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Tuesday, December 30, 2025

Die XXL-Bank unterhalb des Lierbergs bei Sötenich


Vor etwas über zwei Jahren hörten wir in der Nachbarschaft viel über die XXL-Bank bei Sötenich. Ich hatte sie damals nach den Gesprächen mit zwischen Sötenich und Rinnen, also östlich vom Pferdekopf verortet. Das war aber falsch. Und heute (30.12.2025) war sehr schönes Wetter und ich wußte mittlerweile, wo die Bank aufgestellt worden ist [1]. Es war kalt, aber die Sonne schien und auf dem Weg zum Einkaufen habe ich in Sötenich und zwar auf der Straße zum„Zum Elzenberg“ geparkt und den Zuweg zum Römerkanalweg genommen. Das Stück Römerkanal, das dort hervorkommt, ist im Moment gar nicht so ansehnlich, weil es von Regen unterspült worden ist. Knapp darüber ist ein Kriegerdenkmal, das nach Gestaltung von Hubert Schlemmer 1931 vom Sötenicher Eifelverein errichtet wurde. Verbaut wurde damals auch ein ca. 90 Zentner schwerer Dolomitstein aus der Burgruine „Stolzenburg“.





Man geht dann rechts am Kriegerdenkmal vorbei und kommt unterhalb des Lierberges auf einen Wirtschaftsweg, über den auch der Römerkanal Wanderweg sowie die EifelSchleife Kuttenbachtal verläuft, man sieht rechts  eine Schutzhütte und geht schließlich weiter nach Nordosten. Schon sieht man die XXL Bank. Aber auf dem Weg dahin, kann man auch links an einer Bank abbiegen (also hier wird das Sprichwort „Nicht rosten, sondern rasten“ [2] umgesetzt). Man kommt durch einen Buchenwald, wobei es anfangs mehr wie ein Wald-Kinderspielplatz aussieht. Allerdings habe ich keine Menschenseele angetroffen. Es ging dann weiter bergan zur Friedens-Eiche. Die ist  interessant! Der Platz wird vom Eifelvereins / Ortsgruppe Sötenich  freigehalten. Ich dachte so für mich -: diese Eiche ist schon über 150 Jahre alt, ist sie dafür nicht etwas klein? Also ich hätte einen größeren Baumumfang vermutet. Vielleicht ist ein Nährstoffmangel Grund dafür. Bäume werden durch Nährstoffmangel dazu gebracht, Bonsai (盆栽) zu werden. Aber dann wäre das schon ein riesiger Bonsai. Ich merke schon, ich schreibe mich hier um Kopf und Kragen, wobei Kragen gestrichen werden muß, denn gewöhnlich trage ich keine Kleidungsstücke mit Kragen. Insbesondere steht neben der Riesen-Bonsai-Eiche eine Tafel, auf der eine interessant Begebenheit festgehalten wurde. Es wäre jetzt gemein, wenn ich das für Ihren Besuch der Eiche aufsparen würde und den Text für mich behielte. Wenn ich so in mich gehe – ich könnte durchaus so gemein sein! Aber nicht heute: 1871 wurde nach Ende des deutsch-französischen Krieges diese Friedenseiche gepflanzt und bei der feierlichen Zeremonie rief jemand aus: „Vive l'Empereur!“ [Lang lebe der Kaiser!] Es war ein Sötenicher, der als Anhänger Napoleons bekannt war. Aber für seinen Zuruf nicht abgestraft worden ist. Man kann dort den Weg weitergehen und kommt man wieder auf den Römerkanal Wanderweg. Aber man ist dann schon an der Bank vorbei. Also muß man entweder zurückgehen oder verzichtend auf das Spektakel weitergehen, wenn man nach Keldenich möchte, wo es ja auch interessant ist, wie ich gleich noch berichten werde.  

Die XXL Bank ist so groß, daß man sie nicht verfehlen kann. Dort kann man über eine Treppe hochsteigen und hat wirklich eine nette Aussicht auf das Land zwischen Sötenich und Keldenich. 

Man kann weiter nach Keldenich gehen und kommt an einen Bilderstock und an den Friedhof. Ich hatte bislang häufiger den Friedhof beziehungsweise die Bänke davor nach meinen Einkäufen in Kall besucht, weil es sich dort gut picknicken läßt. Zum Friedhof zum Picknicken? Nein, denn der Friedhof liegt friedlich hinter einem und man genießt die tolle Aussicht auf das Land unterhalb von Keldenich. Allerdings alle paar Jahre sät der Besitzer der Felder Mais aus. Nun ist es ja so, daß Mais nicht gerade ästhetisch im Vergleich zu einem Weizen- oder Gerstenfeld mit Klatschmohn und Kamillen ist. Andererseits ist natürlich so ein Maisfeld eine tolle Filmkulisse, wie zum Beispiel in dem Film mit Cary Grand, in dem er durch das Maisfeld rennt und schließlich durch seine Rennerei den angreifenden Flieger mit Insektenvernichtungsmitteln in einen Tanklaster dirigiert, der dann hollywoodmäßig explodiert, obwohl Sir Alfred Hitchcock Regie führte [3]. Oder der Film: „The last Stand“ mit Arnold Schwarzenegger (sprich: Schworzenegger), der mit einer Fahrt durch ein Maisfeld oder Maisfelder den Showdown einleitet [4].

Es würde mich schon interessieren, was Sie so denken, wenn Sie an der XXL-Bank vorbei kommen.






Links und Anmerkungen:
[1] https://www.kall.de/aktuelles/106070100000009941.php und
https://eifelverein-soetenich.de/index.php/startseite/startseite-2/549-xxl-bank mit der Angabe: (GPS Daten: 50°31'46.264"N, 6°33''38.955"E)
[2] Das stammt meines Wissens von Erika Fuchs.
Korrekt Frau Dr. Johanne Theodolinde Erika Fuchs (1906-2005), die uns viele Übersetzungen zur Familie um Donald Duck beschwert hat sowie den Gebrauch von Inflektiven.
https://de.wikipedia.org/wiki/Erika_Fuchs 
[3] Der Film mit Cary Grant [3a] hieß im Original „North by Northwest“ [3b]. Die Szene im Maisfeld wird in dem Film „Arizona Dream“ nachgespielt [3c]. Mir sind noch gut in Erinnerung: „Bringing Up Baby“ [Leoparden küßt man nicht],
„I Was a Male War Bride“ oder „Operation Petticoat“. Sicherheitshinweis: Nicht alle Filme an einem Tag konsumieren, denn dann hat man Muskelkater vom Lachen.
[3a] Cary Grant (1904-1986) war ein englisch-amerikanischer Schauspieler. 

https://en.wikipedia.org/wiki/Cary_Grant 
[3b] North by Northwest 

https://en.wikipedia.org/wiki/North_by_Northwest  
[3c] Arizona Dream ist ein Film von Emir Kusturica aus dem Jahr 1993 mit Johnny Depp, Faye Dunaway, Lili Taylor, Vincent Gallo (der spielt die Szene nach) und Jerry Lewis in den Hauptrollen. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Arizona_Dream 
[4] „The Last Stand“ ist US-amerikanischer Action Thriller film mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle (2013).
https://en.wikipedia.org/wiki/The_Last_Stand_(2013_film) 
Auch hier ein Sicherheitshinweis: kein Film für Autoliebhaber.  


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Monday, March 25, 2024

Rose Ausländer – Ein Leben in die WortWelt hinein

 



Die Gedichte von Rose Ausländer begleiten mich schon seit Jahrzehnten, wahrscheinlich hat mich besonders die Verdichtung angesprochen. Balladen haben mir nie so viel geben können, wie das kurze Gedicht. Das ist einer der Vorzüge des Haiku, obwohl auch dies seinen Ursprung in der lange langen Renga-Dichtung hat [1].

Warum habe ich mich jetzt, erst jetzt oder sogar schon jetzt entschlossen, über Rose Ausländer zu schreiben? Ich habe den Film „Der Traum lebt mein Leben zu Ende - Das Leben der Dichterin Rose Ausländer“ von Katharina Schubert [2] gesehen. Ich wollte früher schon über Rose Ausländer und andere LyrikerInnen der Bukowina schreiben, dachte aber, ich sollte die Landschaft und Czernowitz erst besuchen. Ein solcher Besuch muß aber auf unbestimmte Zeit verschoben werden, denn wegen des Krieges geht es nicht mehr. Die Gefahr ist dort zwar geringer als in Kiew, das ca. 500 km entfernt liegt, aber man hat Binnenflüchtlinge aufnehmen müssen. Und dann kam noch Meerbusch ins Spiel, und zwar über die Fähre von Kaiserswerth nach Meerbusch-Nierst, die bei einem Bezug zum Rhein im Film zu sehen war. Außerdem hatte ich gerade Ulysses von James Joyce gelesen und da steht [3]: „BLOOM Aurora borealis oder eine Stahlgießerei?“ Ich hatte es einmal in Meerbusch genau umgekehrt erlebt, da war einmal eine Aurora borealis (rot) zu sehen und ich dachte, es wäre der Lichtschein einer Stahlgießerei in Duisburg. So merkwürdig es klingt, aber ich schreibe gerade über Rose Ausländer (u.a.), weil James Joyce zum 16.06.1904 etwas über eine Aurora borealis eingefallen war.

Der Film ist sehenswert. Ich fand auch auch Bilder von Orten, die ich kenne. Das jüdische Viertel, das später zum Ghetto wurde, sieht ähnlich aus wie die Überreste in Odessa. Die Landschaft sieht aus wie im Buch von Anatoliy Babiychuk (Анатолій Бабійчук) über Horaivka (Гораївка) [4]. Da ich in der Ukraine mehr in Städten unterwegs war, jedoch durch die Ukraine im Zug gefahren bin, war mir das Buch von Anatoliy Babiychuk eine gute Ergänzung. Horaivka liegt in der Mittelukraine, etwa 80 km nordöstlich von Czernowitz. Der Autor und Fotograf zeigt mehr die Menschen im dörflichen Alltag, allerdings auch Landschaft.
Der Film wird der Person Rosa Ausländer gerecht. Es ist nur wenig Bild- und Filmmaterial zur Dichterin vorhanden, aber die Interviews mit Helmut Braun, dem wesentlichen Verleger der Dichterin, konnten dieses Problem gut überbrücken. Ich habe viel Neues erfahren, als was ich aus Kurzbiografien oder dem Wikipedia-Eintrag bislang erfahren hatte.

Nähern wir uns der Region Bukowina. Rosa Ausländer schrieb: „Grüne Mutter / Bukowina / Schmetterlinge im Haar“ [5]. Die Bukowina (ukrainisch Буковина, polnisch Bukowyna), Bukowina) ist eine historische Landschaft nordöstlich der Karpaten, die im Deutschen auch  Buchenland genannt wird. Ich stamme aus dem Vorort Buchforst in Köln und so hat Buchenland für mich eine romantische Färbung, so ähnlich wie das Auenland in Herr der Ringe. Die Bezeichnung Bukowina ist auf die k. u. k.-Monarchie / Österreichisch-Ungarische Monarchie zurückzuführen, während dieser Zeit wurde das Gebiet mit dem Zentrum Czernowitz so verwaltet [6], wobei das Wort schon viel früher geprägt worden war. Heute liegt der nördliche Teil in der Ukraine und der südliche Teil in Rumänien. Historisch aber war die Stadt, was wir heute multikulti nennen, denn es herrschte Kultur- und Sprachenvielfalt. Ich wage zu behaupten, daß sich dies positiv auf die Vielzahl von DichterInnen bzw. LyrikerInnen ausgewirkt hat. Mir sagen aus der langen Liste [6] nur etwas:
    Paul Celan (1920–1970) – für mich immer noch ein Superstar [7]
    Alfred Kittner (1906–1991) – Briefwechsel mit Rose Ausländer
    Alfred Margul-Sperber (1898–1967) – ist mir ein Begriff wegen „Ins Leere gesprochen“ [8]
    Selma Merbaum (1924–1942) – starb 18ährig am Fleckfieber, ihr Werk zählt zur Weltliteratur [9]
    Moses Rosenkranz (1904–2003) – sein Buch „Bukowina“ zeigt auf dem Titel eine Karte, er wurde fast 99 Jahr alt [10]
     Immanuel Weissglas (1920–1979) – er schrieb das Gedicht ER [11], die Todesfuge von Paul Celan gilt als Antwort auf dieses Gedicht.

Mich hatte Rose Ausländers Gedicht „In Memoriam Chane Rauchwerger“ besonders berührt, da es vom Hungermarsch durch Transnistrien berichtet, durch das ich mit der Eisenbahn gefahren bin. In Transnistrien kamen fast alle verschleppten Juden an Hunger, Kälte oder Mord um. Es ist im Gedicht auch vom Wunderrabbi von Sadagora die Rede. Da hatte ich einen Bezug zu Paul Celan, der sich als „aus Czernowitz bei Sadagora“ in einem Gedicht in „Die Niemandsrose“ [12] bezeichnete. Wer war nun der Wunderrabbi? Es war Israel Friedmann von Ruschyn (1797-1850) [13], nach dem die Synagoge von Sadagora benannt wurde [14], die im 2. Weltkrieg erheblich beschädigt wurde und erst 2026 restauriert worden ist. Schon nach dem Ersten Weltkrieg nahm die Bedeutung des Wunderrabbis und des Ortes ab. Rose Ausländer in dem Gedicht [15]: „...  o weiser Wunderrabbi von Sadagora / Chane Rauchwerger glaubte an dich / wo warst du / damals / wo war dein Wunder“. Das Problem solch einer Lebensgeschichte ist der richtige Zugang und ich weiß ihn nicht, einerseits erklärt sie viel, aber manchmal will man zu viel mit ihr erklären und wird der Dichterin nicht gerecht.

Rose Ausländer (geb. 11.05.1901 in Czernowitz, Österreich-Ungarn, gestorben 03.01.1988 in Düsseldorf;) wurde als Rosalie Beatrice Scherzer) geboren. Sie lebte in Österreich-Ungarn, Rumänien, den USA, Österreich und Deutschland [16]. In den 1960iger Jahren reiste sie viel, besonders in Europa, aber auch in die USA und nach Israel. Ob sie in Düsseldorf angekommen, ist möglich, aber auch unsicher, da sich ihr Bewegungsumfang nach einem Oberschenkelhalsbruch immer mehr einschränkte und sie ab 1977 bettlägerig war. Davor hatte sie eigentlich immer mit gepackten Koffern gelebt. Sie fühlte sich mehr so zu Hause wie in der Kindheit. Rose Ausländer:
„Mein Vaterland ist tot / sie haben es begraben / im Feuer // Ich lebe / in meinem Mutterland / Wort“ [17]. In den Jahren 1949-1956 schrieb sie nur auf Englisch; da habe ich noch nicht von gelesen, aber das werde ich nachholen.
Hier noch einige Daten:
1921 Auswanderung nach New York zusammen mit Ignaz Ausländer
1923 Heirat mit Ignaz Ausländer, Trennung 1926, Scheidung 1930
1927 ist sie acht Monate in Czernowitz, um die kranke Mutter zu pflegen, sie lernt Helios Hecht kennen
1928 Rückkehr in die USA, zusammen mit Helios Hecht
1931 Rückkehr nach Czernowitz, um die kranke Mutter zu pflegen
1935 Aberkennung der US-amerikanischen Staatsbürgerschaft, Trennung von Helios Hecht
1941/1944 im Getto der Stadt Czernowitz
1946 Auswanderung nach New York
1948 erneute US-amerikanische Staatsbürgerschaft
1964 Übersiedlung nach Wien
1965 Düsseldorf
1971 Einzug ins Nelly-Sachs-Haus
1977 Abbruch fast aller Außenkontakte

Helmut Braun lernte die Dichterin 1975 kennen und verlegte ihre Gedichte in seinem Verlag, der später zu Fischer ging. Es war ein glückliches Zusammentreffen und ich ich bin der Überzeugung, daß wir weniger von Rose Ausländers Gedichten rezipiert hätten, wenn er nicht den Schritt auf sie zu gemacht hätte. Bertolt Brecht schrieb: „Aber rühmen wir nicht nur den Weisen, / Dessen Name auf dem Buch prangt!“ [18] Nun ja, Brecht hatte dabei an Laotse gedacht – und ich denke an Helmut Braun und danke ihm.

Was finde ich faszinierend? Rose Ausländer schafft es, ihre Gedicht aus dem ersten Einfall immer wieder neu zu sehen. Sie kürzt, stellt um, versucht dem einzelnen Wort den richtigen Platz zuzuweisen, um so das Gedicht zu verdichten, prägnanter werden zu lassen. Schließlich hat sie sich in ein Leben in der WortWelt hineingewagt. Ungeheuerlich! Ich hoffe, daß es nicht nur uns sondern auch ihr zum Nutzen war.




Literatur und Anmerkungen:
[1] Das fängt ja gut an – ein Blogpost zu Rose Ausländer und ich fange direkt mit einer Abschweifung an. Das Renga (
連歌) ist eine japanische Gedichtform, das Kettengedicht. Es werden Tanka aneinander gereit. Das Tanka (短歌, wörtlich kurzes Gedicht) besteht aus dem Hokku  mit 5-7:5 Silben und dem Matsuku mit 7-7 Silben. Aus dem Hokku entwickelte sich das Haiku (俳句). Zwischen Tanka und Haiku besteht außer der Länge noch der Unterschied, daß in der reinen Form das Haiku eine Verbindung zur Jahreszeit haben sollte. https://de.wikipedia.org/wiki/Renga   
[2] „Der Traum lebt mein Leben zu Ende - Das Leben der Dichterin Rose Ausländer“, ein Film von Katharina Schubert (Regisseurin). Laufzeit: 1:30 Std. Mit Booklet / Begleittext „Der Steinbruch der Wörter“ von Helmut Braun. ASIN ‏ : ‎ 394403600X. Man kann sich den Film aber auch auf Youtube ansehen: https://www.youtube.com/watch?v=EqYLWI_g3XA
[3] James Joyce: Ulysses. Übers. von Hans Wollschläger. Suhrkamp Verlag,  Frankfurt am Main 2001. ISBN: 9783518412985. S. 592.
[4] Anatoliy Babiychuk (Анатолій Бабійчук): Horaivka (Гораївка). Fotoedition, (Wien) 2018. ISBN: 9783902993571.
[5] Bukowina I. https://www.lyrikline.org/de/gedichte/bukowina-i-545 
[6] Ich bin hier etwas kurz und damit ungenau im geografisch-historischen Teil, aber bei Interesse kann man sich mehr und genauere Daten hier ansehen: https://de.wikipedia.org/wiki/Bukowina 
[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Celan
[8] Alfred Margul-Sperber: Ins Leere gesprochen – Ausgewählte Gedichte 1914–1966. Rimbaud, Aachen 2002.ISBN 3-89086-792-8.
[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Selma_Meerbaum-Eisinger
[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Moses_Rosenkranz Moses Rosenkranz: Bukowina. Gedichte 1920–1997. Rimbaud, Aachen 1998. ISBN: 978-3-89086-828-8.
[11] Das Gedicht ER ist hier einsehbar:  
http://www.planetlyrik.de/immanuel-weissglas-poesiealbum-334/2017/12/
[12] Paul Celan: Die Gedichte. Kommentierte Gesamtausgabe, suhrkamp taschenbuch 3665.
Suhrkamp, Frankfurt am Main 2012. ISBN: 9783518456651. S. 135.
[13] https://de.wikipedia.org/wiki/Israel_Friedmann
[14] https://de.wikipedia.org/wiki/Chassidische_Synagoge_(Sadagora)
[15] Rose Ausländer: Schweigen auf deine Lippen. Späte Gedichte aus dem Nachlass. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1994. S. 120.
[16] https://de.wikipedia.org/wiki/Rose_Ausl%C3%A4nder
[17] Mutterland http://wwwalt.phil-fak.uni-duesseldorf.de/frauenarchiv/fka_neu/gedichte/articles/auslaender/index.php?text=mutterland
[18] Bertolt Brecht: Die Gedichte in einem Band. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004. ISBN: 3-518-02269-5. S. 660-663 (663).

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Saturday, March 16, 2024

Das WinzHaus – WinzHäuser im Film

 



Raum ist in der kleinsten Hütte
Friedrich Schiller [2]


Kapitel 10 – WinzHäuser im Film

Das Thema WinzHäuser im Film ist prinzipiell zu umfangreich für einen Blogpost, aber man kann sich ja auch beschränken, denn wichtig ist nur, daß es vom Film her Anregungen geben kann. Es gab eine US-Serie, die vom ZDF 1966 ausgestrahlt wurde, mit dem Titel: „Raum ist in der kleinsten Hütte“ [3]; natürlich hatte der Originaltitel „Room For One More“ überhaupt nichts mit Hütte zu tun, aber Dank ZDF paßt es hier herein.

Der erste Film, den ich erwähnen möchte, ist „Nanuk der Eskimo“, der im Original „Nanook of the North“ hieß [4]. In diesem Film wird u.a. der Bau eines Iglus und das Leben im Iglu gezeigt. Da haben wir zunächst einmal das Reizwort Eskimo. Meist werden mittlerweile die Eskimo als Inuit bezeichnet. Eskimo [5] ist eine Sammelbezeichnung für die indigenen Völker des nördlichen Polargebietes. Eine der Hauptgruppen sind die Inuit im östlichen Bereich, aber dann leben dort noch die Iñupiat und weitere Ureinwohner, die weder mit Eskimo noch mit Inuit korrekt bezeichnet werden. Trotzdem wahrscheinlich ist heute die Bezeichnung Inuit haben unverfänglichsten. Das Wort Eskimo ist seine Fremdbezeichnung und es ist gar nicht so eindeutig, woher sie stammt. Man hatte Eskimo aus dem Wort „ashkipok“ aus der Sprache der Anishinabe hergeleitet. Da es  Rohfleischesser (eater of raw meat) bedeutet, ist es nicht gut geeignet; allerdings ist diese linguistische Herleitung widerlegt worden. Man leitet Eskimo nun aus dem Cree-Wort aayaskimeew (Schneeschuhflechter / Englisch: snowshoe netters)  her. Es gibt noch weitere Theorien, aber diese scheint mir die sinnvollste zu sein. Eskimo oder Inuit -: es bleibt eine Fremdbezeichnung.

Ich meine, daß der Film „Nanook of the North“ auch heute noch begeistert, Er stammt aus der Stummfilmära (1922) und ist der erste längere amerikanische Dokumentarfilm. Es fiel auch die Bezeichnung ethnographischer Film, aber ich meine Dokutainment würde es besser treffen; das Wort hatte man damals noch nicht geprägt. Der Film wurde von Robert Joseph Flaherty erstellt. Regie, Drehbuch, Produktion, Kamera: Robert J. Flaherty [6]. Zurück aus der Arktis ließ er sich bei Musik (Rudolf Schramm) und Schnitt (Charles Gelb) helfen. Der Film begleitet Nanuk und seine beiden Ehefrauen Nyla und Cunayou, den jungen Sohn Allee und das viermonatige Baby Rainbow durch die Arktis. Schneesturm, Härte des Alltags aber auch Freude und die Schönheit der Natur bringt uns der Film näher.

Das Leben im Iglu [7] konnte nur gezeigt werden, da ein Wandteil des Iglus weggerissen wurde. Kommen wir zum Wort Iglu, es bedeutet Wohnung oder Haus und bezeichnet im Original nicht nur Schneehäuser sondern auch Torf-, Stein-, Erd- oder Holzhäusern. Das Wort kommt aus dem Inuktitut [8] und schreibt sich: ᐃᒡᓗ. Diese Schrift können Sie wahrscheinlich genauso wenig wie ich lesen, sie ist aus der Ojibwe-/Cree-Schrift hervorgegangen. Die Deklination des Inuktitut kennt drei Numeri und acht Kasus, u.a. Ergativ, Terminativ, Prolativ, Äquativ … aahhh, aber jetzt muss ich ganz schnell zurück auf die richtige Spur.
Iglus können schnell aufgebaut werden, die Bauzeit beträgt weniger als eine Stunde für zwei geübte Personen. Der Schnee gefriert und wird dadurch windfest. Der Eingang liegt in der Regel auf der windabgewandten Seite. Die runde Form ist nicht nur für den Aufbau wichtig, denn die Schneeblöcke werden in einer Spirale aufeinander gepackt. Von innen her wird die Oberfläche verdichtet und ggf. auch an Stellen erwärmt, damit ein besserer Abschluß erfolgt. Später kann der Temperaturunterschied zwischen außen und innen 50° C betragen. Wikipedia führt aus: „Bei einer Außentemperatur von −46 °C sind −6 °C auf Bodenhöhe (Schlafsockel) und sogar +4 °C auf Schulterhöhe möglich.“ Zu warm darf es auch nicht werden, denn dann tropft es ins Iglu. In einem anderen Film mit Inuit habe ich die Männer mit nacktem Oberkörper gesehen. Wintersiedlungen mit (größeren) Iglus wurden auch über Monate bewohnt; Wikipedia nennt 7 m Durchmesser.

So ein Iglu sieht in der Form ähnlich aus wie ein Ger bzw. eine Jurte. Ich stelle hier eine Hypothese auf, da ich keine entsprechenden Angaben im Internet gefunden habe. Ich bin der Überzeugung, daß die runde Form den Wind besser ableiten kann als eine eckige Form und damit stabiler ist.



Der nächste Film sind sechs Filme, nein besser gesagt zwei Trilogien: „Der Herr der Ringe“ und
„Der Hobbit“ [9]. Die Hobbit-Wohnung ist ein Haus mit einer runden Tür und kann auch Fenster haben, ist aber in den Hügel eingelassen. Das Buch „The Hobbit“ von J.R.R. Tolkien beginnt so: „In a hole in the ground there lived a hobbit. Not a nasty, dirty, wet hole, filled with the ends of worms and an oozy smell, nor yet a dry, bare, sandy hole with nothing in it to sit down on or to eat: it was a hobbit hole, and that means comfort.“ [10] Im Internet gibt es genügend Beispiele für solche Wohnungen, in der man einmal wie ein Hobbit schlafen oder auch wohnen kann [11]. Aber das führt wieder in eine falsche Richtung. Mich hat Tolkiens Hobbit-Höhle angeregt, über reale Höhlenwohnungen mit Komfort nachzudenken.

Als erstes fielen mir die Höhlenwohnungen in Kappadokien in der Zentraltürkei ein, die bereits in   der Frühgeschichte bewohnt beziehungsweise erstellt worden sind. Der Lebensraum ist vom  hethitischen Großreich bekannt. Diese Felswohnungen sind hervorragende Rückzugsorte gewesen. Xenophon berichtete davon und wurde so im Wikipedia-Artikel zitiert [12]: „Die Häuser waren unter der Erde, am Eingang (eng) wie ein Brunnenloch, unten aber weit. Die Eingänge für das Zugvieh waren gegraben, die Menschen aber stiegen auf Leitern hinab. In den Wohnungen fand man Ziegen, Schafe, Rinder und Federvieh nebst den Jungen derselben.“

Und danach fiel mir selbstverständlich Vorsitzender Mao, also Mao Zedong (
毛泽东) ein, denn auf dem Langen Marsch (Lange Marsch (长征) kamen sie nach Shaanxi (陕西省) und insbesondere nach Yan'an (延安市). Dort fanden Schulungen für die kommunistische Partei statt und Mao hat  dort wesentliche Texte verfaßt. Ich erinnerte mich an Bilder von Wohnungen, die in den Löß getrieben worden sind. Es kann sein, dass ich das in Edgar Snows Buch „Roter Stern über China“ [13] gesehen habe. Ich müßte das einmal nachschlagen. Aber auf jeden Fall kann man heute noch Bilder sehen, die über diese Wohnungen berichten. Die Wohnungen sind ähnlich wie bei den Hobbitwohnungen in den Löß getrieben worden und vorne ist ein Abschluss mit Fenstern und Eingangstür. Die Wohnungen werden als im Sommer angenehm kühl und im Winter als angenehm warm beschrieben [14].


Der nächste Film, auf den ich eingehen will, stammt aus dem Jahr 2015 und heißt „The Martian“ [15]; er hatte vom deutschen Verleiher in einem Anfall von galoppierender Idiotie den Titel „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ bekommen. Regie führte Ridley Scott und die Hauptrolle spielte Matt Damon. Der Protagonist wird versehentlich allein auf dem Mars zurückgelassen und ein  großer Teil des Film spielt in der großartigen, einsamen, stillen Leere der Wüste. Die Wüstenaufnahmen wurden im Wadi Rum [16] in Jordanien gedreht. Dieser Teil wird auch „Tal des Mondes“ genannt und bietet eine einerseits karge, andererseits wunderschöne Landschaft mit Granitfelsen und rotem Sand. Hier sind auch andere Filme gedreht worden; darüber habe ich schon geschrieben [17]. Man kann das Wadi Rum besuchen und auch ein Gefühl der Isolation erleben und sich an der Ungeheuerlichkeit der Landschaft erfreuen. Dafür gibt es als Folge des Films Camps und Touren. Mark Watney hatte die begrenzten Wohnmöglichkeiten der Crew nutzen können und im Film wird sein Wohnbereich immer winziger. Verschiedene Camps im Wadi Rum imitieren mit zeltartigen Strukturen eine Basis auf dem Mars; andere Camps bieten Wüstenzelte für Touristen. Wenn man sich diese Camps ansieht, dann haben die einzelnen kleinen Kuppelbauten, die etwa das bieten, was ein Hotelzimmer ausmacht, eine Form wie ein Iglu oder ein Ger (eine Jurte).

Was können wir von diesem Ausflug in die Welt des Film für das Projekt WinzHaus mitnehmen? Ein WinzHaus kann überall aufgebaut werden, aber es muss sich der Landschaft und den Witterungsbedingungen anpassen. Die Form kann, muß aber keine Rolle spielen.




Links und Anmerkungen:

[1] Hinweise auf das Projekt finden sich in der Einleitung: https://rheumatologe.blogspot.com/2024/01/das-winzhaus-einleitung.html
[2] „Raum ist in der kleinsten Hütte / Für ein glücklich liebend Paar.“ Friedrich Schiller https://zitate-aphorismen.de/zitat/raum-ist-in-der-kleinsten-huette/ Quelle:  Friedrich Schiller: Der Jüngling am Bache, Sämtliche Werke 1-5, Hanser, München/Wien, 10. Auflage 2004, S. 407, Band 1, Lyrische Gedichte, ISBN: 3446205012.
[3] https://www.fernsehserien.de/raum-ist-in-der-kleinsten-huette  
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Nanuk,_der_Eskimo  
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Eskimo Fun fact: In dem Film Hard Powder (Originaltitel Cold Pursuit) [5a] mit Liam Neeson wird ein Killer mit dem Namen „Eskimo“ engagiert, denn wenn man jemanden kalt machen will, holt man den Eskimo. Der Film besticht durch schwarzen Humor nund jede Menge Schnee.
[5a] https://de.wikipedia.org/wiki/Hard_Powder
[6] Robert Joseph Flaherty (1884-1951); interessant ist auch sein Film Elephant Boy (1937) mit dem jugendlichen indischen Hauptdarsteller Sabu. https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_J._Flaherty  
[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Iglu  
[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Inuktitut
[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Herr_der_Ringe_(Filmtrilogie) und
https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Hobbit_(Filmtrilogie)
[10] Übersetzung: „In einer Höhle im Boden lebte ein Hobbit. Kein hässliches, schmutziges, nasses Loch, gefüllt mit Wurmenden und einem schleimigen Geruch, und auch nicht ein trockenes, kahles, sandiges Loch, in dem es nichts zum Sitzen oder Essen gab: ss war eine Hobbit-Höhle, und das heißt Komfort.“ J.R.R. Tolkien: The Hobbit, or There and Back Again. George Allan and Unwin, London 1966. Übrigens ist die Erstausgabe von 1937 für schlappe 19.000 € erhältlich. Das Bild stammt von meiner Ausgabe von 1966.
[11] https://my-little-luxury.de/hobbiton/  Ich habe eines der Angebote herausgegriffen, aber man kann es auch einfach selber googeln.
[12] https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6hlenarchitektur_in_Kappadokien  
[13] Edgar Snow: Roter Stern über China. März bei 2001, Frankfurt 1975. (Ich bin mir nicht 100% sicher, daß dies meine Ausgabe ist, sieht aber so aus. Das Buch ist in Köln und nicht in der Eifel.)
[14] Temperatur-Rekordhöhe 38,3° C, Temperatur-Rekordtiefe -23,0° C. https://en.wikipedia.org/wiki/Yan%27an
[15] https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Marsianer_%E2%80%93_Rettet_Mark_Watney  
[16] Das Wadi Rum ist UNESCO-Weltkulturerbe. Es umfasst eine Fläche von 720 km², was etwas geringer als der Shenandoah-Nationalpark in Virginia (USA) ist, abero groß wie Bahrain ist. Die höchste Erhebung ist Jebel Rum (1.734 m über dem Meeresspiegel). Man kann durch das Wadi wandern, auf die Felsen klettern, in Lagern übernachten, Petroglyphen besichtigen und vieles mehr.
[17] https://rheumatologe.blogspot.com/2022/04/wadi-rum-and-mars.html  

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