Friday, October 30, 2026

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 30.10.2026


Irden sind unsere Seelen,
aus einem Ende geboren,
von einer Dauer
gezeichnet.
Nicolas Born [1]


Laub 
Das bunte und das braune, verWelkte 
Laub verModert
Laub fällt gerade 
Auf die noch wachsende Wiese
Oder ist das unGerade?

Lippen 
Ihre Lippen 
Hinter einem Niqab 
Die Augen bewegen sich 
Die Worte kommen unBewegt hervor
Aber seine Ohren fangen an zu wackeln

Gedichte
    abends hören 
Die 
Vögel 
Auf 
Zu 
Zwitschern
Aber 
Dann 
Höre ich 
    Auf 
Den Mond

der weg 
auf dieser wanderung 
meldet sich nicht der fuß
mit seinem schmerz
sondern der weg mahnt
tritt mich nicht zu fest

Mond 
    mach' dir 
Einen 
Mond 
Aus 
Plastik
Denn 
Der echte 
    Mond 
Ist unZuverlässig 

Taverne
Der Schankraum ist gekehrt
Das Faß wieder im Keller 
Die Lichter sind gelöscht 
Die Pfort' und alle Läden verSchlossen
Einsam prallen nun SternenLicht 
Oder RegenTropfen an die Läden
Das Feuer brennt nieder 
Nacht hat auch die Taverne erGriffen 
Da und dort flüstert es 
Ein Huschen verNimmt das wache Ohr 
Schlafe auch du 

HerbstKälte
    zwischen den 
Schatten 
Der 
Wolken 
Wärmt 
    Die 
Sonne noch

Wind am Meer
Dein nasses Haar trocknet der Wind
Aphrodite 
Die unterGehende Sonne spiegelt sich im Meer
{Thalassa} 
Deine Silhouette aber 
Ist dem BildHauer AnLaß genug 

Diefenbacher ZauberSprüche 
Simsalabim Saladin / Abrakadabra Aladin 
insprinc uolan / thu biguol en hrudi
nu sizi, sizi, uolan, inbot dir sandie marie

Altes Haus
    da fielen 
Ziegel 
Vom 
Alten 
Haus 
Im 
Sturm
Und 
Waren 
Doch 
Noch 
Ziegel vom 
    TurmBau 
Zu Babel 

Gallisch / Galle
Durch Paris auf der Suche 
Nach dem gallischen Gockel 
Oder dem Hund? 
Dem Bello gallico 
Den Bello geFunden 
Auf Straßen 
Nicht gallisch 
Galle
Nicht in Gaze geHüllt 
Mehr in Gaza 
Und rannten 
Und plünderten 
Und ich such' immer noch 
Den gallischen Hahn 
Oder wenigstens ein Huhn
Doch Paris ist leer 
Bis auf Menschen mit leeren Gesichtern 
Suchen wie ich 
Den gallischen Gockel 

Heller Tag 
    kaum zu 
Glauben
Schon 
Heller 
Tag 
Du 
ErWachst 
Aus 
Einem 
Traum 
Von 
Vampyren 
Die
Dir in dunkler 
    Nacht 
Das Blut ausSaugen 

Fallen
    ich falle 
Wie 
Im 
Leeren 
Raum 
Nicht 
Schneller 
Oder langsamer 
    Als 
Die Zeit 

HerbstGarten 
Der Regen überFällt den Garten
die faulen Äpfel flüchten vor dem Schritt
Die Pflaumen erGeben sich 
Lassen sich zerTreTen 
Wir aber eilen in die Laube 
Sitzen zitternd unterm Dach 
Wir warten und warten
{…}
Zusammen 
Jetzt schon eng zusaMMen
Da wird die Zeit nicht lang 

Lange_________Weile 
Auch TelefonBücher 
{gibt es die noch?} 
Und EinKaufsZettel 
Mögen langWeilig wirken
Sind es aber nicht
Wenn du aber aus LangeWeile liest 
{und das liegt fern einer Empfehlung von mir} 
Wirst du langweilige Gedichte finden 
Noch und noch 
{Ich wiederhole das jetzt nicht 23mal} 





Links und Anmerkungen:
[1] Aus: Nicolas Born [1a]: In der Erwartung. In: Akzente. Zeitschrift für Dichtung. Herausgegeben von Walter Höllerer und Hans Bender. 11. Jahrgang 1964. Carl Hanser Verlag, München 1954-1973. Nachdruck Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1975. S. 170. 
[1a] Nicolas Born, das Rechtschreibprogramm schlug Nicholas Bourne vor, als sei er ein Bruder von Jason Bourne gewesen, (1937-1979) war ein deutscher Schriftsteller. Ich muß zugeben, daß mich der Enthusiamus seiner Tochter Undine gegenüber den Gedichten des Vaters gegenüber {über über} überrascht hatte, aber hier ist der Beweis, daß es es nicht völlig unangebracht war.
https://de.wikipedia.org/wiki/Nicolas_Born  
[2] Kurz darauf lese ich „Leben mit Frankenstein“ [2a] von Rolf Dieter Brinkmann. 
[2a] Rolf Dieter Brinkmann: Standfotos Gedichte 1962-1970. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1980. ISBN: 3-498-0-0461-1. 
[3] This footnote is intentionally left blank. 
https://www.youtube.com/watch?v=sGb4lAiVxRk 

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