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Thursday, August 19, 2021

Akupunktur bei Fibromyalgie

 



Ich las im Wochenspiegel über Akupunktur und chronische Schmerzen, Fibromyalgie wurde explizit erwähnt [1]. Ich dachte so bei mir, daß ich Akupunktur bei Fibromyalgie schon längere Zeit nicht überprüft hätte. Das habe ich nun getan. Auf dem ACR Kongress 2020 (das Meeting des American College of Rheumatology) und dem EULAR Kongress 2021 (der europäische Kongress für die Rheumatologie) wurde dazu keine Studie veröffentlicht. Ich habe dann bei PubMed  nachgeschaut und eine Metaanalyse gefunden. Die Arbeit ist von Befürwortern der Akupunktur verfaßt worden.

 
Bai Yang und Kollegen veröffentlichten folgende Studie [2]: [Wirksamkeit der Akupunktur beim Fibromyalgie-Syndrom: eine Metaanalyse]. Die Autoren arbeiten an der Tianjin University of Traditional Chinese Medicine. Die Autoren hatten 523 Studien analysiert, aber nur neun Studien hatten die Eingangskriterien für dieses Meta-Analyse erfüllt. Die Autoren kam zu folgendem Ergebnis: [Im  Vergleich zur Scheinakupunktur (sham acupuncture) gab es nicht genügend Evidenz, um die Wirksamkeit der Akupunkturtherapie als Behandlung von Fibromyalgie zu belegen. Einige Evidenz bestand, daß die Wirksamkeit der Akupunkturtherapie bei Fibromyalgie Medikamenten überlegen war; die eingeschlossenen Studien waren jedoch nicht von hoher Qualität oder wiesen ein hohes Verzerrungsrisiko (bias) auf. Akupunktur in Kombination mit Medikamenten und Bewegung könnte kurzfristig die Schmerzschwellen erhöhen, aber es besteht Bedarf an höherwertigen randomisierten kontrollierten Studien, um dies weiter zu bestätigen.] 
 

 
Warum überrascht mich das Ergebnis nicht? Wir [3] hatten 2006 eine Gastärztin aus Qingdao. Ich hatte mit ihr diese Frage diskutiert und sie sagte, Akupunktur wäre bei Fibromyalgie nicht üblich. Aber da sie es nicht genau wußte, hat sie sicherheitshalber den Chef der Abteilung Akupunktur  bzw. Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) in ihrem Krankenhaus angerufen und der bestätigte ihre Aussage. Man wird immer wieder positive Berichte finden, besonders in Zeitschriften, die nicht auf die Qualität der Studien achten. Der Standard für Studien aber erhöht sich kontinuierlich. Bei Methoden wie der Akupunktur kommt noch hinzu, daß es schwierig ist, eine Scheinbehandlung durchzuführen, ohne daß der Therapeut es weiß.
 
Als Ergebnis bleibt festzuhalten, daß die Therapie mit Akupunktur bei Fibromyalgie [4] keinen sicheren Stellenwert hat. 
 
 
Akupunktur-Set [5]



Links und Anmerkungen:

[1] https://wi-paper.de/show/77f4e615a63a/epaper
[2] Yang B, Yi G, Hong W, Bo C, Wang Z, Liu Y, Xue Z, Li Y. Efficacy of acupuncture on fibromyalgia syndrome: a meta-analysis. J Tradit Chin Med. 2014 Aug;34(4):381-91. doi: 10.1016/s0254-6272(15)30037-6. PMID: 25185355. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25185355/
[3] Abteilung Innere Medizin / Rheumatologie am Rheinischen Rheuma Zentrum Meerbusch-Lank
[4] Die S3-Leitlinie stellt es etwas positiver dar: „Der zeitlich befristete Einsatz von Akupunktur kann erwogen werden.“ https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/145-004p_S3_Fibromyalgiesyndrom_2017-03.pdf Die nächste Überprüfung der Leitlinie ist für 03/2022 geplant.
[5] Das ist ein chinesisches Akupunktur-Set, das ich bei mir gefunden habe. Ich glaube kaum, daß heute noch jemand Nadeln zum mehrfachen Gebrauch benutzt. Einmal-Nadeln sind Standard. Verschiedene Nadeln ähneln mehr Lanzen und Hellebarden -
aber das würde jetzt zu weit führen.

 

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Tuesday, September 25, 2018

Leitsymptom Schmerz auf dem Kongress der DGRh 2018 in Mannheim




In einer Session zum Thema Leitsymptom Schmerz sprach Prof. Dr. med. W. Eich zum Fibromyalgiesyndrom (FMS). Er unterschied zwischen lokalen und generalisierten Schmerzen.
Es gibt kaum Medikamente, die nach der S3 Leitlinie einsetzbar wären; Amitriptylin, Duloxetin und Pregabalin sind zeitlich befristet einsetzbar. SSRI können bei komorbiden Angststörungen und Depressionen eingesetzt werden. Für alle anderen Medikamente gilt eine negative Empfehlung.
Kognitive Verhaltenstherapie in Kombination mit aerobem Training soll eingesetzt werden [1]. Auch Entspannungsverfahren in Kombination mit aerobem Training soll eingesetzt werden.
Meditative Bewegungstherapien wie Tai-Chi oder Qigong werden empfohlen. Zeitlich befristete Empfehlung für Akupunktur [2]. Negative Empfehlung für achtsamkeitsbasierte Stressreduktion als Monotherapie, Homöopathie, Nahrungsergänzungsprodukte, Reiki, Tanztherapie.
Die Pathogenese somatoformer Störungen wurde mit Disposition, Auslösung und Aufrechterhaltung als bio-psycho-soziales Modell vorgestellt.
Überflüssig sind Pregabalin nach vier Wochen ohne Wirknachweis, Oriate, Cannabis, Benzodiazepine, Antipsychotika. Man soll das Entweder-Oder-Modell oder hierarchische Modelle zur Erklärung vermeiden.
Aktuell werden nach ICD-10 das Fibromyalgiesyndrom mit M79.70 und die somatoforme Schmerzstörung mit F45.41 verschlüsselt. Der ICD-11 wurde vorgestellt, bei dem dann das Fibromyalgiesyndrom mit MG30 also als chronischer Schmerz und die somatoforme Schmerzstörung mit 6C20 als „bodily distress disorder“ verschlüsselt werden sollen.

In seinem Vortrag Joints for joints berichtete Prof. Dr. med G. Pongratz über die Datenlage zu Cannabis in der Rheumatologie.
Cannabis hatte eine unkonventionelle Zulassung im medizinischen Bereich ohne Zulassungsstudien für spezielle Indikationen im Bereich z.B. des Bewegungsapparates. Kosten und Nutzen sind für viele Indikationen mangels Evidenz unklar.
Cannabis sativa wirkt anregend, jedoch wirkt Cannabis indica beruhigend. Es sind bis zu 545 Komponenten nachweisbar, z.B. Terpene, Phenole, Steroide, Fettsäuren etc. Salben, Tees, Zigaretten und Verdampfungsflüssigkeiten („liquids“) werden angeboten. Delta-9-THC (Tetrahydrocannabiol) wirkt psychotrop, CBD (Cannabidiol) wirkt nicht psychotrop und kann damit die THC-Wirkung modulieren.
Eine kontrollierte Studie (N=31 Cannabis, N=27 Placebo) zur rheumatoiden Arthritis zeigte zwar Effekte, aber auch eine hohe Nebenwirkungsrate (bis achtmal so hoch wie Placebo).
Zusammenfassend is Cannabis bei rheumatologische Indikationen unzureichend untersucht. Das Endocannabinoidsystem zu beeinflussen hat jedoch „großes Potential“. Als Drittlinientherapie bei neuropathischen Schmerzen einsetzbar.

 
Links:
[1] Das hatten wir am Rheinischen Rheuma Zentrum bereits in den späten 90iger Jahren etabliert: http://rheumatologe.blogspot.com/2010/11/fibromyalgia-multimodal-therapy-at.html
[2] Ich hatte die Möglichkeit chinesische Akupunkteure zu befragen, die aber Akupunktur bei FMS (纤维肌痛综合征) nicht einsetzten.






INTERDISZIPLINÄRE RHEUMATOLOGIE 2.1 Johann
Wenzel Stamitz
14:45 - 16:15 16 | Leitsymptom Schmerz
Vorsitz: Klaus Schmidt, Dortmund
Christoph G. O. Baerwald, Leipzig
14:45 16.01 | Fibromyalgie-Syndrom und somatoforme Schmerzstörungen
– Was gibt es Neues?
Wolfgang Eich, Heidelberg
15:05 16.02 | Joints for Joints? Datenlage zu Cannabis in der Rheumatologie
Georg Pongratz, Düsseldorf
15:25 16.03 | Evidenz-basierte Physikalische Therapie - Was wann einsetzen?
Joachim-Michael Engel, Bad Liebenwerda
15:45 16.04 | Rückenschmerz bei axialer Spondyloarthritis – Was tut weh
und wie behandeln?
Uwe Schwokowski, Ratzeburg

Thursday, January 26, 2017

Schlangengift gegen entzündlich-rheumatische und degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates und Fibromyalgie

Vor einiger Zeit berichtete eine Patientin über ein Vorgespräch zu einer Behandlung ihrer Arthrosen mit Schlangengift, das homöopathisch verdünnt in Akupunkturpunkte injiziert werden sollte. Nachdem der Heilpraktiker seine kleine Tochter befragt hatte: „Was spritzen wir denn da?“ und das Mädchen geantwortet hatte: „Schlangengift“, da war es dann auch der Patientin zu viel und sie sagte die Folgetermine ab.

Kürzlich sah ich eine Anzeige in der Rheinischen Post, die von besagtem Heilpraktiker geschaltet worden war. Ich hatte ihn schon auf einem Bild mit Stethoskop gesehen. Hier zeigte ihn das Bild vor einer Magnetresonanztomografie, auf die er mit einem Bleistift zeigt – allerdings schauen er und Patientin in die Kamera, also weg von der Tomografie. Ich lese: „Unsere Präparate und Rezepturen, die zum Teil auf meinen Vater zurückgehen, der 40 Jahre …. als Kassenarzt gewirkt hat, werden in Deutschland hergestellt und über ortansässige Apotheken geliefert.“

Ich möchte mich heute nur auf Schlangengift konzentrieren. Neben entzündlich-rheumatischen sowie degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates und Fibromyalgie wird es auch eingesetzt bei: chronischen Schmerzen, Asthma bronchiale, Migräne, Neurodermitis, Neuralgien, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Allergien, Polyneuropathien, Erschöpfungszuständen und, und, und. Ich glaube, es wird schwer sein eine Erkrankung zu finden, wo es nicht wirksam sein soll. So eine Aussage sollte Zweifel wecken. Oder das: „Durch eine Reintoxin-Therapie können deshalb verblüffende Erfolge erzielt werden.“ Wo etwas als verblüffend  bezeichnet wird, stimmt etwas nicht. Aber das kennen Sie bestimmt schon von anderen Artikel hier auf meinem Blog.

„Ein großer Vorteil dieses Naturheilverfahrens ist das Fehlen von Nebenwirkungen. Die Therapie mit Schlangengift beeinträchtigt weder das Denkvermögen noch Autofahren oder das Arbeiten.“ (1) Das ist bei homöopathischen Mitteln so. Wo nichts mehr drin ist, kann auch nichts das Autofahren stören. Das Denkvermögen setzte bereits vor der Therapie aus.

Dann finde ich „Wichtiger Hinweis: Meso-Sanke ist eine auf Erfahrung basierende Behandlungsmethode. Der Einsatz dieser Methode ist noch nicht nach den Grundsätzen der evidenzbasierten Medizin wissenschaftlich hinreichend abgesichert. Ein Erfolg der Behandlung kann nicht in jedem Behandlungsfall gewährleistet werden.“ (2) Damit ist auch der Misserfolg abgesichert. Interessant ist auch das „noch nicht abgesichert“, denn man findet es besonders dort, wo diese wissenschaftliche Absicherung der Methode sicherlich nie durchgeführt werden wird.

„Die Schlangengift Therapie hat sich seit mehr als 40 Jahren bewährt.“ (3) Ich frage mich, worin diese Bewährung besteht? Dass man damit Geld verdient hat? „Die Wirkung dieser Gifte beruht auf ihrem hohen Gehalt an Enzymen.“ Das mag wohl stimmen, aber: „In jedem Reintoxin sind 30 - 50 Enzymarten enthalten. Die Reintoxine sind im Körper nicht mehr giftig, da sie keine Eiweiße mehr enthalten.“ Das stimmt mich aber sehr nachdenklich, denn Enzyme sind Eiweiße und die sind nicht vorhanden.
Ich lese, dass die Therapie „von dem genialen Forscher und Entwickler Dr. Waldemar Diesing (1902 – 1992) entwickelt“ (4) worden ist; ich wundere mich schon, dass der geniale Entwickler das nicht genial entwickelt hat. Die Hauptbestandteile von Schlangengiften sind Enzyme und einige andere Eiweiße; Kohlenhydrate und Lipide sind kaum vorhanden. Die Wirkung von Schlangengiften ist auf die Eiweißbestandteile zurückzuführen (5); diese Bestandteile hat der geniale Entwickler jedoch aus dem „Reintoxin“ entfernt.

Psiram berichtet über die Methode sehr kritisch (6). Dort wird auch über einen Prozess berichtet. Ein Pensionär klagte um Kostenerstattung seitens der Beihilfe, „da ihm ein Arzt das C300-potenzierte Mittel (Verdünnung 1:100 hoch 300) und die Mittel Ney Tumorin und Sol 66 zur vermeintlichen Krebsbehandlung verschrieben hatte“. Das Gericht entschied gegen eine Erstattung, da die Leistung nicht beihilfefähig ist.

Schlangengift wurde auch in der Schulmedizin eingesetzt bei Phlebothrombosen etwa. Ich selbst habe Ancrod noch in den 70iger Jahren im Einsatz gesehen (7). Es ist in den 80iger Jahren vom Markt genommen worden, da bessere Alternativen entwickelt worden waren (Fibrinolyse). Als Viprinex sollte es wieder auf den Markt gebracht werden, aber man wartet bereits seit 2010 auf die Veröffentlichung einer Studie (SP-II: Ancrod Stroke Program: Ancrod (Viprinex™) for the Treatment of Acute, Ischemic Stroke).

Ich empfehle, kritisch zu hinterfragen, ob es überhaupt eine Wirkung außerhalb des Placebo-Effektes geben kann. Und: muss man das so teuer erkaufen? Außerdem haben wir darüber hinaus den Sinn in der Injektion von homöopathischen Verdünnungen in Akupunkturpunkte überhaupt noch nicht untersucht.

Zusammenfassend rate ich ab.

Links:

PS. Ich such noch nach einem schlauen lateinischen Spruch, denn „in summa ego non monere“ erscheint mir wenig elegant.

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Friday, April 20, 2012

Akupunktur

Hier habe ich noch einen alten Artikel über einen Vortrag zur Akupunktur gefunden: