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Saturday, January 3, 2026

Photographische Aufnahmen aus der Black Box Nr. 04 vom 03.01.2026

 


Aktuell habe ich mir von den photographischen Aufnahme [1] noch einmal eine von Anfang der 1950er Jahre aus der Kolonie Abendruh herausgesucht, denn diese Aufnahme schließt an die Black Box Nr. 03 [2] an. Aber mehr wende ich mich den Aufnahmen von Ausflügen der Familie nach Werder zu. Mein Vater schrieb in seiner Familien-Chronik zu den 1930er Jahren darüber, hier nochmals der Text [3]. Werder liegt von der Wohnung der Großeltern etwa 30 km Luftlinie entfernt. Die Obstbaumblüte um April / Mai herum war schon lange Anlaß für das Baumblütenfest. Diese Tradition wurde durch den 2. Weltkrieg sowie die nachfolgende Teilung Deutschland unterbrochen. Mitte bis Ende der 1930er Jahre hatte Werder etwa 10.000 Einwohner [4].

Die Nummerierung der Bilder ist von oben nach unten.

Bild Nr. 1:
Das ist eine echte photographische Aufnahme, die meine Mutter nicht gesehen haben kann, denn sonst wäre sie weggeworfen worden. So aber ist sie in der Black Box gelandet. Die Aufnahme ist wegen Gegenlicht teilweise überbelichtet und teilweise sind Köpfe verwackelt [5]. Ja, eigentlich sind nur die Eltern und Großeltern nicht verwackelt. Links sitzen Helga und Alexander Fuß, Freunde der Eltern, dann steht dort der Großvater, wem mögen die beiden nächsten verwackelten Köpfe gehören (?), und schließlich ganz links die Großmutter. Die Aufnahme ist auf 1950 datiert.


Bild Nr. 2:
Diese Aufnahme ist auf 1937 datiert und zeigt die Großeltern, meinen Vater, und Tante Mielchen nebst Onkel Otto. Auch wenn es sich um ein monochromes Bild handelt kann ich mir die Blüten ausmalen. So völlig anders als im Garten war es dort nicht. Ich nehme an, daß die nähe der Havel und der Aufstieg zur Bismarckhöhe [6] letztlich den Aussschlag gaben.


Bilder Nr. 3 und 4:
Diese Bilder sind 1938 in Werder entstanden. Vater war damals 13 Jahre alt und trug zu diesem Anlaß keinen Matrosenanzug. Wer aber außer den Großeltern mit vor der Partie war, das weiß ich nicht. Aber immerhin waren Obstsaft und -wein sowie ein Blütenmeer mit dabei.





Links und Anmerkungen:
[1] Die „photographischen Aufnahmen“ sind alte Fotos, die keinen Platz gefunden hatten, bis ich sie in eine sehr schöne japanische Keks Schachtel gesteckt und lange Zeit vergessen hatte. 
[2] Photographische Aufnahmen aus der Black Box Nr. 03 vom 31.12.2025
https://rheumatologe.blogspot.com/2025/12/photographische-aufnahmen-aus-der-black_31.html 
[3] Mein Vater schreibt in seiner Familien-Chronik zu den 1930er Jahren:
„Jedes Jahr ging's mit der Bahn nach Werder [4] zur Baumblüte. Wir waren dann nach einem Spaziergang zu irgendeinem See immer bei einer "Stamm"-Obstgarten-Familie im Obstanbaugebiet, die auf ihrem Grundstück Tische und Bänke unter den blühenden Obstbäumen aufgestellt hatten und neben etwas Eßbarem natürlich auch ihre Obstweine feilgeboten haben, die bei verschiedenen später auch mächtig ihre Wirkung zeigten. Den Abschluß bildete dann ein Besuch auf der Bismarckhöhe oberhalb von Werder, wo bei Musik immer ein großer Rummel war, bevor es dann mit der Bahn wieder nach Hause ging.“
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Werder_(Havel)  
[5] Es regt mich immer wieder auf, daß die Menschen nicht einen Augenblick ruhig verharren können, denn ich fotografiere lieber ohne Blitz. Da hat die Technik mittlerweile bei Handy sog. Bewegungsaufnahmen. Aber trotzdem!
[6] So ähnlich geht es bestimmt Kölnern, wenn es um den Drachenfels geht, den ich schon länger wehmütig vom Auto oder der Straßenbahn ansehen, aber doch schon länger nicht besucht habe.

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Thursday, June 9, 2022

LYRIK-Taschenkalender 2015 24. KW 08.06.2022

 




Michael Braun hat den LYRIK-Taschenkalender 2015 herausgegeben und zusammen mit Henning Ziebritzki alle am Taschenkalender beteiligten Autoren und Kommentatoren mit je einem Gedicht vorgestellt. Er ist mir jetzt wieder in die Hände gefallen. Auch dieser Kalender lädt ein zum Annotieren und Assoziieren, zum Erstellen von GegenEntwürfen. Vielleicht so auch ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne). Diese Annotationen stammen aus den Jahren 2014/2015 und 2020/2021.


24. KW
Hendrik Rost: Requiem


„Ich nickte“ -: das machen viele Menschen am Telefon. Ich sah einmal jemanden mit Handy, der sich neben eine alte, nicht mehr funktionierende TelefonZelle stellte (Madrid?).

„woher er die Nummer hatte“ -: wenn man ein Telefon hat, wird man auch gestört. Ich gebe zu, manche Menschen stören nicht und bei manchen freut man sich sogar, wenn sie stören.

„die verstehen mich nicht“ -: später einmal erläuterte er Zuhörern, daß dies [Gedicht] Kunst sei und deshalb nicht der AlltagsSprache folge. [1]

„Was hatte er gesagt? Nimm deine Zunge und geh.“ -: Geh aus mein Herz und … [2]. Auch ich weiß nicht mehr genau, was Thomas Kling gesagt hat, als ich ihn einmal am Telefon hatte.

„zweiter Hinterhof“ -: Meine GroßEltern mütterlicherseits wohnten im HinterHof SchönebergerStraße in Berlin-Steglitz. War das schön ruhig da, nachdem der FlugHafen Tegel aufgemacht hatte.

„skandierte mit Verve“ -: so habe ich ihn auch im Stollwerck in Erinnerung [3]. Ich hatte mit der Schauspielerin/Sängerin/Entertainerin Maria Liedhegener Chinesisch geübt, denn sie sollte auf Chinesisch singen, aber dann wurde das Programm geändert. Das erinnert mich daran, daß ich in Taiwan/China einmal einer chinesischen Opernsängerin geholfen hatte, eine deutsche Arie einzustudieren. Teilweise notierte sie die Laute in (japanischen) Katakana.

Monolog
    wer sagt
Denn
Daß
Telefonieren
Immer
Dialog
Sein
Muß?
Und
Warum
Sollten
Monolog
Und
Innerer Monolog
    Nicht
Dialog sein


24. KW
Kommentar: Henning Ziebritzki


„lebendig begraben“ in Berlin -: da galt dem Sprecher Hendrik Rost. Wirklich begraben ist jedoch Thomas Kling in Neuss. Ich war auf seiner Beerdigung. Ich denke noch an die einsame Trommel.

„Nimm dein Grab und geh“ -: das sollte dem Werk von Thomas Kling gelingen. Dann auch noch: Nimm dein Bett und geh [4].

Sand
    beFreie den
Sand
Aus
Der
SandUhr
Lasse
Ihn
Gleiten
In
Das Meer
Der
Zeit
Die da-
    Nach noch
Kommt

EntDecken
    im Labyrinth
Der
Sprache
Die
Nischen
EntDecken
In
Denen
Einsame
Kerzen
Langsam
Brennen
Damit
Nicht alle
    Stimmen [5]
VerGehen




Links und Anmerkungen:
[1] Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich meine, es wäre die Vorstellung von „Zinnen“ gewesen, ca. 2002 in Wevelinghoven. Monotypien Ute Langanky und einem Poem von Thomas Kling.
[2] Geh aus, mein Herz, und suche Freud von Paul Gerhardt (1607–1676). Oder: Geh aus, mein Herz, Krimi von Åke Edwardson, den manche schwach fanden – ich nicht.  
[3] 6./7. November 1984
[4] „Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin!“ Joh 5,8 https://www.bibleserver.com/LUT/Johannes5
[5] Hubert Winkels: Der Stimmen Ordnung / über Thomas Kling. Dumont, Köln 2005. ISBN: 3832179410


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Wednesday, October 20, 2021

Das Notizbuch des Berghauers Ferdinand Meixner

Wehrmann Ferdinand Meixner / seine Frau Albertine Meixner/ wohnhaft in Altwasser / Charlot[t]enbrunnenstraße. 194. Kreis / Waldenburg Schls. / Dieses Buch gehört dem / Berghauer Ferdinand Meixner / aus Altwasser Feldstr. No, 6, / Kreis Waldenburg

 

Ich bin durch die hinterlassenen Papiere meiner Eltern an ein Notizbuch gelangt, das es mir angetan hat. Es hat dem Berghauer Ferdinand Meixner gehört. Er hat es ca. 1913/1914 begonnen und er sowie andere Personen haben es über 40 Jahre weitergeführt. Das Buch hat viel mitgemacht – das kann man sehen, aber es ist auch nicht zerfleddert. Es muss feucht geworden sein, obwohl die Seiten nicht zusammen kleben.

Mein Vater hatte eine Erbschaftsangelegenheit geregelt. Ein Vetter war gestorben und er war der nächste Angehörige. Der Vetter hieß Herbert Böhm und war der Sohn der älteren Schwester meiner Großmutter. Dieser Teil der Familiengeschichte spielt in Schlesien, wobei die Großeltern bereits kurz nach dem 1. Weltkrieg nach Berlin gezogen sind und die restliche Verwandtschaft nach und nach bis nach dem 2.Weltkrieg westlicher ankamen. Ferdinand Meixner war Bergmann in der Gegend um Waldenburg (nach dem 2. Weltkrieg Wałbrzych); vielleicht in der Silberzeche nördlich von Seitendorf (Poniatów).

Ferdinand Meixner hat häufig Eintragungen mit dem Federhalter und Tinte gemacht und hat eine deutliche, leserliche Kurrentschrift geschrieben. Er hat Familienereignisse und Daten festgehalten, aber auch die Nummer seiner Taschenuhr, die Nummer eines Versicherungsscheines der Aachen-Leipziger Versicherungs Aktien Gesellschaft, Zahlen, die nicht genau zuzuordnen sind, Daten aus seinem Wehrdienst (er hatte vom 16.10.1897 bis zum 18.09.1899 bei der 12. Kompanie des Infanterie-Regiments Nr. 50 gedient) und weiteres mehr.


Hier nun ein Text mit einer ungelenken Schrift; wahrscheinlich geht es für so jemanden nur mit ungespitztem Bleistift. Der erste Eintrag lautet: Mutter Anna Kreisel / gestorben 25.1.1919 in Friedersdorf / geb. Teuner. / geboren am 18 / Januar 1843 zu / Hinterfahlen [? es gibt diesen Ort nicht] / Kreis Glatz

Hier sieht man meist Einträge von Ferdinand Meixner. Die Tinte hat einen Wasserschaden und so hat jemand den letzten Eintrag in ungelenker Schrift wiederholt: Margarete Meixner / geboren den 31. Januar / 1922 zu / Altwasser nachmit(t)ag / 2 3/4 Uhr / Kreis Waldenburg / Schlesien


Und dann haben auch andere Personen, teilweise mit Bleistift, teilweise mit Federhalter Einträge gemacht, meistens Daten zu Personen. Die Schriften sind ungelenk und manche Einträge wirken abgeschrieben. Immerhin geben sie Auskunft über Geburt und Tod oder Heirat, so daß es sich um sinnvolle Angaben handelt, denn viel ist in den Kriegsjahren und danach verloren gegangen.

Und hier ist nun der Eintrag über meinen Großvetter: Elisabeth Meixner / u. Herbert Böhm / getraut den / 12.4.41 Standesamtlich / den 13.4.1941. Kirchlich. in Waldenburg - / Altwasser / Feldstraße 6 / Schlesien


Der Großvetter lebte dann in Sondershausen (Thüringen), besaß ein Mehrfamilienhaus. Ich habe ihn nie kennengelernt.
 
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