Monday, September 28, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 28.09.2026 SonderAusgabe am Montag


von euren schultern ist die last genommen
ihr seid wie vögel und kinder
vergnügt euch.
Tadeusz Różewicz [1]


Mauer 
Wir saßen 
HINTER DER HOHEN MAUER 
Und kamen nicht 
HinAus in die Welt
Aber schlimmer noch 
Waren die Worte
Daß diese Mauer 
Uns nur schützen sollte 

PflaumenZeit 
    es ist 
Wieder 
PflaumenZeit
Die 
Pflaumen 
Sind 
Reif
Vorsicht
Sonst fallen 
    Sie 
Auf dich 

Herbst 
Die Parkbänke leeren sich 
Blätter schlurfen über den Boden
Die Spelunken füllen sich 
Und wir gehen im Regen zum EntenTeich
{Betrachten die Trauerweide
Wie sie uns zuwinkt}
Aber dann auch wir 
Auf Auf 
Und fröhlich 
In die feuchtWarme Luft der nächsten Taverne 
Wo die SchankWirtin mit dem SchankJungen wartet 
{Rentner und RentnerGedeck}  

LeuchtTurm
Das Licht des Leuchtturms 
Sucht den Horizont
Streicht über die Wellen
Kommt näher
Wir verstecken uns am Strand 
Und warten 
{wir warten und warten 
und warten
und warten}
Bis der Strahl verschwunden ist 
{nur sekunden}



PoleDancing 
    da schaue 
Ich 
Gern 
Zu 
Zwischen 
Zenith 
Und 
Nadir 
Machst 
Du 
PoleDancing
Während 
Sich 
Das 
Universum 
DaRum dreht
    Auch 
Ohne uns 

FallStricke 
    es sind 
Diese 
FallStricke
Wie 
Nur 
Die 
Nacht 
Sie 
Legen 
Kann 
Und 
Wir 
VerFangen uns 
    Immer 
Wieder daRin

ErWachen 
    es war 
Noch 
Sommer 
Und 
Mit 
Dem 
Nebel 
Als 
Plumeau 
Wachten 
Wir auf 
    Und hielten 
Uns umArmt 

September 
Schorfige Wolken 
Fallen weiß & grau 
In das ewige Blau
Und die narbigen
Schartigen Blätter 
Färben sich gelblich
Wie Hämatome
Bis sie zu Boden trudeln

Herbst 
    das heisere 
Bellen 
Des 
Stürmischen 
Windes 
Läßt 
Die 
DachSparren 
Klappern 
Wie 
Lockere 
Zähne 
Im 
Mund 
Eines 
Greises 
Aber nichts 
    Geht 
Heute verLoren

Ohren & Augen 
In den Ohren wüten 
Die Echos der Stille 
Und die Augen dringen 
In die Schwärze der Nacht  
Wir aber schlafen 
Den Schlaf der Gerechten 
Und träumen von 
Einer Untat nach der anderen

VerRinnen 
    da sprach 
Einer 
Vom 
VerRinnen 
Der 
Zeit 
Wo 
War 
Er 
Genau 
Als 
Die 
Zeit 
Tosend 
Zu 
Tal 
Stürzte 
Und alle 
    Mit 
Sich riß 

PhöNix 
    der PhöNix 
Stieg 
Auf
Nix 
Als 
Rauch 
Aus 
Dem 
Feuer 
Und 
Aus 
Der
Asche 
DaRauf aber 
    Warten 
Wir noch 





Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Tadeusz Różewicz [1a]: Befreiung von der Last. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 10. Jahrgang 1963. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 243. 
[1a] Tadeusz Różewicz (1921-2014) war ein polnischer Schriftsteller.
https://de.wikipedia.org/wiki/Tadeusz_R%C3%B3%C5%BCewicz  
[2] This footnote is intentionally left blank. 
https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk  

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