Wednesday, December 8, 2021

LYRIK-Taschenkalender 2015 12. KW 08.12.2021

 




Michael Braun hat den LYRIK-Taschenkalender 2015 herausgegeben und zusammen mit Henning Ziebritzki alle am Taschenkalender beteiligten Autoren und Kommentatoren mit je einem Gedicht vorgestellt. Er ist mir jetzt wieder in die Hände gefallen. Auch dieser Kalender lädt ein zum Annotieren und Assoziieren, zum Erstellen von GegenEntwürfen. Vielleicht so auch ein wenig wie Daniel Spoerris: An Anecdoted Topography of Chance (1966 Something Else Press, New York / Cologne). Diese Annotationen stammen aus den Jahren 2014/2015 und 2020/2021.



12. KW
Jürgen Theobaldy: Dem Meister im Verschwinden

Der Frosch ist noch da im Bild, unter Wasser, im Plumps-Geräusch und in den Wellen.

„Übel sprach der Dübel und verschwand in der Wand.“ K. Reith 1974, aber wahrscheinlich auch nicht von ihm.

Den Speedlines hinterschauen bringt auch nichts.

Ist Fotografieren nicht ein „verweile doch“?

Frosch
    den Frosch
Braucht
Man
Nicht
Zu
Sehen
Oder
Das
Platschen
Zu
Hören
EinFach
Nur
Auf das
    Gedicht
Hören

In Tümpeln dümpeln.

Wein
    wir trinken
Den
Wein
Durch
Den
Filter
Unseres
MundSchutzes
Vor
Seinem
Bukett
Schützt
Uns
EbenFalls
Die
Maske
Aber
Wer
Schützt uns
    Vor
Uns selbst?


12. KW
Kommentar: Henning Ziebritzki


Bashos Plumps ist so was von dauerhaft.

„Seitdem schreibt der hartnäckige Epiker des Alltags Gedicht um Gedicht“ -: das machen viele, ohne einen VerLeger oder Leser zu finden, vielleicht einen Verleser geLegendlich.

Ignoranz und Arroganz -: da bleibt ganz klar noch die Vakanz für Eleganz und Extravaganz.

SperrSitz -: den SperrSitz gabs einmal und auch die SperrMark. Den SperrLing wird’s nicht geben.

„Seitdem schreibt der hartnäckige Epiker des Alltags Gedicht um Gedicht“ -: vielleicht schreibt der pausbäckige Häretiker des Sonn- und FeierTags Geschicht' um Geschicht'.





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Box Breathing und Windrosen Atmung

 



Ich las gerade über Box Breathing oder auch Quadrat Atmung. Es handelt sich um eine tiefe Atemtechnik, die helfen soll, die Atmung zu verlangsamen.

Wie man im Bild sieht, geht es in vier Schritten.
Schritt 1: Einatmen und bis vier zählen, dabei darauf achten, wie die Luft in die Lunge eindringt
Schritt 2: Atem anhalten und bis vier zählen
Schritt 3: Ausatmen und bis vier zählen
Schritt 4: Atem anhalten und bis vier zählen

Die Technik wurde bei den Navy Seals entwickelt, um Nervosität abzumildern. Hier liegt schon einmal eine Gefahr, das einfach zu übernehmen, denn diese Männer und Frauen sind durchtrainiert. Aber man könnte auch nicht bis vier zählen, sondern nur bis zwei oder drei. Die Technik wurde in den Bereich von Yoga gestellt [1]. Und im Prinzip ist es Pranayama-Atmung.

Mein erstes Buch über Yoga ist von Andrè van Lysebeth und heißt Yoga für Menschen von heute [2]. Er beschreibt die Wichtigkeit einer bewußten Atmung und geht auf Physiologie der tiefen Atmung ein. Da es sich um ein Buch über Hatha-Yoga handelt, ist der Bezug zur Physiologie leichtere hergestellt als bei anderen Yoga-Formen. Die Ausatmung soll doppelt so lang sein wie die Einatmung. Und das ist beim Box Breathing anders – alle Phasen sind gleich lang. Andererseits gibt es fortgeschrittene Pranayama-Techniken, bei denen das ebenfalls so ist. Sind Sie verwirrt? Ich hoffe, daß ich diesen Zustand verändern kann.

Swami Kuvalayananda [3] hat 1940 über die Physiologie von Pranayama geschrieben [4]; er hat das schon früher getan, aber das ist der Artikel, der mir vorliegt. Er schreibt, daß im Pranayama die Atmung tiefer ist und die Pausen zwischen den Phasen akzentuiert sind. Er führt die indischen Begriff für die Phasen ein und beschreibt auch die Art und Weise, wie die Abdominalmuskulatur genutzt wird, aber das würde für die aktuelle Betrachtung zu weit vom Thema führen.


B.K.S. Iyengar [5] übersetzte zu Pranayama [6]: „Pranayama is the regulation of the ingoing nd outgoing flow of breath with retention.“ Der Text ist von Pantanjali, der vor ca. 2200-2500 Jahren gelebt hat. Und da die Tradition des Pranayama so lange zurückreicht, gibt es auch entsprechend viele Kommentare und Stilrichtungen.

B.K.S. Iyengar erläuterte in einem Buch zu Pranayama [7], wie Vrtti [Vritti] Pranayama aussieht, denn es wird in Samavrtti und Visamavrtti Pranayama aufgeteilt, ämlich in Atmung von gleich langen und ungleich langen Abschnitten. Er rät, zunächst nur ein (puraka) und aus (rechaka) zu atmen, um später erst eine Retentionsphase nach dem Einatmen (antara kumbhaka) und dann auch nach dem Ausatmen (bhaya kumbhaka) graduell einzuführen; so wie ich jetzt die Begriffe zur besseren Verwirrung doch eingeführt habe. Wenn man es übt, wird man erkennen, wie schwer die Phasen der Atemretention sind.

Deshalb habe ich aus der Quadrat Atmung (Box of the Navy Seals) die Windrosen Atmung entwickelt.


Anhand der Windrose lassen sich die verschiedenen Phasen gut visualisieren.
Phase 1: Einatmen und dabei darauf achten, wie die Luft in die Lunge eindringt – Dauer 90°
Phase 2: Atem anhalten – Dauer 45°
Phase 3: Ausatmen  – Dauer 180°
Phase 4: Atem anhalten – Dauer 45°

Kommen wir zur Dauer. Wie genau muss man die Phasen einhalten? Jetzt muss ich Einhalt gebieten. Die Windrose soll ein intuitives Vorgehen fördern, denn wir wollen doch Nervosität und Stress abbauen und nicht einen neuen Grund dafür schaffen. Es muss nicht genau sein. So ungefähr ist viel besser. Die Atmung soll in die eine Richtung fließen, dann bewußt anhalten, dann in die andere Richtung fließen und wieder anhalten. Wie die Wellen des Meeres, wie Ebbe und Flut [8].


Links und Anmerkungen:
[1] https://www.webmd.com/balance/what-is-box-breathing
https://topgunspeaking.com/box-breathing-navyseals-vertrauen-joga/redeangst/
[2] Andrè van Lysebeth: Yoga für Menschen von heute – lernen, üben, beherrschen. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1970/1972.
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Kuvalayananda Swami Kuvalayananda (1883-1966) Wikipedia: „ ... und als einer der ersten die physiologischen Wirkungen des Hathayogas wissenschaftlich untersuchte.“
[4] Swami Kuvalayananda: Physiology of Pranayama. Kalyana Kalpataru Vol. VII January 1940 No. 1, Gita Press Gorakhpur, S. 219-228.
[5] B. K. S. (Bellur Krishnamachar Sundararaja) Iyengar (1918-2014) war ein indischer Yoga-Lehrer. https://de.wikipedia.org/wiki/B._K._S._Iyengar
[6] B.K.S. Iyengar: Light of the Yoga Sutras of Patanjali Paperback. Harper Collins, London and India 1997. S. 152.
[7] B.K.S. Iyengar: Light of the Yoga Sutras of Patanjali Paperback. Harper Collins, London and India 1997.
[8] Wir sagen Ebbe und Flut, Flut und Ebbe klingt ungewohnt; googlen Sie es jeweils in  Anführungszeichen.

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Tuesday, December 7, 2021

Bienenluft atmen gegen Lungenerkrankungen

 

Ich war auf der Familienfeier [1], die ich bereits erwähnt hatte. Und da erzählte jemand, der 30plus Rot-Händle am Tag raucht, daß er jetzt Bienenluft gegen seine Atembeschwerden einsetzen wolle. Wer nicht einsieht, daß man besser nicht mehr rauchen sollte, der sieht sich um nach fragwürdigen Methoden. Auf dem Flyer war ein Schnupperkurs für schlappe 380€ erwähnt. So jemandem ist nicht zu helfen.

Aber mir ist auch nicht zu helfen. Ich weiß, daß es Kokolores ist, aber ich will es genau wissen.

Es gibt eine Darstellung auf Psiram, in der auch die Methode und die Geschichte dargestellt wird [2]. Psiram führt uns so ins Thema ein: „Die Bienenluft-Therapie (auch Bienenluftinhalation, Bienenluftkur, Stocklufttherapie, Api-Air Therapie oder kurz ApiAir, engl. Beehive Air Treatment) ist eine pseudomedizinische Behandlungsmethode mit Wellnesscharakter aus dem Spektrum der Apitherapien, bei der Luft aus Bienenstöcken als so genannte Stockluft zum Einsatz kommt.“

Über Psiram konnte ich auch die Studie des verstorbenen Biochemikers Prof. Eberhard Bengsch einsehen, denn die ist von verschiedenen Seiten verschwunden – ich nehme an, weil es gar keine Studie im Sinne von – wir haben soundsoviel Probanden untersucht und dies und das ist dabei rausgekommen – ist, sondern der alte Herr hat sich ein paar Gedanken gemacht [3]. Bengsch berichtet über 800 Krankenheiten, die man mit Bienenprodukten heilen könne und auch über mögliche Quantifizierungen von Verbesserungen. Aber das sind allenfalls Wünsche und noch nicht einmal das Exposé für eine Studie. Er sieht ein, daß über die Einatmung von Bienenluft nur geringe Substanzmengen transportiert werden kann und bemüht dann die Homöopathie [4], um daraus zu schließen, daß es wirksam sein könnte.



Gerne wird in Insiderkreisen auch Prof. Karl Speer bemüht. Er hat eine Professur für Spezielle Lebensmittelchemie und Lebensmittelproduktion an der Technischen Universität Dresden [5]. Speer beschäftigt sich u.a. mit Bienen und Honig sowie Nachweisverfahren über die Herkunft von Honig. Aber damit ist er auch in einem Milieu, das Aussagen von ihm fordert, wie diese hier: „Es ist noch ungeklärt, inwieweit die eigentliche Therapie oder die Umgebung dem Patienten gut tun.“ „Wie viel positiven Einfluss die Ruhe und Ausgeglichenheit auf dem Land haben, wo die Therapie stattfindet, oder das ruhige Einatmen – und welchen Anteil die Inhaltsstoffe der Bienenstockluft selbst zur Therapie beisteuern, bedarf noch eingehender Untersuchungen.“ [6] Und so ist es auch wissenschaftlich korrekt. Das Zitat habe ich von der Seite der Deutsche Lungenstiftung e.V. und dem Verband Pneumologischer Kliniken e.V. (VPK), mit deren Vorsitzendem Dr. med. Thomas Voshaar wir im Rheinischen Rheuma Zentrum lange Jahre produktiv zusammengearbeitet haben.

In Österreich hat man ebenfalls nachgefragt und nach Studien gesucht (2015 und 2018) [7]. Das Urteil ist vernichtend: „Es existieren keine wissenschaftlichen Studien zur Therapie mit der Luft aus Bienenstöcken.“ Ich habe auch eine Recherche durchgeführt und es gibt weiterhin keine Studien, die in PubMed gelistet wären [8].

Im Kölner Wochenspiegel (kostenloses Anzeigenblatt) suchte 2015 einmal ein Heilpraktiker Probanden für eine Studie, an der auch eine HNO-Ärztin mit Untersuchungen teilnehmen sollte [9]. Aber es ist bislang nichts über die Ergebnisse einer solchen Studie bekannt geworden.

Mir wäre am liebsten, man würde die Bienen in Ruhe lassen


Was ist über Kosten bekannt? „..., über die die Patienten dann in einer 30 Minuten langen Sitzung die Bienenstockluft einatmen. Die Basisbehandlung umfasst sechs Sitzungen und kostet 380 Euro. Diese Leistungen müssen privat finanziert werden.“ [10] Diese Zahl fand ich auch auf dem Flyer mit dem Schnupperkurs. Ich würde das nicht machen, weil ich mich über die Bedenken zur Wirksamkeit (bislang kein Nachweis) hinaus noch abgezockt fühlen würde.

Eines der Argumente ist jedoch, daß es sich um Wellness handeln würde. Es wird auch als Wellness vertrieben, aber ich lese, daß Krankheiten geheilt werden sollen und das Wort Therapie fällt. Das ist in meinen Augen unredlich. Anscheinend aber ist die Schwelle für die Aufsichtsbehörden noch nicht überschritten.

PS: Wann wird Luft aus dem Ameisenhaufen eingeatmet? Wann kommt Luft aus dem Misthaufen dran? Immerhin ist Kuhmist ein anerkanntes ayurvedisches Heilmittel, von dem Scienceblogs über einen Kuh-Kacktail (Smoothie mit Kuhmist etc.) berichtete [11].




Links und Anmerkungen:
[1] https://rheumatologe.blogspot.com/2021/12/trost-eine-buchbesprechung.html Vielleicht sollte ich noch anmerken, daß wir uns 2Gplus wg. der exzessiven Corona-Inzidenz auferlegt hatten.
[2] https://www.psiram.com/de/index.php/Bienenluft-Therapie
[3] Eberhard Bengsch nannte seine nicht ganz vier DIN A4 Seiten lange Schrift: „Studie über das Potenzial einer biomedizinischen Wirksamkeit von inhalierter Bienenluft“. Dies ist unveröffentlicht geblieben.
[4] Hier kann man sich über Homöpathie informieren: https://www.quarks.de/gesundheit/medizin/homoeopathie-wissenschaftlich-nicht-nachvollziehbar/
[5] Hier sind einige Veröffentlichungen mit dem Co-Author K. Speer:
[5a] Recklies K, Peukert C, Kölling-Speer I, Speer K. Differentiation of Honeydew Honeys from Blossom Honeys and According to Their Botanical Origin by Electrical Conductivity and Phenolic and Sugar Spectra. J Agric Food Chem. 2021 Feb 3;69(4):1329-1347. doi: 10.1021/acs.jafc.0c05311. Epub 2021 Jan 21. PMID: 33476168.
[5b] Beitlich N, Koelling-Speer I, Oelschlaegel S, Speer K. Differentiation of manuka honey from kanuka honey and from jelly bush honey using HS-SPME-GC/MS and UHPLC-PDA-MS/MS. J Agric Food Chem. 2014 Jul 9;62(27):6435-44. doi: 10.1021/jf501818f. Epub 2014 Jun 26. PMID: 24941132.
[5c] Oelschlaegel S, Gruner M, Wang PN, Boettcher A, Koelling-Speer I, Speer K. Classification and characterization of manuka honeys based on phenolic compounds and methylglyoxal. J Agric Food Chem. 2012 Jul 25;60(29):7229-37. doi: 10.1021/jf300888q. Epub 2012 Jul 11. PMID: 22676798.
[6] https://www.lungenaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/wie-gesund-ist-die-luft-im-bienenstock/
[7] https://www.medizin-transparent.at/bienenluft-therapie-als-asthma-hoffnung/
[8] Man kann sich zu über 30 Millionen Artikeln aus dem Bereich Medizin (Titel und wenn vorhanden auch Abstracts oder die Vollversion des Artikels) informieren. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/mesh/
[9] http://www.koelner-wochenspiegel.de/rag-kws/docs/884093  Hier gibt es allerdings keinen Zugriff mehr. (Der Hinweis stammte aus einem Forum)
[10] https://www.saechsische.de/plus/gesund-durch-bienenluft-5081411.html
[11] https://scienceblogs.de/bloodnacid/2017/05/19/wissenschaftlich-bestaetigter-kuhmist/
 

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Trost – eine Buchbesprechung

 


Ich benötigte ein Geschenk für eine Familienfeier und hatte überhaupt keine Idee, was ich denn verschenken könnte. Da sah ich ein Buch, das antiquarisch wohlfeil zu erstehen war. Und fast hätte ich es mir und nicht als Geschenk gekauft. Nur, daß ich dann mein Problem mit dem Geschenk weiter mit mir herumtragen müßte, hat mich davon abgehalten. Obwohl, kurz ging es mir noch durch den Kopf, daß man mich für verrückt erklären könnte und sagen würde: “Bist Du noch bei Trost?!“

Aber mit Trost hat das Buch schon zu tun, denn es heißt „Trost im Alter“ [1]. Das Imprimatur (Druckerlaubnis für kirchliche Drucksachen) wurde 1905 erteilt, das heißt aber, daß der Verlag einen langen Atem hat. Ähnliche Gebetbücher gibt es auch von anderen Verlagen. Aber dieses Buch ist um einige Drehungen interessanter.

Der Verlag hat seinen Sitz in Turnhout, d.h. in Nordbelgien, der Ort liegt zwischen Antwerpen und Eindthoven. Kurz nach dem 2. Weltkrieg wird da ein Buch auf Deutsch und dann auch noch in Frakturschrift gedruckt. Die Deutschsprachige Gemeinschaft war zu diesem Zeitpunkt noch nicht (wieder) etabliert und liegt auch viel weiter südlich (östlich von Eupen und östlich von Malmédy) [2].


Das Buch ist im Bleisatz gedruckt worden. Dabei werden die einzelnen Wörter aus Buchstaben aus dem Setzkasten zusammengesetzt, dann wird gedruckt und dann werden die Lettern wieder in den Setzkasten sortiert. Das ist aufwändiger als eine Datei zu erstellen, den Font auszusuchen und dann den Drucker einzuschalten.


Die Typen sind im Großdruck. Der Großdruck, wie wir ihn heute kennen, ist dagegen erstaunlich klein. Es war als Trost im Alter, also für alte Menschen gedacht, zu einer Zeit, als die Lesebrille nicht für 2,50€ im Supermarkt erhältlich war. Die erbaulichen Bildchen tragen hingegen sehr kleine Schriften. Da darf man davon ausgehen, daß die Leser dieses Buches kannten, was oder wer da abgebildet war und nicht das Kleingedruckte benötigten.


Also, bei „Trost im Alter“ von Pater J.J. Schons handelt es sich nicht um ein Buch, das in jedem Bücherschrank stehen muß. Es ist mehr etwas für Liebhaber.



Links und Anmerkungen:
[1] P. [Pater] J.J. Schons, O.S.B. [Ordo Sancti Benedicti Benediktiner-Orden]: Trost im Alter. Vollständiges Gebetbuch für Erwachsene. Verlag Brepols, Verleger des Hl. Apostol. Stuhles, Turnhout (Belgien) 1952, Imprimatur 1905.
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Deutschsprachige_Gemeinschaft

 

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Jordanischer Tee

 



Ich hatte den jordanischen Tee oder besser Tee, wie ich ihn in Jordanien getrunken hatte, gleich zweimal erwähnt bzw. auch schon darüber geschrieben [1].

Gibt es „die“ jordanische Art, Tee zuzubereiten? Ziemlich sicher nicht. Es ist eine Art und Weise der Teezubereitung, die sich über die Levante, die arabische Halbinsel und wahrscheinlich auch Teile der Sahara erstreckt, um in immer anderen Mischungen zu erscheinen. Man findet Schwarztee ähnlich wie bei uns, nur eher aus Konzentrat mit Zucker hergestellt, oder mit verschiedenen Gewürzen und/oder Kräutern versetzt. Man findet auch Kräutertees wie Salbei oder Thymian, was mich verwundert hatte. Außerdem handelt es sich um Tee des offenen Feuers, der Beduinen und dieser Tee eine starke soziale Komponente, man trinkt ihn in Gesellschaft und man unterhält sich.




Hier ist eine Aufstellung, wie ich sie auf einem Blog gefunden habe [2], wer sich für die konkreten Rezepte interesssiert, sollte direkt auf diesen Blog (in Englisch) gehen:
Jemen – Schwarztee mit Kardamom, Nelke und/oder Minze
Katar – Schwarztee mit Zucker gebrüht und mit Kondensmilch aufgefüllt
Kuwait – Schwarztee mit Kardamom, Safran und Zucker
Saudi Arabien – Schwarztee mit Zucker aufgebrüht
Arabien – Schwarztee mit frischem Salbei oder Minze und etwas Zucker

Wenn man diese Aufstellung mit dem Rezept vergleicht, das ich hier vorstelle, dann kommt es schon nah an einige heran. Der Tee wird häufig direkt mit Zucker aufgebrüht. An Orten, an denen Touristen serviert wird, läßt man häufig den Zucker weg oder stellt Zucker zur Verfügung zum individuellen Süßen. Ich trinke Tee lieber ohne Zucker, aber dann hat sich das Getränk schon vom Original entfernt.

Am besten gefiel mir aber eine Zubereitung von Schwarztee (z.B. kräftiger Assam-Tee) mit verschiedenen Gewürzen. Schwarzer Tee und Zucker werden aufgekocht und dann Kardamom, Zimt (Sticks) und Salbei hinzugefügt. Diese Form des Schwarztees war besonders im Wadi Ram sehr lecker – nach einem Sonnenaufgang bei starkem Wind; Wind und Landschaft erinnerten mich an den Film „Der Marsianer“ [3] – Kunststück, der Film wurde dort gedreht. Die Gewürzmischung kann man in Souvenirläden oder -ständen kaufen, aber man kann Salbei auch aus dem Garten und Gewürze aus dem Schrank nehmen. Ich empfehle, anstatt Salbei auch Thymian zu probieren.




Bei Kardamom ist der Grüne Kardamom gemeint, der in Currypulver zu finden ist, aber auch bei Weihnachtsgebäck verwendet wird. Kardamom wirkt auf manche Menschen „seifig“. Aber ich habe z.B. die Angewohnheit, Kaffee mit Kardamom zu brühen. Und weil ich Kardamom sehr schätze, werde ich mir auch dann und wann einen jordanischen Tee zubereiten.



Links und Anmerkungen:

[1] https://rheumatologe.blogspot.com/2021/11/drinking-coffee-and-tea-in-jordan.html woraus ich für diesen Text Teile übersetzt habe und https://rheumatologe.blogspot.com/2021/12/tee-und-beimengungen.html in dem ich versprach, darüber zu schreiben.
[2] https://mjskitchen.com/2011/09/teas-arabian-peninsula/
[3] Der Marsianer – Rettet Mark Watney (Originaltitel: The Martian) ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Film von Ridley Scott aus dem Jahr 2015 mit Matt Damon als Hauptdarsteller. https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Marsianer_%E2%80%93_Rettet_Mark_Watney Warum kann man im Deutschen nicht den schönen prägnanten Titel belassen?!


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Friday, December 3, 2021

Tibetischer Buttertee

 


Meinen ersten tibetischen Buttertee (oder vielleicht besser Yakbuttertee) habe ich vor über 20 Jahren in einem kleinen Dachcafé mit Blick auf den Barkhor mit Jokhang getrunken. Der Tee schmeckte sauer und stechend und erinnerte mich an Ziegenkäse. Der Tee heißt im Tibetischen: gebutterter Tee (འབྲི་མར།  oder ཇ་སྲུབ་མ) und im Han-Chinesischen heißt er ebenso Buttertee (酥油茶) [1]. Neben Tibet wird Buttertee auch in Nepal, Bhutan, Ladakh, Sikkim und weiteren Orten getrunken.
 


Eine Freundin, die als Reiseleiterin tätig war, sagte mir einmal, nachdem sie in der Mongolei Kumys (fermentierte Stutenmilch) getrunken hatte, daß sie da erst Yakbuttertee zu schätzen gelernt hätte. Ich habe in Kirgistan Kumys getrunken und der hatte mir geschmeckt (und ich bekam auch nicht den angedrohten Durchfall). [2] Und auch vor 20 Jahren war ich vom Buttertee nicht entsetzt. Beim letzten Besuch hatte er mir sogar sehr zugesagt. Ich hatte ihn sowohl in Hotels als auch in ländlicher Gegend getrunken. Ich denke, es hat etwas mit der Qualität der Butter und einer allgemeinen Verbesserung der Hygiene zu tun.


Die großen, gelben Quader sind Yakbutter.

Yakmilch hat einen höheren Fettgehalt und liefert daher mehr Butter als Kuhmilch. Außerdem besteht Yakbutter zu einem höheren Anteil aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren als Kuhmilch. Dies und die früheren Lagerprobleme (kein Kühlschrank, Temperaturunterschied am Tag von Gefrieren bis brütende Hitze plus fehlende hygienische Behälter) lassen die Yakbutter innerhalb kurzer Zeit ranzig und sauer werden. Dies hat sich aber geändert. 

Tee in Shigatse

Normalerweise verwenden die Tibeter ein Butterfass, in die sie Tee, heißes Wasser, Salz und Butter geben. Historisch wurde Tee in Ziegeln nach Tibet transportiert. Der Brauch begann in der Tang-Dynastie. Man hatte grobe Blätter, Zweige, Staub mit Reismehl und Wasser in Ziegel gepresst und dann getrochnet, da so der langwierige Transport (Karawane) bewerkstelligt werden konnte. Es wurde besonders Pu Er Tee (普洱茶) verwendet. Es ist schon lange her, daß ich so einen Ziegel Tee hatte. Heute wird auch schwarzer Blatttee verwendet. Man kann zuerst ein Konzentrat kochen, das dann mit heißem Wasser vermischt wird. Bitte denken Sie daran, dass Wasser in den Höhenlagen Tibets bei niedrigeren Temperaturen kocht.

Eine Schale Buttertee in Ladakh

Wie kommt man im Westen auf den Geschmack von Buttertee? Einen Liter Wasser verwenden und zum Kochen bringen, abkühlen lassen, 2 Esslöffel schwarzen Tee wie Assam-/Ceylon-Tee oder sogar Pu Er Tee oder Ziegeltee dazugeben, die Teeblätter herausnehmen, wenn der Tee stark genug ist, 200 ml Milch, vorzugsweise Ziegenmilch, hinzufügen; dann alles zusammen mit Salz, zwei Esslöffel Butter und einem Teelöffel cremigen Ziegenkäse (es sei denn, man bekäme Yakbutter, die einer meiner Brüder vor ca. 1 ½ Jahren zufällig erstehen konnte) in einen Mixer geben. Gut mischen und sofort servieren (um ein heißes Getränk zu sich zu nehmen und bevor Ihre Gäste die Möglichkeit haben, von zu Hause zu fliehen). Nein, man bekommt ein wunderbares Getränk!

Buttertee während der Morgen-Zeremonie (Ladakh)

In Tibet hat Teetrinken auch etwas mit Ernährung zu tun. Geröstetes Gerstenmehl (Tsampa) wurde mit Tee gemischt und zu Kugel geformt und dann gegessen; aber das haben Sie sicherlich bei Alexandra David-Neel [3] gelesen.




Links und Anmerkungen:
[1] https://en.wikipedia.org/wiki/Butter_tea
[2] https://rheumatologe.blogspot.com/2018/09/yak-butter-tea.html
[3] Alexandra David-Neel: Leben in Tibet. Kulinarische und andere Traditionen aus dem Lande des Ewigen Schnees. Basel 1994. ISBN: 3859143247 – auch in anderen von ihren Büchern!

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Vegetarische Küche – eine Buchbesprechung

 



Ich habe kürzlich ein Buch (eher ein Heft) mit den Worten „Du bist doch Vegetarier ...“ in die Hand gedrückt bekommen, gefolgt von der Drohung „Ach, wenn Du's nicht willst, werfe ich es weg“ - ich kann doch nicht dabei zusehen, wie Bücher weggeworfen werden. Also habe ich es dankend genommen.

Es handelt sich um „Vegetarische Küche“ [1], ein Heft von 96 Seiten, in China gedruckt – ohne Autor; Larissa Kröhnert hat das Vorwort geschrieben. „Die vegetarische Küche bietet eine köstliche Alternative zu Fleischgerichten.“ Ich hoffe, daß sich Dante eine besonders schlimme Hölle für den Autor dieser Zeile ausgedacht hat. „Schritt-für-Schritt-Fotos“ „erleichtern das Zubereiten der vegetarischen Köstlichkeiten.“

Vegetarisch steht hier für fleischlos, aber das ist nicht korrekt, denn Vegetarier essen weder Lachs, Thunfisch noch Scampi, die in den Rezepten des Buches auftauchen [2]. Diese Rezepte machen 10% des Umfangs aus – also damit könnte ich leben. Aber dann schaue ich genauer hin und das erste Rezept „Spaghetti mit Gemüse-Bolognese wird mit Parmesan zubereitet und der wird mit tierischem Lab hergestellt.

Die Schritt-für-Schritt-Fotos habe ich mir genauer angesehen. Da wird gezeigt, wie man Champignons mit der Eierharfe oder mit einem Messer in Scheiben schneidet. Wie man eine Zwiebel schält. Wie man Thunfisch aus der Dose abtropfen läßt – igitt! Oder wie Eier oder Möhren im Topf mit Wasser kochen. Mein Favorit ist aber „Nudeln garen“ - das macht man mit jeder einzelnen Nudel, die man (hier an Penne gezeigt) von beiden Seiten mit Daumen und Zeigefinger ergreift. Das möchte ich auch können!

Wo ich gerade bei den Penne bin, die gehören zu „Gebratener Spargel mit Penne und Nussbutter“. Nussbutter (beurre noisette) und Haselnussbutter (Beurre d’avelines) sind mir schon bekannt, und so etwas ist hier auch gemeint, aber im veganen/vegetarischen Umfeld versteht man unter  Nussbutter oder Nussmus etwas anderes.

Und dann ist mehrfach von Semmelknödel die Rede. Aber es muss SemmelnKnödeln heißen, wie Karl Valentin Liesl Karlstadt (und uns) 1940 erklärt hat [3].

Eigentlich müßte ich das Buch jetzt entsorgen, aber das geht nun nicht mehr – ich hätte nicht darüber schreiben sollen.


Links und Anmerkungen:
[1] Larissa Kröhnert (Vorwort): Vegetarische Küche. Sonderausgabe Moewig, Heinrich Bauer Carat Verlag KG ohne Jahr. ISBN:     978-3-86803-251-2. Die fehlende Jahresangabe erschwert die Einordnung – vor oder nach 2000 macht schon einen Unterschied.
[2] Strenge Vegetarier ernähren sich rein pflanzlich (vegan geht insofern darüber hinaus, als auch Gegenstände des täglichen Lebens wie Schuhe oder Gürtel mit einbezogen werden), Ovo-Vegetarier  erlauben Eier,  Lakto-Vegetarier erlauben Milch und Ovo-Lakto-Vegetarier ernähren sich auch mit Eiern und Milch. Mehr dazu hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Vegetarismus Pescetarier sind Menschen, die auf Fleisch verzichten, was anerkennenswert ist, aber sie zählen nicht zu den Vegetariern.
[3] https://www.br.de/mediathek/podcast/karl-valentin-der-podcast-mit-der-komiker-legende/original-1-semmelnknoedeln/1787683


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