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Sunday, January 6, 2013

Dr. Budwig’s Omega-3 Energiemix



"Dr. Budwig´s Omega-3 Energiemix ist eine ballaststoffreiche Mischung aus Leinsamen, Sonnenblumenkernen, Weizenkeimen und Fruchtflocken." Was stört mich denn daran? Sicherlich auch das überflüssige Apostroph; nein, wenn der Rest sinnvoll wäre, würde ich es überhaupt nicht erwähnen. Warum Energiemix? Bei Omega-3-Fettsäuren geht es nicht um Energie. Warum Sonnenblumenkerne? Die sind doch gerade reich an Omega-6-Fettsäuren.

Johanna Budwig war der Meinung durch die schwefelhaltigen Aminosäuren (Eiweißbausteine) in Hüttenkäse und Quark sowie mehrfach ungesättigte Fettsäuren, also Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, Krebszellen beeinflussen zu können. Sie nahm Leinöl, das besonders reich an der Omega-3-Fettsäure alpha-Linolensäure ist. Der Nachweis für einen Effekt auf Krebszellen konnte jedoch nicht erbracht werden.

Ein Zuviel an mehrfach ungesättigten Fettsäuren führt zu einem Anstieg von freien Radikalen, die für den menschlichen Körper schädlich sind. Und Öle sind anfällig, zu oxidieren, also in dieser Hinsicht besonders gefährlich. Leinöl wird schnell ranzig. Und dann ist es nicht mehr gesund. Das gleiche Problem besteht aber auch bei geschroteten Leinsamen. Der Hersteller könnte nun der Ansicht sein, man müsse sein Produkt nur schnell genug verzehren und dann ist alles im grünen Bereich. Aber wer weiß denn, wie lange es im Regal gelegen hat?

Ich stehe ja gar nicht so weit weg von Frau Budwig, denn ich sehe eine ungenügende Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren, wenn man vom Bevölkerungsdurchschnitt ausgeht. Was folgt nun daraus? Man kann wegen gesundheitlicher Vorteile für eine ausreichende Zufuhr an Omega-3-Fettsäuren sorgen. Bei Nicht-Vegetariern reichen Kaltwasserfisch wie Makrele, Hering, Lachs zusammen mit der regelmäßigen Zufuhr von Leinöl, das reich an alpha-Linolensäure ist. Problematisch wird es, wenn man sich rein pflanzlich ernährt, also Veganer ist, denn DHA und EPA Docosahexaensäure und Eicosapentaensäure werden nur unzureichend aus der alpha-Linolensäure umgesetzt. Für Vegetarier würde dies auch gelten, aber es ist anzunehmen, dass es zu einer Aufnahme etwa über Eier kommt.

Aber ich entferne mich zu weit von " Dr. Budwig’s Omega-3 Energiemix". Wozu denn dieses überteuerte Präparat (28,29 EUR pro kg - und das ist verdünnter Leinsamen!)? Holen Sie sich frisch geschroteten Leinsamen aus Ihrem Bioladen (ca. 5 EUR pro kg), eine Müslimischung und Magerquark oder Hüttenkäse und machen Sie selbst eine Mischung daraus. Denken Sie daran, dass etwa zwei Eßlöffel Leinsamen pro Tag völlig ausreichen, den Mangel auszugleichen. Mehr hilft nicht mehr sondern schadet nur. Misstrauen Sie überzogenen Heilsversprechungen.

Link zu Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren: http://rheumatologe.blogspot.de/2012/08/omega-3-und-omega-6-fettsauren-sowie.html  
Link zum Artikel zu Krill-Öl, da wird das Problem auch angesprochen: http://rheumatologe.blogspot.de/2012/08/antarktis-krill-komplex-und-arthrose.html  
Link zum Blogpost Nahrungsfette (ähnlicher Text wie Vebu-Artikel): http://rheumatologe.blogspot.de/2012/01/nahrungsfette.html  



Saturday, August 4, 2012

Antarktis-Krill-Komplex und Arthrose



In einer Anzeige zu Antarktis-Krill-Komplex fand ich die übliche Vermengung von Arthrose, Arthritis und Rückenbeschwerden, die mit diesem Mittel zu behandeln wäre. Es handelt sich um ein Präparat, das dem Körper Omega-3-Fettsäuren zuführt. „Der Mangel an Omega-3-Fettsäuren ist das Ernährungsproblem Nr.1 ...“ heißt es da. Auch ich sehe in einer ungenügenden Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren ein Ernährungsproblem, aber es nicht das wichtigste! Das Präparat wird mit einer höheren entzündungshemmenden Wirkung beworben, aber es wird nicht beschrieben, wogegen es getestet wurde, vielleicht gegen Altfett aus einer Fast-Food-Fritteuse?

„Krillöl ist viel angenehmer einzunehmen als Fischöle, da es kein Aufstossen verursacht.“ Gleiche Menge Öl bedeutet gleicher Effekt, alles andere ist Wunschdenken. „Das Omega-3 in Krillöl wird vom Körper ausserdem besser aufgenommen als bei Fischöl!“ Das wäre erst noch nachzuweisen. Denn ob die Omega-3-Fettsäuren aus Krill oder aus Fisch gewonnnen werden, ist für die Aufnahme durch den Körper nicht erheblich.

„Krill steht ganz am Anfang der Nahrungskette und ist daher unbelastet durch Schwermetalle oder andere Schadstoffe.“ Wenn man sich die Test-Ergebnisse von Fischöl-Kapseln anschaut, dann sind fast alle unbelastet, sie: http://www.test.de/Fischoelkapseln-Meer-Schutz-fuers-Herz-1276864-1277493/. Also Werbung mit Schadstofffreiheit sollte nicht ausschlaggebend sein.

Der Gehalt an Omega-3-Fettsäuren sowie DHA und EPA kann es auch nicht sein. Eine Kapsel Antarktis-Krill-Komplex enthält 150 mg Omega-3-Fettsäuren, wovon 120 mg auf DHA und EPA entfallen. Die ALDI (Süd) Lachsölkapsel enthält 191 mg Omega-3-Fettsäuren, wovon 148 mg auf DHA und EPA entfallen.

Kosten? Fragen Sie nach Kosten? Das ist eine gute Frage, denn bei ALDI bezahlen Sie pro Gramm Fischöl ca. 5 ct (ca. 3,00 € für 120 Kps.) und bei Antarktis-Krill-Komplex ist es leider etwas teurer, da bezahlen Sie 1,31 € pro Gramm Krillöl (59,00 € für 90 Kps.).

K.R. Baker und Kollegen haben in einer Studie belegt, dass es Zusammenhänge zwischen der Fettzusammensetzung und Arthrose gibt; hier untersucht für die Kniegelenksarthrose; Association of plasma n-6 and n-3 polyunsaturated fatty acids with synovitis in the knee: the MOST study. Sie fanden heraus, dass die im Plasma (Blut) nachweisbare Höhen von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren sich in verschiedenen Kniegelenksbefunden widerspiegeln, also unter Umständen ein Risiko für die Entwicklung einer Kniegelenksarthrose beschreiben. „In conclusion, systemic levels of n-3 and n-6 PUFAs which are influenced by diet, may be related to selected structural findings in knees with or at risk of OA.” Link: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22353693. Ich darf anmerken, dass D.T. Felson, ein in Rheumatologenkreisen sehr bekannter Wissenschaftler zum Thema Arthrose an der Studie beteiligt war. Viel mehr verwertbare Studien bringt die Abfrage bei PubMed nicht: ("Fatty Acids, Omega-3"[Mesh]) AND "Osteoarthritis"[Mesh]. Das ist auch nicht verwunderlich. Eine Therapie mit Omega-3-Fettsäuren hat keine sofortigen Effekte auf Schmerz oder Entzündung, da der Körper erst langsam die Arachidonsäure (eine Omega-6-Fettsäure, die Ausgangsstoff für entzündungs- und schmerzerzeugende Prostaglandine ist) durch die Eicosapenensäure (eine Omega-3-Fettsäure, die Ausgangsstoff für entzündungs- und schmerzhemmende Prostaglandine ist) austauscht. Zu diesem Thema finden Sie mehr unter: http://rheumatologe.blogspot.de/2012/06/rheuma-und-ernahrung.html  

Was folgt nun daraus? Sie können gegen Arthrose und auch wegen anderer gesundheitlicher Vorteile für eine ausreichende Zufuhr an Omega-3-Fettsäuren sorgen. Wenn Sie nicht Vegetarier sind, dann reichen Kaltwasserfisch wie Makrele, Hering, Lachs zusammen mit der regelmäßigen Zufuhr von Leinöl, das reich ist an Alpha-Linolensäure (einer Omega-3-Fettsäure). Problematisch wird es, wenn Sie sich rein pflanzlich ernähren, denn DHA und EPA Docosahexaensäure und Eicosapentaensäure) werden nur unzureichend aus der Alpha-Linolensäure umgesetzt. Aber bei Vegetariern und Veganern muss eine andere Lösung gefunden werden, denn Fischölkapsel oder auch Krillölkapseln sind weder vegetarisch noch vegan!

Und wenn es doch einen Grund für die Nahrungsergänzung gibt, dann haben Sie eine Kostenersparnis von 96%, wenn Sie sich über den Lebensmittelhandel mit Omega-3-Kapseln anstatt mit Antarktis-Krill-Komplex versorgen.

PS. Mehr zu Omega-3-Fettsäuren bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Omega-3-Fetts%C3%A4uren


Ergänzung vom 11.08.2012:

Unter Zentrum der Gesundheit (Link: http://www.zentrum-der-gesundheit.de/krilloel-ia.html) werden ebenso einige unhaltbare Dinge vertreten. „Eine Testreihe zeigte jedoch sogar, dass Gelenkschmerzen – auch ohne weitere Maßnahmen – nach nur 7 Tagen Krill-Öl-Einnahme weniger wurden, und zwar (nach Einschätzung der Patienten) um bis zu 24 Prozent“, wobei dieser Text aus einer Studie stammen soll, die nicht überrpüfbar ist: „Sampalis T. Evaluation of the Effect of NKO on Biomarkers of Chronic Inflammation in vivo. JSS medical research, June 9, 2004, unpublished.“ Wir können uns jetzt zusammentun und Studien ersinnen oder auch durchführen, für die Wissenschaft ist nur das vorhanden, was auch publiziert wurde. „Das Krill-Öl kann im Rahmen einer ganzheitlichen Arthrose- bzw. Arthritis-Therapie ein wunderbarer Bestandteil sein, ...“ Was ist ein „wunderbarer“ Bestandteil, zunächst einmal ein nicht näher definierter Begriff und dann auch noch eines der Wörter, die bei mir Skepsis erwecken, bei denen ich alarmiert werde: hier soll geschummelt werden. Es sind dies Wertungen wie: verblüffend, erstaunlich, wunderbar. Und natürlich werden auch hier entzündlich-rheumatische und degenerative Erkrankung in einen Topf geworfen.

Anstatt auf mögliche Nebenwirkungen hinzuweisen, weist man unter Nebenwirkungen auf weitere mögliche Vorzüge hin. Hier z.B. sind einige Nebenwirkungen benannt: http://www.omega-3-fettsaeuren.net/welche-nebenwirkungen-omega-3-fettsaeuren.html. Es wären auch Wechselwirkungen denkbar, z.B. bei Blut verdünnenden Medikamenten (wie z.B. ASS oder Marcumar), denn Fisch- oder Krillöl vermindert die Fähigkeit der Blutplättchen, sich aneinanderzuheften.


Ergänzung 09.10.2012
Weiteres zu Nahrungsergänzungsmitteln und Arthrose unter:
http://rheumatologe.blogspot.de/2012/10/nahrungserganzungsmittel-bei-arthrose.html 


Ergänzung 22.12.2012
Auf Web MD gibt es weitere Informationen zu Krillöl. Ungenügende Evidenz besteht für die Behandlung oder Prophylaxe durch Krillöl für:
• erhöhtes Cholesterin
• prämenstruelles Syndrom (PMS)

• Bluthochdruck
• Schlaganfall
• Krebserkrankungen

• Depression
• weitere mehr
Hier ist der Link zu der englischsprachige Seite: http://www.webmd.com/vitamins-supplements/ingredientmono-1172-KRILL%20OIL.aspx?activeIngredientId=1172&activeIngredientName=KRILL%20OIL

Interessant wird auch die Umsetzung der neuen Gesetze in der EU, wobei gesundheitsfördernde Wirkungen mit denen geworben wird, auch belegt werden müssen.

Nachtrag vom 14.02.2013

Ich lese gerade noch einmal die Folge 247 von "Sicherer Verordnen" im Rheinischen Ärzteblatt. In einer Metaanalyse wurde der Nutzen von Fischöl Kapseln gegenüber Placebo in Bezug auf kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt, Sterblichkeit, Schlaganfall und weitere überprüft. Es konnte kein Nutzen der Kapseln nachgewiesen werden. Ein Nutzen bei kardiovaskulären Ereignissen ist aber eher wahrscheinlich als bei Arthrose. Und selbst da konnte man ihn nicht nachweisen! Quelle, wie vom Rheinischen Ärzteblatt zitiert: JAMA 2012; 308 (10): 1024-33: Evidence updates http://plus.mcmaster.ca/EvidenceUpdates

Nachtrag am 28.02.2013
Ich bin einmal der Frage nachgegangen, wieso eigentlich aus Krillöl gewonnen wird. Die Frage ist einfach zu beantworten. Das Öl mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren gewinnt man als Abfallprodukt bei der Herstellung von Krillmehl, das als proteinreiches Futter in der konventionellen Agrarwirtschaft benutzt wird. Das Öl muss entfernt werden, da sonst das Mehl zu schnell ranzig werden würde. Krillöl ist also ein Abfallprodukt der Gewinnung von Krillpulver für die Tiermast.
Bei Alibaba ("Global trade starts here") kann man Angebote einsehen: http://german.alibaba.com/trade/search?SearchText=krillmehl&selectedTab=product&_csrf_token_=waflcbk9gyba. Sie müssen das Mehl schon tonnenweise bestellen! Ein Angebot steht heute bei ca. 427 Euro pro Tonne. Gemessen daran müßte das Krillöl spottbillig sein - ist es aber nicht.

Nachtrag am 22.04.2013
Gerade finde ich ein weiteres Präparat, das beworben wird: Krill Omega Red Oil, mehr dazu hier:

Sunday, February 5, 2012

Verminderung der Arachidonsäure bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen

Die entzündungsvermittelnden Prostaglandine werden aus einer essentiellen mehrfach ungesättigten Fettsäure, nämlich der Arachidonsäure, produziert. An der Bildung dieser Stoffe aus der Arachidonsäure setzt die Therapie mit nichtsteroidalen Antirheumatika (z.B. Aspirin, Diclofenac, Ibuprofen) durch Hemmung der Zyklooxygenase an, auch eine der Wirkungen von Kortikosteroiden („Kortison“) läuft über diesen Mechanismus; interessanterweise könnten die Boswellinsäuren an der Lipoxygenase ansetzen, aber dieses System allein ist zu unbedeutend für entzündlichrheumatische Erkrankungen als dass ein Nutzen zu erwarten wäre. Wichtig ist auch, dass die Wirkung durch Medikamente umgehen, durch Ernährungsumstellung erst nach langer Vorlaufzeit erfolgen kann. Diese ist für jeden Menschen verschieden, denn der Körper speichert die Arachidonsäure sehr effizient, denn er benutzt sie nicht wie andere Fettsäuren zur Energiegewinnung. Es kann somit länger als ein Jahr dauern, bis der Bestand an dieser Fettsäure im Körper soweit erniedrigt ist, daß sie nicht mehr ins Gewicht fällt. Zumeist wird bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen eine langwirksame antirheumatische Therapie eingeleitet. Später möchte man diese Therapie natürlich reduzieren und ggf. völlig absetzen. Bis dieser Zeitpunkt gekommen ist, kann auch eine entsprechende Ernährungsumstellung wirksam geworden sein. In welchen Speisen ist nun diese Arachidonsäure enthalten? Insbesondere in Fleisch und ganz besonders in Schweinefleisch. Schweineschmalz enthält etwa 1800 mg pro 100 g. Milch enthält etwa 4 mg pro 100 ml. In einer ersten Stufe könnte man tierische Fette und insbesondere Wurstwaren weglassen. Danach sollte man versuchen, schrittweise den Fleischkonsum auf höchstens zwei Mahlzeiten pro Woche zu reduzieren. Verschiedentlich wird eine einmalige bis zweimalige Kaltwasserfischmahlzeit (Hochseefisch wie Makrele) pro Woche empfohlen. Die nachhaltigste Reduktion an Arachidonsäure erhält man aber durch eine vegetarische Kost, denn die Arachidonsäure ist nur in tierischen, nicht in pflanzlichen Fetten enthalten. Ein weiterer Schritt kann die Erhöhung der omega-3-Fettsäuren (insbesondere die alpha-Linolensäure) sein, denn dadurch werden die Enzyme beschäftigt, die sonst aus Linolsäure (eine omega-6-Fettsäure) Arachidonsäure herstellen. Leinöl ist besonders reich an alpha-Linolensäure. Leinöl sollte immer kühl und lichtgeschützt gelagert werden.

Tuesday, January 31, 2012

Nahrungsfette

Fette können heilen, Fette können töten. Ein wenig Wissen über Nahrungsfette ist deshalb für jeden nützlich.


Die Darstellung von Zusammenhängen der Nahrungsfette wird durch die verschiedenen Einteilungen, die gewisse Eigenschaften in den Vordergrund stellen, erschwert. Ein dieser Einteilungen ist die in gesättigte, einfach ungesättigte und mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Es handelt sich um eine chemische Einteilung nach der Anzahl der so genannten Doppelbindungen. Grob gesagt, je mehr Doppelbindungen eine Fettsäure aufweist, desto flüssiger ist sie. Gesättigte Fettsäuren sind bei Zimmertemperatur fest, z.B. Schmalz, Bratfett oder das Fett in der Schokolade. Eine weitere Einteilung ist die nach der Stellung der Doppelbindung, die omega-3-, omega-6- und omega-9-Fettsäuren. Die omega-3 und omega-6-Fettsäuren sind essentiell für den Menschen. Die Ölsäure (kommt z.B. im Olivenöl vor) als Vertreter der omega-9-Fettsäuren ist nicht essentiell, weist aber günstige Eigenschaften auf, da z.B. ein erhöhter Cholesterinspiegel günstig beeinflusst werden kann. Mehr zu Fettsäuren in Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Fetts%C3%A4uren.


Zu den omega-6-Fettsäuren gehören die Linolsäure und die Arachidonsäure. Beide braucht der Körper, aber Linolsäure ist in pflanzlicher Kost bereits im Übermaß vorhanden und der Körper kann aus ihr Arachidonsäure herstellen. Die Arachidonsäure ist besonders in Fleisch bzw. Tierfetten, wie Schmalz, vorhanden. Die Arachidonsäure ist wichtig als Vorläufer von Prostaglandinen der Serie 2, die z.B. die Verklebung von Blutplättchen fördern, über die Niere Salz im Körper zurückhalten, Entzündung vermitteln sowie weitere mehr. Medikamente wie Aspirin (NSAR) hemmen das Enzym, das die Umwandlung der Arachidonsäure in Prostaglandine bewirkt (Zyklooxygenase).


Zu den omega-3-Fettsäuren gehören die alpha-Linolensäure sowie die Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure, die der Körper aus der alpha-Linolensäure herstellen kann. Aus der Eicosapentaensäure entstehen Prostaglandine der Serie 3, die selbst nicht so wichtig sind, aber dadurch wird die Produktion der bei Krankheiten unerwünschten Prostaglandine der Serie 2 behindert, denn Arachidonsäure und Eicosapentaensäure konkurrieren um dieselben Enzyme. Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure finden sich besonders in Nervenzellen, an Synapsen, Retina, den Nebennieren und Keimdrüsen, also biochemisch sehr aktiven Geweben (Stichworte Umwandlung von Energie, Elektronentranfer).


Nun könnte man meinen, es wäre gut sich nur von essentiellen Fettsäuren zu ernähren, aber das ist falsch. Wenn der Bedarf erfüllt ist, zieht ein Zuviel Probleme nach sich, z.B. durch die Schwächung des Immunsystems oder die vermehrte Produktion von freien Radikalen, die im Übermaß vielfältige Schäden anrichten können, andererseits unter Kontrolle auch lebenswichtige Aufgaben haben. Ab einem bestimmten Maß müssen deshalb auch nicht essentielle ungesättigte und ggf. auch gesättigte Fettsäuren eingesetzt werden.


Ein hohes Angebot an nicht essentiellen ungesättigten Fettsäuren, führt dazu, dass nach Einbau in die Zellmembranen auch mehr Cholesterin in die Zellwand eingebaut wird, so dass der Cholesterinspiegel im Serum abfällt.


In die Diskussion geraten sich auch die Transfettsäuren, auch dies ist eine Einteilung nach einer Eigenschaft, nämlich der räumlichen Anordnung des Fettsäuremoleküls (cis- und trans-Stellung). Mehr zu Transfettsäuren in Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Trans-Fetts%C3%A4uren. Die Transfettsäuren, die mengenmäßig für die Ernährung von Bedeutung sind, stammen aus Margarine und Backfetten (also gehärteten Fetten). Bei der Hydrogenisierung werden die Fette mit einem Nickelkatalysator gemischt, einer Temperatur von 140-225°C und dann bei Überdruck Wasserstoff ausgesetzt. Giftige Substanzen können bei der o.g. Fetthärtung entstehen, wie zum Beispiel unnatürliche Fragmente von Fettsäuren. Außerdem geht Nickel vom Katalysator mit in das Endprodukt und kann Allergien auslösen. Bei zu hoher Hitze (Rauchpunkt überschritten) entstehen auch im Haushalt aus Fetten krebserregende Substanzen wie Benzol, Acrolein, Formaldehyd und weitere. Weitere Quellen sind jedoch auch Milchfett und Milchprodukte, da bei der bakteriellen Zersetzung im Pansen auch Transfettsäuren entstehen – auch ein Grund, warum Kuhmilch nichts für Babys ist, sie enthält zu wenig essentielle Fettsäuren.


Wenn man jemandem das sehr heiße Anbraten nicht ausreden kann, sollte man eher gesättigte Fettsäuren empfehlen, also Palm- oder Kokosfett, da diese nicht die bereits oben erwähnten unnatürlichen Fettsäurebruchstücke, Transfettsäuren etc. aufweisen. Jemandem, der nur vorsichtig andünsten will, kann man Olivenöl oder z.B. Rapsöl empfehlen.


Der Bedarf von Fetten ist ganz verschieden, für den Bevölkerungsdurchschnitt, der mit Übergewicht und vielleicht auch erhöhtem Cholesterin zu kämpfen hat, sind die häufig zu lesenden Empfehlungen von 30-35% zu viel. Hier kann eine radikale Reduktion und Beschränkung auf die Zufuhr essentieller Fettsäuren hilfreich sein.


Und nun noch das:


Nahrungsergänzungsmittel können zwar aus Naturprodukten stammen, sind dann aber ein Präparat und nicht mehr natürlich zu nennen. In den USA gibt es bereits 29000 dieser Präparate. Medikamente müssen aufwendig geprüft werden und sind dann immer noch nicht 100% sicher, eine solche Prüfung entfällt aber bei Nahrungsergänzungsmitteln. Mit einer vollwertigen Ernährung haben sie eindeutig nichts zu tun. Die Ungefährlichkeit wird aus dem Wort „natürlich“ geschöpft. Überdosierungen von Vitaminen sind häufig. Eine erhöhte Krebsrate bei Menschen, die sich hoch dosiert Vitamin E zuführten, ging bereits durch die Presse.