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Tuesday, August 5, 2025

The Grand Tour – Moskau, Roter Platz

 


Harry Seidler [1] führt uns in seinem Buch [2] auf sechs Seiten in die Architektur Russlands ein. Seidler widmet dem Roten Platz eine halbe Seite und schreibt: „Moskau, Roter Platz. / Dreh- und Angelpunkt der Stadt. Im Hintergrund die farbig gefassten Türme der Basilikus-Kirche, rechts das Lenin-Mausoleum, vor dem die Besucher anstehen.“ Ich hatte Moskau 2012 besucht und von dieser Reise stammen auch die Fotos hier. Bereits 2012/2013 hatte ich ausführlich von dieser Fahrt durch Moldawien, die Ukraine und Russland berichtet [3]. Jetzt freue ich mich, daß ich damals die Reise gemacht habe, da es auf lange Sicht unwahrscheinlich erscheint, Moskau bzw. Russland erneut zu besuchen. 

Der Rote Platz (Красная площадь) ist einer der bekanntesten Plätze [4], von dessen historischen Bauwerken Seidler die Basilius-Kirche und das Lenin-Mausoleum erwähnt und außerdem den Nikolausturm (Никольская башня) zeigt. Auf diese Bauwerke werde ich gleich eingehen. Das Kaufhaus GUM hat er extra erwähnt und so werde ich das ebenso machen. Das Staatliche Historische Museum, Auferstehungstor und die Kasaner Kathedrale hat er nicht erwähnt und ich spiele mit dem Gedanken, diesen Bauwerken auch einen Blogpost zu widmen. Der Platz ist riesig, von den Ausmaßen ähnlich wie der Naghsh-e Jahan Platz (aka Khomeini Square oder Meidān-e Emām), der in dieser Reihe bereits über die Madsched-e-Imam in Isfahan erwähnt woden ist [5].

Zurück zum Rot in Roter Platz. Das russische Adjektiv красный (krasny) bedeutete in der russischen Sprache ursprünglich neben „rot“ auch „schön“, so daß der Rote Platz eher der Schöne Platz sein sollte. Das kann man auch im Wikipedia-Artikel näher lesen. Dort kann man sich auch eine Zeichnung von Apollinari Wasnezow au dem Jahr 1925 ansehen, die den Roten Platz im 17. Jahrhundert ungefähr in der Perspektive von Seidler zeigt.

Die Basilius-Kathedrale (Храм Василия Блаженного) – der vollständie Name Mariä-Schutz-und-Fürbitte-Kathedrale am Graben (Собор Покрова Пресвятой Богородицы, что на Рву) ist etwas unhandlich – war einst das Hauptgotteshaus der Metropole. Nach Ende der Sovietzeit werden auch wieder Gottesdienste dort gefeiert. An gleicher Stelle stand Mitte des 16. Jahrhunderts eine Holzkirche, die der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht war und dem Platz damals den Namen gab. Heute ist Basilius-Kathedrale wahrscheinlich das am häufigsten fotografierte Objekt am Ort. Basilius bezieht sich nicht auf den Bischof von Cäsarea und Kirchenlehrer Basilius der Große (330-379 n. Chr.) sondern auf den russischen Heiligen Basilius der Selige (Василий Блаженный), der im 15. bzw. 16. Jahrhundert gelebt hat [6]. Hier ist die Gefahr der Abschweifung groß, denn vom Hl. Basilius komme ich auf die Basilisken (Leguanartige), von denen eine immerhin Jesus-Christus-Echse genannt wird, zu Schlangen, zur neunschwänzigen Katze, zu den neun Leben der Katze und schließlich den neun Kirchen, aus denen sich die Mariä-Schutz-und-Fürbitte-Kathedrale am Graben vulgo Basilius-Kathedrale zusammensetzt. Die neun Namen und mehr zur Architektur findet man im Wikipedia-Artikel [7]. Unter den neun Kirchen findet sich auch die Kirche des Einzugs in Jerusalem (Входа во Иерусалим). Wahrscheinlich werde ich in Zukunft den Aachener Dom mit ganz anderen Augen sehen, ob es mich sehr anstrengen wird, angesichts des karolingischen Oktogons nicht an MMA (Mixed Martial Arts) zu denken. 


An der Kremlmauer findet sich das Lenin-Mausoleum, zu dem wir allerdings keinen Zutritt erlangten. Ich ging schon einmal in Richtung Eingang und ein Wachtposten kam auf mich zu, er kam schon fast hervorgesprungen, und rief auf Englisch: „Lenin is closed!“ Wahrscheinlich wurde Lenin wieder einmal aufgefrischt wie alle kommunistischen Führer, die man in Mausoleen besichtigen oder besuchen darf. Ich war mit einem befreundeten Ehepaar unterwegs. Mit den beiden war ich auch in Beijing (北京市) auf einer Reise, aber Mao Zedong (毛泽东) war nicht zu sehen. Ich hatte Mao Zedong jedoch vor etwa vor über 30 Jahren sehen können. Wir sind auch zusammen in Hanoi gewesen und da war Ho Chi Minh gerade nicht zu sehen, aber den hatten meine Freunde Jahre zuvor gesehen. Nun, mit diesen interessanten Erinnerungen über das Sehen und Nicht-Sehen von kommunistischen Führern gehen wir mal schnell darüber weg, daß Lenin nicht zu sehen war. 


Dann kann man noch den 70 m hohen Nikolausturm sehen, der nach dem Hl. Nikolaus benannt worden ist. Am 6. Dezember kommt der Nikolaus. Nikolaus war Bischof von Myra in der kleinasiatischen Region Lykien. Erstaunlich unscharf aber sind seine Lebensdaten, denn er wurde  zwischen 270 und 286 (16 Jahre Ungewißheit) geboren und gestorben ist er am 6. Dezember (aha, s.o., der Nikolaustag), allerdings werden die Jahre 326, 345, 351 und 365 genannt (das sind sogar 39 Jahre Ungewißheit). Also erreichte er ein Lebensalter von 40 bis 95 Jahre [8]. 

Wer weiß, vielleicht treffen wir uns ja nach dem Krieg [9] auf dem Roten Platz.



Links und Anmerkungen:
[1] Wikipedia: "Harry Seidler (* 25. Juni 1923 in Wien; † 9. März 2006 in Sydney) war ein in Österreich geborener australischer Architekt." 
https://de.wikipedia.org/wiki/Harry_Seidler 

[2] Auftakt und Buchbesprechung hier: 
https://rheumatologe.blogspot.com/2022/06/the-grand-tour-buchbesprechung-und.html 

Harry Seidler: The Grand Tour - Reise um die Welt mit dem Blick des Architekten. Taschen GmbH, Köln 2004. ISBN: 3-8228-3871-6. Für den Roten Platz S. 114.
[3] https://rheumatologe.blogspot.com/search/label/Russia  
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Roter_Platz 
[5] The Grand Tour – Madsched-e-Imam, Isfahan 
https://rheumatologe.blogspot.com/2022/06/the-grand-tour-madsched-e-imam-isfahan.html 
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Basilius_der_Selige 
[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Basiliuskathedrale_(Moskau)#Architektur 
[8] Ich habe u.a. über diese beiden Kirchen geschrieben, die den Hl. Nikolaus als Schutzpatron haben:
Die Kirche St. Nikolaus in Hausen 
https://rheumatologe.blogspot.com/2024/12/die-kirche-st-nikolaus-in-hausen.html  
St. Nikolaus in Daun 
https://rheumatologe.blogspot.com/2024/11/st-nikolaus-in-daun.html 
[9] Frei nach Jaroslav Hasek.

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Thursday, July 31, 2025

The Grand Tour – St. Petersburg, Eremitage (Winterpalast), 1754-62



Harry Seidler [1] führt uns in seinem Buch [2] auf sechs Seiten in die Architektur Russlands ein. Seidler widmet der Eremitage insgesamt eine ganze Seite. Er schreibt: „St. Petersburg, Eremitage (Winterpalast), 1754-62. Architekt: Bartolomeo Francesco Rastrelli. Das langgestreckte Gebäude, reich verziert und mit vielen Innenhöfen versehen, blickt auf einer Seite zum Fluss und grenzt an der anderen Seite an den alten, zentralen Platz der Stadt.“  Ich hatte St. Petersburg (Санкт-Петербург) 2012 besucht und von dieser Reise stammen auch die Fotos hier. Bereits 2012/2013 hatte ich ausführlich von dieser Fahrt durch Moldawien, die Ukraine und Russland berichtet [3]. Jetzt freue ich mich, daß ich damals die Reise gemacht habe, da es auf lange Sicht unwahrscheinlich erscheint, St. Petersburg bzw. Russland erneut zu besuchen. 

Seidler hat auf einer halben Seite eine sehr schöne Perspektive durch einen Torbogen gefunden und zeigt auf der nachfolgenden Seite noch zwei kleinere Bilder aus dem Inneren des Palastes. Dies war mir leider versagt, denn der Palast war damals geschlossen. Seidler beschränkt sich au den Winterpalast (Зимний дворец), der das Gegenstück, jedenfalls namentlich, zum Sommerpalast im Sommerpalast darstellt. Zur Eremitage [4] gehören allerdings auch die Kleine Eremitage, eine Gemäldegalerie für Katharina die Große (1775), die sich anschließende Alte oder auch Große Eremitage (1787) [5], das Eremitage-Theater (1787), zunächst nur bis 1796, jetzt aber wieder seit 1989 bespielt, sowie die Neue Eremitage (1839-1852).  

Betrachten wir aber näher die Winterpalast. Es gab bereits 1711 einen Winterpalast [6], der schon 1721 durch einen Neuen ersetzt wurde Dieser wurde dann niedergerissen und zwischen 1754 und 1762 neu aufgebaut durch den bereits erwähnten Bartolomeo Francesco Rastrelli und gilt als eines der Hauptwerke des russischen Barocks, so daß es nicht verwundert, daß es seit 1990 zum UNESCO-Welterbe gehört. Das Gebäude ist dreigeschossig und die Fassadenseiten wechseln in der Ausstattung (z.B. Fenster). Durch die Beschränkung auf drei Stockwerke wirkt es nicht wuchtig, wie man es sonst bei 1000 Räumen hätte erwarten dürfen. Der größte Raum mißt 1103 m² – das ist größer als ein Handballfeld. 1837 brannte der Winterpalast nieder, so daß kaum noch Inneneinrichtung aus der Zeit vor dem Brand überdauert hat. Allerdings waren bereits 1839 die Sanierungsarbeiten abgeschlossen. Umfangreichen Sanierungsarbeiten wurden in den Jahren 1984 und 2005 durchgeführt. Das sollte nun genügen, denn die Wikipedia-Artikel sind sehr umfangreich, so daß man bei weiteren Fragen dort fündig werden dürfte.





Links und Anmerkungen:
[1] Wikipedia: "Harry Seidler (* 25. Juni 1923 in Wien; † 9. März 2006 in Sydney) war ein in Österreich geborener australischer Architekt." https://de.wikipedia.org/wiki/Harry_Seidler 
[2] Auftakt und Buchbesprechung hier: 
https://rheumatologe.blogspot.com/2022/06/the-grand-tour-buchbesprechung-und.html
 

Harry Seidler: The Grand Tour - Reise um die Welt mit dem Blick des Architekten. Taschen GmbH, Köln 2004. ISBN: 3-8228-3871-6. Für den Winterpalast S. 111/112.
[3] https://rheumatologe.blogspot.com/search/label/Russia  
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Eremitage_(Sankt_Petersburg) 
[5] Ein jüngeres Gebäude die Alte Eremitage zu nennen, darauf muß man erst einmal kommen. 
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Winterpalast 

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Tuesday, July 29, 2025

The Grand Tour – Moskau, Kreml, Himmelfahrtskathedrale, 1470

 

 
Harry Seidler [1] führt uns in seinem Buch [2] auf sechs Seiten in die Architektur Russlands ein. Seidler widmet der Himmelfahrtskathedrale oder besser der Entschlafenskathedrale insgesamt eine ganze Seite. Er schreibt: „Moskau, Kreml, Himmelfahrtskathedrale, 1470. Runde Türme mit vergoldeten Kuppeln überragen die Fassade mit ihren harmonischen Dachbögen.“  Ich hatte Moskau 2012 besucht und von dieser Reise stammen auch die Fotos hier. Bereits 2012/2013 hatte ich ausführlich von dieser Fahrt durch Moldawien, die Ukraine und Russland berichtet [3]. Jetzt freue ich mich, daß ich damals die Reise gemacht habe, da es auf lange Sicht unwahrscheinlich erscheint, Moskau bzw. Russland erneut zu besuchen. 

Eine ähnliche Perspektive zeigt Harry Seidler.

Die Entschlafenskathedrale (Успенский собор)  – der Name bezieht sich auf das Entschlafen der Hl. Maria – steht im Kreml und war Krönungskirche der Zaren und Begräbniskirche der Patriarchen  [4]. Sie ist gleichzeitig die größte Kathedrale des Kremls und das älteste Gebäude Moskaus. Sie wurde 1475–1479 durch den italienischen Architekten Aristotele Fioravanti erbaut und ist vom architektonisch Stil her von der Renaissance beeinflußt. Wahrscheinlich gab es schon vorher Sakralbauten dort. Bei Ausgrabungen im Jahr 1968 entdeckte man ein mittelalterliches Gräberfeld und nimmt an, daß sich ab Mitte des 12. Jahrhunders dort eine Kirche aus Holz befunden hat. Die erste sicher nachweisbare Kirche war ein Sandsteinbau, der 1326/1327 erbaut worden war.


Die Entschlafenskathedrale steht auf dem Kathedralenplatz (Соборная площадь), östlich befindet sich der Glockenturm Iwan der Große, südöstlich die Erzengel-Michael-Kathedrale und südlich die Maria-Verkündigungs-Kathedrale, die aber alle sind von Harry Seidler nicht beschrieben worden, so daß ich sie auch außen vor lasse.

Ich habe auch von Innen eine Ansicht ausgesucht, allerdings wird sie der Kathedrale kaum gerecht. Schade, daß man sie aktuell nicht besuchen kann.




Links und Anmerkungen:
[1] Wikipedia: "Harry Seidler (* 25. Juni 1923 in Wien; † 9. März 2006 in Sydney) war ein in Österreich geborener australischer Architekt." https://de.wikipedia.org/wiki/Harry_Seidler 
[2] Auftakt und Buchbesprechung hier: https://rheumatologe.blogspot.com/2022/06/the-grand-tour-buchbesprechung-und.html 
Harry Seidler: The Grand Tour - Reise um die Welt mit dem Blick des Architekten. Taschen GmbH, Köln 2004. ISBN: 3-8228-3871-6. Bild S. 110, Text S. 111.
[3] https://rheumatologe.blogspot.com/search/label/Russia  
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Entschlafenskathedrale_(Moskau) und https://en.wikipedia.org/wiki/Dormition_Cathedral,_Moscow 

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Wednesday, October 30, 2024

Samowar und Tee in Russland

 


Dieser Tage hatte mich mein Bruder zur Sauna eingeladen und zwischen den einzelnen Saunagängen haben wir in der Ruhezeit Tee aus dem Samowar getrunken. Es handelt sich um ein Erbstück von der Seite meiner Schwägerin. Wir hatten den Samowar zusammen noch nie benutzt. So kam ich auf die Idee über Samowar und Tee in Russland zu schreiben. Besonders interessierte mich, welcher Tee im Samowar benutzt wurde. Ich kam nämlich während des Teeschlürfens auf den Gedanken, es könnte sich vorwiegend um Grüntee gehandelt haben, da vor dem 19. Jahrhundert fast ausschließlich grüner Tee getrunken wurde. Außerdem hatte ich die Information aus Georgien mitgebracht, das dort mehr grüner als schwarzer Tee produziert worden war [1]. Dazu brachte ich eine Beobachtung aus Taiwan mit, daß man grünen Tee sehr viel länger ziehen lassen kann, ohne daß sich der Geschmack sehr verändert [15]. Aber man kann das mit schwarzem Tee ebenso machen. Wir nahmen also aus der kleinen Kanne etwas Konzentrat und füllten es mit heißem Wasser auf. Dieser Tee zwischen den Saunagängen hatte geschmeckt und ich hatte dieses Projekt eigentlich etwas aufschieben wollen, da ich ja noch von der Reise nach Armenien und Georgien viele Ideen für Blogposte habe, aber dann hat es mich doch gepackt.

Der Tee, der das russische Zarenreich 1638 erreicht hatte, war insofern interessant, als er nicht nur den Tee als Produkt sondern auch den Ausdruck Chai mitbrachte, der sich aus Cha und Ye, Tee (
茶) und Blatt (葉), also Chaye (茶葉) zusammensetzt. Und für lange Zeit war der Karawanentee (Chinesisch 商隊茶, Russisch Караванный чай), nämlich der Tee, der Russland über den Landweg mit erreicht hat, ein Begriff. Diese Kamelkarawanen hatten ihren Höhepunkt 1860, dann wurde ihr Einfluss immer geringer, denn der Tee wurde über die transsibirische Eisenbahn transportiert. Der Begriff Karawanentee wird noch heute benutzt. Der Tee war anfangs sehr teuer, so daß sich nur Adelige und sehr reiche Russen ihn leisten konnten.

Ein besonderes Merkmal der russischen Teekultur [2] ist der Samowar (самовар). Dabei wird in einem kleinen Kännchen (Russisch: чайник) ein sehr konzentrierter Tee hergestellt, er oben auf dem großen Behälter mit heißem Wasser steht. Beide werden durch eine Wärmequelle erhitzt. Bei dem Samowar meines Bruders / meiner Schwägerin gibt es eine Vorrichtung im Samowar, die über Strom wie ein Tauchsieder funktioniert. Das Konzentrat wird mit dem heißen Wasser verdünnt. Der Tee wird aus Tassen oder aus Gläsern getrunken und kann auch gesüßt werden. In Russland werden Marmelade oder Würfelzucker in den Mund genonommen und der Tee darüber getrunken. Wir haben ihn allerdings pur getrunken. Man könnte hier schon die Frage stellen: Wozu das Ganze? Man hält den großen Heißwasserbehälter frei von Teeablagerungen. Es ist außerdem gemütlicher bei langen Teesitzungen.

Der Samowar (Russisch: самовар) wird erstmalig in den 1730er-Jahren erwähnt. Nicht nur in Russland sindern auch in Zentralasien, der Türkei, im Iran, Belarus, der Ukraine ist diese Art der Teezubereitung zu finden. Wo der Samowar herstammt, weiß man nicht genau, allerdings fand sich im Kaukasus Töpferware, die dem Samowar ähnlich sieht, und die auf ein Alter von 3600 Jahre datiert wurde. Samoware werden aus Metallen hergestellt [3].

Was ich aber über den Tee im Samowar wissen wollte, war nicht so einfach zu ergründen. Ich habe sogar Chat-GPT [4] befragt und erhielt als Antwort: „Assam, Ceylon und Darjeeling“. Damit hätte sich jeder vernünftige Mensch zufrieden gegeben. Auf die Frage: „Wie hoch war der Anteil an georgischem Tee in der Sowjetunnion?“ kam die Antwort: „Der Anteil an georgischem Tee in der Sowjetunion war relativ gering im Vergleich zu den Importen von schwarzem Tee aus Assam und Ceylon. Georgien hatte zwar eine eigene Teekultur und produzierte Tee, insbesondere in den Regionen Adjara und Gurien, aber die Gesamtproduktion war nicht ausreichend, um den gesamten Bedarf der Sowjetunion zu decken. In den 1960er und 1970er Jahren lag der Anteil des georgischen Tees an den gesamten Teeverbrauch in der Sowjetunion schätzungsweise bei etwa 5-10 %.“ Diese 5-10 % paßten allerdings nicht mit Informationen zusammen, die ich bereits früher recherchiert hatte.

Ich wollte wegen der 5-10 % mehr über Mengen erfahren. World of Statistics
[@stats_feed] schreibt u.a. zu „Tea consumption per capita (annual):  
🇹🇷 Turkey - 3.16 kg
🇮🇪 Ireland - 2.19 kg
...
🇷🇺 Russia - 1.38 kg
…
🇩🇪 Germany - 0.69 kg
…
🇲🇽 Mexico - 0.14 kg“. [5]

Ich fand im Internet noch eine Quelle zu den 1990er Jahren, nach der die Russische Föderation 1990 135.700 t Tee produziert hatte, die Zahl für 1998 lag bei 1480 t. [6]
Importe nach Russland lagen 1990 vei 225.500 t und 1998 bei 150.225 t. [7]
Mit solcher Zahlenauswahl kann man allerdings nicht argumentieren.

Ich schaute in eiigen meiner Bücher über Tee nach.
Cornelia Teufl gibt 18.000 t für „die ehemalige UdSSR“ für 1994 an. [8]
Auch in Hellmut Grössers „Tee für Wissensdurstige“ blieb der Wissensdurstige ziemlich durstig. Immerhin betrug zwischen 1980 und 1985 die Menge an Tee, die in der Sowjetunion produziert wurde, um 7% der Weltproduktion. [9]
Von Arend Vollers erfahren wir, das 90% der Tee der Russischen Föderation in Georgien angebaut wurde. Er gibt 140.000 t als Gesamtmenge an. Da Georgien 1991 sein Unabhängigkeit erklärt hatte, kann man diese Zahlen in dem Buch aus dem Jahr 1998 vergessen. [10]
In einem Buch von Merzenich und Imfeld [11] konnte ich jedoch noch einige Zahlen als halbwegs glaubwürdig für Mitte der 1980er Jahre erfahren. Und zwar wurden Zweidrittel des Teebedarfs der Sowjetunsion durch Eigenproduktion von Georgien beziehungsweise den weiteren Anbaugebieten gedeckt. Für die Produktion in Georgien werden 75 % Schwarztee und 25 % Grüntee angegeben [12]. Für die Sowjetunion bedeutete dies, dass bei etwa rund 150.000 t weitere 50.000 t überwiegend aus Nordindien importiert werden mußten. „75 % Schwarztee und 25 % Grüntee“ vs. „mehr Sorten grünen als schwarzen Tees“ ist ohne genaue Zahlen kaum zu entscheiden. Ich tendiere zum georgischen Wikipedia-Artikel, weil er neuer ist und sich ausschließlich mit georgischen Tee beschäftigt. Einschränkend muss ich allerdings darauf hinweisen, daß die Produktionsmethoden zu Sowjetzeiten eine unkontrollierte Oxidation des Tee möglich gemacht haben.

Ich fand in einigen der Quellen [13] auch etwas zum Raucharoma, das in Russland beliebt ist. Es handelt sich wahrscheinlich um ein geschmackliches Erbe des Karawanentees, denn der konnte auf der langen Reise den Rauch der Lagerfeuer aufnehmen. Heutzutage wird deshalb gerne zu Lapsang Souchong gegriffen.  

Zusammenfassend kann ich meine Frage vom Anfang in etwa so beantworten. In Russland ist über die Jahrhunderte Tee getrunken worden und auch heute wird sehr viel Tee getrunken, man sagt, daß 80% der Bevölkerung täglich Tee trinken. Im Laufe der Zeit sind sehr verschiedene Sorten getrunken worden. Es wird heute kaum mehr jemand Ziegeltee trinken, aber der war zum zu Beginn die bevorzugte Sorte. Bereits im 19. Jahrhundert hat man Schwarztee präferiert und das tut man auch noch heute, wobei Tee aus Sri Lanka und insbesondere Assam-Tee eine wichtige Rolle spielen. Während der Sowjetzeit hatte der Tee aus Georgien Heimvorteil, wobei dort der Tee immer schlechter geworden ist, weil die Herstellungsbedingungen nicht auf Qualität sondern auf Quantität ausgerichtet waren. Heutzutage ist es so, daß Samowar-Tee zumeist mit schwarzem Tee zubereitet wird. Aus einer Quelle hatte ich die Angabe 20 Teelöffel Schwarztee auf ein ein Liter Wasser für das  Konzentrat. Aus der Kanne mit dem Konzentrat füllt man ein wenig in die Tasse oder das Glas, um dann mit der 3-10fachen Menge heißen Wassers aufzufüllen.

Ich freue mich schon auf den nächsten Saunagang mit Tee aus dem Samowar.



Links und Anmerkungen:
[1] Grusinischer oder besser georgischer Tee [1a]. Ich war mir gerade zu der Aussage, daß Georgien mehr grünen als schwarzen Tee produziert hatte unsicher, aber konnte die Angabe auf den georgischen Eintrag auf Wikipedia zurückführen [1b], wobei meine Übersetzung allerdings die Formulierung „In Georgien gab es mehr Sorten grünen als schwarzen Tees“ verwendet worden ist.
[1a] https://rheumatologe.blogspot.com/2024/10/grusinischer-oder-besser-georgischer-tee.html
[1b] https://ka.wikipedia.org/wiki/%E1%83%A5%E1%83%90%E1%83%A0%E1%83%97%E1%83%A3%E1%83%9A%E1%83%98_%E1%83%A9%E1%83%90%E1%83%98
[2] https://teapedia.org/de/Russische_Teekultur   
[3] „Samovars are typically crafted out of plain iron, copper, polished brass, bronze, silver, gold, tin, or nickel.“ [3a] Der englische Wikipedia Eintrag ist schon sehr detailreich zur Geschichte des Samowars. Wer mehr über Samoware wissen will, kommt um den russischen Wikipedia-Artikel nicht herum [3b].
[3a] https://en.wikipedia.org/wiki/Samovar
[3b] https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%A1%D0%B0%D0%BC%D0%BE%D0%B2%D0%B0%D1%80
[4] Hallo Mensch, ich bin ein GPT-4o mini betriebener AI-Chatbot. Frag mich alles!
[5] According to "Annual per capita tea consumption worldwide as of 2016, by leading countries(in pounds)". Statista. 23 January 2020. Retrieved 10 February2020. https://x.com/stats_feed/status/1808804159698723288   
[6] https://www.kaggle.com/datasets/michals22/tea-fao-dataset?select=Tea_crops_primary_production_quantity.csv
[7] https://www.kaggle.com/datasets/michals22/tea-fao-dataset?select=Tea_import.csv
[8] Cornelia Teufl: Tee. Die kleine Schule. Alles, was man über Tee wissen sollte. Zabert Sandmann, München, 1997. ISBN: 3-924-67885-5. S. 29.
[9] Hellmut Grösser: Tee für Wissensdurstige. Das Fachbuch vom Deutschen Teebüro. E. Albrecht Verlag, Gräfelfing o.J. (ca. 1996, 3. Auflage). ISBN: 3-870-14003-8. S. 113.
[10] Arend Vollers: Die Kunst, Tee richtig zu genießen. Geschichte, Kultur, Herstellung, Sorten. Seehamer Verlag, Weyarn 1998. ISBN: 3-932131-50-9. S. 154.
[11] Bernd Merzenich und Al Imfeld: Tee Gewohnheit und Konsequenz. Edition Dia Sankt Gallen 1986. ISBN: 3-905682-07-X.  S. 30.
[12] Daher meine Unsicherheit zu Beginn des Blogposts.
[13] Zwei Quellen zum Raucharoma waren dabei besonders ergiebig.  
https://www.auresa.de/blog/teegeschichte-russlands/ und
https://www.roberts-teehaus.de/blogs/tee-blog/russische-teekultur?srsltid=AfmBOooymUXIvfHzCBG5Ncx74RyjSiJqa2opAIKhPr8JS1Uziaqv55BX
[14] Addendum: Die in [14a] erwähnte Quelle [14b] konnte ich nur ansatzweise einsehen. Immerhin werden alle möglichen Teesorten und Teequalitäten für die 1730er Jahre beschrieben: Grüntee, Ziegeltee, Bohea (halboxidierter Tee wie Oolong, Schwarztee wurden getrunken. Der Bedarf war wahrscheinlich so groß, daß man jeden Tee verkauft bekam.
[14a] https://zh.wikipedia.org/wiki/%E8%8C%B6%E7%82%8A
[14b] Smith, R. E. F.; Christian, David. Bread and Salt: A Social and Economic History of Food and Drink in Russia. Cambridge: Cambridge University Press. 1984: 240. ISBN 978-0-521-25812-8.
[15] Fiel mir erst beim Korrekturlesen auf. Hier steht deie ganze Geschichte:Der unromantische Tee – eine Reminiszenz https://rheumatologe.blogspot.com/2024/10/der-unromantische-tee-eine-reminiszenz.html


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Thursday, February 24, 2022

Altargesteck und Friedensandacht in der Christuskirche

 



„Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir.“ [1]

 
Eingeladen wurde mit folgendem Text [2]:

„Der Konflikt an der ukrainischen Grenze macht Angst vor einem Krieg in Europa.
Die Menschen in der Ukraine, die jungen Männer und Frauen in der russischen Armee und viele Menschen in Europa fürchten, die Dynamik der Gewalt werde unaufhaltbar.
In einer Friedensandacht am kommenden Mittwoch werden wir für alle beten, die sich in ihren unterschiedlichen Positionen für den Frieden einsetzen.
Wir beten für die Politiker*innen, die auf der Suche nach Kompromissen alle diplomatischen Mittel nutzen, und für alle Organisationen und Initiativen, die den Dialog zwischen den Menschen aufrechterhalten.
Wir beten für alle, die den Erzählungen von Feindbildern widerstehen, und für unsere Geschwister in der Ukraine und Russland, dass auch sie in Gottes Frieden leben können ohne Angst vor den schrecklichen Folgen eines Kriegs.“



Ich habe die Ukraine und Russland vor 10 Jahren, also vor dem Konflikt besucht [3]. Nach einem Prolog in Moldawien (Kishinev) ging es per Bahn durch Transnistrien nach Odessa. Die Reise verlief vom Schwarzen Meer zum Weißen Meer. In Odessa war ein Besuch der Freitreppe (Panzerkreuzer Potemkin) ein Muss. Odessa konnte ich mir auch schon vorher durch die Berichte einer Kollegin, die dort aufgewachsen war, gut vorstellen. Aber ich habe auch noch einen ganz anderen Bezug. Über 20 Jahre suchte ich zwei Schulfreunde. Der einen fand ich vor 3-4 Jahren, nachdem ich feststellte, daß er nicht unter seinem Rufnamen Paul sondern unter Peter Paul zu finden war. Den zweiten habe ich noch nicht ganz ausfindig gemacht. Ich traf seinen jüngeren Bruder, der mir erzählte, daß er in Odessa eine Professur für Philosophie hatte – zu der Zeit, als ich Odessa besuchte. Schade, daß ich es damals nicht gewußt hatte!  



Das Altargesteck kann mit seinem vorherrschenden Rosa als Symbol der Hoffnung verstanden werden. Nichts anderes will eine solche Andacht – ein Zeichen für Frieden und Hoffnung setzen.



Links und Anmerkungen:

[1] Aus: Da wohnt ein Sehnen tief in uns. http://www.habakuk-musik.de/pdf/Da_wohnt_ein_Sehnen_tief_in_uns.pdf
[2] https://evangelisch-in-koeln-dellbrueck-holweide.de/friedensandacht/
[3] http://rheumatologe.blogspot.com/search/label/Ukraine und http://rheumatologe.blogspot.com/search/label/Russia

 

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