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Wednesday, October 23, 2024

LYRIK-Taschenkalender 2016 40./41. KW 23.10.2024

 


Michael Braun hat den LYRIK-Taschenkalender 2016 herausgegeben und zusammen mit Henning Ziebritzki alle am Taschenkalender beteiligten Autoren  mit je einem Gedicht vorgestellt und kommentiert. Die 17 Dichterinnen und Dichter stellten jeweils zwei Lieblingsgedichte mit Kommentar vor. Diesen Taschenkalender habe ich nun wieder herausgesucht, denn er hatte mich eingeladen zum Annotieren und Assoziieren, zum Erstellen von GegenEntwürfen. Vielleicht so auch ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne). Diese Annotationen stammen aus den Jahren 2022-2024.


40. KW
Dagmar Kraus: voyeuse klinkt nicht


Kandelaber -: kannste labern.

Osrams -: die Osrams gibt es nicht mehr, neue schon. Jemand versuchte einmal, Osram Birnen als Heizung zu vermarkten, aber es klappte nicht (der Trick wurde durchschaut). Heute gibt es allerdings auch Osrams moderne Leuchtmittel, die ein Licht geben, das der Wärme alter Birnen entspricht.

Eine meiner Schwägerinnen berichtete aus ihrer Zeit im Gefängnis (Huch, sie war nicht im Gefängnis, sie arbeitete im Gefängnis), daß einer morgens rief „Es werde Licht!“ und dann auch wirklich das Licht anGemacht wurde. Er hatte wahrscheinlich eine gute Uhr.

Mutter labert, was das Zeug hält.

Osram -: Ausspruch, wenneinem ein Licht aufging. Längst aus der Mode.   

Feuer
    die Funken
Des
Feuers
Stieben
Auf
Und
VerMählen
Sich
Mit
Den
Sternen
Wir
Aber
Sind
Staub dieser
    VerEinigung
Oder so

40. KW
Kommentar: Gisela Trahms


Die Friseuse besteht auf Friseurin. Und so mag es auch eine Voyeurin geben.

Raptusse -: Rap und Tussi.

Ticktackte, Minneakt, zack, mutternackt, abgeschmackt, schabernackt.

Acq -: Wasser? [1]

Am Pool
    während du
Noch
Am
Pool
Warst
Mit
Der
Nixe
Und
Die
Zentaurin
Mit
Den
Hufen
Scharrte
Dachtest
Du nur
    An
Das EinHorn  


41. KW
Franz Dodel: (Aus: Mikrologien)


Das Grün des Tages
In das wir schauen müssen
Der Schnee schmilzt dahin
Die Vögel singen wieder
Doch schwarz stehen die Bäume

Die Basilika
Von grauen Wolken umhüllt
Die Türme blenden
Die Wälder stehen traurig
Durch die Wiesen stapft als Vieh  

EichenWald
    durch die
Eichen
Gleiten
Die
Häher
Durch
Den
EichenWald
Gehe
Auch
Ich
Der
Boden
Ist braun
    Vor
Der Nacht   

41. KW
Kommentar: Ulrike Draesner


Wenn man das Haiku zugrunde legt, müßten es 5-7-5-5-7-5 Silben sein und nicht 5-7-5-7-5 oder als Renga/Tanka würde man 5-7-5-7-7 immer wiederholen. Dieser 17/14-Rhythmus scheint mir sogar noch interessanter.

Mein Freund Conrad sagte einmal, als ich wieder rumdichtete: „Das Leben ist kein Gedicht.“ Oder vielleicht doch.

Karen (Poets the Original): „Choose any form, but use one for writing poetry.“

Kein Haiku, zumal die SilbenZahl im modernen Haiku unwichtig ist.

The Ticket that Exloded [2].




Links und Anmerkungen:
[1] Richard Fester: Sprache der Eiszeit. Die ersten sechs Worte der Menschheit. Herbig, München 1962. ISBN 3-7766-0980-X. Fester stellte die Hypothese auf, daß sechs Archetypen, nämlich „ba“, „kall“, „tal“, „tag“, „os“ und „acq“) die Basis aller Sprachen bilden. https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Fester_(Linguist) (Ich wohne in Diefenbach, das liegt im Kuttenbachtal und gehört zu Kall. Tag für Tag schreibe ich, auch über os habe ich geschrieben [3].)
[2] The Ticket That Exploded is a 1962 novel by American author William S. Burroughs. https://en.wikipedia.org/wiki/The_Ticket_That_Exploded
[3] Oh, da greife ich weit voraus, das wird in 1 1/2 bis 2 Jahren hier stehe erscheinen.


.

Wednesday, January 20, 2016

Carpe Diem Haiku Tokubetsudesu No. 66 Teika's Ten Tanka Techniques by Jane Reichhold


The bakery van
Slowly on the icy road
Unnoticed a crow
Baker amidst the fresh rolls
Darkness to blend with morning

Bridge crossing the Rhine
With locks for eternal love
Where are the couples
The Rhine takes all the wishes
From the source to the ocean


Gazing at the moon
And inviting him for drinks
Li Bo reminds us
With the moon and your shadow
You will never be alone



Friday, December 11, 2015

Carpe Diem Haiku Special No. 186 Georgia's 2nd "days of Christmas" (choka)


The Christmas markets
Ev’ry year the same routine
Jingle Bells, White Christmas
Season keeps to grey and green
With no snow falling
Glaring sun and hot spice wine
Falling into dreams
Of good old days long gone by
Jingling of the sled
Drawn by cold bloods through the snow


Boughs of tall fir trees
Bobbing up and down in wind
Snow flakes spinning down
The holy night approaching
Home lies far ahead
Under dark sky sweet silence
Moving onwards, ho!
Caressed by crisp and cold air
Across the river
And over the round hillcock
The plain still visible
Twinkling stars and sickle moon


Smell the smoke from home
Wood burning at the fire place
Seeing the warm light
Then greetings and lavish feast


The noise grows louder
And visitors watch and buy
All busses ready
Tourists leave and shops are closed
Tranquil Christmas might start now