
Mit dem zweiten Sonntag nach dem Christfest [1] kommen wir wieder in der Realität an und insbesondere ist mit dem 03./04.01.2026 das neue Jahr auch schon nicht mehr so neu; wir wünschen uns noch ein „Frohes / Gesundes / Gesegnetes Neues Jahr“ („Darf man doch noch sagen?!“). Der Weihnachtsbaum wird meistens schon abgeschmückt, das fällt in die St. Knuts Zeit, wie es uns die Werbung eines schwedischen Möbelhauses so manches Mal erklärt hat, aber bis zum 13. Januar oder dem 2. Februar (Mariä Lichtmess) wartet kaum noch jemand. Der Baumschmuck wird, so weit wieder verwendbar, verstaut, damit er nicht verstaubt. Aber ist dieser zweite Sonntag nach dem Christfest wirklich so etwas Alltägliches? Ich meine nicht.
Der Wochenspruch lautet: „Und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ [2] Das wird mit der Lesung aus dem Evangelium aufgegriffen. Da bis Ostern nicht viel Zeit bleibt, gibt es in der Lesung aus dem Evangelium einen Zeitsprung, und zwar um ca. ein Jahrzehnt. Nach der Geburt, Beschneidung, der Flucht nach Ägypten und Rückkehr, behandelt Lukas die Geschichte vom „zwölfjährige Jesus im Tempel“ [3]. Die Familie besuchte Jerusalem zum Passafest und bei der Rückreise wurde die Abwesenheit des Sohnes bemerkt. Ich dachte als erstes an Rabeneltern, denn ihnen fällt erst nach einem Tag auf, daß der Sohn zurückgeblieben ist, einen Tag zurück nach Jerusalem und dann suchen sie in Jerusalem drei Tage lang. Wie viele Einwohner hatte Jerusalem damals? Vielleicht 50.000 Einwohner. Ich finde -: keine Top-Leistung! Aber um das „traute, hochheilige Paar“ geht es in der Geschichte gar nicht. Sie sind nur Statisten. Man fand Jesus im Tempel, wie er mit den Lehrern diskutierte. „Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich über seinen Verstand und seine Antworten.“ Und das zu recht, denn er ist 12 Jahre alt und die Bar Mitzwa findet erst mit 13 Jahren statt. Mit Bar Mitzwa bezeichnet man im Judentum die religiöse Mündigkeit [4]. Gut, dafür hätte dann gereicht, wenn er mit 13 aus der Tora vorgelesen und nicht mit den Lehrern diskutiert hätte.
In der Lesung aus dem Alten Testament ist „die frohe Botschaft von der kommenden Herrlichkeit“ Thema [5]. Der Prophet schwärmt: „Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet, ...“. Das ist auch der Predigttext. Das Buch Jesaja ist eigentlich ein Buch aus drei Teilen, die etwa 200 Jahre auseinander liegen. Die Kapitel 56-66 bezeichnet man als Tritojesaja, griechisch für den dritten Jesaja [6]. Als Entstehungszeit nimmt man 521 bis 510 v. Chr. an. Die Israeliten sind aus dem Babylonischen Exil zurück in Jerusalem. Die Rückkehr ist nicht so wie erwartet. Denn Jerusalem liegt verwüstet. Der Prophet aber die Heimkehrer wieder aufzurichten. Er spricht in Wachstumsmetaphern. Alles kann wieder in neuer Pracht erblühen. Wie lesen wir im vierten Kapitel des Evangeliums nach Lukas? Es ist diese Stelle, die Jesus bei seiner ersten Predigt in Nazareth aufschlägt und vorliest [7]. „Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren.“ Das mit der Freude dauerte dann noch einige Zeit.
Wenden wir uns den Altargestecken zu. Wenn die KüsterInnen Urlaub habe, dann muss man Abstriche machen. Wenn dann allerdings in der Versöhnungskirche ein völlig vertrockneter Christstern auf dem Altar steht, dessen Blätter die Farbe Krematoriumsrot angenommen hatte und der beim Ikebana-Wettbewerb „Tod im Bambuswald“ hätte teilnehmen können, dann ist das nicht mehr tragbar. Wir haben ganz darauf verzichtet. In Kall war der Adventskranz noch zu sehen, aber den hatte man in Köln beereits entsorgt. Also dem Gottesdienst hat es dann nicht geschadet.
Das Altargesteck in Kall bestand aus einem schönen, aber nicht weiter auffälligem Rosenstrauch mit verschieden roten Rosen und einer gelben Rose. Es bestand kein Bezug zur liturgischen Farbe. Auf dem Boden standen weiße Blüten, einigen sah man an, daß sie nicht mehr ganz frisch waren, aber es waren auch noch gute Blüten dabei. Leider hatt Küsterin Schüer Urlaub, denn sie hätte daraus noch etwas Beonderes erstellen können. Ich will aber nicht zu sehr kühmen, denn die roten Blüten paßten zu den roten Kerzen des Adventskranzes.
Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).