Tuesday, September 22, 2026

Kapitel 20 – Bullerbü – ein mongolisches Intermezzo


Ich war bereits zweimal in Bullerbü. Das mag jetzt etwas befremdlich klingen Bullerbü und die Mongolei. „Bullerbü“ hat hier nichts mit den Kinder- und Jugendbüchern von Astrid Lindgren zu tun, aber jemand hat dem Camp einmal den Spitznamen „Bullerbü“ gegeben und ich habe bereits bei zwei [2] meiner drei Reisen durch die Mongolei dort übernachtet. Ich habe den Ort auf Google Maps gekennzeichnet [3]. Wegen Regen mußten wir auch dieses Mal um die Berge herum fahren, das sind etwa 40 km Umweg, denn sonst könnte man bei trockenen Wegen auch über die Höhe fahren, also östlich von den Aussichtspunkten für die Przewalski-Pferde. Vielleicht ist das auch ganz gut, so wird das Camp weiterhin nicht von Touristen überlaufen bleiben.

Pferde im Camp; 
die Kinder gehören zu der Familie, die das Camp pflegt (2023)

Przewalski-Pferde (2022)

Das Camp liegt im Khustain Nuruu National Park (Хустайн байгалийн цогцолборт газар) und ist das einzige, das in diesem National Park liegt, alle anderen, insbesondere das große (häßliche) Ger Camp am Parkeingang. Der Park ist bekannt für die letzte existierende Wildpferdeart, das Przewalski-Pferd, das im Mongolischen „Takhi“ (тахи) genannt wird. Es wurde benannt nach dem russischen Geographen und Forschungsreisenden polnischer Abstammung Nikolai Michailowitsch Przewalski (Никола́й Миха́йлович Пржева́льский), der von 1839 bis 1888 lebte. Er starb nahe Karakol am Issyk-Kul-See (Kirgisistan) an Typhus; die kleine Siedlung war vom Zaren in „Prschewalsk“ umbenannt worden und ist heute Teil des Ortes Karakol. Dort gibt es heute ein Museum mit zahlreichen Exponaten – darunter Schriftstücke, sein Reisepass und andere persönliche Gegenstände –, die Prschewalski gehörten. Ich habe das Museum in den Jahren 2014 und 2016 besucht, und schon bei meinem ersten Besuch wollte ich unbedingt das Przewalski-Pferd sehen [4].



Dieses Camp wird wenig besucht, denn es wurde nicht als Touristen-Unterkunft konzipiert. Zu den kleinsten der Häuser werde ich noch näher kommen. Die Häuser wurden für Forschende geschaffen. Es gibt in den Häuschen Betten und einem rudimentären Tisch. Elektrizität gibt es nur, wenn der Generator läuft, meist nimmt man seine Camping-Leuchte. Im Haus gibt es keine sanitäre Anlagen und die existierenden Toiletten sind abseits gelegene Plumpsklos und offen stehende Waschbecken, die Duschen sind überdacht. Warmes Wasser gibt es, falls die Sonne scheint. Es gibt die Winzhäuser, zwei mit mehreren Zimmern und ein Versammlungshaus (Langhaus) mit Tischen und Stühlen, wo gegessen werden kann. 



Das Winzhaus hatte einmal einen roten Außenanstrich, so daß daher der Name „Bullerbü“ erklärbar wird. Die Fläche wird wahrscheinlich etwa 3x3m betragen, so daß die Betten bequem hineinpassen und auch Gepäck. In der aktuellen Ausstattung lädt es zum Schlafen ein, vielleicht noch ein Bier zu trinken, aber da ist man draußen eigentlich besser bedient, insbesondere wenn abends auch noch Pferde durch das Lager kommen. Es sind wahrscheinlich doch nicht reinrassige Przewalski-Pferde, was man eigentlich vermeiden will. Ich weiß nicht, ob das Haus zwischen Außenwand und Pressholz-Innenwand eine Isolierung hat. Da das Winzhaus keinen Ofen hat, nehme ich an, daß es ohne Isolierung erbaut wurde und nur für den Sommer gedacht ist. Das Dach hielt dicht, denn ich war 2023 auch bei Regen dort. Ich habe beide Male gut geschlafen. Die Konstruktion scheint mir einfach genug zu sein, um solch ein Winzhaus an abgelegenen Stellen errichten zu können.




Links und Anmerkungen:
[1] Hinweise auf das Projekt finden sich in der Einleitung:  https://rheumatologe.blogspot.com/2024/01/das-winzhaus-einleitung.html 
[2] Reisen durch die Mongolei im Juli 2026 und im Juni 2023 
https://rheumatologe.blogspot.com/2026/08/reisen-durch-die-mongolei-im-juli-2026.html 
[3] Camp „Bullerbü“ https://maps.app.goo.gl/kAHV38MF6NRAQiHe6 
[4] Mongolia - Przewalski's Horse 
https://rheumatologe.blogspot.com/2022/11/mongolia-przewalskis-horse.html 
Und: https://de.wikipedia.org/wiki/Przewalski-Pferd 
 
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