Monday, November 22, 2021

Wieder ziehen die Kraniche / The cranes are migrating again

 

 




Und wieder ziehen die Kraniche nach Süden, vorbei über die Höhen (ja, die Höhen) der Eifel. Wie jedes Jahr und hoffentlich auch in den kommenden Jahren. Jedes Jahr ist es etwas Besonderes. Ohne diese Zugvögel würde meiner Schwägerin etwas fehlen und das Jahr wäre für mich nicht rund. Ich habe die Kraniche vorhin gesehen, als ich auf dem Vorplatz des Supermarkts in Hellenthal meine Einkäufe ins Auto packte. Und sofort schnappte ich mir meine Kamera. Es blieb nicht mehr viel Zeit. Einfacher ist es mit Kranichen, die auf Hauswände gemalt sind, weil sie da bleiben, wo sie sind. Und was ist mit den Kranichen der Lufthansa? Sie fliegen auch wieder, ebenfalls nach Süden. Mal sehen, ob sie wegen Corona auch im Süden überwintern müssen.




And again the cranes are moving south, past over the heights (yes, the heights) of the Eifel. As they do every year and hopefully shall do so for the years to come. Every year it's something special. Without these migrating birds my sister-in-law would be lacking something and the year would not be round for me. I saw the cranes earlier when I was packing my purchases into the car on the square in front of the supermarket in Hellenthal. And immediately I grabbed my camera. There wasn't much time left. It is easier with cranes painted on house walls, because they stay where they are. And what about the cranes of Lufthansa? They are also flying again, also to the south. Let's see if they have to hibernate in the south, too, because of Corona.

 



Und gerade, als ich dabei bin, den obigen Text auf meinen Blog zu stellen, höre ich sie. Ich stürze nach draußen und sehe, wie eine weitere Gruppe Kraniche über meinem Grundstück kreist, um Höhe zu gewinnen, teilweise verschwinden sie schon in den Wolken.

And just as I am about to post the above text on my blog, I hear them. I rush outside and see how another group of cranes circling over my property to gain height, some of them are already disappearing into the clouds.

 



 

Sunday, November 21, 2021

Altargesteck am 21.11.2021 – Ewigkeitssonntag


Heute ist der letzte Sonntag im Kirchenjahr – der Ewigkeitssonntag. Der Wochenspruch lautet: „Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen.“ [1]

Lesung und Predigttext stehen im 5. Buch Moses (Deuteronomium) [2]; das hatte ich nicht erwartet, aber das paßte hervorragend zum heutigen Tag und zu meiner letzten Reise, denn vor etwa zwei Wochen noch besuchte ich: „Und er begrub ihn im Tal, im Lande Moab gegenüber Bet-Peor. Und niemand hat sein Grab erfahren bis auf den heutigen Tag.“ [3] Und dann stand ich auch auf dem Berg Nebo.



Der Ewigkeitssonntag steht für das Gedächtnis der Verstorbenen des Jahres und als sein Motto kann man auffassen: „und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ [4] Die Namen der Verstorbenen wurden verlesen und Kerzen angezündet. Tränen -> Trauer -> Trost.




Die musikalische Gestaltung hatten die Kantorin Mechthild Brand (Klavier) und Katja Bömers (Bratsche) übernommen. Als Eingangsmusik spielten sie die Sicilienne (1893) von Gabriel Fauré (1845-1924). Bravissimo! Und dabei kam mir bei der Ankunft von Frau Bömers eine Biathletin in den Sinn, da sie aus der Christuskirche kam und sofort spielen mußte. Auch die anderen Stücke, Kol Nidrei von Max Bruch und ein Stück von Edvard Grieg, haben mich sehr bewegt. Und dann wurde auch noch „Tears in Heaven“ gespielt und gesungen; wobei wußte man, daß ich mich noch am Vortag mit jemandem über Eric Clapton ausgetauscht hatte? Auch ohne den persönlichen Bezug eine wunderbare Interpretation.

Das Altargesteck ist einfach gehalten, es dominieren die Farben Grün und Weiß. Die liturgische Farbe ist Weiß, wie es der Ewigkeitssonntag erfordert. Ich muss gestehen, daß ich eine andere Perspektive wählte, weil ich dachte, es wäre das Gesteck, das schon bekannt ist, aber es handelt sich um ein völlig neu gestaltetes Altargesteck.


Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).

Links usw.:

[1] https://www.kirchenjahr-evangelisch.de/article.php#1001 Lk 12,35
[2] https://www.die-bibel.de/bibeln/online-bibeln/lesen/LU17/DEU.34/5.-Mose-34 5. Mose 34,1-8
[3] 5. Mose 34,6
[4] https://www.bibleserver.com/LUT/Offenbarung21 Off 21,4

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Saturday, November 20, 2021

Hashtag, Raute, #-Zeichen

 


Das #-Zeichen ist uns heute als Hashtag geläufig. Im englischsprachigen Raum wird es für Nummer  gebraucht, z.B. in Hotels. Als ich jetzt „Julia, laß das!“ von Susanne Fischer [1] las (das ist Sekundärliteratur zum Werk von Arno Schmidt), erfuhr ich, daß Arno Schmidt das #-Zeichen für Geschlechtsverkehr benutzte [2]. Und da stand es nun auf einer Ordnungskarte, hinter der Arno Schmidt dann Zettel zu Geschlechtsverkehr für das Buchprojekt „Julia, oder die Gemälde“ sammelte bzw. ordnete.

Warum verwendet er die Raute? Ich denke nicht wegen der Nähe zu Rute sondern eher wegen der umgangssprachlichen Redewendung „eine Nummer schieben“ für Geschlechtsverkehr haben.

In der Zukunft werden wir die Raute von Angela Merkel nicht mehr so häufig sehen, aber ich werde die Nähe zum #-Zeichen nicht mehr vergessen können.

 

Links, Literatur, Anmerkungen:
[1] Susanne Fischer: Julia, laß das! Arno Schmidts Zettelkasten zu Julia, oder die Gemälde. Mit Fotos von Jan Philipp Reemtsma. Arno Schmidt Stiftung, Bargfeld 2021. ISBN: 978-3-518-80480-3
[2] S. 76, a.a.O.

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Friday, November 19, 2021

LYRIK-Taschenkalender 2015 08. KW 19.11.2021

 


Michael Braun hat den LYRIK-Taschenkalender 2015 herausgegeben und zusammen mit Henning Ziebritzki alle am Taschenkalender beteiligten Autoren und Kommentatoren mit je einem Gedicht vorgestellt. Er ist mir jetzt wieder in die Hände gefallen. Auch dieser Kalender lädt ein zum Annotieren und Assoziieren, zum Erstellen von GegenEntwürfen. Vielleicht so auch ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne). Diese Annotationen stammen aus den Jahren 2014/2015 und 2020/2021.


08. KW
Marion Poschmann: vage Einsichten


vage Einsichten -: wage Einsichten? Oder vielleich vag(inal)e Einsichten, wenn ich einmal Arno Schmidts EtymTheorie bemühen darf.

Grauer Gegenstand -: immer dieses Grauen.

Ich habe nur zweimal RiesenSeifenBlasen gesehen: einmal in Mendoza (Argentinien) und einmal in Köln. Ich hatte beide Male nicht die Assoziation von Stille in der schillernden, changierenden und sich verFormenden Welt der SeifenBlasen.

Ein Badewahn (und auch ein BackWahn) gefällt mir besser als ein Bhagwan.

SpiegelBilder lassen sich nur mit Quietschen waschen.

Tag
    da liegt
Der
Tag
AufGebahrt
Zum
public viewing
Und
Nebel
Steigen
Und lassen
    Finsternis
ZuRück


08. KW
Kommentar: Henning Ziebritzki


Die Grenze zwischen SeifenBlase und Welt ist nur wenig dünner als die Grenze zwischen Mensch und UmWelt – welche ist nun vulnerabler? SeifenBlasen platzen eher. Aber im LSD-Rausch kann sich die Frage erGeben, ob die Lehne des Stuhls, auf dem man sitzt, Teil des Selbst ist.

Was wäre Dichtung, wenn sie nicht versuchte, an scheinbar klaren Grenzen Unschärfe aufZuzeigen?!

Welt
    wo ende
Ich
In
Dieser
Welt?
Bin ich
Teil
Dieser
Welt
Oder
Eine
Eigene
Welt
In
Der
Sich die
    Andere
BeWegt

Nebel
    es ist
Dieser
Nebel
Der
Immer
Dort
Beginnt
Wo
Man
Klare
    Konturen
VerMutet


 



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FreitagsGedichte / #KurzLyrik 19.11.2021

 



跨馬出郊時極目,不堪人事日蕭條。
野望
杜甫
Wenn ich aus der Stadt reite und den Blick schweifen lasse,
Wie könnte ich nicht sehen, daß sich das Los der Menschen täglich verschlechtert.
Ein Blick in die Wildnis
Du Fu


Arche
    da war
Schon
EinMal
Eine
Arche
Voller
Drachen
Und
Dinosaurier
Aber
Die
Ist dann
    Doch
UnterGegangen

Klippe
    am Ende
Der
Klippe
Kennt
Das
Leben
Nur
Die
UmKehr
Sonst
Ist
Es
Am Ende
    Am
Ende

CordHosen
    CordHosen
Sind
So was
Von
ZDF
Oder
Out
Oder
Waren
Sie
Das
Schon
Als
Die
Nachbarin sie
    Manchester-
Hosen nannte

Nuraghe
    das Feuer
Flackert
Auf
Wir
Sind
GeWarnt
Und
Holen
Rüstung
Und
Schwert
VerSteken
Schafe, Kinder
    Und
Frauen

[Machen wir uns keine falschen Vorstellungen von archaischen PastoralGesellschaften.]

Cagligari, September
    Pistolen
Sie
Alle
Trugen
Pistolen
Auch
Die
Frauen
Nur nicht
Die
Politiker
Der
BürgerMeister
Und über-
    Raschend
Der Priester

Alte Sprachen
    so viel
VerGessen
Die
Alten
Sprachen
Niemand
Spricht
Sie
Mehr
Lateinisch
Und
Wer
Kennt denn
    Noch
Phönizisch?

Schenken
    er schenkte
Sich
Nichts
VerSchenkte
Die
Gabe
Zu
Schenken
Er
Nimmt
Nichts
Gibt
Nichts
Und doch
    Er
Lebt noch

Flirrend
    laßt uns
In
Die
Flirrende
Luft
Über der
Wüste
Blicken
Bis
Wir
FreiWillig
Gottes
Lob
In frem-
    Den Zun-
Gen Singen



Du Fu (712-770) ist einer der größten Dichter der Tang-Zeit [zusammen mit Li Bo (李白)]. Von ihm sind 39 Gedichte in die Kompilation 300 Gedichte der Tang-Zeit aufgenommen worden. Dieses Gedicht ist eines der weniger bekannten. Und daraus wählte ich die letzten beiden Zeilen.

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Thursday, November 18, 2021

LYRIK-Taschenkalender 2015 07. KW 18.11.2021


Michael Braun hat den LYRIK-Taschenkalender 2015 herausgegeben und zusammen mit Henning Ziebritzki alle am Taschenkalender beteiligten Autoren und Kommentatoren mit je einem Gedicht vorgestellt. Er ist mir jetzt wieder in die Hände gefallen. Auch dieser Kalender lädt ein zum Annotieren und Assoziieren, zum Erstellen von GegenEntwürfen. Vielleicht so auch ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne). Diese Annotationen stammen aus den Jahren 2014/2015 und 2020/2021.



07. KW
Stefan George: [Mein kind kam heim.]


100 Jahre später liest es sich wie Unzucht mit MinderJährigen oder Inzest. Natürlich war es kein Inzest, aber es liest sich so.

„Und mir verbot“ -: aber nicht dieses Gedicht zu schreiben.

„Und mir verbot“ -: das ist wie 1000 Bilder nackter Knaben (heute vielleicht auch Jungen, aber das ist noch schmuddeliger)  auf dem Laptop (ähnlich wie die Kinder auf dem Laptop von Peter Teleborian in „Vergebung“ von Stieg Larsson).


07. KW
Kommentar: Norbert Hummelt


Ich frage mich, wie viele Jahre zwischen der Begegnung mit dem 12jährigen Jungen und der zweiten Begegnung lagen. Pädophilie? Päderastie? Und was ist passiert? [1]

Andererseits lese ich „Der Herr der Insel“ immer wieder gerne.

„So ist das Gedicht ein reiner Ausdruck von Melancholie.“ -: ich würde den Ausdruck „rein“ in diesem Zusammenhang nicht benutzen.

Vielleicht stoße ich mich auch zu sehr an der Erscheinung von Stefan George. Die Bilder von ihm erinnern mich an Rudolf Steiner [2]. Vielleicht stoßen mich das Sektiererische und das Elitäre ab.

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Links und weiteres:
[1] Wer mehr wissen will, wahrscheinlich hier: https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/9783110697001-009/html Ich habe es aber nicht gelesen.
[2] https://anthroposophie.blog/ Wirres aus der Welt der Anthroposophie | Rudolf Steiner, Demeter, Weleda, Waldorfschule & Co


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Friedhöfe als Lebensraum für Fauna und Flora

 


Ich interessiere mich für Friedhöfe, aber auch alternative Bestattungsformen. Kürzlich hatte ich auf eine Beobachtung neben der Kirche St. Georg in Kallmuth hingewiesen [1]. Und nun twittert das ZDF über Friedhöfe mit Nachhaltigkeit bzw. als Refugium für bestimmte Tiere [2]. Und der NABU berichtete: „Überall dort, wo der Mensch seine Ordnungsliebe zügelt, gedeiht das Leben: Streifenfarn krallt sich in Bruchstein-mauerwerk, ein wärmender Pelz aus Moosen und Flechten bedeckt verwitternde Grabplatten, Bachstelze und Haus-rotschwanz nisten in den Nischen kleiner Kapellen und in die Mausoleen haben sich Fledermäuse einquartiert.“ [3]
Einer meiner Freunde (Autor) spaziert gerne über den Südfriedhof in Köln. Dieser bietet ein sehr großes Gelände, Ruhe beim Nachdenken und ist frei von Hunden.

„Neuere Anlagen seien oft viel zu aufgeräumt“, um Tieren einen Aufenthaltsort zu bieten. Das erinnert mich an ein Buch von Masanobu Fukuoka, der darin beschreibt, wie das zu ordentliche Ausbringen von Reisstroh verhindert, daß etwa neue Pflanzen durchbrechen können, oder daß kleine Spinnen in dem Gewirr der Halme ihre Netze bauen können, um so Milben zu vernichten, die dann die Pflanzen nicht mehr befallen können [4].



Größere Friedhöfe erfüllen Anforderungen, um Raum für Tiere zu bieten; als Beispiel kann ich den Ostfriedhof in Köln-Dellbrück nennen, ein Waldfriedhof, auf dessen Gelände auch Hügelgräber liegen [5]. Er hat eine Größe von 580.800 qm.

Der Friedhof von Kallmuth wird nach Ideen von Robert Ohlerth (Ortsbürgermeister) und Christian Habrich von der Mechernicher Friedhofsverwaltung umgestaltet. Neben Bäumen und Bänken sollen „statt englischem Kurzrasen in Kürze Wildblumen für Bienen, Hummeln & Co. wachsen und gedeihen“. Und ein Insektenhotel steht auch bereits. Man überlegt, in der Leichenhalle wie in einem Kolumbarium eine Urnenwand anzulegen.


Ich sehe jedenfalls in Kallmuth einen Anfang, der auch für andere Gemeinden interesssant sein kann.


Links, Anmerkungen etc.:

[1] „Auf dem angrenzenden Friedhof hat man einen ökologische Streifen, auf dem Wildblumen wachsen und ein Insektenhotel steht. Halte ich für sinnvoll.“
https://rheumatologe.blogspot.com/2021/11/st-georg-der-georgsritt-und-mehr.html
[2] https://twitter.com/ZDF/status/1461305206059245570
[3] https://www.nabu.de/wir-ueber-uns/infothek/mitgliedermagazin/archiv/04865.html
[4] Masanobu Fukuoka: Der große Weg hat kein Tor. Nahrung – Anbau – Leben. Pala-verlag, Darmstadt 1990 bzw. 1994 (2. Auflage), Original 1975. ISBN: 3-923176-71-6. „Fukuoka Masanobu (jap. 福岡正信; * 2. Februar 1913; † 16. August 2008) war zunächst Mikrobiologe und wurde dann Bauer.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Masanobu_Fukuoka  
[5] https://www.stadt-koeln.de/artikel/06161/index.html
[6] http://www.kallmuth-st-georgsritt.de/index.php/vereine/ortskartell-kallmuth/253-friedhofswald-kallmuther-friedhof – leider nicht datiert.
 
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