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Thursday, February 5, 2026

Wilhelmstal zwischen Rinnen und Sötenich

 


Wilhelmstal liegt zwischen Rinnen und Sötenich und ist mittlerweile durch ein grünes Ortshinweisschild mit gelber Schrift [1] gekennzeichnet. Die L203 ist ziemlich befahren, was einerseits Teile von Sötenich und Rinnen als Wohnort unattraktiv machen. Von Rinnen in Richtung Sötenich verjüngt sich das Tal zunächst und dort stehen zwei Häuser von Wilhelmstal, etwas abseits von den anderen etwa 6 Häusern, die teilweise etwas zurückgesetzt stehen, da sich dort das Tal wieder weitet, allerdings ist man dort wieder näher an der Zementfabrik. Immer wenn ich dort vorbeikomme, denke ich darüber nach, das ist schon obsessiv zu nennen, weshalb man gerade dort wohnt. 





Wenn man sich im Internet über Wilhelmstal informieren will, findet man sehr wenig. Nicht nur die beiden Häuser, die mich besonders interessieren, sondern auch die weiteren, näher an Sötenich gelegenen Häuser gehören zum  Ortsvorsteherbezirk Rinnen [2]. Man kann auch nachlesen, daß dort wegen Überschwemmungen bei Starkregen eine Verrohrung notwendig wurde [3], aber das liegt schon bis über ein Jahrzehnt zurück und wurde nach dem Ausbau der Rinnener Ortsdurchfahrt notwendig. In der Zwischenzeit hatte ich aber nochmals solche Arbeiten dort gesehen. Dort führt übrigens nicht der Salberbach entlang, denn der vereint sich südlich von Rinnen mit dem Weiersbach zum Kallbach und führt westlich an Rinnen (hinter dem Pferdekopf) vorbei, um dann in Kall ggf. bei Überschwemmungen mitzuhelfen.

Bevor ich zum geheimnisvollen Teil komme, was kann man denn im Netz sehen? Man sieh selbst am meisten, wenn man die L203 entlang fährt. Ein Wanderweg besteht dort nicht, auch wenn man an der Straße sicher entlang laufen kann (bergseitig). Man kann sich eine sehr gute Übersicht auf Google Maps verschaffen [4] und ein ähnliches Bild, wie ich es gemacht habe, kann man auf Street View sehen [5]. Google Maps zeigt Wege, aber die bestehen nur noch teilweise, führen auch über Privatgelände [6] und enden, wenn man einen findet, unterhalb von Abraum und Warntafeln, da im Steinbruch gesprengt wird. Andererseits gibt es aber einen Wanderweg, der durch den Steinbruch führt – die LKW-Fahrer halten an, um Wanderer nicht zu gefährden; weiter östlich über den Kuttenbach kommt man dann an der Hermann-Josef-Quelle vorbei.

Wenn die Bäume belaubt sind, sieht man sehr wenig von den beiden Häusern, die nahe an Rinnen liegen. Ich versuchte, um die Häuser herum einen Zuweg zu finden, aber man kann sie nur von der belebten Straße aus sehen. Das eine Haus liegt sehr nah an der Straße und scheint aktuell nicht mehr bewohnt zu sein. Aber dort ist eine Video-Überwachung. Ich nehme an, daß meine Einwände gegen den Ort (Verkehr und Lärm [7]) es den Erben erschwert, einen Käufer zu finden. Das andere Haus liegt versteckter und auch etwas versteckter hinter einem Wäldchen. Das kann kann man abends am Licht erkennen. Es hat den verwunscheneren Charakter. Ich bin allerdings viel zu schüchtern, als daß ich dort nachfragen würde. So denke ich ich weiter darüber nach, welches Schicksal die Bewohner dorthin geführt hat.

Ist Wilhelmstal nun ein Top-Ziel für Wanderungen? Nein, lassen Sie die Menschen dort in Frieden, aber achten Sie darauf, wenn Sie am Ort vorbei fahren, mehr als 70 km/h sind sowieso nicht erlaubt. Von Rinnen aus, kann man allerdings sehr gut wandern (nach Westen). Und den Weg nach Steinfeld (nach Osten) durch den Steinbruch, der ist ebenfalls interessant.






Links und Anmerkungen:
[1] Das Ortshinweisschild ist das Verkehrszeichen 385 und dient nur der Orientierung. Zwischen Rinnen und Sötenich kann man sich kaum verirren, weshalb es umso netter ist, daß es dieses Zeichen dort gibt.
[2] Wir nennen die Ortsvorsteher übrigens Bürgermeister, auch und gerade wenn es sich um kleine Gemeinden handelt. Aber „mehr“ zu Wilhelmstal steht hier: https://www.kall.de/politik/ortsrecht/allgemeine-verwaltung/3.Aenderungssatzung-Hauptsatzung.pdf  
[3] https://www.rundschau-online.de/region/euskirchen-eifel/kall/kall-soetenich-neuer-kanal-an-der-landesstrasse-203-schuetzt-vor-wassermassen-249473 und 
https://eifelon.de/kall/volles-programm-im-kaller-rat.html 
Die Änderungen der Ortsdurchfahrt erfolgten 2013/2014, die Sitzung 2017 und die Arbeiten erfolgten 2020.
[4] https://www.google.com/maps/@50.5172095,6.5512369,377m/data=!3m1!1e3?entry=ttu&g_ep=EgoyMDI2MDIwMS4wIKXMDSoASAFQAw%3D%3D 
[5] https://www.google.com/maps/@50.5167149,6.549616,3a,75y,108.53h,85.04t/data=!3m7!1e1!3m5!1sNqCh0aOKC0iWz8vNFaVHPg!2e0!6shttps:%2F%2Fstreetviewpixels-pa.googleapis.com%2Fv1%2Fthumbnail%3Fcb_client%3Dmaps_sv.tactile%26w%3D900%26h%3D600%26pitch%3D4.9639375912569506%26panoid%3DNqCh0aOKC0iWz8vNFaVHPg%26yaw%3D108.5342305029548!7i16384!8i8192?entry=ttu&g_ep=EgoyMDI2MDIwMS4wIKXMDSoASAFQAw%3D%3D  
[6] Teilweise Weiden/Wiesen, teilweise den Hausbesitzern und teilweise Steinbruch/Zementwerk [6a]. Manche Wege sind sehr überwachsen und als solche fast nicht mehr zu identifizieren.
[6a] Schloss Neuschwanstein in Sötenich 
https://rheumatologe.blogspot.com/2017/01/schloss-neuschwanstein-in-sotenich.html  
[7] Ich erinnere mich an einen Fernsehbericht von Leute im Caravan, die einen Platz direkt an einer Autobahnbrücke hatte und dort immer ihren Urlaub verbrachten.



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Tuesday, December 30, 2025

Die XXL-Bank unterhalb des Lierbergs bei Sötenich


Vor etwas über zwei Jahren hörten wir in der Nachbarschaft viel über die XXL-Bank bei Sötenich. Ich hatte sie damals nach den Gesprächen mit zwischen Sötenich und Rinnen, also östlich vom Pferdekopf verortet. Das war aber falsch. Und heute (30.12.2025) war sehr schönes Wetter und ich wußte mittlerweile, wo die Bank aufgestellt worden ist [1]. Es war kalt, aber die Sonne schien und auf dem Weg zum Einkaufen habe ich in Sötenich und zwar auf der Straße zum„Zum Elzenberg“ geparkt und den Zuweg zum Römerkanalweg genommen. Das Stück Römerkanal, das dort hervorkommt, ist im Moment gar nicht so ansehnlich, weil es von Regen unterspült worden ist. Knapp darüber ist ein Kriegerdenkmal, das nach Gestaltung von Hubert Schlemmer 1931 vom Sötenicher Eifelverein errichtet wurde. Verbaut wurde damals auch ein ca. 90 Zentner schwerer Dolomitstein aus der Burgruine „Stolzenburg“.





Man geht dann rechts am Kriegerdenkmal vorbei und kommt unterhalb des Lierberges auf einen Wirtschaftsweg, über den auch der Römerkanal Wanderweg sowie die EifelSchleife Kuttenbachtal verläuft, man sieht rechts  eine Schutzhütte und geht schließlich weiter nach Nordosten. Schon sieht man die XXL Bank. Aber auf dem Weg dahin, kann man auch links an einer Bank abbiegen (also hier wird das Sprichwort „Nicht rosten, sondern rasten“ [2] umgesetzt). Man kommt durch einen Buchenwald, wobei es anfangs mehr wie ein Wald-Kinderspielplatz aussieht. Allerdings habe ich keine Menschenseele angetroffen. Es ging dann weiter bergan zur Friedens-Eiche. Die ist  interessant! Der Platz wird vom Eifelvereins / Ortsgruppe Sötenich  freigehalten. Ich dachte so für mich -: diese Eiche ist schon über 150 Jahre alt, ist sie dafür nicht etwas klein? Also ich hätte einen größeren Baumumfang vermutet. Vielleicht ist ein Nährstoffmangel Grund dafür. Bäume werden durch Nährstoffmangel dazu gebracht, Bonsai (盆栽) zu werden. Aber dann wäre das schon ein riesiger Bonsai. Ich merke schon, ich schreibe mich hier um Kopf und Kragen, wobei Kragen gestrichen werden muß, denn gewöhnlich trage ich keine Kleidungsstücke mit Kragen. Insbesondere steht neben der Riesen-Bonsai-Eiche eine Tafel, auf der eine interessant Begebenheit festgehalten wurde. Es wäre jetzt gemein, wenn ich das für Ihren Besuch der Eiche aufsparen würde und den Text für mich behielte. Wenn ich so in mich gehe – ich könnte durchaus so gemein sein! Aber nicht heute: 1871 wurde nach Ende des deutsch-französischen Krieges diese Friedenseiche gepflanzt und bei der feierlichen Zeremonie rief jemand aus: „Vive l'Empereur!“ [Lang lebe der Kaiser!] Es war ein Sötenicher, der als Anhänger Napoleons bekannt war. Aber für seinen Zuruf nicht abgestraft worden ist. Man kann dort den Weg weitergehen und kommt man wieder auf den Römerkanal Wanderweg. Aber man ist dann schon an der Bank vorbei. Also muß man entweder zurückgehen oder verzichtend auf das Spektakel weitergehen, wenn man nach Keldenich möchte, wo es ja auch interessant ist, wie ich gleich noch berichten werde.  

Die XXL Bank ist so groß, daß man sie nicht verfehlen kann. Dort kann man über eine Treppe hochsteigen und hat wirklich eine nette Aussicht auf das Land zwischen Sötenich und Keldenich. 

Man kann weiter nach Keldenich gehen und kommt an einen Bilderstock und an den Friedhof. Ich hatte bislang häufiger den Friedhof beziehungsweise die Bänke davor nach meinen Einkäufen in Kall besucht, weil es sich dort gut picknicken läßt. Zum Friedhof zum Picknicken? Nein, denn der Friedhof liegt friedlich hinter einem und man genießt die tolle Aussicht auf das Land unterhalb von Keldenich. Allerdings alle paar Jahre sät der Besitzer der Felder Mais aus. Nun ist es ja so, daß Mais nicht gerade ästhetisch im Vergleich zu einem Weizen- oder Gerstenfeld mit Klatschmohn und Kamillen ist. Andererseits ist natürlich so ein Maisfeld eine tolle Filmkulisse, wie zum Beispiel in dem Film mit Cary Grand, in dem er durch das Maisfeld rennt und schließlich durch seine Rennerei den angreifenden Flieger mit Insektenvernichtungsmitteln in einen Tanklaster dirigiert, der dann hollywoodmäßig explodiert, obwohl Sir Alfred Hitchcock Regie führte [3]. Oder der Film: „The last Stand“ mit Arnold Schwarzenegger (sprich: Schworzenegger), der mit einer Fahrt durch ein Maisfeld oder Maisfelder den Showdown einleitet [4].

Es würde mich schon interessieren, was Sie so denken, wenn Sie an der XXL-Bank vorbei kommen.






Links und Anmerkungen:
[1] https://www.kall.de/aktuelles/106070100000009941.php und
https://eifelverein-soetenich.de/index.php/startseite/startseite-2/549-xxl-bank mit der Angabe: (GPS Daten: 50°31'46.264"N, 6°33''38.955"E)
[2] Das stammt meines Wissens von Erika Fuchs.
Korrekt Frau Dr. Johanne Theodolinde Erika Fuchs (1906-2005), die uns viele Übersetzungen zur Familie um Donald Duck beschwert hat sowie den Gebrauch von Inflektiven.
https://de.wikipedia.org/wiki/Erika_Fuchs 
[3] Der Film mit Cary Grant [3a] hieß im Original „North by Northwest“ [3b]. Die Szene im Maisfeld wird in dem Film „Arizona Dream“ nachgespielt [3c]. Mir sind noch gut in Erinnerung: „Bringing Up Baby“ [Leoparden küßt man nicht],
„I Was a Male War Bride“ oder „Operation Petticoat“. Sicherheitshinweis: Nicht alle Filme an einem Tag konsumieren, denn dann hat man Muskelkater vom Lachen.
[3a] Cary Grant (1904-1986) war ein englisch-amerikanischer Schauspieler. 

https://en.wikipedia.org/wiki/Cary_Grant 
[3b] North by Northwest 

https://en.wikipedia.org/wiki/North_by_Northwest  
[3c] Arizona Dream ist ein Film von Emir Kusturica aus dem Jahr 1993 mit Johnny Depp, Faye Dunaway, Lili Taylor, Vincent Gallo (der spielt die Szene nach) und Jerry Lewis in den Hauptrollen. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Arizona_Dream 
[4] „The Last Stand“ ist US-amerikanischer Action Thriller film mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle (2013).
https://en.wikipedia.org/wiki/The_Last_Stand_(2013_film) 
Auch hier ein Sicherheitshinweis: kein Film für Autoliebhaber.  


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Sunday, July 27, 2025

Was ist los mit der Osmanischen Herberge in Sötenich (Eifel)?

 


Wenn ich zum Einkaufen nach Kall fahre, komme ich unweigerlich durch Sötenich durch und da ist die Osmanische Herberge. Nun herrschte besonders zum Wochenende dort reger Verkehr. Nicht so in den letzten Wochen, so daß ich mich gewundert habe: was ist los mit der Osmanischen Herberge in Sötenich?

Ich erinnere mich noch an meine ersten Kontakte, als „dä Scheich“ sehr farbenfroh mit Turban auf dem Mofa durch die Gegend fuhr, um den WochenSpiegel auszuteilen – das übernahmen dann andere Personen und nun steht eine Kiste im Wartehäuschen und der Vertrieb klappt nicht mehr, aber das ist eine ganz andere Geschichte. Meine Schwägerin erzählte mir von der  Osmanischen Herberge in Sötenich mit dem Restaurant Derwisch, denn ich war damals noch nicht durch Sötenich gefahren, sondern immer durch Steinfeld, um nach Diefenbach zu gelangen. Ich fand das schon damals sehr interessant.  Noch interessanter fand ich jedoch, daß es sich um eine Gruppe handelt, die dem Sufismus folgt. Ich hatte das Grab von Hafiz in Shiraz zweimal besucht. 

Was ist los mit der Osmanischen Herberge in Sötenich? Ich habe gestern (Samstag) angehalten. Tote Hose. Aber die Lichter für die Notausgänge brennen noch. Das zeigt eine minimale Nutzung oder einen Nutzungswillen an. Aber sonst konnte ich keine Aktivität feststellen. Auf der Internet-Seite des Osmanischen Herberge steht zum „Großen Saal“ [1]: „Die Nutzung wird noch etwas dauern. Ziel: Fertigstellung bis zum Eid ul-Fitr, um dort wieder große Treffen abzuhalten, insha'Allah. Bis dahin werden die großen Treffen im Sufizentrum Rasenmühle in Kassel stattfinden.“ Ich nehme einmal an, daß damit der 20. März 2026 gemeint ist [2]. Das Sufizentrum Rasenmühle gehört zum Verein „Sufipfad der Liebe e.V.“ [3], wo Scheikh Hassan (geboren als Peter Christian Dyck in West-Berlin [4]), der sich nicht gerne Leiter der Osmanischen Herberge bezeichnen läßt, aber er ist einer den wenigen deutschstämmigen Imame. Er hatte unter anderem in Medina und Damaskus Arabisch und den Koran studiert und hatte später zehnmal als Reiseleiter Pilgerfahrten nach Mekka begleitet. Aktuell sind „Übernachtungen in der Herberge untersagt“. Bis hierhin kann ich die Ergebnisse meiner Recherche schon einmal zusammenfassen: 1995 wurde die Osmanischen Herberge „als Sufi Zentrum für Nordeuropa“ gegründet und muß nun renoviert werden. Das Zentrum folgt der Lehre von Scheikh Muhammad Nazim al-Haqqani al-Rabbani, der aus Zypern stammte und 2014 verstorben ist. Er war Oberhaupt des Naqshbandi-Ordens. Das aber sei nun Stichwort für etwas Wissen über den Sufismus.

Wenn ich mich nun in verkürzender und vereinfachender Weise dem Sufismus nähere, dann nehme ich dazu zwei Quellen: das Buch „Sufismus“ von Annemarie Schimmel [5] und den Wikipedia-Artikel [6]. Die Etymologie des Wortes Sufi ist nicht völlig geklärt, aber wahrscheinlich kommt das Wort Sufi von arabisch ṣūf ( صُوف) – „Schurwolle“ und weist auf die einfache Kleidung der Derwische hin. Der Sufismus ist aus Formen der Askese hervorgegangen. Man nahm im Westen zur Zeit Johann Wolfgang von Goethes die „umherschweifenden, heulenden, tanzenden Derwische“ wahr. Goethes „West-östlicher Divan“ [7] ist eine Begegnung des Westens mit persischer Dichtung aus dem Sufismus; ich erinnere mich gut an die private Lesung von Hans Conrad Zander daraus am Grab von Hafiz (1330-1389) in Schiraz. 

„Auf der Spur der jungen Rose, lieber Gott, wo ist mein Herz
Hingelaufen, denn ich hab es nicht gesehn seit Tag und Nacht?“ [8]

Die Rose gilt als Symbol im Sufismus: die Dornen stehen für das Gesetz, der Stängel für den Weg, die Blüte die Wahrheit, der Duft für die Erkenntnis. 

Grab von Hafiz 2018

Grab von Hafiz 2004


Hier ist gut Abschweifen! Ich kann nicht umhin, noch einen persischen Dichter zu nennen, dessen Grab ich auch besucht habe, aber das war insofern einfach, da es sich direkt beim Grab von Hafiz befindet. Ich spreche von Saadi oder Sa'di (ca. 1210 bis ca. 1292), der bekannt wurde durch die beiden Werke Bustān („Duftgarten“) und Golestān („Rosengarten“) und ebenfalls ein Mystiker war, wobei nicht klar ist, ob er Sufi war.  

Oder die Schriften von Jelaladdin Rumi (1207-1273) [9]:
„Ohne die Liebe, sag, wäre das Leben da schön?
Sieh, nur die Liebe kann Freude und Frohsinn erhöhn!“ 

Auf Rumi aber geht der Mevlevi Derwisch-Orden [10] zurück. Heute gilt die Stadt Konya [11] als Ursprungsort dieses Ordens. Es geht im Zusammenhang mit Rumi um die Musik, die als Begleitung für Kreistänze der Semâ-Zeremonie diente. Im Westen wurde dieser Trancetanz unter dem Stichwort „drehende Derwische“ bekannt. Er ist eine der möglichen Formen des Dhikr, „der meditativen Übung zur Vergegenwärtigung Gottes“ [12]. 

Im Westen sind auch die Eulenspiegeleien oder besser Lehrgeschichten eines Sufis bekannt – des Nasruddin Hodscha oder Nasreddin Hodscha [13], dessen Geschichten ich vor 1-2 Jahren gelesen habe, aber das Buch gerade nicht finde.

Kehren wir aus dem Mittleren Osten nach Sötenich zurück. Wie las ich da? „Treffen in der kleinen Moschee / Bis auf Weiteres nutzen wir die kleine Moschee im Kellergeschoss für unsere Versammlungen (z. B. Dhikr und Juma)“. Was sich hinter Dhikr verbrigt, wissen wir nun. Der Sufismus wird wegen seines Mystizismus als unpolitisch wahrgenommen. Das ist er selbstverständlich als Teil des Islams nicht. Aber trotzdem würde der Region etwas fehlen, wenn die Osmanische Herberge im März 2026 nicht wieder öffnen würde.





Links und Anmerkungen:
[1] https://osmanische-herberge.de/ 
[2] https://www.timeanddate.de/feiertage/deutschland/id-al-fitr 
[3] http://www.sufipfad.de/2025/06/22/summer-camp-31-7-10-08-25/ 
[4] Ich hörte aus Berlin-Wilmersdorf. Da wurde einer meiner Großväter am 27.09.1918 konfirmiert.
[5] Annemarie Schimmel: Sufismus. Eine Einführung in die islamische Mystik. C.H. Beck, München 2000/2008. ISBN: 978-3-406-46028-9.
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Sufismus 
[7] Johann Wolfgang von Goethe: West-östlicher Diva. Verlag Heinrich Ellermann, Hamburg 1947.
[8] A. Schimmel, W. Gundert, W. Schuring (Hrsg.): Lyrik des Ostens. Gedichte der Völker Asiens vom Nahen bis zum Fernen Osten. marixverlag, Wiesbaden 2004. ISBN: 3-937715-27-4. S. 103. Die Übersetzung stammt von Friedrich Rückert (1788-1866).
[9] a.a.O. S. 97. Die Übersetzung stammt von Annemarie Schimmel (1922-2003). Rumi kenne ich allerdings besser aus: Erkan Türkmen: Besinnung Mevlana Jelaleddin Rumis Schönste Verse. Nüve Kültür Merkezi, Konya/Istanbul 2011. ISBN: 978-605-4336-31-9.
[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Mevlevi 
[11] Dort war auch Paulus vor fast 2000 Jahren, als die Stadt noch Iconium hieß. Paulus und Barnabas in Lystra 
https://rheumatologe.blogspot.com/2024/02/paulus-und-barnabas-in-lystra.html 
[12] https://de.wikipedia.org/wiki/Dhikr 
[13] https://de.wikipedia.org/wiki/Nasreddin  

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Monday, December 30, 2024

Die Deutsche Bahn bei Sötenich nach dem Hochwasser vor über drei Jahren


Heute war wieder einmal ein schöner Tag und nach dem Einkaufen hielt ich in Sötenich kurz an, denn die Deutsche Bahn hat allerlei an der Strecke zwischen Kall und Gerolstein (Eifel) gearbeitet. Fertig ist es natürlich noch nicht!

Nach dem Hochwasser 2021 war die Strecke besonders zwischen Sötenich und Kall nicht mehr zu nutzen und auch nicht einfach zu reparieren. Also hat man sie zunächst abgetragen und dann neu gebaut. Außerdem hat man die Seite zur Urft hin bewehrt. Das sieht sehr solide aus.

Archivbild 2021


Trotzdem frage ich mich, was wird beim nächsten „Jahrhundert-Hochwasser“ geschehen? Gehen wir von einem Hochwasser aus, das genauso ist wie 2021 -: was wird nun passieren? Die Urft wird nicht mehr die Fläche überschwemmen können, die sie beim Hochwasser 2021 zur Verfügung hatte. Also wird der Fluß durch die Verengung schneller und damit wird die Wasserkraft auch größer. Was wird zunächst an der Bahnstrecke passieren? Ich glaube relativ wenig, weil jetzt diese festen Mauern da stehen. Das Wasser kommt schneller und in größerer Menge in Kall an. Das aber heißt, daß dort der Schaden größer werden wird und genauso wird es Gemünd einige Kilometer weiter entfernt gehen, wo Olef und Urft zusammenfließen. Aber ist die Bahnstrecke nun außen vor? Auch das glaube ich nicht, denn das Wasser hat mehr Kraft und wird sich  unterhalb Bewehrung durch Beton hindurch graben. Oder aber an einer anderen Schwachstelle, zum Beispiel vor der Bewährung an der Brücke die Bahnstrecke unterminieren. Ich meine, daß man von der Bahn prinzipiell richtig gehandelt hat, aber insgesamt gibt es gar kein Konzept, wie man Hochwasserschäden in der Zukunft vermeiden könnte. Dafür hätte es  Rückstau-Becken oder Flächen geben müssen, Verlangsamung der Wasserzustrom und Ähnliches gebraucht. Aber ich kann nicht sehen, daß man sich darüber Gedanken gemacht bzw. diese in die Tat umgesetzt hätte.


Eins dürfen wir nicht vergessen, die Kosten für solche Maßnahmen mögen hoch sein. Aber die Kosten für die Beseitigung der Schäden sind noch viel höher. Einmal abgesehen für die Risiken an Leib und Leben der Bevölkerung.

Ich wünsche aber trotzdem der Deutschen Bahn: Viel Erfolg! Und ich hoffe, daß nach dem Schienenersatzverkehr, der für das nächste halbe Jahr angesagt ist, auch wieder Züge fahren.  



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Thursday, May 30, 2024

Kall: nach der Flut ist vor der Flut

Bahnhof Kall / Bahnhofsstraße 2021


Die Bahnhofsstraße in Kall [1] hatte schwer unter der Flut 2021 gelitten. Vieles ist wieder aufgebaut und sogar ausgebaut worden. Schneller, höher, stärker? [2] Gewisse Dinge hat man schnell erledigt, anstatt weniger Häuser, hat man zusätzlich höhere Häuser in die Bahnhofsstraße gesetzt. Wie ich hörte, waren die Gelder dazu bereits vor der Flut bewilligt. Diese Gelder wollte man nicht verlieren und so hat man gebaut. Man hätte nach der Flut die Sachlage neu überdenken können, denn nach der Flut ist vor der Flut. Man hat diese Chance aber nicht wahrgenommen. Man hat eine Häuserschlucht gebaut. Aktuell ist man immer noch mit dem Straßenbau in der Bahnhofsstraße beschäftigt.

Bahntrasse 2021 zwischen Sötenich und Kall


Fortgespülte Straße in Tibet 2018

Die Bahnstrecke von Kall nach Urft entlang der Urft hatte ebenso gelitten. Zwischen Sötenich und Kall konnte man besonders gut sehen, was Wasser an  Stein und Stahl ausrichten kann. Das ist keine neue Erkenntnis, dies wurde bereits vor etwa 2500 Jahren im Daodejing beschrieben: das weiche Wasser besiegt das Starke, das Feste, das Harte [3]. An der Urft hatte das Wasser sich seinen Weg gesucht und in der Breite des Tales nach Überwindung der Trasse gefunden. In Tibet hatte ich sehen können, wie die mäandernden Zuflüsse des Yarlung (Brahmaputra) begradigt wurden und damit floß das Wasser schneller ab, so daß es ganze Straßen mit sich riss. Jetzt baut die Deutsche Bahn zum Schutz der Trasse einen Betondamm. Das ist im Prinzip löblich, denn die Schienen sind unterspült worden und die Gleise sahen nach der Flut abenteuerlich aus. Aber, da braucht man nicht alttestamentarischer Prophet zu sein, die Wassermassen werden bei einer neuen Flut schneller fließen und mehr Kraft entwickeln. Ich kann mir vorstellen, daß dann der Schaden an der Trasse durch die Gefahr der Unterspülung zunehmen wird.

Der Damm der Trasse bei Sötenich - Mai 2024

Schneller, höher, weiter werden nun die Fluten nach Kall rollen und rauschen, um dort schneller, höher, weiter Schaden anzurichten, um schneller, höher, weiter Gemünd und noch schneller, höher, weiter andere Orte zu erreichen.

Was hätte ich denn gemacht? Ich hätte versucht, den Abfluß des Wassers zu verlangsamen. Kann man Bäche entgradigen? Manche, wie der Kuttenbach, sind normalerweise Rinnsale, aber bei Regen stürzen die Wassermassen schnurgerade zu Tal. Kann man Rückhaltewehre schaffen, die nur im Ernstfall Wasser zurück halten? Kann man nicht Aufforsten?

Vielleicht habe ich die geheimen Maßnahmen nur nicht wahrgenommen, die gegen eine neue Katastrophe ergriffen wurden, allein mir fehlt der Glaube. Am meisten würde mich die erneute Zerstörung des Buchladens in Kall betrüben.




Anmerkungen:

[1] Die Bahnhofsstraße steht hier pars pro toto für sämtliche Schäden.
[2] Citius, altius, fortius ist das olympische Motto, das schneller, höher, stärker bedeutet, aber im allgemeinen Sprachgebrauch eher mit schneller, höher, weiter übersetzt wird. Ähnlich wie bei der Rede Winston Churchills, desses Titel Blood, Toil, Tears and Sweat [Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß] gerne als Blut, Schweiß und Tränen zitiert wird.
[3]
天下莫柔弱于水,而攻坚强者莫之能胜,其无以易之。弱之胜强,柔之胜刚,天下莫不知,莫能行。Das bedeutet, frei übersetzt: Nichts auf der Welt ist weicher und schwächer als Wasser, und doch gibt es nichts, was es übertreffen könnte, wenn es darum geht, Hartes und Starkes zu überwinden. Leicht durchdringt es, das Schwache überwindet das Starke, das Weiche überwindet das Harte. Alle wissen es, aber niemand wendet es an.


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Thursday, January 27, 2022

Die Mülltonnen auf dem Sammelplatz „Am Sägewerk“

 



Im letzten August schrieb ich über den Sammelplatz „Am Sägewerk“ in Sötenich [1] an der Trierer Straße, der an Kall grenzt. Jahrelang nach der Insolvenz des Sägewerks passierte nichts, dann diente  das Gelände als Zwischenlager für den Müll von der Hochwasserkatastrophe. Ich überlegte, wie man dieses Gelände entwickeln könnte (z.B. in ein Renaturierungskonzepz der Urft integrieren und vielleicht noch Rückhaltebecken schaffen). Aber nachdem man einen Großteil des Mülls entsorgt hatte, kam eine ganz andere Intermediärnutzung zustande.

Die Sammlungs- und Transportverträge im Bereich Abfallentsorgung wurden neu vergeben, so daß der Rest- und Bioabfall von einem neuen Entsorger durchgeführt wird [2]. Die Müllbehälter gehören jedoch dem alten Entsorger, der sich davon nicht trennen möchte. Also wurden neue Tonnen angeliefert und die alten Mülltonnen abgeholt. Beide Aktionen haben aus meiner Sicht  reibungslos funktioniert.

Man hat die 45.000 [3] oder auch 47.000 Tonnen [4] zum Sammelplatz „Am Sägewerk“ gebracht, um sie doch zu sortieren und auch um unbrauchbare Tonnen auszusortieren. Dafür hat man das Gelände für drei Monate angemietet.

Ich hätte ja daraus eine Kunstaktion gemacht, Titel: Die Tonnen eintonnen. Aber man hat mich ja nicht gefragt. Vielleicht hätte es nicht so viel Aufmerksamkeit erregt wie der Verhüllte Reichstag von Christo und Jeanne-Claude [5], aber man hätte das nutzen können. Wenn man sich schon nicht der Kunst widmet, könnte man vielleicht über die längerfristige Nutzung des Geländes nachdenken.


Links und Anmerkungen:
[1] https://rheumatologe.blogspot.com/2021/08/kall-und-der-mull-nach-dem-hochwasser.html
[2] https://www.kall.de/aktuelles/austausch-der-rest-und-bioabfallbehaelter.php
[3] https://www.radioeuskirchen.de/artikel/45000-ausrangierte-muelltonnen-in-kall-1198378.html
[4] https://www.ksta.de/region/euskirchen-eifel/neuer-muell-entsorger-neun-kommunen-im-kreis-euskirchen-wechseln-ende-des-jahres-39059834
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Verh%C3%BCllter_Reichstag

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Tuesday, July 6, 2021

Eingeschlossen

 


Eingeschlossen ist ein wenig übertrieben, aber wirklich nur wenig. Wir waren in Diefenbach beim Unwetter vor einigen Wochen eingeschlossen, da die Ortsdurchfahrt wegen Überflutung durch den Kuttenbach gesperrt werden mußte.

Aktuell ist die L22 „vom Kreisverkehr B258/L22 bis kurz vor den Ortseingang von Steinfeld auf einer Gesamtlänge von rund 4,2 Kilometern“ [1] gesperrt. Prinzipell ist nichts dagegen einzuwenden, da auf einem großen Abschnitt sämtliche Schichten erneuert werden müssen. Die Sperrung ist für den Rest des Monats geplant. Aber gleichzeitig wird die Straße bei der Bahnschranke in Sötenich (Rinner Straße / Trierer Straße) erneuert und auch dort ist eine Vollsperrung. Auf dem Bild kann man neben Sperrung und Bagger [2] auch St. Matthias [3] sehen. Diese Sperrung soll nur zwei Tage dauern, aber gute Planung wäre gewesen, z.B. vor einer Woche dort zu baggern, dann wäre dort der Zugang frei.



Der Weg zum Einkaufen hat sich von zweimal 8 km auf zweimal 13 km verlängert. Das ist noch tragbar, denn wenn ich in Hellenthal anstatt Kall einkaufe, dann beträgt die Strecke in der einen Alternative 11 km und in der anderen 13 km. Aber gleich habe ich meinen Impftermin im Impfzentrum in Marmagen und da verlängert sich eine Strecke gleich von 5,5 km auf 14 km.

Also ich ärgere mich schon, aber ich habe vor Golbach einen Bilderstock entdeckt und zwischen Diefenbach und Sistig war auch noch ein schönes Panaroma zu sehen.


Links etc.:
[1] https://www.wochenspiegellive.de/eifel/kreis-euskirchen/kall/artikel/vollsperrung-der-l-22-zwischen-krekel-und-steinfeld-70805/
[2] „Wer baggert so spät noch am Baggerloch, / Es ist der Bagger, der baggert noch.“
[3] https://rheumatologe.blogspot.com/2019/01/sotenich-und-die-kirche-st-matthias.html

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Tuesday, June 22, 2021

Der steile Anstieg

 


Wenn man von Rinnen nach Sötenich auf der Rinnerstraße (L203) fährt, kommt kurz vor Sötenich eine scharfe Linkskurve und in ihr kann man einen Weg auf der linken Seite sehen - schmal, aber gut ausgetreten, und recht steil - rechts geht es zum Klärwerk geradeaus Zementwerk (Opterra), das man auch hört. Es ist nicht ungefährlich dort und der Weg ist alles andere als barrierefrei.


Steigt man den Weg hoch, hat man nach einiger Zeit unter sich Am Mühlenberg und die Osmanische Herberge liegen. Dann entdeckt man (jedenfalls aktuell) umgestürzte Bäume. Ein Chaos hat der Sturm (?) angerichtet. Ich denke dabei plötzlich an das Le Cagot  Chaos [1]. Man muß auch über umgestürzte Bäume steigen.


Und dann geht es wieder steiler nach oben, so daß man Stufen geschaffen hat. „Er will uns Stuf´ um Stufe heben“ und „Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, / Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen“ gehen mir durch den Sinn [2].

Sobald man aus dem Wald tritt. Kann man rechts die letzten Häuser von Auf dem Kickberg / In den Stöcken sehen. Man ist nun auf einem geteerten Weg, aber der Belag ist gebrochen, weshalb der Weg für Fahrzeuge abgesperrt ist und ein Stück ist durch einen Zaun abgetrennt, damit nicht Wanderer oder Radfahrer abstürzen.



Weiden, Felder, Wiesen und Wälder sind nun zu sehen. Nach Südwesten kommt man zu Im Siefen Rinnen und befestigt geht es auf dem Komoot Weg 13 an Rinnen im Westen vorbei an der Rinner Heide und eher westlich zum Pferdekopf (527 m) gibt es auch einen Wanderweg. Ich habe hielt mich nach  Südosten, denn da geht es zurück durch den Wald.

Das ist wieder so ein Geheimtipp, vielleicht trifft man Hundebesitzer. Ich habe niemanden getroffen.



Links und Anmerkungen:
[1] Beñat Le Cagot ist eine Figur in dem Agententhriller Shibumi von Trevanian. Trevanian war eines der Pseudonyme, unter denen der amerikanische Schriftsteller Rodney William Whitaker (1931-2005) schrieb.
[2] Hermann Hesse (1877-1962) in seinem Gedicht „Stufen“.

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Thursday, January 3, 2019

Sötenich und die Kirche St. Matthias



Ich muss durch Sötenich fahren, egal, ob ich aus Urft oder Rinnen komme, um nach Kall (City) zu kommen. Die Kirche St. Matthias ist mit 27 m das höchste Gebäude des Ortes und liegt gut sichtbar auf einer Anhöhe. Da ich jedes Mal die Kirche sehe, habe ich sie nun auch einmal besucht.

Sötenich wurde durch einen Mord und den Versuch seiner Vertuschung bekannt. Sötenich ist bereits in der Römerzeit bewohnt gewesen und trug den Namen Suetoniacum. Der Ort hat wahrscheinlich mehr Morde erlebt. Nach der BILD-Zeitung hat „das halbe Dorf“ den Mord vertuschen wollen; bei 980 Einwohnern ist das eine ziemlich dumme Aussage. Ralf Schiesberg wurde wegen des Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Den Namen Schiesberg sieht man übrigens in großen Lettern, wenn man durch den Ort fährt. Aber zurück zur Kirche.

St. Matthias – da denke ich als erstes an das herrliche Buch von Wilton Barnhardt: Der 13. Apostel. Matthias war ein jüdischer Schriftgelehrter und die Bibel sagt über ihn: „Und sie gaben ihnen Lose; und das Los fiel auf Matthias, und er wurde den elf Aposteln zugezählt.“ (Apg 1,26) Er ist sozusagen der Ersatzmann für Judas Ischariot. Allerdings wird auch Paulus als 12. Apostel geführt. Das Buch erzählt die Jagd auf ein verschollenes Evangelium, eben von St. Matthias. Professor Patrick O’Hanrahan und seine Studentin/Assistentin Lucy Dantan sind die Protagonisten des Buches.
Man nimmt an, dass Matthias um das Jahr 63 in Jerusalem gestorben ist. Der Legende nach sind seine Gebeine im Jahr 250 aus Palästina nach Trier überführt worden. Zu diesen Gebeinen ziehen die die Pilger. Wallfahrten werden seit Jahrhunderten von St. Matthiasbruderschaften durchgeführt. Auch Sötenich hat solch eine Bruderschaft.

Bereits im 16. Jahrhundert stand am jetzigen Ort eine Kapelle, von der 1872 nur der Chor stehen blieb und ein neues Schiff sowie der Westturm daran gebaut wurden. Diese Kapelle wurde zum Ende des 2. Weltkrieges durch einen Luftangriff völlig zerstört. 1951 wurde der Grundstein zu der neuen Kirche gelegt und am 24. September 1953 wurde sie geweiht. Für den Bau wurde Sötenicher Kalkstein benutzt; Sötenich ist schließlich auch durch die Kalksteinbrüche und ein Zementwerk (unter wechselnden Besitzern) bekannt. Die Fenster sind eher schlicht gestaltet, allerdings mit etwas Mut zur Moderne in den 50iger Jahren. Die Fenster hinter dem Altar sind in der Farbe Rot gehalten. Die großen Seitfenster haben Grün und Blau als dominierende Farben. Die Fensterfassade an der Südwestseite ist in Grautönen gehalten.

Insgesamt lohnt sich der Besuch der Kirche St. Matthias.


Eingang mit Fensterfassade


Fenster und Orgelempore in der Kirche


Blick durch die Kirche auf den Altar


Eines der rot gestalteten Fenster hinter dem Altar


Eines der großen Seitfenster 


St. Matthias von hinten, also vom Friedhof aus
 

Links:

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