Wednesday, September 13, 2017

Eine einsame Insel im Pazifik




Eine einsame Insel im Pazifik. Ein Mann geht im Kreis um die einzige Palme. Natürlich hat er Unrecht!


0. Hinweis:
„Eine Insel mit zwei Bergen und dem tiefen weiten Meer
Mit viel Tunnels und Geleisen und dem Eisenbahnverkehr
Nun, wie mag die Insel heißen, ringsherum ist schöner Strand
Jeder sollte einmal reisen in das schöne Lummerland“
-: ist sehr schön führt uns aber nicht weiter, denn es handelt sich um eine ganz andere Insel!

1. Hinweis:
Simon and Garfunkel:
I touch no one and no one touches me. / I am a rock, / I am an island. // And a rock feels no pain; / And an island never cries.

2. Hinweis: 
Wer das erste Wort hat, sollte besser Schweigen.

3. Hinweis von Nr. 3:
Spontan fällt mir da erst einmal folgendes ein
360° : 222.5° = 1.618
Der goldene Schnitt?

Ich vergaß zu erwähnen, dass er nicht im Uhrzeigersinn um die Palme geht, was man ja leicht annehmen könnte.

Ach Sie meinen: rechts ist links, oben ist unten, richtig ist falsch, reden ist schweigen J

Klar – und Silber ist Gold!

Und wo Licht ist, ist auch Schatten! Den sucht der Mann nicht zufällig?

Dann würde er nicht um die Palme gehen, sondern schleichen. Sonnenaufgang im Osten und Sonnenuntergang im Westen, ganz nebenbei bemerkt.

Doch. Er sucht den Schatten mit dem größten Winkel (also den größten Wedel)

Dann würde er doch stehenbleiben, aber er geht immer wieder und wieder um die Palme herum.

Jetzt weiß ich: Er ist Zwangsneurotiker und muss die Palme dreimal umrunden, um sich lösen zu können. Leider hat er vergessen, wo er angefangen hat, so dass er verzweifelt versucht, seine Runden zu beenden. Als echter Zwangsneurotiker muss er aber jedes Mal von neuem wieder anfangen, wenn er sich vertut.

Mein innerer Buddha sagt:
Zen ist weder kommen, noch gehen, noch bleiben.

Zen ist aber auch nicht Kommen, Gehen oder Bleiben. Und wenn ich diesem Buddha begegne, gebe ich ihm drei Ohrfeigen -: fürs Kommen, Gehen und Bleiben.

Nachtrag:
Ein Zen Meister sagte einmal: „Wenn Du völlig gelöst bist, dann ist es richtig.“ [若完全放松,就正确了。]

Also kann der Buddha den Ohrfeigen nicht entgehen!
Also kann ich auch immer und immer um eine Palme laufen und mehrere Tausend Kilometer zurücklegen ohne jemals anzukommen. Also ist der Weg nicht das Ziel, sondern das Ankommen im Nichtankommen.

Natürlich kann er hypothetisch den Ohrfeigen entgehen – wenn er es schafft, mir nicht zu begegnen.
Der Weg ist nicht das Ziel! http://rheumatologe.blogspot.de/2017/06/der-weg-ist-der-weg.html Das Ziel ist weder anzukommen noch nicht anzukommen.

4. Hinweis von Nr. 4 und weiteren: 
Nr. 4: Lieber Schweigen?
 



Bild von Patrizia Picassa

Ich vergaß zu erwähnen, dass er nicht im Uhrzeigersinn um die Palme geht, was man ja leicht annehmen könnte.
 



Bild von Patrizia Picassa

Nr. 5:
… die Palme dient dem Mann als Sonnenuhr.
Unter Berücksichtigung des Bezugslängengrades für diese Insel geht die Zeit allerdings um ca. 142 Minuten nach (wenn man die Sonnenuhrzeit mit der MEZ vergleicht). Dadurch hat er seine Aufenthaltsdauer falsch berechnet und auch falsch auf seiner Flaschenpost erwähnt – niemand wird ihn vermissen. Das ist wirklich bitter!

Das sind interessante Aspekte. Besonders die Bitterkeit – da denkt man natürlich sofort an die Syllogismes de l'amertume von Emil Cioran; „L'amertume des larmes fait leur bienfait car elle rend le calme, comme ces eaux ardentes et salées que rejettent parfois les volcans et dont l'expulsion leur redonne le repos“ [Die Bitterkeit der Tränen nutzt, weil sie ruhig macht, wie jenes glühenden und salzige Wasser, das manchmal die Vulkane ablehnen und dessen Vertreibung ihnen Ruhe gibt.] Zur Flaschenpost weiß bestimmt Nr. 7 etwas beizutragen, denn er kennt sich mit Inseln und Halligen sowie der Flaschenpost aus. Allerdings sind auf diesen Inseln keine Palmen, weshalb unsere Geschichte auch im Pazifik angesiedelt ist. Er hätte die Zeit besser mit der GMT verglichen. Aber für unser Problem ist das unerheblich. Da er keine Flasche hatte, hat er auch keine Flaschenpost verschickt.

Nr. 4:
Ich kapier es nicht.
Ich dachte die Antwort ist: Der Weg ist der Weg. Das Ziel ist das Ziel.

Ich sitze am Straßenrand
Der Fahrer wechselt das Rad.
Ich bin nicht gern, wo ich herkomme.
Ich bin nicht gern, wo ich hinfahre.
Warum sehe ich den Radwechsel
Mit Ungeduld?
- Bertolt Brecht, Buckower Elegien

Der Weg ist der Weg. Das Ziel ist das Ziel. Das ist richtig, aber nicht die Lösung.

Er geht um die Palme herum
Die Sonne brennt von oben.
Er ist nicht gern, wo er herkommt.
Er ist nicht gern, wo er hingeht.
Warum geht er nur weiter um die Palme
Mit Ungeduld?
- nach Bertolt Brecht, Pazifische Elegien

Nr. 3:
Es gibt weder Weg noch Ziel!

Das wäre aber holprig. Und der Mann hat bereits einen hübschen runden Weg durch sein Gehen geschaffen.

Nr. 3:
Ich glaube, Herr Kirsch will uns sagen, dass wir unser Augenmerk zu wenig auf den KREIS (円相) (Umrundung der Palme), der im Zen für Leere und Vollendung (dem Nichts, das das Alles enthält) steht, richten.
„And a rock feels no pain“ = Leere
“And an island never cries” = Vollendung
Cries = Kreis = Leere und Vollendung = ich bewege mich im Kreis = ich fühle Leere und bin auf der Suche nach (Voll)endung, im Zen ist der Kreis aber gleichzeitig die Leere und Vollendung = Ich bin im Nichtsein

Hervorragend. Alles richtig. Allerdings nicht die Lösung. Denn: Natürlich hat er Unrecht!
Nebenbei Hinweis: Auch Olof Palme hat nichts mit unserer Fragestellung zu tun.

P.S. zu meiner letzten Email = Vollendung (Umkreisung) = die Aufhebung vom Leid im Leid (Stoff für einen kompletten Workshop)
Herr Kirsch, so muss sich Thomas Mann gefühlt haben, als er auf seinem Amerika Besuch Studenten über seinen Zauberberg philosophieren hörte ;)

Gut, ich hätte natürlich bei Bitterkeit auch über Kumquats reden können oder darüber philosophieren können, warum Robben Island nicht gemeint ist (liegt auch im Atlantik).

Enso / 円相(えんそう)geht auf Shunyata () zurück. Die Dinge sind leer und ohne Dauerhaftigkeit. Leere bedeutet jedoch nicht Nichts. 色不异空,空不异色 [Leerheit ist Form, Form ist Leerheit] Herz-Sutra / Prajnaparamita-Sutra / – zentraler Text im Zen-Buddhismus; siehe auch: http://rheumatologe.blogspot.de/2017/01/the-heart-sutra.html




Nachtrag Enso: Ablehnung der Symmetrie und Perfektion. 空虚の瞬間を体験。Einen Moment der Leere erleben.

5. Hinweis: 
Was ist Wahrheit? fragte Pontius Pilatus. Die Wahrheit könnte Schwarz oder Weiß sein? Nein! Auch weder nicht Schwarz noch nicht Weiß. „Grau ist alle Theorie“, weiß/schwarz Johann Wolfgang von Goethe; was uns aber auch nicht einen Deut weiter bringt!

6. Hinweis:
一分 Eins teilt sich in zwei
1957年毛泽东在《党内团结的辩证方法》中明确指出:一分为二,这是个普遍的现象,这就是辩证法。(《毛泽东选集》5卷第498页)以后又多次加以论述和应

Im Jahr 1957 stellte Mao Zedong in der „dialektischen Methode der Einheit der Partei“ eindeutig fest: „Eins teilt sich in zwei, das ist ein weit verbreitetes Phänomen, und das ist die Dialektik“ ( „Ausgewählte Werke Mao Zedong“, Bd. 5, S. 498) und später wiederholt ihn Diskussion und Anwendung.

7. Hinweis: 
Könnte er überhaupt Recht haben? Und was bedeutet es, wenn er auf einer einsamen Insel immer im Kreis um die Palme läuft?
Vielleicht als kleiner Hinweis: Samuel Beckett: Quad - https://www.youtube.com/watch?v=LPJBIvv13Bc

8. Hinweis:
Bislang kamen existenzialistische Aspekte überhaupt noch nicht in den Fokus. Ist dieses Umherlaufen im Kreis nicht absurd? Albert Camus: Der Mythos des Sisyphos http://schmieder.fmp-berlin.info/collectibles/pdf/sisyphos.pdf

9. Hinweis (sozusagen ein Bonushinweis): 
Ein Patient hatte die schwarze Kugel geschluckt (ein Drogengemisch), bei dem der Blutdruck katastrophal angestiegen war, so dass ein Hirnaneurysma geplatzt war. Er wurde bereits hirntot eingeliefert. Aber die Freundin berichtete über seine Vision, die er in der Anfangsphase des Rausches hatte: „Man muss den Lauf der Erde um die Sonne stoppen, um alles Leid der Welt zu beenden.“

10. Hinweis: 
Ist die Insel nicht wie der Garten Eden? Wer sagt, dass der Garten Eden groß war? Und wie ist es mit dem Hinweis in der Geschichte „Natürlich hat er Unrecht!“?

11. Hinweis: 
Nr. 4:
Immanuel Kant.
But at least Immanuel tried.

Ja, Kant kannte sich aus. Aber was hätte er als Lösung angeboten?
Andererseits sagt er uns:
"Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen."
"Wenn die Wissenschaft ihren Kreis durchlaufen hat, so gelangt sie natürlicher Weise zu dem Punkte eines bescheidenen Misstrauens, und sagt, unwillig über sich selbst: Wie viele Dinge gibt es doch, die ich nicht einsehe."
Herzlichen Dank für diesen Hinweis!

Nr. 4:
οδα οδν εδώς

Ich weiß doch auch, dass ich nicht weiß, allerdings habe ich das Wissen um mein Nicht-Wissen.

Normalerweise sollte es zu einem Koan keine niedergeschriebene Lösung geben. Aber ich mache es doch, denn nicht alle sind am Koan sondern vielleicht mehr an der Rätsellösung interessiert. Ich könnte jetzt die Lösung irgendwo in meinen Blog verstecken, aber sie steht hier:


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