Saturday, January 10, 2026

LYRIK-Taschenkalender 2013 22.-24. KW 10.01.2026

 


Michael Braun hat den LYRIK-Taschenkalender 2013 herausgegeben. 17 Dichterinnen und Dichter stellten jeweils zwei Lieblingsgedichte mit Kommentar vor. Von diesen AutorInnen wählte der Herausgeber je ein exemplarisches Gedicht aus und kommentierte es. In diesen Taschenkalender habe ich nun wieder Annotierungen und Assoziationen geschrieben. Vielleicht so ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne). Diese Annotationen stammen aus den Jahren 2023-2026.


22. KW
Andreas Gryphius: Grabinschrift Marianae Gryphiae / seines Bruders Pauli Töchterlein


Vaterland verschlungen -: das droht uns wieder einmal. Darum -: carpe diem!

Sehr alt -: In Shogun von James Clavell steht über Ishido (ungefähr – aus dem Gedächnis übersetzt): „Er lebte drei Tage und starb sehr alt.“ 

Das Gedicht paßt auch auf Shiri, Ariel und Kfir Bibas. Die Kinder wurden von HamasTerroristen erwürgt [1].

Flucht 
    mit dem
ÜberVollen 
Koffer 
In 
Den 
ÜberVollen 
Bus 
Und 
Das 
Kind 
An 
Der 
Hand 
Trägt Rucksack 
    Und 
Einen TeddyBär  


22. KW
Kommentar: Hans Thill


„Gelebtes Leben und Lebenszeit“ -: da muß ich immer an Sophie Scholl denken. 

BrennWert
    alles hat 
Einen 
BrennWert
Kohle
BraunKohle
Die 
Scheite 
Im 
ScheiterHaufen 
Und die 
    Stradivari 
Natürlich auch  


23. KW
Michael Buselmeier: Dante deutsch: Die Läuterung (2)


„Ich bin das Brot“ / „Ihr seid die Reben“  


23. KW
Kommentar: Michael Braun


Eindringen in Lufträume -: und erst Eindringen in Lebensräume. 
Der Wein im Kelch ist herb und muss es sein. 
Des Reims willen kehrt sich alles um -: O und A.  


24. KW
Johannes Bobrowski: Hölderlin in Tübingen


Ich höre das Quietschen der WetterFahne, die sich in leichten Böen dreht. Ich sehe Braun, Grau, Grün und dunklere Töne dieser Farben im Schatten. Die Glocke aber durchBricht Schweigsamkeit, SchwerMut, Schatten.  

Ein eiserner FußAbtritt auf dem SteinGeviert vor der Tür. Schnell weht Schnee weht in großen Flocken heran. Nasser Schnee, der wahrscheinlich nicht liegen bleiben wird. Wir aber müssen den Abtritt und die Fußmatte nutzen und gehen grüßend und lachend durch die Tür, die unser Gastgeber geöffnet hat. Später ja, später nach Kaffee und Gebäck werden wir auch den Turm besichtigen und seinen Bewohner. Aber nicht jeder Turm ist ein ElfenbeinTurm. Geschrieben für den Jänner. 

Turm, Tower, Gefängnis, SchuldTurm.    

WetterHahn
    der Wind 
Dreht 
Sich 
Und 
Mit 
Ihm 
Der 
WetterHahn
Er 
Quietscht 
Ein 
Wenig
Der 
WetterHahn 
Ein
Krähen 
Hatten wir 
    Auch 
Nicht erwartet  


24. KW
Kommentar: Hauke Hückstädt


Gerade Paul Celan „Tübingen, Jänner“ gegenGelesen [1]: „Erinnerungen an / schwimmende Hölderlintürme, möven- / umschwirrt.“ 

Klopstock -: warum schon wieder Klopstock, dem Arno Schmidt den Messias zurückschicken wollte.

Und erst gestern hatte ich mit U. K.- B. über den Messias, Arno Schmidt und den Psalm 119. diskutiert, der übrigens zumeist in seiner Struktur nicht erkennbar übersetzt ist. 

Nur die Wetterfahne als Uhr? Reicht bestimmt auch, wenn man sie sehen kann, ist Tag.    




Links und Anmerkungen:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Entf%C3%BChrung_der_Familie_Bibas 
[2] Paul Celan: Die Gedichte. Kommentierte Gesamtausgabe. Barbara   Wiedemann (Hrg.). Suhrkamp Taschenbuch Nr. 3665. Frankfurt am Main 2005. S. 133.

No comments:

Post a Comment