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Saturday, October 19, 2024

LYRIK-Taschenkalender 2016 37.-39. KW 20.10.2024


Michael Braun hat den LYRIK-Taschenkalender 2016 herausgegeben und zusammen mit Henning Ziebritzki alle am Taschenkalender beteiligten Autoren  mit je einem Gedicht vorgestellt und kommentiert. Die 17 Dichterinnen und Dichter stellten jeweils zwei Lieblingsgedichte mit Kommentar vor. Diesen Taschenkalender habe ich nun wieder herausgesucht, denn er hatte mich eingeladen zum Annotieren und Assoziieren, zum Erstellen von GegenEntwürfen. Vielleicht so auch ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne). Diese Annotationen stammen aus den Jahren 2022-2024.



37. KW
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben [1]: Rotwälsch


Es wirkt wie ein Nonsens Gedicht von Morgenstern, aber nicht so gut, und auch nicht so gut wie Lewis Carroll [2]. Letztlich unverständlich, ohne den Leser abzuholen.  

Das Rotwelsch oder die Jargons, die man unterscheidet, hatten mich früher einmal interessiert, schon da in die HochSprache oder besser noch die UmgangsSprache Vokabeln des Rotwelschen gelangt sind [3].

38. KW
Marcel Beyer: Deiner Silbe Grimm


Wörterbuch -: das Wort mußte fallen, jedenfalls direkt im Anschluß an Marcel Beyers Kommentar zum Gedicht „Rotwälsch“.

Knicklaute -: auch der Knopf gehört dazu. Im Englischen gehören zum Beispiel knight oder knuckle dazu. Und es gibt Gelächter, wenn jemand kay-nuckle sagt.

Englischer Humor -: zwei Männer in RitterRüstungen stehen an der Rezeption eines Hotels und verlangen ein Zimmer „for two (k)nights“.

Knacklaute -: Knacki. Als Heinz M. morgens beim Waschen auf der Intensivstation dem Patienten erklärte,  ich wäre sein Bewährungshelfer.  

38. KW
Kommentar: Henning Ziebritzky


Wortschatz-: Schatz. WordBrain [4] -: eine Sprache lernt man durch Begriffe Wörter, die Grammatik begreift man nach den Wörtern.

SprachHund -: mein SprachHund verLäuft sich nicht, der schnuppert an den Wörtern und weist den Weg aus dem Labyrinth von Babel.

Bilden Wörter nicht auch Seilschaften? Sind KletterGärten wie die schlagenden Verbindungen, nur um Seilschaften zu bilden?

39. KW
Anja Utler: entgegen zu steh IX


Ich sehe da kein Lied, nur Leid, viel Leid.

Aber ich sehe auch Franka Potente und Matt Damon in „The Bourne Identity“ in Paris.

Kielwärts
    kielwärts
Schlucken  
Gurgeln
Im
Schlick
VerSinken
Während
Das
Schilf
Sich
Wiegt
Und  
Die
Dommeln singen
    Mit
Dem Schilf

38. KW
Kommentar: Levin Westermann


Ist nicht im Flattersatz der Gedichte schon Leere genug?

Klingender SchilfKopf
Was schreibst du nur in die Luft?
Die Dommel verrät's

Ely -: The Book of Eli [5]


Links und Anmerkungen:
[1] August Heinrich Hoffmann, bekannt als Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) war ein deutscher Hochschullehrer für Germanistik. https://de.wikipedia.org/wiki/August_Heinrich_Hoffmann_von_Fallersleben und den erwähnte ich in: Erlebnis Deutschland – Das Westwerk von Corvey https://rheumatologe.blogspot.com/2024/02/erlebnis-deutschland-das-westwerk-von.html   
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Jabberwocky   
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Rotwelsch Sehr umfassend, viel mehr als ich früher einmal in der UB Köln gelesen hatte.
4] Ich meine hier die Idee von Bernd Sebastian Kamps: The Word Brain - https://englishontarget.wordpress.com/wp-content/uploads/2011/04/thewordbrain_shortedition_de.pdf
[5] „The Book of Eli“ ist ein postapokalyptischer Actionfilm mit Denzel Washington, Gary Oldman und Mila Kunis aus dem Jahr 2010. https://de.wikipedia.org/wiki/The_Book_of_Eli
 
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Tuesday, March 26, 2024

Fraktur und Tätowierungen der Nazis

 



Ich habe ja eine merkwürdige Art, Spanisch zu lernen, zum Beispiel über die Podcasts von Estación Sur bei Cosmo Radio [1] oder über das Lernen von Vokabeln, Bücher und Comics lesen oder über as Anhören und Ansehen vonVideos. so zum Beispiel von einer spanischen Linguistin bzw. Sprachlehrerin, die auf Facebook und  anderen Plattformen postet. Sie nennt sich Linguriosa und dahinter verbirgt sich Elena Herraiz [2].

Vor einigen Tagen hörte und sah ich etwas von ihr über Frakturschrift [3]. Das Video trägt den Titel: ¿Qué se tatuaban los NAZIS? [4] Ich schrieb einen Kommentar: “Estoy interesado en la fuente de la transfusión incorrecta especificando el grupo sanguíneo en la escritura Fraktur, porque todavía no he encontrado esta pista interesante. Por cierto, Jussi Adler-Olson incluyó en su libro "La casa del alfabeto" una falsa transfusión provocada por un tatuaje, pero no tuvo nada que ver con la escritura Fraktur.“ [5] Darauf erhielt ich bisang keine Antwort. Ein anderer Kommentar lautete: „Me parece una buena idea.“ [6] Warum das keine so gute Idee ist, werde ich später zeigen.

Frakturschrift ist für viele Menschen heute verwirrend, ob sie nun aus Deutschland stammen oder nicht. Der Streit um die Schrift begann auch nicht erst in der Nazi-Zeit, sondern der Kampf der Schriften (Antiqua oder Fraktur) startete bereits im späten 19. Jahrhundert [7]. Adolf Hitler äußerte sich bereits 1934 gegen die Fraktur, in der er „romantische Vorstellungen“ sah, ihm paßte die  „vermeintliche gotische Verinnerlichung schlecht in das Zeitalter von Stahl ...“, also der Vorstellung seines Reiches. Erst 1941 wurde aber auf Antiqua umgestellt. Der Grund waren: Anordnungen in besetzten Gebieten konnten nicht gelesen werden bzw. erst gar nicht gedruckt werden, weil die bestehenden Druckereien Antiqua benutzten.

Linguriosa berichtet, daß die Waffen-SS mit Fraktur-Buchstaben ihre Blutgruppe eintätowiert bekommen hatten und es zu Fehltransfusionen gekommen sei. Jussi Adler-Olson hat in seinem Buch „Das Alphabethaus“ [8] beschrieben, wie sich einer der Protagonisten die Blutgruppe eines verstorbenen Waffen-SS-Offiziers eintätowiert und dadurch später eine nicht kompatible  Transfusion bekommt; das hatte jedoch nichts mit der Frakturschrift zu tun. Probleme hatte man auch mit Fraktur-Initialen bei den falschen Hitler-Tagebücher, die der STERN begonnen hatte abzudrucken [9]. Dabei hatte der Fälscher die Buchstaben A und F vertauscht, denn er wollte die Tagebücher mit den Initialen A.H. schmücken, hatte dann aber F.H. genommen. Es ist mir aber besser aus dem Film [10] in Erinnerung, wie man daraus bei der Zeitschrift Führer-Hauptquartier gemacht hat.

Die Tätowierungen waren entweder A, B, AB oder O. Da kann man sich auch nicht bei Fraktur irren. Etwas anderes war der Fall und das kann man auch auf Wikipedia nachlesen – sogar auf Spanisch [11]. Man wußte erst nach dem 2. Weltkrieg etwas über den Rhesus-Faktor und die Unverträglichkeiten waren darauf zurückzuführen. Deshalb halte ich es auch nicht für eine gute Idee, sich die Blutgruppe eintätowieren zu lassen, zudem es noch mehr Möglichkeiten gibt, daß eine Transfusion unverträglich wäre. Dafür testet man heute ganz anders. Die Blutgruppe nach ABO  kann man innerhalb einer Minute am Bett testen und vor einer Transfusion muss der Arzt dies auch am Bett testen. Das Wissen um die eigene Blutgruppe gibt keinen Vorteil und als Arzt dürfte man sich darauf auch nicht verlassen.

Einen Vorteil hatten jedoch die Tätowierungen der Waffen-SS – man hat dadurch Kriegsverbrecher identifizieren können. So hatte es auch etwas Gutes.


Links und Anmerkungen:
[1] COSMO en español – https://www1.wdr.de/radio/cosmo/programm/sendungen/estacionsur/livestream-estacion-sur-100.html
[2] Elena Herraiz Medina – https://es.wikipedia.org/wiki/Elena_Herraiz  
[3] https://www.facebook.com/reel/1098050024607566
[4] Etwa: „Daß sich die Nazis tätowiert haben?!“
[5] Etwa: „Mich interessiert die Quelle der falschen Transfusion unter Angabe der Blutgruppe im Fraktur-Skript, da ich diesen interessanten Hinweis noch nicht gefunden habe. Übrigens hat Jussi Adler-Olson in seinem Buch „Alphabet House“ eine durch eine Tätowierung verursachte falsche Transfusion aufgenommen, die jedoch nichts mit der Frakturschrift zu tun hatte.“
[6] Etwa: „Ich denke, das ist eine gute Idee.“
[7] Zum Antiqua-Fraktur-Streit: https://de.wikipedia.org/wiki/Antiqua-Fraktur-Streit
[8] Jussi Adler-Olsen: Das Alphabethaus. dtv, München 2012. ISBN: 9783423248945.
[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Hitler-Tageb%C3%BCcher  
[10] Schtonk!; satirischer Spielfilm von Helmut Dietl aus dem Jahr 1992. https://de.wikipedia.org/wiki/Schtonk!
[11] https://es.wikipedia.org/wiki/Tatuaje_del_grupo_sangu%C3%ADneo  
[12] PS. ich habe extra eine Seite Fraktur aus einem alten Gesangbuch mit Liedern zum nahen Osterfest als Beispiel ausgewählt.
 
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Sunday, December 31, 2023

Wurde Mose als Baby aus dem Nil geborgen?

Wurde Mose als Baby aus dem Nil geborgen? Vielen mag diese Frage anmuten, als würde man fragen, wie viele Engel auf einer Nadelspitze Platz haben? [1]. Aber mich hat nun die Frage doch gepackt, wie mich zum Beispiel auch das Geschlecht der Tsunami gepackt hatte [2]. Mose also lag in einem Kästchen [3] und das war im Schilf verborgen und wurde von der Pharaonentochter gefunden und mit dem Kästchen aus dem Schiff geborgen. Nun aber ist mir in der Ausbildung zum Notarzt eingebläut worden, daß Tote geborgen werden und lebende Personen gerettet werden Man macht in diesen Kreisen einen deutlichen Unterschied. Und so sieht es auch Bastian Sick – ja der vom Dativ bzw. fühlte er sich ja des Genitivs mehr verpflichtet, der in der Zwiebelfisch-Kolumne dies auch so sieht. Das entspricht einer idealen Welt und der Sicht des Arztes und wahrscheinlich auch der Rettungsassistenten. Aber das ist eine idealisierte Welt und nicht die Alltagswelt. Wenn Tote und Lebende geborgen werden, dann muß man extra drauf eingehen, da es nicht eindeutig ist, dafür aber ist es praktischer, weil der Schreiber einer schnellen Meldung nicht weiter nachdenken muß. Die Frage ist längst nicht entschieden und man kann im Internet ein Hin und Her sehen [4]. Die Definition im Wörterbuch für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe der ständigen Konferenz für Katastrophenvorsorge und Katastrophenschutz [5] ist meines Erachtens nicht stringent genug, denn dort steht: „Bergung umfasst Maßnahmen zur Befreiung von Menschen oder Tieren, die durch äußere Einwirkungen in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind.“ Und: „Retten bedeutet das Abwenden eines lebensbedrohlichen Zustandes durch lebensrettende Maßnahmen und/oder durch Befreien aus einer lebensbedrohlichen Zwangslage (DIN 13050:2002-09).“ Es geht mir nicht um eine überflüssige Schuldzuweisung, aber eine Chance ist verpaßt worden. Dr. Bock nun resümiert: „Diese einander widersprechenden Definitionen zeigen, dass man mit der Übertragung solcher fachsprachlicher Definitionen auf die Allgemeinsprache vorsichtig sein sollte.“ [6] Und da das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist, meine ich: sollen sie doch bergen, wen oder was sie wollen, solange sie nur lebende Personen retten.

Kommen wir jetzt zu der Geschichte von Mose. Die ist nun in der Lutherübersetzung betitelt mit: „Moses Geburt und wunderbare Rettung“ [2] Einheitsübersetzung trägt die Überschrift: „Die Jugend des Mose“ [7]. Hier möchte ich noch einmal vorausschicken, daß ich der irrigen Annahme war, daß das Kästlein, in dem sich Mose befand, zunächst auf dem Nil umher getrieben ist und dann sich irgendwie im Schiff verfangen hatte; nein, das Kästlein wurde in den Schilf am Ufer des Nils gesetzt [8]. Dort wurde es von der Tochter des Pharaos entdeckt, die dann ihre Magd, anderswo steht Sklavin oder Dienerin, aber das sollte uns jetzt nicht stören, hinschickt, um das Kästlein zu bergen. Das Kästlein hat Ähnlichkeit im theologischen Kontext einerseits mit der Arche Noah [9] und andererseits mit der Krippe des Christkindes. Und weiter denke ich an den Kasten, in dem Schrödingers Katze [10] steckte. Mose steckte in einem Kästlein von Rohr, das mit Erdharz und Pech verklebte war. Als das Kästlein gefunden und geborgen wurde, wußte niemand von den Akteurinnen, was sich darin befand: Schmuck, eine lebende/tote Katze [11], eine Skulptur oder das Hebräerkind. Geborgen ist hier auch im modernen Sinn das richtige Wort, denn es war zunächst nur ein Kästlein. Wenn man sich nun die Stellen in der Bibel anschaut, in denen von Retter, Erretten oder Rettung die Rede ist, so wird man 60-70 Stellen [12] finden. Was aber weist diese Stellen aus? Gott alleine ist unser Retter, er rettete die Schöpfung und den Menschen über die Arche Noah und Mose über die Tochter des Pharaos. Also wurde Mose von Menschen geborgen und von Gott gerettet.



Links und Anmerkungen:
[1] Jemand meinte, es seien 150 Engel, aber der scholastische Streit über diese überflüssige Frage blieb unaufgelöst. Der Streit damals war ungefähr so, als würde man heute bei Twitter das Bild eines Berliners/Pfannkuchens zeigen und fragen, wie die Bezeichnung lautet. Wer es näher nachlesen möchte, denn man kann dem interessante Aspekte abgewinnen, dem empfehle ich das Buch von Richard Reschika: Wie viele Engel können auf einer Nadelspitze tanzen? Alles, was Sie über Religion noch nicht wissen. Diederichs, Heinz Hugendubel Verlag, Kreuzlingen/München 2008. 978-3720530651.
[2] Die Tsunami https://rheumatologe.blogspot.com/2023/12/die-tsunami.html
[3] Moses Geburt und wunderbare Errettung https://www.bibleserver.com/LUT/2.Mose2 2.Mose 2,1-10
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Bergung_(Technische_Hilfe)  
https://blog.mag1.de/der-kleine-unterschied-retten-bergen/  
[5] http://www.ag-notfunk.de/w%C3%B6rterbuch%20skk.pdf  
[6] https://blog.leo.org/2008/07/07/verwundete-retten-und-tote-bergen/
[7] Die Bibel: Altes und Neues Testament - Einheitsübersetzung. Herder Verlag, Freiburg, Basel, Wien 1980.  ISBN-10: 3-451-28000-9. Ex 2,1-15 – Die gewählte Passage umfaßt fünf Verse mehr.
[8] Ich könnte mir das so ausgedacht haben in der Erinnerung an den Text, aber ich vermute eine viel ältere Erinnerung dahinter, nämlich, daß mir die Geschichte so im Kindergottesdienst erzählt worden ist, aber das liegt schon ein Weile zurück.
[9] Mache dir einen Kasten von Tannenholz und mache Kammern darin und verpiche ihn mit Pech innen und außen. https://www.die-bibel.de/bibeln/online-bibeln/lesen/LU17/GEN.6/1.-Mose-6 1.Mose 6,14
[10] Das Gedankenexperiment von Erwin Schrödinger zur Quantentheorie (Stichwort: Die Superposition in der Quantenmechanik) kann man hier nachlesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Schr%C3%B6dingers_Katze
[11] Katzen sind im alten Ägypten belegt, nicht zuletzt über die Gottheit Bastet, die als Frau mit Katzenkopf oder nur als Katze dargestellt wurde. https://de.wikipedia.org/wiki/Bastet
[12] Ich habe das in der Wortkonkordanz getan. Bibel von A bis Z. Wortkonkordanz. Verlag: Württembergische Bibelgesellschaft, Stuttgart 1969.

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Monday, December 25, 2023

Die Tsunami

 


Ich hatte mich schon früher mit dem Genus des Wortes Tsunami beschäftigt und auch einige Gedichte zur Tsunami geschrieben [1]. Oder in einem anderen Zusammenhang tauchte die Tsunami bei mir auf [2]. Ausschlag gebend war die Tatsache, daß allgemein ein männliches Geschlecht angenommen wird, jedenfalls findet man nur wenig Texte, in denen dies nicht der Fall ist. Der Duden erlaubt beide Geschlechtszuordnungen [3].

Ich habe mir früher einmal das Buch Im Spiegel der Sprache / Warum die Welt in anderen Sprachen anders aussieht von Guy Deutscher [4] gekauft, weil es über Farben und Farbwahrnehmung berichtete. An Farben und ihren Bezeichnungen bin ich besonders interessiert [5]. Auch wenn die irrige Idee, der viele Menschen heute noch anhängen, daß man in verschiedenen Sprachen Dinge besser oder schlechter ausdrücken könnte, hatte es in diesem Buch sehr schnell ein Ende mit dieser Hypothese. Ich hatte das Buch jetzt noch einmal gelesen, wiederum in Hinsicht auf die Farben. Aber ich interessierte mich dann für das achte Kapitel: Sex und Syntax. Da wird zum Beispiel (S. 223 und S. 245) Heinrich Heines männlicher Fichtenbaum erwähnt, der sich nach der weiblichen Palme sehnt. Deutscher kommt zu dem Schluß, daß der Alptraum der Ausländer, im Deutschen und anderen Sprachen drei oder mehr Genera benutzen zu müssen, bisweilen auch als Gefängnis von Assoziationen bezeichnet, ihn nicht dazu verführen würde, darauf verzichten zu wollen. Denn wie langweilig wäre es, wenn „eine Biene keine Sie wäre oder ein Schmetterling kein Er wäre“.

Aber kommen wir zurück zur Tsunami. Guy Deutscher hatte sein Buch vor der Tsunami und Fukushima-Katastrophe geschrieben. Welle, Woge, Flutwelle, Bugwelle, Monsterwelle, Riesenwelle, Leewelle, Dünung, Flut, Ebbe, Gezeiten, Heckwelle – alle sind weiblich. Warum also sollte Tsunami ein anderes Geschlecht bekommen? Ich finde gerade im Internet eine Antwort: „Der Tsunami scheint unter die Wetter- und Umweltphänomene zu fallen und wie "der Orkan", "der Passat", "der Tornado" und "der Monsun" deswegen maskulin geworden zu sein.“ [6] All dies sind äolische und nicht aquatische Phänomene. Die Frage wurde 2021 gestellt. Jemand anderes antwortete (u.a.): „Am Ende läuft es eben darauf hinaus, dass sich jeder nach allen anderen richtet.“ Das ist sicherlich richtig, aber zu kurz gedacht, denn ich befürchte, daß es sich eine Macho-Zuordnung handelt. Der mächtige Tsunami muss einfach männlich sein. Ich aber bin weiterhin für die Tsunami – wie die Flutwelle.



Links und Anmerkungen:

[1] Hier sind nur zwei davon: https://rheumatologe.blogspot.com/2022/12/freitagsgedichte-kurzlyrik-09122022.html und https://rheumatologe.blogspot.com/2015/01/freitagsgedichte-kurzlyrik-30012015.html
[2] „Entschuldigung!“ sprach die Tsunami, als das Meer ein wenig schwappte.
https://rheumatologe.blogspot.com/2021/09/lyrik-taschenkalender-2018_12.html
[3] https://www.duden.de/rechtschreibung/Tsunami
[4] Guy Deutscher: Im Spiegel der Sprache. Warum die Welt in anderen Sprachen anders aussieht.
C.H. Beck Verlag, München 2010. ISBN: 9783406606892.
[5]  Farben und Farbnamen Version 5.0 – https://rheumatologe.blogspot.com/2021/03/farben-und-farbnamen-version-50.html Hier müßte ich schon längst die Farbbezeichnungen von zwei weiteren Blogposts eingearbeitet haben: https://rheumatologe.blogspot.com/2022/01/annaherungen-beige-und-seine.html und
https://rheumatologe.blogspot.com/2022/01/annaherungen-die-farbnamen-der-farbe.html Insgesamt sind das dann über 600 Farbbezeichnungen.
[6] https://german.stackexchange.com/questions/63032/warum-ist-tsunami-m%C3%A4nnlich

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Saturday, March 4, 2023

Weltgebetstag 2023


平安 – Ping An – Friede sei mit uns allen

Der Weltgebetstag ist auch als Weltgebetstag der Frauen bekannt. Das kommt daher, daß sich für Mädchen und Frauen engagiert wird, damit sie in Frieden, Gerechtigkeit und Würde leben können. Es handelt sich um ein ökumenisches Projekt. Für dieses Jahr hatten hatten Frauen in Taiwan die Vorbereitung des Weltgebetstages durchgeführt. Und am 03.03.2023 konnten wir auch in Schleiden einen Gottesdienst unter dem Motto „Glaube bewegt“ feiern.
 
Man könnte sich jetzt fragen, was ich dort zu suchen hatte? Ja, Männer haben häufig bei Veranstaltungen, die von Frauen organisiert werden, Berührungsängste. Aber das war bei mir nicht der Fall und ich meine auch, daß Männer gerade für die Belange von Frauen mit einstehen müssen. Hier aber war mein besonderes Interesse Taiwan. Ich habe in Taiwan studiert, und zwar vor dem Medizinstudium und habe den Übergang von der Militärdiktatur in die Demokratie miterleben können. Deshalb hatte ich mich auch bereit erklärt, über meine Aufenthalte in Taiwan zu berichten; zum Beispiel, wie es dazu gekommen war, dass ich in Taiwan studiert hatte. Ich hatte in Köln unter anderem Sinologie und Völkerkunde studiert. Wegen der Parkstudienregelung konnte dann nicht mehr weiter studieren, denn ich wollte Medizin studieren. Man war der Meinung, ich würde jemandem den Studienplatz wegnehmen, aber in der Sinologie saßen wir mit 3-5 Studenten im Seminar. In dieser Situation hat mein alter Professor Chang Hao (張豪) [1] die Idee gehabt, daß ich mit einem Stipendium des Chinesisch-Deutschen Kultur- und Wirtschaftsverband (中德文化經濟協會) [2] nach Taiwan gehen könnte. Tschiang Wei-Kuo (蔣緯國) [3], der Adoptivsohn von Chiang Kai-shek (蔣介石) [4] hatte diesen Verband gegründet. Er sprach er ausgezeichnet. Er war damit auch Bruder des damaligen Präsidenten der Republik China. Damals ging noch der größte Teil des nationalen Haushaltes in das Militär und der Aufbau und der Sprung in die Tigerstaaten erfolgte im darauffolgenden Jahrzehnt.  

Das Prüfungssystem war damals schon so kompetitiv, daß man damals schon Unterricht an einer Nachhilfeschule benötigte, um zur besseren nächsten Schule zu gelangen, und dann die bessere Universität besuchen konnte. Zu den Prüfungsterminen gab es regelmäßig Verkehrsstaus, denn die besorgten Mütter fuhren die Kinder zum Prüfungsort. Da zeigt sich der patriarchalische Aspekt der damaligen Gesellschaft: die Väter arbeiteten und die Mütter blieben zu Hause oder aber hatten die Doppelbelastung von Haushalt und Arbeit. Eine belgische Freundin berichtete mir über ihren Aufenthalt in einem Dormitory, also im Studentenheim, in dem 6-8 Studentinnen in einem Zimmer zusammen wohnten. Wenn die letzte mit dem Auswendiglernen fertig und zu Bett gegangen war, stand bereits die erste zum Auswendiglernen wieder auf, so dass sie diese preiswerte Unterkunft verlassen musste und sich ein Einzelzimmer gesucht hatte. Die Sommer sind heiß. Das spürt man in den nicht klimatisierten. Seminarräumen. Und im Winter war es für einige Tage kalt, denn alle Fenster standen genauso weit offen und der Boden war aus Beton. Allerdings war dies nur für etwa 7 Tage über einen Monat verteilt der Fall. Danach war wieder Frühling.  


Zhonghua Boulevard (中華路)


Damals herrschte in der Innenstadt ein chaotischer Verkehr. Da fuhren Busse völlig überladen und stießen riesige, dunkle Wolken von Abgasen aus. Besonders im Zhonghua Boulevard (中華路). Das ist im im Zentrum. Zwischen Bahnstrecke und Straße ein schmaler Strich, wo die Veteranen ihre Unterkünfte und Geschäfte hatten. Neben der Intelligenzschicht waren nicht nur hohe Militärs sondern auch Mannschaftsdienstgrade nach Taiwan gekommen. Insgesamt sind 1.5-2.0 Millionen Flüchtlinge 1949 nach Taiwan gekommen. Die Mannschaftsdienstgrade hatten die schlechtesten Veraussetzungen für eine Integration. Die Taiwanesen hatten Ressentiment gegen die Militärdiktatur. Die Veteranen und ihre Angehörigen lebten dann zwischen Bahnlinie und Hauptverkehrsstraße auf engem Raum. Wenn ich in der Innenstadt gewesen war, muss ich danach die Rußpartikel abwaschen bzw. ich duschte mich, da ich auch völlig durchgeschwitzt war.

Damals war die Überbevölkerung noch nicht so weit fortgeschritten, sodaß man in den Außenbezirken sehr schnell auch ins Grüne konnte. Da werden heute aber Häuser stehen. Ich  nehme allerdings an, daß man mittlerweile mit den ausgebauten Straßen und Verkehrsnetz auch ins Grüne hinaus kann. Damals hat man sich einfach in den Bus gesetzt und ist durch die Dörfer gefahren. Etwa vom Palastmuseum zum Zhinan Temple (指南宮), das heißt zu einem sehr schönen taoistischen und buddhistischen Tempel.

Zhinan Temple (指南宮)


Einmal fuhr ich mit Freunden in den Süden von Taiwan aufs Land, um die Eltern des Freundes zu besuchen. Da kam mir der Vater im japanischen Yukata (浴衣), das ist ein Kleidungsstück, das man im Haus oder zum Beispiel auch  im Hotel, in Japan im Ryokan (旅館), trägt? Ich war etwas überrascht, aber er sagte zu mir: „Da brauchst du gar nicht überrascht zu sein, denn als kleiner Junge habe ich mich für eine Art Japaner gehalten.“ Einige Gebräuche sind in der Zeit der japanischen Besetzung (1895-1945) übernommen worden. Ein andermal war ich bei einer Freundin zu Gast in Taipei. Ihre Mutter hatte gerade einige Freundinnen zu Besuch und die drei Frauen sprachen durcheinander Taiwanesisch, ein südchinesischer Dialekt/Sprache [5], Hochchinesisch (bzw.  Mandarin) und Japanisch. Die Mutter schaute sich auch Sendungen im japanischen Fernsehen an. Wie ich kürzlich herausgefunden habe, ist das Alte Testament ist noch nicht vollständig ins Taiwanesische übersetzt worden, währenddessen es scho  lange eine vollständige Bibel auf Mandarin gibt.  

 

Die Begleittexte für den Gottesdienst gibt es auch auf Taiwanesisch und Mandarin.
Ich habe hier einmal ein Beispiel herausgesucht:
Taiwanesisch: 代禱者2:恩典的主啊,阮向祢承認阮的自私及驕傲,𧿬踏(thún-ta̍h) 人的尊嚴 ...
Mandarin: 代禱者2:恩典的上主啊,我們向祢承認我們的自私和驕傲,踐踏人的尊嚴...
Es sind in beiden Texten doch eine Menge von Zeichen gleich (hier kursiv):
代禱者2:恩典的主啊,阮向祢承認的自私驕傲,𧿬(thún-ta̍h) 人的尊嚴
代禱者2:恩典的主啊,我們向祢承認我們的自私驕傲,踐踏人的尊嚴
Große Teile des Textes werden gleich geschrieben, aber verschieden ausgesprochen. Bei 𧿬踏 (thún-ta̍h) ist das erste Zeichen ein Kurzzeichen, wie es in der VR China gebräuchlich ist, aber im Mandarin werden die Zeichen jiàntà ausgesprochen – es bedeutet trampeln.

Es wurden Briefe an Glaubensschwestern verlesen, wie z.B. Pao-chu (Bao-Zhu / 寶珠), Fen-Jiau (Feng-Jiao / 鳳嬌) oder Daiken (Dai-Ken 岱懇), in denen von den Schwierigkeiten, aber auch deren Überwindung berichtet wurde. So wir Pao-chu für ihren Einsatz im Umweltschutz gelobt und man möchte in ihre Fußstapfen treten. Die Briefschreiberin berichtet darüber, daß sie schon zuhause Dinge recycelt, so zum Beispiel Plastikmüll vermeided. Bei Fen-Jiau wird berichtet, daß sie jahrelang für ihre Familie gesorgt hat und am Arbeitsplatz wegen ihres Alters diskriminiert wurde. Sie mußte gesellschaftlichen Normen, die sich gegen die Frauen richteten, ertragen, aber durch ihr Engagement ist sie ein Segen für andere Schwestern geworden. Bei Daiken berichtet die Briefschreiberin über sexuelle und verbale Misshandlung im Kindesalter. Dieses unerträgliche Leid aber wurde mit 14 Jahren durch die Hilfe einer Lehrerin, die Unterstützung von Sozialarbeiterinnen und anderenzur bewältigt.  Daiken konnte sie Gottes Liebe erfahren und Christus nachfolgen.  

Auch wenn es im nächsten Jahr nicht um Taiwan geht, hoffe ich, daß ich wieder Gottesdienst zum Weltgebetstag teilnehmen darf.



Links und Anmerkungen:
[1] http://rheumatologe.blogspot.com/2017/01/eine-art-biografische-notiz-zu.html
[2] https://www.cdkwv.org.tw/%e8%81%af%e7%b5%a1%e6%88%91%e5%80%91/    
[3] Die Pinyin-Umschrift ist Jiang Weiguo, häufig benutzt wird noch die Wade-Glies-Umschrift Chiang Wei-kuo, aber er selbst benutzte für den Vornamen auch Wego. Tschiang Wei-Kuo ist die Umschrift seines Namens, die er selbst bei seinem Buch benutzte: Der chinesisch-japanische Krieg 1937-1945. Wie mein Vater Tschiang Kaischek die Japaner besiegte. (Biblio Verlag, Osnabrück1986. ISBN: 3-7648-1477-2). Interessanterweise ist aber die CIP-Kurztitelaufnahme der Deutschen Biblithek unter Chiang Wei-kuo erfolgt. Er lebte von 1916 bis 1997. Mehr auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Chiang_Wei-kuo
[4] Chiang Kai-shek ist die katonesische Aussprache von Jiang Jieshi. Er wurde 1887 als Jiang Zhongzheng geboren und starb 1975. Mehr zu ihm: https://de.wikipedia.org/wiki/Chiang_Kai-shek
Kurzer Exkurs, warum die chinesischen Namen in Taiwan so kompliziert umgeschrieben werden. In der Volksrepublik China hatte man frühzeitig Pinyin eingeführt, aber ideologische Gründe verhinderten lange die Übernahme in der Republik China (Taiwan). Pinyin ist die (nach meiner Meinung) am leichtesten zu erlernende Umschrift, allerdings muss man sie lernen, denn z.B steht x in Pinyin für einen stimmlosen, palatalen Frikativ und nicht für „iks“ oder q steht für einen stimmlosen, aspirierten, palativen Frikativ und nicht für „kw“.
[5] Taiwanesisch (臺灣閩南語) ist besser als südlicher Dialekt der sino-tibetischen Sprache oder des chinesischen Min-Dialektes (閩南語) aufzufassen, der in Taiwan anders gesprochen wird als auf dem Festland. Muttersprachler nennen ihre Sprache Hokkien. Ganz genau steht es bei Wikipedia [5a] Der englische Artikel ist übrigens detaillierter und man erfährt einige interessante linguistische Einzelheiten über die acht Töne und das schwierige System des Sandhi [5b]. Es gibt nicht nur Transkriptionen in Buchstaben sondern auch in japanische Katakana und das chinesische Bopomofo System oder korrekt dem Zhuyin Fuhao (注音符號), das zu den Taiwanese Phonetic Symbols (臺語方音符號) ergänzt werden mußte [5c].  
[5a] https://de.wikipedia.org/wiki/Taiwanische_Sprache
[5b] https://en.wikipedia.org/wiki/Taiwanese_Hokkien
[5c] https://en.wikipedia.org/wiki/Taiwanese_Phonetic_Symbols
 
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Monday, October 24, 2022

Altargesteck am 23.10.2022 – 19. Sonntag nach Trinitatis

 



Das Kernthema des 19. Sonntags nach Trinitatis ist „Heile du mich Herr, so werde ich heil“ – die Heilung des Gichtkranken [1] – und über so einen Gichtkranken habe ich bereits berichtet [2], der sagte: „Ich gehe lieber in die Hölle, als noch länger diese Schmerzen auszuhalten.“ Wenn aber Jesus heilt, so hat er nicht nur die Krankheit sondern den ganzen Menschen im Sinn. Und dazu paßt auch der Wochenspruch: „Heile du mich, HERR, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.“ [3]

Wir aber beschäftigten uns mit dem Gleichnis vom verlorenen Sohn, das die Konfirmand:innen zunächst unter sich und am Folgetag mit den Eltern erarbeiteten, um den Gottesdienst mit zu gestalten. Passend dazu ging dem der Tag des Evangelisten Lukas (18.10.2022) voraus, aus dessen Evangelium der Text stammt [4]. Interessant war, das besonders die Eltern den Zorn des älteren Sohnes verstehen konnten.

Bei voller Kirche singt es sich gut. So auch das Lied Hinneh ma tov [5]. Die Pfarrerin, der Pfarrer und auch ich waren über den Liedsatz erstaunt. Ich aber noch mehr über den falsch gesetzten glottal stop [6]. Dort steht nämlich: „Hin-neh ma tov u-mah na'-im schä-vät a-chim gam ja-chad, ...“. Es hätte da stehen müssen: na-'im. Wir sangen das Stück, das nach dem 1. Vers im Psalm 133 gebildet wurde [7], im Kanon. Ich hörte, wie in meinem Block der glottal stop weggelassen wurde. Mit a-chim hatte man keine Schwierigkeiten [8], aber mit ja-chad, denn daraus wurde ja-schatt. Wenn ich jetzt einmal vom linguistischen Gemurkse wegkomme, dann bleibt zu berichten, daß die Kantorin mit dem Kanon der Gemeinde ziemlich zufrieden war.

Und was ist mit dem Altargesteck? Man hat den Eindruck, daß die Zeit nach Trinitatis zu lang wird, denn Violett ist die dominierende Farbe und die ist erst wieder am Buß- und Bettag (Mittwoch, 16. November 2022) gefragt.



Inspiriert vom täglichen Blumenstrauß
auf einem Fahrrad von Ai Weiwei (艾未未).


Links und Anmerkungen:
[1] https://www.kirchenjahr-evangelisch.de/article.php#1066
[2] https://rheumatologe.blogspot.com/2020/10/altargesteck-am-18102020-19-sonntag.html  
[3] Jer 17,14
[4] https://www.bibleserver.com/LUT/Lukas15  Lukas 15,11-32
[5] https://www.evangeliums.net/lieder/lied_hine_ma_tov_hinei_matov_uma_najim_hineh_matov.html Hier ist es ganz anders als im Liedbuch!
Christa Kirschbaum und Uwe Maibaum (Herausgeber): Egplus. 164  Lieder, Beiheft zum Evangelischen Gesangbuch für die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau und die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck. Evang. Medienverband, Kassel 2017. ISBN: 978-3-89477-892-7.
[6] Glottal stop nennt man in der Linguistik einen plötzlichen Verschluß der Stimmlippen, auch Glottisschlag oder glottaler Plosiv genannt. Der hat im Deutschen keine Bedeutung, in anderen Sprachen, so auch im Hebräischen schon.
[7] „Schön ist's, wenn Brüder und Schwestern friedlich beisammen wohnen, ...“ übersetzte Dieter Trautwein.
[9] Verständlich, denn den Namen Achim haben wir ganz genau so. Einer meiner beiden jüngeren Brüder heißt: Lutz Achim.

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Saturday, April 2, 2022

Tee und einige Aspekte aus Sinologie und Linguistik

 




Wie kam die deutsche Sprache zum Wort Tee? Das kann schnell beantwortet werden, aber es gibt weitere interessante Aspekte, die uns Sinologie und Linguistik eröffnen.

Das Wort Thee wurde im 17. Jahrhundert aus dem Niederländischen übernommen und auch so bis 1901 geschrieben; nach der damaligen Rechtschreibreform schreiben wir es ohne h, also Tee [1]. Früher gab es auch Thäler und Thüren. Oder Thrän'n wie in Friederike Kempners Gedicht „Geschichte.“ [16].

Ab etwa 1590 war im Englischen chaa, auch cha, tcha, chia, cia geschrieben, üblich. Ab etwa Mitte des 17. Jahrhunderts wurden die Bezeichnungen tay, auch thea, tey, tee und schließlich tea im 18. Jahrhundert benutzt. Chaa kam über das portugiesischen cha bzw. aus dem Hochchinesischen  (Mandarin) (chá) nach England [2]. Tea aber kam wie Tee über das Niederländische, aus dem südchinesischen Dialekt Hokkien bzw. Minanyu (
閩南語), in dem das Zeichen t'e ausgesprochen wird. Die südchinesische Aussprache ist über den Seeweg nach Europa gekommen. Allerdings wird auch im Kaukasus diese Aussprache benutzt, während Russisch, Persisch, Griechisch, Arabisch, Indisch oder Türkisch der Mandarin-Aussprache folgen, die auf den Transport des Tees auf dem Landweg zurückzuführen ist.

Ich habe einmal Bezeichnungen für Tee in verschiedenen Sprachen gesucht [3]:
Abchasisch: achaj (ачаи)
Afrikaans: tee
Albanisch: çaj
Amharisch: shai
Arabisch: schai (شاي)
Armenisch: t'ey (թեյ)
Baskisch: te
Bengalisch: châ
Birmanisch: laathpaatrai
Bhutanesisch (Dzongkha): ja
Bislama: ti und lifti
Bulgarisch: chai (чай)
Buruschaschki: chai
Chinesisch: chá ()
Dänisch: te
Deutsch: Tee
Elbisch: im Elbischen gibt es keinen Tee, aber tê bedeutet Linie, Weg [4]
Englisch: tea
Esperanto: teo
Estnisch: Tee
Fiji: ti
Finnisch: tee
Französisch: thé
Gälisch (Irisch): té
Gälisch (Schottisch): tì
Georgisch: ti (ჩაი)
Griechisch: tsai (τσάι)
Hakka: chhà ()
Hausa: shayi
Hawaiianisch: ki [5]
Hebräisch: te (תה)
Hindi: chai (चाय)
Hmong: Tshuaj yej
Hokkien (泉漳片/閩南語): tê ()
Indonesisch: teh
Isländisch: te
Italienisch: tè
Japanisch: cha (茶, ちゃ)
Javanisch: Teh
Jiddisch: tey
Kambodschanisch: dtik-dtae
Kasachisch: shay
Katalanisch: te
Kirgisisch: chay
Klingonisch: dargh
Kohistani: chai
Koreanisch: ti () und cha ()
Kurdisch Kurmanji: çay (چا)
Ladakhi: cha
Laotisch: namsah
Lateinisch: thea
Lettisch: Tēja
Lingwa de Planeta: chay – Chay kommt aus Hindi; chayguan (Teeraum oder Teehaus) hat guan (bzw. chaguan 茶馆) aus dem Chinesischen. [6]
Litauisch: arbata
Madagassisch: dite
Malaiisch: the
Malayalam: caya (ചായ)
Maltesische: tè
Maori: ti
Mongolisch: tsai (цай)
Neuguinea-Pidjin: ti
Niederländisch: thee
Norwegisch: te
Palaung: miang
Paschto: qahwa
Persisch: chai (چای )
Polnisch: herbata (aus dem Niederländischen herba theeu)
Portugiesisch: chá
Rarotonganisch: ti
Romani: drab
Rumänisch: ceai
Russisch: tschai (чай)
Samoanisch: ti
Schwedisch: te
Serbisch: čaj (чај)
Shina: chai
Shona: tii
Singhalesisch: tē (තේ)
Slowakisch: čaj
Slowenisch: čáj
Spanisch: té
Suaheli: chai
Tadschikisch: choy
Tagalog: tsa
Tahitianisch: ti
Tamilisch: tēnīr (தேநீர்)
Taschkurganisch: choy
Thailändisch: chaa (ชา)
Tibetisch: cha ()
Tonganisch: ti
Tschechisch: čaj
Türkisch çay
Turkmenisch: chay
Uigurisch: chay
Ukrainisch: chay (чай)
Ungarisch: tea
Urdu: chai  (چای)
Usbekisch: choy
Vietnamesisch: trà und chà
Volapük: tied
Wakhi: choi
Weißrussisch: harbata (гарбата) und cay (чай)
Wolof: senegalesischer Tee: àttaya, normaler Tee: lipton
Xhosa: yeti
Yoruba: tíì
Zulu: itiye

Man könnte jetzt historisch arbeiten, um herauszufinden, wann welche Bezeichnung unter welchen Umständen entstanden ist. Wahrscheinlich sind nicht nur See- und Landweg bzw. Handel  entscheidende Faktoren sondern auch Politik, Machteinflüsse, Kolonialismus und weitere mehr. Vielleicht noch eine Anmerkung zu den vielen Abarten von Chai bzw. Choy; das geht auf Chaye (茶葉) zurück und bedeutet Teeblätter.

Das Zeichen wurde erst in der Tang-Dynastie etabliert und landesweit akzeptiert, denn bis dahin wurden , , oder verwendet. [7] Lu Yu ist bekannt durch sein Werk Chajing (茶經), das zehn Kapitel in drei Bänden umfaßt [8]. Lu Yu lebte von 733 bis 804. Zurück zu den Zeichen; Lu Yu schreibt dazu im 1. Kapitel: 其名一曰茶,二曰檟,三曰蔎,四曰茗,五曰
[9] Es wird vermutet, daß mit dem Zeichen (tú) nicht nur Saudistel, Chicorée und weiteren auch Tee bezeichnet wurde. Im Kangxi Wörterbuch wird die Erklärung „bitteres Gemüse“ (苦菜) aufgeführt; mit 苦菜 wird heute Sonchus oleraceus (Gemüse-Gänsedistel) bezeichnet. Dabei wird auch das Erya (爾雅) zitiert, das der frühen Han-Zeit zugeordnet wird, und etwa 5000 Zeichen auflistet [10]. Dem Erya wird eine lakonische Sprache nachgesagt. Ein Eintrag zum Erya im Kangxi Wörterbuch lautet: 荼苦菜。


Kümmern wir uns einmal um die Bedeutung von einigen Zeichen: , die von Lu Yu erwähnten , und sowie . Interessanterweise findet sich in Karlgrens Grammata Serica nur das letzte dieser Zeichen [11]. Ich hätte gerade diese alten Zeichen dort erwartet.
(yuàn) bedeutet Garten und ist in der Bedeutung Teegarten (茶苑) bisweilen auf Teedosen zu finden.
(tú) kann neben den bereits erwähnten Bedeutungen auch vergiften oder schaden umfassen.
(míng) bedeutet Tee oder Teepflanze. Auch dieses Zeichen kann man auf Teedosen bzw. in Namen finden, da der lautgebende Teil des Zeichens míng () ist und dieses Zeichen neben Name auch die Bedeutungen berühmt, distinguiert, wertvoll umfaßt, stelle ich die Hypothese auf, daß man das Zeichen deshalb gerne benutzt. 茗圃 y.B. bedeutet Teeplantage.
(chuan) ist ein selten benutztes Zeichen, wurde aber immer als Tee benutzt. Im Chajing (茶經) werden dicke und alte Teeblätter damit bezeichnet; vielleicht war es anfangs auch der Eigenname eines Tees [12].
(jiǎ) wird für den Teebaum und den Catalpa-Baum (Trompetenbaum) benutzt. Im Erya (爾雅) bzw. einer Anmerkung aus der Jin () Dynastie (265–420) wird es als anderes Zeichen für Tee und den bitteren Tee des Shu-Volkes aufgeführt [13]. Während der Zeit der drei Reiche (220–280 bzw. 221-263) war Shu () das westlichste dieser Reiche; das Kerngebiet umfaßte das heutige Sichuan (四川) [14].
(shè) wird im Wiktionary als obsoletes Zeichen für Tee und ein aromatisches Kraut aufgeführt [15]. Es ist auch im Kangxi Wörterbuch erklärt.
 
Vielleicht kann man es so zusammenfassen. Es gab bereits vor der Han-Dynastie das Zeichen 荼, das bittere Pflanzen bezeichnete, wozu auch der Tee gehörte. Zu diesem Zeichen gesellten sich weitere und in der Tang-Dynastie, als Tee fester Bestandteil des sozialen Lebens geworden war, hat man das Zeichen 茶 (chá) für Tee entwickelt und etabliert, nicht zuletzt durch Lu Yu.


Links und Anmerkungen:

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Tee und https://en.wikipedia.org/wiki/Tea  
[2] https://www.etymonline.com/word/tea#etymonline_v_7650
[3] Viele Bezeichnungen fand ich bei:
[3a] Peter M Bergman; Cheng wen chu ban she [栢格曼編著 ; 成文出版社編輯部編]: 實用二十七種語文字典 [The concise dictionary of 27 languages in simultaneous translations]. Taipei 1976.
[3b] Izabela Will: Lonely Planet Africa Phrasebook & Dictionary. Lonely Planet Publications Ltd, Hawthorn (Victoria, Australia) 2013. ISBN: 978 1 74104 227 6
[3c] Charles Hamblin: Languages of Asia and the Pacific. TBS The Book Service Ltd, 1984. ISBN:  ‎0207136289
[3d] Justin Rudelson: Lonely Planet Central Asia Phrasebook. Lonely Planet Publications Ltd, Hawthorn (Victoria, Australia) 2008. ISBN: 978 1 74059 114 0
[4] Helmut W.Pesch: Elbisch - Grammatik, Schrift und Wörterbuch der Elben-Sprache von J.R.R. Tolkien. Bastei Lübbe (Bastei Verlag), 2006. ISBN: 340420476X
[5] Ki und nicht ti, wie in den anderen polynesischen Sprachen, da Hawaiianisch kein t kennt. https://de.wikipedia.org/wiki/Hawaiische_Sprache
[6] http://www.lingwadeplaneta.info/en/index.shtml
[7] 陳舜臣『茶の話――茶事遍路』朝日新聞社〈朝日文庫〉、1992年。ISBN 4-02-260705-X。Zitiert nach: https://ja.wikipedia.org/wiki/%E8%8C%B6#CITEREF%E9%99%B3%E8%88%9C%E8%87%A31992
[8] Das Yu in Lu Yu wird übrigens Yü ausgesprohen, mehr zu Lu Yu und der Umschrift hier: https://rheumatologe.blogspot.com/2021/09/tee-und-chinesische-bucher-uber-tee.html und https://rheumatologe.blogspot.com/2021/09/lu-yu-und-deutsche-teebucher-der.html
[9] Diese Stelle wird Kangxi-Wörterbuch (康熙字典) unter dem Eintrag ebenfalls zitiert. Das Wörterbuch wurde unter dem Kaiser Kangxi Anfang des 18. Jahrhundert erstellt. Es listet etwa 47.000 Zeichen, von denen viele allerdings nicht mehr in Gebrauch sind. Die seit der Han-Dynastie  540 üblichen Radikale, das sind Zeichenbestandteile unter denen man die Zeichen sortiert, wurden damals auf 214 reduziert. Mehr zu diesem wichtigen Werk: https://de.wikipedia.org/wiki/Kangxi-W%C3%B6rterbuch. In der Volksrepublik China wurden 1956 die Zeichen vereinfacht und die Zahl der Radikale auf 189 reduziert. Das andere wichtige Zeichenlexikon (mit den 540 Radikalen) ist das Shuowen Jiezi (說文解字), das von Xu Shen (許慎) kompiliert und im Jahr 121 veröffentlich wurde - https://de.wikipedia.org/wiki/Shuowen_Jiezi
[10] https://en.wikipedia.org/wiki/Erya
[11] Berhard Karlgren: Grammata Serica, Script and Phonetics in Chinese and Sino-Japanese in: The Bulletin of the Museum of Far Eastern Antiquities, Stockholm, 1940. Zeichen 206. Berhard Karlgren (高本漢) lebte 1889-1978. https://de.wikipedia.org/wiki/Bernhard_Karlgren   
[12] https://baike.baidu.hk/item/%E8%8D%88/6299684
[13] 「一名荈,蜀人名之苦荼。」(Ein Name für Tee, der bittere Tee des Shu-Volkes.) https://www.zdic.net/hant/%E6%AA%9F  
[14] https://de.wikipedia.org/wiki/Shu_Han
[15] https://en.wiktionary.org/wiki/%E8%94%8E
[16] Ein Nachtrag bei dem vergeblichen Versuch, Korrektur zu lesen. Ich suchte eigentlich, was Arno Schmidt genau über Thrän'n gesagt hatte und fand die Stelle nicht, dafür fand ich andere und das besagte Gedicht: https://www.gutenberg.org/files/45664/45664-h/45664-h.htm

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Monday, July 27, 2020

Tamilische Schrift in Holweide?



Gestern ging ich über die Bergisch-Gladbacher-Straße in Köln-Holweide und dachte plötzlich, ich hätte einen Buchstaben in tamilischer Schrift gesehen. Es handelt sich um das Logo der Firma Pneumant.

Buchstabe ist auch nicht korrekt. Auch nicht Silbenzeichen. Es handelt sich um eine Abugida (der Begriff stammt aus dem Altäthiopischen) oder Alphasyllabar und bezeichnet einen Typus von Alphabet, bei dem die Buchstaben nicht streng nach der gesprochenen Reihenfolge angeordnet, sondern segmental nach Silben gruppiert werden. Das Amharische benutzt solch ein System und die indischen Sprachen. Bei Tamil kommt man auf 276 solcher Zeichen.

Wenn man Zeichen wie ரு [ru] oder கு [ku] oder தி [ti] ansieht, so könnte das Logo gut dazugehören. 


Oben Singhalesisch
von 9:00 bis 6:00 Uhr Tamil

Links und Literaturangaben:

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Saturday, December 3, 2016

Hallo, eine linguistische Frage




Hallo – ich weiß gar nicht, ob es schon jemandem aufgefallen ist, aber wenn ich zu jemandem „Hallo!“ rufe, bekomme ich immer häufiger ein „Ha-lo!“ zurück.
Ich habe gerade einmal im Internet nachgeschaut, aber dort fand ich nichts im Bereich Linguistik. Es wäre doch interessant, dem Wandel der Sprache zuzuschauen und den Ursachen auf den Grund zu gehen. Übrigens hörte ich auch schon „a-le“ (fast wie Ahle oder Aale) anstatt „alle“.

Hallo ist prinzipiell ein informeller Gruß, aber es gibt auch andere Nutzungsformen wie z.B. in „Aber hallo“. Man hat verschiedene Theorien über die Herkunft des Wortes. Mittelhochdeutsch kennt man holā (wie im Spanischen heute noch), was auf das althochdeutsche Wort halōn zurückgeht und im Mittelhochdeutschen zu halen wurde. Ein andere Theorie bemüht „Holla!“, also den Ruf an den Fährmann (Hol über!).

Ich komme noch einmal auf meine zweite Beobachtung zurück. Alle hat ein kurzes A, zwei L und ein E. Ahle und Aale habe ein gelängtes A, ein L und ein E. Man müsste einmal im Labor der Phonetik nachschauen, wie sich diese āle unterscheiden. Alle wird als Wort wahrscheinlich genauso lang sein wie Ahle und Aale, die sich nur in der Schrift unterscheiden. Wie sieht es aber aus mit a-le? Ich bin der Überzeugung, dass zwar das A länger ist als in alle, aber nicht so lang wie in Ahle/Aale.
Wie steht es nun mit Ha-lo? Ich bin mir sicher, dass es sich ähnlich wie bei a-le verhält. Hallo und Halo sind verschieden lang. Man wird sie auch nicht verwechseln. Aber sind Ha-lo und Halo verschieden lang?

Vielleicht können die Linguisten dieses Rätsel lösen. Ich werde bei Hallo bleiben und darauf achten, wer mit Ha-lo antwortet.


Links:

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