Wednesday, December 15, 2021

Die Wegekapelle St. Hermann Josef zwischen Hüngersdorf und Ripsdorf


 

Ich fuhr heute die K43 zwischen Ripsdorf und Hüngersdorf und mir fiel die Wegekapelle St. Hermann Josef auf. Ich fahre die Strecke immer wieder einmal, um dort zu Wandern oder um zu bestimmten Orten zu kommen, aber noch nie war mir diese Kapelle aufgefallen, wo mich doch sonst solche Kapellen in der Landschaft magisch anziehen.

Ich war durch Nebel und eine Atmosphäre von Vergänglichkeit dorthin gelangt. Die Szenerie wirkte trostlos. Aber: „Das Gute ist in gewissem Sinne trostlos“, sagt jedenfalls Franz Kafka [1]. Und so stellte ich mit vor, wie die Landschaft um die Kapelle in den anderen Jahreszeiten aussehen könnte, besonders wenn die Kastanien belaubt sind oder Blüten tragen. Aber jetzt war es eher: Wenn die Kastanien Trauer tragen.


Wikipedia hat keinen gesonderten Eintrag für die Kapelle, aber im Artikel über Hüngsdorf kann man lesen: „... liegt auf einer Anhöhe die Votivkapelle zum Hl. Hermann Josef. Sie wurde 1864 durch eine Stiftung der Familie von Roesgen, Vellerhof, erbaut und am 27. Oktober 1864 benediziert.“ [2] Etwas mehr erfährt bei Geocaching [3], aber Genaueres steht am Eingang der Kapelle selbst [4], die übrigens wie das Gebiet mit den Kastanien darum sehr gepflegt aussieht.


Der 60jährige Rittmeister Heinrich Josef von Roesgen war zu vorgerückter Stunde im Winter 1860 zu Pferd zum Vellerhof unterwegs [5], als er auf der Anhöhe zwischen Ripsdorf und Hüngsdorf in einen heftigen Schneesturm geriet. In dieser Nacht irrte er lange umher und wandte sich in seiner Not an den heiligen Hermann Josef und gelobte dabei den Bau dieser Kapelle. Die Einrichtung der Kapelle wurde während der NS-Zeit zerstört. Leider wurde die 1957 aufgestellt Holzplastik des Dollendorfer Bildhauers Rudolf Hierlwimmer (geb. 1921 in München, wie der Name schon andeutet [6]) entwendet. Das heute sichtbare Bild des heiligen Hermann Josef [8] stammt von Matthias Pfeil aus Ripsdorf [7].


Ich meine, daß sich ein Abstecher bei einer Wanderung lohnt bzw. der Halt, wenn man dort unterwegs ist.


Links und Anmerkungen:
[1] Franz Kafka: Die Zürauer Aphorismen, entstanden 1917-1918, von Max Brod unter dem Titel "Betrachtungen über Sünde, Hoffnung, Leid und den wahren Weg" veröffentlicht 1931. Zitiert nach: https://www.aphorismen.de/zitat/5333, nachdem ich das Zitat in meinen Büchern nicht gefunden hatte, dafür dann aber 20 Minuten Kafka gelesen hatte.
[2] Ich bringe das Zitat nur, weil ich dachte: nichts weiter schreiben, aber dann benedizieren. https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%BCngersdorf
[3] https://www.geocaching.com/geocache/GC1VC7V_hermann-josef-kapellchen-blankenheim
[4] Informationen aus dem Text an der Kapelle.
[5] Ein wenig zu den Entfernungen. Von St. Johann Baptist in Ripsdorf zur Kapelle sind es in nordwestlicher Richtung ca. 1,3 km. Von St. Anna in Hüngersdorf sind es 700 m NW zu O. Von der Kapelle zum Vellerhof sind es eta 2,2 km. Der Vellerhof ist heute Sitz des Seniorenheims Clemens-Josef-Haus.
[6] Rudolf Hierlwimmer, geb. 1921 in München https://gf-sle.de/?p=6526
[7] Über Matthias Pfeil konnte ich noch weniger in Erfahrung bringen als zu Rudolf Hirlwimmer.
[8] Zum heiligen Hermann Josef gibt hier auf dem Blog diesen Blogpost:
Erhebung der Gebeine des heiligen Hermann Josef in der Basilika Kloster Steinfeld  https://rheumatologe.blogspot.com/2019/06/erhebung-der-gebeine-des-heiligen.html

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