Sunday, January 25, 2026

Altargesteck am 3. Sonntag nach Epiphanias 2026

 


Der Wochenspruch zeigt uns bereits das Thema des aktuellen Sonntags [1]: „Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“ Für den dritten Sonntag nach Epiphanias kann man als Kernaussage die grenzenlose Liebe Gottes ansehen, die man z.B. in „Sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund“ und dem Heilungswunder an dem Knecht des römischen Hauptmanns erkennen kann [2]. Alle Menschen sind gemeint und das von Anfang an. Im Predigttext kommt ein weiterer Hauptmann, nämlich Kornelius, ins Spiel.

Wenn man nun die Menschen von „Osten und von Westen, von Norden und von Süden“ und noch das Konzept Ökumene hinzufügt, gelangt man schnell nach Taizé. In Köln feierten wir eine Taizé-Andacht. Die Gemeinschaft von Taizé versteht sich als internationaler ökumenischer Männerorden, wurde aber bekannt durch ökumenischen Jugendtreffen, zu denen jährlich bis zu 100.000 Besucher vieler Nationalitäten und Konfessionen kamen; vor der Pandemie kamen immerhin 15.000 Teilnehmer [3] zusammen und so scheint es sich auch aktuell eingependelt zu haben. Interessant fand ich am Wikipedia-Artikel diese Worte: „Taizé wird kritisiert als „Vermengung konfessioneller Grenzen“. Beispielsweise geben katholische Bischöfe, Erzbischöfe und Kardinäle wie selbstverständlich sonntags das eucharistische Mahl wissentlich an evangelische Christen. Allerdings ist gerade dieser Punkt für die große Mehrheit derer, die Taizé betrachten, ein Hoffnungszeichen der Ökumene.“ Wir feierten aktuell kein Abendmahl, aber wenn wir es tun dann in ökumenischer Gastfreundschaft. Es waren mehr Teilnehmer als üblich da und die Gesänge wurden mit Streichinstrumenten, Klavier und Flöte begleitet. Herzlichen Dank den MusikerInnen.
 
In Kall feierten wir eine Andacht um den kleinen Altartisch im Format „Auf ein Wort“ mit der liturgischen Eröffnung nach der Iona Kommunität [4]. Der Kern war die die Jahreslosung: „Siehe, ich mache alles neu!“ [5] Daran schloß sich ein Austausch an, in dem Fragen und Ideen auftauchten wie:
  • Wirklich alles?
  • Ist neu automatisch besser als alt?
  • Angst vor Veränderung
  • Berichtet wird über schlechte anstatt gute Nachrichten
  • Neuanfang, aber wo?
  • Was kann man ändern?
  • Muß ich mir alles aufladen?
Die Kerzen wurden bei stummen Fürbitten aufgestellt.

Ich hatte oben bereits angedeutet, daß heute der Sonntag der Hauptleute war. In der Lesung aus dem Alten Testament treffen wir auf den aramäischen Feldhauptmann Naaman, der deshalb auch als „trefflicher Mann“ geschildert wird [6]. Aber er war mit Aussatz geschlagen und wurde vom Propheten Elisa geheilt – die Geschichte ist aber sehr lang. Im Predigttext ist vom Hauptmann Kornelius die Rede („ein gerechter und gottesfürchtiger Mann mit gutem Ruf bei dem ganzen Volk der Juden“ [7]). Diese Perikope berichtet über Petrus, der zu der Erkenntnis kommt, „dass Gott die Person nicht ansieht; sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und Recht tut, der ist ihm angenehm.“ Das Evangelium steht bei Matthäus und es geht um den Hauptmann von Kapernaum, dessen Knecht krank liegt [8]. In dem Text kommt eine sehr bekannte Stelle vor: „Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.“ Während die Synoptiker viele Perikopen miteinander teilen, ist das bei Johannes die Ausnahme, hier ist so eine. Sie steht unter der Überschrift „Heilung des Sohnes eines königlichen Beamten“ und spielt in Kana und Kapernaum [9]. Und hier muß ich stoppen, denn darüber werden wir im Ökumenischen Bibelgespräch sprechen [10].

Wenden wir uns dem Altargesteck in Köln zu. Einsam stand es auf dem Altar, denn wir feierten um den Taufstein. Beim Fotografieren des Gestecks  fühlte ich mich ein wenig in den Film „Barry Lyndon“ von Stanley Kubrick [11] versetzt, da dieser die Innenaufnahmen aus Gründen der Authentizität mit Kerzenlicht ausleuchten ließ. Das Gesteck war sorfältigt gefertigt, aber es versäumte, einen liturgischen Bezug hervorzurufen.






Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:
[1] Lk 13,29
[2] https://kirchenjahr-evangelisch.de/3-sonntag-nach-epiphanias/ 
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Communaut%C3%A9_de_Taiz%C3%A9  siehe dort Quellenangaben zu den Zahlen in den Fußnoten [62] und [63]. 
[4] „Die Iona Community (auch Gemeinschaft von Iona oder Iona-Kommunität genannt) ist eine auf der schottischen Insel Iona lebende ökumenische Gemeinschaft (Kommunität), die 1938 von George MacLeod gegründet wurde.“ 
https://de.wikipedia.org/wiki/Iona_Community  
Eigentlich hätte ich hier weiter zitieren sollen, aber dann wäre das Zitat zu lang geworden, bitte selbst nachschauen, falls noch nicht getan, denn es lohnt sich.
[5] Offb. 21,5
[6] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/2KI.5 2. Kön 5,(1–8)9–15(16–18)19a
[7] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/ACT.10 Apg 10,21–35 
[8] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MAT.8 Mt 8,5–13 
[9] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.4 Joh 4,46-53
[10] Ökumenische Bibelgespräche 2026. Die Bibelgespräche finden freitags von 18:00 – 19:30 Uhr im Gemeindehaus der evangelischen Kirche, 53937 Schleiden, Am Hähnchen 1 statt. Termine: 16.01., 30.01., 13.02., 27.02., 13.03., 27.03. und 10.04.2026.
[11] „Barry Lyndon“ ist ein Historienfilm des Regisseurs Stanley Kubrick aus dem Jahr 1975.
https://de.wikipedia.org/wiki/Barry_Lyndon  
Wikipedia berichtet in diesem Artikel weiter:
„Um die Stimmung von Rokokobildern authentisch wiederzugeben, drehte Kubrick einige Szenen vollständig bei Kerzenlicht, also ohne elektrische Beleuchtung. Möglich wurde dies durch die Verwendung eines extrem lichtstarken Objektivs (Planar 0,7/50 mm), das ursprünglich von Carl Zeiss für die NASA hergestellt worden war.“   

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