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Friday, April 12, 2024

Spalt forte – fort damit

 



Ich blätterte in der Ausgabe des Schleidener WochenSpiegels der Vorwoche, das mache ich immer bevor er zum Stapel mit Altpapier kommt. Da sah ich doch eine Anzeige mit dem Titel „Arthroseschmerzen schnell bekämpfen“, und zwar an der Stelle, an der sonst RubaXX oder sonstiger homöopathischeer Krempel verhökert wird [1]. Aber es handelte sich nicht um einen  homoöpathischen Zaubertrank sondern um ein richtiges Medikament, nämlich um Spalt forte. Es handelt sich aber um dieselbe Firma, die auch RubaXX anbietet, nämlich die PharmaSGP GmbH [2]. Sie hat nämlich die Rechte an Spalt [3] erworben.  

Spalt kannte ich schon als Kind, denn meine Großmutter nahm das Mittel regelmäßig gegen Schmerzen seitens ihrer rheumatoiden Arthritis. Damals enthielt Spalt noch Phenacetin, das gefährlich ist und heute nicht mehr in Spalt ist; es ist verboten, da es zu Verlust der Nierenfunktion führte. Die Entwicklung der Spalt-Tablette, die seit den 1930iger Jahren eine Marke ist, hat sich seither verändert. Von den Originalrezeptur ist nicht mehr in der Tablette bzw. Kapsel. Die Entwicklung zeigt der Wikipedia-Artikel auf.

Heute enthält Spalt forte 400 mg Ibuprofen. In dieser Dosierung ist Spalt forte rezeptfrei in der  Apotheke erhältlich. Bei Erwachsenen verordnet man, wenn man Ibuprofen [4] verordnet und nicht eine andere Medikamentenklasse, 1200-2400 mg bei Erwachsenen. Die höchste Einzeldosis liegt bei 800 mg. Ibuprofen hemmt die Bildung von Prostaglandinen, weil ein Enzyme die Fettsäure Arachidonsäure nicht mehr in Prostaglandine verwandeln kann. Es hemmt aber zwei Sorten von Cyclooxygenasen (COX), nämlich COX-1 und COX-2, dabei ist die Hemmung von COX-2 erwünscht, denn Entzündungsgeschehen und die Schmerzwahrnehmung herabgesetzt, aber die COX-1- Hemmung ist unerwünscht, denn die ist z.B. für den Aufbau einer schützenden Schleimschicht innerhalb des Magens notwendig – wenn diese fehlt, kann es zu Magengeschwüren und Blutungen daraus führen.

Arthrosen sind chronische Veränderungen an Gelenken, die zunächst zu Belastungsschmerzen und später zu Dauerschmerzen führen. Jeder Mensch möchte schnell seine Schmerzen los werden, aber darin liegt auch das Problem der Verführung zur Selbstmedikation. Ibuprofen hilft und da man   Schmerzen hat, nimmt man es immer häufiger bis man es dauerhaft nimmt und dann kommt es sicherlich zu Problemen. Ich hätte keine Probleme mit der Selbstmedikation etwa bei Kopfschmerzen, die vielleicht ein- oder zweimal im Jahr auftreten. Aber bei chronischen Problemen lohnt doch der Gang zum Arzt, um sich vor Schaden durch die falsche Wahl eines wirksamen Medikaments zu schützen, oder auch, um eine mögliche Nebenwirkung nicht durch Unwissen schlimmer werden zu lassen.

Was halte ich von Spalt forte? Gehört meiner Meinung nach nicht in die Hand von Laien, auch wenn der Gesetzgeber es zuläßt, daß es in der Dosierung 400 mg rezeptfrei in der Apotheke erhältlich ist. Es wundert mich, daß Spalt forte von einer Firma vermarktet wird, die neben Phytoarzneimitteln gerade homöopathische Mittel anbietet. Darin könnte eine Gefahr liegen, da ich mir vorstellen kann, daß schmerzgeplagte Menschen nun ein Mittel nehmen, das neben Wirkung auch Nebenwirkungen hat, während die Wirksamkeit von Homöopathika nicht über den Placeboeffekt hinaus geht und man nicht mit Nebenwirkungen rechnen muß.


 

Links und Anmerkungen:
[1] Nochmals RubaXX® Arthro - ein „hochkonzentriertes“ Homöopathikum
https://rheumatologe.blogspot.com/2023/02/nochmals-rubaxx-arthro-ein.html
[2] PharmaSGP GmbH https://pharmasgp.com/
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Spalt_(Marke)
[4] https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Ibuprofen_289
 

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Thursday, July 21, 2022

Homöopathie – eine Buchbesprechung

 


 

Es sollte bekannt sein, daß ich ein Gegner der Homöopathie bin, jedenfalls hat sie in der Medizin nichts zu suchen. Als Glaubenssystem außerhalb der Medizin kann sie agieren wie die Astrologie,  Theosophie, Anthroposophie und weitere esoterische Richtungen mehr. Ich bin jetzt einmal gemein: gemein ist diesen esoterischen Richtungen, daß man Shakespeare zitiert, wenn man nicht mehr weiter weiß [1]. Man kann jetzt einwenden: warum liest Du denn überhaupt so ein Buch? Zumal es auch noch über 20 Jahre alt ist. Ach ja, um welches Buch handelt es sich eigentlich? Homöopathie von Sven Sommer [2]. Ich habe erst jetzt das Buch zufällig in einem Bücherschrank entdeckt und es dann auch gelesen. Mein Leben verläuft so ruhig, daß man sich auch zwischendurch ein wenig Ärger gönnen kann.

Der erweiterte Titel lautet: „Sanfte Medizin für Körper, Geist & Seele“. Was meint Herr Sommer mit Geist und Seele? Entweder ist es eine Tautologie oder er meint eine theologisch aufzufassende Seele, aber meint er dann nefesch oder Psyche (ψυχή) oder etwas ganz anderes? Körper, Geist & Seele – ich nehme an, daß der Grund nicht im Inhalt sondern im gemeinsamen Wohlklang der drei Wörter zu suchen ist.

Die Doppelseite 14/15 trägt die Überschrift: „Wie wirkt Homöopathie?“ Etwa 75% des Textes beschäftigt sich mit Medizin und nicht mit Homöopathie. Sommer vergleicht die Homöopathie mit Impfungen. Da hat er etwas falsch verstanden, denn Impfungen führen zu Antikörpern, die man nachweisen kann. Und was er über die Pockenimpfung schreibt, sollte man gleich vergessen und lieber den Wikipedia-Artikel lesen [3].

Es folgen in einem Kasten „Grundsätze des homöopathischen Wirkprinzips“. Als erstes wird das Simileprinzip in einem Satz erwähnt.
Mit einem Schlüsselexperiment meinte Hahnemann, die Grundlage für die Homöopathie entdeckt zu haben. Hahnemann hatte Chinarinde eingenommen und meinte, daß es Fiebe auslöse, wobei er allerdings gar kein Fieber mittels Thermometer gemessen hatte, denn Fieberthermometer gibt es erst seit den 1860iger Jahren. Das Experiment konnte schon Hahnemann nicht wiederholen. Aber man hatte diesen Versuch an der Universität Gießen im Rahmen einer Vorlesung wiederholt und das Ergebnis ist im Deutschen Ärzteblatt [4] veröffentlicht worden. „Die Körpertemperatur hatte sich nicht verändert (35,8 Celsius vor der Vorlesung, 36,15 danach); der Puls blieb unauffällig.“ Also zusammenfassend ist der Schlüsselversuch nicht reproduzierbar.
„Die Potenzierung […] verstärkt die Heilwirkung und vermeidet ungewollte Nebenwirkung.“ Wieso sollte das so sein? Wo wäre ein Nachweis für diese Hypothese – über 200 Jahre wären doch Zeit genug.
Auch der dritte Grundsatz, daß Selbstheilungskräfte angeregt werden, ist nie nachgewiesen worden.

Hahnemann verbot u.a. Kaffee, Zucker, Kochsalz und „das Lesen schlüpfriger Schriften“ während der Einnahme von Homöopathika. „Es ist amüsant und interessant, daß von allen diesen Empfehlungen nur die zur Vermeidung von Kaffee und Pfefferminzprodukten überlebt hat.“ Schreibt Sven Sommer selbst. Auf Seite 33. Amüsant – ja wirklich!

Bei Impfungen (S. 168 ff.) steht: „Der Heilpraktiker darf übrigens diese Infektionskrankheiten nicht behandeln und muss Sie an den Arzt verweisen.“ Das hindert ihn allerdings nicht, Mittel zu empfehlen mit dem Hinweis: „Der Krankheitsverlauf wird abgemildert, verkürzt eventuell sogar verhindert.“ Dafür gibt es allerdings keine wissenschaftliche Bestätigung.

Im Service-Teil (S.181) beantwortet Sven Sommer die Frage: „Kann mir ein nicht richtig gewähltes Mittel schaden?“ Sie ahnen die Antwort: „Nein, die Einnahme eines falschen Mittels kann Ihnen  (…) nicht schaden.“ Und: „Das falsche Mittel wird aber auch nicht helfen!“ Im Vertrauen, das richtige Mittel auch nicht. Sie möchten Ihr Haus blau angestrichen haben. Nach dem homöopathischen Prinzip schadet die falsche Farbe nicht, oder verklagen sie den Maler doch, der das Haus rot angestrichen hat?

Das Buch ist bebildert. Da ist die Kamille zu sehen oder die Herbstzeitlose. Schöne Bilder. Aber die Homöopathie ist keine Naturheilkunde, keine Phytotherapie und deshalb empfinde ich diese Bilder als unangebracht.

Muß ich jetzt die Homöopathie widerlegen? Nein. Die Homöopathie ist über 200 Jahre ihrer Pflicht nicht nachgekommen, einen Beleg für ihre Wirksamkeit zu erbringen [5].

Sollte das Buch von Sven Sommer in jedem Haushalt stehen? Nein. Schade um das bedruckte Papier.



Links und Anmerkungen:
[1] „There are more things in heaven and earth, Horatio, / Than are dreamt of in your philosophy.“ Hamlet, 1. Akt, 5. Szene. Wenn ich mich recht erinnere, schrieb William Shakespeare „our philosophy“ in der Urfassung. August Wilhelm von Schlegel übersetzte: „Es gibt mehr Ding im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich träumt“. Was wäre wohl, wenn Schlegel philosophy nicht mit Schulweisheit übersetzt hätte?
[2] Sven Sommer: Homöopathie. Sanfte Medizin für Körper, Geist & Seele. Weltbild, Augsburg 2009 (Lizenzausgabe des Buches von 1999 im Gräfe und Unzer Verlag in München).
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Pockenimpfstoff Die erste gesicherte Dokumentation einer Pockenimpfung stammt aus China – steht im „Needham“ und mein Exmplar steht in Köln. Das werde ich allerdings noch nachträglich lesen. Joseph Needham: Science and Civilization in China. Volume 6: Biology and Biological Technology. Teil 6: Medicine. Cambridge University Press, Cambridge 1999.
[4] Hans-Joachim Krämer und Ernst Habermann: Ein Vorlesungsversuch zur Homöopathie.
Dtsch Arztebl 1997; 94(26): A-1811 / B-1556 / C-1442. https://www.aerzteblatt.de/archiv/6926/Ein-Vorlesungsversuch-zur-Homoeopathie
[5] https://scilogs.spektrum.de/detritus/gesamtschau-der-studien-zur-hom-opathie/


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Tuesday, June 21, 2022

Homöopathie und mehr in der Stadt Gottes

 



Eine meiner Schwägerinnen brachte mir kürzlich zwei Bändes der „Stadt Gottes“ [1], die sie sonst entsorgt hätte. Ich bin gerne für solche alten Scharteken zu haben und auch nicht ganz uneigennützig, denn man kann Abbildungen einscannen, ohne direkt das Copyright von jemandem zu verletzen. Die Zeitschrift wurde von den Steyler Missionaren gegründet [2]. Darin hoffte ich dann auch noch interessante Nachrichten aus fernen Ländern vorzufinden. Und auch da wurde ich nicht enttäuscht. Die Homöopathie kommt übrigens später irgendwie, irgendwo, irgendwann [3].

Kommen wir zunächst zur Steyler Mission. Da wurde hervorragende ethnographische / ethnologische Arbeit geleistet, auch wenn die Distributionstheorie nicht stimmt. Ich erinnere mich noch, wie ich die drei Bände über die Feuerlandindianer von P. Martin Gusinde (der vierte Band erschien erst posthum) verschlungen habe … über 3000 Seiten [4]. Natürlich waren auch andere Missionare aktiv, nicht zuletzt P. Alberto Maria De Agostini [5] von den Salesianern, deren Museum ich in Punta Arenas 1990 besuchen konnte. Ich habe sein Buch „Zehn Jahre im Feuerland“ [6].

[Regie-Anmerkung: Die Homöopathie nicht vergessen.]


Dann blätterte ich weiter, las hier ein wenig und da etwas mehr. Schließlich landete ich bei „Von der Christenverfolgung in Südschantung“ [7]. Das interessierte mich nun besonders, da ein Freund darüber gearbeitet hatte. Und zwei Seiten weiter stieß ich auf das Bild, das ich hierfür eingescannt habe. Darauf sind u.a. Constantin von Hanneken [8], Gustav Detring (1842-1913) [9], der 1985 sein Schwiegervater wurde, und der Ex-Vizekönig Li Hongzhang [10], damals in Deutschland Lihungtschang geschrieben.

Auf S. 131 finde ich folgenden (chinesischen?) Satz: „Da Deekui, kiu ngȏmen ju chau uöl“. Da Deekui entspricht 大德国,und vielleicht soll es 就我们有好味 heißen, aber richtig wäre es nicht. Hinter uöl könnte sich wei'er (味儿) verbergen. Missionar Johannes Buis übersetzt: „Groß-Tugend-Reich [also das große Deutschland] ist mit uns in einem guten Geruche, d. h. In Freundschaft“.

Ach ja, Homöopathie. Auf den Seiten 263-264 wird Samuel Hahnemann vorgestellt. Und ich zitiere einmal: „Die homöopathischen Ärzte rühmen ihren Kuren große Erfolge nach und behaupten, die Kranken in ihren Spitälern durchschnittlich früher entlassen zu können als die gewöhnlichen Aerzte oder Allopathen. Wir glauben, daß nur genaue und umfassende Untersuchungen und statistische Erhebungen von unparteiischer Seite ein abschließendes Urteil ermöglichen würden.“ Diese Forderung wurde von 125 Jahren [11] gestellt (wahrscheinlich sogar noch früher), aber der Glaube an die Homöopathie ist zäh. Ich allerdings gebe die Hoffnung nicht auf, daß die Infiltration der Medizin durch die Homöopathie beendet wird.





Links und Anmerkungen:

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Stadt_Gottes_(Zeitschrift) Band 1897
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Steyler_Missionare
[3] Auch wenn ich gerade irgendwie von Nena enttäuscht bin.
[4] P. Martin Gusinde: Die Feuerland-Indianer. Ergebnisse meiner vier Forschungsreisen in den Jahren 1918 bis 1924. 3 Bände. Mödling, 1931–1939.
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Alberto_Maria_De_Agostini
[6] Alberto Maria De Agostini: Zehn Jahre im Feuerland: Entdeckungen und Erlebnisse. Leipzig 1924/1953 (2. Aufl.).
[7] Die Stadt Gottes, Jahrgang 1897, S. 71 ff. Schantung, heute schreibt man die Provinz Shandong (山東/山东). „Aus einem Briefe des hochw. Herrn Johannes Buis, Missionars in Südschantung.
[8] Constantin von Hanneken: Briefe aus China 1879–1886. Als deutscher Offizier
im Reich der Mitte. Hrsg. v. Rainer Falkenberg. Böhlau, Köln,Weimar,Wien 1998. ISBN 3-412-04698-1.
[9] https://www.sothebys.com/en/articles/detring-and-von-hanneken-the-highest-ranking-westerners-in-china Ups, die haben ja ein ähnliches Bild!
[10] Li Hongzhang (李鴻章/李鸿章) https://de.wikipedia.org/wiki/Li_Hongzhang  
[11] Und ich bin gerade recht stolz auf mich, daß ich doch relativ rasch, gemessen an der Gepflogenheit der Homöopathie keinen Nachweis zu erbringen, auf die Homöopathie gekommen bin.

PS. Beim Thema Homöopathie keine Kommentare. Ich werde doch nicht Schwurblern eine Plattform bieten.
 

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Tuesday, August 17, 2021

Ich werfe ein Buch weg

 



Bücher, die ich nicht mehr benötige, stelle ich normalerweise in einen öffentlichen Bücherschrank. Nun aber bin ich an ein Buch geraten, daß ich wegwerfen werde. In Bücherschränken findet man häufig Bücher, die dort nicht hinein gehören, da sie keinen Nutzen mehr haben. Viele Menschen können Bücher nicht wegwerfen, auch wenn sie keinen Wert mehr haben. Da habe ich volles Verständnis.

Ich habe 1998 das Buch „Essen Sie gern Tapetenkleister?“ von Gisela Friebel [1] erworben. Auf der Rückseite des Buches steht: „In diesem Buch wird gezeigt, wie der Verbraucher von der Werbung hinters Licht geführt wird.“ Der Satz müßte richtigerweise lauten: „In diesem Buch wird gezeigt, wie der Buchkäufer von der Werbung hinters Licht geführt wird.“ Denn wie der Verbraucher von der Werbung hinters Licht geführt wird sucht man in Gisela Friebels Buch vergeblich.

Das Buch stellt vielmehr eine esoterische Eingruppierung von Nahrungsmitteln nach den fünf Elementen vor. Bis es im Buch dazu kommt, werden der Körper als Sklave und der Geist als Aufseherin vorgestellt, zu denen sich noch ein Oberaufseher gesellt (der Co-Autor). Also wenn ich etwas über Herr:innen und Sklav:innen hören möchte, dann greife ich lieber zu Depeche Mode [2]. Es folgen einige Allgemeinplätze, schlecht recherchiert, aber Frau Friebel konnte schnell Texte schreiben, denn sie „verfasste über 500 Heftromane und Bücher“ [3]. Sie weist auf den Fehler in der Eisenbestimmung bei Spinat hin, aber das war in den 20iger Jahren und wurde korrigiert. So ist nämlich Wissenschaft – sie überprüft und korrigiert. Übrigens war die Bestimmung nicht fehlerhaft, denn es wurde der Eisengehalt von getrocknetem Spinat gemessen und später aus frischen Spinat, der zu 92% aus Wasser besteht, übertragen. Immerhin hat uns dieser Fehler Popeye gebracht.

Wir erfahren, wie lange Menschen auf diesem Globus umherlaufen (S. 23): „Seit etwa 10 Millionen Jahren“. Das liegt um den Faktor 10 bis 100 daneben [4]. Da ging es übrigens um Tiefkühlkost. Ganz schlecht nach Friebel.

Kommen wir noch einmal zurück zum Spinat (S. 28). Man kann auch Spinat aus anderen Gründen verzehren, Eisen, Oxalsäure und Nitraten zum Trotz: Spinat ist reich an Folsäure, Zeaxanthin, Lutein und einer Reihe von weiteren Stoffen, außerdem hat Spinat eine ideale Verteilung von Aminosäuren. Auf S. 29 erfahren wir, daß man das Eisen von Pflücksalat „mit bloßen Augen“ erkennen könne – allerdings hat Pflücksalat nur 1/3 des Eisengehaltes von Spinat.

Auf S. 32 erfahren wir, daß Frau Friebel die Irisdiagnostik und die Homöopathie zur Diagnostik und Therapie heranzog. Darüber habe ich aber schon früher geschrieben [5].

Dann wird die Geschichte mit den Weizenkörnern aus der Pyramide (5000 Jahre alt und immer noch keimfähig) aufgefrischt (S. 55). Die Legende geht auf die Familie Dedman zurück, die später King Tut Wheat vermarktete [6]. Nach DNA-Analysen stammt diese Weizensorte (Khorasan-Weizen [Triticum turgidum × polonicum]) aus dem Grenzgebiet von Iran und Afghanistan, dem früheren Khorasan. Auch der von Familie Dedman erwähnte Ort Dashare, woher der Weizen stammen sollte, wurde nie gefunden.

Woher weiß die Autorin über die Ernährungslage im präkolumbianischen Peru Bescheid? Usw. usf.

Von etwas über 50 Rezepten sind zwei zu Spinat – ach siehe da.

Dann folgt noch Werbung, zumeist in eigener Sache, über 15 Seiten.

Ich kann das Buch nicht empfehlen, ich kann nur abraten und ich darf es zum Schutz anderer Personen nicht in den Bücherschrank stellen, muß es also wegwerfen.



Links etc.:

[1] Gisela Friebel: Essen Sie gern Tapetenkleister? Ariane Verlag, Königstein 1997. ISBN:  3929960125
[2] Depeche Mode: Master and Servant. 1984.
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Gisela_Friebel
[4] Das war auch damals bekannt, ich habe es in „Das Wissen des 20. Jahrhunderts“ [a] aus den 1960iger Jahren und im „Dudenlexikon“ [b] aus den 1980iger Jahren nachgeschlagen. Faktor 10 bis 100 ist der Tatsache geschuldet, daß Frau Friebel nicht definiert, wen sie zu den Menschen zählt. Das kann man mittlerweile viel genauer, und wen das interessiert, der kann einmal auf Wikipedia nachschauen [c].
[a] Das Wissen des 20. Jahrhunderts. Verlag für Wissen und Bildung, 1968.
[b] Das Neue Duden-Lexikon . Bibliographisches Institut, 1984.
[c] „Der archaische Homo sapiens entstand in der Zeitspanne zwischen 300.000 und 200.000 Jahren vor heute.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Stammesgeschichte_des_Menschen
[5] https://rheumatologe.blogspot.com/2016/11/werbung-fur-bioenergetische.html
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Khorasan-Weizen



Traditionelles Brotbacken in der Gegend, in der früher Khorasan lag


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Tuesday, July 13, 2021

RubaXX® Arthro - ein „hochkonzentriertes“ Homöopathikum

 



Die Werbung zu RubaXX® Arthro berichtet: „ Deutsche Forscher  haben die besondere Arthrose-Pflanze Viscum album hochkonzentriert in RubaXX® Arthro aufbereitet.“ [1] Was bitteschön ist eine Arthrose-Pflanze? Ich vermute Werbelyrik. Ich bin bereits mehrfach über die Werbung von RubaXX, RubaX und ähnlichen Präparaten gestolpert [2]. Bei RubaXX Duo werden die Verdünnungen D4 und D6 benutzt [3], bei RubaXX® Arthro wird die Urtinktur verwendet, hochkonzentriert bedeutet schlicht unverdünnt. Warum es dann ein homöopathisches Mittel sein soll, ist mir unklar. Und soll ein homöopathisches Mittel nicht umso wirksamer sein je höher es verdünnt ist? Dazu die DHU [Deutsche Homöopathie-Union]: „Trotz der dabei erfolgenden zunehmenden Verdünnung des Ausgangsstoffs hat Hahnemann die Erfahrung gemacht, dass die Heilkraft der Arzneien durch diese Art der Herstellung zunimmt.“ [4] Ich meine nicht, dass die Werbung hier zugeben will, dass ein wenig/nicht wirksames Präparat verkauft werden soll.

Viscum album ist der lateinische Name der Weißbeerigen Mistel. Mistel bei Arthrose? Sie wird häufig im Rahmen von Krebstherapien, oft auf Patientenwunsch, angewendet; Wikipedia schreibt dazu: „Trotz langjähriger Anwendung und Forschung ist nicht belegt, dass Mistelpräparate das Tumorwachstum hemmen oder gar Krebspatienten heilen können.“ [5]

Auf der Homepage steht: „So wirkt Viscum album nicht nur schmerzlindernd, sondern auch entzündungshemmend.1“ [1] Zitiert wird die Studie von Hegde et a. (2011) [6]. Diese Studie ist eine  Untersuchung an einer Zelllinie mit der Bezeichnung A549. Diese Zellen sind Tumorzellen, sie stammen von einem Adenokarzinom der Lunge. Das nenne ich nicht gerade Arthroseforschung. Man hätte nun 10 Jahre Zeit gehabt, um Studien durchzuführen – hat man aber nicht. Es wird noch eine zweite Studie zitiert; „Lavastre et al. (2004)“ [7]. Das liest sich dann so: „Mehr noch: Viscum album kann laut In-vitro-Studien sogar bestimmte Körperzellen stoppen, die den Gelenkknorpel bei Arthrose angreifen.“ [1] Schauen wir doch einmal nach, was in dieser Studie steht. Die Studie untersucht die Wirkung eines Lektins aus Viscum album an Zellen (Neutrophile, das sind bestimmte weiße Blutkörperchen, die in der Studie Mäusen injiziert wurden). Die Autoren folgerten: „[Diese Daten könnten neue klinische Perspektiven für die zukünftige Misteltherapie eröffnen ...]“. Nun, dafür wären jetzt 17 Jahre Zeit gewesen. Eine Studie, die eine Wirksamkeit RubaXX® Arthro gegen Arthrose bedingte Schmerzen belegen könnte, liegt nicht vor.

Als günstigsten Preis fand ich gerade (13.07.2021, 11:45 Uhr): 61,54€/100ml. Die Dosierungsempfehlung gibt 3x5 bis 6x5 Tropfen an, was etwa 0,75 bis 1,5 ml entspricht. Bei 1 ml pro Tag (chronische Schmerzen) macht das im Jahr 365 ml aus, und das sind dann 224,62€. Also das läuft bei mir mit und ohne homöopathische Schwurbelei als Abzocke.


Links und weitere Angaben:
[1] siehe auch in abgewandelter Form: https://rubaxx.de/rubaxx-arthro/
[2] z.B. https://rheumatologe.blogspot.com/2020/12/abzocke-mit-rubaxx-cannabis-ol-erneut.html
https://rheumatologe.blogspot.com/2020/10/abzocke-mit-rubaxx-cannabis-ol.html
https://rheumatologe.blogspot.com/2020/10/rubaxx-gicht-neue-spezial-therapie-bei.html
[3] RubaXX® Duo enthält Rhus toxicodendron Dil. D6 und Phytolacca americana Dil. D4.  https://rheumatologe.blogspot.com/2020/05/rubaxx-duo-neu-in-der-rubax-familie.html
[4] Unter: „Was versteht man unter Potenzierung“: https://www.dhu.de/unternehmen/wissenswertes/faq-zur-homoeopathie.html
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fbeerige_Mistel
[6] Noch nicht einmal richtig zitieren kann man; der Name des Hauptautors ist Hegde und nicht Hedge – da ist der Hedgefond mit RubaXX durrchgegangen. Hegde P, Maddur MS, Friboulet A, Bayry J, Kaveri SV. Viscum album exerts anti-inflammatory effect by selectively inhibiting cytokine-induced expression of cyclooxygenase-2. PLoS One. 2011;6(10):e26312. doi: 10.1371/journal.pone.0026312. Epub 2011 Oct 18. PMID: 22028854; PMCID: PMC3196571.
[7] Lavastre V, Cavalli H, Ratthe C, Girard D. Anti-inflammatory effect of Viscum album agglutinin-I (VAA-I): induction of apoptosis in activated neutrophils and inhibition of lipopolysaccharide-induced neutrophilic inflammation in vivo. Clin Exp Immunol. 2004 Aug;137(2):272-8. doi: 10.1111/j.1365-2249.2004.02545.x. PMID: 15270843; PMCID: PMC1809108.

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Tuesday, January 5, 2021

Übervorsicht

Hier in der Gegend ist der Bach,
den ich nicht fotografiert habe



Ich hörte gerade eine alte MC (Musikcasette) ohne Musik, aber mit einem Sprachkurs Spanisch, den ich schon lange nicht mehr gehört hatte. Es wird da von einem Missgeschick des Protagonisten im Flugzeug berichtet. Herbert hatte Vino tinto (Rotwein) auf die weiße Bluse der hübschen Sitznachbarin geschüttet. Wer jetzt Loriot im Flugzeug assoziiert, liegt so falsch nicht! Mir ging allerdings etwas anderes durch den Kopf – Übervorsicht. Ich kann mich an drei ganz unterschiedliche Situationen erinnern, bei denen Übervorsicht zur Katastrophe führte.

Die Torte

Ich muss so etwa 12 Jahre alt gewesen sein. Die Familie war von Köln nach Berlin gefahren, um die Großeltern zu besuchen. Nachmittags gab es Kaffee und Kuchen für die Großfamilie. Ich balancierte eine Torte auf der rechten Hand, schwang sie hin und her und ging durch die Diele ins Wohnzimmer. „Um Gottes Willen! Die gute Torte!“ Schrie meine Mutter auf. Also nahm ich die zweite Torte vorsichtig mit beiden Händen und trug sie, weiterhin betont vorsichtig, ins Wohnzimmer. Da hatte sich aber der Türgriff in den Ärmel meines kurzärmeligen Hemdes hinein geschoben, so dass ich plötzlich in der Vorwärtsbewegung gestoppt wurde. Die Torte aber bewegte sich weiter vorwärts und flog in der Form einer Parabel zu Boden.

Über den Bach
Es war am Rande des Nationalparks Torres del Paine in Patagonien. Wir kamen einen Weg zurück, auf dem wir auf dem Hinweg problemlos über einen Bach steigen konnten, aber jetzt führte er so viel Wasser, dass man nur durch ihn waten konnte; was wir wegen der Kälte des Wassers vermeiden wollten. Und kurz darauf sahen wir einen Baumstamm, der über den Bach fefallen war und ihn überbrückte. Ich habe ihn ohne Schwierigkeiten überquert, in dem ich zügig darüber ging; denn so hält man am einfachsten das Gleichgewicht. Mein Freund half seiner Frau. Vor, zurück. Vor, noch ein Schritt, sie ergriff meine Hand und … ging wieder zurück und stürzte ... und zog mich mit in die Tiefe … ähm in den flachen Bach. Vielleicht hätten wir direkt waten sollen.

Die weiße Bluse
Eine meiner Patientinnen kam zu einem Infusionstermin. Sie sprach die Schicksal herausfordernden Worte: „An die Bluse darf nichts kommen, ich fliege nachher nach Dubai.“ Und ich antwortete ahnungslos: „Ich will besonders vorsichtig sein.“ Es war zu diesem Zeitpunkt eine schöne, blütenweiße Bluse. Ich legt die Kanüle für die Infusion problemlos und zog den Mandrin heraus. Da blieb ich irgendwie hängen, der Mandrin bog sich, kam frei und schon flogen kleine Blutströpfchen los; fast so schön wie die Starlink-Satelliten bewegten sie sich. Die Relativität der Zeit wurde mir bewußt, denn sie schienen sich leicht und langsam zu bewegen, aber nichts konnte sie von der Landung auf der weißen Bluse abhalten. Ich habe weder vorher noch nachher ein ähnliches Blutbad verursacht.

Wenn Sie nun wissen wollen, was uns das lernt, dann brauchen Sie nicht weiter lesen, wenn Sie hingegen wissen wollen, was uns das lehrt, vielleicht dies:
Die Übervorsicht ist ein ernst zu nehmender Risikofaktor für Katastrophen jeglicher Art.


PS/OT. In der Sprach-MC niest eine der Protagonistinnen und teilt dann mit, dass sie gute homöopathische Tropfen dagegen nehme. Ich dachte, ich hätte nicht richtig gehört. Hatte ich aber.


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Friday, October 30, 2020

Geschwurbel für ein starkes Immunsystem

Ich bekomme den „rundblick – zugleich Amtsblatt für die Gemeinde Kall“ frei Haus. In der Ausgabe vom 30.10.2020, also heute, (Amtsblatt Nr. 22 / Woche 44) lese ich auch Seite 19: "Tipps für ein starkes Immunsystem“. Bereits im zweiten Absatz wird das Immunsystem angekurbelt. Das ist immer ein ganz schlechtes Zeichen, wenn vom Ankurbeln die Rede ist, denn dann ist der Rest des Artikels so schlecht wie die Metapher.

Die Top 5 sind:
1. regelmäßig schwitzen
2. sich abhärten bzw. so steht es im Text: sich „abhärten“ (fehlt nur noch das Apostroph)
3. gesund ernähren
4. Immunkur machen
5. Entspannen
6. genug schlafen
7. herzhaft lachen
8. „Waldbaden“
Auch kein gutes Zeichen, wenn es beim Zählen hapert.

Unter Immunkur machen werden Schüßler-Salze verstanden („Ein beliebtes Therapiesystem sind Schüßler-Salze.“). „Die Schüßler-Immunkur (z.B. von DHU) ist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.“

Ich zitiere einmal aus einem Blogpost [1]:
„Biochemie nach Schüßler ist zur Behandlung von Krankheiten nicht geeignet.“
„Der Biochemische Bund ließ sich in die Reichsarbeitsgemeinschaft der Verbände für naturgemäße Lebens- und Heilweise eingliedern. Heinrich Himmler versuchte die Wirksamkeit zu belegen, indem er im KZ Dachau Experimente an katholischen Priestern durchführen ließ, denen durch Injektion von Eiter Blutvergiftungen beigebracht wurden. Die Schüßler-Salze waren wirkungslos und einige der Priester verstarben durch die Sepsis.“
„Das Oberlandesgericht Hamm hat am 13.12.2012 die in der Deutschen Hebammenzeitschrift veröffentlichte Werbeaussage „Schüßler-Salze … Sanfte Begleiter in der Schwangerschaft“ als irreführend untersagt.“

Heinrich Schüßler (1821-1898) hat sich zwar von der Homöopathie distanziert, was ihn aber nicht hinderte, ebenso zu verdünnen. D12 und D6 sind bei seinen Salzen gebräuchlich. Erinnern wir uns noch einmal [2]: D6 entspricht einem Tropfen auf 50 l, D12 entspricht 1 g auf 400 olympische Wasserbecken bzw. 1.000.000 m³. Es gibt übrigens eine absurde Indikation für Schüßler-Salze: Leichtgläubigkeit [3]; wenn Schüßler-Salze wirken würden, würde man sie nicht nehmen.

Ich erwarte von einem „rundblick – zugleich Amtsblatt für die Gemeinde Kall“, dass Geschwurbel nicht angekurbelt wird ehm … ich erwarte ein wenig mehr Sorgfalt.


Links und Literatur:
[1] Der Schmu mit den Schüßler-Salzen https://rheumatologe.blogspot.com/2018/03/der-schmu-mit-den-schuler-salzen.html
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Potenzieren_(Hom%C3%B6opathie)
[3] https://www.psiram.com/de/index.php/Sch%C3%BC%C3%9Fler-Salze


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Friday, May 29, 2020

RubaXX® Duo neu in der RubaX-Familie


So flatterte mir die Werbung ins Haus


Ich habe die erste Nummer des Wochenspiegels in der Eifel geliefert bekommen (22, S 14). Unter der Rubrik findet sich, als Anzeige korrekt gekennzeichnet; eine Werbung: „Mit 2-fach-Komplex gegen Gelenkschmerzen“ von RubaXX® Duo. Über RubaX® hatte ich schon früher berichtet[1].

RubaX® enthält Rhus toxicodendron Dil. D6. RubaXX® Duo enthält Rhus toxicodendron Dil. D6 und Phytolacca americana Dil. D4. In der Anzeige wird ein alternativer Name, nämlich T. quercifolium genannt, es handelt sich um den eichenblättrigen Giftsumach, den man auch Giftefeu (poison ivy) nennt [2].

„Heute ist T. quercifolium umfassend erforscht und wird wegen seiner schmerzlindernden Wirkung in Muskeln und Gelenken geschätzt“ - so steht es in der Werbung. 
M. Shipley und Kollegen allerdings führten diese Studie durch: „Controlled trial of homoeopathic treatment of osteoarthritis.” Sie konnten zeigen (und das schon 1983), dass eine homöopathische Zubereitung von Rhus toxicodendron nicht wirksam gegen Kniegelenks- oder Hüftgelenksarthrose war. Man hatte nicht nur gegen Placebo sondern auch gegen Fenoprofen, einem nicht-steroidalen, entzündungshemmenden Schmerzmittel (NSAID), getestet. [3]

Also wenn die Homöopathie mit einem Wirkstoff nicht hilft, dann vielleicht mit zwei Wirkstoffen? Der zweite Wirkstoff ist Phytolacca americana. „Nach verschiedenen Quellen muss diese Pflanze als stark giftig bezeichnet werden [4].“ RubaXX® Duo ist auf D4, d.h. 1:10.000, verdünnt. Das entspricht einem Tropfen auf 500 ml. Damit ist aber noch die Möglichkeit der Vergiftung gegeben. Als mögliche Vergiftungssymptome können bei Phytolacca americana Magen- und Darmbeschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und weitere Symptome auftreten. Die Gefahr scheint jedoch verglichen mit Arsen in gleicher Verdünnung eher gering zu sein.

„Laut Arzneimittelbild hat sich Phytolacca americana bei geschwollenen Gelenken und entzündungsbedingten Schmerzen als wirkungsvoll erwiesen“, so der Werbetext. Ich habe 106 Studien zu Phytolacca americana in PubMed gefunden, aber nicht eine Studien hat sich mit Schmerzen beschäftigt, so dass es sich „wirkungsvoll erwiesen“ lediglich um Werbelyrik handelt.

Wieviel kostet RubaXX® Duo? Ich fand Preise etwa zwischen 62 und 126 € pro 100 ml. Damit kostet der Milliliter bestenfalls 0,62 €. Bei chronischen Schmerzen werden 15 Tropfen täglich empfohlen, das sind 0,75 ml. Das schlägt mit 170 € pro Jahr nieder. Und wir können mit Natalie Grams sagen: „Homöopathika wirken nicht über den Placebo-Effekt“. Dann aber sind 170 € in meinen Augen Abzocke.

Links:

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Wednesday, May 8, 2019

Biologische Impfung als sanfte Alternative?


Eine meiner Patientinnen fragte mich, ob sie die Biologische Impfung bzw. Paracelsus Grippe Impfung, die ihr von der Heilpraktikerin angeboten worden ist, durchführen soll. Heilpraktiker dürfen keine Impfungen durchführen! Entweder wird hier wider geltendes Recht gehandelt (es ist eine Impfung, die von der Heilpraktikerin durchgeführt wird) oder es ist eine Mogelpackung (keine Impfung).

Ich recherchierte, dass die Biologische Impfung bzw. Paracelsus Grippe Impfung eine Kombination homöopathischer und naturheilkundlicher Präparate ist, welche als Injektion und Eigenblutbehandlung verabreicht werden.

Ich lese: „Die Ärzte der Paracelsus-Klinik raten von der alljährlich überall propagierten Grippe-Impfung ab, da sie Lebend-Virus-Partikel enthält und nur gezielt gegen eben einen Virus schützt, von welchem man annimmt, dass er die Grippewelle des entsprechenden Jahres verursache.“ Die Influenza-Impfung schütz nur gegen Influenza und zwar verschiedene Stämme. Das ist sinnvoll, denn die Influenza hat eine hohe Rate an Todesfällen. Lebende Virus-Partikel werden in der Regel nicht geimpft.

„Zudem schützt die konventionelle Grippeimpfung gegen alle andern Viren, die ohnehin die meisten Erkältungen bewirken, in keiner Weise.“ Und aus der Zapfsäule der Tankstelle fließt keine Milch. Die Grippe (Influenza) hat eine hohe Rate an Sterblichkeit, der grippale Infekt (banale Erkältung) nicht. Die Spanische Grippe forderte 25-50 Millionen Menschenleben; prominentes Opfer der Großvater von Donald Trump.

Weiter lese ich: „Die «Paracelsus-Grippe-Prophylaxe» ist keine «Impfung», sondern eine Immunstimulation und Nosodentherapie …“. Warum dann nennt man es Impfung? Es handelt z.B. um homöopathische Präparate und „Ancopir (ein Vitamin-B-Komplex-Präparat, mit B12 und Langzeitwirkung)“.

Gibt es denn eine Studie, die belegen würde, dass die Hypothese (es findet eine Immunstimulation statt) oder die Hypothese (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kommt es nicht zu einer Grippe oder zu einem grippalen Infekt) zutrifft? Ich habe keine gefunden, und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gibt es so eine Studie auch nicht.

Die biologische Impfung ist keine Impfung sondern eine Mogelpackung.
Eine Wirksamkeit ist nicht nachgewiesen.
Die Gefahr kann aus der Nicht-Impfung gegen Influenza entstehen.
Ich riet ab.


Links:


La traduction automatique:

La vaccination biologique comme alternative douce?

Une de mes patientes m'a demandé si elle devrait faire le vaccin Bioculture ou Paracelsus Influenza proposé par le médecin alternatif. Les naturopathes ne sont pas autorisés à vacciner! Soit cela est fait ici contrairement à la loi en vigueur (il s’agit d’un vaccin qui est réalisé par le praticien alternatif) ou il s’agit d’un simulacre (pas de vaccin).

J'ai étudié le vaccin Bioculture ou Paracelsus Influenza comme une combinaison de préparations homéopathiques et naturopathiques administrées par injection et par traitement du sang autologue.

Je lis: "Les médecins de la clinique Paracelsus déconseillent le vaccin antigrippal à propagation annuelle, car il contient des particules virales vivantes et ne protège spécifiquement que contre un virus, qui serait la grippe de l’année correspondante. "La vaccination antigrippale ne protège que contre la grippe et même contre différentes souches. Cela a du sens, car la grippe a un taux de mortalité élevé. Les particules virales vivantes ne sont généralement pas vaccinées.
"En outre, le vaccin antigrippal classique protège contre tous les autres virus, qui causent le plus froid de toute façon, de quelque manière que ce soit." Et de la pompe à essence de la station-service ne coule pas de lait. La grippe (grippe) a un taux de mortalité élevé, pas l’infection grippale (rhume banal). La grippe espagnole a fait entre 25 et 50 millions de morts. victime de premier plan du grand-père de Donald Trump.

Ensuite, je lisais: "La" prophylaxie contre la grippe Paracelsus "n’est pas un" vaccin ", mais une stimulation immunitaire et une thérapie nosode ...". Pourquoi appelez-vous cela la vaccination? C'est par exemple préparations homéopathiques et "Ancopir (une préparation de complexe de vitamine B, avec B12 et effets à long terme)".

Y a-t-il une étude qui prouverait que l'hypothèse (il y a une stimulation immunitaire) ou l'hypothèse (cela ne vient presque certainement pas d'une grippe ou d'une infection grippale)? Je n'en ai trouvé aucune et il est presque certain qu'aucune étude de ce type n'a été réalisée.

Le vaccin biologique n'est pas un vaccin mais un simulacre.
Une efficacité n'a pas été prouvée.
Le danger peut provenir de la non-vaccination contre la grippe.
J'ai déconseillé.

 

Tuesday, March 27, 2018

Der Schmu mit den Schüßler-Salzen


Wilhelm Heinrich Schüßler (1821–1898) hatte die Idee, die Krankheiten würden durch einen gestörten Mineralhaushalt der Zellen entstehen und man könne diese durch Gabe von verdünnten Mineralien (ähnlich wie in der Homöopathie) therapieren. Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg für diese Annahmen. Insbesondere gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis für die Wirksamkeit von Schüßler-Salzen. „Biochemie nach Schüßler ist zur Behandlung von Krankheiten nicht geeignet.“ [1]

Nach Schüßler wirken die Salze auf physiologisch-chemische Vorgänge im menschlichen Organismus [2] und beruhten nicht auf dem homöopathischen Simile-Prinzip. Trotzdem werden sie wie homöopathische Arzneimittel hergestellt und nach deutschen Arzneimittelgesetz (AMG) auch so eingestuft.

Der Biochemische Bund ließ sich in die Reichsarbeitsgemeinschaft der Verbände für naturgemäße Lebens- und Heilweise eingliedern [3]. Heinrich Himmler versuchte die Wirksamkeit zu belegen, indem er im KZ Dachau Experimente an katholischen Priestern durchführen ließ, denen durch Injektion von Eiter Blutvergiftungen beigebracht wurden. Die Schüßler-Salze waren wirkungslos und einige der Priester verstarben durch die Sepsis. Siehe dazu auch: [4]
Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Biochemische Bund aufgelöst, nur um bereits 1946 wieder neu gegründet zu werden. 1949 erschien auch wieder die Mitgliederzeitschrift Gesundes Volk, die dann später unter dem weniger völkischen Titel Weg zur Gesundheit weiter existiert. 

Auch die Leichtgläubigkeit ist ein Anwendungsgebiet der Schüßler-Salze. Leichtgläubigkeit wird dabei als Krankheit der Seele aufgefasst. [5]. Wenn man nun aus Leichtgläubigkeit Schüßler-Salze nimmt, dann kann man sie auch gegen die Leichtgläubigkeit nehmen, aber wenn man dann nicht mehr leichtgläubig ist, ja dann wären sie wirksam … „allein, mir fehlt der Glaube“.

Das Oberlandesgericht Hamm hat am 13.12.2012 die in der Deutschen Hebammenzeitschrift veröffentlichte Werbeaussage „Schüßler-Salze … Sanfte Begleiter in der Schwangerschaft“ als irreführend untersagt [6]. Der 4. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Hamm befand, dass die Wirkung der beworbenen Schüßler-Salze nicht wissenschaftlich gesichert sei; und sah eine Gefahr, dass Schwangere möglicherweise von der Befragung ihres Arztes oder von der Einnahme angeblich mehr belastender, aber besser helfender Präparate (der Schulmedizin) abgehalten werden könnten. Das Urteil ist rechtskräftig.

Ich könnte jetzt den leichtgläubigen Nutzern von Schüßler-Salzen sagen, dann könnten sie auch an den Weihnachtsmann glauben. Ich mag aber nicht. In der Regel sind es doch verzweifelte Menschen, denen die pharmakologischen Möglichkeiten der Schulmedizin nicht helfen konnten. Andererseits ist das kein Argument, diese Menschen zu übervorteilen.

Ich rate ab.


Links und Literaturangaben: 
[1] Stiftung Warentest (Hrsg.): „Die andere Medizin - ´Alternative´ Heilmethoden für Sie bewertet“, Berlin 2005, ISBN 3-937880-08-9, S. 106; zitiert nach [2].

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