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Sunday, December 18, 2016

Im Oberbergischen ohne Navi




Ich besitze kein Navi. Und normalerweise ist das völlig egal. Ich brauche es nicht und finde es störend. Aber vor einigen Tagen war ich im Dunkeln im Oberbergischen unterwegs und hatte mich verfahren. Da dachte ich, wie toll es wäre, ein Navi zu haben.

Ein Freund hatte mich zu seiner Geburtstagsfeier eingeladen. Ich bin direkt nach der Arbeit vom Niederrhein losgefahren und hatte die Strecke gut im Kopf, wie ich meinte. Einige Zeit nach der Autobahn fuhr ich in Richtung Wiehl und habe eine sehr kleine Abzweigung verpasst. Einen Kilometer später war ich mir sicher, dass ich falsch gefahren war, fuhr aber weiter, um mich neu orientieren zu können. Da war ich in Wiehl. Und da war die Bahnhofstraße. Da wieder dachte ich, ich wäre doch richtig, denn auf der Bahnhofstraße hatte ich vorgehabt zu parken. Ich suchte die Bielsteiner Straße und fand sie nicht. Stattdessen war ich in eine unbelebte Fußgängerzone geraten. Und traf auf ein älteres Ehepaar.

Ich sprach die beiden an. Und nach kurzem Überlegen erfuhr ich, dass es hier keine Bielsteiner Straße gäbe. Die Konfusion hätte bestimmt mit den Eingemeindungen zu tun. Da bemerkte ich plötzlich, dass ich den Namen des Restaurants zwei Orte weiter vergessen hatte. Aber schon fiel der Name Kranenberg. Da erinnerte ich mich wieder, denn Kranenberg ist so ähnlich wie Kranenburg. Wenn man in Köln Leitungswasser trinkt, nennt man es gerne Kranenburger. Nun in Kranenburg am Niederrhein war ich auch schon und ebenfalls zum Essen. Es stellte sich heraus, dass der Weg zum Restaurant kompliziert ist. Der ältere Herr war Architekt und hatte zudem den Umbau des Hauses Kranenberg früher durchgeführt. Netterweise fuhr er mit seiner Gattin vor mir her und lieferte mich vor dem Restaurant ab, wo sogar ein Parkplatz frei war. Ich kam nicht sehr zu spät.

Ich besitze kein Navi. Werde ich mir nun ein Navi zulegen? Ganz bestimmt nicht. Ich werde mir doch nicht die Chance verbauen, so nette und hilfsbereite Menschen kennenzulernen.


Thursday, August 18, 2016

Bonte Kerke Müllenbach (Marienheide)




Ich besuchte eine der Bonten Kerken (bunte Kirchen) im Bergischen Land. Es handelt sich um eine evangelische Wehrkirche. 


 Anstelle einer Kirche im Fachwerkstil entstand im 11. Jahrhundert ein Kirchenneubau in massiver Bauweise. Der erste Bauabschnitt der romanischen, dreischiffigen Pfeilerbasilika dauerte bis etwa 1097.  Im 12. Jahrhundert hat man an der Westseite den Kirchturm und später  Seitenschiffe angebaut. Die Kirche gilt als kulturhistorische Kostbarkeit, nicht nur aufgrund der Architektur sondern auch wegen der Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert, die wieder freigelegt wurden, und der „Zuckerhutglocke“, die aus dem 12. Jahrhundert stammt. Sie gilt als älteste Glocke im Oberbergischen. 


Nein! Das ist sie nicht, die Zuckerhutglocke



Fresken auf der Nordseite

Der Begriff Bonte Kerke wurde zunächst für eine Kirche in Lieberhausen benutzt, gilt aber heute als Bezeichnung für eine Reihe von Kirchen im Oberbergischen, die mittelalterliche Fresken oder Malereien aufweisen. Die Wandmalereien stellten Szenen der Bibel dar, so dass man sie auch als Vorläufer eines sakralen Comic Strips auffassen kann. Man wollte der analphabetischen Bevölkerung so Gottes Wort näher bringen. Die Missionierung der Gemeinde Marienheide bzw. des Oberbergischen fand ab etwa 1050 durch Mönche des St.-Severins Stifts von Köln aus statt. Während der Reformation wurden die Gemeinden jedoch evangelisch. Damals hat man im Rahmen des Bildersturm diese Fresken und Malereien nicht zerstört, sondern nur übertüncht, so dass sie erhalten geblieben sind.



Links:

Wednesday, August 17, 2016

Unnenberg, Aussichten, Rock am Turm und Biker





Eine Wochenendfahrt durchs Bergische Land. Da trifft man auf Biker.

Bei einer Fahrt zu einer der Bonte Kerken fuhr ich hungrig durchs Land und suchte ein Restaurant. Das sah ich ein Hinweisschild zu einer Gaststätte auf dem Unnenberg. Der Unnenberg liegt bei Marienheide und ist 505 m hoch. Oben ist ein Sendeturm, den man besteigen kann. Ich wollte zur Turmgaststätte Unnenberg, aber die ist schon lange geschlossen. Dafür gibt es aber einen Kiosk, bei dem man für einen Euro den Turm besteigen kann, denn der hat auf etwa 30 m Höhe eine Plattform mit schöner Aussicht. 





Es waren bereits Biker eingetroffen, da ab 18:00 Uhr dive naked und anschließend Shepherd's Warning, eine bereits bekanntere Band aus Siegen, im Rahmen eines Festivals Rock am Turm spielten. „Shepherd's Warning machen melodischen Rock – mal härter, mal leiser, manchmal auch mit folkigen Klängen.“ (http://www.shepherds-warning.de/band/) 



Später besuchte ich einen Schnellimbiss, der mir überraschend gut gefallen hat. Eigentlich suchte ich ein Restaurant. Völlig ausgerichtet auf die Biker-Szene stimmten aber Essen und Ambiente. Dem Wirt ist es wichtiger, dass die Gäste zufrieden sind als dass er mehr verkauft. Die Musik im Hintergrund war die Musik meiner Gymnasialzeit. Und ich schaute mir die Biker an, die auch in meinem Alter sind. Diese Generation des Aufbruchs ist auch in die Jahre gekommen, aber dann bricht man doch wieder aus dem Alltagstrott aus. Ich hoffe, dass sich diese Szene hält, auch wenn ich nicht Teil von ihr bin.

 

Monday, July 8, 2013

Hückeswagen, ein Geheimtipp im Bergischen Land




Wie komme ich eigentlich dazu, die kleine Stadt im Bergischen Land als Geheimtipp einzusortieren? Ich suchte ein Ausflugsziel, um meine Eltern (88 und 83 Jahre alt). Dafür sollte das Ziel nicht zu weit von Köln entfernt sein und die Besichtigung auch überschaubar sein; also 1-2 Stunden Spazierengehen, aber nicht sechs Stunden Wandern. Ich suchte unter Schlösser un Burgen, fand nicht so recht etwas, und kam immer wieder auf Hückeswagen. Aber da war nur wenig Hintergrundinformation und auch die Vernetzung auf weitere Informationsquellen eher spärlich.

Ich habe dann die Fahrt ins Blaue gewagt und bin noch ganz begeistert. Hückeswagen hat eine erhaltene Altstadt. Hier stehen die Häuser im Bergischen Stil Haus an Haus. Dann sind noch Kirchen und das Schloß.

Hückeswagen geht bis auf das 10. Jahrhundert zurück. 1085 wird der Ort erstmals in einer Urkunde erwähnt. Nach 1568 kommt die Reformation nach Hückeswagen. Brände zwischen 1753 und 1760 zerstören Teile der Altstadt, die danach aber nicht mehr in größerem Umfang zerstört wurde. 1859 erhielt Hückeswagen das Stadtrecht. Und damit genug Geschichte. Quelle: Hückeswagen - historisch erleben (Faltblatt, sehr informativ). Und nun am Tag nach dem Besuch finde ich auch die entsprechende Seite im Netz: http://www.hueckeswagen.de/Startseite.10.0.html - verdammt einfach zu finden, wenn man nur danach sucht.





Das Schloß - und hier muss ich mich einmal als besonderer Freund des Romans "Das Schloß" von Franz Kafka outen - ist heute Sitz der Verwaltung. In der ehemaligen Schloßkapelle ist das Heimatmuseum untergebracht. Und da hätte ich schon gerne früher erfahren, dass es erst wieder am 25.08.2013 zu besichtigen ist; hier sind Verwaltung, Heimatmuseum, Fremdverkehramt etc gefordert, sich einmal der modernen Informationstechnik zu bedienen. Eine der Grabinschriften, die neben dem Eingang zum Heimatmuseum hängt, werde ich erst später in einem anderen Blogpost zum Wandel von Bestattungsformen erwähnen,; vielleicht aber schon so viel: da wurde der Tod der LIBEN HAVSFRAW BEKLAGET UND BEWEINT.




Die Pfarrkirche St. Nicolaus erfolgte bis 1490 einschiffig und wurde 1506 zweischiffig vollendet. Im 17. Jahrhundert erfolgte über 50 Jahre eine gleichzeitige Nutzung der Kirche durch Katholiken und Reformierte (Simultaneum). Zwischen 1782-1787 wird die von Bränden zerstörte Nicolaikirche abgerissen und durch die Pauluskirche ersetzt. Interessant ist die Anordnung von Altar, Kanzel und Orgel in drei Etagen in einer Richtung. Quelle: Informationsblatt, das in der Kirche ausliegt.




Wenn man weiter durch den Ort geht kommt man zur ehemaligen Johanniskirche, die auf so engem Raum schon früher nicht für die Gottesdienste genutzt wurde, sondern für Beerdigungen und gesitliche Konzerte. Nun ist die Kirche zu einem Kolumbarium umfunktioniert worden. Dies ist ein Ort, an dem die Urne aufbewahrt wird und den Trauernden einen würdevollen Ort des Gedenkens gibt. Aber auch hierzu werde ich mich später in einem Blogpost zum Wandel von Bestattungsformen äußern.



Über den Friedhof gelangten wir zur katholischen Kirche und dachten zunächst, St. Maria-Himmelfahrt sei eine moderne Pfarrkirche. Wir gingen aber trotzdem hinein. Und siehe da, eine sehr interessante Kirche war zu sehen. Ich gebe zu, später von draußen und aus einer anderen Blickrichtung sah man das auch. Die Kirche besteht aus einem alten und einem neuen Teil, die aber harmonisch zusammengefügt sind.






Und wem das zu viel altes Gemäuer und Kirchen sind, der kann weiter zur Bevertalsperre, wo man Bötchenfahren, Segeln oder Schwimmen kann. An der Talsperre treffen sich übrigens auch die Biker.





02.08.2013:
Ich bekomme gerade per Email noch einen interessanten Hinweis:
"Die Johanniskirche (oben in der Stadt, gegenüber der früheren kath. Grundschule) und das ehemalige Postamt in der Peterstraße (gegenüber dem Café Koppelberg) sind Schinkel-Bauten."