Ich hatte mir vorgenommen, Zeitschriften, Papieren, Notizen auszusortieren und da fand ich einige Ausgaben des Kölner Rundbriefes der Priesterbruderschaft St. Petrus (im weiteren Petrusbruderschaft genannt [1]. Zu den Gründern zählten Priester und Seminaristen der Piusbruderschaft [2]. Wir kommen noch darauf zurück. Beiden Bruderschaften ist der Traditionalismus gemein. Reformen, Lehren und Ansichten des Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) werden abgelehnt, insbesondere die Liturgiereform; unter [2] steht mehr dazu. Traditionalismus ist aus meiner Sicht ein Euphemismus für erzkonservativ oder erzreaktionär.
Was schreibt nun P. Bernhard Gerstle in seinem Leitartikel? Er berichtet im Rundbrief Nr. 276 über eine Privataudienz der Generaloberen der Petrusbruderschaft bei Papst Leo XIV. [3]. „Das Treffen diente vor allem dem Kennenlernen und dem Austausch von Informationen.“ Der Bericht der Visitation im Jahr 2025 stand noch aus, aber man hoffte, daß der Bericht positiv ausfallen würde. Ich habe gerade nachgeschaut, aber mehr als die Ankündigung der Visitation vom September 2024 habe ich im Internet nicht gefunden.
Im Rundbrief Nr. 280 berichtet P. Gerstle über die unerlaubten Bischofsweihen der Piusbruderschaft vom 1. Juli 2026 [4]. Die Bischöfe de Galaretta und Fellay der Bruderschaft weihten vier Priester zu Bischöfen. Das hatte zur Folge, daß die beiden konsekrierenden Bischöfe (waren die nicht schon exkommuniziert?) sowie die vier neuen Bischöfe exkommuniziert [5] wurden. Auch die Kleriker, die weiterhin Mitglieder der Bruderschaft bleiben, werden sich die Kirchenstrafe der Exkommunikation zuziehen. Mit den neuerlichen Bischofsweihen hat sich ein Schisma ergeben – eigentlich schon 1988 mit den von Erzbischof Lefebvre vorgenommenen Bischofsweihen, aber man versuchte zu kitten, was noch zu kitten sein könnte.
Sämtlich großen Religionen machen Spaltungen durch. Vergleichen Sie einmal Theravāda, Mahayana, Vajrayana und Navayana im Buddhismus [6]. Oder die Spaltungen im Islam – erwähnen Sie nur nicht den Sufismus in Saudi Arabien!
Ob sich bei den katholischen Geschwistern noch weitere Schismen auftun, könnte mir ja egal sein. Aber die Zahlen sprechen für sich. 1950 fühlten sich noch 95% der Bevölkerung den beiden Volkskirchen zugehörig. 1990 ging man nach der Wiedervereinigung immer noch von 72% aus, während diese Zahl mittlerweile unter 50% liegt. Können wir es uns noch leisten, im christlichen Glauben immer noch weitere Aufsplitterungen durchzuführen? Eigentlich ist es kontraproduktiv, aber es läßt sich nicht vermeiden. Vielleicht ist die Vielfalt für das Überleben auch eine wertvolle Strategie. Die Natur macht es uns vor – der Fachbegriff ist Gendrift [7], ein wichtiger Evolutionsfaktor. Vielleicht sollte man weniger Kittversuche unternehmen als herausfinden, was denn gemeinsam möglich ist. Und wenn die einen die Messe auf Latein führen wollen, warum denn nicht? Andererseits begannen die evangelischen Gottesdienste bereits 1521 mit der deutschen Sprache – bei römisch-katholischen Messen dauerte es etwa 450 Jahre länger.
Links und Anmerkungen:
[1] „Die Priesterbruderschaft Sankt Petrus (lateinisch Fraternitas Sacerdotalis Sancti Petri, Ordenskürzel FSSP) ist eine römisch-katholische Gesellschaft apostolischen Lebens päpstlichen Rechts von Klerikern.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Priesterbruderschaft_St._Petrus
[2] „Die Priesterbruderschaft St. Pius X. (lateinisch Fraternitas Sacerdotalis Sancti Pii X, Kürzel FSSPX, umgangssprachlich oft Piusbruderschaft oder Piusbrüder) ist eine Priestervereinigung von aus der römisch-katholischen Kirche ausgeschlossenen Traditionalisten.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Priesterbruderschaft_St._Pius_X.
Der Holocaustleugner Bischof der Piusbruderschaft Richard Williamson wurde in Deutschland wegen Volksverhetzung verurteilt.
[3] Kölner Rundbrief / Priesterbruderschaft St. Petrus, Nr. 276. Februar/März 2026. S. 1.
[4] P. [Bernhard] Gerstle: Die unerlaubten Bischofsreihen der Piusbruderschaft und ihre Folgen. In: Kölner Rundbrief / Priesterbruderschaft St. Petrus, Nr. 280. Februar/März 2026. S. 2-3.
[5] Ist in der heutigen welt nicht mehr so katastrophal wie früher. Schon gar nicht mit dem Excommunicado in den John Wick filmen mit Keanu Reeves zu vergleichen.
[6] Habe ich gerade herausgesucht, weil ich den einen oder anderen Artikel vielleicht für einen Artikel zur Mongolei benötige:
https://de.wikipedia.org/wiki/Theravada
https://de.wikipedia.org/wiki/Mahayana
https://de.wikipedia.org/wiki/Vajrayana
https://de.wikipedia.org/wiki/Navayana
[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Gendrift
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Was schreibt nun P. Bernhard Gerstle in seinem Leitartikel? Er berichtet im Rundbrief Nr. 276 über eine Privataudienz der Generaloberen der Petrusbruderschaft bei Papst Leo XIV. [3]. „Das Treffen diente vor allem dem Kennenlernen und dem Austausch von Informationen.“ Der Bericht der Visitation im Jahr 2025 stand noch aus, aber man hoffte, daß der Bericht positiv ausfallen würde. Ich habe gerade nachgeschaut, aber mehr als die Ankündigung der Visitation vom September 2024 habe ich im Internet nicht gefunden.
Im Rundbrief Nr. 280 berichtet P. Gerstle über die unerlaubten Bischofsweihen der Piusbruderschaft vom 1. Juli 2026 [4]. Die Bischöfe de Galaretta und Fellay der Bruderschaft weihten vier Priester zu Bischöfen. Das hatte zur Folge, daß die beiden konsekrierenden Bischöfe (waren die nicht schon exkommuniziert?) sowie die vier neuen Bischöfe exkommuniziert [5] wurden. Auch die Kleriker, die weiterhin Mitglieder der Bruderschaft bleiben, werden sich die Kirchenstrafe der Exkommunikation zuziehen. Mit den neuerlichen Bischofsweihen hat sich ein Schisma ergeben – eigentlich schon 1988 mit den von Erzbischof Lefebvre vorgenommenen Bischofsweihen, aber man versuchte zu kitten, was noch zu kitten sein könnte.
Sämtlich großen Religionen machen Spaltungen durch. Vergleichen Sie einmal Theravāda, Mahayana, Vajrayana und Navayana im Buddhismus [6]. Oder die Spaltungen im Islam – erwähnen Sie nur nicht den Sufismus in Saudi Arabien!
Ob sich bei den katholischen Geschwistern noch weitere Schismen auftun, könnte mir ja egal sein. Aber die Zahlen sprechen für sich. 1950 fühlten sich noch 95% der Bevölkerung den beiden Volkskirchen zugehörig. 1990 ging man nach der Wiedervereinigung immer noch von 72% aus, während diese Zahl mittlerweile unter 50% liegt. Können wir es uns noch leisten, im christlichen Glauben immer noch weitere Aufsplitterungen durchzuführen? Eigentlich ist es kontraproduktiv, aber es läßt sich nicht vermeiden. Vielleicht ist die Vielfalt für das Überleben auch eine wertvolle Strategie. Die Natur macht es uns vor – der Fachbegriff ist Gendrift [7], ein wichtiger Evolutionsfaktor. Vielleicht sollte man weniger Kittversuche unternehmen als herausfinden, was denn gemeinsam möglich ist. Und wenn die einen die Messe auf Latein führen wollen, warum denn nicht? Andererseits begannen die evangelischen Gottesdienste bereits 1521 mit der deutschen Sprache – bei römisch-katholischen Messen dauerte es etwa 450 Jahre länger.
Links und Anmerkungen:
[1] „Die Priesterbruderschaft Sankt Petrus (lateinisch Fraternitas Sacerdotalis Sancti Petri, Ordenskürzel FSSP) ist eine römisch-katholische Gesellschaft apostolischen Lebens päpstlichen Rechts von Klerikern.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Priesterbruderschaft_St._Petrus
[2] „Die Priesterbruderschaft St. Pius X. (lateinisch Fraternitas Sacerdotalis Sancti Pii X, Kürzel FSSPX, umgangssprachlich oft Piusbruderschaft oder Piusbrüder) ist eine Priestervereinigung von aus der römisch-katholischen Kirche ausgeschlossenen Traditionalisten.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Priesterbruderschaft_St._Pius_X.
Der Holocaustleugner Bischof der Piusbruderschaft Richard Williamson wurde in Deutschland wegen Volksverhetzung verurteilt.
[3] Kölner Rundbrief / Priesterbruderschaft St. Petrus, Nr. 276. Februar/März 2026. S. 1.
[4] P. [Bernhard] Gerstle: Die unerlaubten Bischofsreihen der Piusbruderschaft und ihre Folgen. In: Kölner Rundbrief / Priesterbruderschaft St. Petrus, Nr. 280. Februar/März 2026. S. 2-3.
[5] Ist in der heutigen welt nicht mehr so katastrophal wie früher. Schon gar nicht mit dem Excommunicado in den John Wick filmen mit Keanu Reeves zu vergleichen.
[6] Habe ich gerade herausgesucht, weil ich den einen oder anderen Artikel vielleicht für einen Artikel zur Mongolei benötige:
https://de.wikipedia.org/wiki/Theravada
https://de.wikipedia.org/wiki/Mahayana
https://de.wikipedia.org/wiki/Vajrayana
https://de.wikipedia.org/wiki/Navayana
[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Gendrift
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