal 10,00 m, womit wir schon bei 25 m² wären, die in drei Räume aufgeteilt werden. Über die weitere Geschichte könnten wir uns noch unterhalten, denn auch eine Frau hat überlebt, aber diese Abschweifung versage ich mir.

Ich meinte, mich an ein „HeideSchlößchen“ zu erinnern, von dem ich in einem Buch eine Abbildung gesehen hatte. Ich konnte es nicht finden und stellte in der ASml (Arno Schmidt Mailing Liste) [7] die Frage, ob sich jemand daran erinnerte. Ich bekam einige interessante Antworten, für die ich mich herzlich bedanke [8]. Es war nicht das HeideSchlößchen, sondern es drehte sich um das MoorSchlößchen.

Bevor das EhePaar Arno und Alice Schmidt 1958 in die Lüneburger Heide, genauer nach Bargfeld, Kreis Celle, umzog, hatte man andere Pläne. In dem BriefBand „Und nun auf, zum Postauto!“ [9] findet sich für 1955 eine ganzSeitige Abbildung des MoorSchlößchens (S. 60). In einem Brief an Dr. Wilhelm Michels spricht Arno Schmidt noch von einem BehelfsHeim mit Betonfundament und schreibt: „Und dergleichen Behelfsheime erfordern dann sicherlich 2-300 Mark ...“. Das Ehepaar Schmidt, vor allen Dingen Alice Schmidt, interessierte sich dann für den „Entwurf 22“ (das MoorSchlößchen) eines ArchitekturBüros, wobei dieses Haus zu 50% unterKellert ist, die Wohnfläche wird mit 53 m² angegeben, Wohnzimmer 15,9 m², Schlafzimmer 12 m², Küche 10,8 m², Diele 9 m², also nicht mehr ein BehelfsHeim, aber doch ein sehr bescheidenes Haus. Das Haus in Bargfeld [10] war dann etwa doppelt so groß.
   
7,50 – 25,00 – 53,00 – 100,00 m², so wie Arno Schmidt werde ich auch die Größe des WinzHauses in einer größeren SpannBreite sehen müssen. Aber wir haben noch weitere Beispiele. die ich ebenfalls ausarbeiten möchte, bevor ich die Idee vom WinzHaus abschließen kann.



Links und Anmerkungen:
[1] Hinweise auf das Projekt finden sich in der Einleitung: https://rheumatologe.blogspot.com/2024/01/das-winzhaus-einleitung.html
[2] Arno Schmidt (1914-1979) war ein deutscher Schriftsteller. Er wuchs in Hamburg und Lauban (Schlesien) auf, lebte nach dem 2. Weltkrieg einige Zeit und ab 1958 dauerhaft in der Lüneburger Heide. Sein wichtigstes Werk ist „Zettel’s Traum“. https://de.wikipedia.org/wiki/Arno_Schmidt
[3] Arno Schmidt: Brand’s Haide. In: Arno Schmidt: Werke. Bargfelder Ausgabe. Werkgruppe I, Band 1, Haffmans, Zürich 1987. S. 115–198b. ISBN: 3-251-80005-1. Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Brand%E2%80%99s_Haide
[4] Arno Schmidt: Schwarze Spiegel. In: Arno Schmidt: Werke. Bargfelder Ausgabe. Werkgruppe I, Band 1, Haffmans, Zürich 1987. S. 199–260. ISBN: 3-251-80005-1. Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarze_Spiegel
[5] Hier zu sehen: https://www.faz.net/ppmedia/1.6663256/default
[6] Zen and Walden https://rheumatologe.blogspot.com/2024/02/das-winzhaus-zen-und-walden.html
[7] https://www.asml.de/liste/ Dank an Dr. Giesbert Damaschke für Idee und Pflege der Liste.
[8] Insbesondere möchte ich Gerhard Himmel, Charly Müther und Friedhelm Rathjen danken.
[9] Arno Schmidt: »Und nun auf, zum Postauto!!« Briefe von Arno Schmidt. Herausgegeben von Susanne Fischer und Bernd Rauschenbach. Eine Edition der Arno Schmidt Stiftung im Suhrkamp Verlag, BArgfeld 2013. ISBN: 978-3-518-80370-7.
[10] Hier ist ein Bild aus dem Jahr 1959 zu sehen: https://www.fr.de/assets/images/10/49/10049604-1267358606-640069-2f70.jpg. Mein eigenes Bildmaterial ist äußerst bescheiden, denn ich habe nur schnell über den Zaun in ein verwildertes GrundStück fotografiert. Ach, und Wikipedia hat auch noch ein sehenswertes Foto: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/d0/Arno_-_Schmidt_-_Bibliothek.jpg/1024px-Arno_-_Schmidt_-_Bibliothek.jpg

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Tuesday, August 27, 2024

Das WinzHaus – Die Diefenbacher Beispiele

 


Kapitel 14 –  Die Diefenbacher Beispiele

Als ich mich mit dem Gedanken beschäftigte, ein Haus in der Eifel zu erwerben, hatte ich bereits die Idee von einem WinzHaus. Das kam nicht vor ungefähr, denn ich brauchte eigentlich, nur so dachte ich damals jedenfalls, neben meiner Wohnung in Köln so etwas wie eine Datsche, ein kleines Haus, eine Laube, eben ein WinzHaus als RückzugsOrt. Wahrscheinlich waren dafür zwei Beispiele in Diefenbach ausschlagGebend:
    * eines war „Das ForstHaus“ meines Bruders und meiner Schwägerin
    * das andere war eine frühere JagdHütte am andern Ende von Diefenbach, das den SpitzNamen HotzenplotzHaus trägt.

Beim Bau Sommer 2005



Kommen wir zunächst einmal zum ForstHaus. Dieser SpitzName ist natürlich eine völlig überzogene Bezeichnung, die ich der Laube gegeben hatte, die insbesondere mein Bruder auf dem Grundstück gebaut hat. Der Zweck war eine ähnliche Überlegung, wie ich sie hatte. Es wurde eine ÜbernachtungsMöglichkeit für kurze ZeitRäume und auch eine Möglichkeit, Regen auszusitzen benötigt. Dafür war diese HolzHütte völlig ausreichend. Damals stand sie in einem FichtenWäldchen, das mehr als die Hälfte des Grundstücks bedeckt hatte. Allerdings waren die meisten Fichten bereits abgestorben und wurden bereits teilweise entfernt. Trotzdem es war noch ein kleines Wäldchen, so daß ich, als die Laube stand, sie ForstHaus nannte. Später wurde ein Haus aus Container-Elementen gebaut, diese Lösung ist auch im Internet zu sehen [2]. Das ForstHaus wurde habe weiterhin, mit immer neuen Funktionen genutzt und hat mittlerweile ein dauerhaftes Dach bekommen. Ich habe dieses diese Laube auch im Winter zum Übernachten benutzt. Und das war auch der initiale Zweck, damit man auf dem eigenen Grundstück nicht im Zelt etwa übernachten mußte. Trotzdem ist eine nicht isolierte HolzHütte eine ziemliche Herausforderung beim Klima der Eifel. Nicht nur die Hütte, auch die Umgebung hat Wandlungen durchgemacht. Zunächst war der Wald völlig verschwunden, da bei Befall mit Borkenkäfer die Fichten gefällt werden mußten, aber mittlerweile ist wieder ein neuer Wald entstanden,   viel schöner übrigens, weil er nicht aus Fichten, sondern aus Buchen und anderem Gehölz besteht. Also ist es für mich immer noch ein ForstHaus.



Das andere WinzHaus steht am anderen Ende von Diefenbach, zwischen Diefenbach und dem Scheidhof. Es etwas einsamer gelegen und trägt vielleicht darum den Spitznamen HotzenplotzHaus. Es war sicherlich früher eine JagdHütte. Wahrscheinlich war es nur kurz als Unterstand gedacht, vielleicht auch zum Ausweiden von Wild. Aber auf jedem Fall ist es kaum ein Ort, der  zum Wohnen geeignet wäre. Es gibt ein UnterGeschoss oder Keller, einen  HauptRaum und darüber einen DachBoden. Damit sind UnterWelt, Erde und Himmel symbolisch dargestellt, wie es Mircea Eliade vor fast 70 Jahren beschrieb [3].

Als Unterkunft für das Wochenende oder als andere kurzfristige Lösung wäre das HotzenplotzHaus denkbar. Es gibt es kein fließend Wasser; ich meine aber ein QuellGrund des Kuttenbaches läge auf oder am Rande des GrundStück. Und eine StromLeitung ist auch nicht zu sehen, aber das Problem kann man mittlerweile mit einem Solar-Panel lösen. Prinzipiell wird das WinzHaus als WochenendHaus genutzt. Ich kann mich in all den Jahren, die ich in Diefenbach zu Besuch war oder wohne nur an ein einziges Mal erinnern, daß ich dort jemanden gesehen hätte. Das Haus ist mit ca. 9 qm Grundfläche selbstverständlich viel zu klein. Und deshalb stehen viele Dinge draußen und es wurde ein Schuppen daneben gesetzt.

Was aber bedeuten mir diese beiden Beispiele? Sie zeigen ganz deutlich, daß  auch ein WinzHaus nicht zu winzig sein darf, um mehr als eine NotUnterkunft  sein zu können. Ein WinzHaus sollte ließend Wasser, AbwasserVerbindung und vielleicht eine StromVerbindung haben. Sicherlich kann man sich wie mit einem GartenHäuschen auch mit einem PlumpsKlo und weniger Hygiene bescheiden,   aber wenn man länger als zwei Tage/Nächte so etwas unternehmen möchte, so zum Beispiel im Sommer, den es auch in der Eifel gibt, dann ist die Lösung so zum Scheitern verurteilt. Trotzdem wird die Idee des WinzHauses, die  Gigantomanie zu verlassen und wieder in kleineren Dimensionen zu denken, durch solche Beispiele voran getrieben.



Links und Anmerkungen:
[1] Hinweise auf das Projekt finden sich in der Einleitung: https://rheumatologe.blogspot.com/2024/01/das-winzhaus-einleitung.html
[2] https://www.archdaily.com/408980/containerlove-lhvh-architekten/51f81912e8e44e3ef700010b-containerlove-lhvh-architekten-photo  So sah es vor ca. 12-14 Jahren aus.
[3] „Der Ruf des Kwakiutl-Neophyten: <Ich bin im Zentrum der Welt!>, enthüllt eine der tiefsten Bedeutungen des heiligen Raums. Wo eine Hierophanie zur Durchbrechung der Ebenen geführt hat, ist zugleich eine <Öffnung> nach oben (in die göttliche Welt) oder nach unten (zu den unteren Regionen, der Totenwelt) entstanden. Die drei kosmischen Ebenen – Erde, Himmel und Unterwelt – sind miteinander in Verbindung gesetzt.“   Mircea Eliade: Das Heilige und das Profane. Vom Wesen des Religiösen. Rowohlt, Hamburg 1957.  S. 22.

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Thursday, July 18, 2024

Das WinzHaus – Interludium nach der Reise in die baltischen Länder

 


Kapitel 13 –  Interludium nach der Reise in die baltischen Länder

Schon während der Reise durch die baltischen Länder hatte ich Ideen zum WinzHaus. Insbesondere die kleineren Häuser hatten mich fasziniert. Zu den Ideen, die daraus entwickelten, kam noch ein ganz merkwürdiges Erlebnis. Ich hatte zufällig beim Recherchieren einer ganz anderen Sache den Unabomber Ted Kaczynski [2] auf dem Schirm. Als ich den Artikel in Wikipedia las, sah ich plötzlich, daß Kaczynski auch in einem WinzHaus gelebt hatte.

Ted, oder korrekter Theodore John Kaczynski, lebte von 1942 bis 2023, da hat er sich im Gefängnis das Leben genommen. Er war ein mathematisches Genie und lehrte Mathematik an der Harvard Universität. Nur kurz nach seiner Anstellung zog er sich in die Berge von Montana zurück und zwar bei Lincoln. Durch diese Gegend führte auch die Expedition von Meriwether Lewis und William Clark Anfang des 19. Jahrhunderts [3]. Montana liegt durchschnittlich 1040 m hoch, das liegt über dem Durchschnitt für die Vereinigten Staaten von Amerika [4], und wenn wir schon dabei sind, Tadschikistan liegt mit 3.186 m durchnittlicher Höhe am höhsten. Montana ist mit einer Dichte von 2,8 Einwohnern pro qkm dünn besiedelt. Dort lebte Kaczynski nun in einer Hütte. Ein Bild davon kann man sich auf Wikipedia ansehen [5]. Und man kann es mit der Replika der Hütte von Henry David Thoreau vergleichen [6]. Gruselig, nicht wahr?!  Kaczynski lebte dort ohne Elektrizität und fließend Wasser. Und dann kam er auf die Idee, eine Briefbomben-Kampagne zu starten, die gegen Menschen gerichtet war, die seiner Meinung nach die moderne Technologie vorantreiben und die natürliche Umwelt zerstören; er wurde zum Unabomber, denn so nannte ihn die Presse nach dem Akten-Identifizier-Kürzel des FBI: UNABOM (University and Airline Bomber). Ich fühlte mich ein wenig an den Steppenwolf von Hermann Hesse erinnert: „Nur töten wir nicht aus Pflicht, sondern zum Vergnügen, oder vielmehr: aus Mißvergnügen, aus Verzweiflung an der Welt.“ [7]



Während der Reise durch das Baltikum fiel mir auf, daß die älteren Häuser kleiner als in Deutschland waren. Ich habe sie allerdings teilweise nur aus dem Bus fotografieren können. Eines in Estland ist wahrscheinlich ein altes Fischerhaus, das nun als Ferienhaus dient. Ich bin der Überzeugung, daß historisch das geringere Einkommen und die harscheren Wetterbedingungen ausschlaggebend für geringere Größe sind. Kleinere Häuse benötigen weniger Kapital zum Bau und sind günstiger bei der Heizung, denn die Winter dort sind kontinental, also hart, noch heute friert das Haff zu.

In Lettland auf der kurischen Nehrung konnte ich ein modernes WinzHaus bewundern. Es war ähnlich gestaltet wie die in der Wüste des Wadi Rum [8]. Ich habe dieses Modell noch an anderer Stelle gesehen.


Ein älteres WinzHaus konnte ich ganz gut auf dem Gut Orellen in Lettland sehen. Es ist ein historisches WinzHaus und war für die Kinder als SpielHaus gedacht.

Wenn ich eines von der Reise mitnehme, dann ist es: Habt Mut, in kleineren Maßstäben zu denken!


Links und Anmerkungen:
[1] Hinweise auf das Projekt finden sich in der Einleitung: https://rheumatologe.blogspot.com/2024/01/das-winzhaus-einleitung.html
[2] https://en.wikipedia.org/wiki/Ted_Kaczynski [9]
[3] https://en.wikipedia.org/wiki/Lewis_and_Clark_Expedition
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_durchschnittlicher_H%C3%B6he
[5] Direkter Link auf das Bild: https://en.wikipedia.org/wiki/Ted_Kaczynski#/media/File:Cabin_outside_1_0.jpg
[6] Direkter Link auf das Bild: https://en.wikipedia.org/wiki/Henry_David_Thoreau#/media/File:Replica_of_Thoreau's_cabin_near_Walden_Pond_and_his_statue.jpg
[7] Hermann Hesse: Der Steppenwolf. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 1961, S. 219
[8] So wie im 10 Kapitel erwähnt: https://rheumatologe.blogspot.com/2024/03/das-winzhaus-winzhauser-im-film.html oder auch hier: https://rheumatologe.blogspot.com/2022/04/wadi-rum-and-mars.html
[9] Beim Korrekturlesen stieß ich in meinen Unterlagen auf zwei seiner Veröffentlichungen:
Anti-Tech Revolution: Why and How. Fitch & Madison Publishers, 2016. ISBN 978-1-944228-00-2. Und: Technological Slavery: Volume 1 (enhanced 4th ed.). Fitch & Madison Publishers, 2022. ISBN 978-1-944228-03-3.
Das erinnerte mich an: Zerstörung durch Fortschritte der Technologie (ZFT), einem fiktiven Buch, das in Fringe – Grenzfälle des FBI eine Rolle spielt. https://de.wikipedia.org/wiki/Fringe_%E2%80%93_Grenzf%C3%A4lle_des_FBI

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Thursday, June 20, 2024

Das WinzHaus – Rundbauten als traditionelle Lösungen


Kapitel 12 – Rundhütten in Mali, nordamerikanische Tipis, Gers und Jurten in Zentralasien [2]

Bei den traditionellen Lösungen, wie ich sie hier vorstelle – es gibt natürlich weit mehr –, ist der Kreis als Grundfläche das bindende Element. Eine Lösung, nämlich das Iglu, habe ich bereits vorgestellt [3]. Nun habe ich vor mich den  Rundhütten in Mali, nordamerikanischen Tipis, Gers und Jurten in Zentralasien zu nähern. Verschiedene dieser Rundbauten habe ich besucht, bewohnt, aufgebaut oder auch nur gesehen.

So bewohnt, drinnen ist mein Koffer

Details der Konstruktion


Rundhütten in Mali
Rundhütten waren eher aus der ferne zu sehen, die Dörfer und Kleinstätte bestehen aus Häusern, teilweise aus Ziegeln und in den sehr trockenen Gebieten auch aus Lehm. Im Dogon-Gebiet sah ich einige Rundbauten außerhalb der Dörfer, vielleicht aber handelte es sich um die Hütten von Viehnomaden. Andererseits war der Konflikt zwischen den nomadisierenden Fulani und den seßhaften Dogon so stark, daß ich direkt auch wieder in Zweifel ziehen muss; für die Bauten an sich hat es keinen Einfluß.
Ich war mit Freunden durch den Busch von Timbuktu über Gossi gekommen. Gossi am See war ziemlich heruntergekommen, aber dann sahen wir einen Monolithen und eine Gruppe wie die Olgas mit einer Landschaft wie in „Picknick am Hanging Rock“. Wir waren in Hombori im Campement Tondanko, wo wir aus romantischen Gründen zwei traditionellen Hütten den Hotelzimmern, die wie Gefängniszellen aussahen, vorgezogen haben [4]. Die Hütten waren sauben und auch angenehm, was die Temperatur anging. Interessanterweise waren Insekten kein Problem. Die runde Holzkonstruktion trug Wände aus Strohmatten und ein Strohdach. Diese Hütten gibt es auch in einer stabileren Ausführung mit Lehmwänden.
Es gibt also ein traditionelles Vorbild und man hat es im Touristik-Sektor etwas adaptiert. Ich meine, daß sich diese Lösung der Sahelzone nicht für Mitteleuropa eigbet, nicht einmal im Sommer. Es ist einfach zu nass.


Tipis in der Eifel





Die nordamerikanischen Tipis
Für Tipis habe ich keine eigene Erfahrung obwohl ich vielmals die USA bereist habe; es waren mehr Reisen in Großstädte, Florida oder Hawaii, so daß ich Tipis nicht besuchen konnte. „Tipi ist die Bezeichnung für ein Zelt einiger Indianervölker Nordamerikas.“ [5] Dieses Wort geht auf ein Wort der Lakota-Sprache zurück und bedeutete früher „sie wohnen dort“, im heutigen Gebrauch bedeutet es Haus, Heim. Wir meinen es von Karl May her zu kennen, aber der schreibt Wigwam, das stammt aus der Sprache der Kiowa (anderes Prärievolk) und bedeutet Behausung. Klara May hatte während der Amerikareise 1907 Karl May vor einem Tipi aufgenommen und das kann man sich auch ansehen [6]. Wahrscheinlich kennen wir die Tipis/Wigwams besser aus den Winnetou-Filmen mit Pierre Brice und Lex Barker, die größtenteils in Kroatien gedreht worden sind.
Die Prärievölker mußten den Bisons hinterher ziehen und waren auf schnell auf- und abbaubare sowie gut transportierbare Behausungen angewiesen. Dünne Nadelbaumstämme wurden im Kreis [7] aufgestellt und früher Felle stäter Zeltplanen darum gelegt bzw. befestigt. Die Felle wurden früher mit Steinen am Boden festgehalten, so daß man noch heute Lagerplätze ausmachen kann. Später wurden die Planen wie beim heutigen Zelt eingepflockt. In der Mitte war ein Feuer und ober blieb eine Öffnung frei und wurde teilweise bedeckt (bei Niederschlag). Von unten war Belüftung notwendig und die kam durch die ca. 10 cm hohe Öffnung durch das Anpflocken und Rauchöffnungen zustande. Es ergab sich ein Kamineffekt, so daß es unten im Tipi keinen Rauch gab. Im Allgemeinen war der Eingang nach Osten (Sonnenaufgang) ausgerichtet. Es gab auch im Tipi Felle, die in ca. 1,5m Höhe befestigt wurden, um einen besseren Windschutz zu bieten.
Ich habe hier in der Eifel Tipis entdeckt und nehme an, daß sie für Jugendliche gedacht sind. Ich habe uch von Waldkindergärten gehört, die Tipis benutzen, wenn es zu stark regnet.


Das Ger im Ger

Typisches Ger der Nomaden im Tal unterhalb der Berge


Das Ger des Kamelzüchters
Blick aus dem Ger



Gers und Jurten in Zentralasien
Gers und Jurten habe ich in verschiedenen Ländern Zentralasiens auf Reisen kennengelernt. An besten aber kenne ich sie aus der Mongolei. Dort habe ich verschiedene Nomaden besuchen können in unterschiedliche Landschaften, wie der Bergregion und der Sandwüstenregion (Kamelzüchter). Ich habe sowohl die Gers – so heißen die Jurten in der Mongolei – der Mongolen als auch der Kasachen kennengelernt. Ich habe vielfach in Gercamps übernachtet, denn außerhalb von Ulaanbaatar gibt es kaum Hotels. Und ich habe mehrfach beim Aufstellen von Gers geholfen.
Das mongolische Ger hat innere Pfosten, um den Kranz zu stützen, in den die Stangen gesteckt werden; dies ist einer der Unterschiede zu anderen Arten von Jurten [8]. Die runde Form wird durch ein Gitterwerk aus Holz strukturiert, an dem die Stangen für das Dach befestigt werden, nachdem sie in den Kranz gesteckt worden waren. Die Außenseite wird mit Filz bedeckt und dann mit Segeltuch bedeckt. Es gibt auch einen Türrahmen und eine Tür, die traditionell nach Süden zeigt. Im Norden befindet sich das Familienheiligtum, der Westen ist die für Männer/Ehemann, während der Osten für Frauen/Ehefrau gedacht sind. In der Mitte befindet sich ein Ofen aus Stahlblech, auch in der Touristenversion, da es selbst früh oder spät in der Saison kalt werden kann. Die meisten Leute benutzen heutzutage Holz, aber auch getrockneter Dung heizt hervorragend. Die Jurte ist sehr schnell glühend heiß, aber wenn das Feuer ausgebrannt ist, ist es genauso schnell wieder kalt.
Die Nomaden in der Mongolei ziehen anders umher, als wir das annehmen. Sie ziehen viel seltener umher, es gleicht mehr dem Almauf- und -abtrieb in den Alpen. Ich traf ein älteres Ehepaar, das gerade erst auf der Sommerweide angekommen war; sie waren 150 km unterwegs gewesen.
Die Gercamps für in- wie ausländische Touristen habe die Gers auf Betonsockel gestellt. Darüber ist meist ein Holz bzw. Linoleum-Boden. Diese Gers werden vor dem Winter abgebaut. Die Lust in der Mongolei ist sehr viel trockener als unsere Luft. Aber auch so muss man sich vor Feuchtigleit und Schimmel schützen. Ich habe gesehen, daß man auch bei den Tourismus-Gers die Plan unter anhebt, um zu belüften. Ich habe aber auch gesehen, wie Gers in Überschwemmungsgebieten standen, und es kaum Möglichkeiten gab zum Trocknen.
Kommen wir zur Eifel. Immer, wenn ich von Diefenbach nach Köln will und über Bahrhaus fahre sehe ich eiige Jurten bzw. Gers. Ich hatte nun das Glück mit den den Betreibern sprechen zu können. Diese Jurten haben ein Betonfundament und daraus ist ein Holzfußboden gesetzt, denn die Jurten werden ganjährig genutzt. Non Innen kann man das Scherenmuster erkennen und auch die Stützpfeiler für den Dachkranz. Innerhalb der Plane ist eine Isolierschicht. Die Beheizung erfolgt nicht mit offenem Feuer sondern durch Strahler von oben. Das ist geschickt gemacht, denn die Wärmestrahlung geht nach unten und erst dann vom Boden in Richtung Wände. So, wie die Jurten/Gers hier betrieben werden, ist Schimmelbildung kein Thema.

Man sieht die Heizstrahler erst, wenn man genau hinschaut,
dafür aber ist die Scherengitter- und Stangen-Konstruktion
mit dem aufgestützten Kranz gut zu erkennen.





Von allen vorgestellten Möglichkeiten ist im Garten am ehesten die Jurte bzw. das Ger erfolgversprechend. Je mehr Zeit man ganzjährig dort verbringt, desto weniger bekommt man Problem durch unsere Witterung.



Links und Anmerkungen:
[1] Hinweise auf das Projekt finden sich in der Einleitung: https://rheumatologe.blogspot.com/2024/01/das-winzhaus-einleitung.html
[2] Man mag jetzt anmerken, daß es sich vom 11. zum 12. Kapitelnetwas hingezogen hat. Ich haderte, ob es nicht drei Kapitel sein sollten und dann recherchierte ich noch vor Ort in der Eifel. Afrika, Amerika, Asien – was hat da die Eifel zu suchen? Ich habe hier Umsetzung zweier traditioneller Lösungen hier in der Rifel gesehen.
[3] Iglu https://rheumatologe.blogspot.com/2024/03/das-winzhaus-winzhauser-im-film.html
[4] Englischer Text des aufgearbeiteten Reise-Tagebuch von 2007 –  https://rheumatologe.blogspot.com/2023/11/travelogue-mali-2007-no-11-gossi-and.html
[5] Das meiste Wissen stammt aus den Wikipedia-Artikeln:
https://de.wikipedia.org/wiki/Tipi und https://en.wikipedia.org/wiki/Tipi
[6] https://www.karl-may-wiki.de/index.php/Tipi
[7] Fast ein Kreis, mathematisch gesehen ist es ein Vieleck. In dem die inneren und äußeren Polygone immer mehr dem Kreis durch Erhöhung ihrer Anzahl annäherte, konnte man Kreiszahl pi (π) bestimmen. Es gibt jedoch schnellere Methoden der Berechnung. Ende der Anschweifung.
[8] Das kann man sich auf Englisch durchlesen und anschauen: https://rheumatologe.blogspot.com/2022/10/mongolia-staying-in-ger.html und für die kasachische Jurte: https://rheumatologe.blogspot.com/2024/02/mongolia-yurt-of-kazakhs.html. Das kasachische Wort für Jurte ist Kiis üi (киіз үй), was Filzhaus bedeutet. Hier sind auch die Unterschiede zum Ger beschrieben.   

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