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Saturday, December 21, 2024

Demenz und Risikofaktoren Vers. 1.0

 


Einleitung

Vor einigen Monaten las ich einen interessanten Artikel [1], der auf einen anderen Artikel [2] zurückging, und sich mit Risikofaktoren für Demenz beschäftigte. Bislang hatte ich noch keine Gelegenheit, mich näher mit diesen Artikeln zu beschäftigen. Das möchte ich jetzt nachholen. Zu den bereits bekannten Risikofaktoren 1. bis 12. sind noch 13. und 14. hinzugekommen.

Dies ist eine erste Version und die wird noch zu ergänzen sein. Ich habe in den letzten Jahren eine ganze Menge über diese Problematik gelesen, aber es kann auch sein, daß ich einige Details noch nicht so genau weiß, wie ich es mir wünschte. Ich schreibe hier keine wissenschaftliche Arbeit, so daß ich wie bei einem Computer Programm daran verbessern kann und langsam weiter in die Tiefe gehen möchte, damit sich aus der Kenntnis der Risikofaktoren auch Präventionsmaßnahmen entwickeln lassen.

Links und Anmerkungen / Einleitung:
[1] Fast die Hälfte der Demenz-Fälle wären vermeidbar: 12 plus 2 neue Risikofaktoren – was jeder tun könnte und wo es noch hakt - Medscape - 5. Aug 2024.
[2] Gill Livingston et al.: Dementia prevention, intervention, and care: 2024 report of the Lancet standing Commission. The Lancet, Volume 404, Issue 10452, 572 – 628. https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(24)01296-0/abstract



1. Geringe Bildung

Der erste  der genannten Faktoren ist eine geringe Bildung. Nun ist es erst einmal eher ein politisches Problem, denn es ist wichtig, daß bereits in der Kindheit Bildung erfolgt, je früher, desto besser. Mehr Bildung bedeutet nämlich  auch, andere Risikofaktoren im weiteren Leben zu verbessern. Darüber hinaus muß man sein Leben lang lernen. Wer meint, alles gelernt zu haben, wird es später schwieriger haben, und eher eine Demenz entwickeln. Wenn man die Schule oder Lehre abgeschlossen hat, man studiert und sein Diplom (Abschlußprüfung) bekommen, dann folgen im Berufsleben weitere Lernprozesse. Man beschäftigt sich mit neuen Inhalten, die gar nichts mit dem Beruf selbst zu haben.
Wie war es bei mir? Das weiß ich am besten! Kindergarten, evangelische Volksschule, Konfirmandenunterricht, Sportverein, Studium Sinologie, Ethnologie und Japanologie, Sprachstudium in Taiwan, Studium der Medizin, Praktika in Taiwan, Facharztausbildung, Kongressbesuche, Ausbildung zum Rheumatologen, dann die Zusatzbezeichnung Physikalische Medizin, Radiologie, Transfusionswesen, Hygieneausbildung, Studienkoordination, berufsbegleitendes Studium (Theologia curae), Ausbildung für Leiter der Ethikkommission und Brandschutzübungen. Manche Abschlüsse beinhalten auch, daß man später sie erneuern muss. Für Mediziner gilt, da Wissenschaft im Fluß ist, alle fünf Jahre nachzuweisen, daß man Fortbildungen besucht hat. Insgesamt heißt es aber, daß man niemals mit dem Lernen fertig ist. Und das darf nicht mit der Berentung aufhören!
Dann muß man ohne äußeren Anreiz dafür sorgen, daß man sich weiterbildet. Man kann ein Instrument oder eine fremde Sprache lernen. Man kann bei seinem Hobby dazulernen. Man kann zum Beispiel Reisen, denn Reisen bildet, wie es so heißt, und von schönen Bildungsreisen berichteten Johann Wolfgang von Goethe oder Heinrich Heine.

2. Traumatische Hirnverletzungen
Ich sah kürzlich ein kurzes Video, in dem jemand versuchte, eine Flasche an seinem Schädel zu zerbrechen. Das klappte nicht und irgendwann ist er bei diesen Versuchen bewußtlos zusammengebrochen. Das ist ein ziemlich vermeidbares Schädelhirntrauma, aber ich glaube kaum, daß die Autoren dieser Studie zur Risikofaktoren, dies im Auge hatten. Vielmehr geht es darum, Unfälle, die mit einem Schädelhirntrauma einhergehen, zu vermeiden. Keine ungesichert eine Leiter besteigen, sich im Verkehr defensiv verhalten, in Risikobereichen (Beispiel Bau) Schutzhelm tragen, Handläufe benutzen, Stolperkanten entschärfen, beim Radfahren oder Reiten Helm tragen, bei Sturm nicht in den Wald gehen und Ähnliches mehr.

3. Bewegungsmangel
„Einfach mehr bewegen“ geht am Thema vorbei. Das ist zwar auch gemeint, aber wir alle wissen, wie schnell man sich zu wenig bewegt und wie schwer es ist, aus dem Stuhl aufzustehen, um sich Bewegung zu verschaffen. Das muß nicht immer Sport sein. Man nicht den nächsten sondern einen etwas entfernteren Parkplatz wählen, Treppen steigen anstatt den Aufzug benutzen,  Spaziergänge oder Wanderungen machen, eher das Fahrrad als das Auto benutzen.Auf dem Land hat man es in der Regel einfacher, man geht vor die Tür und schon ist man Wald und Flur; in „Wand und Flur“ und nicht im Flur! Angebote mit Sport sind natürlich sinnvoll, zum Beispiel die Gymnastikgruppe oder ein Lauftreff, die Walking Gruppe (mit und ohne Stöcke, also auch „ich mache jetzt Nordic Walking ohne Stöcke“). Oder Tanzen -: ich zum Beispiel kann überhaupt nicht tanzen, aber Tanzen wäre auch eine gute Maßnahme gegen den Bewegungsmangel, da es auch die Koordination schult.

4. Rauchen
Ich glaube, es hat sich mittlerweile herumgesprochen, daß Rauchen ungesund ist und vieler Menschen rauchen bereits nicht mehr. Verglichen mit anderen Ländern rauchen in Deutschland doch mehr Menschen, als das sinnvoll wäre. Ich habe mich bereits als Rheumatologe gegen das Rauchen ausgesprochen [1]. Vielleicht wundert man sich jetzt, warum ein Rheumatologe etwas gegen das Rauchen hätte, beim Onkologen könnte man es eher verstehen. Aber es hatte sich herausgestellt, daß nicht nur die Entzündungsaktivität stärker durch  das Rauchen Wird und damit Gelenke und andere Gewebe geschädigt werden, sondern es konnte auch nachgewiesen werden, daß gewisse Medikamente, und zwar im Hochpreisbereich, schlechter wirksam sind bei Rauchern. Während der Covid Pandemie hatte ichich gegen das Rauchen ausgesprochen, da es Husten fördert und mit dem Husten sehr viel mehr Viren sehr viel weiter verteilt werden [2], als das sonst der Fall wäre. Also mit dem Rauchen aufhören, dafür gibt es Programme [3] und ich möchte es jedem Raucher empfehlen.

Links und Anmerkungen / 4. Rauchen:
[1] Rauchen bei Rheumatoider Arthritis und TNF-alpha-Inhibitoren
https://rheumatologe.blogspot.com/2017/07/rauchen-bei-rheumatoider-arthritis-und.html
[2] Pflicht zum Mund-Nase-Schutz und Verbots fürs Rauchen – sofort
https://rheumatologe.blogspot.com/2020/10/pflicht-zum-mund-nase-schutz-und.html  
[3] Körperliche Abhängigkeit / „Eine körperliche Abhängigkeit von Tabak entwickelt sich schnell, denn Nikotin greift direkt in den Stoffwechsel des Gehirns ein.“
https://rauchfrei-info.de/informieren/rauchen-gesundheit/tabakabhaengigkeit/koerperliche-abhaengigkeit/


5. Übermäßiger Alkoholkonsum
Im Prinzip müsste man jeden und nicht nur den übermäßigen Alkoholkonsum vermeiden, denn eine noch so geringe Dosis führt zu Schädigungen, von denen die Demenz eine darstellt. Aber Alkohol führt auch zu anderen Problemen. Zum Beispiel schätzt man unter Alkoholeinfluss Gefahren schlechter ein, was viel eher zu einer traumatischen Hirnverletzung führen kann. Unfälle ohne Schädelhirntraumekönnen im späteren Verlauf des Lebens ebenso eine Demenz fördern. Trotzdem das Wichtigste am Alkohol ist der unwiederbringliche Verlust an Hirnzellen im Alkoholrausch. Hier würde Wikipedia Belegstellen fordern; die habe ich früher gesehen und werde sie einmal nachliefern. Da es sehr offensichtlich ist, verschiebe ich diese Nachweise auf später.

6. Bluthochdruck
Bluthochdruck ist ein behandelbarer Risikofaktor. Für Demenz, aber auch für andere Erkrankungen wie zum Beispiel Schlaganfälle oder Herzinfarkt. Aber den Bluthochdruck kann man selten mit Hausmitteln behandeln, sondern muß in der Regel Medikamente einsetzen. Weniger Alkohol führt zu einem geringeren Blutdruck. Weniger Gewicht führt ebenso zu einer  Blutdrucksenkung. Körperliche Betätigung kann ebenso den Blutdruck senken. Das heißt also, daß sich verschiedene der Risikofaktoren untereinander beeinflussen. Der Extrakt der Süßholzwurzel in Lakritz erhöht in Abhängigkeit der Dosis den Blutdruck. Du weniger, aber ausreichend Kochsalz gibt es auch Studien, die ich in den letzten 1-2 Jahren gelesen hatte (muß ich also auch noch belegen).

7. Adipositas
Übergewicht ist ein weiterer Risikofaktor. Und wer übergewichtig ist, hat auch ein höheres Risiko für Diabetes und für Bluthochdruck. Und wer übergewichtig ist, der hat auch häufig Probleme, sich zu bewegen. Das heißt also, wenn man das Gewicht angehen will, dann wäre es ganz gut, wenn man sich körperlich bewegt und nicht nur versucht, Kalorien zu reduzieren, nur weil man sowieso anmerken muß, daß das alleinige Reduzieren von Kalorien nicht der Weg ist, der zum dauerhaften Erfolg führt. Übrigens Alkohol hat viel leere Kalorien. So dass auch die Reduktion von Übergewicht mit dem Verzicht auf Alkohol Einhergehen kann. Ich habe mich eine Weile mit Diäten und Gewichtsreduktion  beschäftigt. Viele Diäten sind schlicht Murks [1] und im Prinzip sinnvolle Diäten scheitern meist auf Dauer, jedenfalls ist das Ergebnis von Studien bescheiden [2]. Im Internet kommen noch falsche Internetseiten hinzu, die vorgeben zu informieren, aber das nicht tun, da sie nur Werbung machen [3]. Erfolgreich ist man mit einer Verhaltensänderung, die zur dauerhalten Reduktion von Kalorien führt.

Links und Anmerkungen / 7. Adipositas:
[1] Diäten aus Illustrierten
https://rheumatologe.blogspot.com/2017/01/diaten-aus-illustrierten.html
Abnehmen mit der Fatburner-Diät
https://rheumatologe.blogspot.com/2017/05/abnehmen-mit-der-fatburner-diat.html  
Was ist dran an Metabolic-Balance?
https://rheumatologe.blogspot.com/2013/03/was-ist-dran-metabolic-balance.html  
Bratkartoffel-Diät - Schlanke Kohlenhydrate
https://rheumatologe.blogspot.com/2013/03/bratkartoffel-diat-schlanke.html  
Ruck, zuck Bikini-fit? / Crash-Diäten
https://rheumatologe.blogspot.com/2014/03/ruck-zuck-bikini-fit-crash-diaten.html
[2] Führt tageweiser Wechsel von Fasten und normaler Kalorienzufuhr zu schnellerem Gewichtsverlust?
https://rheumatologe.blogspot.com/2019/01/fuhrt-tageweiser-wechsel-von-fasten-und.html
Abnehmen, Diät und Erfolg
https://rheumatologe.blogspot.com/2015/07/abnehmen-diat-und-erfolg.html
[3] Fake homepages on fad diets / Falsche Internetseiten zu Diäten
https://rheumatologe.blogspot.com/2014/02/fake-homepages-on-fad-diets-falsche.html

8. Diabetes

Die Blutzuckerkrankheit und ein erhöhtes Körpergewicht beeinflussen den Blutzuckerspiegel. Schnell wirksame Kohlenhydrate wie Zucker oder bestimmte Stärken lassen den Blutzuckerspiegel sehr rasch ansteigen. Wenn der Körper noch im Stadium des Hyperinsulinismus ist, das heißt, daß vermehrt das Hormon Insulin ausgeschüttet wird, dann fällt der Blutzuckerspiegel sehr schnell wieder ab und man hat wieder Hunger. Deshalb kann man vor dem manifesten Diabetes schon eine ganze Menge tun, dass er sich nicht entwickelt. Hier sind die Limonadengetränke zu erwähnen, die Diabetes und Adipositas fördern. Man kann, wenn man übergewichtig ist, sich wenigstens einmal im Jahr bei seinem Hausarzt vorstellen, um den Blutzuckerspiegel oder auch das HbA1c messen zu lassen. Wird eine Blutzuckerkrankheit festgestellt, dann sollte man sie behandeln. Manche Medikamente wirken gleichzeitig gegen Adipositas, ein netter Nebeneffekt. Bewegung verbraucht Energie und kann damit den Zuckerspiegel senken. Aber dies versprechen Sie am besten mit Ihrem Hausarzt. Wenn sie an einer Blutzuckerkrankheit leiden, stellt die Behandlung auf jeden Fall eine gute Investition gegen die Demenz dar.

9. Hörminderung
Durch Hörminderung nimmt man seine Umwelt nicht mehr so wahr, wie man das besser tun sollte. Man beschäftigt sich mit weniger Dingen, man lernt weniger neue Inhalte, man gerät schneller in eine soziale Isolation. Und deshalb ist es sinnvoll, das Gehör regelmäßig prüfen zu lassen und nicht erst zu warten, bis man die Hälfte nicht mehr versteht.

10. Depression
Manchmal muß eine Depression medikamentös behandelt werden. Das ist etwas, das man mit einem geeigneten Arzt bereden sollte. Aber Medikamente sind häufig nicht die Therapie, sondern sie können dazu beitragen, eine Therapie durchführen zu können. Es gibt verschiedene psychologische Therapien , die Erfolg versprechend sind. Das gilt für die meisten aber nicht für alle Depressionen. Für die meisten Menschen gilt: der Weg aus der Depression führt über die Gesprächstherapie.

11. Soziale Isolation
Vieles kann zur sozialen Isolation führen, zum Beispiel das Alter oder Krankheiten, die zum Bewegungsverlust führen. Ich erinnere mich an einer meiner Tanten, die bereits über 80 Jahre alt war und von einem Teil des Ortes nicht mehr in den anderen kam, als die Kniegelenkarthrose sie am Gehen und Radfahren hinderte, sie kam nicht mehr zu ihren Freundinnen oder in den Altenklub. Sie hatte nach einem Kniegelenkersatz einen Großteil ihre soziale Kontakte zurückgewonnen. welche Wege gibt es aus einer sozialen Isolation? Mir fallen ehrenamtliche Tätigkeiten, Anbindung an Kirche oder politische Gruppe, der Altenklub, Wandergruppen, Reisegruppen ein. Man muß nur suchen.

12. Luftverschmutzung
Luftverschmutzung und wahrscheinlich ist Feinstaub ein wesentlicher Faktor dabei ist ein weiterer Risikofaktor; ich glaube, da könnte Herr Kachelmann  auch ein Wort zu sagen. Hier geht es um Entscheidungen auf politischer und persönlicher Ebene, nicht zur Luftverschmutzung weiter beizutragen, sondern sich aktiv dagegen zu wenden. Und in diesem Zusammenhang möchte ich an das aktuell anstehende Silvesterfeuerwerk erinnern. Feuerwerke haben eine erhebliche Belastung mit Feinstaub zur Folge. Das kann man vermeiden, das muss nicht sein.  

13. Erhöhter LDL-Cholesterinwert

Um einen erhöhten LDL-Cholesterinwert festzustellen, benötigen Sie eine Blutuntersuchung. Aber wenn der festgestellt ist, lohnt es sich, etwas dagegen zu unternehmen, aber das müssen Sie mit ihrem Arzt besprechen. Ein erhöhter LDL-Cholesterinwert ist zusammen mit Bluthochdruck, Adipositas und Diabetes ein weiterer Faktor, der die Gefäßgesundheit beeinflusst. Gesunde Gefäße führen zu besserer Durchblutung des Gehirns. Wir erinnern uns, daß etwa 20% des Herzzeitvolumen für das Gehirn zur Verfügung gestellt wird. Deshalb kommt diesem Risikofaktor auch so viel Wichtigkeit zu.

14. Sehverlust
Bei Sehverlust sollte sofort gehandelt werden. Das kann zunächst einmal die Korrektur einer Sehstörung sein, die zum Beispiel den Betroffenen daran hindert, zu lesen oder zu sehen. Denn wer die Welt plötzlich nicht oder nur eingeschränkt sieht, kann nicht oder nur weniger an ihr teilnehmen. Sinnvoll sind ebenso Maßnahmen zur Vermeidung der altersbedingten Makuladegeneration und natürlich die Vermeidung eines erhöhten Augenbinnendruckes, der zum Glaukom, also einem unwiederbringlichen Sehverlust führen kann. Hier sollten Sie sich rechtzeitig einen Termin beim Augenarzt geben lassen.

Schlußbetrachtungen

Bei all diesen Risikofaktoren ist überhaupt nicht von Diäten oder Nahrungsergänzungsmitteln die Rede. Sind die wirkungslos? Wahrscheinlich ja, denn sonst hätten sie ja schon Gelegenheit genug gehabt, ihre Wirksamkeit nachweisen zu können wissenschaftlich nachweisen zu können, also nicht XYZ hat gesagt, bei mir hat es geholfen. Ich will gar nicht ausschließen, daß bestimmte Diätmaßnahmen sinnvoll sind, zum Beispiel Antioxidantien, aber nicht als Nahrungsergänzungsmittel, denn die dienen häufig als Argument, sich nicht um Risikofaktoren zu kümmern. „Ich habe ja etwas gemacht; da brauche ich die anderen Dinge nicht zu machen.“ Das ist die größte Gefahr bei diesen nicht wissenschaftlich fundierten Maßnahmen, die im Internet herumgeistern.  Deshalb gibt es auch keine Diätempfehlung aus dieser Studie heraus. Ich habe mich auch damit beschäftigt; Antioxidantien im Tee [1] und in der diätetischen Prävention von Alzheimer bzw. Demenz [2]. Es ist aber bereits wieder Zeit seit dieser Beschäftigung vergangen, so daß ich auch an dieser Stelle nachschauen werde, ob es neuere Studienergebnisse gibt. Auf jeden Fall möchte ich mich hier eindringlich gegen Nahrungsergänzungsmittel aussprechen.

Links und Anmerkungen / Schlußbetrachtungen:
[1] Tee und Antioxidantien
https://rheumatologe.blogspot.com/2021/11/tee-und-antioxidantien.html
[2] Prävention von Alzheimer / Demenz durch diätetische Maßnahmen
https://rheumatologe.blogspot.com/2012/05/pravention-von-alzheimer-demenz-durch.html
 

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Tuesday, March 8, 2022

Mit jedem Jahr jünger?


Ich habe gerade das Buch von Chris Crowley und Henry S. Lodge „Mit jedem Jahr jünger“ [1] gelesen; vielleicht hätte ich das Buch doch besser nicht in die Hand genommen, aber was geschehen ist, ist geschehen, bzw. das Kind ist den Brunnen gefallen.

Die gebundene Ausgabe des Buches hat 380 S., auf denen sehr viel geschwafelt wird. Ronald Reagan – ich hätte mir nie vorstellen können, daß ich den einmal heranziehen könnte -, aber Ronald Reagan hatte als amerikanischer Präsident die Anweisung gegeben, daß man ihm alles auf eine Seite komprimiert vorlegt, also sich auf die wichtigen Aspekte beschränkt. Nun hat das Buch am Schluß so eine Seite, auf der Harrys sieben Regeln stehen. Die ersten drei Regeln sind eigentlich eine Regel und zwar, daß man für den Rest des Lebens sechsmal in der Woche intensiv trainiert, viermal Ausdauer und zweimal Kraft. Die vierte Regel rät weniger auszugeben als man einnimmt. Dann soll man kein Dreckszeug essen, aktiv bleiben und Kontakte knüpfen.

Es wird in diesem Buch sehr viel Ski gefahren, Rad gefahren, ins Fitness-Studio gegangen. Und die Berichte über fitte und nicht so fitte Bekannte füllen Seite um Seite. Ja, manchmal werden sogar praktische Hinweise gegeben, wie z.B. mit welcher Herzfrequenz der beste Trainingseffekt zu erzielen ist. Das ist mir schon zu viel Optimierung. Das Leben unserer Vorfahren in der Savanne wird beschrieben und dann müssen wir uns Geräte umschnallen, die Skier anschnallen oder ins Fitness-Studio. Mir fehlen hier die natürlichen Alternativen.

Und wie sieht es mit der Ernährung aus? Da sieht auch schlecht aus. Ja, Fast Food und Soft Drinks sind schlecht. Es fehlen aber die gesunden Alternativen, ein Programm, mit dem man arbeiten könnte. Man kann in dem Wust schon den einen oder anderen Hinweis finden, aber man muß solche Hinweise wie ein Archäologe aus Schichten von Schwafelei freilegen.

Auch wenn das Buch aus Erfahrungen der Blauen Zonen schöpft, nämlich, daß Menschen gesund älter werden, wenn sie sich bewegen, vernünftig ernähren, sich nicht finanziell übernehmen, im Alter weiterhin Aufgaben haben, sich sozial engagieren. Dafür bräuchte man dieses Buch nicht. Da könnte man Hufelands Makrobiotik [2] mit deutlich mehr Gewinn lesen.

Empfehle ich das Buch „Mit jedem Jahr jünger“? Nö!


Anmerkungen:
[1] Chris Crowley / Henry S. Lodge: Mit jedem Jahr jünger: Leben wie mit 50, bis Sie 80 oder älter sind. Übersetzt von  Carola Kasperek. Pendo, München und Zürich 2007. ISBN: ‎3-866-12120-2
[2] Christoph Wilhelm Hufeland : Die Kunst das menschliche Leben zu verlängern. Haas, Wien 1798. http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/vester/content/pageview/1768314

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Wednesday, March 6, 2019

Fasten und Heilfasten zum Beginn der christlichen Fastenzeit



Am Aschermittwoch ist nicht nur Karneval vorbei (carne vale - Adieu Fleisch), sondern es beginnt im Christentum die Fastenzeit. Immer wieder ist es Anlass, dass die Gazetten wieder einmal den Text über das Fasten und das Heilfasten aus der Schublade ziehen. Das werde ich jetzt nicht ganz so machen. Ich habe hier bereits mehrfach über Fasten und Heilfasten geschrieben [1, 2], aber es kommen jedes Jahr neue Aspekte hinzu. Darum habe ich die alten Texte ergänzt bzw. umgeschrieben.

Fasten und Heilfasten sind sehr verschieden und werden daher unterschieden, aber man beschäftigt sich auch mehr mit dem Heilfasten zur religiösen Fastenzeit. Religiöses Fasten ist eher von Selbstlosigkeit geprägt oder besser gesagt von einem Opfer gegenüber Gott, um die Kommunikation wieder her zustellen, d.h. Gott ist Anlass des Fastens, ich will mit Gott ins Reine kommen. Das Heilfasten verfolgt einen anderen, einen selbstbezogenen Zweck; man will sich von überflüssigen Dingen trennen, z.B. von Krankheiten, Übergewicht, "Schlacken", Toxinen, d.h. ich will mir ins Reine kommen. Diese Ziele stehen sich diametral gegenüber. Die Idee, ich nehme am religiös motivierten Fasten teil, und dann freue ich mich über die Gewichtsreduktion, entwertet den originären Zweck des Fastens.

Ja, es gibt Effekte beim Fasten, wie z.B. die Erfahrung von Glück, Zufriedenheit, weniger Niedergeschlagenheit (Ausschüttung von Serotonin) oder auch weniger Entzündung (wie z.B. bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen). Die häufig genannte Entschlackung findet nicht statt; was aber passiert, davon berichte ich später mehr. Darüber hinaus es gibt eben auch negative Aspekte.
Und … Wunder über Wunder, man nimmt auch ab.


Religiös motiviertes Fasten
In fast allen Religionen wird gefastet, um Gott näher zu sein, sich mit Gott zu versöhnen, um sich zu stärken oder zur inneren Einkehr. Fasten ist in den verschiedensten Kulturen eine Vorbereitung, z.B. auf ein Fest, vor einer Initiation, als Bußübung vor heiligen Tagen oder dem Betreten heiliger Orte. Allerdings fastet man übrings nicht bei den Sikhs und den Zoroastern. Im Buddhismus fasten die Mönche/Nonnen nach dem Mittagessen bis zum nächsten Morgen; wobei dies schon nicht in allen Klimazonen üblich ist; besonders im Mahayana-Buddhismus, der viele Anhänger in kalten Klimazonen hat, ist ein spätes Essen aus "medizinischen" Gründen eingeführt worden. Bei den Jains kann das Fasten sogar bis zum Tod gehen. Die Muslime haben den Fastenmonat Ramadan, bei dem vom ersten Morgenlicht bis zum Eintritt der Dunkelheit gefastet wird (kein Speise, kein Getränk, kein Rauchen, kein Geschlechtsverkehr). Beim Phänomen Ramadan zeigt sich, dass Fasten mehr als nur Speisen umfassen kann.

Ab Aschermittwoch gilt im Christentum die ca. 40tägige Fastenzeit, die an die 40 Tage erinnert, die Jesus Christus in der Wüste verbrachte; die Fastenzeit geht über die 40 Tage hinaus, denn die Sonntage waren ausgenommen. Neben Fasten betete Jesus in er Wüste, und wurde vom Teufel versucht. Nach Matthäus 4:9 versuchte Satan Jesus mit dem Wort: „… haec omnia tibi dabo si cadens adoraveris me. [Dies alles werde ich dir geben, wenn du vor mit niederfällst und mich anbetest.]“ Die Fastenregeln sind sehr unterschiedlich. In der Zeit der Reformation aß Zwingli Wurst am ersten Fastensonntag [3]. Und obgleich Martin Luther fastete, wies er daraufhin, der Mensch werde „nicht durch das Fasten angenehm bei Gott, sondern allein durch die Gnade, allein durch den Glauben“ [3].
Bei den Katholiken ist das Fasten Teil der Bußpraxis. Als strenge Fastentage gelten aber nur noch Aschermittwoch und Karfreitag – „einmalige Sättigung und morgens und abends je eine kleine Stärkung“. Das klingt nun nicht sehr asketisch. In der Ausprägung und Auslegung aber ist man frei.


Heilfasten und Detox
Heilfasten ist ein nicht religiös motiviertes Fasten und wird oft mit Entschlackung begründet. Ich halte längerfristiges Heilfasten für Unsinn. Beim Fasten treten unbestritten Effekte auf. Es geht vielmehr darum, ob diese Effekte einen Nutzen darstellen oder nicht. Medizin und Ernährungswissenschaft lehnen das längerfristige Fasten ab. Der Körper gerät in einen Nährstoffmangel, der die Gesundheit schädigt und nicht fördert. Die Liste von Personen, denen ganz eindeutig vom Fasten abgeraten wird ist lang. Chronisch Erkrankte sollten nicht fasten. Aus der Rheumatologie weiß man aufgrund von Studien, dass ein akuter Schub durch Fasten unterbrochen werden kann, aber irgendwann muss man wieder essen und dann kommt auch der Entzündungsschub zurück. Während des Fastens wird der Körper nachhaltig geschädigt. Fasten kann Gichtanfällen auslösen. Fasten kann eine Essstörung verstärken. Bei Kindern, Schwangeren, stillenden Müttern, Personen mit Untergewicht ist es offensichtlich, dass Fasten schadet.
Selbst der strenge Koran schließt Kranke eindeutig vom Ramadan-Fasten aus.

In der ersten Phase des Fastens wird mehr Wasser ausgeschieden, wodurch man schnell auf der Waage einen Erfolg sehen kann, und es wird Eiweiß aus den Muskelzellen abgebaut. Dadurch dabei steigt die Harnsäure an (Stichwort: Gichtanfall). Der Eiweißabbau (Eiweißkatabolismus) ist eine sinnvolle Maßnahme des Körpers, denn Muskelzellen (Eiweiß) verbrauchen etwa 35mal mehr Energie als Fettzellen. Während des Fastens steigen Triglyzeride, Cholesterin und Fettsäuren, also die Blutfettwerte, an, denn die werden aus dem Fettgewebe zur Energiegewinnung freigesetzt. Die Endprodukte des Fettabbaus, die so genannten Keton Körper, reichern sich im Blut an und übersäuern es. Auch dies überlastet den Körper.

An dieser Stelle muss der Hype um "Detox" angesprochen werden. Bei Detox werden z.B. Saftkuren/Saftfasten empfohlen. Fruchtsäfte enthalten viel Fruchtzucker. Wenn man sich nur von Fruchtsäften ernährt, steigt die Harnsäure durch den Abbau (Katabolismus) und zudem durch den Fruchtzucker an (siehe dazu hier im Blog den folgenden Artikel zur Gicht). Zum anderen werden unter dem Deckmäntelchen Detox Tees und Pülverchen verkauft, die Sie wirklich von etwas befreien, nämlich von Ihrem Geld.


Fasten zum Abnehmen
Wenn Sie mit Fasten Gewicht dauerhaft reduzieren wollen, dann vergessen Sie das am besten ganz schnell. Natürlich nimmt man ab, wenn man fastet, aber danach nimmt man auch wieder zu. Sie haben sicherlich vom Jo-Jo-Effekt gehört. In der Entwicklungsgeschichte der Menschheit haben diejenigen zu Hungerzeiten (z.B. Winter, Dürre) überlebt, die einerseits am besten den Stoffwechsel reduzieren konnten und andererseits am schnellsten wieder Gewicht zunahmen.
Durch die Anpassung des Körpers an die verminderte Kalorienzufuhr wird z.B. der Grundumsatz durch Umstellung der Schilddrüsenhormone reduziert. Nach dem Fasten kann der Körper umso besser Fettspeicher aufbauen.
Ein weiterer Punkt ist die Freisetzung von im Fettgewebe gespeicherten Schadstoffen (PCBs, DDT, Dioxine und weitere fettlöslich Gifte). Diese Gifte überfluten bei der schnellen Abnahme durch Fasten den Körper. Man hatte dies im Projekt Biosphäre 2 nachweisen können. Die Forscher hatten durch Nahrungsmangel einen sehr schnellen Gewichtsverlust. Man hatte die PCB-Konzentration gemessen. Dieser Richtwert im Blut stieg um das Fünffache an [5].
Mit Fasten kann man nicht dauerhaft Übergewicht reduzieren, denn es kommt zu keiner dauerhaften Verhaltensänderung. Manchmal wird behauptet, dass Fasten der Einstieg (Motivation) zu dauerhafter Gewichtsreduktion sein kann. Ich wage das zu bezweifeln. Wenn die dauerhafte Verhaltensänderung so einfach wäre, hätte man sie schon längst umsetzen können. Das Fasten ändert das Verhalten aber nur kurzfristig und nicht über das Fasten hinaus.


Tägliches Fasten
Mitte 2016 wurde eine interessante Studie von V.D. Longo und S. Panda vorgestellt [6]. Bei Menschen wie auch Tieren fallen Phasen von Fasten und Schlaf oft zusammen. Die Forschen fanden heraus, dass man die Nahrungsmittelaufnahme auf bestimmte Stunden des Tages beschränken kann, so dass dadurch die tägliche Fastenzeit über 12 Stunden andauert und es nachfolgend Prävention und auch Behandlung von Krankheiten verbessert wird. Aktuell wird aber erst in Tierstudien Grundlagenforschung betrieben.
R. Walfort berichtet über eine Studie an Ratten, bei der die Ratten, die grenzenlos fressen durften, durchschnittlich etwa 1000 Tage lebten, und diejenigen, denen man das Fressen unter die Hälfte dieser Menge beschränkt hatte, aber durchschnittlich etwa 1800 Tage lebten [7].
Kalorienbeschränkung allein ist es sicherlich nicht, denn Affen scheinen hungrig doch nicht länger zu leben [8]. Aber es ist schon vor längerer Zeit nachgewiesen worden, dass eine gesunde Ernährung mit vielen Ballaststoffen über Obst und Gemüse schneller und besser sättigt als eine Kost, die arm daran ist; in der betreffenden Studie wurden 1500 kcal gesunde Kost mit 3000 kcal weniger gesunder Kost verglichen [9].
Im letzten Jahr schrieb ich: „Wahrscheinlich sind dinner canceling und Verlängerung der Hungerphase bis zum breakfast (Frühstück oder Fastenbrechen) sinnvolle Maßnahmen.“ Für den Gewichtsverlust ist es unerheblich, ob man fastet, intervallfastest oder eine Kalorien reduzierte Diät einhält. Das Einhalten scheint der entscheidende Faktor zu sein. Die verschiedenen Arten der Kalorien Reduktion werden auch verschieden lange eingehalten. Am besten schein das beim 16:8 Intervallfasten zu klappen, d.h. man nimmt nur an während 8 Stunden Nahrung zu sich und fastet 16 Stunden. Das geht am besten, wenn man das Abendessen ausfallen läßt.
Beim sogenannten Heilfasten habe ich weiterhin Bedenken.


Fazit
Man kann durchaus sinnvoll fasten, z.B. auf Süßigkeiten, Luxusspeisen, Fernsehen, Alkohol verzichten. Die Liste ist lang, wenn es darum geht, etwas Verzicht in unserer konsumorientierten Welt zu üben.
Wie wäre es mit dem umgekehrten Ramadan-Fasten? Was das sein soll? Nur im Hellen essen und in der Dunkelheit fasten. An Aschermittwoch 2018 wäre das die Zeit zwischen 07:38 Uhr und 17:35 Uhr (Sonnenauf- und Untergang). Im Laufe der Zeit wird es aber leichter, an Ostersamstag wäre das die Zeit zwischen 07:00 Uhr und 19:53 Uhr (Umstellung auf Sommerzeit eine Woche zuvor). Das entspricht einem 12:12 Fasten. Oder Sie führen das 16:8 Intervallfasten mit dinner cancelling durch.


Links und Literaturangaben:
[5] Walfort, R.L. et al: Physiologic changes in human subjected to severe, selected calory restriction for two years in biosphere 2: health, aging, and toxicological perspectives. Toxicol Sci, 1999, 52: 61-65.
[7] Walfort, R.: Beyond the 120 year diet. Thunder's Mouth Press, New York, 2000.
[9] Duncan, K.H. et al.: The effects of high and low energy density diets on satiety, energy uptake, and eating time of obese and nonobese subjects. Am J Clin Nutr, 1983, 37: 763-767.
[10] Interessant als Tipp für Antiaging und Ernährung: Dr. Kris Verburgh: Die Ernährungs-Sanduhr. Wilhelm Goldmann Verlag, München, 2015.


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Tuesday, January 8, 2019

Führt tageweiser Wechsel von Fasten und normaler Kalorienzufuhr zu schnellerem Gewichtsverlust?

 
Ich hatte kürzlich eine Patientin bei mir in der Sprechstunde, die schwärmte vom tageweisen Wechsel von Fasten und normaler Kalorienzufuhr. Eine weitere Patientin fastete an jedem Wochenende (5+2). Und dann sind da noch die, die 8 Stunden über Tag essen und dann 16 Stunden (8+16) fasten; ich habe dieser Form des Fasten den Namen umgekehrtes Ramadan-Fasten gegeben.

Ich erinnerte mich, dass es zu der Frage „Führt tageweiser Wechsel von Fasten und normaler Kalorienzufuhr zu schnellerem Gewichtsverlust als eine Kalorien reduzierte Diät?“ einen Artikel gibt. Darin wurde eine Studie besprochen, die Personen, die an einem Fastentag 25% ihrer üblichen Kalorieneinnahme (ungefähr 500 kcal) zu sich nahmen und an einem Festtag 125% ihrer üblichen Kalorieneinnahme konsumieren durften, mit Personen, deren Kalorienaufnahme auf 75% täglich reduziert worden war.

Das Ergebnis der Studie ist ernüchternd: „Das Fasten im tageweisen Wechsel erzeugte keine überlegene Adhärenz, Gewichtsabnahme, Gewichtserhaltung oder Kardio-protektion gegenüber der täglichen Kalorieneinschränkung.“

Was heißt das nun? Leider wieder einmal ein Hype enttarnt. Wenn Sie dauerhaft Gewicht verlieren wollen, dann sollten Sie eine Methode suchen, die zu Ihnen passt. Sie kommen nicht darum herum, Ihre Kalorienzufuhr zu beschränken. Und das dann dauerhaft. Wenn Ihnen „Mit Schlemmen purzeln die Pfunde“ versprochen wird, dann stimmt da etwas nicht.

Wenn Ihnen die oben vorgestellten Fastenkonzepte zusagen, dann machen Sie es. Diese Arten des Fastens sind gut durchführbar. Aber denken Sie daran, wenn  Sie damit aufhören, nehmen Sie genauso schnell auch wieder zu.


Links:
Kristen Monaco: Alternate-Day Fasting Doesn't Lead to Speedier Weight Loss. https://www.medpagetoday.com/Endocrinology/Obesity/64928?xid=nl_mpt_DHE_2017-05-02&eun=g467310d0r&pos=0  

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Saturday, January 5, 2019

Ist Gluten freie Kost wirklich so gut? Oder auch nur ein Hype?


Ich habe gerade noch einmal einen Artikel von John Watson gelesen [1], der vor fast einem Jahr einen Artikel veröffentlich hatte, der zu diesem Thema Informationen bietet.

Wenn man an Zöliakie (Sprue) [oder einer Weizen-/Gluten-Sensitivität] leidet, dann muss man sich Gluten frei ernähren. Aber wie sieht es mit anderen Personen aus? Profitiert man von einer Gluten freien Kost, wie es häufig im Netz behauptet wird?

Die breite Nachfrage zu Gluten freien Produkten hatte für die Zöliakie Patienten zur Folge, dass sie heute ein größeres Warenangebot haben.

Eine Hypothese ist eine Reduktion des Auftretens von Gefäßverkalkung und ischämischer Herzerkrankung. Die mit 100.000 Teilnehmern sehr große Nurses' Health Study and the Health Professionals Follow-up Study zeigte jedenfalls keine Reduktion der koronaren Herzerkrankung.

Man findet bei Guten freier Kost häufiger Probleme bei der Versorgung mit der Aufnahme einer genügend hohen Menge an Faserstoffen, Folsäure, Vitamin B12, Vitamin D, Calcium, Eisen, Zink und Magnesium. Wahrscheinlich ist diese mangelnde Versorgung sehr heterogen.

Es stellt sich die Frage, womit etwas, das weggenommen wurde (z.B. Weizen), ersetzt wird? Wenn es sich um verarbeitete Nahrungsmittel handelt, ist es sehr wahrscheinlich, dass mehr Zucker, Fett bzw. leere Kalorien benutzt werden. Ds könnte Übergewicht und Diabetes fördern.

S.L. Raesler und Kollegen untersuchten u.a. Personen, die eine Gluten freie Diät einhielten. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die Personen unter einer Gluten freien Diät signifikant höhere Urinkonzentrationen von Arsen hatten und im Blut höhere Konzentrationen an Quecksilber, Blei und Cadmium aufwiesen als Personen, die Gluten nicht vermieden.

In Großbritannien sind Gluten freie Produkte etwa viermal teurer als die nicht veränderten Produkte.

Was können wir daraus folgern?
Für Personen ohne Zöliakie oder einer Weizen-/Gluten-Sensitivität: Teuer ist nicht besser. Gluten frei stellt sich als Hype und Abzocke heraus. Besser darauf verzichten.
Für Personen mit Zöliakie oder einer Weizen-/Gluten-Sensitivität: möglichst die Gluten freie Diät selbst herstellen und auf industrielle Produkte verzichten. Selbst Ernährungsinformationen suchen oder sich von einem Ökotrophologen beraten lassen, wie die Kost die notwendigen Mengen an Faserstoffen, Folsäure, Vitamin B12, Vitamin D, Calcium, Eisen, Zink, Magnesium weiteren enthalten kann.

Links:
[1] John Watson: Five Reasons to Avoid Going Gluten-Free (If You Don't Have Celiac Disease). https://www.medscape.com/viewarticle/892520?src=WNL_infoc_190102_MSCPEDIT&uac=113211EX&impID=1850565&faf=1

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