Blog von Dr. med. Lothar M. Kirsch / 祁建德 // Poetry / Travels / Languages / Rheumatic Diseases / Tea
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Wednesday, November 7, 2012
Limptar N (Chinin) und Wadenkrämpfe
Ich sehe gerade eine Anzeige zu Limptar N: „Muskelkrämpfe? Muskelschmerzen? Limptar N wirkt direkt am Muskel“. Und wenn die Muskelschmerzen nicht auf Muskelkrämpfe zurückzuführen sind, ja dann kann es nicht wirken, steht aber nicht in der Anzeige. Chinin (bzw. Chinisulfat) hat eine entspannende Wirkung auf die Muskulatur. Die Studienlage ist nicht so einheitlich, wie der Hersteller das so vorgibt. Eine Analyse von F. Blyton und Kollegen (Cochrane Database Syst Rev. 2012 Jan 18;1:CD008496: Non-drug therapies for lower limb muscle cramps. / http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22258986) kommt zu dem Schluss, dass es nur unzureichende Studien mit beschränkter Aussagekraft gibt und dass eine Notwendigkeit für Studien bestehet.
Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) geht weiter. Sie hat wiederholt vor Chinin gegen Wadenkrämpfe gewarnt. Immerhin sind Patienten am Medikament verstorben oder erblindet. Sie hat den Nutzen als nicht belegt und die Risiken als zu hoch eingestuft. Auch in Australien und Neuseeland ist Chinin gegen Wadenkrämpfe nicht mehr zugelassen. Mehr hierzu schreibt das unabhängige Arznei-Telegramm http://www.arznei-telegramm.de/html/2010_09/1009099_01.html.
L. Abreu-Gerke und Kollegen sahen Nekrosen (abgestorbenes Gewebe) an Fingern und Zehen eine 87jährige Patientin, die Chinin gegen Wadenkrämpfe eingesetzt hatte. Die Amputation konnte durch andere Medikamente verhindert werden. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10875070
Ich hatte bereits angemerkt, dass die Medizin das Problem Muskelkrämpfe noch nicht ausreichend beforscht hat: http://rheumatologe.blogspot.de/2012/07/muskelkrampfe.html. Aber dieser Zustand sollte nicht dazu führen, gefährliche Medikamente unkritisch einzusetzen. Ich rate dringend vor Chinin gegen Muskelkrämpfe ab.
P.S. 04.03.2014:
Hier noch der Link zum Artikel der FDA (Food and Drug Administration) der U.S.A.: http://www.fda.gov/Drugs/DrugSafety/PostmarketDrugSafetyInformationforPatientsandProviders/ucm218202.htm
Thursday, July 12, 2012
Muskelkrämpfe
Muskelkrämpfe sind ein häufiges Problem, dessen sich die Medizin eher halbherzig zugewendet hat. So ein Muskelkrampf ist eine nicht gewollte Anspannung eines Muskels oder einer Muskelgruppe, die zu starken Schmerzen führen kann. Eine Tetanie ist die heftige Anspannung vieler Muskeln, z.B. bei niedrigem Kalziumspiegel, dem Wundstarrkrampf („Tetanus“ – sehr selten!) oder aber auch bei normalem Kalziumspiegel, z. B. derr Hyperventilation. Häufiger ist jedoch ein Magnesiummangel, z.B. im Sport bei Anstrengung der Muskulatur und Elektrolytverlust („Mineralien“). Nächtliche Wadenkrämpfe sowie auch in Ruhe werden häufiger beklagt.
Was kann man also tun? Bei einem Muskelkrampf kann man gegen die Richtung des Krampfes dehnen. Wärme kann angewendet werden. Wenn man zu Muskelkrämpfen neigt, kann eine magnesiumreiche Ernährung günstig sein (Sonnenblumenkerne, Hirse, Hafer, Roggen, auch Erd- oder Haselnüsse, oder über Mineralwasser, das mindestens 80 mg/l enthalten sollte); ggf. muss Magnesium durch ein Präparat zugeführt werden. Bei Hyperventilation in eine Tüte atmen lassen. Wenn man Medikamente einnimmt, sollte der verordnende Arzt gefragt werden, ob nicht eines der Medikamente für die Muskelkrämpfe verantwortlich ist.
29.06.2014:
In Prisma 25/2014 schreibt der Allgemeinmediziner Dr. W. Oestreich zu Muskelkrämpfen. Er weißt auf mangelnde Flüssigkeitszufuhr hin. Außerdem sollte man aufs Rauchen verzichten und Alkohol nur sparsam genießen (Alkohol kann man nur sparsam genießen!). Außerdem empfiehlt er vorbeugend Fußgymnastik und Dehnübungen sowie kalt-warme Wechselduschen.
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