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Friday, May 29, 2020

RubaXX® Duo neu in der RubaX-Familie


So flatterte mir die Werbung ins Haus


Ich habe die erste Nummer des Wochenspiegels in der Eifel geliefert bekommen (22, S 14). Unter der Rubrik findet sich, als Anzeige korrekt gekennzeichnet; eine Werbung: „Mit 2-fach-Komplex gegen Gelenkschmerzen“ von RubaXX® Duo. Über RubaX® hatte ich schon früher berichtet[1].

RubaX® enthält Rhus toxicodendron Dil. D6. RubaXX® Duo enthält Rhus toxicodendron Dil. D6 und Phytolacca americana Dil. D4. In der Anzeige wird ein alternativer Name, nämlich T. quercifolium genannt, es handelt sich um den eichenblättrigen Giftsumach, den man auch Giftefeu (poison ivy) nennt [2].

„Heute ist T. quercifolium umfassend erforscht und wird wegen seiner schmerzlindernden Wirkung in Muskeln und Gelenken geschätzt“ - so steht es in der Werbung. 
M. Shipley und Kollegen allerdings führten diese Studie durch: „Controlled trial of homoeopathic treatment of osteoarthritis.” Sie konnten zeigen (und das schon 1983), dass eine homöopathische Zubereitung von Rhus toxicodendron nicht wirksam gegen Kniegelenks- oder Hüftgelenksarthrose war. Man hatte nicht nur gegen Placebo sondern auch gegen Fenoprofen, einem nicht-steroidalen, entzündungshemmenden Schmerzmittel (NSAID), getestet. [3]

Also wenn die Homöopathie mit einem Wirkstoff nicht hilft, dann vielleicht mit zwei Wirkstoffen? Der zweite Wirkstoff ist Phytolacca americana. „Nach verschiedenen Quellen muss diese Pflanze als stark giftig bezeichnet werden [4].“ RubaXX® Duo ist auf D4, d.h. 1:10.000, verdünnt. Das entspricht einem Tropfen auf 500 ml. Damit ist aber noch die Möglichkeit der Vergiftung gegeben. Als mögliche Vergiftungssymptome können bei Phytolacca americana Magen- und Darmbeschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und weitere Symptome auftreten. Die Gefahr scheint jedoch verglichen mit Arsen in gleicher Verdünnung eher gering zu sein.

„Laut Arzneimittelbild hat sich Phytolacca americana bei geschwollenen Gelenken und entzündungsbedingten Schmerzen als wirkungsvoll erwiesen“, so der Werbetext. Ich habe 106 Studien zu Phytolacca americana in PubMed gefunden, aber nicht eine Studien hat sich mit Schmerzen beschäftigt, so dass es sich „wirkungsvoll erwiesen“ lediglich um Werbelyrik handelt.

Wieviel kostet RubaXX® Duo? Ich fand Preise etwa zwischen 62 und 126 € pro 100 ml. Damit kostet der Milliliter bestenfalls 0,62 €. Bei chronischen Schmerzen werden 15 Tropfen täglich empfohlen, das sind 0,75 ml. Das schlägt mit 170 € pro Jahr nieder. Und wir können mit Natalie Grams sagen: „Homöopathika wirken nicht über den Placebo-Effekt“. Dann aber sind 170 € in meinen Augen Abzocke.

Links:

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Wednesday, January 16, 2019

Gelenkschmerzen im Winter




Kaum jemand mag kaltes, nasses und windiges Wetter - es gibt nur ein Wort auf der Welt, das diesen Zustand wirklich beschreibt: usselig - ein Wort aus der Sprache, die in und um meine Heimatstadt Köln gesprochen wird (also Kölsch). Menschen mit entzündlichen rheumatischen Erkrankungen und auch Menschen mit Arthrose leiden in dieser Saison sogar noch mehr. Und eigentlich sollte es auch nicht „Hello darkness, my old friend“ heißen - ziemlich viele Leute bekommen depressive Zustände in den dunkleren Monaten, was auch Schmerzen und nicht nur Stimmungsstörungen bewirkt. Neben den Gelenkschmerzen (Arthralgien) leiden diese Menschen auch an Muskelschmerzen (Myalgien).

Es ist nicht die niedrigere Temperatur für sich allein; da z.B. entzündete und schmerzende Gelenke sehr gut auf lokale, trockene Kälteanwendungen ansprechen (Eis und kaltes Wasser in einer Plastiktüte sind am besten für diesen Zweck geeignet). Entscheidend für die erhöhten Schmerzen ist die Luftfeuchtigkeit und manche Menschen denken auch, dass der niedrigere Luftdruck ein Faktor sein könnte.

E. M. Savage und seine Kollegen beantworteten die Frage: „Korreliert die Aktivität der rheumatoiden Arthritis mit den Wetterbedingungen?“ Da die Autoren in Belfast leben, haben sie genug feuchtes Wetter. Sie folgerten: "In dieser Studie war die Aktivität der rheumatoiden Arthritis (gemessen mit DAS-28) sowohl bei sonnigen als auch bei weniger feuchten Bedingungen signifikant niedriger."

W. R. Patberg und J.J. Rasker betrachteten: „Wettereffekte bei rheumatoider Arthritis: Von der Kontroverse zum Konsens. Ein Rückblick.“ Sie kamen zu dem Schluss: „Die klassische Meinung: "Kalt und nass ist schlecht, warm und trocken ist gut für RA-Patienten", scheint nur in Bezug auf die Luftfeuchtigkeit zu stimmen."

Muskeln und Gelenke erhalten im Winter weniger Blut, da andere Organe bevorzugt versorgt werden. Und die winterlichen Bewegungsbeschränkungen an sich tragen zu einer geringeren Beweglichkeit der Gelenke bei. Die Synovialflüssigkeit verliert ihre Gleitfähigkeit und der Schmerz intensiviert sich - ein Teufelskreis, der durchbrochen werden muss. Daher sollten die Patienten dazu angehalten werden, warme Kleidung anzuziehen (Handschuhe, Mützen und Schals nicht zu vergessen) und viel an der frischen Luft zu gehen. Tagsüber und vor allem, wenn die Sonne aus ihrem Versteck kommt, wirkt dies antidepressiv. Vitamin D allerdings wird durch diese Maßnahme im Winterhalbjahr nicht beeinflusst, da der Körper durch den Mangel an kurzwelliger UV-Strahlung bei tiefstehender Sonne keine ausreichend großen Mengen Vitamin D3 produzieren kann (in Breitengraden wie Deutschland oder höher).


Links:
W. R. Patberg und J.J. Rasker: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15229951

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Tuesday, September 25, 2018

Leitsymptom Schmerz auf dem Kongress der DGRh 2018 in Mannheim




In einer Session zum Thema Leitsymptom Schmerz sprach Prof. Dr. med. W. Eich zum Fibromyalgiesyndrom (FMS). Er unterschied zwischen lokalen und generalisierten Schmerzen.
Es gibt kaum Medikamente, die nach der S3 Leitlinie einsetzbar wären; Amitriptylin, Duloxetin und Pregabalin sind zeitlich befristet einsetzbar. SSRI können bei komorbiden Angststörungen und Depressionen eingesetzt werden. Für alle anderen Medikamente gilt eine negative Empfehlung.
Kognitive Verhaltenstherapie in Kombination mit aerobem Training soll eingesetzt werden [1]. Auch Entspannungsverfahren in Kombination mit aerobem Training soll eingesetzt werden.
Meditative Bewegungstherapien wie Tai-Chi oder Qigong werden empfohlen. Zeitlich befristete Empfehlung für Akupunktur [2]. Negative Empfehlung für achtsamkeitsbasierte Stressreduktion als Monotherapie, Homöopathie, Nahrungsergänzungsprodukte, Reiki, Tanztherapie.
Die Pathogenese somatoformer Störungen wurde mit Disposition, Auslösung und Aufrechterhaltung als bio-psycho-soziales Modell vorgestellt.
Überflüssig sind Pregabalin nach vier Wochen ohne Wirknachweis, Oriate, Cannabis, Benzodiazepine, Antipsychotika. Man soll das Entweder-Oder-Modell oder hierarchische Modelle zur Erklärung vermeiden.
Aktuell werden nach ICD-10 das Fibromyalgiesyndrom mit M79.70 und die somatoforme Schmerzstörung mit F45.41 verschlüsselt. Der ICD-11 wurde vorgestellt, bei dem dann das Fibromyalgiesyndrom mit MG30 also als chronischer Schmerz und die somatoforme Schmerzstörung mit 6C20 als „bodily distress disorder“ verschlüsselt werden sollen.

In seinem Vortrag Joints for joints berichtete Prof. Dr. med G. Pongratz über die Datenlage zu Cannabis in der Rheumatologie.
Cannabis hatte eine unkonventionelle Zulassung im medizinischen Bereich ohne Zulassungsstudien für spezielle Indikationen im Bereich z.B. des Bewegungsapparates. Kosten und Nutzen sind für viele Indikationen mangels Evidenz unklar.
Cannabis sativa wirkt anregend, jedoch wirkt Cannabis indica beruhigend. Es sind bis zu 545 Komponenten nachweisbar, z.B. Terpene, Phenole, Steroide, Fettsäuren etc. Salben, Tees, Zigaretten und Verdampfungsflüssigkeiten („liquids“) werden angeboten. Delta-9-THC (Tetrahydrocannabiol) wirkt psychotrop, CBD (Cannabidiol) wirkt nicht psychotrop und kann damit die THC-Wirkung modulieren.
Eine kontrollierte Studie (N=31 Cannabis, N=27 Placebo) zur rheumatoiden Arthritis zeigte zwar Effekte, aber auch eine hohe Nebenwirkungsrate (bis achtmal so hoch wie Placebo).
Zusammenfassend is Cannabis bei rheumatologische Indikationen unzureichend untersucht. Das Endocannabinoidsystem zu beeinflussen hat jedoch „großes Potential“. Als Drittlinientherapie bei neuropathischen Schmerzen einsetzbar.

 
Links:
[1] Das hatten wir am Rheinischen Rheuma Zentrum bereits in den späten 90iger Jahren etabliert: http://rheumatologe.blogspot.com/2010/11/fibromyalgia-multimodal-therapy-at.html
[2] Ich hatte die Möglichkeit chinesische Akupunkteure zu befragen, die aber Akupunktur bei FMS (纤维肌痛综合征) nicht einsetzten.






INTERDISZIPLINÄRE RHEUMATOLOGIE 2.1 Johann
Wenzel Stamitz
14:45 - 16:15 16 | Leitsymptom Schmerz
Vorsitz: Klaus Schmidt, Dortmund
Christoph G. O. Baerwald, Leipzig
14:45 16.01 | Fibromyalgie-Syndrom und somatoforme Schmerzstörungen
– Was gibt es Neues?
Wolfgang Eich, Heidelberg
15:05 16.02 | Joints for Joints? Datenlage zu Cannabis in der Rheumatologie
Georg Pongratz, Düsseldorf
15:25 16.03 | Evidenz-basierte Physikalische Therapie - Was wann einsetzen?
Joachim-Michael Engel, Bad Liebenwerda
15:45 16.04 | Rückenschmerz bei axialer Spondyloarthritis – Was tut weh
und wie behandeln?
Uwe Schwokowski, Ratzeburg

Sunday, January 28, 2018

Mysterium Nervenschmerzen




Eine Anzeige für ein homöopathisches Präparat ist groß übertitelt mit „Mysterium Nervenschmerzen“. Das Mysterium wurde ursprünglich für eine kultische Feier mit einem geheimen Kern für Eingeweihte benutzt. Heute benutzt man es für Geheimnis oder einen Sachverhalt, der „sich der eindeutigen Aussagbarkeit und Erklärbarkeit prinzipiell entzieht“ [1]. Warum sollten nun Nervenschmerzen ein Mysterium sein? In der Schulmedizin ist es jedenfalls kein Mysterium.

„Im Gegensatz zu anderen Schmerzarten ist bei Nervenschmerzen das für die Schmerzleitung zuständige System selbst durch Infektionen, Verletzungen oder Stoffwechselerkrankungen geschädigt.“ [2] Diese Erklärung ist von der deutschen Schmerzliga. Man nennt diesen Schmerz auch neuropathisch. Fibromyalgie gehört übrigens entgegen der Meinung der Schreiber der Anzeige („Ratgeber Nervenschmerzen Teil 1“) nicht dazu; diese Sorte Schmerz nennt man zentralen Schmerz oder auch nicht-nozizeptiven Schmerz [3].

„Das Geheimnis hinter RESTAXIL? In den Arzneitropfen steckt die geballte Kraft aus fünf ausgewählten Arzneipflanzen: Spigelia anthelmia, Iris versicolor, Gelsemium sempervirens, Cimicifuga racemosa und Cyclamen purpurascens.“ [4] Geballte Kraft?

Stellen Sie sich einmal vor, auf der Liter-Packung stände nicht Soja Drink [auf dem Bild eine meiner bevorzugten Sorten] sondern Nektar mit der geballten Kraft von sonnenverwöhnten Früchten. Und stellen Sie sich weiter vor, nur 10 ml sind Fruchtsaft von sonnenverwöhnten Früchten und der Rest ist Wasser und Zucker. Würden Sie sich nicht vergackeiert fühlen, wenn Ihnen die geballte Kraft von sonnenverwöhnten Früchten versprochen wird? Und würden Sie das kaufen?



Gibt es eine Veröffentlichung in einer Zeitschrift, die in PubMed gelistet wird? Nein.


Was kostet Restaxil? Die Dosierungsempfehlung lautet 3x5-10 Tropfen in der chronischen Phase, bei akuten Beschwerden bis 12x5-10 Tropfen. 100 ml werden für etwa 60 € angeboten; manchen gehen aber bis über 90 €! Bei der geringsten Dosis zahlen Sie 0,45 € pro Tag, bei der höchsten Dosierung zahlen Sie aber 3,00 € pro Tag. Ich nenne das Abzocke, aber Sie werden es vermutlich kaufen, denn Sie trinken ja auch das Zuckerwasser mit der geballten Kraft von sonnenverwöhnten Früchten.


Links: 

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