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Saturday, August 15, 2026

Brände in der Eifel - von Diefenbach aus betrachtet

 


Gestern rief ein Freund aus Köln an, der sich sorgte, weil er nicht mehr wußte, wie dicht ich in Diefenbach am Gebiet Hürtgenwald wohne. Da hatte ich überhaupt noch nichts von den Bränden mitbekommen. Aber als ich dann einige Minuten später zum Einkaufen fuhr, roch ich den Brand. Und heute ist es schon ganz anders, da bin ich kurz für Fotos rausgegangen und meine Wäsche riecht nun so, als hätte ich am Lagerfeuer gesessen. Ich habe dann die Die Nachrichten von Radio 700 gehört und jetzt im Internet eingesehen [1].


Da geschieht weit mehr, als ich erwartet hatte. Die Trockenheit hat zwar die Brände nicht ausgelöst, aber sie ist die Grundlage für die schnelle Ausdehnung der Brände. Eine Ursache für die einzelnen Brände haben die Nachrichten nicht gnannt. Im Hürtgenwald stehen mehr als 400 Hektar in Flammen. Im Bereich Baraque Michel konnten zwar die Flammen aufgehalten werden, aber sie ziehen in Richtung Drossart weiter. Die Ausdehnung hat eine Fläche von 850 Hektar erreicht. Von wo, ob von Westen oder von Norden wir hier eingenebelt oder ein besser eingeraucht werden, kann ich gar nicht sagen. Baraque Michel und Hürtgenwald sind beide etwa 30 Kilometer Luftlinie von Diefenbach entfernt. Eine Gefahr kann ich nicht sehen, aber sämtliche Arbeiten im Garten sowie in meinem Stall liegen jetzt erst mal brach. Für die Natur kommt es jetzt darauf an, daß aus den Talsperren genügend Wasser für Löschhubschrauber beziehungsweise auch für sonstige Löscharbeiten zur zur Verfügung stehen. Wir sollten auch nicht vergessen, daß im Hürtgenwald weiterhin Munition im Boden liegt, die bei solchen Bränden losgehen kann. Wir können nur hoffen, daß bei den Löscharbeiten niemand zu Schaden kommt.  




Links und Anmerkungen:
[1] https://radio700.eu/news 
[2] Hinweis bei 1]: „Wegen der Wasserentnahme der Hubschrauber sind auch die Zufahrten und Parkplätze zu den Talsperren in Eupen und Jalhay blockiert.“

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Friday, October 3, 2025

Die St. Lambertus Kirche in Manderfeld (Eifel)

 


Manderfeld ist ein Ort mit circa 500 Einwohnern und liegt in Belgien, und zwar Ost Belgien und da.  Richtig im im im Osten Die Gemeinde gehört zu Böllingen. Dort ist die Eifel etwa 550 Meter hoch. Meter hoch. Und der Ort Ist seit 854. Urkundlich erwähnt Warum ist das so wichtig? Lediglich Weil Kaiserlotter der erste.  Die Schenkung unterschrieben unterzeichnet hat [1]. 

Die gotische Pfarrkirche St. Lambertus ist ein einschiffig aus Bruchstein erbaut und stammt aus dem 16. Jahrhundert, wobei eine Kirche bereits im 14. Jahrhundert in einem Register des Bistums Köln belegt ist. Der romanische Westturm ist allerdings deutlich älter, wahrscheinlich stammt er aus dem 11.-12. Jahrhundert [2]. Ende des 18. Jahrhunderts erfolgten umfangreiche  Umbauten und 1821 wurde restauriert. Die neugotischen Hochaltäre (1903) wurden 2011 wieder an ihrem ursprünglichen Standort aufgebaut.


Beim Namenspatron handelt es um Lambert von Lüttich (ca. 635 bis ca. 705); Lüttich liegt etwa 65 km Luftlinie von Manderfeld entfernt. Er „war Bischof von Tongern-Maastricht und Märtyrer.“ [3] Lambert stand im Streit mit der weltlichen Macht. Als der fränkische Hausmeier Ebroin 675 an die Macht gelangte, setzte er Lambert als Bischof ab und verbannte ihn in das Kloster Stablo, der dort bis zu Tode Ebroins im Jahr 682 verblieb. Bischof Lambert verteidigte konsequent die Immunitätsrechte der Kirche gegenüber der Staatsgewalt, so daß es mich beim Lesen gewundert hat, daß man ihn „erst“ etwa 705 erschlagen hat.



Kreuzwege finde sich innerhalb und außerhalb der Kirche. Die Empore stammt aus dem Jahr 1781. Die Fenster sind neueren Datums – allerdings fand ich keine näheren Informationen dazu. Schade, daß sich nicht wie im Rheinland eine Forschungsstelle dazu berufen fühlt bzw. finanziert wird, denn ich könnte mir vorstellen, daß dies bei bereitstellung entsprechender Mittel geschehen würde.

Wenn man bei Losheim nach Belgien fährt und auf der N634 bleibt, kommt man unweigerlich durch Manderfeld. Vor der Kirche kann man parken und die St. Lambertus besuchen.


 
 


Links und Anmerkungen:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Manderfeld 
[2] https://ostbelgienkulturerbe.be/desktopdefault.aspx/tabid-3551/?mode=&linkid=31000&catalogid=42&pg=  Man nimmt eine Restaurierung nach 1520 durch Richard von Greiffenclau zu Vollraths (1467-1531), Fürstbischof von Trier, an. Hier findet man auch einen Grundriss und Artikel, die allerdings nicht alle lesbar sind.
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Lambert_von_L%C3%BCttich 

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Wednesday, September 17, 2025

Kapelle und Pfarrkirche St. Eligius in Krewinkel (Eifel / Ostbelgien)

 


„Und übrig wird nur bleiben,
was wir bereit sind zu erhalten.“

Vor einigen Tagen bin ich in Ostbelgien unterwegs gewesen und mit Ostbelgien meine ich wirklich den äußersten Osten von Belgien. Dort, wo die Deutsche Gemeinschaft lebt. Und da kam ich nach Krewinkel. Krewinkel hat nichts mit Krähwinkel zu tun. Es ist ein kleiner Ort. Übrigens in der Größe vergleichbar mit Diefenbach, das ist der Ort, in dem ich lebe. Was hat mich dahin gebracht? Ein Hinweisschild, auf dem Kapelle stand. Und Kapellen sind in der Regel interessant.

Das Denkmalsverzeichnis des Kulturerbes von Ostbelgien beschreibt die Kapelle als: „Eine der schönsten Kapellen der Eifel liegt im alten Kern des kleinen Ortes und stammt spätestens aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.“ [1] Darauf werde ich zurückkommen. 

Für Krewinkel fand sich eine erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1397, aber wahrscheinlich ist der Ort bereits seit der Römerzeit besiedelt. Vielleicht können als Hinweis darauf römische Artefakte und das Toponym Römerberg dienen. Krewinkel gehört zu Büllingen und hat 84 Einwohner [2]. Neben der Kapelle gibt es noch eine Kirche, die schräg gegenüber liegt, beide haben als Schutzpatron St. Eligius. 

Für Geschichte und Architektur der Kapelle gibt es ausführlichere Quellen im Internet, als ich erwartet hatte, denn auf Wikipedia war nichts zu finden und dann findet man in der Regel auch sonst wenig, aber hierzu finden sich beim Pfarrverband von Büllingen schon einige Informationen [3].
Die aufwändige Restaurierung der Kapelle dauerte zehn Jahre (1992-2002). Dabei fanden sich im Chorraum guterhaltene Fresken. Man datiert sie auf 1480-1530 und von ihnen wird noch die Rede sein. Der Chor war früher ein eigenständiges Bethaus.
Die Kapelle wurde zweijochig mit Satteldach im gotischen Stil erbaut und besaß über die religiöse auch eine wehrhafte Funktion, die man an Schießscharten erkennen kann. Der Turm wird als deutliche älter eingeschätzt.
Es gab eine Glocke aus dem Jahr 1548, die zweimal umgegossen wurde und im 2. Weltkrieg verschwunden ist. Aktuell gibt es zwei Glocken, nämlich von 1899 und 1953, von denen mich die zweite wegen der Aufschrift: "HL. ELIGIUS UND HI. GERTRUDIS BITTET FÜR UNS" besonders interessiert hat. 



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„Heute wird die Kapelle als Kultur- und Begegnungsstätte genutzt. Die Kapelle steht seit dem 9. März 1979 unter Denkmalschutz.“ Dem ist allerlei vorausgegangen und daß die Kapelle noch so steht, wie zu alten Zeiten, ist mancher glücklichen Fügung geschuldet.
Kann man die Kapelle besuchen? Man kann. Man sucht das Haus von ... ach, das werden Sie schon herausfinden. Und da nimmt man den Schlüssel entgegen, geht zur Kapelle zurück und kann sie besichtigen. Und das sollte man auch dringend tun, denn es gibt etwas zu entdecken und sie wäre zweimal fast verschwunden.
„Ende der 1950er Jahre plante Pastor Stoffels einen Anbau an die Kapelle. Diese Pläne wurden aber verworfen und so kam es 1961 unter Pfarrer Joppen zu einem Neubau was aus kunsthistorischer Sicht eine glückliche Entscheidung war, die den Erhalt des gotischen Bauwerks sicherte“.
Anfang der 1960er Jahre sollte die alte Kapelle an ein Freilichtmuseum in der belgischen Provinz Luxemburg verkauft werden. Der Kunsthistorikers Dr. Heinrich Neu setzte sich vehement für den Erhalt des Gebäudes ein und dadurch konnte die Waage in Richtung Erhalt am Ort bewegt werden [4].  
Aber Probleme für die Kapelle bleiben bestehen, denn vor einem guten Jahr wurde die Dringlichkeit des Erhalts der Fresken und darüber hinaus natürlich des gesamten Bauwerkes öffentlich diskutiert. Durch Feuchtigkeit bilden sich hinter den Fresken Hohlräume, die eine Gefahr für sie darstellen. Bei den Fresken handelt es sich um ein 500 Jahre altes Kulturgut. Seit sechs Jahren wartet Ministerin Weykmans auf Maßnahmen zum Erhalt. Bei einem Ortstermin 2024 erläuterte der Bürgermeister von Büllingen, der Gemeinderat habe keine Priorität gesehen. Also ich meine, man müsse dringend handeln, aber wer bin denn ich? Bitte lesen sie den Bericht von Gudrun Hunold [5] dazu. 
An den Wänden sind einige interessante Informationstafeln angebracht, aber betrachten Sie die Fresken vorher! Irgendwann wird der Denkmalschutz den Besuch beschränken oder es wird aufwändig über Jahre saniert und niemand darf die Baustelle betreten.
Von den Informationstafeln hatte mich die über die Restaurierung am meisten interessiert. Man hatte z.B. über ein „fotogrammetrisches Verfahren“ [6] ein statisches Problem des Turmes entdeckt und das konnte behoben werden. Unterhalb der Fundamente konnten während der Trockenlegung menschliche Skelettteile inklusive Schädel geborgen werden. Und man weist auf die Fresken hin, die ausschlaggebend für die Restaurierung waren.



Die Kulturkapelle Krewinkel hat 61 Follower  auf Facebook, aber der letzte Eintrag liegt über ein Jahr zurück [7]. 
Eine Kapelle und eine große Kirche für 84 Einwohner? Natürlich nicht, denn zur Parochie Krewinkel gehören auch die Dörfer Afst, Allmuthen und Kehr. Nach dem zweiten Weltkrieg wuchs die Bevölkerung so schnell, daß man Anfang der 1960iger Jahre eine neue, größere Kirche benötigte, die schräg gegenüber der Kapelle entstanden ist. Die Finanzierung erfolgte durch Spenden der Bevölkerung, also ohne öffentliche Gelder [3].  
Die neue Kirche wurde 1964 geweiht. Die Buntglasfenster stammen aus dem Atelier Frans Griesenbrock [8] und gefallen mir besser als das Richter-Fenster im Kölner Dom. Mir gefallen also auch abstrakte Kirchenfenster, nebenbei bemerkt. Die Pieta ist eine Kopie der Pieta der Kathedrale zu Trier und wurde in Königswinter gefertigt. 




Kommen wir zum Schutzpatron St. Eligius. Kennen Sie den? Ich bislang nicht, obwohl ich in den letzten Jahren so manch einem Heiligen auf meinen Recherchen begegnet bin. Aber Wahl dieses Schutzheiligen ist für Krewinkel nachvollziehbar. Schauen wir genauer.
Eligius von Noyon (um 589 bis 1. Dezember 659 [oder doch 660?]), war Bischof von Noyon und wurde später vom Volk als heilig verehrt [9]. Eligius war zunächst Goldschmied und wurde dem Schatzmeister des Merowingerkönigs Chlothar II. in Paris empfohlen. 
Erlauben Sie hier eine kleine Abschweifung, denn Chlothar ist eine Form einer meiner Vornamen. Unter den Merowingern [10] war dies ein verbreiteter Herrschername. Er kommt aus „den beiden althochdeutschen Wörtern hlut 'laut, Lärm' und heri 'das Heer, der Krieger'“ [11].
Eligius soll davor ein ausgezeichneter Hufschmied gewesen sein. Wir sind bereits mitten in der Legende um Eligius. Vorsicht, es wird blutig! Nachdem Eligius ein Pferd beschlagen hatte, wurde er von einem Fremden gelobt, aber dieser schlug ihm eine anderen Methode vor, bei deri dem Pferd das Bein abgeschnitten, das Hufeisen aufgesetzt und dann das Bein wieder angebracht wurde. Dies führte der Fremde vor, aber Eligius konnte es ihm nicht nachtun. Da merkte er, daß Gott ihm eine Lehre in Demut erteilt hatte. (Tja!)
Noyon liegt etwa 250 km Luftlinie von Noyon entfernt, aber es gibt einige Kirchen in Belgien (im flämischen und deutschen Sprachgebiet), die ihn als Schutzpatron gewählt haben. In Deutschland fand ich Kirchen in Saarbrücken und Völklingen unter seinem Patronat.

Und St. Gertrudis? Sie tauchte für mich nur auf der Glocke auf. Gertrud von Nivelles (626-659) war Äbtissin des Augustinerinnen-Klosters Nivelles und das liegt in Belgien. „Die Legende erzählt, dass Schiffsreisende, die mitten auf dem Meer von einem Meeresungeheuer bedroht wurden, die hl. Gertrud im Gebet um Hilfe angefleht hätten. Daraufhin sei das Ungeheuer verschwunden.“ [12] 

Denken Sie daran, dies ist ein Geheimtipp -: „Laßt uns auf die Reise gehn“ [13] und Kapelle, Kirche und Krewinkel besuchen!



Links und Anmerkungen:
[1] https://ostbelgienkulturerbe.be/desktopdefault.aspx/tabid-3557/?mode=&linkid=30999&catalogid=42&pg= 
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Krewinkel_(B%C3%BCllingen) 
[3] https://sites.google.com/view/pfarrverbandbullingen/unsere-pfarren/krewinkel 
[4] https://www.zvs.be/shop/produkt/produkt/zf15-die-st-eligius-kapelle-und-der-roemerberg-in-krewinkel-preis-fuer-zvs-mitglieder/ 
[5] Gudrun Hunold: Kulturerbe in Gefahr? Die gotischen Wandmalereien der Kapelle in Krewinkel https://brf.be/regional/1838510/ 
[6] Dazu wußte ich spontan überhaupt nichts! Die Photogrammetrie gehört zu Vermessungstechnik. Man kann am Computer 3D-Modelle erstellen. Und wer mehr wissen will, inklusive mathematische Formeln: https://de.wikipedia.org/wiki/Photogrammetrie 
[7] https://www.facebook.com/KulturkapelleKrewinkel/ 
[8] Frans Griesenbrock (1916-2010) war ein deutscher und in den Niederlanden lebender Bildender Künstler für Christliche Kunst. Wikipedia führt aus seinem Werk eine Auswahl, die allerdings St. Eligius in Krewinkel nicht enthält.
https://de.wikipedia.org/wiki/Frans_Griesenbrock  
Die Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e.v. hat weniger Werke, denn dort sind nur die untersuchten Stätten aufgeführt:
https://www.glasmalerei-ev-web.de/pages/k9111.shtml 
[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Eligius_von_Noyon  
https://www.heiligenlexikon.de/BiographienE/Eligius.htm 
[10] Nein, ich werde nicht zu Heimito von Doderer abschweifen und schon gar nicht zum Merowinger in „Matrix Reloaded“ von 2003.
[11] https://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_(Vorname) 
[12] https://de.wikipedia.org/wiki/Gertrud_von_Nivelles 
[13] „Laßt uns auf die Reise gehen / andres Land zu suhuchen“, aus:
„Laßt uns auf die Reise gehn“ ein Lied von „Witthüser & Westrupp“ aus dem Jahr 1971.

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Sunday, September 14, 2025

Die Marienkapelle „Auf Kahlert“ in der Eifel

 


Kürzlich war ich in der belgischen Eifel [1] unterwegs und habe unter anderem eine kleine Marienkapelle entdeckt. Irgendwie ist der Begriff „belgische Eifel“ nicht so bekannt – und das ist auch gut so, Geheimtipps sind immer gut, besonders, wenn sie es bleiben. Gerade dachte ich an „In the Dutch Mountains“ [2], völlig abwegig, ich weiß! Die Marienkapelle wird natürlich kaum irgendwo erwähnt, aber man kann sie auf Google Maps entdecken. Wikipedia zum Beispiel kennt sie nicht. Wie bin ich da hingekommen? Ich habe mich bei der Rückfahrt von St. Vith dem Navi anvertraut und das geht bisweilen schief. Die Marienkapelle, die ich meine, liegt etwa 600 m von Eibertingen und etwa 1,2 km von Amel entfernt.  Ich kann hier auch noch die genauen Koordinaten durchgeben, wie ich sie auf Google Maps gefunden habe [3]. Ich entdeckte nach Eibertingen, daß ich völlig falsch war und das Navi mich auf einen Rundkurs geschickt hatte, den ich dann allerdings auch gefahren bin, einfach um zu sehen, was es da zu entdecken gibt. Das war schon interessant, denn ich stieß zum Beispiel auf Menschen, die sich gar nicht vorstellen konnten, daß auf der schmalen Straße jemand anderes als ein Anwohner fuhr [4]. Und dabei kam ich eben auch bei der Marienkapelle vorbei. 


Die Kapelle feierte kürzlich ihr 40jähriges Bestehen und zwar am 8. Juni 2025.  Innen bzw. unter der großzügigen Überdachung kann man eine Statue der Jungfrau Maria sehen. Einige Votiv-Tafeln mit z.B. „Zum Dank“ sind dort angebracht worden. Es werden häufig Kerzenopfer dargebracht. Der Rosenkranz wird gebetet. Teil eines Mariengebets liegt laminiert aus:
"Jungfrau, Mutter Gottes mein, 
lass mich ganz dein Eigen sein.
Dein im Leben, dein im Tod, 
dein in Unglück, Angst und Not.
Dein in Kreuz und bittrem Leid, 
dein für Zeit und Ewigkeit.
Amen"

Und nun Sie! Auf dem Weg von oder nach St. Vith kann man dort vorbeischauen. Der Ort ist nahe genug an der Nationalstraße No. 76 und weit genug weg, um kontemplativ zu sein.




Links und Anmerkungen:
[1] Wikipedia sagt es so: 
"Als belgische Eifel wird im deutschsprachigen Teil Belgiens zumeist der südliche Teil der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG) bezeichnet, der den Kanton Sankt Vith bildet."
https://de.wikipedia.org/wiki/Belgische_Eifel 
[2] Ich hatte das Lied der Amsterdamer Pop-Gruppe Nits früher einmal gehört:, es stammt aus dem Jahr 1987. 1984 hatte Cees Nooteboom „In Nederland“ veröffentlich, das auf englisch unter „In the Dutch Mountains“ und in Deutsch unter „In den niederländischen Bergen“ veröffentlicht worden ist. 
https://de.wikipedia.org/wiki/Cees_Nooteboom 
[3] N50.364584210809696, E6.164558007731695 (kann man bequem auf Google eingeben)
[4] Stellen Sie sich das nicht so abenteuerlich vor, als würden Sie North Sentinel Island betreten, was Sie übrigens nicht dürfen!
https://en.wikipedia.org/wiki/North_Sentinel_Island 


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Wednesday, May 7, 2025

Die Pfarrkirche St. Josef in Hünningen

 


Hünningen ist eine Ortschaft in Ostbelgien und gehört zur Deutschsprachigen Gemeinschaft, gleichzeitig ist sie Ortsteil von St. Vith. Man nimmt an, daß der Ort um 1250 als Herberge vor der Stadt St. Vith gegründet worden ist. Heute gibt es dort etwa 200 Einwohner. Die Ardennenoffensive zwischen Dezember 1944 und Januar 1945 hat auch in diesem Ort schwere Schäden hinterlassen [1].




Die Kirche St. Josef von Hünningen wurde im Jahr 1924 erbaut und 1929 geweiht [2]. Der Architekt Henri Cunibert aus Malmedy hat für die Kirche den neu-gotischen Stil gewählt. Camille Wybo [3] aus Tournai gestaltete die Fenster, von denen nur Fragmente die Ardennenoffensive überstanden haben. Das Fenster des Petrus mit Schlüssel konnte restauriert werden und hat einen Ehrenplatz auf dem Altar gefunden. Über Camille Wybo ist nicht viel im Internet zu erfahren. Er wurde 1878 in Veurne geboren und war der jüngere Bruder von Arthur Wybo, mit dem er zusammen das Glasmalereiatelier von Jules Capronnier in Scharbeek übernommen hatte. Die anderen Fenster sind neu, teilweise in altem Stil gehalten, so daß diese im Chorraum zu Stil des Gotteshauses passen. Neben dem hl. Josef ist der hl. Nikolaus zweiter Schutzpatron der Kirche.

Die Orgel ist im Organindex gelistet [4]. Sie wurde 1951 vom Luxemburger Orgelbau Georges Haupt erbaut. Sie besitzt 12 Register, zwei Manuale und Pedal.





St. Josef ist die bekannte Randfigur in den Evangelien, Ziehvater oder Stiefvater von Jesus Christus, Zimmermann. Über Josef gehört Jesus rechtlich in die Ahnenreihe Abraham und David. Mit Zimmermann verbinden wir weniger als Josef war – ich meine, daß er mit Bauunternehmer besser beschrieben wäre. In der Ostkirche wurde er früh als Heiliger verehrt, die Westkirche schloss sich ca. 850 an [5] und „1870 wurde der heilige Josef von Papst Pius IX. zum Patron der ganzen Kirche proklamiert.“ Josef spielt zu Beginn der Evangelien eine Rolle, denken wir dann auch an die Flucht nach Ägypten. Später wird er nicht mehr erwähnt, so daß man daraus schließen kann, daß er noch vor dem öffentlichen Wirken von Jesus Christus verstorben ist. In den Evangelien ist vom himmlischen Vater die Rede [5], aber im Garten Gethsemane ruft Jesus: „Abba ..!“ [6]



Über Nikolaus von Myra habe ich vor einem halben Jahr ausführlicher geschrieben [7], deshalb hier nur Auszüge. Nikolaus war Bischof von Myra in der kleinasiatischen Region Lykien. Erstaunlich unscharf aber sind seine Lebensdaten.  Zu den Wundern, die ihm zugeschrieben werden, zählt das Quellenwunder: am Kopfende des Sarkophags entsprang eine Quelle mit Salböl und am Fußende eine mit Wasser. Das Beschenken am 6. Dezember geht auf drei Jungfrauen zurück, die von ihrem verarmten Vater in die Prostitution verkauft werden sollen, aber durch drei Beutel Geld vom Nikolaus davor bewahrt werden; weniger drastisch hier geschildert [8]. Übrigens war der Mantel vom heiligen Nikolaus schon immer rot und nicht erst seit Coca-Cola.

Wenn man von oder nach St. Vith über Losheimergraben kommt, sollte man sich sich St. Josef in Hünningen und den dortigen Kulturpfad nicht entgehen lassen.


Links und Anmerkungen:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%BCnningen_(Sankt_Vith)
[2] Meine Informationen stammen aus einem Artikel von Simonne Doepgen [2a] anläßlich des 100jährigen Bestehens der Kirche und aus einem Artikel von  Lothar Klinges aus dem Jahr 2009 [2b] anläßlich einer Innenrenovierung.
[2a] https://brf.be/regional/1892664/  
[2b] https://sites.google.com/view/pfarrverbandbullingen/unsere-pfarren/h%C3%BCnningen
[3] Camille Wybo (1878-1937) https://belforten.com/2019/12/14/camille-wybo/  
[4] https://organindex.de/index.php?title=B%C3%BCllingen/H%C3%BCnningen,_St._Josef
[5] Mehrfach bei Matthäus und Lukas, nicht jedoch sonst bei Markus und Johannes.
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_von_Nazaret  
[7] https://rheumatologe.blogspot.com/2024/12/die-kirche-st-nikolaus-in-hausen.html
[8] https://nikolaus-von-myra.de/de/legenden/legendenausdemgriechischen/jungfrauenwunder.html


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Friday, December 13, 2024

Die Pfarrkirche St. Vitus in St. Vith (Ostbelgien)

 


Über die Pfarrkirche St. Vitus in St. Vith (französisch Saint-Vith) will ich eigentlich schon eine ganze Weile schreiben. Wenn also St. Vith Bischofsitz wäre, täte man sich überhaupt nicht schwer, diese Kirche eine Kathedrale zu nennen, denn sie ist riesig. St Vith liegt im Osten von Belgien in der Deutschsprachigen Gemeinschaft und gehört zur Provinz Lüttich. Die Gemeinde hat etwa 10.000 Einwohner [1].

Die Ursprünge von Sankt Vith liegen im Dunkeln. Wahrscheinlich ist St. Vith im neunten Jahrhundert gegründet worden. Die Reliquien des hl. Vitus (französischen Saint Guy) wurden von St. Denis in Paris nach Corvey bei Höxter überführt. Ach! Das war mir entgangen, als ich mich Anfang des Jahres mit Corvey beschäftigt habe, nachdem ich das Westwerk aus dem neunten Jahrhundert besucht hatte [2]. Die Pilgergruppe mit den Reliquien machte wahrscheinlich eine längere Rast in oder bei dem Ort, der heute St. Vith ist. Nicht nur die Deutschen richteten im 2. Weltkrieg Schaden an, nachdem St. Vith von deutschen Truppen zurück erobert worden waren, legten alliierte Bomberverbände St. Vith im Rahmen der Ardennenoffensive in Schutt und Asche; lediglich neun Gebäude blieben damals unversehrt. Die Schlacht um St. Vith hatte jedoch die Ardennenoffensive entscheidend beeinflußt.


Bestimmt stand bereits 1130 eine größere Kirche in St. Vith, allerdings ist dies urkundlich nicht belegt. Die Kirche, die bis 1944 dort stand, wurde im Krieg zerstört; sie war bereits imposant, denn es existieren Gemälde und Fotos bis 1940, die in einem Schaukasten in der Kirche zu sehen sind. Die aktuelle Kirche wurde von 1954 bis 1959 erbaut und auch 1959 konsekriert. Man mag anmerken, daß dies doch recht lange nach dem Krieg war, aber für St. Vith müssen andere Maßstäbe gelten, denn für den fast völlig zerstörten Ort selbst zog sich der Wiederaufbau bis in die 1960er Jahre hin. Man hat einige Gegenstände aus der alten Kirche retten können, aber es mußte viel ersetzt werden. Den Architekturstil der Kirche nennt man Neo-Romantik [3]. Der aufstrebende Stil wird als Symbol für eine Auferstehungskirche und die sieben Nischen der Apsis als eines für die sieben Sakramente gesehen. Die imposante Statue im Chor deutet man als auferstandenen Christus. Das sehe ich anders. Es handelt sich um ein sakrales Kunstwerk von Zygmunt Dobrzycki [4]. Es zeigt den gekreuzigten, aber ohne das Kreuz. Ehrlich gesagt: es mißfällt mir. Es sei einmal dahingestellt, daß ich generell das bloße Kreuz lieber sehe. Mein erster Schrecken war: King Kong. Ich kann man mir den ausgemergelten, gerade dahingeschiedenen Christus am Kreutz vorstellen, aber dieser hier ähnelt mehr einem Bodybuilder. Die Kirche bietet noch weitere Kreuze, wie man im Übersichtsbild sehen kann. Die weiteren Skulpturen von Zygmunt Dobrzycki haben mir durchaus zugesagt, immerhin soll auch die sakrale Kunst mit der Zeit gehen. Insgesamt hat mir die Kirche gefallen, wobei ich mich aber fragte, ob sie für die heutige Zeit nicht überdimensioniert ist.


Über die Fenster kann ich wenig berichten. Sie sind selbstverständlich neu, aber nicht im Internet erfaßt [5]. Wenn man sich auf eine längere Betrachtung einläßt, kann man ihnen etwas Meditatives abgewinnen, jedenfalls deutlich mehr als vom Richter-Fenster im Kölner Dom.


Für die Orgel sieht es besser aus. Das Instrument wurde 1970 von Stefan Schumacher gebaut und umfaßt „39 Register auf drei Manualen und Pedal und ist somit die größte Orgel in der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens [6]. Schade, daß nicht ein Organist übte.


Und dann waren da noch Dankestafeln, so wie man sie manchmal in römisch-katholischen Kirchen sieht.

Kommen wir zum Patron der Kirche, dem hl. Vitus oder Veit [7], den man vielleicht vom Veitstanz her kennt, denn die Chorea Huntington wurde so nach dem Heiligen benannt, den man bei der Chorea H. oder der Epilepsie anrief. Obwohl Vitus den Sohn von Kaiser Diokletian geheilt hatte, wollte er nicht den heidnischen Göttern dienen und wurde den Löwen vorgeworfen. Die allerdings leckten ihm die Füße, anstatt ihn zu fressen. Daraufhin wurde er in siedendes Öl geworden, aber von Engeln gerettet. Einen Augenblick! Vitus wurde zwar gefoltet, aber er starb nicht daran, sondern er wurde gerettet. Als Märtyrer müßte er doch qualvoll gestorben sein, was mich gerade an den Film Momentum aus dem Jahr 2015 erinnert [8]. Hat aber anscheinend niemanden bis auf mich jetzt gestört, und Hand aufs Herz es stört mich nicht wirklich.

Ein Besuch in St. Vith lohnt sich, denn im Ort stehen überall Tafeln zur Geschichte und man kann den Zustand vor dem Krieg mit dem heutigen Bild vergleichen. St. Vitus ist ein Schmuckstück, auch wenn die Kirche noch nicht einmal 70 Jahre alt ist.



Links und Anmerkungen:
[1] Gemeinde St. Vith https://de.wikipedia.org/wiki/Sankt_Vith
[2] Erlebnis Deutschland – Das Westwerk von Corvey
https://rheumatologe.blogspot.com/2024/02/erlebnis-deutschland-das-westwerk-von.html
[3] Pfarrkirche St. Vitus https://www.outdooractive.com/de/poi/ostbelgien/st.-vitus-pfarrkirche/15845746/ https://www.ostbelgien.eu/de/fiche/virtualtour/st-vitus-pfarrkirche  
https://www.routeyou.com/de-be/location/view/47567982  
[4] Zygmunt Dobrzycki (1896-1970) https://pl.wikipedia.org/wiki/Zygmunt_Dobrzycki
[5] Ich hatte mich mit Frau Dr. phil. Dipl.-Ing. Annette Jansen-Winkeln
(Europäische Akademie für Glasmalerei – Stiftung / Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e.V.) in Verbindung gesetzt. Sie stimmte mir zu, daß auch Ostbelgien ein Gebiet mit sehr interessanten Kirchen und Glasmalereien sei. Die Forschungsstelle hatte ein vor vielen Jahren ein Euregio-Projekt dazu angestoßen, das dann aber nicht realisiert werden konnte, da schließlich die EU-Zuschüsse in das Euregio-Gebäude von Eupen geflossen sind.
[6] https://www.orgel-schumacher.com/de/projekte/neubau/sankt-vith-sankt-veit und https://www.orgelsite.nl/sankt-vith-vituskirche/  
Bild des Spieltischs bei http://www.rudyoestges.eu/
[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Veit_(Heiliger)
[8] „Momentum ist ein südafrikanisch-US-amerikanischer Action-Thriller aus dem Jahr 2015 unter der Regie von Stephen S. Campanelli mit Olga Kurylenko, Morgan Freeman und James Purefoy.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Momentum_(2015)
In dem Film wird die Frage gestellt: „Do you know what you have to be, to be a martyr, Doug?“ Und beantwortet: „Dead!“ https://www.imdb.com/title/tt3181776/quotes/?item=qt6425194

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Monday, May 22, 2023

Der Büchelturm in St. Vith

 


St. Vith liegt im Osten Belgiens und gehört zur Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG). Die Stadt zählt etwa 10.000 Einwohner. Im Alltag wird Deutsch gesprochen und die meisten Geschäfte sind primär deutschsprachig ausgelegt und so wird auch im Grenzecho oder dem WochenSpiegel inseriert. St. Vith hat unter der deutschen Ardennenoffensive gelitten wie auch unter dem alliierten Bombarbement, schließlich waren 90% der Gebäude zerstört [1]. Wikipedia: „An den beiden Weihnachtstagen 1944 starben 153 Einwohner und über 1000 Soldaten, fast 600 Gebäude […] wurden zerstört oder schwer beschädigt. Neun Gebäude blieben unversehrt.“

Den Büchelturm hatte ich bereits vor meinem Besuch in St. Vith in einer Schrift des Eifelvereins gesehen [2], aus dem auch das Bild von Dr. Spoo stammt. Der Büchelturm [3] ist Wahrzeichen der Stadt St. Vith und letzter Rest der alten Stadtmauer. Er ist aus Bruchstein und wurde 1961 wiederhergestellt, wie auch die Gedenktafel über dem Eingang steht:
BÜCHELTVRM BIN ICH GENANNT · UM 1350 GEBAVT, DIE SCHLEIFVNG 1689 ICH ÜBERSTAND · 1944 DVRCH BOMBEN BESCHÄDIGT + 1961 WIEDERHERGESTELLT.
Man hat sich einer historisierenden Schreibweise bedient, bei der die Us durch Vs ersetzt wurden. Die beiden Üs wurden durch V mit Umlaut-Pünktchen ersetzt, aber das gibt der Zeichensatz des PCs nicht her.


Blick vom Büchelturm -
aus dieser Richtung hat Dr. Spoo den Büchelturm fotografiert



Man kann den Büchelturm besteigen und hat eine schöne Aussicht über die Stadt. Den Schlüssel bekommt im Rathaus bzw. dem Tourismus-Büro am Rathausplatz, die Büchelstraße vom Turm aus gehen, es sind kaum 100m.


Links und Anmerkungen:

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Sankt_Vith   
[2] Dr. Emil Kimpen: Geschichte des Eifelvereins 1888-1938. Zum 50jährigen Bestehen im Auftrag des Vereins verfaßt. Verlag Bonner Universitäts-Buchdruckerei Gebr. Scheur, Bonn 1938. (Ich war gerade etwas überrascht, daß dieses Buch aktuell für 159€ gehandelt wird.)
[3] Zu Dr. Spoo fand ich folgenden Hinweis: „... unseren unvergeßlichen Hauptdietwart [Hauptkulturwart, wobei Kultur im Sinne von Propaganda verstanden wurde] Dr. [Hermann] Spoo, der 1942 an der Ostfront den Heldentod fand ...“. https://bfhf.de/wp-content/uploads/2017/06/Feldpostbrief.pdf   

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Wednesday, May 10, 2023

Die Pfarrkirche Unbefleckte Empfängnis mit dem Zwiebelturm in Medell

 



Als ich aus dem Norden nach St. Vith in Ostbelgien fuhr, sah ich in einer Ortschaft im Osten eine Kirche mit Zwiebelturm. Ich hatte mir vorgenommen, nach meinem Besuch in St. Vith einen Abstecher dorthin zu machen. Leider gibt das Internet nur wenige Informationen zu dieser Kirche preis.

Es handelt sich um die Pfarrkirche Unserer Lieben Frau der Unbefleckten Empfängnis, so steht es immerhin im niederländischen Artikel auf Wikipedia [1]. Sie ersetzte eine ältere Kapelle [?] und wurde mit neo-romanischen Elementen in der Architektur aus Natursteinblöcken errichtet. Der Architekt Henri Cunibert [2] stammt aus Malmedy und ist bekannt für seine Sakralbauten, die er für den Bereich der deutschsprachigen Gemeinschaft in Ostbelgien entworfen hat. Hervorstechend ist der Zwiebelturm. Die Tourismusagentur Ostbelgien sagt zu Henri Cunibert: „Dieser ist bekannt für seine Kirchbauten mit ausgefallenen Türmen.“ [3] Das wäre ein Grund, sich die von ihm entworfenen Kirchen näher anzuschauen.



Die Kirche ist gemessen am Ort sehr groß. Der Hochaltar ist aus Holz gearbeitet und man kann lesen: „Ich bin der Weg die Wahrheit und das Leben“ sowie „Seht das Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt.“ [4]

Leider findet sich keine Aufstellung der Fenster, da die Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e.V. ihr Vorhaben in Ostbelgien nicht durchführen konnte [5]. Einige Arbeiten konnte ich dem Brüsseler Glasmaler Frans David Ferdinand Crickx (1893-1979) zuordnen. Über sein Atelier und seine Wohnung kann man sich informieren [6]. Insgesamt sind die Fenster sehenswert. besonders die Rosette.

Ich wünsche viel Erfolg beim Erhalt dieser Kirche.





Links und Anmerkungen:
[1] „De Onze-Lieve-Vrouw-Onbevlekt-Ontvangenkerk is de parochiekerk van de tot de Luikse gemeente Amel behorende plaats Medell.“ https://nl.wikipedia.org/wiki/Onze-Lieve-Vrouw-Onbevlekt-Ontvangenkerk_(Medell)  
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Henri_Cunibert  
[3] https://www.ostbelgien.eu/de/fiche/virtualtour/medell
[4] Joh 14,6a sowie Joh 1,29b
[5] Freundlicherweise teilte mir Frau Dr. phil. Dipl.-Ing. Annette Jansen-Winkeln mit, daß man in Belgien das selbst durchführen wollte, aber dann sind die Mittel woandershin geflossen.
[6] https://monument.heritage.brussels/nl/buildings/24823  


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Wednesday, April 13, 2022

Die Narzissen an der Holzwarche

 


Narzissen kann man von Ende März bis Anfang Mai anschauen, also bleibtimmer noch genügend Zeit. Aber jetzt schien mir die Zeit am günstigsten zu sein. Einer meiner Brüder und meine Schwägerin rieten mir, anstatt der überlaufenen Orte im Perlenbach-, Ofel- oder Fuhrtsbachtal [1] doch einmal über die Grenze in die Gegend von Mürringen zu fahren, denn an der Holzwarche seien weniger Leute unterwegs. Und so war es dann auch. Ich sah überhaupt nur einen PKW aus Deutschland, die restlichen stammten alle aus Belgien.


Die Holzwarche entspringt am Losheimergraben und mündet nach 8 km in den Stausee von Bütgenbach. Der relativ naturnahen Zustand macht den Reiz dieses Gewässers aus und deshalb gedeihen dort auch die Narzissen. Die Holzwarche ist ein Nebenbach der Warche. Der Name Warche ist keltischen Ursprungs. Interessanterweise ließ sich über die Quelle und die Bedeutung des Wortes Warche nicht mehr in Erfahrung bringen. Oft sind es doch Toponyme, die uns auf die Vergangenheit verweisen.



Man fährt von Rocherath-Krinkelt auf dem Mürringer Weg (es ist ausgeschildert) in Richtung Mürringen (etwa nach SO) und kann bei der Enkelberger Mühle parken. Es gibt verschiedene ausgeschilderte Routen. Wenn man die Holzwarche an der Brücke zwischen  Auf Leuterst und  Dickesknipp überquert, kommt man durch Felder und Wälder wieder zurück zur Enkelberger Mühle. Ich habe unterwegs ein Wegekreuz entdeckt, das an das „sagenhafte Ledescht“ erinnert. Er gibt von Mürringen aus eine Straße, die Nach Ledescht heißt. Gab es vielleicht in Dreieck zwischen Auf Leuterst, Dickesknipp und Alteroth einen Ort, der Ledescht hießt? Das Internet gab diese Information nicht preis [2].



Das ist wieder so ein Geheimtipp, über den ich mich ärgern werde, wenn in einigen Jahren hunderte von Wanderern die Gegen unsicher machen werden [3].


Links und Anmerkungen:
[1] Über mögliche Massen an Besuchern hatte ich im letzten Jahr bereits geschrieben: https://rheumatologe.blogspot.com/2021/04/perlenbachtal-revisited.html. Die genannten Täler im deutschen Teil der Eifel wären, anders als 2020, auch wieder zugänglich: https://rheumatologe.blogspot.com/2020/04/narzissen-im-perlenbachtal.html
[2] Vielleicht steht hier etwas darüber: Bernd Schroeter et al.: Mürringen: Zwischen Ledescht und Tiefenbach. Im Eigenverlag der Autoren, Büllingen 2004. Auch in der lesenswerten Laudatio von K. Düwell findet sich kein Hinweis. https://pdg.be/PortalData/4/Resources/downloads/reden/2006_03_17Duewell.pdf
[3] So aus der Luft gegriffen ist das nicht: „Rund 80 Autos standen dort und versperrten die Straße „nach Ledescht.“ Auch ein Foodtruck war aufgestellt.“  https://brf.be/regional/1475843/


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Der Weiße Stein zwischen Ostbelgien und Nordrhein-Westfalen

 


Ich habe wieder einmal den Weißen Stein bzw. die Umgebung besucht. Vielleicht kennt man den Weißen Stein als Skigebiet (Ski, Langlaufe, Rodeln und  Schneewandern), aber es bietet auch sonst viel Raum zum Wandern im Grenzgebiet. Vorbei sind die Zeiten, da hier geschmuggelt wurde. Und vorbei ist der Winter, auch wenn da noch eine kleine Fläche zu sehen war. Ein Schneemann trotzte noch der Sonne, aber seine Tage waren gezählt.



Der Weiße Stein liegt in der Nähe von Hellenthal und ist ein deutsch-belgischer Grenzberg [1]. Der namengebende Fels Weißer Stein ist etwa 3 m lang. Er liegt übrigens nicht an der höchsten Stelle (690-693 m) sondern auf 660 m Höhe. Linksrheinisch sind 690 m die höchste Erhebung Nordrhein-Westfalen; rechtsrheinisch geht es bis 843 m [2].



Ich war der einzige Besucher, was ich im Grunde genommen schätze, aber andererseits auch Verschwendung ist, denn es befindet sich dort ein Aussichtsturm [3]. 2012 mußte der marode alte Turm abgerissen werden und wurde 2014 durch einen neuen Turm ersetzt, der eine Firsthöhe von 30 Metern aufweist. Bis zur oberen Plattform sind es 147 Stufen. Die Treppenkonstruktion mit den Gitterrosten ist aus verzinktem Stahl, während die Stützen aus Douglasien-Rundholz sind. „Menschen mit Höhenangst sollten den Aussichtsturm nicht betreten!“ Ich kenne das auch vom Kölner Dom, bei der Turmbesteigung ist der letzte Teil auch so eine Gitterrost-Konstruktion. Ich habe dort einmal eine Freundin hochschieben müssen. Das Problem ist nämlich, daß man durch die Gitterroste nach unten schauen kann. Wenn man dann oben ist, hat man eine tolle Aussicht und Informationen zu den Blickrichtungen sind auch vorhanden.

Die Perspektive erinnert mich an M.C. Escher

Es gibt dort genügend Wanderwege, direkt vom Parkplatz ausgehend oder in der Umgebung [4]. Aktuell kann man auch von dort zu den Narzissen.


Links und Anmerkungen:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fer_Stein_(Eifel)
[2] https://www.bezreg-koeln.nrw.de/brk_internet/publikationen/abteilung07/pub_geobasis_nrw.pdf
[3] https://www.hellenthal.de/tourismus/freizeittipps/freizeit-und-wintersportgebiet-weisser-stein/aussichtsturm und Anschlag am Fuß des Turmes
[4] https://www.ich-geh-wandern.de/gps-wanderwege/wei%C3%9Fer-stein-eifel, besonders https://www.ich-geh-wandern.de/narzissenwanderung-vom-wei%C3%9Fen-stein-ins-holzwarchetal-naturpark-hohes-venn-eifel

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