Saturday, June 7, 2025

K. und die Stadt des Schweigens

K. lebt in der Stadt des Schweigens. Wenn er morgens sein Zimmer verläßt, um zu seinem ArbeitsPlatz zu gelangen, kommt er an einer Schule vorbei. In dieser Schule wird selbstVerständlich Schweigen geLehrt. Auch wenn man aus der Not der Dinge Rechtschreibung, Rechnen und ähnliche Fächer vermitteln muss, bleibt das wichtigste Fach Schweigen. K. sieht die Reihen der Schüler, wie sie mit geSchlossenen Augen daSitzen. Der Lehrer sitzt ebenfalls mit geSchlossenen Lidern hinter seinem Pult. Und alle Schweigen. Er geht weiter und fährt mit StraßenBahn und U-Bahn. Und alle, die dort drin sitzen, haben die Lider geschlossen und schweigen. Niemand blickt den anderen an, niemand sagt etwas. Auch gibt es keine DurchSage für die HalteStellen. Das ist nicht notwendig, denn die Menschen steigen automatisch an der richtigen HalteStelle aus, schweigend. K. geht noch ein Stück zu Fuß, vorbei an den anderen Schweigenden. Er beTritt seine ArbeitsStelle, ein riesiges HochHaus, dessen Höhe er nur ahnen kann, denn nie blickte er nach oben. Er muß AufZug fahren. In einem AufZug blickt auch in anderen Städten niemand den anderen an. Aber in diesen AufZügen stehen alle mit geSchlossenen Lidern. Und auch K. schließt die Lider, als sich die AuszugsTür schließt, und schweigt zusammen mit den andern. Jeder weiß, wo er ausSteigen muß. K. geht an seinen ArbeitsPlatz. An seinem PC arbeitet er schweigend. Die E-Mails, die er empfängt, sind ohne AnRede und ohne GrußFormel. Kein LG oder MFG. Auch K. schreibt seine E-Mails ohne AnRede und ohne Gruß. So viel Schweigen wie möglich! Wenn man durch die Reihen der ArbeitsTische zum KaffeeAutomaten geht, dann geht man, ohne die Augen zu öffnen. Wenn man jemanden hört, weicht man aus. Alle schweigen; kein Lächeln, kein Blick zum anderen. In der Cafeteria wird schweigsam gegessen. Man bemüht sich, keine Geräusche beim Essen zu machen, weder beim ZerTeilen der Nahrung noch beim Kauen. Einen Rülpser hörte man noch nie in dieser Stadt. Nach FeierAbend geht K. wieder über die Straße. Da sieht er jemanden, der geSprochen hatte, nun aber schweigt und zu Boden blickt. Er wird von Schweigenden abGeführt. K. senkt sofort den Blick, schließt die LIder und schweigt noch intensiver. K. kommt zu Hause an. Dort schweigt er alleine. Allein schweigt es sich am besten. Und so verGeht Tag um Tag im Schweigen. Nie hatte sich das Schweigen verändert. K. erTappt sich dabei, Nuancen des Schweigens entDecken zu wollen, aber das ist ein aussichtsLoses UnterFangen und verWirrt nur die Gedanken. Sitzen und schweigen. Schweigen. 

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Friday, June 6, 2025

FreitagsGedichte / #KurzLyrik 06.06.2025

 


故人江海別,
幾度隔山川。
乍見翻疑夢,
相悲各問年。
雲陽館與韓紳宿別

司空曙

Alter Freund, Flüsse und Meere trennten uns,
Berge und Ströme lagen zwischen uns.
Es ist wie im Traum, dich wieder zu sehen,
Traurig fragen wir uns, wo die Jahre geblieben sind.
Abschied von Han Shen bei der Übernachtung in der Yunyang Schenke
Sikong Shu


Mond 
    das Licht 
Von 
Mond 
Und 
Sternen 
Taucht 
In 
    Den 
        See 
Schau 
Nur 
        Hin
Dann taucht 
Es     Auf
Wieder 

Arche & Fähre 
    für 
Die 
Arche Noah 
Gab 
Es 
Keine 
Tickets 
Und 
Die 
Fähre 
Charons 
Braucht man 
    Nicht 
Zu buchen 

HimmelsBlau 
    da hatte 
Das 
Wetter 
Dieses 
Blau 
Des 
Himmels 
Mit 
Grauer 
Farbe 
ÜberStrichen 
Und 
Vergaß auch 
    Noch 
Zu weinen 

Feuer 
    das prasselnde 
Feuer 
Einige 
Gärten 
Weit 
EntFernt 
Wo bleibt 
    Nur 
Sein Rauch? 

EntFernung 
    zwischen 
Carlos Castaneeda 
Und 
Konfuzius 
Liegen 
Welten 
Zeiten 
Ideologien
Wie eine ge-
    Teilte A-
Möbe bei=sammen 

FrühlingsWiese
    die prächtige 
FrühlingsWiese 
Mit 
Ihren 
Blumen 
Und 
Farben 
Wird 
AbGemäht 
Und 
Selbst 
Wenn 
Sie 
Stirbt 
Es bleibt
    Doch 
Der Augenblick 

KiefernWald 
    die laue 
Nacht
In 
Der 
Es 
Aus 
Dem 
Kiefernwald 
Wispert 
Und 
Wir schweigen 
    So laut 
Wir können

ErInnerungen 
    all die 
Jahre 
An 
ErInnerungen 
Die 
Im 
Nebel 
Der 
Zeit 
VerSchwinden     
schwinden
Um 
In 
Einen
Schwarzen 
Abgrund 
Zu 
Stürzen
Er heißt 
    Abgrund 
Der Gnade 

Tod 
    der Tod 
Ist 
Ein 
BahnhofsVorsteher 
Dessen 
Sprache 
Ich 
Noch 
Nicht 
VerStehe 
Und 
Darum 
Lasse 
Ich 
Zug um 
    Zug vor-
BeiFahren 

UnKlar
    es ist 
Noch 
UnKlar
Was 
Passiert 
Denn 
Wir 
Wissen 
Nicht
Was 
Die 
Ewigkeit 
Aus der 
    GeMälzten 
Zeit braut 

Sturm 
    Sturm kommt 
Auf 
Am 
Himmel 
Laufen 
ApfelSchimmel 
Um 
Die 
Wette 
Wiehern
Springen 
Hoch 
Und 
Schütteln Regen 
    Aus 
Ihren Mähnen 

Bombe 
    das Leben 
Ist 
Die 
Bombe 
Eines 
Terroristen 
Die 
Nicht 
EntSchärft 
Werden 
Kann 
Und 
Sie 
Tickt 
Immer 
Schneller 
Beim 
Versuch der 
    EntSchärfung 
Explodiert sie

Traum
    in den 
TraumWald 
Hinein -: 
Eine 
Lichtung 
Es 
Ist 
Immer 
Eine 
Lichtung 
Da
Und 
Dort fängt 
    Das 
Leben an

Schlüssel 
    spät im 
Frühling 
Wiegt 
Sich 
Eine 
SchlüsselBlume 
Im 
Wind
Der 
Schlüssel 
Zum Glück 
    Auch -: 
Ein SchlüsselErlebnis 

Schnee 
    spät im 
Frühling 
Fällt 
Noch 
Schnee 
In 
Den 
Bergen 
Hier 
Fallen 
Nur 
KirschBlüten 
Und die 
    Sterne 
vom Himmel 
 
 


Sikong Shu (司空曙) lebte von ca. 720 bis ca. 790. Er stammte aus Hebei und war einer der zehn Talente von Dali (大曆十才子). Dies bezieht sich auf die zeit von 766 bis 779, als unter Kaiser Daizong (唐代宗) zehn berühmte Dichter miteinander sangen. Die wollten ihre Dichtung frisch, elegant und traszendet gestalten. Drei Gedichte erscheinen in der Anthologie 300 Gedichte der Tang-Dynastie (唐詩三百首). Insgesamt zwei Bücher seiner Gedichte habe ich in  der Sammlung Komplette Gedichte der Tang-Dynastie (全唐詩) aus dem Jahr 1705 gefunden.

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Thursday, June 5, 2025

Der „9.000.000 € von Bill Gates“ Scam

Heute bekam ich eine E Mail, in der ich, nach der ich 9 Millionen Euro von Bill Gates bekommen soll. Nun gibt es wahrscheinlich Leute, die würden an meiner Stelle jubelnd aufschreien: 9 Millionen Euro! Das ist natürlich ein Betrugsversuch. Hier ist zunächst einmal der ganze Text: 
„Sehr geehrte/r Begünstigte/r,
Sie wurden ausgewählt, um im Rahmen einer globalen Initiative zur Unterstützung einflussreicher Einzelpersonen und Anliegen 9.000.000 € zu erhalten. Diese Förderung würdigt Ihr Potenzial, Innovation, Gerechtigkeit und langfristigen gesellschaftlichen Mehrwert zu fördern. Unser Team wird sich in Kürze mit Ihnen in Verbindung setzen, um die Überweisung und die Berichterstattung zu vereinbaren.
Mit freundlichen Grüßen,
Bill Gates
Wohltätige Unterstützung
Lynanne Lewis vvv“


Zunächst weißt der Scammer noch nicht einmal, wen er da anschreibt „geehrte/r Begünstigte/r“. Der Inhalt ist in schlechtem Deutsch aus dem Englischen (?) übersetzt worden. Sowohl Bill Gates wie auch Lynanne Lewis gibt es als Personen im realen Leben. Weshalb sollte Bill Gates 9.000.000 € einfach so loswerden wollen? Die Post kommt von jemandem, die sich Filya Zherbrovska nennt. Auch dieser Name läßt sich in der Chefetage eines ukrainischen Pharma-Unternehmens finden. Würde sich diese Person aber mit einer Email-Adresse unter dem Namen „afrocandy“ melden? Man benötigt also keine Zeit, um hier einen Betrugsversuch auszumachen.

Ich frage mich nun, warum jemand so einen leicht zu durchschauenden Betrugsversuch durchführt? Ich bin der Überzeugung, daß es einen einfachen Grund gibt. Die Scammer sind nicht an Menschen interessiert, die über diese Email nachdenken. Sie suchen ihre Opfer unter gierigen und eher wenig intellektuell begabten Zeitgenossen. Die Rattenfänger sind nicht nur in der Politik unterwegs.

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Sammelsurium (280) 05.06.2025


RückSchau
1025 [1]

Bolesław I., auch der Tapfere genannt, starb. Nach Eroberung von Pommern (994), Krakau mit Schlesien, der Oberlausitz und 1018 dem Gebiet um Kiew, vorübergehend auch Böhmen und Mähren hatte er den Titel eines Königs von Polen angenommen. 1018 hatte Kaiser Heinrich II. diese Unabhängigkeit anerkannt.  

Laika 
Die erste Hündin im All -: Laika. Seine Laika, auf Spanisch -: su Laika, Suleika,  „die Zuckerpuppe aus der Bauchtanztruppe“ [2]. Meine Leica -: Ich hatte nie eine Leica. Laika aber starb einsam im All. Könnte man sie reanimieren? Nein, sie ist mit der Kapsel längst verglüht. 

Engel
Als die 40.000 Engel von der Nadelspitze losflogen, war es bereits dunkel und sie flogen allesamt in ein SpinnenNetz, da warten sie nun auf die Spinne. 
Da hielt ich kurz ein, wie war das doch gleich mit den 40.000 Engeln? Ist das nicht maßlos übertrieben? Ich konsultierte Wikipedia [3]. Dort merkte man an, daß Christian Morgensterns Gedicht Scholastikerprobleme [3a] darauf Bezug nahm, aber diese Frage für das Mittelalter nicht belegt sie „(wohl aber die Frage, ob viele Engel zugleich an einem Ort sein können“) [3b]. Und dieser Text von Thomas von Aquin ist sehr interessant. Beantwortete aber nicht meine Frage. Da habe ich in meinen Büchern nachgeschaut und wirklich und wahrhaftig stand dort das Buch: „Wie viele Engel können auf einer Nadelspitze tanzen?“ [3c]. 1289 scheint man das verhandelt – der Autor zitiert Robert Gernhardt – zu haben, die Zahl 150 wurde genannt und der Dekan der Universität von Paris beschloß am 1. Sonntag nach Trinitatis, es wären drei Engel, wahrscheinlich hätte er mehr gebraucht, denn er landete am 2. Sonntag nach Trinitatis 1289 auf dem Scheiterhaufen.

ScheinHeilig 
ScheinHeilig verMissen wir den SonderMüll, die Fässer mit Atommüll, die irgendWie und irgendWann, ganz von selbst vom Schiff in den Ozean gesprungen sein müssen. 

Leichen
Ich lese in Krimis immer wieder von LeichenHunden, also von Hunden, die darauf trainiert sind, Leichen zu finden. Wären nicht Fliegen noch effektiver? 

Rhythmus 
Im Französischen sagt man le rythme. Aber warum nicht le rytme oder le rhytme oder gleich le ritme? Sprachen!!!

Säcke 
Das Französische kennt le sac à main und le sac à dos, aber keinen le sac à pied

Das Sehnen nach Höhlen
Da ist ein Sehnen in uns zurück in die Höhle. Und wir bauen Häuser wie Stalagmiten, die StalaktitenHäuser werden wir auch noch schaffen. 

Geräusche 
Immer gibt es besondere Geräusche zu bemerken: vor einigen Tagen ein Uhu und ein Kuckuck, gestern ein Gewitter mit Donner, dem Klopfen von Hagel und  dicken Tropfen auf dem Dach, dem Wind in den tief gebeugten Bäumen und jetzt suche ich noch nach dem Klappern von Geschirr und KuchenGabeln im AusflugsLokal sowie den Glocken, die zur Messe rufen.

Weinen 
Das Weinen der Roboterin ist nur eine Funktion, die ihr eingebaut wurde, aber das Gefühl der Roboterin, das die Tränen auslöst, ist echt. 

Himmlische Sprache  
Werner Gitt meint in dem Kalendereintrag zum 29. Mai „Verständigung im Himmel“ [4], die himmlische Sprache werde „komplexer sein, um kompliziertere Sachverhalte und göttliche Empfindungen auszudrücken“. Und -: „harmonischer“, „kräftiger, wortreicher und wortgewaltiger“. Nein. So wird sie nicht sein. Ich meine vielMehr, daß die himmlische Sprache so sein wird, daß sie von allen verstanden werden kann. 

Die wilde Katze  
Es heißt, daß die Katze Gene einer WildKatze in sich trüge. In all den Jahren, die sie auf mein GrundStück kommt, meidet sie mich, schreckt auf, wenn ich auf sie zugehe. Heute ist es anders. An diesem verhandenen FrühlingsTag. sucht sie meine Nähe, geht neben mir vor mir und hinter mir durch den Garten und um das GrundStück herum. Ich weiß dieses neue Verhalten bzw. diesen Wechsel nicht zu deuten. 

Rapunzel und der Wolf 
„Rapunzel, Rapunzel zieh dein rotes Käppchen auf“, rief der Wolf im SchafsPelz Rapunzel zu, die einen KurzHaarSchnitt trug. Sie besuchten zusammen die Hexe, die sie dem Käse hinterHer schickte. Dann tauschten sie den Käse mit Hans für einen Apfel und aßen beide davon. Nun stehen sie östlich des Paradieses und schauen nicht zurück. 

ZugFahrt 
Meine schönste Zugfahrt war mit einem VorortZug vom HauptBahnhof Yangon aus. Die Strecke führte im Kreis und man fuhr hinter den Gärten, den Häusern, den Feldern, den Dörfern um die Stadt über Land wieder in die Stadt zurück. 

Scherben
„der hypothenuser“ [5] -: first hypo:et then user (oder hy:poet?)
Unser Leben ist die Gestalt eines Gedankens des Todes . 



Links und Anmerkungen:
[1] Werner Stein: Kulturfahrplan. Die wichtigsten Daten der Kulturgeschichte. Von Anbeginn bis heute. Deutsche Buch-Gemeinschaft, Berlin und Darmstadt 1946/1957. S. 448.
[2] Zuckerpuppe aus der Bauchtanzgruppe [2a] war ein Schlager von Bill Ramsey [2b] aus dem Jahr 1958. 
[2a] Warnhinweis! Es handelt sich um einen Schlager aus den 1950iger Jahren!  https://www.youtube.com/watch?v=vFougTKXePA 
[2b] William „Bill“ McCreery Ramsey (1931-2021) war ein amerikanisch-deutscher Jazz- und Schlagersänger, Journalist, Hörfunkmoderator und Schauspieler. https://de.wikipedia.org/wiki/Bill_Ramsey 
[3] Es geht nur am Rande um Engel auf der Nadelspitze: https://de.wikipedia.org/wiki/Quaestio_(Lehrpraxis) 
[3a] „Wieviel Engel sitzen können / auf der Spitze einer Nadel -“ schreibt Christian Morgenstern in „Scholastikerprobleme“.
https://www.projekt-gutenberg.org/morgenst/gedichte/chap068.html 
[3b] https://www.thelatinlibrary.com/aquinas/q1.52.shtml 
[3c] Richard Reschika: Wie viele Engel können auf einer Nadelspitze tanzen? Alles, was Sie über Religion noch nicht wissen. Diederichs / Heinrich Hugendubel Verlag, Kreuzlingen/München 2008. ISBN: ‎978-3720530651. S. 82-87.
[4] Leben ist mehr 2025. Herausgeber: ‎Christliche Verlagsgesellschaft, Bielefeld 2024. ISBN: ‎978-3863536946.
[5] Das Gedicht: „pythagoräisch“. In: Werner K. Bliß: Gekämmte Zeit. Pop Verlag, Ludwigsburg 2019. ISBN: 9783-86356-288-5. S. 27 

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Wednesday, June 4, 2025

LYRIK-Taschenkalender 2014 25./26. KW 04.06.2025

 


Michael Braun hat den LYRIK-Taschenkalender 2014 herausgegeben. 17 Dichterinnen und Dichter stellten jeweils zwei Lieblingsgedichte mit Kommentar vor. Von diesen wählte der Herausgeber je ein exemplarisches Gedicht aus und kommentierte es. In diesen Taschenkalender habe ich nun wieder Annotierungen und Assoziationen geschrieben. Vielleicht so ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne). Diese Annotationen stammen aus den Jahren 2023-2025.


25. KW
Tomaž Šalamun: Aber das sind Ausnahmen


Abschaffen -: ich wollte mich einmal für die Abschaffung des Liedes Nr. 14 im Evangelischen Gesangbuch einsetzen. 

„einige dumme Zahlen schaffen wir ab“ -:  O.K. dann eben ohne pi, braucht niemand mehr auswendig zu lernen. 

Nein, die Milz schaffen wir nicht ab und auch das Hirn belassen wir. Apropos -: mit dem Hirn bin ich mir nicht so sicher, denn viele Zeitgenossen kommen ohne aus.  


25. KW
Kommentar: Simone Kornappel 


„baku“ -: meint sie nun Baku oder Bakunin?

Pogrom von Baku -: weiß ich nichts drüber. Vielleicht Armenier? Nachschlagen! [1]


26. KW
Simone Kornappel: pentimeti faq


Das ReibeGeräusch eines SeidenKleides, das durch die AbendLuft getragen wird. Ein kurzes InneHalten, ein Blick in den Spiegel, den Busen gehoben, das Kinn, die Stimmung; wieder einGehakt -: weiter. 

Cello / Rumours -: „Rumours“ von Fleetwood Mac. Wieder einmal gehört kürzlich [2].   


26. KW
Kommentar: Michael Braun   


„Du spieltest Cello“ sang Udo Lindenberg. 

Das Cello / der Cellist in dem japanischen Film „Nokan“ - bzw
おくりびと (okuribito), das bedeutet einen Menschen verabschieden [4]. Natürlich mußte der deutsche Verleiher es wieder einmal versauen, denn Nokan (納棺) bedeutet einsargen.

Cello, Cellophon, Cellophan.   



Links und Anmerkungen:
[1] Das habe ich getan. Das Pogrom in Baku im Januar 1990 bezeichnet ein von Aserbaidschanern an der armenischen Bevölkerung von Baku verübtes Pogrom. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Pogrom_in_Baku  

[2] https://www.youtube.com/watch?v=PgagPdVM7bk  
[3] "Cello" von Udo Lindenberg feat. Clueso. 
https://www.youtube.com/watch?v=NxquuedkKaM 

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Nokan_%E2%80%93_Die_Kunst_des_Ausklangs 

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Die Krotzenkapelle in Brück (Eifel)

 


Zunächst dachte ich nach meinem letzten Besuch in Dreis-Brück, ich hätte die Kapelle nicht besucht, aber ich hatte sie doch vor 5 Jahren etwa besucht und fand sie jetzt doch so interessant, daß ich darüber berichten will.

Die Kapelle wird Krotzenkapelle genannt. Krotzen ist eine lokale Bezeichnung für Lavaschlacken [1], die wegen ihrer Porosität (Entstehung aus flüssigem und mit vielen Gasen angereichertem Magma) leicht zu bearbeiten sind und zum Hausbau wie zum Bau der Kapelle verwendet wurden.

Der Bau der Kapelle geht auf die Rückkehr von Hubert Bernardy aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. Mein Vater war auch in russischer Kriegsgefangenschaft, allerdings nicht über acht Jahre wie Hubert Bernardy, sondern nur etwa drei Tage, da er durch eine Gegend in Schlesien kam, aus der meine Großmutter stammte und er diese von den Ferien her kannte. Er konnte aus dem Tross fliehen, andere kamen durch ihre Heimatdörfer und kehrten nicht zurück. Also wenn auch Hubert Bernardy nicht so viel Glück wie mein Vater hatte, so war dennoch die Rückkehr ein unvorstellbar freudiges Ereignis, daß man beschloß, diese Kapelle zu bauen. Sie wurde 1957 fertiggestellt. Das aber kann man ausführlich nachlesen [2]. In der Kapelle befindet sich eine menschengroße Fatima-Marienstatue. 




Mich hat besonders der Blick nach oben fasziniert, allerdings ist es keine offener Blick in der Himmel, aber die Illusion besteht. Ich kenne dies als offenen Blick z.B. von der Bruder-Klaus-Feldkapelle oberhalb der Ortschaft Mechernich-Wachendorf [3], die ich schon mehrfach erwähnt habe auf diesem Blog [4]. Die Bruder-Klaus-Kapelle sieht von außen kompakt aus und man sieht gar nicht, daß sie kein Dach besitzt. Man blickt von Innen in den Himmel.





Ein ähnliches Phänomen bemerkte ich bei den Nuraghen. Nuraghen nennt man die prähistorischen Turmbauten auf Sardinien [5]. Sie sind bis über 4000 Jahre alt und man schätzt, daß sich bis etwa 10.000 dieser Bauten auf Sardinien befunden haben. Ihre Funktion ist unklar, man diskutierte Kultstätten oder Grabanlagen, geht aber heute eher von Wohn- und Befestigungskomplex. 





Vielleicht denkt man auch an die Anlagen in Mesopotamien, die Zikkurat und damit auch an den Turmbau von Babel. „... fanden sie eine Ebene im Lande Schinar und wohnten daselbst. Und sie sprachen untereinander: … Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen ...“ [6]. Ich meine, daß ich gerade mein Konto der Abschweifungen gnadenlos überziehe. Ich wünsche Besuchern der Kapelle ähnlich viele und vielleicht auch ganz andere Assoziationen.
 
 



Links und Anmerkungen:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Krotzen_(Geologie) 
[2] https://dreis-brueck.de/project/die-krotzenkapelle/  
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Bruder-Klaus-Feldkapelle 
[4] Eine Auswahl:
https://rheumatologe.blogspot.com/2023/05/altargesteck-am-23052023-kafka-in-der.html  
https://rheumatologe.blogspot.com/2024/01/das-winzhaus-ruckzugsorte.html  
https://rheumatologe.blogspot.com/2012/12/auferstehungskirche-koln-buchforst.html 
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Nuraghe 
[6] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/GEN.11 1. Mose 11,1-9
 
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Sunday, June 1, 2025

Altargesteck für Exaudi 01.06.2025

  


Der heutige Sonntag heißt Exaudi und ist der 6. Sonntag nach Ostern; exaudi kommt von: „Exaudi, Domine, vocem meam“ [„Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe“ (Ps 27,7)] [1].  

Gerade mußten die Jünger von ihrem Meister Abschied nehmen.  Christus bereitete seine Jünger und uns auf den Tröster, den Heiligen Geist, vor, denn wir stehen eine Woche vor Pfingsten. Und er gab uns mehr noch die Verheißung, die der heutige Wochenspruch ausdrückt: „Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. [2] 

Der Text für die Lesung aus dem Evangelium und Predigt ist überschrieben mit „Das Werk des Heiligen Geistes“ [3]. Da ist zunächst von dem notwendigen Abschied die Rede. In der Predigt und in einem der Lieder des Sonntags wurde darauf eingegangen, nämlich das Gefühl des Verlassenseins. Dies kommt in dem Spiritual „Sometimes I Feel Like a Motherless Child“ zum Ausdruck [4]. Zugegeben ich erinnere mich mehr an Richie Havens, der eine Version „Motherless Child“ bei einem Auftritt in Woodstock (1969) sang, als er Zeit überbrücken sollte [5].  In Vers 7 wird der Heilige Geist auch Tröster genannt: „Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden.“ Eine Vorausschau (foreshadowing) auf das Pfingstfest. Mehr als „Ein Quantum Trost“ ist der Heilige Geist, der unter uns wohnt und dahin weht, wohin er will, um sich zu zeigen, wo wir ihn nicht vermuten.

In der Lesung aus dem Alten Testament prophezeit Jeremia: „Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, ...“ [6] Zu dieser Zeit steht Jerusalem vor dem Fall und der babylonischen Gefangenschaft, aber der Prophet spricht bereits von einer Zukunft danach. Irgendwie paßt die Stelle in die Liturgie vieler Sonntage, aber der heutige Bezug ist mir nicht ganz klar. Vielleicht sollen wir ein wenig vernünftiger werden: mehr auf unsere Mitmenschen achten oder die Schöpfung bewahren.

Die liturgische Farbe ist Weiß. Das Altargesteck zeigt Weiß und Rot; und ist wieder einmal künstlerisch gestaltet. Das Gesteck besticht durch seine Gestaltung. 



Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links und Anmerkungen:

[1] https://kirchenjahr-evangelisch.de/exaudi/ 
[2] Joh 12,32
[3] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JHN.16 Joh 16,5–15 
[4] Mahalia Jackson: Sometimes I Feel Like a Motherless Child  
https://www.youtube.com/watch?v=xxiAnrH5S1U 
[5] Richie Havens: Motherless Child 
https://www.youtube.com/watch?v=rlkYc0_EkAk 
[6] https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/JER.31 Jer 31,31–34  

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