Und unter den geschloss'nen Lidern fahren
Die Schatten alter Sünden hin und her.
Annette von Droste-Hülshoff [1]
Die Schatten alter Sünden hin und her.
Annette von Droste-Hülshoff [1]
Der Der heutige Sonntag ist der elfte Sonntag nach dem Trinitatis-Fest [2]. Nun war ich gerade aktuell nicht im Gottesdienst in Köln, aber das sollmich nicht abhalten, etwas zu Köln und der Zahl 11 zu sagen. Köln ist die Stadt der Zahl Elf. Wer denkt nicht an die 11 Flammen im Wappen, die für die 11.000 Jungfrauen stehen, die von den Hunnen vor den Toren Köln gemeuchelt worden sein sollen. 11.000 Jungfrauen! Elf hätten schon gereicht. Der Hunnenprinz bot Ursula der Leben an, wenn sie ihn heiraten würde, aber sie lehnte ab und wurde zur Märtyrerin und damit zur späteren Heiligen von Köln [3]. Die Wochenspruch lautet [4]: „Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“ Dieser Sonntag stellt die Demut als Tugend in den Mittelpunkt. „Mein Haus, mein Auto, mein Jacht“ mögen am Stammtisch zählen, aber sie zählen nicht vor Gott. Wir können uns nicht mit unseren Werken vor Gott brüsten.
Gehen wir doch einmal dem Satz „Wir können uns nicht mit unseren Werken vor Gott brüsten“ nach. Im zweiten Brief an die Galater lesen wir [5]: „Doch weil wir wissen, dass der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch des Gesetzes Werke wird kein Mensch gerecht.“ Paulus spricht sich gegen eine Restauration jüdischer Gesetzestreue in der jungen heidenchristlichen Gemeinde aus, die nach seiner Weiterreise durch Judenchristen propagiert worden war. Schon im Kontext der frühchristlichen Gemeinschaft war die Schärfe dieses Satzen offensichtlich, aber erst im 16. Jahrhundert arbeitete Martin Luther aus dem „gerecht werden durch den Glauben“ das „allein aus Glauben“ heraus [6]. Dies aber führte zur Kirchenspaltung.
Das Evangelium für den heutigen Sonntag steht bei Lukas und darin wird das Gleichnis von Pharisäer und vom Zöllner [7]: Der Pharisäer betete: „Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!“ Einige Dinge macht er schon richtig, denn wenn seine Frömmigkeit Fasten und das Abgeben des Zehnten umfaßt, ist dem nichts entgegen zu stellen. Aber er vergleicht sich und dabei kommen die anderen schlecht weg; darin liegt sein Fehler. Er nimmt sich also ein Urteil, das nur Gott zusteht, heraus. Der Zöllner ist sich aller seiner Sünden oder Verfehlungen bewußt. Er wagt nicht zum Himmel und Gott aufzusehen. Aber dann macht er etwas richtig. Er überläßt sich Gottes Urteil und Gnade.
Das Gesteck in Kall ist wieder mit viel Freude zusammengestellt worden. Jona springt nur scheinbar und auch ganz zufällig aus ihm hervor. Die Sonnenblume zeigt den aktuellen Sommer auf, ist aber auch eine Blume, die gerne zum Erntedank aufgestellt wird. Die Natur eilt durch die Dürre auf Herbst und Erntedank zu. Ich möchte nicht versäumen, auf das zarte Grün (liturgische Farbe) im Gesteck hinzuweisen.
Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).
Links und Anmerkungen:
[1] Annette von Droste-Hülshoff: Das geistliche Jahr. Union Verlag, Berlin 1952. S. 122-123. Am XII. Sonntage nach Pfingsten.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/11-sonntag-nach-trinitatis/
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Ursula_von_K%C3%B6ln
[4] 1. Petr 5,5b
[5] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GAL.2 Gal 2,16–21
[6] Jürgen Kaiser: Pure Provokation. Zentraler Eckstein. In:
zeitzeichen 8/2024, ISSN: 1616-4164. S. 58.
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