Tuesday, September 29, 2026

LYRIK-Taschenkalender 2013 42. KW 29.09.2026



Michael Braun hat den LYRIK-Taschenkalender 2013 herausgegeben. 17 Dichterinnen und Dichter stellten jeweils zwei Lieblingsgedichte mit Kommentar vor. Von diesen AutorInnen wählte der Herausgeber je ein exemplarisches Gedicht aus und kommentierte es. In diesen Taschenkalender habe ich nun wieder Annotierungen und Assoziationen geschrieben. Vielleicht so ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne). Diese Annotationen stammen aus den Jahren 2023-2026.


42. KW 
Ulrich Koch: Die feinere Zeit


Wenn der Sand durch den Mund gelaufen ist
Endet die Zeit
Die Schritte sind verhallt
Die Grube ist geschlossen
Das letzte Hemd hat keine Taschen [1]

Laß doch Zucker [2] durch den Mund laufen, auch der Tod verdient Süße. Wenn das Kind stehen bleibt, sind seine Schritte nicht mehr zu hören. Oder vielleicht hört es auf das Echo des Daseins.

Wenn Sand durch den Mund läuft, denken wir vielleicht zu schnell an die SandUhr. Vielleicht kostet man von der Zeit. Vielleicht Breitet sich der Sand als Staub über eine Ebene aus. Vielleicht … 

Sand, über den wir gelaufen sind, und nun rinnt er dahin. Und dann in uns oder wir in ihm bis aller rote Staub sich wieder senkt. 

„lausch seinen / eigenen Schritten …“ -: nicht doch dem Echo der eigenen Schritte oder denen eines anderen? Will nicht schon das Kind die Einsamkeit im Universum überwinden?! 

Schritte
    auf dieser
Insel
Also
Hast
Du
Deine
Schritte
In
Den
Sand
GeSetzt
Wenn
Du
FortGehst
Wird Niemand
    Sie
Wieder beTreten 

Den eigenen Schritten kann man nur lauschen, wenn man geht, sonst wird es zum Koan und dafür ist das Kind zu jung. 


42. KW
Kommentar: Michael Braun


Die Vergänglichkeit hindert uns am Genuß der Gegenwart. 

Zeit
    sanft gleitet 
Die 
Zeit 
Immer 
VorWärts 
Und 
Nichts 
Bringt 
Sie 
ZuRück
Aber 
ManchMal 
Lohnt 
Der Blick 
    Auf die 
Fallenden SandKörner

Das leere Hemd wird entsorgt, da der Träger nicht mehr da ist. 

Mit dem Tod benötigen wir keine geschärften Sinne mehr für diese Welt. Aber was für Sinne sind für die andere notwendig? Wahrscheinlich keine anderen.

EntKommen aus der Diktatur der linearen Zeit. Also doch Zen-Buddhismus oder die Erlösung im ZeitSozialismus.





Links und Anmerkungen:
[1] Manche schon und man fragt sich -: warum?
[2] A. C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada (Gründer der Internationalen Gesellschaft für Krishna-Bewusstsein / ISKCON) wurde aufrecht sitzend in Zucker begraben. Ich lernte ihn und Hans Conrad Zander 1974 kennen, als  Zander für den STERN (Ausgabe 28/1974) den kritischen und auch viel beachteten Artikel „Der Gott, der Geld und Haare frißt“ schrieb.
[3] This footnote is intentionally left blank. 
https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk 

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