Monday, September 14, 2026

Die Kapelle St. Antonius und St. Luzia in Oberreifferscheid (Eifel) - Revisited


Die Kapelle St. Antonius und St. Luzia befindet sich in Oberreifferscheid. Wie der Name es schon sagt, liegt Oberreifferscheid oberhalb von Reifferscheid in der Eifel. Ich hatte die Kapelle vor einigen Jahren besucht [1] und auch darüber berichtet, aber jetzt bin wieder einmal dort gewesen und ich habe auch etwas mehr über die Kapelle in Erfahrung bringen können. 

Oberreifferscheid hat etwa 150 Einwohner und liegt etwa 130 m höher als Reifferscheid. Der Ort ist als „Overryferscheit“ urkundlich für das Jahr 1397  belegt, aber man nimmt an, daß er eine längere Geschichte hat [2]. Ein Soldatenfriedhof befindet sich außerhalb des Ortes mit eigener Zufahrt; über diesen hatte ich schon einmal berichtet [3].

Die Kapelle St. Antonius und St. Luzia  im jetzigen Zustand stammt aus dem Jahr 1928, als der Westturm abgerissen wurde und durch einen zweigeschossigen Nordturm ersetzt wurde [4]. Es handelt sich um eine in Bruchstein gemauerte und glatt verputzte Saalkirche des 16. Jahrhunderts, an der auch nach dem 2. Weltkrieg Schäden beseitigt werden mußten. Dies geschah bereits 1948/49. Eine weitere Renovierung erfolgte 1974.



Die Glasfenster wurden von der Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts erfaßt [5] und stammen fast alle aus dem Jahr 1960. Es wird die Firma Hein Derix genannt. Hein Derix lebte von 1904 bis 1987 [6]; das erinnert mich an meinen Großvater Otto Koerber, der von 1904 bis 1993 lebte und damit den Halley'schen Kometen nur einmal gesehen hat. Die Anfänge der Firma Hein Derix gehen auf Wilhelm Derix zurück, „der 1866 in Goch ein Atelier ins Leben gerufen hatte“. Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts berichtet noch über ein Fenster im Chor, dessen Künstler und Entstehungszeit nicht bekannt sind. Da hätte ich vor etwa sechs Jahren genauer hinschauen sollen. Es handelt sich um eine Darstellung von St. Antonius, bei der man ganz eindeutig ein Schwein erkennen kann.

Auch die Glocken wurden erfaßt [7]. Eine Glocke aus dem Jahr 1933 hat den Krieg nicht überdauert, aber die aus dem Jahr 1891 schon. Diese wurde von August Mark (Eifeler Glockengießerei, Brockscheid/Daun) gegossen und wiegt 50 kg. Der Schlagton wird mit a“ benannt.

Wer aber sind die Heiligen, die der Kapelle den Namen gaben? Antonius fand ich vor sechs Jahren schwierig, weil davon sehr mehrere gibt; Antonius von Padua hatte ich vermutet, aber gerade der ist es nicht. Es ist Antonius der Große (um 251 bis 356) der ägyptische Mönch, Asket, Anachoret und Einsiedler [8]. Er war der erste Wüstenvater und Begründer des christlichen Mönchstums. Hand Conrad Zander widmet ihm 140 Seiten in seinem Buch „Als die Religion noch nicht langweilig war / Die Geschichte der Wüstenväter“ [9]. Kommen wir zum Schwein. Der Antoniter-Orden hatte das Recht, das  „Antoniusschwein“ zur Mast im Dorf auf Kosten der Allgemeinheit frei herumlaufen zu lassen, um es unterscheiden zu können, trug es ein Glöckchen. 




Als Luzia habe ich die heilige Luzia von Syrakus identifiziert [10], die im Jahre 304 zur Märtyrerin wurde. Die Mutter wollte Luzia verheiraten, doch diese hatte ihre Jungfräulichkeit Christi gelobt. Eine Wallfahrt zum Grab der heiligen Agatha in Catania (die mit den Minne di Sant’Agata, also den Brüsten der Hl. Agatha [11]) heilte die Mutter von einer schweren Erkrankung, so daß sie dem Gelübde ihrer Tochter zustimmte. Der zurückgewiesene Bräutigam hatte dann nichts Besseres zu tun, als sie bei der Christenverfolgung anzuschwärzen. Ein Ochsengespann sollte Luzia in ein Bordell bringen, konnte aber Luzia (wie auch 1000 Männer) nicht fortbewegen. Siedendes Öl und weitere Martern konnten ihr nichts anhaben, mit einem Schwertstich in die Kehle wurde sie dann aber doch getötet. Halt, aber sie starb erst, „nachdem ihr eine Hostie durch einen Priester gereicht“ worden war.

Ein Abstecher zur Kapelle St. Antonius und St. Luzia lohnt sich. Wenn Sie Oberreifferscheid besuchen, vergessen Sie nicht die Kriegsgräberstätte, die vor Oberreifferscheid nach rechts liegt, wenn man von Reifferscheid kommt (also nordöstlich von Oberreifferscheid).






Links und Anmerkungen:
[1] Die Kapelle St. Antonius und St. Luzia in Oberreifferscheid 
https://rheumatologe.blogspot.com/2020/12/die-kapelle-st-antonius-und-st-luzia-in.html 
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Oberreifferscheid 
[3] Kriegsgräberstätte Oberreifferscheid 
https://rheumatologe.blogspot.com/2020/05/kriegsgraberstatte-oberreifferscheid.html 
[4] https://www.katholische-kirche-hellenthal-schleiden.de/gemeinden-einrichtungen/seelsorgebereich-hellenthal/reifferscheid/glaubenszeugnisse/Kapelle-Oberreifferscheid/ 
[5] Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e.V. 
https://www.glasmalerei-ev-web.de/pages/b2830/b2830.shtml 
[6] https://blattus.de/archiv/kaz/texte/d_kaz/derix_hein.html 
[7] https://www.bistum-aachen.de/export/sites/Bistum-Aachen/portal-bistum-aachen/glaube/liturgie/kirchenmusik-bistum-aachen/.galleries/Glockenbuecher/Gelaute-in-der-Region-Eifel.pdf 
[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Antonius_der_Gro%C3%9Fe 
[9] Hans Conrad Zander: Als die Religion noch nicht langweilig war. Die Geschichte der Wüstenväter. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2002, ISBN 3-462-02982-7. 
[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Lucia_von_Syrakus 
[11] Mehr zu dieser interessanten Abschweifung hier:
https://rheumatologe.blogspot.com/2020/07/st-apollinaris-und-agatha-in-kall.html 


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