[1] https://radio700.eu/news
[2] Hinweis bei 1]: „Wegen der Wasserentnahme der Hubschrauber sind auch die Zufahrten und Parkplätze zu den Talsperren in Eupen und Jalhay blockiert.“
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Blog von Dr. med. Lothar M. Kirsch / 祁建德 // Poetry / Travels / Languages / Rheumatic Diseases / Tea
Über die Pfarrkirche St. Vitus in St. Vith (französisch Saint-Vith) will ich eigentlich schon eine ganze Weile schreiben. Wenn also St. Vith Bischofsitz wäre, täte man sich überhaupt nicht schwer, diese Kirche eine Kathedrale zu nennen, denn sie ist riesig. St Vith liegt im Osten von Belgien in der Deutschsprachigen Gemeinschaft und gehört zur Provinz Lüttich. Die Gemeinde hat etwa 10.000 Einwohner [1].
Die Ursprünge von Sankt Vith liegen im Dunkeln. Wahrscheinlich ist St. Vith im neunten Jahrhundert gegründet worden. Die Reliquien des hl. Vitus (französischen Saint Guy) wurden von St. Denis in Paris nach Corvey bei Höxter überführt. Ach! Das war mir entgangen, als ich mich Anfang des Jahres mit Corvey beschäftigt habe, nachdem ich das Westwerk aus dem neunten Jahrhundert besucht hatte [2]. Die Pilgergruppe mit den Reliquien machte wahrscheinlich eine längere Rast in oder bei dem Ort, der heute St. Vith ist. Nicht nur die Deutschen richteten im 2. Weltkrieg Schaden an, nachdem St. Vith von deutschen Truppen zurück erobert worden waren, legten alliierte Bomberverbände St. Vith im Rahmen der Ardennenoffensive in Schutt und Asche; lediglich neun Gebäude blieben damals unversehrt. Die Schlacht um St. Vith hatte jedoch die Ardennenoffensive entscheidend beeinflußt.
Bestimmt stand bereits 1130 eine größere Kirche in St. Vith, allerdings ist dies urkundlich nicht belegt. Die Kirche, die bis 1944 dort stand, wurde im Krieg zerstört; sie war bereits imposant, denn es existieren Gemälde und Fotos bis 1940, die in einem Schaukasten in der Kirche zu sehen sind. Die aktuelle Kirche wurde von 1954 bis 1959 erbaut und auch 1959 konsekriert. Man mag anmerken, daß dies doch recht lange nach dem Krieg war, aber für St. Vith müssen andere Maßstäbe gelten, denn für den fast völlig zerstörten Ort selbst zog sich der Wiederaufbau bis in die 1960er Jahre hin. Man hat einige Gegenstände aus der alten Kirche retten können, aber es mußte viel ersetzt werden. Den Architekturstil der Kirche nennt man Neo-Romantik [3]. Der aufstrebende Stil wird als Symbol für eine Auferstehungskirche und die sieben Nischen der Apsis als eines für die sieben Sakramente gesehen. Die imposante Statue im Chor deutet man als auferstandenen Christus. Das sehe ich anders. Es handelt sich um ein sakrales Kunstwerk von Zygmunt Dobrzycki [4]. Es zeigt den gekreuzigten, aber ohne das Kreuz. Ehrlich gesagt: es mißfällt mir. Es sei einmal dahingestellt, daß ich generell das bloße Kreuz lieber sehe. Mein erster Schrecken war: King Kong. Ich kann man mir den ausgemergelten, gerade dahingeschiedenen Christus am Kreutz vorstellen, aber dieser hier ähnelt mehr einem Bodybuilder. Die Kirche bietet noch weitere Kreuze, wie man im Übersichtsbild sehen kann. Die weiteren Skulpturen von Zygmunt Dobrzycki haben mir durchaus zugesagt, immerhin soll auch die sakrale Kunst mit der Zeit gehen. Insgesamt hat mir die Kirche gefallen, wobei ich mich aber fragte, ob sie für die heutige Zeit nicht überdimensioniert ist.
Über die Fenster kann ich wenig berichten. Sie sind selbstverständlich neu, aber nicht im Internet erfaßt [5]. Wenn man sich auf eine längere Betrachtung einläßt, kann man ihnen etwas Meditatives abgewinnen, jedenfalls deutlich mehr als vom Richter-Fenster im Kölner Dom.
Für die Orgel sieht es besser aus. Das Instrument wurde 1970 von Stefan Schumacher gebaut und umfaßt „39 Register auf drei Manualen und Pedal und ist somit die größte Orgel in der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens [6]. Schade, daß nicht ein Organist übte.
Und dann waren da noch Dankestafeln, so wie man sie manchmal in römisch-katholischen Kirchen sieht.
Kommen wir zum Patron der Kirche, dem hl. Vitus oder Veit [7], den man vielleicht vom Veitstanz her kennt, denn die Chorea Huntington wurde so nach dem Heiligen benannt, den man bei der Chorea H. oder der Epilepsie anrief. Obwohl Vitus den Sohn von Kaiser Diokletian geheilt hatte, wollte er nicht den heidnischen Göttern dienen und wurde den Löwen vorgeworfen. Die allerdings leckten ihm die Füße, anstatt ihn zu fressen. Daraufhin wurde er in siedendes Öl geworden, aber von Engeln gerettet. Einen Augenblick! Vitus wurde zwar gefoltet, aber er starb nicht daran, sondern er wurde gerettet. Als Märtyrer müßte er doch qualvoll gestorben sein, was mich gerade an den Film Momentum aus dem Jahr 2015 erinnert [8]. Hat aber anscheinend niemanden bis auf mich jetzt gestört, und Hand aufs Herz es stört mich nicht wirklich.
Ein Besuch in St. Vith lohnt sich, denn im Ort stehen überall Tafeln zur Geschichte und man kann den Zustand vor dem Krieg mit dem heutigen Bild vergleichen. St. Vitus ist ein Schmuckstück, auch wenn die Kirche noch nicht einmal 70 Jahre alt ist.
Links und Anmerkungen:
[1] Gemeinde St. Vith https://de.wikipedia.org/wiki/Sankt_Vith
[2] Erlebnis Deutschland – Das Westwerk von Corvey
https://rheumatologe.blogspot.com/2024/02/erlebnis-deutschland-das-westwerk-von.html
[3] Pfarrkirche St. Vitus https://www.outdooractive.com/de/poi/ostbelgien/st.-vitus-pfarrkirche/15845746/ https://www.ostbelgien.eu/de/fiche/virtualtour/st-vitus-pfarrkirche
https://www.routeyou.com/de-be/location/view/47567982
[4] Zygmunt Dobrzycki (1896-1970) https://pl.wikipedia.org/wiki/Zygmunt_Dobrzycki
[5] Ich hatte mich mit Frau Dr. phil. Dipl.-Ing. Annette Jansen-Winkeln
(Europäische Akademie für Glasmalerei – Stiftung / Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e.V.) in Verbindung gesetzt. Sie stimmte mir zu, daß auch Ostbelgien ein Gebiet mit sehr interessanten Kirchen und Glasmalereien sei. Die Forschungsstelle hatte ein vor vielen Jahren ein Euregio-Projekt dazu angestoßen, das dann aber nicht realisiert werden konnte, da schließlich die EU-Zuschüsse in das Euregio-Gebäude von Eupen geflossen sind.
[6] https://www.orgel-schumacher.com/de/projekte/neubau/sankt-vith-sankt-veit und https://www.orgelsite.nl/sankt-vith-vituskirche/
Bild des Spieltischs bei http://www.rudyoestges.eu/
[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Veit_(Heiliger)
[8] „Momentum ist ein südafrikanisch-US-amerikanischer Action-Thriller aus dem Jahr 2015 unter der Regie von Stephen S. Campanelli mit Olga Kurylenko, Morgan Freeman und James Purefoy.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Momentum_(2015)
In dem Film wird die Frage gestellt: „Do you know what you have to be, to be a martyr, Doug?“ Und beantwortet: „Dead!“ https://www.imdb.com/title/tt3181776/quotes/?item=qt6425194
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Den Büchelturm hatte ich bereits vor meinem Besuch in St. Vith in einer Schrift des Eifelvereins gesehen [2], aus dem auch das Bild von Dr. Spoo stammt. Der Büchelturm [3] ist Wahrzeichen der Stadt St. Vith und letzter Rest der alten Stadtmauer. Er ist aus Bruchstein und wurde 1961 wiederhergestellt, wie auch die Gedenktafel über dem Eingang steht:
BÜCHELTVRM BIN ICH GENANNT · UM 1350 GEBAVT, DIE SCHLEIFVNG 1689 ICH ÜBERSTAND · 1944 DVRCH BOMBEN BESCHÄDIGT + 1961 WIEDERHERGESTELLT.
Man hat sich einer historisierenden Schreibweise bedient, bei der die Us durch Vs ersetzt wurden. Die beiden Üs wurden durch V mit Umlaut-Pünktchen ersetzt, aber das gibt der Zeichensatz des PCs nicht her.
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| Blick vom Büchelturm - aus dieser Richtung hat Dr. Spoo den Büchelturm fotografiert |
Man kann den Büchelturm besteigen und hat eine schöne Aussicht über die Stadt. Den Schlüssel bekommt im Rathaus bzw. dem Tourismus-Büro am Rathausplatz, die Büchelstraße vom Turm aus gehen, es sind kaum 100m.
Links und Anmerkungen:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Sankt_Vith
[2] Dr. Emil Kimpen: Geschichte des Eifelvereins 1888-1938. Zum 50jährigen Bestehen im Auftrag des Vereins verfaßt. Verlag Bonner Universitäts-Buchdruckerei Gebr. Scheur, Bonn 1938. (Ich war gerade etwas überrascht, daß dieses Buch aktuell für 159€ gehandelt wird.)
[3] Zu Dr. Spoo fand ich folgenden Hinweis: „... unseren unvergeßlichen Hauptdietwart [Hauptkulturwart, wobei Kultur im Sinne von Propaganda verstanden wurde] Dr. [Hermann] Spoo, der 1942 an der Ostfront den Heldentod fand ...“. https://bfhf.de/wp-content/uploads/2017/06/Feldpostbrief.pdf
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Die Kirche ist gemessen am Ort sehr groß. Der Hochaltar ist aus Holz gearbeitet und man kann lesen: „Ich bin der Weg die Wahrheit und das Leben“ sowie „Seht das Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt.“ [4]
Leider findet sich keine Aufstellung der Fenster, da die Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e.V. ihr Vorhaben in Ostbelgien nicht durchführen konnte [5]. Einige Arbeiten konnte ich dem Brüsseler Glasmaler Frans David Ferdinand Crickx (1893-1979) zuordnen. Über sein Atelier und seine Wohnung kann man sich informieren [6]. Insgesamt sind die Fenster sehenswert. besonders die Rosette.
Ich wünsche viel Erfolg beim Erhalt dieser Kirche.
Links und Anmerkungen:
[1] „De Onze-Lieve-Vrouw-Onbevlekt-Ontvangenkerk is de parochiekerk van de tot de Luikse gemeente Amel behorende plaats Medell.“ https://nl.wikipedia.org/wiki/Onze-Lieve-Vrouw-Onbevlekt-Ontvangenkerk_(Medell)
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Henri_Cunibert
[3] https://www.ostbelgien.eu/de/fiche/virtualtour/medell
[4] Joh 14,6a sowie Joh 1,29b
[5] Freundlicherweise teilte mir Frau Dr. phil. Dipl.-Ing. Annette Jansen-Winkeln mit, daß man in Belgien das selbst durchführen wollte, aber dann sind die Mittel woandershin geflossen.
[6] https://monument.heritage.brussels/nl/buildings/24823
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Der Weiße Stein liegt in der Nähe von Hellenthal und ist ein deutsch-belgischer Grenzberg [1]. Der namengebende Fels Weißer Stein ist etwa 3 m lang. Er liegt übrigens nicht an der höchsten Stelle (690-693 m) sondern auf 660 m Höhe. Linksrheinisch sind 690 m die höchste Erhebung Nordrhein-Westfalen; rechtsrheinisch geht es bis 843 m [2].
Ich war der einzige Besucher, was ich im Grunde genommen schätze, aber andererseits auch Verschwendung ist, denn es befindet sich dort ein Aussichtsturm [3]. 2012 mußte der marode alte Turm abgerissen werden und wurde 2014 durch einen neuen Turm ersetzt, der eine Firsthöhe von 30 Metern aufweist. Bis zur oberen Plattform sind es 147 Stufen. Die Treppenkonstruktion mit den Gitterrosten ist aus verzinktem Stahl, während die Stützen aus Douglasien-Rundholz sind. „Menschen mit Höhenangst sollten den Aussichtsturm nicht betreten!“ Ich kenne das auch vom Kölner Dom, bei der Turmbesteigung ist der letzte Teil auch so eine Gitterrost-Konstruktion. Ich habe dort einmal eine Freundin hochschieben müssen. Das Problem ist nämlich, daß man durch die Gitterroste nach unten schauen kann. Wenn man dann oben ist, hat man eine tolle Aussicht und Informationen zu den Blickrichtungen sind auch vorhanden.
| Die Perspektive erinnert mich an M.C. Escher |
Links und Anmerkungen:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fer_Stein_(Eifel)
[2] https://www.bezreg-koeln.nrw.de/brk_internet/publikationen/abteilung07/pub_geobasis_nrw.pdf
[3] https://www.hellenthal.de/tourismus/freizeittipps/freizeit-und-wintersportgebiet-weisser-stein/aussichtsturm und Anschlag am Fuß des Turmes
[4] https://www.ich-geh-wandern.de/gps-wanderwege/wei%C3%9Fer-stein-eifel, besonders https://www.ich-geh-wandern.de/narzissenwanderung-vom-wei%C3%9Fen-stein-ins-holzwarchetal-naturpark-hohes-venn-eifel
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