Friday, January 30, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 30.01.2026

  


Schnee am Himmel
Das Licht des Mondes macht die Wolken weiß,
Als ob der Schnee auf den Himmel gefallen sei,
Lose gefügt auf den schwarzen Boden des Himmels
Sowie er hier auf die Erde gefallen ist.
Adriaan Morrien [1]


Sonne
    um zu 
Leben
Verbrennt 
    Sich 
Die Sonne

Sand
    es fand
Sich
Noch
Etwas
Sand
In
Einer
HosenTasche
Sand
Aus
Der
Heimat
Von einer
    Anderen
SandUhr

Weg
Ich nahm den Weg
Den verWunschenen
Über BuchenLaub und Fels 
Über Moos und durch das Moor 
Nebel streiften mich und Ahnungen
Aber ich wich nicht ab vom Weg 
Schwarz stand der TannenWald
Wie eine Wand 
Und ich Schritt 
Über den federnden Grund 
Ich hörte die Quelle 
Und ich ging meinen Weg
Das Ziel vor Augen 
Selbst da verließ ich ihn nicht 

Haar
    was auch
Passiert -:
Diesem
Gedicht
Habe
Ich
VerBoten
Daß
Dein schwarzes
    Haar
Je erGraut

Am Seil

Heute wachte ich auf und hing an einem Seil. Nein. Ich hing nicht am Galgen, ich hing über dem Abgrund, dessen Tiefe im Dunkel ich nicht sah. Ich sah keine Wand und ich sah nicht den Anfang des Seiles im Licht. Sollte ich zum Licht hin klettern? Oder mich in die Tiefe fallen lassen? Ich kletterte nach oben Während das Seil sich immer weiter nach unten bewegte. Nur nicht aufhören. Nur nicht aufhören mit dem Klettern.



Paradies 
    die Cherubim 
Stehen 
GeLangweilt 
Vor 
Dem 
Paradies
Herum 
Denn
Es 
VerLangt niemand 
    EinGelassen 
Zu werden 

Worte 
    meine Worte 
Trägt 
Der 
Wind 
Mit 
Sich 
Fort
VerLiert 
Sie 
Und trägt 
    Sie 
Nicht aus

am alten brunnen
der frosch wird' heut' nicht springen
er wurde geküßt

Keile 
    Flugzeuge zie-
Hen 
L
 I
  N
   I
    E
     N 
Über 
Den 
Himmel
Gänse 
Und 
Kraniche 
Treiben Keile 
    Über 
Den Himmel

Beim FischHändler
    da – schau  
Dir 
Die 
Käufer 
An
Sie 
Gehen 
Zum 
FischHändler nur 
    Noch 
In TaucherAnzügen 

Blau
Im blauen Zimmer
Die Bilder der blauen Periode 
Der blaue Tee 
Zur blauen Stunde 
In blauem Porzellan
 – Wir sind so blau – 
Der Enzian und wir 
Gibt es eine schönere Farbe? 

Zeichen 
Ich schrieb Zeichen in den Sand
In den Schnee und in das Wasser 
Nichts blieb, denn alles verSchwand
[Die vierte Zeile am Rand] 

Stille 
    in der 
Stille 
Kannst 
Du 
Das 
UmBlättern 
Der 
Seiten 
Hören 
Wie 
Das Pendel 
    Bei 
Einer StandUhr 

Pfützen 
    spring ruhig 
In 
Die 
Pfützen
Die 
Der 
Himmel 
Über die 
    Menschheit 
GeWeint hat






Links und Anmerkungen:

[1] Aus: Adriaan Morrien [1a]: Schnee am Himmel. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 4. Jahrgang 1957. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 567. 
[1a] Adriaan Morriën (1912-2002) war ein niederländischer Lyriker, Erzähler, Essayist Literaturkritiker und Übersetzer (unter anderem von Heinrich Böll, Erich Kästner, Sigmund Freud, Albert Camus und Guy de Maupassant).  Er bekam 1954 den Preis der Gruppe 47.
https://de.wikipedia.org/wiki/Adriaan_Morri%C3%ABn  
[2] Fand sich nicht – ich habe gesucht, Hand aufs Herz.

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