Sunday, January 18, 2026

Altargesteck am 2. Sonntag nach Epiphanias 2026

 


„Die Leere schauend, geht Wahn in Stille über.“ [1] 

Wer den Bezug zur Leere ergründen möchte, der muß sich gedulden, aber er kommt, gewiß, eben später. Epiphanias ist das Fest der Erscheinung des Herrn und so erklärt sich die Zeit nach dem 6. Januar als Epiphaniaszeit. Die Kernaussage geht auf die Hochzeit in Kana zurück: Jesus zeigt im Wunder, dass Wasser zu Wein wird, seine Vollmacht und offenbart die Herrschaft und Herrlichkeit Gottes. [2] Der Wochenspruch lautet: „Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.“[3]

Die Lesung aus dem Evangelium stammt aus dem zweiten Kapitel des Johannes-Evangeliums [4]. Es geht dabei um die Hochzeit zu Kana, bei der Jesus schon vor der Zeit seines öffentlichen Auftretens („Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“) als Zeichen seiner Herrlichkeit Wasser in Wein verwandelte. Mich störte immer etwas der Vers 4a: „Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau?“ In der alten Zürcher Übersetzung oder früherer Lutherübersetzungen [5] stand Weib, noch härter! Der Ausdruck ist jedoch liebevoll und wertschätzend gemeint. Aber eine Zurückweisung liegt schon in der Frage. Die Synoptiker erwähnen die Perikope nicht und man hat sie auch nicht mit der zeitlichen Abfolge der Synoptiker synchronisieren können, die historisch als verläßlicher gelten [6]. Interessant ist doch, daß der Impuls von Maria, bei Johannes nie so genannt, ausgeht. Auf den Einwand „Meine Stunde ist noch nicht gekommen“ geht sie nicht weiter ein und weist die Diener an: „Was er euch sagt, das tut.“ Sie handelt mehr als Jesus, aber das Wunder kommt von ihm. Er läßt Krüge mit Wasser füllen und eine Probe dem Speisemeister bringen, die zu Wein geworden war. Eine besondere Handlung aber wird nicht erwähnt. Man kann sehr viel in die Geschichte hinein interpretieren. Zum Beispiel aus der Menge (verschiedene Schätzung, bis 700 l) könnte man auf Gottes Großzügigkeit schließen. Wasser zu Wein könnte der Übergang von Altem zu Neuem Bund sein. Von Maria könnten wir lernen, unsere Nöte sowie die unserer Nächsten vor Jesus Christus bringen und seinem Wort vertrauen.

In der Epistellesung geht es um die Tiefe und Unergründbarkeit Gottes, wie es Paulus im ersten Brief an Korinther versucht zu beschreiben [7]: „Uns aber hat es Gott offenbart durch den Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen Gottes.“ Er ist sich darüber klar, daß seine Worte schwach und unvollkommen sind, denn „ als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten oder hoher Weisheit“. Es geht um die Unterscheidung von menschlicher und göttlicher Weisheit.






Der Predigttext steht beim Propheten Jeremia. Es geht um die „große Dürre“ [8]. Damit hatte das gelobte, das heilige Land schon immer zu tum. Und damit haben heute mehr Landschaften zu tun. Die Dürren haben sich ausgebreitet, die Wüsten werden größere, aber auch das Gegenteil findet statt -: Überflutungen. Übrigens sind Wüstengebiete noch schneller überflutet, das dort die Erde fest gebacken ist und schlechter Wasser aufnimmt, so daß es schneller abfließt und dann überschwemmt. „Die Erde ist rissig, weil es nicht regnet auf das Land. Darum sind die Ackerleute traurig und verhüllen ihre Häupter.“

Wenden wir uns den Altargestecken zu. Den? Nein, in Köln gab es kein Altargesteck – das war das erste Erlebnis von Leere. Aber der Weihnachtsbaum stand noch neben dem Alter. In der Epiphanas-Zeit kann er noch stehen, denn der Weihnachtskreis geht bis Maria Lichtmess, das ist dieses Jahr der 02. Februar. Ich habe auch noch Weihnachtsbäume auf einem Kölner Friedhof entdeckt. Aber ehrlich gesagt, der Weihnachtsduft schwindet und die Plätzchen sind fast alle gegessen, also der Keks ist gegessen. In Kall gab es keinen Weihnachtsbaum und so wirkte diese Ecke leer. „Die Leere schauend, geht Wahn in Stille über.“ Stammt aus der Ecke des Zen-Buddhismus. Dort wird das Heil in der Leere verortet. Stille aber kennen wir auch, das knüpft an das Lied „Stille Nacht“ an. Das Gesteckt war ein Strauß in Farben Rot, Violett und Weiß, also auch der aktuellen liturgischen Farbe.





Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] Han Shan [1a]: Hundertfünfzig Gedichte vom Kalten Berg. Diederichs Gelbe Reihe, Düsseldorf und Köln 1974. ISBN: 3424005053. S. 172.
[1a] Hanshan (寒山) war ein Dichter der Tang-Zeit, wobei die historische Person nicht ganz sicher ist. Im Westen wurde er durch Gary Snyder [1b] bekannt. Er übersetzte [1c]: „Comtemplate the void: this world exceeds stillness.“ Mir gefällt die deutsche (spätere) Übersetzung besser.
https://de.wikipedia.org/wiki/Han-Shan 
[1b] „Gary Snyder (* 8. Mai 1930 in San Francisco) ist ein US-amerikanischer Schriftsteller und Umweltaktivist. Er zählt zu den Gründervätern der Beat Generation.“ 
https://de.wikipedia.org/wiki/Gary_Snyder 
[1c] Gary Snyder: A Range of Poems. Fulcrum Press, London 1966. S. 37.
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/2-sonntag-nach-epiphanias
[3] Joh 1,16
[4] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.2 Joh 2,1–11
[5] In der Bibelübersetzung von Martin Luther (1544) steh: „Jhesus spricht zu jr / Weib was habe ich mit dir zuschaffen“ [5a] mit einer Bemerkung: „(Forte) Was gehet es mich vnd dich an.“
[5a] http://www.zeno.org/Literatur/M/Luther,+Martin/Luther-Bibel+1545/Das+Neue+Testament/Das+Johannesevangelium/Johannes+2 
[6] https://www.sankt-georgen.de/fileadmin/user_upload/personen/Wucherpfennig/wucherpfennig3.pdf
[7] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/1CO.2  1. Kor 2,1–10 
[8] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JER.14 Jer 14, 1(2)3–4(5–6)7–9 


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