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Tuesday, May 26, 2020

Januskinase-Inhibitoren


Januskinase-Inhibitoren werden seit einigen Jahren in der Rheumatologie angewendet. Ich hatte mit bereits vor etwa 10 Jahren näher mit dem Thema auseinandergesetzt [1] und später auch auf den Hype hingewiesen [2]. Tofacitinib war in den USA (von der FDA) zugelassen worden, aber dann spielte die EMA in Europa nicht mit; es wurden zusätzliche studien verlangt. Heute sind drei Januskinase-Inhibitoren hier zugelassen: Baricitinib, Tofacitinib, Upadacitinb. Da ist es an der Zei, sich einmal näher mit ihnen zu beschäftigen.

Was sind Januskinase-Inhibitoren?
Es sind DMARDs und zwar tsDMARDs, das sind auf spezifische Molekularstrukturen abzielende (targeted) DMARDs. DMARD steht für disease modifying anti rheumatic drug, als Krankheit modifizierendes anti-rheumatisches Medikament. Januskinase-Inhibitoren sind Kinase-Hemmer, d.h. diese Medikamente hemmen einen bestimmten Typ von Kinase (das ist ein Enzym-Typ) - nämlich die Januskinasen (abgekürzt JAK).
Während die Biologika die Kommunikation zwischen Zellen unterbrechen, machen dies die Januskinase-Inhibitoren in der Zelle. Das Signal, das durch ein Zytokin am Rezeptor ausgelöst wird, wird durch die Januskinasen in STAT-Proteine übersetzt, die im Zellkern Gene aktivieren, die dann die Produktion bestimmter (entzündungsvermittelnde) Zytokine steuern [3,4]. STAT steht für "Signaltransduktoren und Aktivatoren der Transkription". Es sind bislang sieben STAT-Proteine bekannt.

Wie sind die Unterschiede der verschiedenen Medikamente zu erklären?
Von den Januskinasen gibt es vier unterschiedliche Typen: JAK1, JAK2, JAK3 und TYK2. Aus diesen bilden sich immer Paare, die dann die Bildung unterschiedlicher STAT-Proteine zur Folge hat. Die bekannten Januskinase-Inhibitoren hemmen unterschiedlich stark die verschiedenen Kinasen:
  • Baricitinib hemmt hauptsächlich JAK1 und JAK2
  • Tofacitinib hemmt hauptsächlich JAK1und JAK3
  • Upadacitinib hemmt hauptsächlich JAK1
  • Filgotinib hemmt hauptsächlich JAK1
Daraus sind unterschiedlichen Wirkungen zu erwarten.

Welche Zulassungen bestehen?
Baricitinib (Handelsname Olumiant) ist zugelassen für die Behandlung der mittelschweren bis schweren rheumatoiden Arthritis (RA) bei Erwachsenen mit und ohne Methotrexat, wenn andere Medikamente nicht gewirkt hatten oder Nebenwirkungen verursacht hatten.
Tofacitinib (Handelsname Xeljanz) ist zugelassen für die Behandlung der mittelschweren bis schweren rheumatoiden Arthritis (RA) bei Erwachsenen mit und ohne Methotrexat, wenn andere Medikamente nicht gewirkt hatten oder Nebenwirkungen verursacht hatten. Außerdem besteht eine Zulassung für die „aktive Psoriasis-Arthritis (PsA) bei erwachsenen Patienten, die auf eine vorangegangene krankheits-modifizierende antirheumatische (DMARD-) Therapie unzureichend angesprochen oder diese nicht vertragen haben“.
Updacitinb (Handelsname Rinvoq) ist zugelassen für die Behandlung der mittelschweren bis schweren rheumatoiden Arthritis (RA) bei Erwachsenen mit und ohne Methotrexat, wenn andere Medikamente nicht gewirkt hatten oder Nebenwirkungen verursacht hatten.
Filgotinib ist noch nicht zugelassen, die Zulassung ist beantragt.

Was halte ich von Januskinase-Inhibitoren?
Sie bereichern die Möglichkeiten bei der Therapie rheumatischer Erlkrankungen. Aber sie sind unverschämt teuer.

Die Tagesdosis von Olumint kostet etwa 42 €.
Die Tagesdosis von Rinvoc kostet etwa 45 €.
Die Tagesdosis von Xeljanz kostet etwa 36 €.
Zum Vergleich:
Die Tagesdosis von Metex 15 mg Tabletten beträgt etwa 0,12 € (Methotrexat wird wöchentlich eingenommen!).

Summenformeln:
Baricitinib C16H17N7O2S, Tofacitinib C16H20N6O, Upadacitinib C17H19F3N6O, Methotrexat C20H22N8O5.

Fazit: die Januskinase-Inhibitoren stellen eine wichtige Innovation dar, aber wegen der horrenden Preise sind sie keine Medikamente für die erste Wahl.


Links:

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Saturday, May 23, 2020

Zu Abkürzungen von anti-rheumatischen Medikamenten


Ich las den den Artikel von T. Schmeiser et al.[1]. Und da waren sie wieder, die Abkürzungen, die ich so nicht mag. Ich halte es für eine gute Idee, Medikamente mit drei Buchstaben abzukürzen, aber es muss nicht jedes Land seine eigenen Abkürzungen produzieren. Flughäfen haben solche Abkürzungen mit drei Buchstaben. Der Flughafen Köln/Bonn wird CGN abgekürzt und kein Reiseveranstalter käme auf die Idee, plötzlich KLN oder KÖL zu benutzen.
Ich hatte bereits über diese Art von Abkürzungen vor etwa acht Jahren schon einmal berichtet [2].


Bei neun Medikamenten sind Abweichungen zum Gebrauch im Abstract-Band des 2019 ACR Meetings [3] vorhanden.
Bei Abatacept ist die von Schmeiser gewählte Alternative sogar besser, da weniger fehleranfällig gegenüber Adalimumab.
Baricitinib wird in den Studien des 2019 ACR Meeting mit bari abgekürzt. BAR ist prinzipiell in Ordnung, führt einen aber beim Suchen auf „bar“-Diagramme.
Certolizumab mit CMZ abzukürzen ist nur vom deutschen Medikamentennamen (Cimzia) her zu erschließen.
ETA für Etanercept finde ich nicht gut, weil es im Japanischen ein schlechten Beigeschmack hat [4].
Golimumab – warum nur GOM? GOL ist einsichtiger.
Für Infliximab war auch schon IFX in Gebrauch. IFN kann als Abkürzung von Infusion verwechselt werden.
Für SAR als Abkürzung für Sarilumab habe ich noch keinen Beleg. Wäre prinzipiell nichts gegen einzuwenden.
Für Tocilizumab hatte ich früher TOC gefunden, durchgesetzt hat sich TCZ. TOC wäre auch einleuchtender als TOZ.

Selbstverständlich kann jeder seine Abkürzungen so wählen, wie sie dann im Abkürzungsverzeichnis stehen. Verständlicher ist man aber, wenn man einen Konsens für Abkürzungen herstellt.


Links und Literatur:
[1] Schmeiser, T., Broll, M., Dormann, A. et al. Einstellung von Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen zur immunsuppressiven Therapie im Rahmen der COVID-19 Pandemie – eine Situationsanalyse. Z Rheumatol 79, 379–384 (2020). https://doi.org/10.1007/s00393-020-00800-8 ABC:
[2] https://rheumatologe.blogspot.com/2012/11/abkurzungen-fur-dmards-in-der-s1.html
[3] 2019-Abstract-Supplement.pdf https://acrabstracts.org/download-abstracts/
[4] https://rheumatologe.blogspot.com/2016/12/whats-in-names-of-drugs-in-rheumatology.html
Edward S. Herman, Noam Chomsky: Manufacturing Consent. Pantheon Books, New York 2002.
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Monday, September 24, 2018

WIN-Session SpA/PsA beim Kongress der DGRh 2018 in Mannheim




Bei der WIN-Session SpA/PsA beim Kongress der DGRh 2018 in Mannheim (WIN steht für What is new?) kamen doch einige neue Erkenntnisse zur Sprache.

U. Kiltz zeigte Daten, die das Knochenmarködem an den Ileosakralgelenken in der MRT als diagnostisches Kriterium für Entzündung in Frage stellen, eher unspezifisches Merkmal. Die Röntgengrogression lässt sich häufiger an der Brustwirbelsäule darstellen; vielleicht muss hier ein Umdenken stattfinden. Ixekizumab und Bimekizumab sind in der Pipeline. Die Blockade von IL-23 ist für die ankylosierende Spondylitis nicht von Bedeutung (gezeigt an Risankizumab). Körperliche Aktivität sollte weiterhin "elementarer Bestandteil des Therapiekonzeptes" sein.

F. Behrens wies darauf hin, dass die Enthesen bei der Psoriasisarthritis von besonderer Bedeutung sind. Daher sind dort auch LI-23, IL-17, TNF-alpha und IL-22 von Bedeutung für Knochenneubildung, Knochenverlust, Knochenödem und Entzündung. Neu Erkenntnisse ergeben sich auch aus der Erforschung des Microbioms. Tofacitinib zeigt ein ähnliches Ansprechen im Vergleich zu Adalimumab. Die Daten zu Ixekizumab und Guselkumab waren in meinen Augen nicht so überzeugend, allerdings muss erst noch die Phase 3 Studie abgewartet werden.

J. Sieper ging der Frage nach, was der Unterschied zwischen peripherer Spondyloarthritis und seronegativer rheumatoider Arthritis ist. Er konnte verschiedene Unterschiede herausarbeiten. Gelenkbefallsmuster (Mon-/Oligoarthritis, eher untere Extremitäten, asymmetrisch gegenüber symmetrischer Polyarthritis eher kleiner Gelenke), Enthesitis und/oder Daktylitis gegen fehlen diese Merkmale, für die Spondyloarthritis sprechen noch: HLA B27, vorausgegangene Infektion, N. Crohn, Psoriasis, axiale Beteiligung.



PLENARSITZUNG
16:45 - 17:45 05 | WIN-Session SpA/PsA
Vorsitz: Frank Behrens, Frankfurt/Main
Denis Poddubnyy, Berlin

Treat-to-Target bei Spondyloarthritiden: wo sind wir, wo müssen wir hin?...
Josef Smolen, Wien, Österreich

WIN Axiale Spondyloarthritis
Uta Kiltz, Herne

WIN Psoriasis-Arthritis
Frank Behrens, Frankfurt/Main

Periphere Spondyloarthritis vs. Seronegative rheumatoide Arthritis - was ist der Unterschied?
Joachim Sieper, Berlin

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Wednesday, May 31, 2017

High Hopes and Aspirations or how ASP015K / Peficitinib brings back the Small Molecule Hype




ASP015K, now called peficitinib is an oral Janus kinase (JAK) inhibitor with selectivity for JAK1/3, developed by Astellas Pharma for treatment of rheumatoid arthritis (RA) and other autoimmune diseases [1]. A year later, as the hype about JAK and small molecules were cooling down, I’ve written: “Could ASP015K keep up with its’ aspirations at the EULAR 2013 meeting?” And: “My positive impression dwindles considerably! I hope we’ll see results from a phase 2b study later this year.” [2] So we already had a Phase 2b study presented at the EULAR 2013 Meeting.

As tofacitinib and baricitinib are approved in the EU right now, hype and hopes in protein kinase inhibitors return. Last year I’ve speculated: “I guess that the pharmaceutical industry isn’t prudent enough not to overprice small molecules, so that our patient's needs are addressed.” [3] And I’ve proven right. [4]

Recently Gregory M. Weiss, M.D. has published an article [5]: “JAK Inhibitor Peficitinib Reduces RA Symptoms”. He refers to a phase 2b study. So, it seemed to me nothing new under the sun. I stumbled over the sentence: “The authors suggest that rheumatoid arthritis patients with elevated C-reactive protein levels may respond better to higher doses of peficitinib than those with elevated sedimentation rates.” Most of my patients, who have elevated sedimentation rates also have elevated C-reactive protein levels, and vice versa.

There is already a phase 3 study on Peficitinib under way [6]. I’ve checked the abstracts for the 2017 EULAR Meeting (still under embargo), but there isn’t any study mentioned, so that I expect news on this study could be published at the ACR 2017 Meeting later this year.

There will be an open extension phase 2b study on filgotinib being presented at the EULAR 2017 Meeting. No study on decernotinib expected at the EULAR 2017 Meeting.

The race for the high end price level small molecules is open again. Let’s hope that besides the hype there’ll be some benefit for our patients.


Links:

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Wednesday, May 24, 2017

What new drugs do we need in Rheumatology?




Sometimes in workshops I have been asked about unmet needs for drugs in rheumatology. At the same time my colleagues and I were looking at new drugs, emerging principles to treat rheumatoid arthritis.
If you look at current pipelines there are several drugs like sarilumab, sirukumab, brodalumab, ixekizumab and biosimilars. We already have five TNF-inhibitors, two JAK- inhibitors, an IL-6-inhibitor, an anti-CD20-agent, a second-signal-inhibitor (CD80 or CD86). Any of these drugs is expensive. Do we need more expensive drugs? Maybe – I won’t rule out that there is a niche for a new principle, but I doubt it. We hear about “promising results” of mavrilimumab (a human monoclonal antibody inhibiting human granulocyte macrophage colony-stimulating factor receptor), but is it coming to the market?

It seems that nobody is working on a drug on the price level of leflunomide. 25 mg of iguratimod (manufactured as Careram by Eisai and as Kolbet by Toyama Kagaku in Japan) [1,2] cost around 1.20-2.40 € per day, which is much less than 52.36 € per day for tofacitinib (Xeljanz) in Germany right now [3].

Iguratimod’s mode of action includes the suppression of NF-κB (nuclear factor kappa-light-chain-enhancer of activated B cells). It hasn’t been tested against tofacitinib or baricitinib. But iguratimod has been tested against and in combination with methotrexate [4]. Z. Xia and colleagues have writte in “Results”: “The combination of iguratimod with MTX was superior to iguratimod or MTX monotherapy”. Too bad, they didn’t comment on MTX vs. iguratimod. The “Study of Iguratimod Plus Methotrexate Compared to Leflunomid Plus Methotrexate in Patients With Rheumatoid Arthritis” is portrait as” “The recruitment status of this study is unknown. The completion date has passed and the status has not been verified in more than two years” [5].

Maybe iguratimod isn’t the answer to our unmet needs. But I still hope for some drug to emerge that is cheaper than any of the current monoclonal antibodies or the small molecules that have been approved by FDA or EMA.


Links:


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