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Tuesday, September 23, 2025

Tee – Fatburner Pu-Erh-Tee, so etwas wie eine Buchbesprechung

 

Da manche Bilder im Buch und Titelseite mit Fächern sind,
 habe ich hier auch zwei drum rum drapiert.



Ich weiß auch nicht, was mich gerade geritten hat, ein altes Buch [1], das zudem noch schlecht ist, so umfangreich zu bearbeiten. Aber hier ist das Ergebnis zu "Fatburner Pu-Erh-Tee" [2]. 

Gewichtsabnahme
Es gibt sechs Stellen, die auf Gewichtsabnahme im Register hinweisen. 
1. "... und auch bei der Gewichtsabnahme wertvolle Dienste leistet."
2. "Die Gewichtsabnahme, die bei regelmäßiger Einnahme zu erzielen ist, ..." 
3. "Starke Gewichtsverluste durch Pu-Erh-Tee" ... Nur: Pu-Erh-Tee alleine kann das nicht bewirken ..." 
4. "Übergewicht wird hier ohne quälende Hungerkuren abgebaut." (Die Rede ist von Qi Gong und Tai Qi Quan [das sollte Herr Wu Li eigenlich wissen - es heißt zwar Qi Gong (
氣功), aber das Qi steht nicht im Begriff Tai Ji Quan (太極拳)] 
5. "Diät und Pu-Erh-Tee" - "Wer dauerhaft und mit Erfolg abnehmen will, muss in aller Regel seine Ernährung umstellen." Also doch Hungerkur?!
6. Fallvorstellungen von Mnschen, die abgenommen haben.

Das ist aber dürftig. Einen Mechanismus, der einen Gewichtsverlust erläutern würde, stellte der Verfasser nicht dar. Der Fatburner kann es nach eigenen Worten nicht bewirken. Bewegung und chinesische Essen (nur eine anders bezeichnete Hungerkur!) werden vorgestellt. Auf S. 90 wird die Idee vermittelt, man könne zwei und mehr Kilogramm Gewicht an Fett in einer Woche verlieren. Das ist dann aber Wasser, Eiweiß und kaum Fett. Wenn es um die Reduktion von Fett aus Fettzellen geht, dann müßte man für 2 kg etwa 2000 kCal pro Tag mehr verbrennen oder die Zufuhr vermindern. Das ist ziemlich schwierig und überdies auch nicht sinnvoll, da man den Körper anregt, den Verbrauch von Kalorien zu vermindern anstatt zu beschleunigen.

Cholesterin senken
Gehen wir das Register für Cholesterin durch, da fand ich sieben Stellen: 
1. Der Cholesterinspiegel wird durch zwei und 20 Jahre alten Pu-Erh-Tee gleichermaßen gesenkt. Keine Quellenangabe. 
2. "Pu-Erh-Tee senkt überdies den Cholesterinspiegel ..." 
3. "Er senkt den Cholestrinspiegel und den Blutdruck." Keine Quellenangabe. 
4. Durch eine beschleunigte Darmpassage bei Mäusen will der Autor eine Senkung des Cholesterinspiegel belegen. Das ist lachhaft und wurde zudem nicht am Menschen belegt. 
5. Hier wird unter Notabene wiederholt, man könne "einen zu hohen Cholesterinspiegel senken". 
6. Ein erhöhter Cholesterinspiegel soll durch 1-2 Tassen Tee aus 15 g Weißdorn, 5 g Pfefferminzblätter und 10 g Pu-Erh-Tee gesenkt werden. Wieviel Wasser? 
7. Auf S. 109 finde ich das Wort Cholesterin nicht, da werden Bezugsquellen und eine Beratungsstelle angegeben. Auch beim Senken von Cholesterin finden sich nur Versprechungen, aber kein Nachweis, ob diese auch eingehalten werden.

Wissenschaftliches
Kommen wir zu wissenschaftlichen Aussagen: 
Die Tabelle 3 führt Eiweiß und Aminosäuren auf und zwar in ungebräuchlichen Bezeichnungen, denn Aminopropionsäure bezeichnen wir gewöhnlich als Alanin und Aminoessigsäure als Glycin. Die Aminoglutarsäure ist Ihnen als Glutaminsäure bzw. als ihr Salz - Glutamat - sicherlich bekannter. Auch wenn die Aussage "Aminosäuren werden im menschlichen Körper für den Aufbau von körpereigenem Eiweiß benötigt" völlig korrekt ist, wundert die Aufführung hier, da die durch Tee aufgenommenen Mengen verschwindend gering sind. 
Die Tabelle 4 scheint einen Umrechnungsfehler zu haben. Aber dessen ungeachtet, kann man mit Tee Polyphenole zu sich nehmen, aber bei Spurenelementen sollte das nicht die vornehmliche Quelle sein. Ich habe eine Studie zu Gewichtsreduktion sowie Cholestin und Fetten gefunden [3], aber sie ist nicht viel Wert. Von 171 Probanden blieben nach Screening nur 59 übrig, die auf Verum und Placebo [30/29] aufgeteilt wurden, dabei blieben am Ende jedoch nur [27/22], wobei die Abnahme der Anzahl nochmals verzerrte. Der BMI bei der Verum Gruppw ist bereits zu Beginn niedriger. Die Parameter Cholesterin, HDL, LDL, Triglyzeride blieben ohne signifikante Unterschiede. "The weight loss corresponded to a reduction in total body fat at 20 weeks for the PTE group when compared to the placebo group (Figure 3A). This change was not statistically significant between the two groups, but the change was significant within the PTE group (P<0.05)." [4] Reden wir Tacheles -: man wendete einen statistichen Trick an. Die Reduktion nach 20 Wochen betrug auch in der Verum-Gruppe lediglich 0,5 kg/m².

Bilder im Buch
Das Buch ist reich bebildert, gehen wir sie einmal durch: 
01. Titelbild: Ein Ensemble mit einer TeeKanne, den den Aufdruck
壽 trägt (langes Leben) 
02. Gegenüber des Titels im Buch (Frontispiece): Eine chinesische Berglandschaft (Kulissenlandschaft) mit tiefstehender Sonne - sehr romantisch 
03. S. 4 Eine Teepackung, aber kein Pu-Erh-Tee 
04. S. 5 Eine Frau trinkt aus einer unförmigen Tasse (kann auch Kaffee sein) 
05. S. 7 Eine Frau nimmt eine elegante Stellung am abendlichen Strand ein, ob es sich um eine Qi-Gong-Übung handelt, aber das ist egal. 
06. S. 9 Ein Drache, davor eine Packung mit Yünnan Teeblättern (muß nicht Pu-Erh-Tee sein) und einer Tee-Kannen-Tasse und einer kleinen Teeschale sowie einer Untertasse mit Teeblättern. 
07. S 10 Ein Landschaftsbild mit einem Gewässer, Wolken, Wald und Berg 
08. S. 11 Terrassenfelder - doch halt! Es handelt sich um Reisfelder mit strohbedeckten Lehmhütten
09. S. 12 Die chinesischen Zeichen für Pu-Erh-Tee 
10. S. 14 Ein Holzschnitt (?) aus dem Archiv preußischer Kulturbesitz 
11. S. 19 "Beim traditionellen Pferderennen" 
12. S. 20 Eine Teepflückerin 
13. S. 23 Verschiedene Teeverpackungen und Tuocha (
沱茶) 
14. S. 26 Eine Blechbüchse und Tee 
15. S. 32 Berg, Stadt und davor Arbeiter, die Tee verpacken (altes Bild) 
16. S. 36 Ein verliebtes Paar 
17. S. 37 Der "Tee der Kaiser" in Originalschrift /
宫廷普洱茶 (Buch) 宮廷普洱茶 (traditionell), also nicht in Originalschrift, da es sich um Kurzzeichen handelt [5]. 
18. S. 42 Eine junge Frau der nationalen Minderheiten mit einem Lamm 
19. S. 43 Eine Frau in einem Teebad; aber nimmt man dafür nicht eher Eselmilch oder Champagner? 
20. S. 46
八寶茶, also Acht Schätze Tee, hier allerdings in vereinfachten Zeichen abgebildet: 八宝茶 
21. S. 47 Erneut ein verliebtes Paar 
22. S. 48 Ginsengwurzel - die ist koreanisch und hat mit Pu-Erh-Tee erst einmal nichts zu tun 
23. S. 54 Ein Schamane - der hat auch nichts mit Tee zu tun 
24. S. 55 Auberginen - haben nichts mit Tee zu tun 
25. S. 64 Eine weiße Maus in einem Tretrad (darunter steht, allerdings nicht als Bildunterschrift: "Test1: Darmbewegungen" / Ich muß jetzt abschweifen, denn Test 2 beschäftigt sich mit der "Schubkraft des Darms".) 
26. S. 68 Ein Kopf mit vier roten Pyramiden darauf - hier ist die Esoterik voll ausgebrochen und zwar aus einer geschlossenen Anstalt: die Vergrößerung der Aura wird vermessen, ziemlich vermessen! 
27. S. 73 Ein größerer Bildausschnitt von 04. und spiegelverkehrt 
28. Eine Frau mit einer grünen Gesichtsmaske 
29. Ein schlafendes Kind, dem weder Bettnässen noch seelische Probleme anzusehen sind 
30. S. 79 Löwenzahn: Blüten und zwei Pusteblumen, wenn man genau hinschaut sind auch Blätter zu sehen, um die es geht, obwohl - was haben die mit Pu-Erh-Tee zu tun? 
31. S. 87 Eine weißgekleidete Chinesin vor einem orangenen Hintergrund mit eine Bildunterschrift: "Regelmäßige Tai-Qi-Qi-Gong-Übungen ..." / Ist Herr Wu Li wirklich Autor des Buches [6]? 
32. S. 89 Entspricht einer vollständigeren Version von 05. jetzt mit Spiegelung. 
33. S. 90 Eine Schale mit Gemüse und die Stäbchen stecken darin! Das Bild stammt aus einem Archiv, aber kein Ostasiate oder jemand, der kurz da gewesen ist, würde so etwas abdrucken lassen, denn es sieht aus wie die Räucher-Stäbchen im Rahmen der Totenehrung. Herr Wu Li??? 
34. S. 92 Ungekochtes und Zubereitetes mit chinesischen Schälchen und einem Fächer mit chinesischen Zeichen 
35. S. 95 Trockenpilze und Ingwer, frisch und getrocknet 
36. S. 98 "die Suppe ist ein wichtiger Bestandteil" - allerdings ist keine Suppe zu sehen sondern Fleisch mit Soße, rohe Zwiebeln und ein rohes Ei. 
37. S. 102 Geflügel 
38. S. 103 Eine Krabbe / Garnele
39. Bild auf der Umschlagsrückseite: Eine Frau auf einem Fahrrad mit Korb Etwa ein Viertel der Abbildungen kann man sogar dem Thema Tee zuordnen.

Zum Inhalt des Buches 
Was hat man sich da zugelegt? 
2 Seiten Vorwort. 
10 Seiten Herkunft und Geschichte; man erfährt eher wenig über Pu-Erh-Tee. Historische Quellen des Dai-Volkes werden zitiert. „Da wage ich zu zweifeln,“ schrieb ich und ich behielt recht, denn vor 1700 Jahren hieße vor Beginn des Kalenders der Dai-Völker (Plural wohlgemerkt). Eine Verschriftlichung der Sprache begann erst im 14. Jahrhundert. 
12 Seiten Verarbeitung und Sorten; sehr wenig über den Verarbeitungsprozess, aber Instant-Tee und  ein Extrakt in Kapseln mit Apfelessig-Pulver werden beschrieben. 
10 Seiten über die Wirkung des Pu-Erh-Tees. „Altbewährtes Heilmittel“ ist für mich immer Alarmbegriff, denn dann hat man nicht weiter geforscht. Es werden Beispiele gegeben, Hinweise auf Studien, die aber dann nicht als Zitat belegt werden; eine soll in der Pariser Saint Antoine Klinik gelaufen sein [7]. Dann wird darauf hingewiesen, daß Alkohol im Blut gesenkt werden kann. Die beschriebene Reduktion entspricht dem natürlichen Verlauf. 
10 Seiten klassische Anwendungen, also Bäder. Eine „erstaunliche Wirkung“ läßt mich wieder zusammenzucken, denn auch das ist ein schrillender Alarm für ausgeschaltetes Gehirn. Dann beschreibt der Autor den Acht-Schätze-Tee, der dann auch nur noch also ein Achtel Pu-Erh-Tee enthält und zudem noch mit Kandiszucker angereichert wird. 
2 Seiten Chinesische Küchenklassiker -: Eistee und Teeeier [8].
11 Seiten medizinisches Wissen - zur Pflanze wird etwas aus dem „Kleinen Abriss der Physik“ zitiert. Dann ist das auch noch der Teil, wo es man von der Schubkraft des Darms redet. 
2 Seiten geballte Esoterik, also Aura des Tees. 
4 Seiten Notabene -: da wird wiederholt und zusammengefasst. 
10 Seiten Heilrezepte, also noch mehr Esoterik. 
4 Seiten Qi Gong. 
13 Seiten Diät.
4 Seiten Erfahrungsberichte.
1 Seite mit Adressen.

Autorschaft
Wenn ich mir die Bilder ansehe, die offensichtlichen Fehler mit chinesischer Sprache und Kultur sowie die nicht-chinesische Esoterik dazunehme, dann muß ich an der Autorschaft von Herrn Wu Li zweifeln.
Es gibt eine Heilpraktiker-Seite: "Wu Li / Prof. TCM Uni Yunnan" [9]. 
"2008-2011 Honorary Doctorate Degree of University of Herguan Universe" - im Internet ist die Universität nicht zu finden. 
2010 nominiert für den Deutschen Innovationspreis für Medizin in Berlin - im Internet ist dieser Preis nicht gelistet und seine Erfindung soll auch nur nominiert gewesen sein. 
Es gibt einen Facebook-Account, aber der letzte Eintrag erfolgte vor über sechs Jahren [10]. 
Auf dem Buch ist er als Prof. (Univ. Beijing) bezeichnet, auf seiner Heilpraktiker-Seite steht Prof. TCM Uni Yunnan. Wir müssen das nicht verstehen. 

Das Buch hat mich nicht sinnvoll über Pu-Erh-Tee informiert. Ich halte es für völlig überflüssig. Im Wikipedia-Artikel [11] erhalten Sie ein Vielfaches an Informationen. Gut, den gab es damals nicht, aber deshalb wollten Sie doch das Buch kaufen! 



Links und Anmerkungen:
[1] Dr. (Univ. Beijing) Li Wu: Fatburner Pu-Erh-Tee. Cholestrin senken mit dem König der chinesischen Tees. Midena, Müchen 1999. ISBN: 3-310-00626-3.
[2] Ich benutze hier die eher verantete Schreibweise Pu-Erh-Tee anstatt richtigerweise Pu'er-Tee (普洱茶).
[3] Jensen GS, Beaman JL, He Y, Guo Z, Sun H. Reduction of body fat and improved lipid profile associated with daily consumption of a Puer tea extract in a hyperlipidemic population: a randomized placebo-controlled trial. Clin Interv Aging. 2016 Mar 24;11:367-76. doi: 10.2147/CIA.S94881. PMID: 27069360; PMCID: PMC4818050.
[4] Übersetzung: „Der Gewichtsverlust entsprach einer Reduktion des gesamten Körperfetts nach 20 Wochen in der PTE-Gruppe im Vergleich zur Placebogruppe (Abbildung 3A). Diese Veränderung war zwischen den beiden Gruppen nicht statistisch signifikant, innerhalb der PTE-Gruppe war sie jedoch signifikant (P < 0,05).“
[5] Ich mache mich gerade der Korinthenkackerei in sehr ausgeprägter Form schuldig, denn der Unterschied liegt in diesem Fall einem Strich weniger in der Kurzform für insgesamt fünf Zeichen. 
[6] Das erinnert mich an meine Zeit als Arzt auf der Isolierstation, als PJler meinten, meine Unterschrift müßte man Wu Beuli lesen.
[7] Die gibt es sogar und teile stehen unter Denkmalschutz 
https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B4pital_Saint-Antoine 
Wie soll man aber eine über 20 Jahre alte Studie finden, von der nicht einmal der Titel genannt worden ist?!

[8] Normalerweise würde ich TeeEier schreiben, ganz korrekt wäre Tee'eier, weil man dann den glottal stop markiert hätte, aber Teeeier sieht einfach lustiger aus.
[9] https://www.tcmedprofliwu.com/home/%C3%BCber-wu-li/ 
[10] Chinesische Naturheilpraxis Li Wu Prof. TCM Univ. of Yunnan 
https://www.facebook.com/profile.php?id=100066800913446&sk=photos 

[11] https://de.wikipedia.org/wiki/Pu-Erh

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Thursday, May 22, 2025

Tee und der Inhaltsstoff L-Theanin

 


Warum schreibe ich über L-Theanin? Es kommt von meinem Interesse für Tee und seinen Inhaltsstoffen sowie meinem generellen Interesse an Gesundheitsthemen und den Health Claims bzw. den gesundheitsbezogenen Angaben, zu denen es selbstverständlich eine Verordnung gibt – die überraschenderweise Health Claims-Verordnung genannt wir [1].

Ich habe mir Studien herausgesucht, aber nicht viel Sinnvolles für diesen Blogpost gefunden, obwohl recht aktiv geforscht wird. Diese Studien sind an sich sinnvoll, denn sie bereiten den Weg für ein besseres Verständnis des Inhaltsstoffes und damit auch den gesundheitlichen Aspekten des Tees [2].

Was ist L-Theanin? Es handelt sich um eine nicht proteinogene Aminosäure [3], denn es gibt auch Aminosäuren, aus denen wir keine Eiweiße aufbauen. L-Theanin ist eine der Umami-Komponenten [4] des Tees. Umami bezeichnet die fünfte Grundgeschmacksrichtung und kommt aus dem Japanischen, wo es die Bedeutung „köstlich“ hat. Die Aminosäure Glutamat bzw. Glutaminsäure ist hauptsächlich für diese Geschmacksempfindung verantwortlich. Wir erinnern uns, daß Glutamat in den asiatischen Küchen eingesetzt wird; es war eine Weile völlig zu unrecht in Verruf gekommen, aber das ist eine weitere Abschweifung. L-Theanin gilt als Nootropikum – ein unscharfer Begriff, der Stoffe bezeichnet, die eine positive Wirkung auf Gedächtnis und kognitive Fähigkeiten haben oder haben sollen –, denn es kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden.
 
Worin ist L-Theanin enthalten? In den Blättern der Teepflanze (Camellia sinensis) sowie weiteren Arten wie Camellia japonica und anderen, aber auch in Imleria badia, dem Maronenröhrling. L-theanin wird in den Wurzeln produziert und in den Blättern gespeichert. Unter Sonnenlicht verwandelt es sich in Catechin bzw. die Catechine, die zu den Flavonolen gehören [5]. Bei der Fermentation bzw. Oxidation wird ein Teil des L-Theanins abgebaut, so daß grüner Tee mehr enthält als schwarzer oder Pu'er Tee [6]. L-Theanin macht in getrockneten Teeblättern 1 bis 2% aus.

Welche Risiken bestehen? Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatte wegen Blutdrucksenkung, Beeinflussung von Botenstoffen, möglicher sedierender Wirkung und unklaren Interaktionen empfohlen, L-Theanin nicht als isolierten Zusatz in Getränken zuzulassen. Als Nahrungsergänzungsmittel wäre es aber möglich. Bei solche Produkten werden Schwangere und stillende Mütter gewarnt und wer Medikamente einnimmt, soll seinen Arzt befragen. Ich überlege gerade, was man dann als Arzt anderes sagen soll als das Nahrungsergänzungsmittel (NEM) nicht zu nehmen, denn es gibt schließlich keine verläßlichen Daten für Wechselwirkungen. Für diese NEM wird häufig Suntheanin (Produkt einer japanischen Firma) genutzt, allerdings wird es nicht aus Tee sondern aus Pseudomonas nitroreducens durch Fermentation gewonnen.

Was macht L-Theanin? Wie bereits erwähnt, ähnelt L-Theanin strukturell dem Glutamat, es hat aber eine geringe Affinität zu Glutamatrezeptoren. Man nimmt an, daß es durch die Erhöhung des hemmenden Neurotransmitters GABA (Gamma-Aminobuttersäure) wirkt, der direkter Gegenspieler von Glutamat ist. Es könnte Stress und Angst reduzieren, allerdings ist die Datenlage so schlecht, daß man es nicht als Medikament einsetzen könnte [7]. Man nimmt an, daß es die Abwehrfunktion der Gamma-Delta-T-Zellen stärkt, und es so zu einer besseren Infektabwehr kommen könnte. In einer Studie mit dem Titel (Übersetzung): „Vom Teeblatt zum trendigen Nahrungsergänzungsmittel – wird der Hype um Gehirngesundheit und Entspannung durch die Wissenschaft gerechtfertigt?“ wird Zurückhaltung gefordert, was mögliche gesundheitliche Vorteile angeht, bis dies auch wissenschaftlich nachgewiesen ist [8].
 
Meine Einschätzung?
L-Theanin würde ich nicht als Nahrungsergänzungsmittel oder Zusatz in Getränken zu mir nehmen. Über grünen Tee finde ich es eine gute Idee, denn für den ist der wissenschaftliche Nachweis deutlich robuster.


Links und Anmerkungen:
[1] Nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben bei Lebensmitteln – die Health Claims-Verordnung
https://www.bmel.de/DE/themen/ernaehrung/lebensmittel-kennzeichnung/pflichtangaben/naehrwertinformationen-health-claims.htm
[2] Hier einige der Studien für Informationsjunkies:
[2a] Baba Y, Takihara T, Okamura N.: Matcha Does Not Affect Electroencephalography during Sleep but May Enhance Mental Well-Being: A Randomized Placebo-Controlled Clinical Trial. Nutrients. 2024 Aug 31;16(17):2907. doi: 10.3390/nu16172907. PMID: 39275223; PMCID: PMC11397442.
[2b] Karunaratne UW, Dassanayake TL.: Effect of L-theanine on selective attention in a traffic-related reaction task in sleep-deprived young adults: a double-blind placebo-controlled, crossover study. Nutr Neurosci. 2025 Apr;28(4):471-480. doi: 10.1080/1028415X.2024.2383080. Epub 2024 Jul 25. PMID: 39052627.
[2c] Crystal F. Haskell, David O. Kennedy, Anthea L. Milne, Keith A. Wesnes, Andrew B. Scholey: The effects of l-theanine, caffeine and their combination on cognition and mood. Biological Psychology, Volume 77, Issue 2, 2008, Pages 113-122, ISSN 0301-0511, https://doi.org/10.1016/j.biopsycho.2007.09.008 oder https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0301051107001573  
[2d] Liang Zhang, Zheng-Zhu Zhang, Ya-Ning Lu, Jing-Song Zhang, Victor R. Preedy: L-Theanine from Green Tea: Transport and Effects on Health. In: Victor R. Preedy (ed.): Tea in Health and Disease Prevention. Elsevier Inc. 2013. ISBN: 978-0-12-384937-3. P. 425-435.
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Theanin
[4] https://ja.wikipedia.org/wiki/%E3%83%86%E3%82%A2%E3%83%8B%E3%83%B3  
[5] Dazu gibt es: Inhaltsstoffe im Tee – ein Überblick.
https://rheumatologe.blogspot.com/2023/12/inhaltsstoffe-im-tee-ein-uberblick.html
[6] Unser schwarzer Tee entsteht durch eine Oxidation. Der Pu'er Tee (普洱茶)  [6a] reift unter Zugabe von Schimmelpilzen und Hefen, wird in Formen gepresst und für einige Sekunden gedämpft und schließlich noch bis zu Jahrzehnten abgelagert.
[6a] https://rheumatologe.blogspot.com/2023/12/ein-versuch-zur-klassifizierung-von.html  
[6b] Hier stehen weitere Informationen: https://rheumatologe.blogspot.com/2022/07/puer-tee-und-das-buch-zum-tee-von.html  
[7] https://en.wikipedia.org/wiki/Theanine
[8] Dashwood R, Visioli F. l-theanine: From tea leaf to trending supplement - does the science match the hype for brain health and relaxation? Nutr Res. 2025 Feb;134:39-48. doi: 10.1016/j.nutres.2024.12.008. Epub 2025 Jan 2. PMID: 39854799.

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Saturday, December 30, 2023

Ein Versuch zur Klassifizierung von chinesischen Teesorten

 



Kapitel 3: Vorläufige Klassifizierung

Ich habe mich bereits längere Zeit mit der Klassifizierung chinesischer Tees beschäftigt und bin immer noch nicht zu einem Abschluß gekommen. Ich bin zu der Überzeugung gekommen, daß die reine Farb-Klassifizierung die am besten handzuhabende ist. Deshalb stelle ich dieses Zwischenergebnis auf meinen Blog.

Charakteristica

Charakteristica nach Herstellungsverfahren [1] in der Farb-Klassifizierung, wobei die frischen grünen Blätter bereits sortiert und gesäubert sind:
1.Weißer Tee
Bisweilen Welken, Dämpfen, Trocknen, bisweilen vorsichtigen Rollen, weiteres Trocknen.
2. Gelber Tee
Kein Welken, trockene Hitze, feuchte Hitze, Rollen, Trocknen.
3. Grüner Tee
Eher kein Welken, feuchte oder trockene Hitze, Rollen, Trocknen.
4. Schwarzer oder dunkler Tee (kein “Schwarztee“) [2]
Zunächst wie grüner Tee, Lagern, mit Mikroben versetzen, Reifen / Fermentieren.
5. Oolong
Welken, in Körben schütteln, partielle Oxidation abwarten, trockene Hitze, Rollen / Formen, vollständiges Trocknen, u.U. über Rauch.
6. Roter Tee (Schwarztee) [2]
Welken, Quetschen und Oxidation (eher Blatttees), oder CTC (eher Broken, Fannings oder Dust), Rollen, Trocknen ggf. bei starker Hitze (Rösten).


Klassifikation chinesischer Teesorten nach dem Farbsystem
Kommen nur zur exemplarischen Klassifikation chinesischer Teesorten nach dem Farbsystem, wobei sich hier noch Fragen auftun, ob Unterklassifikationen sinnvoll sind, wahrscheinlich ja (siehe Oolong), und wie umfangreich eine solche Klassifikation sein sollte, um nicht vor lauten Zuordnen durch die Menge den Überblick zu verlieren.

1.
白茶 Weißer Tee
1.1
白毫银针 Baihao Yinzhen Silver Needle tea
1.2 Bai Mudan (white peony)
白牡丹
1.3 Shou Mei tea
壽眉

2.
黃茶 Gelber Tee
2.1 Junshan Yinzhen (
君山銀針) Silver Needle yellow tea.
2.2 Meng Ding Huangya (
蒙頂黃芽)
2.3 Mogan Huangya (
莫干黃芽)
2.4 Beigang Maojian (
北港毛尖) also known by the Tang Dynasty-era name Yōnghúchá (邕湖茶)
2.5 Weishan Maojian (
溈山毛尖):
2.6 Haimagong Cha (
海馬宮茶)
2.7 Da Ye Qing (
大葉青)
2.8 Pingyang Huangtang (
平陽黃湯)
2.9 Yuan'an Luyuan (
遠安鹿苑)

3.
綠茶 Grüner Tee
3.1
西湖龙井 Longjing tea
3.2
洞庭碧螺春 Biluochun tea
3.3
黄山毛峰 Huangshan Maofeng tea
3.4
六安瓜片 Lu'an Melon Seed tea
3.5 Chun Mee (
珍眉)
3.6 Gunpowder tea (
珠茶)
3.7 Taiping Houkui (
太平猴魁)

4.
烏龍茶 Oolong Tee
4.1 Fujian
4.1.1
安溪铁观音 Anxi Tieguanyin tea
4.1.2
武夷岩茶-大红袍 Wuyi tea, e.g., Da hong pao
4.2 Taiwan
4.2.1 Dong Ding
4.2.2 Dongfang meiren – Die Teepflanzen werden vor dem Pflücken vom Jassid oder Blatthüpfer angegriffen.
4.2.3 Alishan oolong
4.2.4 Lishan (
梨山) Oolong
4.2.5 Baozhong – Der am wenigsten oxidierte Oolong Tee Taiwans)
4.2.6 Ruan zhi
4.2.7 Jin Xuan
4.2.8 Schwarzer Oolong – Röstaromen ähnlich Kaffee.
4.2.9 Gaoshan
4.2.10 Tieguanyin – aus Muzhya in der Nähe von Taipei.

5.
紅茶 Roter Tee / Schwarztee
5.1
祁门红茶 Keemun Schwarztee
5.2 Tǎnyáng-gōngfu (
坦洋工夫)
5.3 Zhènghé-gōngfu (
政和工夫)
5.4 Báilín-gōngfu (
白琳工夫)
5.5 Zhèngshān-xiǎozhǒng (
正山小中種)
5.6 Yínjùnméi (
銀駿眉)
5.7 Jīnjùnméi (
金駿眉)
5.8 Yúnnán-hóngchá (
雲南紅茶)
5.9 Yīngdé-hóngchá (
英德紅茶)
5.10 Jiǔqǔ-hóngméi (
九曲紅梅)
5.11 Rìyuè-tán-hóngchá (
日月潭紅茶)

6.
黑茶 Schwarzer Tee / Fermentiert
6.1
云南普洱 Yunnan Pu'er
6.2 Liu an lan cha (
安徽六安籃茶)
6.3 Liu bao cha (
廣西六堡茶)
6.4 Qing zhuan cha (
湖北青砖茶)
6.5 Fu zhuan cha (
湖南茯磚茶 / 黑茶)
6.6 Lu bian cha (
四川路边茶)
6.7 Zang cha (
藏茶)
– Ziegeltee für Tibet.
6.8 Pu'er cha (
雲南普洱茶)

7. Interessante Punkte – oder was noch übrig bleibt
7.1 Vor der Ming-Dynastie mehr Ziegeltee als Blatttee.
7.2 Die Schreibweise von Varietäten spiegelt häufig den englischen Sprachgebrauch und die historische oder südchinesische Aussprache wider und nicht das offizielle moderne Pinyin, zum Beispiel: Bohea (
武伊茶 wǔyí chá), Congou (公夫 gōngfu), Hyson (西春茶 xīchūn chá), Souchong (拉普山小種 Pushan souchong (lāpǔshān xiǎozhǒng), Chunmee (珍眉 zhēnméi), Sowmee (秀眉  xiùméi), Pekoe (白毫 Báiháo), Keemun (祁門紅茶 Qímén Hóngchá).
7.3 Nicht aufgenommen werden
7.3.1 Chrysanthemen Tee
7.3.2 Jasmine tea (
茉莉花茶,香片) – obwohl auch bei uns bekannt.
7.3.3 Kuding tea (
苦丁茶) – ein bitterer Kräutertee, den ich von fliegenden Händlern im Winter auf der Straße (Taipei) angeboten kenne.
7.3.4. Medizinische Tees

Halten wir fest:

  • dies ist ein work in progress
  • die einzelnen Teesorten unterhalb der Farb-Klassifikation müßten untersucht werden
  • weitere Teesorten könnten dazukommen
  • welche Teesorten sind erhältlich – egal wie schwierig?
  • sind weitere Untergruppieren sinnvoll?



Links und Anmerkungen:

[1] Die Verfahren der einzelnen Teesorten können abweichen. Dies ist nur eine Übersicht, die einige Kanten hat glätten müssen.
[2] Hier gilt die chinesische Einteilung in rote Tees, die bei uns Schwarztees benannt werden, und schwarze Tees, die bei uns nicht zusammengefaßt werden und wirklich fermentiert sind. Schwarztee wird leider im Westen häufig als fermentiert angesehen, aber das ist sachlich falsch, es findet eine Oxydation statt.
Die folgenden Artikel, fast alle Wikipedia, habe ich für die Recherchen genutzt:
https://en.wikipedia.org/wiki/Chinese_tea   
https://en.wikipedia.org/wiki/Treatise_on_Tea  
https://en.wikipedia.org/wiki/Yellow_tea  
https://en.wikipedia.org/wiki/White_tea  
https://en.wikipedia.org/wiki/Baimudan_tea  
https://en.wikipedia.org/wiki/Shoumei_tea  
https://en.wikipedia.org/wiki/Baihao_Yinzhen  
https://en.wikipedia.org/wiki/Green_tea  
https://en.wikipedia.org/wiki/Fermented_tea  
https://en.wikipedia.org/wiki/Oolong  
https://www.puercn.com/czs/cybk/21412.html  
https://en.wikipedia.org/wiki/Black_tea
https://de.wikipedia.org/wiki/Keemun
https://en.wikipedia.org/wiki/Pu%27er_tea  
https://en.wikipedia.org/wiki/Compressed_tea
https://de.wikipedia.org/wiki/Kuding-Tee
Außerdem noch das Buch:
Jane Pettigrew: Tee. Das Handbuch für Genießer. Benedikt Taschen Verlag GmbH, Köln 1998. ISBN: 3-8228-7595-3.

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Tuesday, December 26, 2023

Inhaltsstoffe im Tee – ein Überblick

 



Ich hatte mich in den letzten Tagen wieder einmal näher mit Tee beschäftigt und wollte nachschauen, was es denn alles an Inhaltsstoffen gibt. Die Menge ist fast unüberschaubar groß, je nachdem wie tief man forschen will. Ich habe eine MindMap erstellt. Ich meine nicht, daß diese vollständig ist und man könnte streiten, an welcher Stelle die eine oder andere Entität erscheinen soll. Diese Liste gehe ich jetzt in einer Art Vorbeit durch. Dabei werde ich einfach durchnummerieren.

01. Methylxanthine
Die meisten Menschen kennen zumindest Coffein, das früher auch für Tee unter dem Namen Teein mißverstanden wurde, denn man dachte, Coffein nur im Kaffee enthalten ist. Manche kennen auch Theobromin und Theophyllin. Theobromin ist in Kakao z.B. stärker vertreten. Und Theophyllin wurde viel bei Atemwegserkrankungen wie z.B. dem Asthmaanfall verwendet. Theobromin und Theophyllin sind jedoch nur in minimalen Mengen im Tee zu finden. Wenig bekannt ist das Paraxanthin, das in Pflanzen kaum vorhanden ist, da es in Coffein umgewandelt wird. Fast die gesamte Menge (80%) von Coffein wird in Paraxanthin umgewandelt und dann mit dem Urin ausgeschieden [1].
        
02. Ellagsäure
Die Ellagsäure [2] gehört zu den Polyphenolen [3]. Das sind ganz unterschiedliche sekundäre Pflanzenstoffe, wie Farbstoffe, Geschmacksstoffe oder Tannine, die vor Feinden schützen oder durch Farbe anlocken sollen. Wichtig ist für uns Menschen, daß Polyphenole  u. a. antioxidativ wirken. Ellagsäure ist Himbeeren, Granatäpfeln, Erdbeeren und z.B. in weißem Tee enthalten.

03. Flavanole
Die Flavanole oder Catechine gehören zu den Flavonoiden oder sekundären Pfanzenstoffen und sind Stoffe, die Aufmerksamkeit wegen ihres gesundheitlichen Nutzens bekommen haben. Hier werde ich sicherlich sehr tief nachschauen müssen. Hier ist schon einmal eine kurze Liste von Stoffen:
                    (+)-Catechin (+C),
                    (+)-Gallocatechin (GC),
                    (-)-Epicatechin (EC)
                    (-)-Epigallocatechin (EGC)
                    (-)-Epicatechingallat (ECG)
                    (-)-Epigallocatechingallat (EGCG)
                    Digallat
                    Epiafzelechin (EA)
                    Epiafzelechin-3-O-gallat (EAG)
                    Afzelechin        
Hier sei schon einmal auf die wertvolle und lesenswerte Dissertation von Frau Yumen Hilal hingewiesen [4].

04. Flavonole
Es sind verschiedene Flavonole enthalten. Ob sie in nennenswerter Menge im Tee vorkommen muss ich noch herausfinden. Ich meine eher, daß andere Quellen wichtiger sind. Hier sind die drei Flavonole, die nachgewiesen wurden
                Myricetin
                Quercetin
                Kaempferol
               
05. Oxidierte Catechine (Schwarztee)
Wahrscheinlich kann man sie unter Theaflavine zusammenfassen. Es handelt sich um Oxidationsprodukte von z.B. Catechinen, die den Schwarztee ausmachen. Hier ist schon einmal eine vorläufie Liste:                
                    Theaflavine
                    Theaflavinsäuren
                    Theaflagalline
                    Bisflavanole
Die Studie von Anna Vogiatzoglou und Kollegen [5] zeigt einerseits, daß die Versorgung von Flavonoiden in Europa schlecht ist, wobei Großbritannien und insbesondere Irland weniger schlecht dastehen, da sie über die hohe Menge als Schwarztee mehr Flavonoide aufnehmen. Die Studie zeigt indirekt, zeigt wie wichtig diese Quelle ist. Bevor Sie jetzt losstürzen, um Schwarztee zu kaufen. Wenn Sie Grüntee stehen lassen, dann oxidieren die Catechine genauso im Laufe der Zeit. Spätestens passiert das aber in der Leber in der Entgiftungsphase. Es könnte durchaus sein, daß die noch nicht oxidierten Catechine gesundheitlich wertvoller sind, aber dafür müßte ich noch Belege sammeln.

06. Leukoanthocyanidine
Es könnte sein, daß diese Stoffe in so geringen Mengen vorhanden sind, daß sie keine Rolle spielen. Immerhin wurden sie benannt.        

07. Thearubigine
Thearibigine haben etwas mit der roten Farbe (roter Tee!) zu tun. Es handelt sich um Kondensationsprodukte z.B. zweier Gallocatechine. Auf jeden Fall interessante Stoffe. Ich befürchte, daß nur wenig über sie bekannt ist und noch weniger zum Nutzen gesagt werden kann, aber auch das muss ich noch recherchieren.
       
08. Teaghrelins
Teaghrelins sind interessant, da sie Hunger induzieren können [6]. Sie wurden in verschiedenen Oolong-Tees nachgewiesen. Andererseits wird im nicht-wissenschaftlichen Bereich folgende Behauptung aufgestellt: „Darüber hinaus zügeln Grüntee Sorten auch den Appetit. Studien haben gezeigt, dass grüner Tee das Hormon Ghrelin, das für das Hungergefühl verantwortlich ist, reduzieren kann.“ [7] Eine erste Recherche in der wissenschaftlichen Literatur ist jedoch ernüchternd [8].

09. Phenolsäure
Hierbei traf ich auf Theogallin. Prof. Dr. Ulrich H. Engelhardt, Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig, Institut für Lebensmittelchemie, hat irgendwo die Gründe benannt, warum es zu diesem Bestandteil kaum Veröffentlichungen gibt. Vielleicht gibt es mittlerweile mehr. Dem werde ich nachgehen.
        
10. Aminosäuren
L-theanine (5-N-ethylglutamine) oder Theanine ist bislang nur in der Teepflanze gefunden worden. Der Stoff wirkt Coffein entgegen. Er ist für das Umami-Gefühl verantwortlich. Er könnte über die Erhöhung von Serotonin und Dopamin die Lernfähigkeit verbessern.
Es sind noch weitere Aminosäuren vertreten, aber die spielen keine Rolle, da sie in zu geringen Mengen vorhanden sind:
            Asparaginsäure
            Glutaminsäure
            Glycin
            Serin
            Glutamin
            Tyrosin
            Threonin
            Alanin
            Leucin
            Lysin
            Arginin
            Histidin
Ich schätze einmal, daß in einem Eßlöffel Milch, den man in eine Tasse Schwarztee gibt, ein Mehrfaches an Aminosäuren enthalten ist als im Tee selbst.
       
11. Enzyme
Die Polyphenoloxidase und Peroxidase werden beim Aufbrechen der Teeblätter freigesetzt und oxidieren dann den Tee.
        
12. Pigmente
Es finden sich Karotinoide und Chlorophyll, aber ich denke, daß ein Blatt Salat oder Spinat deutlich mehr enthalten ist. Nachprüfen kann man es schon.
        
13. Saponine
Die Saponine Camelliagenin A und Barringtogenol C wurden im Tee gefunden. Saponine bilden häufig Schaum. Die Pflanzen schützen sich mit ihnen z.B. vor Pilzbefall. Saponine weisen eine hohe Strukturvielfalt auf [9].
        
14. Ätherische Öle
Ätherische Öle sind flüchtig und machen das Aroma aus. Es wurden gefunden:
            Geraniol
            Linalool
            Nerolidol
            weitere flüchtige Stoffe
        
15. Vitamine
Selbst Vitamin C kommt im aufgebrühten Tee in nur geringer Menge vor. Alle anderen sind nicht nennenswert – von der Menge her gesehen.
        
16. Mineralien
Fluorid kommt vor. Hier müßten Nutzen und Schaden gegeneinander abgewogen werden.
Sonst in nicht nennenswerten Mengen
                Mangan
                Selen
                Jod
                Kalium  

17. Kohlenhydrate / Zucker
Verschiedene Zucker wurden gefunden:
               Glucose
               Fructose
               Sucrose Maltose
               Rhamnose
               Raffinose
               Stachyose
        
18. Unerwünschte Stoffe
Es finden sich auch unerwünschte Stoffe, u.a.:
               Pestizide
               Schwermetalle
                  Arsen
                  Cadmium
                  Blei
               Pyrrolizidinalkaloide
               Epichlorohydrin über Teebeutel

Ich werde versuchen, nach und nach die fehlenden Bausteine zu recherchieren. Dabei kann sich die MindMap nochmals verändern. Ich glaube, daß ein Jahr an Zeitaufwand realistisch ist.


Links und Anmerkungen:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Paraxanthin  
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Ellags%C3%A4ure
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Polyphenole
[4] https://leopard.tu-braunschweig.de/servlets/MCRFileNodeServlet/dbbs_derivate_00011622/Dissertation.pdf
[5] Anna Vogiatzoglou, Angela A. Mulligan, Marleen A. H. Lentjes, Robert N. Luben, Jeremy P. E. Spencer: Flavonoid Intake in European Adults (18 to 64 Years). In: PLOS ONE. Band 10, Nr. 5, 26. Mai 2015, S. e0128132, doi:10.1371/journal.pone.0128132.
[6] https://en.wikipedia.org/wiki/Teaghrelins
[7] https://matcha-karu.com/blogs/wissen/gruener-tee-zum-abnehmen  
[8] Haghighatdoost F, Nobakht M Gh BF, Hariri M. Effect of green tea on plasma leptin and ghrelin levels: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled clinical trials. Nutrition. 2018 Jan;45:17-23. doi: 10.1016/j.nut.2017.06.022. Epub 2017 Jul 10. PMID: 29129232.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29129232/
[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Saponine

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Friday, January 27, 2023

Ein Versuch zur Klassifizierung von chinesischen Teesorten

 



Kapitel 2.1: Boden und Dünger


Bei den Recherchen zur Klassifizierung kam ich über den Lu'an Tee (六安茶), der auch Lu'an Melonensamen Tee (六安瓜片茶) genannt wird, dazu, über Boden und Dünger nachzudenken. Im englischen Wikipedia Artikel zu chinesischem Tee [1] kann man lesen: „The Lu'an tea from the Bat Cave of Jinzhai County is considered of superior quality, as thousand of bats in the cave can provide an ideal fertilizer for the tea plants.“ Daher kommt die Idee,  sich mit Dünger zu beschäftigen.

Bleiben wir zunächst beim Lu'an Tee. Der kommt natürlich auch im Traum der Roten Kammer vor, wie der Baidu Artikel erwähnt [2]; ich auch schon einmal über Teewasser im Roman Der Traum der Roten Kammer geschrieben [3]. Wie ich aus dem Baidu Artikel und einem weiteren aus Taiwan [4] entnehmen kann, ist der Fledermaus-Kot-Dünger nur eine Vignette, die sich aber überhaupt nicht als Unterscheidungsmerkmal eignet. Vielmehr ist es die komplizierte Art, wie der Tee verarbeitet wird, wobei eine bestimmte, sehr kurze Röstung in der Pfanne eine Rolle spielt, die manuelles Geschick der beteiligten Handwerker erfordert. Und dann spielen noch Verpackung und Ablagerung eine Rolle, so daß der Lu'an Tee sich dann ähnlich dem Pu'er Tee (普洱茶) verändert. Dementsprechend schlägt man im Artikel aus Taiwan auch vor, ihn den schwarzen Tees (黑茶) wie den Pu-er Tee zuzuordnen. Traditionell wurde er gerne gegen Magenbeschwerden getrunken.

Ich habe in PubMed gesucht und 44 Artikel über Tee und Dünger (fertilizers) gefunden. Die stammen nicht nur aus China, sondern auch aus Indien oder dem Iran sowie weiteren Ländern waren Artikel dabei. Die meisten sind von der Verbesserung des Anbaus motiviert.

Ein iranischer Artikel hatte u.a. die Zugabe von Harnstoff untersucht [5]. Man fand mehr Tannin im Tee. Ein chinesische Forschergruppe fand heraus, daß Harnstoff die Verfügbarkeit von Fluor aus dem Boden erhöht (Übersetzung: „Am wichtigsten ist, dass mit CO(NH2)2-Zugabe [Harnstoff] der Gehalt an F im Tee von der ersten bis zur fünften Knospe im Vergleich zu denen ohne CO(NH2)2 signifikant anstieg, ...“ [6]. Das ist allerdings nicht wünschenswert wegen der Gefahr einer Fluorose (Zahn- und Skelettfluorosen, z.B. Wirbelkanalverengungen). In einem weiteren Artikel wurde wild wachsender und kultivierter Tee verglichen [7]. Man fand heraus (Übersetzung): „Der analysierte kultivierte Tee war eine bessere Quelle für Antioxidantien mit einer höheren Konzentration an Koffein.“ Da muss ich gestehen, daß ich genau das Gegenteil erwartet hätte. Ein weiterer Artikel untersuchte die Veränderung der Mikroflora des Bodens [7] (Übersetzung): „Die Verwendung von organischem [Bio-] Dünger erhöhte die relative Häufigkeit von Burkholderiales, Myxococcales, Streptomycetales, Nitrospirales, Ktedonobacterales, Acidobacteriales, Gemmatimonadales und Solibacterales signifikant und verringerte die Häufigkeit von Pseudonocardiales, Frankiales, Rhizobiales und Xanthomonadales.“ Geben Sie es ruhig zu, bei Gemmatimonadales haben Sie an Guiliano Gemma gedacht [8].

Der Dünger kann vielleicht helfen, zwischen Bio-Tees und Tees aus nicht biologischem Anbau zu  unterscheiden, aber das war es auch schon. Ansonsten völlig ungeeignet zur Unterscheidung von chinesischen Teesorten.


Links und Anmerkungen:
[1] https://en.wikipedia.org/wiki/Chinese_tea Übersetzung „Der Lu'an-Tee aus der Fledermaushöhle im Bezirk Jinzhai gilt als von höchster Qualität, da Tausende von Fledermäusen in der Höhle einen idealen Dünger für die Teepflanzen darstellen können.“
[2] https://baike.baidu.com/item/%E5%85%AD%E5%AE%89%E8%8C%B6/3505692  Die entscheidende Stelle lautete: 贾母道:“我不吃六安茶。”妙玉笑说:“知道.这是老君眉。” Übersetzung: „Mutter Jia sagte: „Ich trinke keinen Lu'an Tee.“ Miao Yu erwiderte lachend: „Weiß ich. Das ist Lao Jun Mei [Tee].“
[3] https://rheumatologe.blogspot.com/2021/09/teewasser-im-roman-der-traum-der-roten.html
[4] https://core.ac.uk/download/pdf/249335396.pdf Dieser Artikel ist sehr gut bebildert, so daß er auch für Nicht-Sinologen interessant ist.
[5] Shahram Sedaghathoor, Ali Mohammadi Torkashvand, Davood Hashemabadi and Behzad
Kaviani: Yield and quality response of tea plant to fertilizers. In: African Journal of Agricultural Research Vol. 4 (6), pp. 568-570, June, 2009.  https://academicjournals.org/journal/AJAR/article-full-text-pdf/530485F34006
[6] Long H, Jiang Y, Li C, Liao S, Shi S, Huang C, Zhao S, Li X, Liao Y. Effect of urea feeding on transforming and migrating soil fluorine in a tea garden of hilly region. Environ Geochem Health. 2021 Dec;43(12):5087-5098. doi: 10.1007/s10653-021-00949-4. Epub 2021 Apr 28. PMID: 33913082. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33913082/  
[7] Chowaniak M, Niemiec M, Zhu Z, Rashidov N, Gródek-Szostak Z, Szeląg-Sikora A, Sikora J, Kuboń M, Fayzullo SA, Mahmadyorzoda UM, Józefowska A, Lepiarczyk A, Gambuś F. Quality Assessment of Wild and Cultivated Green Tea from Different Regions of China. Molecules. 2021 Jun 13;26(12):3620. doi: 10.3390/molecules26123620. PMID: 34199199; PMCID: PMC8231865.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34199199/   
[8] Lin W, Lin M, Zhou H, Wu H, Li Z, Lin W. The effects of chemical and organic fertilizer usage on rhizosphere soil in tea orchards. PLoS One. 2019 May 28;14(5):e0217018. doi:  10.1371/journal.pone.0217018. PMID: 31136614; PMCID: PMC6538140.  https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31136614/
[9] Giuliano Gemma, italienischer Schauspieler, 1938-2013. Filme, wie z.B. Auch die Engel mögen’s heiß (Anche gli angeli tirano di destro) bleiben mir in Erinnerung.  https://de.wikipedia.org/wiki/Giuliano_Gemma


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Saturday, January 7, 2023

Ein Versuch zur Klassifizierung von chinesischen Teesorten

 



Kapitel 1: Einleitung

Wenn man versucht, Tee zu klassifizieren, dann stößt man schnell auf Grenzen, da sich die einzelnen Kategorien überschneiden oder aber manche Teesorten sich schlecht zuordnen lassen. Kategorien, die in China üblich sind, sind im Westen wiederum unüblich. Das mag teilweise darauf zurückzuführen sein, daß nicht alle Teesorten in den Handel, insbesondere den internationalen Handel gelangen. In Taiwan habe ich auf Wochenmärkten Tees gesehen, die in Zitrusfrüchte gestopft, dann mit Schnüren umschlungen worden waren, um eine weitere Fermentation zu erfahren, die dann durch Trocknen (weitestgehend) gestoppt wurde; da möchte ich die EU-Bestimmung sehen, die solch einen Tee die Grenze passieren läßt.

Ich will mich auf chinesischen Tee (茶) aus der Teepflanze (Camellia sinensis) beschränken und andere Tees, z.B. Aufgüsse aus Kräutern oder Tees wie Yerba Mate, Coca-Blätter, Lapacho und eine Vielzahl mehr ausschließen. Wir brühen typischerweise den Tee aus Teeblättern mit 60–100°C heißem Wasser auf, aber auch andere Methoden sind denkbar.

Eine Auflistung von chinesischen Tees auf der englischen Wikipedia-Seite [1] bringt folgende Aufstellung:
Black tea (紅茶) – Englisch: schwarzer Tee / Chinesisch: roter Tee
Green tea (綠茶) – Englisch: grüner Tee / Chinesisch: grüner Tee
Oolong (Wulong) – Englisch: Oolong / Chinesisch: fehlt, aber es wird so geschrieben: 烏龍茶
White tea (白茶)  – Englisch: weißer Tee / Chinesisch: weißer Tee
Yellow tea (黃茶)  – Englisch: gelber Tee / Chinesisch: gelber Tee
Fermented / Dark tea (黑茶) Englisch: fermentierter oder dunkler Tee / Chinesisch: schwarzer Tee

Dieser Wikipedia-Artikel wendet sich an ein Englisch sprachiges Publikum und es gibt von ihm nur eine Teilübersetzung ins Tamilische [2]. Die Einteilung geht vom bekannten zum unbekannten Tee. Zunächst meint man, hierbei eine Klassifizierung nach Farben vorzufinden. Aber was im Westen schwarz ist, nennt der Osten rot. Gut – „Der Osten ist rot“ (东方红), wie das Loblied der Roten Garden auf Mao Zedong (毛泽东) lautete. Die Chinesen blicken auf die Farbe des Aufgusses, der Westen blickt auf die Teeblätter. Und was ist mit Oolong-Tee, das ist keine Farbbezeichnung oder doch? Man könnte darunter bernsteinfarbene Tees (Englisch: amber) verstehen, ich dachte, es handele sich um ein Toponym, aber in China wird Oolong unter der Farbe Qing (青) [3] geführt. Und da wird es wieder kompliziert, denn Qing kann für die Farben Blau, Schwarz und Grün stehen, auch für das Weiße vom Ei kann es stehen, wenn ich hier einmal Gelbe vom Ei weglassen darf. Qing steht für alle möglichen Naturfarben, es ist am ehesten ein bläuliches Grün, so wie die Ampeln in Japan, worauf ich in einem völlig anderen Zusammenhang einmal hingewiesen habe [4]. Was kann die Bezeichnung Weiß bedeuten? Vielleicht kaum behandelt, unfermentiert; aber da liegt doch noch mehr drin. Und gelber Tee? Eher eine Unterscheidung zu grünem Tee nicht durch die Farbe sondern eine bestimmte Methode des Dämpfens. Die Einteilung dunkler oder chinesisch schwarzer Tee beinhaltet eine andere Fermentierung als die von Schwarz-Tee oder Oolong-Tee, denn diese  sind chemisch zu erklären. Die weitere Fermentierung etwa von Pu-er-Tee erfolgt durch Mikroorganismen. Pu-er-Tee sieht übrigens rot wie Schwarz-Tee aus.

Eine Einordnung nach Farben ist praktisch, bleibt aber problematisch; wenn Farben für chinesische Teesorten benutzt werden, dann am besten nach chinesischer Tradition.

Wir haben bereits weitere Merkmale kennengelernt, die bei der Klassifizierung helfen können. Wir könnten den Fermentierungsgrad und die Verarbeitungsart als Unterscheidungsmerkmale nutzen. Die Möglichkeiten, den Tee nach der Fermentierung weiter zu bearbeiten, als wären: in Blöcke pressen, pulverisieren, zu Pasten verarbeiten, durch Mikroorganismen oder Enzyme verändern lassen. Ein Thema wird sicherlich die Unterscheidung nach Herkunftsgebiet sein. Wie oder besser was wird gepflückt? Nur die Spitze, die ersten drei Blätter? Hochpreis gegen Niedrigpreis? Sollen in die Betrachtung auch Sorten gehören, die wir hier ziemlich sicher nie sehen werden? Wahrscheinlich sind sie zu interessant, als daß man sie wegläßt.

Ziel ist nicht, eine neue Klassifikation zu schaffen, aber bestehende Klassifikationen abzugleichen und wissen, wie man damit arbeiten kann.



Links und Anmerkungen:
[1] https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_Chinese_teas
[2] https://ta.wikipedia.org/wiki/%E0%AE%9A%E0%AF%80%E0%AE%A9_%E0%AE%A4%E0%AF%87%E0%AE%A8%E0%AF%80%E0%AE%B0%E0%AF%8D_%E0%AE%AA%E0%AE%9F%E0%AF%8D%E0%AE%9F%E0%AE%BF%E0%AE%AF%E0%AE%B2%E0%AF%8D
[3] Das Zitat dazu lautet: 在中國大陸,烏龍茶的茶葉加工分類上屬於綠紅黃白黑青六大茶系中的青茶,。。。https://zh.wikipedia.org/wiki/%E4%B9%8C%E9%BE%99%E8%8C%B6  
[4] „ Die Verwirrung setzt sich bis heute z.B. in Japan durch, wo die Ampelphase für unser Auge blau und nicht grün ist. Zu 青 gibt es eine nette Quora-Diskussion: https://www.quora.com/In-Chinese-does-the-color-%E9%9D%92-mean-green-or-blue.“  https://rheumatologe.blogspot.com/2022/07/freitagsgedichte-kurzlyrik-01072022.html


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Thursday, October 27, 2022

„It's Tea Time!“


Dem WochenSpiegel liegt monatlich das „Live magazin“ bei [1], das ich gewöhnlich durchblättere, um zum Kreuzworträtsel zu gelangen [2] – jetzt ist es raus! Diese Rätsel haben den Charme des – im Rheinland sagt man – Zurechtgefrickeltem. Aber da gelangte ich erst später hin, denn erst einmal sah ich auf dem Umschlagsblatt die Überschrift „It's Tea Time!“ und eine Frau, die eine Tasse in der linken (?) und ein Buch in der rechten (?) Hand hält und aus einem Fenster hinaus schaut. Warum liest sie nicht in dem Buch, dachte ich mir. Ist der Text auf Kyrillisch geschrieben? Nein, der Text ist in Spiegelschrift – da kann man verstehen, daß sie aus dem Fenster schaut.

Auf S. 4 und 5 steht dann der Artikel, der zwei Teeläden vorstellt [3]. „Da wird gefragt: „Trinkst du Tee oder Kaffee?“ – aber warum geht nicht beides?“ Aus gutem Grund! Ich bin ziemlich experimentierfreudig, aber Tee und Kaffee … in einer Tasse?

„Echter Tee wird immer aus der Pflanze Camellia Sinensis gewonnen ...“. Im Prinzip: ja. Aber es gibt verschiedene Camellia-sinensis-Varietäten und vielleicht hat die Camellia sinensis var. assamica sogar die größere Verbreitung, wobei allerdings Hybride gezüchtet wurden und man vier Varietäten unterscheidet.

Pu-Erh-Tee wird als „der einzig wirklich fermentierte Tee“ beschrieben. Bei Grünem Tee „wird die Fermentation durch Pfannenröstung oder unter Wasserdampf gestoppt“. Wie paßt das zusammen? So erst einmal nicht. Das Wort Fermentieren wird bei Tee leider auch für das Oxidieren angewendet und darin liegt der Fehler, deshalb hat Frau Kauder Recht, denn Pu-Erh-Tee [4] entsteht erst durch die Fermentation von Mikroorganismen. Bei allen anderen Teesorten sind Verarbeitung und Oxidation für die Unterschiede verantwortlich. Weißer Tee ist am wenigsten bearbeitet, Grüner Tee ist kaum oxidiert, Gelber Tee (auch den gibt es) ein wenig oxidiert, Oolong und ähnliche Tees „halb-oxidiert“ und Schwarzer Tee ist „vollständig“ oxidiert. Die Begriffe „halb-oxidiert“ und  „vollständig“ oxidiert sind als Appoximationen zu werten.

„Zu den Dauerbrennern … zählen „Earl Grey“ und „Ostfriesentee“.“ Zu beiden habe ich auch schon  geschrieben – Earl Grey Tee [5] und Ostfriesentee [6].

Ich wünsche den Teeläden in Euskirchen, Mechernich und Gemünd viel Erfolg.


 

Links und Anmerkungen:
[1] Live magazin, Ausgabe Kreis Euskirchen, November 2022
[2] a.a.O. S. 19. Kennen Sie die „Stadt bei Oslo“ mit vier Buchstaben? Nein? Der Ort Grue ist gemeint und liegt ca. 130 km von Oslo entfernt; immerhin 4548 Einwohner leben dort [2a]. Schwieriger war schon „Greiforgan der Elefanten“ mit vier Buchstaben. Tja: Arve ist die Lösung – hätten Sie's gewußt? Oder „Kiefernart“ mit sieben Buchstaben – das ist natürlich: Ruessel.
Kreuzworträtsel und nicht Kreuzwortsrätsel, dabei heißt es doch auch Adsventskalender.
[2a] https://en.wikipedia.org/wiki/Grue,_Norway
[3] Der Teeladen – Schönes zum Tee;  Dreiborner Straße 35, 53937 Schleiden (das ist für Einheimische Gemünd!). Tee-Traum Ulrike Kauder; Berliner Straße 8, 53879 Euskirchen (liegt für mich etwas abseits). Und da wir beim Auflisten von Adressen sind, es gibt auch noch: Tee & Kaffee … pur!, Bahnstraße 48, 53894 Mechernich.
[4] Pu'er Tee und das Buch zum Tee von Martina Seifen https://rheumatologe.blogspot.com/2022/07/puer-tee-und-das-buch-zum-tee-von.html und Abnehmen mit Pu-Erh Tee? https://rheumatologe.blogspot.com/2013/03/abnehmen-mit-pu-erh-tee.html Ich sollte das Thema  Pu'er Tee / Pu-Erh-Tee nochmals aufgreifen.
[5] Noch einmal zu Earl Grey Tee https://rheumatologe.blogspot.com/2022/02/noch-einmal-zu-earl-grey-tee.html
[6] Tee in Ostfriesland https://rheumatologe.blogspot.com/2022/02/tee-in-ostfriesland.html

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Tuesday, October 25, 2022

„Heilen mit Chinatees“ von Li Yongkang


Ich habe kürzlich das Buch Heilen mit Chinatees von Li Yongkang [1] zu Gesicht bekommen. Das Vorwort weckte bei mir noch keinen Verdacht, aber dann wurde es immer deutlicher: das Buch hat kein Chinese geschrieben, jedenfalls meine ich, dafür genügend Indizien zu finden – beweisen kann ich es selbstverständlich nicht.

Unter „Über dieses Buch“ [2] finden wir folgenden Eintrag: „Professor Dr. Li Yongkang, Jahrgang 1950, entstammt einer der ältesten Ärztedynastien in China.“ Mit dem Hinweis auf Ärztedynastien ist man im China nach der Kulturrevolution bis zur Jahrtausendwende noch sehr vorsichtig gewesen. Aber gibt es den Mann denn überhaupt. Yongkang, der Vorname, wird mit „ewig gesund“ übersetzt – das wären die Zeichen 永康, also 李永康. Und einen Professor Li Yongkang gab es an der Universität Wuhan [3]. Diese chinesische Biografie ist kurz gefaßt aber sehr genau, ich entnehme ihr sogar, daß  Li Yongkang 175 cm groß und 65 kg schwer war. Als Geburtsdatum wird der 21.07.1952 genannt. Ist der Herr Professor bereits so vergeßlich, daß er sein Geburtsjahr nicht mehr weiß?  Ich glaube eher, daß man an seinen Namen über die Teilnahme am AIDS-Kongress in Vancouver 1996 gekommen ist – auch das kann ich nicht beweisen.

Im weiteren Text finden sich westliche Stereotypien zu China. „Generation für Generation hielt das Altbewährte … fest … in Büchern ...“ – das war sicherlich nicht so. Nur wenige Schriften in Bronzegefäßen haben direkt überdauert, andere sind kopiert worden; dies geht etwa 3000 Jahre zurück [4]. Im nächsten Absatz wird Hildegard von Bingen erwähnt. Ich wage zu bezweifeln, daß eine christliche Nonne des Mittelalters in Kreisen der Traditionellen Chinesischen Medizin der Volksrepublik China in den 1990iger Jahren Diskussionsthema war. Und dann ist von „den Chinesen“ die Rede. So rede ich doch nicht von mir selbst – als Chinese.

„Ebensowenig wenig wie ein Europäer auf die Idee käme, Nahrung als Medikament einzusetzen, ...“. Hippokrates ist ein Europäer und von der Alternativmedizin habe ich das Zitat gelernt: „Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel sein und eure Heilmittel sollen eure Nahrungsmittel sein.“

Dann taucht Shen Nong (神農) als Chen Nung („er soll 2697 vor unserer Zeitrechnung gestorben sein“) auf. Shen Nong zählt zu den legendären Kaisern und seine Historizität wird auch im chinesischen Wikipedia-Artikel angezweifelt, so daß man eher von einem Klan als einer Einzelperson ausgeht [5]. Dies sollte einem chinesischen Universitätsgelehrten bekannt sein. Später im Buch erscheint Shen Nong als Shen Nung [6].

Unter „Lebenselixier grüner Tee“ lese ich: „Ebenfalls japanische Wissenschaftler haben ...“. Wenn es um chinesische Belange geht, werden japanische Quellen nicht so gerne zitiert, jedenfalls im China der 1990iger Jahre.

Unter „Chinesische Heilpflanzen für Ihre Gesundheit“ finde ich den Eintrag „Aprikosen (Sing Ren)“. Xìngrén (杏仁) bedeutet Mandel und es wird nicht deutlich zwischen Mandeln und Aprikosenkernen unterschieden. Das hätte Professor Li allerdings getan.
Es findet sich der Eintrag „Kohlportulak (Ma Chi Xian)“. 马齿苋 (Mǎ chǐ xiàn) ist einfach Portulak. Den Begriff Kohlportulak habe ich noch nie zuvor gesehen.
„Kugelblume (Quian Ri Hong)“ - ein weiterer Hinweis, daß hier niemand am Werk war, der Kenntnisse in Chinesisch hat. Quian müßte Qian sein und die Pflanze ist dann Qian Ri Hong (千日紅), also Echter Kugelamaranth [7], botanischer Name: Gomphrena globosa. Die Kugelblume oder Echte Kugelblume (Globularia bisnagarica) kommt in China überhaupt nicht vor.

„Grüner Tee enthält viel Zink“ und „... ist grüner Tee reich an Kalzium und Fluor“ sind auch Ideen, die wissenschaftlicher Prüfung nicht standhalten. 200 ml Tee enthielten in einer Studie 0,3 g Kalzium [8] – das entspricht 0,15 % der empfohlenen täglichen Aufnahme (RDA).

Die Ideen zu grünem, schwarzem und rotem Tee sowie Pu-Erh-Tee sind ähnlich wie in dem Buch zu Pu-Erh-Tee, das ich schon beschrieben hatte [9]. Hier noch eine Perle: „Lipämie ist eine Krankheit, bei der Fetteiweiße im Blut krankhaft erhöht sind, ...“. Sie können sich das Nachschlagen im Duden ersparen – das Wort gibt es nicht. Vielmehr bezeichnet man als Lipämie die Erhöhung der Neutralfette im Serum, wodurch es eine milchige Trübung annimmt.

Stellen wir uns die Frage: warum sollte Li Yongkang so ein Buch schreiben? Wenn wir uns den Zeitraum 1992-1997 anschauen, dann hat er damals einen Wissenschafts- und Technologiefortschrittspreises der Provinz Yunnan gewonnen und war beteiligt bei den Gründungen des Yongkang TCM Beauty Salons, des Yongkang TCM Specialized Hospitals, der Yongkang TCM Beauty and Health Care Chain Institutions des Yongkang Institute of Traditional Chinese Medicine,  des "HIV" Research Centers, der Yunnan Yongkang Pharmaceutical Co., Ltd. und eines  Kräuterforschungszentrums gegründet, das sich mit der Entwicklung und Anwendung konzentrierter Nahrungsergänzungsmitteln und pflanzlicher Kosmetik beschäftigt. Ich kann keinen Grund für Li Yongkang sehen, so ein Buch zu schreiben. Es ist in seiner Biografie auch nicht erwähnt. Ich stelle mir eine weitere Frage: wann soll er es geschrieben haben?

Die chinesischen Zeichen auf dem Buchumschlag stammen nicht aus China. Die Bilder auf den Seiten 28 und 50 sind spiegelverkehrt – sieht man an den chinesischen Zeichen.

Egal, wer dieses Buch nun geschrieben hat, empfehlen kann ich es nicht. Abraten, ja, ich möchte abraten – das trifft es viel besser!




Links und Anmerkungen:
[1] Li Yongkang: Heilen mit Chinatees. 50 bewährte Rezepte gegen Übergewicht, Erschöpfung und zu hohes Cholesterin. Midena, Augsburg 1997. ISBN: ‎ 3-310-00433-3.
[2] a.a.O. S. 94
[3] https://baike.baidu.com/item/%E6%9D%8E%E6%B0%B8%E5%BA%B7/4377277
[4] Typische Inschriften finden sich in Dobsons Early Archaic Chinese. Solch eine Inschrift berichtet über den Grafen X, der beim König ehrenhaft empfangen wurde und nach der Rückkehr dem Sekretär Y ein Pferd schenkte, weshalb dieser das vorliegende Bronzegefäß anfertigen ließ. W.A.C.H. Dobson: Early Archaic Chinese. A Descriptive Grammar. University of Toronto Press, o.O. 1962. ISBN: ‎ 0-802-05106-5. Ist aktuell für 163,17 € erhältlich; https://www.abebooks.de/9780802051066/Early-Archaic-Chinese-Dobson-W.A.C.H-0802051065/plp.
[5] https://zh.wikipedia.org/wiki/%E7%A5%9E%E5%86%9C
[6] S. 13: Chen Nung, S. 62: Shen Nong; richtig: Shen Nong (神農).
[7] https://zh.wikipedia.org/wiki/%E5%8D%83%E6%97%A5%E7%B4%85
[8] https://link.springer.com/article/10.1007/s00217-015-2548-1
[9] https://rheumatologe.blogspot.com/2022/07/puer-tee-und-das-buch-zum-tee-von.html



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Friday, July 8, 2022

Pu'er Tee und das Buch zum Tee von Martina Seifen

 



Pu'er Tee (普洱茶) oder meinetwegen auch Pu Erh Tee (veraltete Schreibweise) wird gerne als Schlankheitstee angesehen, so auch in dem Buch von Martina Seifen [1]. Wie man auf dem Foto erkennen kann, hat es verramscht nur 0,99 € gekostet, aber auch das ist maßlos. Gut, ich wollte mich wieder einmal über ein Teebuch ärgern. Aber andererseits interessierese ich mich schon seit längerer Zeit für diesen Tee und sein Marketing-Phänomen des Gewichtsverlustes.

Das Buch umfaßt 128 Seiten im Großdruck. 40 Seiten behandeln TCM (Traditionelle Chinesische Medizin), 20 Seiten ein Diät-Programm, auf neun Seiten kann man Schauerlichkeiten wie Eistee aus Pu'er Tee überblättern, eine „kleine chinesische Küchenkunde“, Inhalt, Vorwort und mehr füllen weitere Seiten. Weniger als ein Drittel des Buches behandelt das eigentliche Thema.

Im Vorwort steht „In China gilt er seit 1700 Jahren als der Geheimtip […].“ Tipp oder Tip? Vielleicht war das 1999 sogar noch richtig. Die Zahl 1700 ist gar nicht so falsch, denn die Geschichte reicht wirklich bis in die Zeit der Drei Reiche zurück [2]. Dieser chinesische Artikel zur Geschichte des Pu'er Tees berichtet über die große Entfernung vom (Han-)chinesischen Kulturland und die Schwierigkeiten nach Yunnan zu gelangen, so daß die Bedeutung des Pu'er Tees erst in der Ming- und Qing-Zeit erkannt wurde. „Seit kurzem ist er auch bei uns in aller Munde: Pu-Erh-Tee, der rote Tee aus Yunnan [...]“. Ich wage zu bezweifeln, daß er in aller Munde ist oder war. Der rote Tee – der Aufguss von Pu'er Tee ist rotbraun – , aber das gilt auch für unseren Schwarztee, weshalb Schwarztee in China und anderen ostasiatischen Ländern roter Tee (红茶) genannt wird. Pu'er Tee gehört in China zur Kategorie schwarzer Tee (黑茶) [3]. „Er soll den Cholesterinspiegel senken [...]“. [4] Was etwas soll und was es dann macht sind verschiedene Dinge. Mittlerweile gibt es  Studien an Ratten und auch Hypothesen, aber nicht eine Studie an Menschen ist in Sicht.

„Seit es Tee in China gibt – seit rund 5000 Jahren - [...]“. Da sind sie wieder einmal, die berüchtigten 5000 Jahre. Gerne (allerdings nicht hier) wird eine Legende zu Shen Nong (神農) angeführt, der im Jahr 2737 v. Chr. den Tee entdeckt haben soll, als zufällig Teeblätter in den Wasserkessel gefallen waren und das Getränk den Durst löschte [5]. Es geht aber immer um die Durchdringung einer Idee und die kann nicht hoch gewesen sein. „Der Chinese trinkt Tee nicht nur, [...]“ - das ist so eine bescheuerte Verallgemeinerung, daß ich verzichte, weiter darauf einzugehen. Dann kommt plötzlich ein Hinweis, daß Pu'er Tee dem chinesischen Volk erst seit 50 Jahren bekannt ist, denn da war das magische Jahr 1949, „als Mao Tse Dong den Kaiser entmachtete […].“ Hechel! Hechel! Ich bin kurz vor der Schnappatmung. Auch 1999 schrieb man den Vorsitzenden Mao: Mao Zedong oder früher Mao Tse-tung (毛泽东). Die Qing-Dynastie und damit das chinesische Kaiserreich endete 1912. Es gab Restaurationsversuche, aber die Republik und später Volksrepublik bzw. auch weiter die Republik hatten seit 1912 Bestand.

„Bei alldem hat die TCM nichts mit esoterischem Hokuspukus zu tun, [...].“ Was denn sonst? Ein netter Artikel in Englisch dazu ist von Stephen Barrett auf Quackwatch [6].

„Die alten Chinesen tranken Tee immer und überall […].“ Und die jungen Chinesen? Scherz beiseite, gerade wurde doch noch behauptet, daß die unterprivilegierte Bevölkerung gar keinen Zugang zu Tee hatte, und nun doch? Immer und überall? Ich kann mich noch erinnern, wie zur Zeit der Großen Proletarischen Kulturrevolution (无产阶级文化大革命) die Werktätigen mit heißem Wasser in Thermoskannen zur Feldarbeit gingen  - und nicht mit Tee.

Dann erfahren wir von der Erkenntnis westlicher Wissenschaftler, daß Pu'er Tee Cholesterin senken kann – was allerdings noch längst nicht nachgewiesen ist. Aber: „Die Chinesen wissen das schon lange […].“ Nein, man hatte keine Vorstellung von Blutfetten, Cholesterin und konnte deshalb auch so etwas nicht wissen.

In dem Kapitel „Grüner, schwarzer, roter Tee – Unterschiede in der Herstellung“ steht so viel Ungereimtes, daß ich es nicht auseinander nehmen möchte. Besser nicht lesen. Wir sind bei chinesischem Tee und beim Schwarztee ist von Dhools die Rede, die Terminologie wird also indisch. Der umfangreiche Wikipedia-Artikel zu Pu'er Tee ist viel besser als das Buch geeignet, über Pu'er zu informieren [7]. Frau Seifen führt den Begriff „postfermentierter Tee“ ein, den ich so noch nicht gelesen habe. Pu'er Tee wurde in Ziegel oder andere Formen gepresst, um ihn u.U. über Jahre transportieren und lagern zu können. Dabei konnten Mikroorganismen langsam den Tee weiter fermentieren. Heute versucht man, durch mehr Feuchtigkeit den Prozess zu beschleunigen. Das wiederum führt zu Problemen.

Bei den Inhaltsstoffen geht Frau Seifen auf den Nutzen ein. Es ist fraglich, daß nennenswerte Mengen an Riboflavin oder Pantothensäure über den Tee aufgenommen werden. Fluor soll zur Vorbeugung von Karies dienen. Zu möglichem Schaden steht da nichts. Paßt nicht ins Weltbild. Man hat in Tibet und der Mongolei Menschen mit Fluorose gefunden, denn dort wird (?) bzw. wurde viel Ziegeltee konsumiert [8], der bisweilen zu viel Fluor enthält. Außerdem kann der Tee reich sein an Aflatoxin und die sind sehr ungesund. Die „gesunden“ Inhaltsstoffe werden dann noch einmal wiederholt – es wird dadurch nicht besser. Es sollen auch „Harnsäuren“ gesenkt werden. Es gibt DIE Harnsäure – eine –  und die ist für die Entstehung von Gicht wichtig [9].

Ich komme zum Kapitel „Tee mit Milch und Zucker“. „In China, wo Tee schon seit 3000 Jahren getrunken wird […].“ Also zunächst hatten wir die Zahl 5000, dann 1700 und danach 3000. Und nun? Vielleicht sollte ich mir Ulrichs Rat zu eigen machen: „[...] ich kann dir bloß noch einmal sagen, du nimmst das Denken zu ernst.“ [10] Ansonsten steht bei Frau Seifen auch weiter nur Geschwafel, z.B. vom chinesischen und europäischen Gaumen – gaum zu glauben.

Man könne das Teetrinken auch lassen und dafür Kapsel einnehmen. Das ist nun sehr enttäuschend! Und dann kommt ein Diät-Teil? Ich habe doch gelesen, daß Pu, der Bär, nein: Pu'er Tee („Der chinesische Schlankheitstee“) schlank macht. Wenn ich zusätzlich eine Diät benötige, kann der Tee doch nicht viel bewirken!?

Und schließlich kommen noch die Rezepte. Eistee – könnte es schlimmer sein? Fitness-Tee – da ist dann der „gesunde“ Traubenzucker im Eistee. Es kommt immer noch schlimmer: „Pu-Erh-Tee scharf“. Das soll Pu'er Tee mit schwarzem Pfeffer (黑胡椒) sein. Der schwarze Pfeffer ist in China eher eine rezente Entdeckung. Das gilt genauso für die Muskatnuss. Und weitere Tee-Rezepte mit Kardamom, Zimt, Nelken, Vanille. Oder die Orangenscheibe, denn die hat einen „Vitamin-C-Gehalt“  –  ja wieviel von dieser Kostbarkeit soll denn in der Orangenscheibe stecken?

Schließlich, das darf ich nicht verschweigen, finde sich in dem Buch „Pu Erh Tee / Der chinesische Schlankheitstee“ noch dieser Eintrag: „Lychees / Beliebte chinesische Frucht […] Man kann sie frisch oder in Dosen kaufen.“ Lychees sind mehrere, die Einzahl ist Lychee oder Litschi von lizhi
(荔枝). Aber, daß man sie frisch oder in Dosen kaufen kann – da wäre ich nie drauf gekommen!

Das Buch wird aktuell für 0,40 € feilgeboten [11]. Sie wollen es kaufen? Wahrscheinlich haben Sie gerade sechs Richtige im Lotto gewonnen.




Links und Anmermerkungen:
[1] Martina Seifen: Pu Erh Tee. Der chinesische Schlankheitstee. Econ & ListTaschenbuch, München 1999. ISBN: 3-612 -20652-4.
[2] https://baike.baidu.com/item/%E6%99%AE%E6%B4%B1%E8%8C%B6%E5%8E%86%E5%8F%B2/6315492
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Pu-Erh   
[4] Hou Y, Shao W, Xiao R, Xu K, Ma Z, Johnstone BH, Du Y. Pu-erh tea aqueous extracts lower atherosclerotic risk factors in a rat hyperlipidemia model. Exp Gerontol. 2009 Jun-Jul;44(6-7):434-9. doi: 10.1016/j.exger.2009.03.007. Epub 2009 Apr 5. PMID: 19348878.
„But it isn't known if pu-erh tea has these benefits in humans.“ steht hier: https://www.webmd.com/vitamins/ai/ingredientmono-1169/pu-erh-tea  
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2095754822000321
[5] https://rheumatologe.blogspot.com/2022/04/ein-buch-zu-der-kunst-tee-richtig-zu.html
[6] Stephen Barrett: Why Traditional Chinese Medicine Diagnosis Is Worthless. https://quackwatch.org/acupuncture/reports/diagnosis/
[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Pu-Erh. Darüber hinaus gibt es einen lesenwerten Artikel in Englisch zu gepreßten Tees, zu denen Pu'er Tee gehört: https://en.wikipedia.org/wiki/Compressed_tea.
[8] Jin Cao, Xuexin Bai, Yan Zhao, Jianwei Liu, Dingyou Zhou, Shiliang Fang, Ma Jia, Jinsheng Wu: The Relationship of Fluorosis and Brick Tea Drinking in Chinese Tibetans. In: Environmental Health Perspectives. Band 104, Nr. 12, 1996.
J. Cao, Y. Zhao, J. Liu: Brick tea consumption as the cause of dental fluorosis among children from Mongol, Kazak and Yugu populations in China. In: Food Chem. Toxicol. Band 35, Nr. 8, 1997, S. 827–833.
Zitierung übernommen von [3].
Für Wissensdurstige hier noch ein besonderer Tee – ein Link zum Wikipedia-Artikel zur Fluorose: https://de.wikipedia.org/wiki/Fluorose
[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Harns%C3%A4ure
[10] Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften. Roman. Hrsg. von Adolf Frisé. Rowohlt,  Reinbek (bei Hamburg) 1974. ISBN 3-498-09275-8. S. 376.
[11] https://www.booklooker.de/B%C3%BCcher/Martina-Seifen+Pu-Erh-Der-chinesische-Schlankheitstee/id/A02yfpDH01ZZp


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