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Tuesday, January 30, 2024

Das große Teebuch aus dem Lingen-Verlag

 



Wenn auf einem Teebuch oder überhaupt einem Buch kein Name eines Autors erscheint, ist Vorsicht geboten. Ich schreibe aber über jedes Teebuch, das mir unter die Augen kommt, so auch „Das große Teebuch“ aus dem Lingen-Verlag [1]. Das Buch [2] ist großformatig und reich, auch schön, aber nichtssagend bebildert, ich schätze 2/5 des Buches entfallen auf Bilder, z.B. wie jemand eine Tasse (Tee?) in der Hand hält; auf S. 38 sieht man gar, wie jemand eine Siebstempelkanne drückt, vielleicht, weil auf S. 39 Koffein erwähnt wird [3], wobei wieder einmal erklärt wird, daß man es vor gefühlten 100 Jahren einmal Tein nannte. Auf den wirklich interessanten Aspekt wird nicht eingegangen – und das mache ich jetzt in einer Fußnote, da ich bereits wieder abschweife [4]. Kein Autor, also keine Käthe Kirschstein-Krummsäbel, aber das Konzept stammt von Nicole Constabel [5]. Für die Texte könnten wir Ulrike Schöber und Dr. med. Eberhard J. Wormer [6] verantwortlich machen.

Das Buch ist großformatig und weist 287 Seiten auf. Aber nur 11 Seiten unter „Wissenswertes über Tee“ sind Text zum Tee, wie ich ihn erwartete. Der Rest des Buches besteht aus Aufgußgetränken, Bildern, Teerezepten, asiatisch anmutenden Rezepten mit Fleisch, Fisch und Reis – ich bin viel in Asien herumgekommen, aber in Oolongtee gekochter Reis ist mir nicht untergekommen – sowie fragwürdigen Heilsversprechungen und Heilanwendungen. Nun könnte man meinen, daß dann auf 11 Seiten sauber recherchiertes Material präsentiert würde. Da muss ich Sie enttäuschen und ins Detail gehen.

Auf S. 10 taucht der legendäre Kaiser Shen Nong (
神農) als Chen Nung auf, was er in solchen Büchern häufiger macht, ich erwähnte es bereits früher [7]. „Erstmals schriftlich erwähnt wurde Tee um 350 v. Chr.“ (S. 10) – der Dumme ist sich seines Wissens sicher. Ich meine, es gibt eine Textstelle 59 v. Chr. und mittlerweile hat man auch Tee viel früher z.B. in Shandong (山东)  archäologisch [8] nachgewiesen. Seit wann wird Tee in China getrunken? Ich weiß es nicht [9], bleibe aber an der Frage dran. Dann so: „..., die den Tee im 6. Jahrhundert nach Japan brachten.“ (S. 10) Da gab es noch keine Kontakte von Japan nach China, die fanden im 8. Jahrhundert statt und man nimmt das frühe 9. Jahrhundert für den Kontakt zu Tee in Japan an. Aber es kommt noch schlimmer, denn der Tee soll von Buddha persönlich aus China „um das Jahr 500“ gebracht worden sein. Man nimmt an, daß Siddhartha Gautama (Buddha) 563 v. Chr.geboren und 483 v. Chr gestorben ist [10]. Und der hat sich erstens nicht um ca. 1000 Jahre vertan und hat, da vertrauen Sie mir bitte der Kürze halber, weder China besucht noch Tee nach Indien gebracht. Die Teepflanze und zwar Camellia sinensis var. assamica war zwar in Indien vorhanden, aber Tee wurde erst im britischen Kolonialreich angebaut und was Indien selbst daraus gemacht hat, ist etwas anderes.

Auf S. 24 erfahren wir, daß weißer Tee „nur ein wenig anfermentiert“ wird. Ich habe das so in Erinnerung: „Weißer Tee -: dabei wird nur das erste, knospende Blatt gepflückt, gedämpft (um jegliche Fermentation zu verhindern) und dann getrocknet.“ [11] Der Oolongtee wird als der teueste und feinste Tee bezeichnet. Fein ist eine Geschmacksfrage, aber teuerster Tee ist überprüfbar. Und da haben die Schreiber des Buches, mir zur Überraschung, recht gehabt [12]. Die Bezeichnung brauner Tee für Oolongtee wäre mir neu [13] und dabei habe ich mich doch so für die Farbbezeichnungen beim Tee interessiert [14].

Die nächste Überraschung kommt auf S. 44, denn man sagt uns, daß nur wenig Vitamin C im Tee ist, läßt sich dann allerdings über die Wichtigkeit von Vitamin C aus. Auch über Folsäure berichtet man – „in grünem Tee mehr als in schwarzem“ –,  was aber egal ist, da die Menge viel zu gering ist.

Ich halte Catechine für gesundheitlich günstig, aber die Versprechungen in diesem Buch gehen mir zu weit und sind auch nicht wissenschaftlich hinterlegt, ich habe jedenfalls keine Quellen gefunden.

Erfreulicherweise habe ich kein Rezept für Sherpa-Tee gefunden [15]. Ich halte diese Rezepte für überflüssig und würde selbst Scones nicht in einem Buch über Tee mit einem Rezept anführen.

Wie lautet mein Urteil? Selbst verramscht wäre es mir zu teuer. Wenn Sie es in einem öffentlichen Bücherschrank sehen, dann lassen Sie es liegen, da hat jemand den Bücherschrank mit der Recyclingtonne verwechselt.


Links und Anmerkungen:
[1] „Der Helmut Lingen Verlag ist ein Verlag mit Sitz in Köln, der Bücher für buchhändlerische Nebenmärkte produziert, unter anderem für Discountermärkte und im Auftrag für Industrieunternehmen.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Lingen_Verlag Und jetzt lasse ich die Katze sofort aus dem Sack, er bzw. seine Familie war Vormieter der Wohnung, in die unsere Familie in Köln-Buchforst früher einmal umgezogen ist. Es handelte sich um das oberste Stockwerk mit fünf Zimmern, einem Balkon und einem Dachgarten von 24 qm. Dafür herzlichen Dank!
[2] Das große Teebuch. Genuss - Wohlbefinden - Gesundheit. Lingen, Köln 2007. Ohne ISBN.
[3] Kaffee – Koffein / coffee – caffein.
[4] Vielleicht haben Sie sich gewundert, daß Kaffee aufpuntschend, Tee aber sanfter und dafür länger wirkt. Das Koffein aus Kaffee wird bereits im Magen freigesetzt, während das Koffein aus Tee erst später im Darm freigesetzt wird.
[5] Von Nicole Constabel gibt es Bücher wie: California Cuisine mit Trendthema Low Fat - Leicht und lecker auf Amerikanisch, Kochen - So gelingt´s sicher!, Gartenideen, Cakes, Cookies & Co., …
[6] Wikipedia erwähnt das Teebuch nicht, aber man schreibt: „Eberhard Jürgen Wormer (* 22. August 1951 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher Medizinjournalist und Autor populärwissenschaftlicher Sachbücher und Ratgeber.“ [6a] Unter Werke finde ich folgenden Eintrag: „mit Johann A. Bauer, Fibromyalgie. Die Lösung des Schmerzproblems. Kopp, Rottenburg 2018, ISBN 978-3-86445-545-2“. Hier auf diesem Blog schrieb ich einmal (2013):
„Fangen wir mit den Schattenseiten der Medizin an: Ist Fibromyalgie operierbar? Natürlich nicht. Die Operationen haben allerdings einen hohen Plazeboeffekt. Wissenschaftliche Studien gibt es nicht. Das Verfahren widerspricht sich selbst. In der traditionellen chinesischen Medizin gibt es keine Operationen. "Verklebte Akupunkturpunkte", die durchgespült werden müssten, entspringen der Phantasie von Herrn Dr. Bauer.“ [6b] Tja, dann muss ich mich nicht wundern.
[6a] https://de.wikipedia.org/wiki/Eberhard_J._Wormer
[6b] https://rheumatologe.blogspot.com/2013/09/fibromyalgiesyndrom-vortrag.html
[7] Z.B. in: „Heilen mit Chinatees“ von Li Yongkang https://rheumatologe.blogspot.com/2022/10/heilen-mit-chinatees-von-li-yongkang.html
[8] What's the tea? Oldest brew in the world discovered in China / The 2,400-year-old remains of tea leaves were discovered in a royal tomb in Shandong province. https://www.theartnewspaper.com/2022/01/10/time-for-a-fresh-brew-oldest-tea-in-world-discovered
[9] Seit wann wird Tee in China getrunken?
https://rheumatologe.blogspot.com/2022/07/seit-wann-wird-tee-in-china-getrunken.html sowie: Tee und einige Aspekte aus Sinologie und Linguistik https://rheumatologe.blogspot.com/2022/04/tee-und-einige-aspekte-aus-sinologie.html
[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Siddhartha_Gautama
[11] https://rheumatologe.blogspot.com/2023/04/happy-valley-teeplantage-in-darjeeling.html
[12] https://praxistipps.focus.de/der-teuerste-tee-der-welt-diese-3-sollten-sie-kennen_157403
[13] Das Teelexikon kennt die Bezeichnung für Schwarztee https://www.lerbs-hagedorn.de/info/lexikoneintrag-brauner-tee-teelexikon.html?language=de.
[14] Ein Versuch zur Klassifizierung von chinesischen Teesorten https://rheumatologe.blogspot.com/2023/12/ein-versuch-zur-klassifizierung-von_30.html
[15] Tee Sherpa https://rheumatologe.blogspot.com/2022/08/eigentlich-hatte-ich-schon-das-thema.html

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Monday, January 9, 2023

Ein Protein-Snack

 



Ich habe zu Weihnachten einen Protein-Snack geschenkt bekommen. Und ja, ich schau' dem Gaul ins Maul. Gewöhnlich esse ich keine Snacks, aber den habe ich gegessen, er hat auch geschmeckt. Aber dann las ich, was auf der Packung steht. Da stellte ich mir zwei Fragen: wie blöd kann Marketing sein? und -: darf man diese Aussage machen?

Wie blöd kann Marketing sein?
Ich las: „Extra viele Saaten / 29 % pro Packung (85 g)“. Und wieviel Prozent haben dann ein Kilo, 227 g, eine Unze, ein Karton? Ich gebe zu, daß 24,65 g ist keine griffige Angabe, wenn es um Marketing geht. Aber als Prozent pro Packung ist es nur blöd.

Darf man diese Aussage machen?
Ich las: „Naturprodukt, da ohne Zusatzstoffe“. Für mich ist so eine Art Knäckebrot kein  Naturprodukt. Ich verkürze einmal die Wikipedia-Definition [1]: „Als Naturprodukt gelten Lebensmittel, welche weitgehend in der Natur bzw. natürlich entstanden sind, in Urproduktion gewonnen wurden und ohne oder nur mit geringer Veränderung ihrer stofflichen Eigenschaften verwendet werden.“ Das trifft auf ein Knäckebrot nicht zu, denn es handelt sich um ein Fertigprodukt. Dieser Protein-Snack enthält Gerstenmalzextrakt. Malz [2] ist verarbeitetes Getreide: Reinigung, Wässerung, Keimung, Schrotung, Darren. Bei der Herstellung von Gerstenmalzextrakt [3] wird gewässert und erwärmt, Wasser entzogen und es entsteht eine „sirupöse Substanz“, die z.B. für Backmittel getrocknet wird. Ich weiß nicht, ob die Aussage rechtlich zulässig ist, sie erscheint mir aber sachlich falsch zu sein. Ich lasse das einmal von der Wettbewerbszentrale [4] überprüfen.


Wer einen veganen Protein-Snack mag, warum nicht? 

 



Links und Anmerkungen:
[1] Vollständige Definition: https://de.wikipedia.org/wiki/Naturprodukt  
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Malz
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Malzextrakt
[4] „Die Wettbewerbszentrale ist die größte und einflussreichste bundesweit und grenzüberschreitend tätige Selbstkontrollinstitution zur Durchsetzung des Rechts gegen den unlauteren Wettbewerb.“ https://www.wettbewerbszentrale.de/de/home/   
PS. Ich habe die leere Packung eingescannt, geht sicher noch besser, aber so sah meine Packung aus.

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Wednesday, November 16, 2022

Ja, wieder die Commerzbank

 


 

Wenn ich Post von der Commerzbank bekomme, erwarte ich Ärger. Und ich wurde nicht enttäuscht. Ich hatte schon früher davon berichtet [1].

Mein ursprünglicher Vermieter des Appartements in Köln hatte ein gesperrtes Sparbuch bei der Dresdner Bank als Mietkautionskonto eingerichtet. Dann wechselten die Besitzer des Wohnhauses und schließlich wurde aus dem Sparbuch ein gesperrtes Konto bei der Commerzbank. Die letzte Auskunft, wie viel Geld sich auf dem Konto befinden, it über zehn Jahre alt, aber da wird nicht viel dazugekommen sein. Damals waren ungefähr 823 € auf dem Konto und einmal mußten 0,09 € Kapitalertragssteuer entrichtet werde.

Nun schreibt mir die Commerzbank: „als Bank an Ihrer Seite unterstützen wir Sie bei allen unternehmerischen Herausforderungen“ und möchte, daß ich ihre „digitalen Services und Leistungen“ nutze. Dafür soll ich mir persönliche Zugangsdaten besorgen. Wozu? Ich habe keinen Zugriff auf dieses Geld; und werde ihn, wie ich die Vonovia kennengelernt habe, auch nie bekommen.

Würde ich als Unternehmer oder auch als Privatkunde zu dieser Bank wechseln? Eher nicht. Eine Bank, deren Software hinter einem Sperrkonto vom Umfang unter 1000 € ein mittelständisches Unternehmen vermutet, ist mir einfach zu unsicher.



Links und Anmerkungen:
[1] https://rheumatologe.blogspot.com/2021/04/geldwasche-und-co2-emissionspreis.html und hier  https://rheumatologe.blogspot.com/2021/07/wieder-einmal-die-commerzbank.html
[2] Fotografien des Anschreibens (modifiziert; persönliche und unklare Daten gelöscht)

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Tuesday, October 25, 2022

„Heilen mit Chinatees“ von Li Yongkang


Ich habe kürzlich das Buch Heilen mit Chinatees von Li Yongkang [1] zu Gesicht bekommen. Das Vorwort weckte bei mir noch keinen Verdacht, aber dann wurde es immer deutlicher: das Buch hat kein Chinese geschrieben, jedenfalls meine ich, dafür genügend Indizien zu finden – beweisen kann ich es selbstverständlich nicht.

Unter „Über dieses Buch“ [2] finden wir folgenden Eintrag: „Professor Dr. Li Yongkang, Jahrgang 1950, entstammt einer der ältesten Ärztedynastien in China.“ Mit dem Hinweis auf Ärztedynastien ist man im China nach der Kulturrevolution bis zur Jahrtausendwende noch sehr vorsichtig gewesen. Aber gibt es den Mann denn überhaupt. Yongkang, der Vorname, wird mit „ewig gesund“ übersetzt – das wären die Zeichen 永康, also 李永康. Und einen Professor Li Yongkang gab es an der Universität Wuhan [3]. Diese chinesische Biografie ist kurz gefaßt aber sehr genau, ich entnehme ihr sogar, daß  Li Yongkang 175 cm groß und 65 kg schwer war. Als Geburtsdatum wird der 21.07.1952 genannt. Ist der Herr Professor bereits so vergeßlich, daß er sein Geburtsjahr nicht mehr weiß?  Ich glaube eher, daß man an seinen Namen über die Teilnahme am AIDS-Kongress in Vancouver 1996 gekommen ist – auch das kann ich nicht beweisen.

Im weiteren Text finden sich westliche Stereotypien zu China. „Generation für Generation hielt das Altbewährte … fest … in Büchern ...“ – das war sicherlich nicht so. Nur wenige Schriften in Bronzegefäßen haben direkt überdauert, andere sind kopiert worden; dies geht etwa 3000 Jahre zurück [4]. Im nächsten Absatz wird Hildegard von Bingen erwähnt. Ich wage zu bezweifeln, daß eine christliche Nonne des Mittelalters in Kreisen der Traditionellen Chinesischen Medizin der Volksrepublik China in den 1990iger Jahren Diskussionsthema war. Und dann ist von „den Chinesen“ die Rede. So rede ich doch nicht von mir selbst – als Chinese.

„Ebensowenig wenig wie ein Europäer auf die Idee käme, Nahrung als Medikament einzusetzen, ...“. Hippokrates ist ein Europäer und von der Alternativmedizin habe ich das Zitat gelernt: „Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel sein und eure Heilmittel sollen eure Nahrungsmittel sein.“

Dann taucht Shen Nong (神農) als Chen Nung („er soll 2697 vor unserer Zeitrechnung gestorben sein“) auf. Shen Nong zählt zu den legendären Kaisern und seine Historizität wird auch im chinesischen Wikipedia-Artikel angezweifelt, so daß man eher von einem Klan als einer Einzelperson ausgeht [5]. Dies sollte einem chinesischen Universitätsgelehrten bekannt sein. Später im Buch erscheint Shen Nong als Shen Nung [6].

Unter „Lebenselixier grüner Tee“ lese ich: „Ebenfalls japanische Wissenschaftler haben ...“. Wenn es um chinesische Belange geht, werden japanische Quellen nicht so gerne zitiert, jedenfalls im China der 1990iger Jahre.

Unter „Chinesische Heilpflanzen für Ihre Gesundheit“ finde ich den Eintrag „Aprikosen (Sing Ren)“. Xìngrén (杏仁) bedeutet Mandel und es wird nicht deutlich zwischen Mandeln und Aprikosenkernen unterschieden. Das hätte Professor Li allerdings getan.
Es findet sich der Eintrag „Kohlportulak (Ma Chi Xian)“. 马齿苋 (Mǎ chǐ xiàn) ist einfach Portulak. Den Begriff Kohlportulak habe ich noch nie zuvor gesehen.
„Kugelblume (Quian Ri Hong)“ - ein weiterer Hinweis, daß hier niemand am Werk war, der Kenntnisse in Chinesisch hat. Quian müßte Qian sein und die Pflanze ist dann Qian Ri Hong (千日紅), also Echter Kugelamaranth [7], botanischer Name: Gomphrena globosa. Die Kugelblume oder Echte Kugelblume (Globularia bisnagarica) kommt in China überhaupt nicht vor.

„Grüner Tee enthält viel Zink“ und „... ist grüner Tee reich an Kalzium und Fluor“ sind auch Ideen, die wissenschaftlicher Prüfung nicht standhalten. 200 ml Tee enthielten in einer Studie 0,3 g Kalzium [8] – das entspricht 0,15 % der empfohlenen täglichen Aufnahme (RDA).

Die Ideen zu grünem, schwarzem und rotem Tee sowie Pu-Erh-Tee sind ähnlich wie in dem Buch zu Pu-Erh-Tee, das ich schon beschrieben hatte [9]. Hier noch eine Perle: „Lipämie ist eine Krankheit, bei der Fetteiweiße im Blut krankhaft erhöht sind, ...“. Sie können sich das Nachschlagen im Duden ersparen – das Wort gibt es nicht. Vielmehr bezeichnet man als Lipämie die Erhöhung der Neutralfette im Serum, wodurch es eine milchige Trübung annimmt.

Stellen wir uns die Frage: warum sollte Li Yongkang so ein Buch schreiben? Wenn wir uns den Zeitraum 1992-1997 anschauen, dann hat er damals einen Wissenschafts- und Technologiefortschrittspreises der Provinz Yunnan gewonnen und war beteiligt bei den Gründungen des Yongkang TCM Beauty Salons, des Yongkang TCM Specialized Hospitals, der Yongkang TCM Beauty and Health Care Chain Institutions des Yongkang Institute of Traditional Chinese Medicine,  des "HIV" Research Centers, der Yunnan Yongkang Pharmaceutical Co., Ltd. und eines  Kräuterforschungszentrums gegründet, das sich mit der Entwicklung und Anwendung konzentrierter Nahrungsergänzungsmitteln und pflanzlicher Kosmetik beschäftigt. Ich kann keinen Grund für Li Yongkang sehen, so ein Buch zu schreiben. Es ist in seiner Biografie auch nicht erwähnt. Ich stelle mir eine weitere Frage: wann soll er es geschrieben haben?

Die chinesischen Zeichen auf dem Buchumschlag stammen nicht aus China. Die Bilder auf den Seiten 28 und 50 sind spiegelverkehrt – sieht man an den chinesischen Zeichen.

Egal, wer dieses Buch nun geschrieben hat, empfehlen kann ich es nicht. Abraten, ja, ich möchte abraten – das trifft es viel besser!




Links und Anmerkungen:
[1] Li Yongkang: Heilen mit Chinatees. 50 bewährte Rezepte gegen Übergewicht, Erschöpfung und zu hohes Cholesterin. Midena, Augsburg 1997. ISBN: ‎ 3-310-00433-3.
[2] a.a.O. S. 94
[3] https://baike.baidu.com/item/%E6%9D%8E%E6%B0%B8%E5%BA%B7/4377277
[4] Typische Inschriften finden sich in Dobsons Early Archaic Chinese. Solch eine Inschrift berichtet über den Grafen X, der beim König ehrenhaft empfangen wurde und nach der Rückkehr dem Sekretär Y ein Pferd schenkte, weshalb dieser das vorliegende Bronzegefäß anfertigen ließ. W.A.C.H. Dobson: Early Archaic Chinese. A Descriptive Grammar. University of Toronto Press, o.O. 1962. ISBN: ‎ 0-802-05106-5. Ist aktuell für 163,17 € erhältlich; https://www.abebooks.de/9780802051066/Early-Archaic-Chinese-Dobson-W.A.C.H-0802051065/plp.
[5] https://zh.wikipedia.org/wiki/%E7%A5%9E%E5%86%9C
[6] S. 13: Chen Nung, S. 62: Shen Nong; richtig: Shen Nong (神農).
[7] https://zh.wikipedia.org/wiki/%E5%8D%83%E6%97%A5%E7%B4%85
[8] https://link.springer.com/article/10.1007/s00217-015-2548-1
[9] https://rheumatologe.blogspot.com/2022/07/puer-tee-und-das-buch-zum-tee-von.html



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Sunday, September 18, 2022

Ärgernis – Sitzen am Boden in der Natur bzw. der Mobile Sitz


Das Sitzen in der Natur kann problematisch sein. Man ist es zu nass, mal ist es zu kalt. Nun habe ich einen „Mobilen Sitz“ von Arved Fuchs wohlfeil [1] erstanden.

 

„In den 40 Expeditionsjahren, in denen ich das Glück hatte, viele Gebiete unseres blauen Planeten entdecken [2] zu können, habe ich gelernt, dass weniger oft mehr ist und die Reduktion auf das Wesentliche ein wahres Glücksgefühl vermitteln kann. Wir lernen so, was wirklich wichtig ist.“ Soweit Arved Fuchs. Dieser Sitz ist so unwesentlich, daß ich auf ihn verzichten werde – ich bin auf das Glücksgefühl („bliss“) gespannt. Warum? So schön aufrecht stehen wie im Bild tut dieser Sitz es bei mir nicht. Der kippt in sich zusammen. Ich brauche auch nichts zum Anlehnen, ich benötige etwas unter den Hintern, damit der nicht zu kalt wird oder damit die Hose trocken bleibt. Ob das mit dem „Mobilen Sitz“ von Arved Fuchs gewährleistet ist, wage ich zu bezweifeln. Die junge Dame auf dem Foto sitzt im Garten und nicht in der Natur, die nach Arved Fuchs mit ihrer „Urwüchsigkeit“ fasziniert. Ich schaue mir nochmals den Text von Arved Fuchs an: er beginnt mit Natur, Faszination, Urwüchsigkeit, Schönheit und endet mit „platzsparender Konstruktion“ und „komfortablem Naturerlebnis“. Finde den Fehler!


Meine Mutter brachte einmal aus Bad Wörishofen eine Sitzunterlage fürs Freie mit. Ich lasse jetzt einmal weg, was ich von Pfarrer Kneipp halte. Die Unterlage erfüllt besser ihren Zweck als der Schön-Wetter-Sitz von Arved Fuchs. Sie ist allerdings etwas sperrig, weshalb ich sie noch nicht eingesetzt habe.


Man kann natürlich auch ein Badetuch zusammenfalten. Einfache Lösungen sind oft die besten! - Man sollte es aber nicht ungefaltet zeigen, besonders nicht den Aufdruck Hawaii.




Im Winter nehme ich diese sehr kompakte Unterlage mit auf Wanderungen. Hier in der Eifel ist die sogar auf Bänken nützlich.

Und was mache ich jetzt mit dem „Mobilen Sitz“ von Arved Fuchs? Da wird mir schon was einfallen. Vielleicht decke ich den Komposthaufen damit ab. Oder die Tasche für den Sitz könnte nützlich sein, um etwas darin zu transportieren. Mal sehen.



Links und Anmerkungen:
[1] https://weltderangebote.de/aldi-arved-fuchs-mobiler-sitz/ Aldi 15.8.2022: Arved Fuchs Mobiler Sitz für 14,99 € - hier in der Eifel war er für 11,99 € zu haben und wurde dann für 4,99 € von mir erworben.
[2] Ich werde mich ab sofort auch als Entdecker bezeichnen. Vielleicht kann ich einen Outdoor-Hersteller für die Eifel-Bank begeistern.




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Thursday, July 21, 2022

Über das Unterstreichen und Kommentieren in Büchern

 


Eigentlich sind es nur drei Striche in einem Buch (siehe oben) gewesen, die den Ausschlag gaben, mich dem Thema geordneter als z.B. im Sammelsurium zu nähern. Warum markieren Leser etwas in einem Buch?

Ich hatte einen Geschichtslehrer, den Dr. Flink, der meinte, man müsse immer mit einem Bleistift das gelesene markieren. Immerhin lasen wir so bei ihm „Über den bewaffneten Kampf in Westeuropa“ als Raubdruck [1]. Und wer hätte nicht in Caesars De Bello Gallico die Vokabeln dünn mit spitzem Bleistift hineingeschrieben. Aber dazu später mehr.

Zunächst geht es um das Verunstalten von Büchern. Das Buch, in dem es mir gerade aufgefallen war, ist von Martin Buber [2]. Es ist sehr schön gestaltet. Die drei Striche sind völlig überflüssig, denn das Buch enthält nur etwas mehr als 100 Seiten, es ist die einzige Markierung und es hat auch noch ein Lesebändchen. Die Striche sind mit der Stärke eines Griffels auf der Schiefertafel geführt, so daß sie sich noch in die folgenden Blätter durchdrücken. Wenn jetzt noch eine Ecke umgeknickt worden wäre, anstatt das Lesebändchen zu benutzen, ...


In einem Kompakt-Wissen Band Spanisch [3] sind nur einige Seiten markiert; die im Kapitel „Los jóvenes“ mit rosa Herzchen und die im Kapitel „La inmigración“, wie im Bild gezeigt. „Wichtig für Klausur“ werte ich an eine Art Anruf der Bildungsgöttin: Sieh her, ich habe gearbeitet, hilf mir, die Klausur zu bestehen.


Ein weiteres Buch, bei dem ich mir den Luxus gestatte, es zu behalten, ist von Arno Schmidt [4].  Aus dem Leben eines Fauns habe ich in verschiedenen Versionen und dieses Buch hatte ich einmal auf einer Reise dabei. Das Buch zeigt erhebliche Gebrauchsspuren und die stammen von der Abiturientin, die es mit wechselnder Intensität gelesen hat. Ein Teil ist fettdurchtränkt. Einige Seiten sind durch Umknicken von Ecken gekennzeichnet (OMG!). Man erfährt aber auch, was für Wörter nachgeschlagen werden mußten, z.B. ist Antiquriar („Altbuchhändler“) nicht mehr geläufig – ich hätte ohne Antiquariat in dem Alter nicht existieren können, aber heute sucht man sie vergebens. Beim Bild hat mich verwundert, daß sie den Hinweis auf die Farbordnung der Gothaer am Rand niedergeschrieben hat, denn Schmidt erläutert sie doch im Text. Und noch ein Zitat, das sie angestrichen hat: „Eine alte Frau, auf ein Fahrrad gestülpt, unsicherte durch Schulkinder.“ Wenn ich nicht gerade ein anderes Buch angefangen hätte, würde ich es sofort wieder lesen.


Und dann sind da noch die Kritzeleien von Matthias, die ich schon einmal erwähnt habe [5]. Ich hatte damals dazu geschrieben: „Lieber Matthias - gewöhnlich bin ich gegen das Bekritzeln von Büchern, in diesem Ausnahmefall hast Du aber klug gehandelt“.

Zusammenfassend kann man vielleicht in den eigenen Schulbüchern Anmerkungen durchgehen lassen, aber in gehobenen Ausgaben oder entliehenen Büchern haben Kritzeleien nichts zu suchen.


Links und Amerkungen:
[1]  RAF Kollektiv: Über den bewaffneten Kampf in Westeuropa. [Wagenbach, Berlin 1971]
[2] Martin Buber und Cornelia Muth: Heilende chassidische Geschichten. Martin Buber für Gestalttherapeutinnen und Gestalttherapeuten. Peter Hammer Verlag, Köln 2007. ISBN: 978-3-7795-0157-2.
[3] Kirsten Impekoven: Kompakt-Wissen Gymnasium / Spanisch - Wortschatz Oberstufe. Stark Verlag, o.O. 2009. ISBN: 978-3-8666-8065-4. NB: ist ziemlich gut zur Vorbereitung auf das Abitur geeignet (nicht nur Vokabeln, sondern auch Beispielssätze dazu).
[4] Arno Schmidt: Aus dem Leben eines Fauns. Kurzroman. FISCHER Taschenbuch, Frankfurt am Main 1973 bzw. November 1997.  ISBN: 3-596-29112-7.
[5] https://rheumatologe.blogspot.com/2020/05/die-geistigen-heilkrafte-der-edelsteine_19.html Buchbesprechung. Wally und Jenny Richardson: Die geistigen Heilkräfte der Edelsteine. Übermittelt durch Lenora Huett. Aquamarin Verlag, Grafing 1987. Übersetzung aus dem Amerikanischen von Susanne Harrington.  

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Homöopathie – eine Buchbesprechung

 


 

Es sollte bekannt sein, daß ich ein Gegner der Homöopathie bin, jedenfalls hat sie in der Medizin nichts zu suchen. Als Glaubenssystem außerhalb der Medizin kann sie agieren wie die Astrologie,  Theosophie, Anthroposophie und weitere esoterische Richtungen mehr. Ich bin jetzt einmal gemein: gemein ist diesen esoterischen Richtungen, daß man Shakespeare zitiert, wenn man nicht mehr weiter weiß [1]. Man kann jetzt einwenden: warum liest Du denn überhaupt so ein Buch? Zumal es auch noch über 20 Jahre alt ist. Ach ja, um welches Buch handelt es sich eigentlich? Homöopathie von Sven Sommer [2]. Ich habe erst jetzt das Buch zufällig in einem Bücherschrank entdeckt und es dann auch gelesen. Mein Leben verläuft so ruhig, daß man sich auch zwischendurch ein wenig Ärger gönnen kann.

Der erweiterte Titel lautet: „Sanfte Medizin für Körper, Geist & Seele“. Was meint Herr Sommer mit Geist und Seele? Entweder ist es eine Tautologie oder er meint eine theologisch aufzufassende Seele, aber meint er dann nefesch oder Psyche (ψυχή) oder etwas ganz anderes? Körper, Geist & Seele – ich nehme an, daß der Grund nicht im Inhalt sondern im gemeinsamen Wohlklang der drei Wörter zu suchen ist.

Die Doppelseite 14/15 trägt die Überschrift: „Wie wirkt Homöopathie?“ Etwa 75% des Textes beschäftigt sich mit Medizin und nicht mit Homöopathie. Sommer vergleicht die Homöopathie mit Impfungen. Da hat er etwas falsch verstanden, denn Impfungen führen zu Antikörpern, die man nachweisen kann. Und was er über die Pockenimpfung schreibt, sollte man gleich vergessen und lieber den Wikipedia-Artikel lesen [3].

Es folgen in einem Kasten „Grundsätze des homöopathischen Wirkprinzips“. Als erstes wird das Simileprinzip in einem Satz erwähnt.
Mit einem Schlüsselexperiment meinte Hahnemann, die Grundlage für die Homöopathie entdeckt zu haben. Hahnemann hatte Chinarinde eingenommen und meinte, daß es Fiebe auslöse, wobei er allerdings gar kein Fieber mittels Thermometer gemessen hatte, denn Fieberthermometer gibt es erst seit den 1860iger Jahren. Das Experiment konnte schon Hahnemann nicht wiederholen. Aber man hatte diesen Versuch an der Universität Gießen im Rahmen einer Vorlesung wiederholt und das Ergebnis ist im Deutschen Ärzteblatt [4] veröffentlicht worden. „Die Körpertemperatur hatte sich nicht verändert (35,8 Celsius vor der Vorlesung, 36,15 danach); der Puls blieb unauffällig.“ Also zusammenfassend ist der Schlüsselversuch nicht reproduzierbar.
„Die Potenzierung […] verstärkt die Heilwirkung und vermeidet ungewollte Nebenwirkung.“ Wieso sollte das so sein? Wo wäre ein Nachweis für diese Hypothese – über 200 Jahre wären doch Zeit genug.
Auch der dritte Grundsatz, daß Selbstheilungskräfte angeregt werden, ist nie nachgewiesen worden.

Hahnemann verbot u.a. Kaffee, Zucker, Kochsalz und „das Lesen schlüpfriger Schriften“ während der Einnahme von Homöopathika. „Es ist amüsant und interessant, daß von allen diesen Empfehlungen nur die zur Vermeidung von Kaffee und Pfefferminzprodukten überlebt hat.“ Schreibt Sven Sommer selbst. Auf Seite 33. Amüsant – ja wirklich!

Bei Impfungen (S. 168 ff.) steht: „Der Heilpraktiker darf übrigens diese Infektionskrankheiten nicht behandeln und muss Sie an den Arzt verweisen.“ Das hindert ihn allerdings nicht, Mittel zu empfehlen mit dem Hinweis: „Der Krankheitsverlauf wird abgemildert, verkürzt eventuell sogar verhindert.“ Dafür gibt es allerdings keine wissenschaftliche Bestätigung.

Im Service-Teil (S.181) beantwortet Sven Sommer die Frage: „Kann mir ein nicht richtig gewähltes Mittel schaden?“ Sie ahnen die Antwort: „Nein, die Einnahme eines falschen Mittels kann Ihnen  (…) nicht schaden.“ Und: „Das falsche Mittel wird aber auch nicht helfen!“ Im Vertrauen, das richtige Mittel auch nicht. Sie möchten Ihr Haus blau angestrichen haben. Nach dem homöopathischen Prinzip schadet die falsche Farbe nicht, oder verklagen sie den Maler doch, der das Haus rot angestrichen hat?

Das Buch ist bebildert. Da ist die Kamille zu sehen oder die Herbstzeitlose. Schöne Bilder. Aber die Homöopathie ist keine Naturheilkunde, keine Phytotherapie und deshalb empfinde ich diese Bilder als unangebracht.

Muß ich jetzt die Homöopathie widerlegen? Nein. Die Homöopathie ist über 200 Jahre ihrer Pflicht nicht nachgekommen, einen Beleg für ihre Wirksamkeit zu erbringen [5].

Sollte das Buch von Sven Sommer in jedem Haushalt stehen? Nein. Schade um das bedruckte Papier.



Links und Anmerkungen:
[1] „There are more things in heaven and earth, Horatio, / Than are dreamt of in your philosophy.“ Hamlet, 1. Akt, 5. Szene. Wenn ich mich recht erinnere, schrieb William Shakespeare „our philosophy“ in der Urfassung. August Wilhelm von Schlegel übersetzte: „Es gibt mehr Ding im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich träumt“. Was wäre wohl, wenn Schlegel philosophy nicht mit Schulweisheit übersetzt hätte?
[2] Sven Sommer: Homöopathie. Sanfte Medizin für Körper, Geist & Seele. Weltbild, Augsburg 2009 (Lizenzausgabe des Buches von 1999 im Gräfe und Unzer Verlag in München).
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Pockenimpfstoff Die erste gesicherte Dokumentation einer Pockenimpfung stammt aus China – steht im „Needham“ und mein Exmplar steht in Köln. Das werde ich allerdings noch nachträglich lesen. Joseph Needham: Science and Civilization in China. Volume 6: Biology and Biological Technology. Teil 6: Medicine. Cambridge University Press, Cambridge 1999.
[4] Hans-Joachim Krämer und Ernst Habermann: Ein Vorlesungsversuch zur Homöopathie.
Dtsch Arztebl 1997; 94(26): A-1811 / B-1556 / C-1442. https://www.aerzteblatt.de/archiv/6926/Ein-Vorlesungsversuch-zur-Homoeopathie
[5] https://scilogs.spektrum.de/detritus/gesamtschau-der-studien-zur-hom-opathie/


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Friday, July 8, 2022

Pu'er Tee und das Buch zum Tee von Martina Seifen

 



Pu'er Tee (普洱茶) oder meinetwegen auch Pu Erh Tee (veraltete Schreibweise) wird gerne als Schlankheitstee angesehen, so auch in dem Buch von Martina Seifen [1]. Wie man auf dem Foto erkennen kann, hat es verramscht nur 0,99 € gekostet, aber auch das ist maßlos. Gut, ich wollte mich wieder einmal über ein Teebuch ärgern. Aber andererseits interessierese ich mich schon seit längerer Zeit für diesen Tee und sein Marketing-Phänomen des Gewichtsverlustes.

Das Buch umfaßt 128 Seiten im Großdruck. 40 Seiten behandeln TCM (Traditionelle Chinesische Medizin), 20 Seiten ein Diät-Programm, auf neun Seiten kann man Schauerlichkeiten wie Eistee aus Pu'er Tee überblättern, eine „kleine chinesische Küchenkunde“, Inhalt, Vorwort und mehr füllen weitere Seiten. Weniger als ein Drittel des Buches behandelt das eigentliche Thema.

Im Vorwort steht „In China gilt er seit 1700 Jahren als der Geheimtip […].“ Tipp oder Tip? Vielleicht war das 1999 sogar noch richtig. Die Zahl 1700 ist gar nicht so falsch, denn die Geschichte reicht wirklich bis in die Zeit der Drei Reiche zurück [2]. Dieser chinesische Artikel zur Geschichte des Pu'er Tees berichtet über die große Entfernung vom (Han-)chinesischen Kulturland und die Schwierigkeiten nach Yunnan zu gelangen, so daß die Bedeutung des Pu'er Tees erst in der Ming- und Qing-Zeit erkannt wurde. „Seit kurzem ist er auch bei uns in aller Munde: Pu-Erh-Tee, der rote Tee aus Yunnan [...]“. Ich wage zu bezweifeln, daß er in aller Munde ist oder war. Der rote Tee – der Aufguss von Pu'er Tee ist rotbraun – , aber das gilt auch für unseren Schwarztee, weshalb Schwarztee in China und anderen ostasiatischen Ländern roter Tee (红茶) genannt wird. Pu'er Tee gehört in China zur Kategorie schwarzer Tee (黑茶) [3]. „Er soll den Cholesterinspiegel senken [...]“. [4] Was etwas soll und was es dann macht sind verschiedene Dinge. Mittlerweile gibt es  Studien an Ratten und auch Hypothesen, aber nicht eine Studie an Menschen ist in Sicht.

„Seit es Tee in China gibt – seit rund 5000 Jahren - [...]“. Da sind sie wieder einmal, die berüchtigten 5000 Jahre. Gerne (allerdings nicht hier) wird eine Legende zu Shen Nong (神農) angeführt, der im Jahr 2737 v. Chr. den Tee entdeckt haben soll, als zufällig Teeblätter in den Wasserkessel gefallen waren und das Getränk den Durst löschte [5]. Es geht aber immer um die Durchdringung einer Idee und die kann nicht hoch gewesen sein. „Der Chinese trinkt Tee nicht nur, [...]“ - das ist so eine bescheuerte Verallgemeinerung, daß ich verzichte, weiter darauf einzugehen. Dann kommt plötzlich ein Hinweis, daß Pu'er Tee dem chinesischen Volk erst seit 50 Jahren bekannt ist, denn da war das magische Jahr 1949, „als Mao Tse Dong den Kaiser entmachtete […].“ Hechel! Hechel! Ich bin kurz vor der Schnappatmung. Auch 1999 schrieb man den Vorsitzenden Mao: Mao Zedong oder früher Mao Tse-tung (毛泽东). Die Qing-Dynastie und damit das chinesische Kaiserreich endete 1912. Es gab Restaurationsversuche, aber die Republik und später Volksrepublik bzw. auch weiter die Republik hatten seit 1912 Bestand.

„Bei alldem hat die TCM nichts mit esoterischem Hokuspukus zu tun, [...].“ Was denn sonst? Ein netter Artikel in Englisch dazu ist von Stephen Barrett auf Quackwatch [6].

„Die alten Chinesen tranken Tee immer und überall […].“ Und die jungen Chinesen? Scherz beiseite, gerade wurde doch noch behauptet, daß die unterprivilegierte Bevölkerung gar keinen Zugang zu Tee hatte, und nun doch? Immer und überall? Ich kann mich noch erinnern, wie zur Zeit der Großen Proletarischen Kulturrevolution (无产阶级文化大革命) die Werktätigen mit heißem Wasser in Thermoskannen zur Feldarbeit gingen  - und nicht mit Tee.

Dann erfahren wir von der Erkenntnis westlicher Wissenschaftler, daß Pu'er Tee Cholesterin senken kann – was allerdings noch längst nicht nachgewiesen ist. Aber: „Die Chinesen wissen das schon lange […].“ Nein, man hatte keine Vorstellung von Blutfetten, Cholesterin und konnte deshalb auch so etwas nicht wissen.

In dem Kapitel „Grüner, schwarzer, roter Tee – Unterschiede in der Herstellung“ steht so viel Ungereimtes, daß ich es nicht auseinander nehmen möchte. Besser nicht lesen. Wir sind bei chinesischem Tee und beim Schwarztee ist von Dhools die Rede, die Terminologie wird also indisch. Der umfangreiche Wikipedia-Artikel zu Pu'er Tee ist viel besser als das Buch geeignet, über Pu'er zu informieren [7]. Frau Seifen führt den Begriff „postfermentierter Tee“ ein, den ich so noch nicht gelesen habe. Pu'er Tee wurde in Ziegel oder andere Formen gepresst, um ihn u.U. über Jahre transportieren und lagern zu können. Dabei konnten Mikroorganismen langsam den Tee weiter fermentieren. Heute versucht man, durch mehr Feuchtigkeit den Prozess zu beschleunigen. Das wiederum führt zu Problemen.

Bei den Inhaltsstoffen geht Frau Seifen auf den Nutzen ein. Es ist fraglich, daß nennenswerte Mengen an Riboflavin oder Pantothensäure über den Tee aufgenommen werden. Fluor soll zur Vorbeugung von Karies dienen. Zu möglichem Schaden steht da nichts. Paßt nicht ins Weltbild. Man hat in Tibet und der Mongolei Menschen mit Fluorose gefunden, denn dort wird (?) bzw. wurde viel Ziegeltee konsumiert [8], der bisweilen zu viel Fluor enthält. Außerdem kann der Tee reich sein an Aflatoxin und die sind sehr ungesund. Die „gesunden“ Inhaltsstoffe werden dann noch einmal wiederholt – es wird dadurch nicht besser. Es sollen auch „Harnsäuren“ gesenkt werden. Es gibt DIE Harnsäure – eine –  und die ist für die Entstehung von Gicht wichtig [9].

Ich komme zum Kapitel „Tee mit Milch und Zucker“. „In China, wo Tee schon seit 3000 Jahren getrunken wird […].“ Also zunächst hatten wir die Zahl 5000, dann 1700 und danach 3000. Und nun? Vielleicht sollte ich mir Ulrichs Rat zu eigen machen: „[...] ich kann dir bloß noch einmal sagen, du nimmst das Denken zu ernst.“ [10] Ansonsten steht bei Frau Seifen auch weiter nur Geschwafel, z.B. vom chinesischen und europäischen Gaumen – gaum zu glauben.

Man könne das Teetrinken auch lassen und dafür Kapsel einnehmen. Das ist nun sehr enttäuschend! Und dann kommt ein Diät-Teil? Ich habe doch gelesen, daß Pu, der Bär, nein: Pu'er Tee („Der chinesische Schlankheitstee“) schlank macht. Wenn ich zusätzlich eine Diät benötige, kann der Tee doch nicht viel bewirken!?

Und schließlich kommen noch die Rezepte. Eistee – könnte es schlimmer sein? Fitness-Tee – da ist dann der „gesunde“ Traubenzucker im Eistee. Es kommt immer noch schlimmer: „Pu-Erh-Tee scharf“. Das soll Pu'er Tee mit schwarzem Pfeffer (黑胡椒) sein. Der schwarze Pfeffer ist in China eher eine rezente Entdeckung. Das gilt genauso für die Muskatnuss. Und weitere Tee-Rezepte mit Kardamom, Zimt, Nelken, Vanille. Oder die Orangenscheibe, denn die hat einen „Vitamin-C-Gehalt“  –  ja wieviel von dieser Kostbarkeit soll denn in der Orangenscheibe stecken?

Schließlich, das darf ich nicht verschweigen, finde sich in dem Buch „Pu Erh Tee / Der chinesische Schlankheitstee“ noch dieser Eintrag: „Lychees / Beliebte chinesische Frucht […] Man kann sie frisch oder in Dosen kaufen.“ Lychees sind mehrere, die Einzahl ist Lychee oder Litschi von lizhi
(荔枝). Aber, daß man sie frisch oder in Dosen kaufen kann – da wäre ich nie drauf gekommen!

Das Buch wird aktuell für 0,40 € feilgeboten [11]. Sie wollen es kaufen? Wahrscheinlich haben Sie gerade sechs Richtige im Lotto gewonnen.




Links und Anmermerkungen:
[1] Martina Seifen: Pu Erh Tee. Der chinesische Schlankheitstee. Econ & ListTaschenbuch, München 1999. ISBN: 3-612 -20652-4.
[2] https://baike.baidu.com/item/%E6%99%AE%E6%B4%B1%E8%8C%B6%E5%8E%86%E5%8F%B2/6315492
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Pu-Erh   
[4] Hou Y, Shao W, Xiao R, Xu K, Ma Z, Johnstone BH, Du Y. Pu-erh tea aqueous extracts lower atherosclerotic risk factors in a rat hyperlipidemia model. Exp Gerontol. 2009 Jun-Jul;44(6-7):434-9. doi: 10.1016/j.exger.2009.03.007. Epub 2009 Apr 5. PMID: 19348878.
„But it isn't known if pu-erh tea has these benefits in humans.“ steht hier: https://www.webmd.com/vitamins/ai/ingredientmono-1169/pu-erh-tea  
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2095754822000321
[5] https://rheumatologe.blogspot.com/2022/04/ein-buch-zu-der-kunst-tee-richtig-zu.html
[6] Stephen Barrett: Why Traditional Chinese Medicine Diagnosis Is Worthless. https://quackwatch.org/acupuncture/reports/diagnosis/
[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Pu-Erh. Darüber hinaus gibt es einen lesenwerten Artikel in Englisch zu gepreßten Tees, zu denen Pu'er Tee gehört: https://en.wikipedia.org/wiki/Compressed_tea.
[8] Jin Cao, Xuexin Bai, Yan Zhao, Jianwei Liu, Dingyou Zhou, Shiliang Fang, Ma Jia, Jinsheng Wu: The Relationship of Fluorosis and Brick Tea Drinking in Chinese Tibetans. In: Environmental Health Perspectives. Band 104, Nr. 12, 1996.
J. Cao, Y. Zhao, J. Liu: Brick tea consumption as the cause of dental fluorosis among children from Mongol, Kazak and Yugu populations in China. In: Food Chem. Toxicol. Band 35, Nr. 8, 1997, S. 827–833.
Zitierung übernommen von [3].
Für Wissensdurstige hier noch ein besonderer Tee – ein Link zum Wikipedia-Artikel zur Fluorose: https://de.wikipedia.org/wiki/Fluorose
[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Harns%C3%A4ure
[10] Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften. Roman. Hrsg. von Adolf Frisé. Rowohlt,  Reinbek (bei Hamburg) 1974. ISBN 3-498-09275-8. S. 376.
[11] https://www.booklooker.de/B%C3%BCcher/Martina-Seifen+Pu-Erh-Der-chinesische-Schlankheitstee/id/A02yfpDH01ZZp


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Tuesday, May 31, 2022

Das Geheimnis der Osterinsel – Buchbesprechung und Ärgernis


Das Buch von Jean Prachan Das Geheimnis der Osterinsel / Mysterien um Atlantis und Ufo-Basen ist mir ein Ärgernis [1]. Was sagt uns der Titel? Wenn in einem Buch über die Osterinsel Atlantis und Ufo-Basen auftauchen, sollte man nicht zu viel erwarten. Jedenfalls nicht, wenn man harte Fakten sucht.



Warum habe ich es dann überhaupt gelesen? In der Zeit, in der das Buch entstanden ist, hatte ich mich im Rahmen meines Ethnologie-Studiums sehr intensiv mit der Osterinsel auseinandergesetzt. Ich habe viel dazu gelesen und auch Hausarbeiten angefertigt, unter anderem eine während meines Studiums in Taipei, Taiwan, Republik China [2]. Und so habe ich auch das Buch von Jean Prachan bzw. Franz Kowaks gelesen. Und 1990 habe ich die Insel zum ersten Mal besucht [3].



Wenn man sich das Titelbild anschaut, dann ist das einerseits ziemlich popelig, eine Buntstiftzeichnung zu verwenden. Man hätte sich auch ein Foto dafür dafür einkaufen können. Andererseits sieht es so natürlich viel mysteriöser aus, als es ein realitätsnahes Foto zeigen würde.

Die ersten zwei Kapitel hätten mich fast eingelullt, denn da wurde der Stand korrekt wiedergegeben. Da hat jemand sehr gut die Entdeckungsgeschichte zusammen gefaßt. Aber das Kapitel III. trägt den Titel: Das polynesische Rätsel. Ich will überhaupt nicht mit wissenschaftlichen Erkenntnissen prahlen, denn da sind noch viele offene Fragen, wie schon der Blick in die Wikipedia-Artikel vermuten läßt [4]. Prachan/Kowaks bietet uns drei Thesen:
1. die Polynesier besiedelten den Pazifik von Südamerika aus – ziemlich unwahrscheinlich, wobei ich Kontakte überhaupt nicht ausschließen möchte
2. die Polynesier besiedelten den Pazifik vom Westen aus – wahrscheinlich die wahrscheinlichste These, wobei Prachan sie widersprüchlich findet
3. die Polynesier besiedelten den Pazifik von einem verschollenen Kontinent aus – da ist es wahrscheinlicher, daß ich den Jackpot im Lotto gewinne, während mich ein Blitz im Faraday'schen Käfig trifft.
Unter dem Untertitel „Die polynesische 'Rasse'“ wird die These aufgestellt, daß die Polynesier „höchchstwahrscheinlich“ der „weißen Rasse angehören“. Das stimmt nicht mit dem Forschungsstand überein. Der Ursprung der Polynesier liegt in Südostasien / Taiwan. Leider ist der englische Artikel von Wikipedia korrumpiert – man kann das erkennen, wenn man ältere Versionen aufruft [5].
Die Herstellung, Aufrichtung und der Transport der Moai wird natürlich auch als ungelöstes Rätsel dargestellt. Das Problem ist, daß es verschiedene Möglichkeiten gibt, wie z.B. der Transport auf Schlitten oder Gleisen, oder das Hin- und Herschaukeln an Seilen [6]. Ich favorisiere die letzte Art des Transport, denn sie erklärt alte Sagen und wurde natürlich ausprobiert [7].
Dann folgt noch ein kurzer Abschnitt über den Kult des Vogelmanns.



Und dann wird es immer konfuser. Zunächst der längst widerlegte Vergleich der Schrift auf den  Rongorongo-Tafeln der Osterinsel mit den kurzen Siegelinschriften der Industalschrift [8].



Es wird esoterisch-konfus und ich nehme an, daß es nun auch den gesunden Menschenverstand des Autors Prachan/Kowaks störte, so daß er mehr und mehr fremde Meinungen referiert. Zwischen Industalschrift und Osterinselschrift liegen 3500-4000 Jahre und 20.000 km! Wie kann man das überbrücken? Wir bekommen das so erklärt: „Ja, unmöglich mit natürlichen Mitteln! Was aber, wenn sie über telepathische Kräfte verfügt hätten?“ Hätte, hätte, Fahrradkette. Und dann kommt auch nochmals der verschollene Kontinent Mu. Aber dann könnte man auch den Film Doomsday Prophecy (lief in Deutschland als Prophezeiung der Maya) als wissenschaftliche Quelle ansehen [9].

Das Buch wird für 2,00€ angeboten. Das halte ich für haltlos überteuert. Man müßte für den Kauf entschädigt werden.




Links und Anmerkungen:
[1] Jean Prachan: Das Geheimnis der Osterinsel. Mysterien um Atlantis und Ufo-Basen. O.O., o.J. [1990]. ISBN: 3-485-00040-X. Das Original ist unter dem Titel Le Dosssier Secret de l'Ile de Paques im Verlag Editions Pierre Belfond, Paris 1979 erschienen. ISBN: 2-7144-1239-4. Allerdings wird als Autor Franz Kowaks angegeben. https://excerpts.numilog.com/books/9782714490940.pdf In dieser Datei kann man den französischen Text der Einleitung komplett einsehen und der stimmt mit der deutschen Übersetzung vollkommen überein. Da haben schon hier ein Geheimnis und Mysterium entdeckt.
[2] Kirsch, Lothar M.: KOHAU RONGORONGO. A close look on Cultural Distribution Theory and the semantic value of logographic writing systems in comparison to the Kohau Rongorongo. National Taiwan University, Institue for Archeology and Anthropology. Taipei, April 1979. https://rheumatologe.blogspot.com/2017/11/easter-island-or-rapa-nui-rapanui.html
[3] https://rheumatologe.blogspot.com/2021/10/te-pito-o-te-henua-die-osterinsel.html
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Polynesien Hierbei besonders das Kapitel „Geschichte“ und darin „Erste Besiedlung“. Der Artikel in Englisch ist ausführlicher: https://en.wikipedia.org/wiki/Polynesia. Dort werden auch Studien zitiert, die nach genetischen Analysen eine Besiedlung der Osterinsel für etwa das Jahr 1200 n. Chr. nachweisen. Der Artikel in Spanisch bringt für unsere Fragestellungen keine neuen Aspekte: https://es.wikipedia.org/wiki/Polinesia. Das gilt ebenso für die Artikel auf Französisch und Italienisch. https://fr.wikipedia.org/wiki/Polyn%C3%A9sie. Zugegeben, beim französischen Artikel hat mich das austronesische Erbe in zweifacher Hinsicht fasziniert: sprachlich in einer Ausdehnung im Westen bis Madagaskar und östlich bis zur Osterinsel, sowie die Tatsache, daß die Bergstämme Taiwans, wie die Atayal, die Tau (Yami), Bunun oder Paiwan z.B. auch zu dieser Gruppe gehören.
[5] Der nicht korrumpiert Text muss lauten: „There are multiple hypotheses on the ultimate origin and mode of dispersal of the Austronesian peoples, but the most widely accepted theory is that modern Austronesians originated from migrations out of Taiwan between 3000 and 1000 BC. Using relatively advanced maritime innovations like the catamaran, outrigger boats, and crab claw sails, they rapidly colonized the islands of both the Indian and the Pacific oceans. They were the first humans to cross vast distances of water on ocean-going boats.[14][15] Polynesians are known to have definitely originated from a branch of the Austronesian migrations in Island Melanesia, despite the popularity of rejected hypotheses like Thor Heyerdahl's belief that Polynesians are descendants of "bearded white men" who sailed on primitive rafts from South America.[16][17]“ https://en.wikipedia.org/wiki/Polynesians  
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Moai
[7] https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0305440312004311 Carl P. Lipo, Terry L.Hunt, Sergio Rapu Hao: The ‘walking’ megalithic statues (moai) of Easter Island. Journal of Archaeological Science Vol. 40 (6), 2013. P. 2859- 2866. https://doi.org/10.1016/j.jas.2012.09.029
[8] https://en.wikipedia.org/wiki/Indus_script
[9] Doomsday Prophecy (Prophezeiung der Maya) war ein B-Movie, bzw. doch eher C- oder D-Movie. Der Film hat nichts mit den Maya zu tun, aber man sucht und findet Moai in British Columbia. „Das Lexikon des internationalen Films nannte Doomsday Prophecy einen „[l]ächerliche[n] Katastrophenfilm.“, der „nur Langeweile“ verbreite.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Doomsday_Prophecy_%E2%80%93_Prophezeiung_der_Maya


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Saturday, December 25, 2021

Verkehrtes Asien – einige Aufreger


Ich suchte heute in alten Unterlagen ein bestimmtes Bild und in einer 30-35 Jahre alten Kladde fand ich einige Aufreger. Das waren sie damals schon, aber ich habe sie bislang noch nicht veröffentlicht.

Beim ersten Bild handelt es sich um asiatische Speisen; es könnte sich durchaus um ein chinesisches Gericht handeln, aber die Präsentation ist eher japanisch. Das Geschirr ist eindeutig chinesisch. Die Eßstäbchen sehen auch chinesisch aus, die Aufschrift ist nicht genügend gut zu erkennen, wirkt aber japanisch; die Präsentation wirkt weder chinesisch noch japanisch. Und die Schrift ist ein spiegelverkehrter japanischer Text (ein ist zu erkennen). Wahrscheinlich hat man den Fotografen mit einigen Utensilien alleine werkeln lassen.


Der nächste Fall ist eine Anzeige. Wie mag die Zahl 10 Millionen zustande gekommen sein? Ich denke, „klingt gut“ war ausschlaggebend, mancht es aber nicht wahrscheinlicher. Kommen wir zur Bildunterschrift: „Wer leistungsfähig bleiben will“ - aber so sieht die Dame unten rechts im Bild gar nicht aus. Und was für Japaner sind das denn? Es sind Chinesen und zwar in Hongkong. Ich meine, daß die Aufnahme in Wanchai, also auf Hongkong Island, gemacht wurde, so vor etwa 40 Jahren.


Beim nächsten Bild wird uns „eine Chinesin bei der Handarbeit“ gezeigt. Nein, die junge Dame klöppelt nicht, auch wenn sie Klöppel (oder Schlegel) in der Hand hält, denn sie spielt eine Kastenzither, wahrscheinlich anläßlich einer touristischen Vorführung.



Und dann sollen wir eine Werbung für Aspirin in Japan sehen. Erstens sehen wir eine Chinesin, zweitens sehen wir sie und die Zeichen spiegelverkehrt. Es handelt sich um ein sehr alte Werbung auf Chinesisch, denn Aspirin heißt auf Chinesisch 阿司匹林, damals wurde noch 阿司匹靈 benutzt. Das Bild dieser Frau mit der Tablette wird in einem chinesischen Text als Vater der chinesischen Werbung bezeichnet [1]. Japanisch wird das Fremdwort natürlich mit Katakana wiedergegeben: アスピリン.


Kommen wir nun zum „Feinsten Tee aus China“ - so jedenfalls die Überschrift, denn der erste Tee, der im Text erwähnt wird, ist ein japanischer Tee. Dann kommt auch ein chinesischer Tee, der um etwa 30% preiswerter ist. Und dann werden noch vier Teegärten in Darjeeling, Assam und Südindien erwähnt. Aber was ist mit dem Bild? Sieht schon chinesisch aus, wenn man davon absieht, daß die Kalligraphie auf dem Kopf steht.


Was lehrt uns das?
    - China und Japan sind zwei verschiedene Kulturen
    - ich bin leicht zu erregen
    - mich überraschen immer wieder solche Schludrigkeiten
    - wenn mit fremdländischen Zeichen beworben wird, sollte man beim Produkt besonders genau und kritisch hinschauen



Links und Anmerkungen:
[1] https://m.qudiandi.com/product/item/pid/10047494.html

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Friday, December 3, 2021

Vegetarische Küche – eine Buchbesprechung

 



Ich habe kürzlich ein Buch (eher ein Heft) mit den Worten „Du bist doch Vegetarier ...“ in die Hand gedrückt bekommen, gefolgt von der Drohung „Ach, wenn Du's nicht willst, werfe ich es weg“ - ich kann doch nicht dabei zusehen, wie Bücher weggeworfen werden. Also habe ich es dankend genommen.

Es handelt sich um „Vegetarische Küche“ [1], ein Heft von 96 Seiten, in China gedruckt – ohne Autor; Larissa Kröhnert hat das Vorwort geschrieben. „Die vegetarische Küche bietet eine köstliche Alternative zu Fleischgerichten.“ Ich hoffe, daß sich Dante eine besonders schlimme Hölle für den Autor dieser Zeile ausgedacht hat. „Schritt-für-Schritt-Fotos“ „erleichtern das Zubereiten der vegetarischen Köstlichkeiten.“

Vegetarisch steht hier für fleischlos, aber das ist nicht korrekt, denn Vegetarier essen weder Lachs, Thunfisch noch Scampi, die in den Rezepten des Buches auftauchen [2]. Diese Rezepte machen 10% des Umfangs aus – also damit könnte ich leben. Aber dann schaue ich genauer hin und das erste Rezept „Spaghetti mit Gemüse-Bolognese wird mit Parmesan zubereitet und der wird mit tierischem Lab hergestellt.

Die Schritt-für-Schritt-Fotos habe ich mir genauer angesehen. Da wird gezeigt, wie man Champignons mit der Eierharfe oder mit einem Messer in Scheiben schneidet. Wie man eine Zwiebel schält. Wie man Thunfisch aus der Dose abtropfen läßt – igitt! Oder wie Eier oder Möhren im Topf mit Wasser kochen. Mein Favorit ist aber „Nudeln garen“ - das macht man mit jeder einzelnen Nudel, die man (hier an Penne gezeigt) von beiden Seiten mit Daumen und Zeigefinger ergreift. Das möchte ich auch können!

Wo ich gerade bei den Penne bin, die gehören zu „Gebratener Spargel mit Penne und Nussbutter“. Nussbutter (beurre noisette) und Haselnussbutter (Beurre d’avelines) sind mir schon bekannt, und so etwas ist hier auch gemeint, aber im veganen/vegetarischen Umfeld versteht man unter  Nussbutter oder Nussmus etwas anderes.

Und dann ist mehrfach von Semmelknödel die Rede. Aber es muss SemmelnKnödeln heißen, wie Karl Valentin Liesl Karlstadt (und uns) 1940 erklärt hat [3].

Eigentlich müßte ich das Buch jetzt entsorgen, aber das geht nun nicht mehr – ich hätte nicht darüber schreiben sollen.


Links und Anmerkungen:
[1] Larissa Kröhnert (Vorwort): Vegetarische Küche. Sonderausgabe Moewig, Heinrich Bauer Carat Verlag KG ohne Jahr. ISBN:     978-3-86803-251-2. Die fehlende Jahresangabe erschwert die Einordnung – vor oder nach 2000 macht schon einen Unterschied.
[2] Strenge Vegetarier ernähren sich rein pflanzlich (vegan geht insofern darüber hinaus, als auch Gegenstände des täglichen Lebens wie Schuhe oder Gürtel mit einbezogen werden), Ovo-Vegetarier  erlauben Eier,  Lakto-Vegetarier erlauben Milch und Ovo-Lakto-Vegetarier ernähren sich auch mit Eiern und Milch. Mehr dazu hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Vegetarismus Pescetarier sind Menschen, die auf Fleisch verzichten, was anerkennenswert ist, aber sie zählen nicht zu den Vegetariern.
[3] https://www.br.de/mediathek/podcast/karl-valentin-der-podcast-mit-der-komiker-legende/original-1-semmelnknoedeln/1787683


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